sie noch Joggeli schliefen bald und wohl . Nicht weit von da war ein ander Gespräch . Meist teilten Elisi und Vreneli das Schlafgemach , wenn es Elisi nicht in Sinn kam , die Vornehme zu machen und ins Stöckli zu gehen , wo sie allerdings ein sehr schön ausstaffiertes Zimmer hatte . Kaum waren sie diesmal in ihrem Stübchen , so fing Elisi an : » Jä gell , wenn du öppis wüßtest ! Aber ih säg drs nit , du bruchst das emal einist nit z ' wüsse . « Vreneli meinte , es sei von einem neuen Tschöpli die Rede oder einem neuen Kittel , und gab sich zum Erraten viele Mühe nicht . Aber in allen möglichen Redeformen forderte ds Elisi das Vreneli zum Erraten auf , bis das Letztere sagte : Es hätte jetzt des Gstürms genug , entweder solle es schweigen oder sagen , was es habe . » Was sagst du , « sagte Elisi endlich , » wenn einer kommt in einer schönen Chaise und mich will ? « » Was wollte ich dazu sagen ? « sagte Vreneli , » frag du Uli , was der dazu sagt . « » Den hab ich nicht zu fragen und der hat mir nicht zu befehlen ; du kannst ihn meinethalb jetzt haben , ihr werdet ohnehin die Köpfe brav zusammengesteckt haben , während ich fortgewesen bin « , sagte Elisi . » Aber es ist mir jetzt gleich , was frag ich einem Knecht nach , und wär er noch einmal so hübsch ; du kannst ihn jetzt haben , du hast doch schon lange um ihn nötlich getan , ich habe jetzt einen Andern . « » Schäme dich , « sagte Vreneli , » so etwas zu sagen . Sag , wann bin ich dem Mannenvolk nachgelaufen , Knechten oder Anderen ? Sags doch , wenn du kannst . Wenn ich schon keine reiche Tochter bin , so hätte ich mich doch geschämt . Ich habe nie einen gelockt , bin nie so anlässig an einem herumgestrichen und lasse mir daher nichts derlei vorhalten , am wenigsten von dir . Behalte , was du hast , ich begehre nichts davon , weder deinen Uli noch etwas anderes ! « » Meinen Uli ! Ich habe keinen Uli , was geht mich unser Knecht an ? Hast nicht gehört ? Ich habe einen Andern und bin mit ihm versprochen . Ach , so einen Schönen , so einen Reichen hast du wohl noch nie gesehen ! Er kommt die nächsten Tage , da wirst du luegen ! « » Rede doch nicht so dumm , « sagte Vreneli . » Glaubst , du könnest mich zum Narren halten ? Glaubst du , ich wisse nicht , daß du mit dem Uli versprochen bist ? « » Schweig mir doch mit deinem Tüfels Uli ! Hast du nicht gehört , daß ich nichts von ihm will ? Es ist mir ja nie Ernst gewesen . Ach nein , einen so Schönen und Reichen hast du sicher nicht gesehen . Ich gehe dann mit ihm in die Stadt , lasse mich anders kleiden . Das Abgende von meinen bäurschen Kleidern kannst du dann alles haben . « » Schweig doch mit deinem Gstürm , « sagte Vreneli , » ich merke dich schon . Ich soll dir nur etwas über Uli sagen und dir glauben mit dem Andern , daß du es dann morgen Uli sagen kannst und Streit anstellen , ich kenne dich . « » Du machst mich bald taub , daß du meinst , es sei nicht wahr « , sagte ds Elisi . » Wir wollen die Mutter fragen , die wird dir sagen , ob es wahr ist oder nicht . « » Aber und Uli ? « fragte Vreneli , » was willst du denn mit dem ? « » Was geht mich Uli an ? « sagte Elisi , » du hasts schon gehört . Es wäre öppe bös , wenn man einen jeden , den man angesehen hat , gleich heiraten müßte . « » Aber du hast nicht bloß ihn angesehen , du hast ihm vom Heiraten gesagt und es versprochen « , antwortete Vreneli . » Warum hats der Narr geglaubt ! Was kann ich dafür ? Es halten so viel Buben Meitscheni zum Narren ; es wird doch wohl auch erlaubt sein , daß hie und da ein Meitschi einen