Antlitz Wallraden ' s geheftet , welche hart und ohne Rührung fortfuhr , Streich auf Streich gegen das kindlich wehrlose Herz der Unglücklichen zu führen . - » Nimmer wirst Du ferner den Schändlichen schauen ; « sprach sie : » nach Frankreich ist er gezogen , um unter französischen oder englischen Fahnen sein Blut zu verspritzen . Nicht des Kaisers Zorn scheuchte ihn aus den Gemarken seines Vaterlands , sondern die Furcht vor der Rache Gottes und seiner Kirche . Er liegt im Bann . « » Herr des Himmels ! « schrie Katharine auf : » Im Bann ? Was hat der Unglückselige gefrevelt ? Was hat ihn in die ewige Verdammniß gebracht ? O rede , rede Wallrade ! « » Du forderst mich auf , den größten Jammer . Dir nicht länger zu verhehlen ; « versetzte das Fräulein , » der Herr von der Rhön hat mit Gottes heiligstem Gebote seinen verfluchten Spott getrieben . Das Sakrament der Ehe , das der Herr selbst eingesetzt , hat er mißbraucht , um seinen Lüsten zu fröhnen . Ehe er Dich zum Weibe nahm in böser Arglist , hatte ihn der Priester schon mit einer andern eingesegnet vor Gott . « » Halt ein ! « rief Katharine , entsetzt auffahrend ; allein die Unerbittliche vollendete demungeachtet : » Die , die er verließ , um Dich zu betrügen , schmachtet dahin in Elend und Kummer sammt ihren Kindern . Und dennoch ist sie weniger zu beklagen , als Du ; denn Deine Ehe mit dem Verräther ist Sünde und Schmach ; Dein Kind ist unehelich gezeugt in Schuld und Frevel . « Katharine sank mit einem dumpfen Laut vom Sessel zur Erde , und mitleidige Ohnmacht schloß ihr Auge . - Aber das Mitleid stand an ihrer Seite nicht . Wallrade leistete ihr keine Hülfe , sondern lächelte tückisch in das Unglück , das sie angerichtet . Mit grausamem Übermuth heftete sie die wilden Augen bald auf das arme Weib zu ihren Füßen , bald auf dessen , in weichen Kissen schlummerndes Kind . Grimmiges Rachgefühl verzog ihr Gesicht , hob die kühn arbeitende Brust . Die Hände schlug sie befriedigt zusammen , und murmelte höhnend zwischen den Zähnen : » Der Siegreich ist gefallen ! Fast stehe ich am Ziele . Er , flüchtig wie ein Ächter ; sie , losgerissen von Allem , in meiner Gewalt ; sein Kind mein Opfer , wehrlos hingegeben meiner Vergeltung ! So mußte es kommen . Leben muß er zu seiner Qual , und wenn auch die kühnste Verzweiflung ihn wieder zum verlaßnen Herde triebe , verstohlen , um jeden Preiß seine Lieben noch einmal zu sehen , die Stätte öde finden , und nicht wissen , wo sie athmen , die ihm theuer sind . Vergehen muß er nun langsam in fruchtlosem Jammer ; vergehen muß aber auch sie an der trägen Glut fressenden Grams ; und erblassen muß die Tochter in meinem Schooß , verwelken an dem Genusse des Wermuthbechers , den ich ihr reichen will vom Sonnenaufgang bis zum Abendroth . Dies zu vollbringen helfe mir das Unglück , das so gerne feindselig des Menschen Geschick zu untergraben bereit ist ! - « Die Zofe trat hier in die Stube , und bebte zurück , da sie die erblaßt dahin Gesunkene ersah . » Was solls ? « fragte Wallrade . » Rüdiger ist zurück ; « berichtete die Magd , ihrer Bestürzung kaum Herr werdend . - » Zurück ? « fragte Wallrade wiederum , und ein heller Schein überstrahlte ihre Züge : » Ich gehe , ihn zu sprechen . Stehe Du mittlerweile hier der Elenden bei , und bringe sie zur Ruhe . - « Mit einem höhnenden Abschiedsblick rauschte sie zur Thüre hinaus , vor welcher der Knecht Rüdiger wartete . Sie winkte ihm in die Seitenstube . - » Sag ' an Deine Mähr ; « begann sie zu dem Manne . » Gesagt ist sie bald , « erwiederte derselbe . » Es hat Alles seine völlige Richtigkeit . Der Knabe , von dem Ihr Kunde haben wollt , ist wirklich derjenige , wofür er ausgegeben wird . « - » Nicht möglich ! « fiel Wallrade ein : » Du lügst ! « - » Ihr dürft mich einen Lügner schelten ; « versetzte der Breitgestirnte gleichmüthig : » Ihr seyd meine Herrschaft , und ich Euer halseigner Knecht . Aber trotz dem konnte ich zu Wiesbaden nichts anderes herausbringen . Die Frau Willhild von welcher mir Else erzählte , da ich sie Eurem Gebote gemäß , geschickt ausforschte , hat richtig Herrn Diether ' s Junker erzogen , und ihn verwichnen Herbst zur Stadt gebracht . Keine Seele in ihrem Wohnorte und zu Wiesbaden weiß Anderes davon zu berichten . All meine Mühe war umsonst . « - » Schon genug ; « versetzte Wallrade : » Du bist ein Büffel , und ich werde selbst an Ort und Stelle sehen , ob Du meinen Auftrag ausgerichtet , wie ich ' s begehrt . « - » Das steht Euch frei ; « entgegnete Rüdiger wie oben : » aber , ob Ihr gleich der Herr seyd und ich Nichts gegen Euch vorstelle , so werdet Ihr doch finden , daß ich Recht habe . « Nachdem er sich entfernt , überlegte Wallrade , mit Ernst und Fleiß , wie Alles sich zu ihren schnöden Zwecken fügen müsse . - » Diese schwüle Gewitterhitze kann nicht von Bestand seyn , « sprach sie zu sich selbst : » bleibe ich länger , so kömmt es zur Fehde zwischen der Stiefmutter und mir . Den offnen Bruch muß ich jedoch vermeiden , bis ich ihr hart an ' s Leben kann . Jetzt treibt mich die Vorsicht von hinnen , denn nach dem , was Katharine sprach , ist mein Bruder angelangt , und brütet sicher in geheimer Stille Verderben gegen mich . Ihm muß ich ausweichen zu gelegner Zeit , und selbst zu Wiesbaden und an Willhild ' s Wohnorte die Waffen suchen , deren ich bedarf , um Margarethen zu vernichten . Denn - falsch ist ihr Spiel ; wie sollte ich den Buben nicht kennen ? Warum wäre er so scheu und furchtsam gewesen , da er mich nur sah ? Welch ein seltsam Verhängniß ihn auch hieher , gerade in dieses Haus geführt haben mag ..... ich will es benützen . Zuerst diene er mir als Hebel zum Sturze meiner Feindin ; dann erst soll auch ihn meine verzögerte Rache ereilen . Ehe ich aber die Fahrt antrete , die mir Gewißheit verschaffen soll , wo Margarethens Sohn hingekommen , muß ich noch ein Gift bereiten , das ich in Diether ' s Wunde streuen kann , um sie nie verharrschen zu lassen . « » Um Gottes Barmherzigkeit willen , laßt mich zu ihr ! « jammerte eine flagende Stimme draußen , und Bilger ' s Gattin stürzte mit aufgelöstem Haar und zerrütteten Gewändern zu Wallraden herein . » Ich konnte sie nicht aufhalten ! « versicherte die zagend nachfolgende Zofe , da sie in Wallradens finsterm Blicke den Zorn über die unverhoffte und unwillkommne Störung las . Verweint , bleich , mit wankenden Knien nahte sich Katharine dem Fräulein , das durch einen Wink die Dienerin entfernte ; sie ergriff des Fräuleins Hand und sah sie mit dem Ausdrucke unaussprechlicher