Buben zum Narren hält . « » Du bisch e Uflat , « sagte Vreneli , zog das Dackbett über die Ohren , gab keine Antwort mehr , was ds Elisi auch noch dämperlen mochte . Am folgenden Morgen war Waffenstillstand , keine der streitenden Partien ließ sich mit der andern ein . Die Mutter ging umher , jedem Hausgenossen ihren Kram insgeheim abzugeben , und verbot jedem , denselben den Andern zu zeigen , sie könnten sonst schalus werden - und nach einer Stunde wußte ein jeder , was die Andern empfangen , und manch saures Gesicht entstand , manch Stichwort wurde gewechselt , denn beim besten Willen , es allen zu treffen , ists unmöglich . Elisi packte aus und verkehrte dabei viel mit den Mägden , die ihm alle Augenblicke Handbietung leisten mußten . Nachdem es ihnen alles gespienzelt , was es heimgebracht , verfiel es in seine verblümte Redeweise und gab zu verstehen , daß sie bald noch etwas viel Köstlicheres , Schöneres zu sehen kriegten , das es im Gurnigel sich erworben . Es redete mit ihnen so verblümt , daß sie die Wahrheit blinzligen greifen konnten , und in einigen Stunden wußte es das ganze Hauspersonal : ds Elisi hätte einen , einen Reichen und Vornehmen , und von Uli wolle es nichts mehr wissen . Dieser hatte arglos seine Arbeit gemacht , den Nachmittag in der Schmiede zugebracht , wo er Pferde beschlagen ließ . Abends heimkommend , sah er allerlei Gesichter , hörte hier muckeln , dort muckeln , und wenn er dazukam , so schwieg man , ging auseinander . Allerlei Blicken begegnete er , spöttischen , mitleidigen usw. Es dünkte ihn , die Mutter und Vreneli seien nie so freundlich gegen ihn gewesen ; hingegen tat Elisi , als sehe es ihn nicht , und wich ihm absichtlich aus . Er wußte nicht , was das zu bedeuten hatte ; erst am Abend , als er zu Bette ging , fragte er den Buben , der in seinem Stübchen schlief und der sehr an ihm hing , weil er ihn menschlich behandelte , was es gegeben habe hier , es mache alles so wunderliche Gesichter . Er dürfe es ihm fast nicht sagen , sagte der Bube , er wisse übrigens auch nicht , ob es wahr sei . Uli wollte es wissen , und da sagte der Bube , es heiße , ds Elisi hätte einen , und der werde die nächsten Tage kommen , ein gar grusam Reicher und Schöner , und von Uli wolle es nichts mehr wissen . Uli fragte , woher das gekommen sei ? Der Knabe sagte , er wisse es nicht bestimmt , aber es heiße , ds Elisi selbst habe es den Jungfrauen gerühmt und die es weitergesagt . Etwas müsse sein , der Meister mache ein gar bös Gesicht und habe den ganzen Tag der Meisterfrau kein Wort gesagt , auch hätten sie gestern im Bette lange stark miteinander geredet . Das traf Uli hart , er konnte es fast nicht glauben , so schlecht könnte ds Elisi nicht sein , dachte er ; habe es ihm nicht das gesagt , jenes verheißen , und sei es es nicht gewesen , das ihn gesucht , ihn gewollt ? Dann aber fielen ihm dessen Zögerungen auf , dessen Hinhalten , dessen gegenwärtig Betragen . Und doch , dachte er , könnte es ihn nicht so zum Narren halten , das wäre ja schlecht , und schlecht sei doch Elisi nicht , wenn es auch nicht das Listigste sei . Ob das wohl der Lohn seiner Redlichkeit , seiner Aufmerksamkeit sein solle , dachte er . Mehrere tausend Pfund habe er dem Meister genützt und zum Dank jetzt endlich Spott und Hohn . Alle Leute hätten von der Sache geredet ; wenn es jetzt anders komme , so lächerete es alle und er dürfe sich nirgends mehr zeigen . Was sollte dann aus ihm werden ? Alle seine Träume fielen stückweise auseinander während der langen Nacht . So , dachte