Wehmuth an . - » Was willst Du , Katharine von der Rhön ? « fragte Wallrade hart und abgeschlossen . - » Verbirg mich vor meiner eignen Schande ! « schluchzte Katharine , » und nenne den unglücklichen Namen nicht , der mich einst selig machte , und nun meine ganze Zukunft vergiften wird . « - » Wie soll ich Dich denn also nennen , Unselige ? « fragte Wallrade wie zuvor . - » Hab ich denn mein Recht auf Deine Freundschaft verloren ? « klagte Katharine : » An Deinem Busen fand ich Trost über des Gatten Verlust , als er mich und sein Kind so schnöde verlassen hatte : Deinem Zureden folgte ich , als ich unsers gnädigsten Kaisers Gnade von mir verwies , die für meine Zukunft sorgen wollte . Deiner ernstlichen Zuneigung vertraute ich , als Du mich auffordertest , mit Dir zu ziehen , um des treulosen geliebten Flüchtlings Spur zu verfolgen . O , steh mir auch jetzt bei in den schwersten Stunden meines Lebens ! Hilf mir in diesem Sturme meines empörten Herzens ! « - » Wie soll ich ? « sprach Wallrade mit Kälte und unverkennbarem Widerwillen . - » Werde mir nicht fremd ; « fuhr Bilger ' s Gattin dringender fort : » zürne nicht meiner Scheu , zu glauben , was meine Seele durchschneidet wie ein Schwert . Ist es auch sichre lautre Wahrheit , was Du mir berichtet ? « - Wallrade richtete sich stolz in die Höhe : » Wozu diese Frage ? « sagte sie mit einem Tone , der die arme unschuldige Katharine beben machte : » Ich lüge nicht . Beruhigt Dich aber ein Eid mehr , als mein Wort , so schwöre ich den theuersten , daß ich Wahrheit sprach . « - » Und wer .... wer ist die , die er zuerst umfing , um sie zu meiden für meinen Besitz ? « fragte Katharine , wie von Eiseskälte geschüttelt weiter . - » Die Unglückliche ist hier geboren , aus edelm Geschlechte stammend ; « entgegnete Wallrade zögernd : » sogar nahe - nahe mit mir befreundet . Ihren Namen , wie den Ort , den sie bewohnt mit ihren vaterlosen Waisen , hoffe nicht von mir zu erfahren . « - » O nenne mir ihn ! « bat Katharine flehend , und außer sich : » Nenne mir das Weib , nenne es ! « - » Mit nichten ! « höhnte Wallrade : » Etwa , damit Du , die leidenschaftlichste aller Frauen , die ein lodernd Feuer unter harmlosem Antlitz birgt , die stille Zurückgezogenheit der Ärmsten stören mögest durch Deine Klagen , Deine Verwünschungen ? « - » O , wie hart urtheilst Du von mir ! « versetzte die Frau von der Rhön : » ich habe für ihn , den falschen Verräther , den sündigen Mann keine Verwünschung , und ich sollte jener zürnen , die früher von ihm betrogen wurde , denn ich ? « - » Du sprichst gut ; « antwortete Wallrade gleichgültig : » nur Schade , daß Deine Rede gleißender ist , als die That es seyn würde . Das Weib ist heftiger in seinem Haß , als der Mann selbst . Überdies kehrst Du die Waffen gegen Dich selbst , sobald Du ruchtbar machst , daß Du den in Bann Verfallnen in verbrecherischer Ehe umschlungen . So wie Du die Sünde mit ihm theiltest , so müßtest Du auch die Strafe mit ihm theilen . Gelüstet ' s Dich , mit geschornem Haupt und nackten Füßen , die gelbe Kerze in der Hand vor der Kirchenpforte zu knien , Buße zu thun vor den Augen der Gemeinde , und jeden Vorübergehenden um Vergebung anzubetteln im Namen des barmherzigen Gottes und seiner Heiligen ? Gewährte