er , darf man mir mitspielen , weil ich nur ein Knecht bin , immer und ewig nur Knecht . Es ist , als ob ein Fluch auf dem Worte läge , und ein Lümmel ist , wer etwas anderes will und versucht , sich aufzuschwingen . Ja , mein Meister konnte schön predigen , aber das war eine Speispredigt in seinen Sack . Er wollte einen guten Knecht . Was habe nun ich davon , daß ich einer geworden ? Spott , Hohn , ein weites Nachsehn und eine lange Nase . Und doch dünkte es ihn dann wieder , so könne es eigentlich nicht sein , die ganze Geschichte werde wohl ein leer Gerede sein , ein Spuk , wie ihn Jungfrauen oft anstellen . Das nahm er sich vor : morgen wolle er wissen , woran er sei ; könne er es nicht von Elisi vernehmen , so gehe er geradewegs zur Meisterfrau und frage die ; so darinhangen wolle er nicht länger , und sei die Sache so , wie die Leute sagen , so packe er auf und bleibe keine Stunde länger . Am Morgen konnte er lange des Elisi nicht habhaft werden , obgleich er , während alle Andern aufs Feld gingen , zu Hause blieb , grasete , dängelete usw. Endlich sah er es im Garten , auffallend geputzt , sich dort schöne Blumen aussuchend . Er zauderte nicht lange und stund vor Elisi , ehe dasselbe sich dessen versah . » Warum fliehst du mich immer ? « fragte er , » was soll das bedeuten ? « » Ho , nüt « , sagte Elisi . » Aber warum bist du so gegen mich und gibst mir kein freundlich Wort ? « » Hab ich denn nicht mehr das Recht , zu sein , wie ich will ; Und wenn ich so sein will , so geht es dich nichts an . « » So , ist das so gemeint ? « fragte Uli . » Dann wird es wohl wahr sein , daß du einen Andern hast ? « » Und wenn ich einen hätte , was ginge es dich an ? Ich bekümmere mich ja auch nicht darum , was du seither mit Vreni gemacht hast . « » Das dürfen alle Leute wissen , « sagte Uli . » Aber ich möchte wissen , ob du ein so schlechtes Mönsch seiest , einen Andern zu nehmen , während du mir versprochen hast . « » Herr Yses , Herr Yses , jetzt sagt mir noch der Uflat Mönsch , « heulte ds Elisi . » Du Knecht du , willst du mich jetzt rüeyig lassen , oder ich rufe Vater und Mutter . « » Ruf wem du willst , « sagte Uli , » aber die schlechteste Person bist du , welche die Erde trägt , nicht wert , daß dich die Sonne anscheint , wenn es wahr ist , was die Leute sagen . Aber gell , Elisi , es ist nicht ? « » Warum sollte es nicht sein ? « sagte Elisi . » Wenn ich einen Reichern und Vornehmern haben kann , warum sollte ich dann dich nehmen ? Das wäre ja dumm . Aber tue nicht so wüst , ich will dir dann z ' best reden und Meiner muß dich in seine Handlig nehmen , da kannst du ungwerchet reich werden . « Wie Elisi dies sagte , fuhr eine schöne Chaise vors Haus , ein geputzter Herr darin . Wie Elisi ihn erblickte , schrie es : » Da ist er , da ist er ! « und lief auf ihn zu . Die Mutter stund unter die Türe und wischte sich verlegen die Hände am Fürtuch ab . Joggeli ließ sich nicht sehen , und Uli stand im Garten wie Loths Weib . Es ging geraume Zeit , ehe er wußte , was er machte und was er machen wollte . Fast bewußtlos hatte er gesehen , wie ds Elisi den Menschen empfing und ins Stöckli führte . Dann ballte er die Fäuste und sagte : » Dem Donner will ich es recht sagen , der muß wissen , was für eine er hat , und dann will ich fort , keine Stunde bleibe ich länger da . « Wie er so in einem Satz vom Garten auf die Terrasse springen will , wird er festgehalten am Hemdärmel , daß er fast in zwei Stücke zerriß . Zornig aufziehend , dem unerwarteten Halter eins zu versetzen , sah er Vreneli neben sich unerschrocken stehn und ihn festhalten . Er schlug nun nicht , aber schnellte ein zorniges : » La mih gah ! « » Nein , ich lasse dich nicht gehen « , sagte Vreneli ; » lueg mich nur an , wie du willst , aber gehn sollst mir nicht . Du daurest mich , Uli , es macht dirs wüst , aber eben deswegen mußt du jetzt der Witzigere sein . Bleib da und tue dergleichen , als gehe dich alles nichts an , das macht es am täubsten . Tust du wüst , so lachen sie dich aus , und das täte ich ihnen an deinem Platz nicht zu Gefallen . « Uli wollte lange dieses nicht begreifen und klagte bitter , wie wüst Elisi ihms gemacht . » Sei du froh , « sagte Vreneli , » ich habe nichts sagen mögen ; aber danke Gott auf den Knieen , daß es so gegangen ist . Wenn du Elisi kenntest wie ich , so nähmtest du es nicht , und wenn die ganze Welt sein wäre . « » Das mag jetzt sein , wie es will , « sagte Uli , » so will ich hier fort auf der Stelle ; meinethalb kann der neue Tochtermann ihnen den Hof arbeiten . « » Das wäre noch dümmer , « sagte Vreneli , » dann erst würden die Leute zentum lachen und brüllen , wie es dir ergangen . Die einen würden sagen , sie hätten dich fortgejagt , die andern , du seiest zum Narren gehalten worden , du hättest dir eingebildet , du seiest schon Glunggenbauer , und machten dir Gäbeli . Stelle dich , als gehe dich alles nichts an , als lächere dich die Sache noch , so werden die Leute nicht wissen , woran sie sind , dich nicht nur in Ruhe lassen , sondern noch sagen : Da sieht man jetzt , Uli ist nicht so dumm , wie man geglaubt hat , er hat sie zum Narren gehalten und nicht sie ihn . « » Du bist eine Dolders Hex , « sagte Uli , » aber der Tüfel soll mich nehmen , wenn ich länger da Knecht bleibe « - » als du gedinget hast , « setzte Vreneli hinzu . » Zu Weihnacht kannst du meinethalb gehen vielleicht gehe ich auch . Aber jetzt gehe nicht . Tue es mir und der Mutter nicht zuleid . Was macht doch das dem Elisi , wenn du gehst ? Im Gegenteil , es ist ihm noch das Rechte . Die ganze Bürde fällt auf die Base und mich ; der Vetter nimmt sich ja der Sache nur an , um zu branzen . Was vermögen wir uns Beide , daß es so gegangen ? Aber zähl darauf , du wärest unglücklich geworden , und der Herr wird es auch , zähl darauf . Vielleicht aber betrügt Eins das Andere . Gehe jetzt in Stall , sieh zum Mutzschwanz , gib ihm Haber , mach , wie wenns dir ganz anständig ginge , und zähle auf mich , du wirst sehen , es kömmt am besten so . Man kommt am besten durch die Welt , wenn man oft die Welt nicht merken läßt , wie es eim ist . « » Du magst etwas recht haben , « sagte der in der langen Zwiesprache etwas abgekühlte Uli , » aber wenn man nicht zuweilen ausdonnern könnte , es würde einem zuletzt versprengen . Es gehörte sich , daß man einer solchen Täsche auch einmal die Sache sagte . « » Das kannst du eben am besten , wenn du hier bleibst , da wird es sich dir wohl einmal viel besser schicken als heute . Und wenn du hättest müssen den Weg gehen , wo ich , so wüßtest du , daß man mit dem . Ausdonnern wenig gewinnt . Ausdonnern heißt nicht klug sein wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben . Die Not hat es mich gelehrt . Aber gehe jetzt , ich werde dem Herrn kücheln und brägeln müssen , und ich tue es ihm von Herzen gern . « Während die hier so verhandelten und Uli endlich gehorchte wider Willen , fand eine andere Verhandlung statt im Stöckli . Dorthin hatte die Mutter Käse und Wein und weißes Brot gebracht , nachdem sie Vreneli umsonst gerufen . Dann war sie zurückgeeilt zu Joggeli , hatte ihm gesagt , wer da sei , und nun sollte er die Sonntagskutte anziehen , ein Halstuch umlegen und hinüberkommen . Aber Joggeli wollte nicht . Dem Schminggel laufe er nicht nach , er begehre ihn nicht zu sehen , er wolle nichts von ihm und hätte nichts mit ihm , man solle ihn ruhig lassen ; er könne wieder gehen , wo er hergekommen . So könne er doch nicht tun , sagte die Mutter , gerade wie wenn er nicht halb witzig wäre . Mit ihm reden müsse er , und er solle sich in acht nehmen , was er mache . Sie wolle nichts gesagt haben , sich in gar nichts mischen , aber sie wolle dann auch nicht schuld sein , wenn das Meitschi z ' lätz tue . Er wisse wohl , wie es sei . Und wenn es etwas Unwatlichs machen würde , so müßte man sich ein Gewissen machen in Zeit und Ewigkeit . Das begehre sie nicht , sie begehre ruhig zu sterben . Damit ging sie hinaus , und hart schlug hinter ihr die Türe zu . Joggeli brummelte fast eine Stunde lang mit sich und über die Weiber , die an nichts schuld sein und doch alles regieren wollten . Unterdessen schenkte Elisi dem Baumwollenhändler ein , sagte , so streng es konnte : » Näht doch , näht doch , trinkit ! « Endlich längte Joggeli nach dem Halstuch , band es um und sagte , eine andere Kutte ziehe er nicht an , seine sei für so einen Schminggel gut genug ; dann nahm er den Stock , trätschete zwischen Haus und Stöckli einigen Bäumen nach . Drinnen sah ihn der Baumwollenhändler und fragte : Ob das der Vater sei ? Als Elisi Ja sagte , sagte er : So wolle er hinaus , ihn zu grüßen . Joggeli wollte eine halbe Wendung links machen , allein er entrann nicht mehr . Er sei so frei , sagte der Baumwollenhändler , und komme , zu sehen , wie seiner Frau Gemahlin und seiner Jungfer Tochter ihre Kur im Gurnigel zugeschlagen ; dort hätte er die Ehre gehabt , ihre Bekanntschaft zu machen , und die glücklichsten Tage seines Lebens verlebt . Joggeli sagte : » He ja , es wird so sein ! Ihr werdet krank gewesen sein , daß Ihr ins Bad habt müssen ? « Nein , eigentlich nicht , sagte der Baumwollenhändler , aber er hätte Ruhe nötig gehabt . Nun erzählte er von seinem großen Geschäft und seinen weiten Reisen und wie er mit Extrapost Tag und Nacht von Petersburg gekommen usw. , daß dem Joggeli der Verstand fast stillstund und der Respekt sich einstellte . Reden kann der , dachte er , wie druckt , und wenn nur das Halbe wahr ist , so ist das ein ganzer Bursch . Gezogenes Werch gab dem Händler Anlaß , zu fragen : Ob er wohl den Hanfsamen selbst ziehe ? Als Joggeli Nein sagte , verbreitete er sich über die Orte , wo man ihn am besten kaufe : von Basel , von Freiburg im Breisgau , redete von den Pflanzungen aller Art , die man dort sehe , was für Samen dort gewonnen werden und wie viel sie dem Land eintrügen und wie viel auch hier damit zu machen wäre , wenn man nur die Sache verstehen wollte und nicht zu fast am Alten hinge . Er garantiere : auf einem großen Gut könnte man leicht zwei- bis dreitausend Pfund aus allerlei Sämereien lösen , wenn man nur wollte . Dr Tüfel dachte Joggeli , wenn nur das Halbe wahr ist , so wäre das der wert , und sein Respekt nahm zu . Als die Mutter im Vorbeigehen fragen konnte : » Nun , wie gefallt er dir ? « , sagte er , so für einen Herrn sei er noch nicht der Dümmste ; er wisse doch noch , daß die Kühe Hörner hätten und die Pferde keine und wo Bartlome Most hole . Der Baumwollenhändler wußte , was er zu rühmen hatte . Das schöne Tischzeug bot ihm viel Stoff ; dann kam er vom geräucherten Fleisch auf Hamburg , von der Hamme auf die westfälischen Schinken , vom Bratis auf die Kälber in St. Urban und was die Bandweber in Baselland für Kalbfleisch essen , und endlich brachte ihn der gute Wein aus der weißen Flasche auf den Wein überhaupt . Hier legte er so viele Kenntnisse an Tag , wußte so viel Sorten zu nennen , die verschiedenen Unterscheidungszeichen anzugeben , daß Joggeli dachte : Gegen den ist Johannes nur ein Löhl . Wenn der den Neuenburger kennt und den Weltschen , so ists allen Handel . Er sei doch schon an mancher Kindbett gewesen , aber so einen Kurzweiligen habe er selten angetroffen , die Zeit gehe einem um , man wisse nicht wie , und brauche man doch nicht viel dazu zu sagen . Die Mutter vergaß fast das Nöten ob all dem Reden , und Elisi , das nicht begriff , was der Herr wollte , wurde ganz böse , daß er immer mit dem Vater redete und sich nicht mit ihm abgab . Es plärete fast und sagte der Mutter draußen : Es glaube , es wolle nichts mehr von dem , er sei so unhöflich und unmanierlich wie der gröbste Knecht und hätte während dem ganzen Essen nichts mit ihm geredet . » Du dumms Elisi , « sagte die Mutter , » du bist doch immer der gleiche Tätsch ! Merkst du nicht , daß er beim Vater in Hulden kommen muß , wenn er Ja sagen soll ? Du weißt ja , wie er wüst getan . « » Was geht ihn der Vater an ? « sagte ds Elisi . » Er will mich heiraten , und wegen dem Vater kann er mir den Kummer überlassen ; dem wollte ich es reisen , wenn er etwas darwider haben wollte . « » Schweig doch , « sagte die Mutter , » es dünkt mich , es möge eins herkommen , woher es wolle , so sei es witziger als du , und doch hat man ein erschrecklich Geld an dich gewandt und bist noch im Weltschland gewesen . Aber wo die Gaben nicht sind , was will man ? « » Und dann , « fuhr ds Elisi fort , » hat er immer das Vreneli angesehen , wenn es etwas brachte ; er ist ein Wüster , ich habe es ihm angesehen . Das Vreneli soll nicht mehr hinüberkommen , du kannst bringen , was wir noch mangeln . « » Du wirst noch etwas anderes erfahren , Elisi « , sagte die Mutter . » Das wirst du Keinem wehren können , daß er nicht die Andern auch ansieht ; froh kannst sein , wenn es nur dabei bleibt . « Es wolle dann beim Donner luegen , sagte ds Elisi . Unterdessen hatten drinnen die wichtigen Verhandlungen begonnen . Der Baumwollenhändler hatte den ersten Augenblick ergriffen , als er mit Joggeli alleine war , die Bewerbung zu eröffnen , noch schöner und wohlgestellter als bei der Mutter . Von Ehesteuer sagte er kein Wort , kein Wort von Trossel , hingegen zog er eine Brieftasche hervor voll Papier und sagte Joggeli , da könne er einen Begriff von seinem Geschäft erhalten und seinem Vermögen . Diese Brieftasche enthielt eine Menge Wechsel aller Art , von denen Joggeli wenig anders begriff als die Summen und dann die für bar Vermögen nahm , so daß er wie die Mutter nicht begreifen konnte , warum so ein grusam Geschickter , grusam Reicher und grusam Schöner an Elisi sich mache . Es habe halt , dachte er , ein jeder Mensch seinen Gaue . Die Einen wollten ihre Weiber bleich , die Andern rot , die Einen fett , die Andern mager , die Einen hoffärtig , die Andern tätig , die Einen narrochtig , die Andern witzig . Der werde nun gerade so eins wollen , wie ds Elisi sei , das werde sein Gaue sein , darüber müsse man sich nicht verwundern . So dachte Joggeli während der schönen Rede des Bewerbers . Aber sein mißtrauisch Gemüt war damit noch lange nicht befriedigt ; er fragte noch eine Menge Dinge , machte viele Einwendungen , suchte über Bekannte , Verwandte ihn auszuforschen , um allfällige Erkundigungen einziehen zu können , und brachte am Ende selbst die Rede auf die Ehesteuer . Er bitte sich aus , sagte der Herr , daß davon einstweilen keine Rede sei , er sei darin gar nicht wie Andere gesinnet und hätte es eigentlich auch nicht nötig . Er wolle nicht sagen , daß er das Geld nicht auch lieb habe ; aber der Mann sei dafür da , die Frau zu erhalten . Sollte es später in ihrem guten Willen liegen , ihm etwas zu geben , so werde er es mit Dank annehmen , sonst sei er mit Nichts auch zufrieden , die Jungfer Elise sei ihm alles . Es werden sich später viele Gelegenheiten geben , einander nützlich zu sein , wenn er das Glück hätte , in ihre Familie zu treten . Ihren Flachs , ihr Kirschenwasser sollten sie künftig ganz anders verkaufen als jetzt , aus dem letztern löse er in Frankfurt wenigstens vier Pfund aus der Maß . Auch mit dem Korn lasse sich viel machen , wenn man es verstehe . Dann gehe es sehr oft Gelegenheit zu schönen Spekulationen , wenn man bares Geld zur Verfügung habe . Nun geschehe es , daß auch der reichste Kaufmann oft zu solchen Nebengeschäften nicht Geld habe ; wenn er dann in solchen Augenblicken vorsprechen dürfte um Vorschuß , so könne er leicht fünf und sechs Prozente offerieren und doch noch zehn bis fünfzehn Prozente gewinnen . Das gefiel Joggeli nicht übel . Der , dachte er , sei doch ein kurioser Held , mit dem ließe sich noch handeln , noch besser als mit einem Bauer . Doch wollte er seine Einwilligung noch nicht geben , sondern forderte vierzehn Tage Bedenkzeit . Man müsse mit dem Sohn reden , sagte er , und hie und da nachfragen ; wenn er ihm schon traue , so sei das doch so der Brauch . Zudem wußte er nicht , ob ds Elisi nicht besser täte , ledig zu bleiben ; es sei neue kränklich und möge wenig erleiden . » Was wolltest du davon wissen ? « sagte ds Elisi , » du weißt viel , was ich erleiden mag oder nicht . Aber wenn immer alles auf einem ist , so muß eim allbets einist öppis fehle . « Der Herr fiel rasch ein und beteuerte , wie die Jungfer Elise ihm gerade recht sei , drückte ihre Hände , beteuerte , wie die Bedenkzeit ihm gerade recht sei . Ja freilich , sie könnten über ihn fragen , wo sie wollten , so mußten sie alles Gute vernehmen , wenn die Leute nicht verleumdeten , was freilich oft geschehe , besonders wenn man viele Neider hätte . Unterdessen solle man ihm doch erlauben , der Jungfer Elise einstweilen ein Andenken zu gehen , und somit zog er ein Kästchen hervor , eine prächtige Uhr mit Kette daraus und hängte die mit zärtlichen Gebärden der Jungfer Elise um und bat sich ehrerbietig die Erlaubnis aus , der Uhr noch ein Küßchen beifügen zu können . Jetzt war ds Elisi wieder zufrieden mit ihm , freute sich wie ein Kind über sein Geschenk , lief ins Haus , es dem Vreneli , den Jungfrauen zu zeigen , und dann wieder zu dem Geliebten , ihn zu fragen , wie man sie öffne und wo man sie aufziehe , ihm erzählend , wie des Bruders Frau Augen machen werde , wenn sie dieselbe sehe . Elisi wollte jetzt gegen die Bedenkzeit sich auflehnen , der Geliebte aber bat recht dringend , den Eltern nachzugeben . Unterdessen könne er seine Papiere in Ordnung bringen , daß die Verkündigung alsobald erfolgen könne . Man müsse die gute Jahreszeit profitieren , um noch eine rechte Hochzeitreise zu machen , wohin es seine Elise gelüste . Nun erst begann Elisis Jubel , und dann plärete es wieder über den Aufschub , es hätte die Reise gleich jetzt antreten mögen . So verrann der Tag . Der Glückliche