es Dir Luft etwa , als Verführerin des ruchlosen . Mannes , der , sich selbst feig der Gefahr entziehend , Dich darinnen umkommen läßt , Dein Leben in einem dumpfigen Kerker bei Wasser und Brod zu vertrauern , während Dein Mägdlein im Schlamm der Schande und des Mangels untergeht ? Und doch wären dieses die Folgen Deiner Unbesonnenheit . Das Geschlecht der rechtmäßigen Gattin von der Rhön ' s würde Dich auf ' s grausamste verfolgen . Du würdest unbezweifelt das Opfer seyn . « - » Du entfaltest ein erbärmlich Loos vor meinem Blicke ; « seufzte Katharine mit Thränen der Angst in den schönen Augen : » wohin ich sehe , droht mir Schande . Meinen Namen wage ich nicht mehr vor einem fremden Ohre auszusprechen . « » Du mußt ihn auch aus der Welt tilgen ; « forderte Wallrade gebieterisch : » Du darfst nicht mehr nach dem Elenden Dich nennen ; nicht Dich , nicht Dein Kind : denn nur jene Erste führt das Wappen derer von de Rhön mit Recht . Und nicht nur Dein Name , du selbst mußt aus dem Alltagsleben verschwinden , - willst Du ruhig , ungefährdet seyn , und Reue üben ob dem Frevel , dessen Du Dich theilhaftig gemacht . « - » So rede ! « flehte Katharine : » Rathe ! zeige mir einen Weg , der zu der Abgeschiedenheit führt , die allein mir Heil bringen kann ! « - Wallrade schwieg hartnäckig , und erst , nachdem Katharine alle Bitten der Freundschaft an sie verschwendet hatte , begann sie ernst und gemessen , wie folgt : » Gerne würde ich Dir eine Zuflucht in meinem Hause anbieten , allein mein Gut wirft kaum meinen Unterhalt ab , und die zahlreiche Nachbarschaft , die in meinem Hofe aus-und eingeht , könnte Dir gefährlich werden . Ich möchte meine Freundschaft nicht gern mit Bann und Interdikt belohnt sehen . « - » Was bleibt mir übrig ? « weinte Katharine und rang die Hände : » Meine Eltern sind schon lange todt . Zu Bilger ' s Freunden darf ich nicht , soll nicht das Gräßliche an ' s Tagslicht kommen ; des Kaisers Hülfe hab ' ich ausgeschlagen .... « » Mit Fug und Recht ; « unterbrach sie Wallrade herrisch : » der Kaiser ist ein Meister in der Kunst , schwache Weiber zu bethören . Du weißt , auf welche Weise er meine unschuldige Freundschaft fast vergolten hätte . Welch ein Schicksal , als seine Buhlerin angesehen , und in der Folge von dem wankelmüthigen Lüstling in ' s Elend gestoßen zu werden ! Ich würde es vorziehen , den weißen Stab zur Hand zu nehmen , und von der Mildthätigkeit meiner Nebenmenschen die Fristung meines Lebens zu heischen . « » Das ist auch das Einzige , das mir bescheert ist , guter Gott ! « seufzte die arme Katharine : » Bilger war nicht reich . Das Wenige , das er vor seiner Flucht gewonnen hatte , und zurückließ , wird bald zerronnen seyn , - und dann , wie Gott will ! Die Freundin stößt mich von sich .... was darf ich von fremden Menschen hoffen ? « - Sie wankte zur Thüre . Mit dem Ausdruck falschen Mitleids rief sie Wallrade zurück . - » Höre mich ; « sprach die Letztere so gleißend , als sie vermochte : » will ich denn Dein Unglück ? Zweifelst Du denn an meinem herzlichen Bedauern ? Vernimm meinen Rath . Er wird Dich von der Reinheit meiner Gedanken , wie von meiner aufrichtigen Sorge für Dein Seelenheil , das Du gewissermaßen verwirkt hast durch Deine Verbindung mit dem Sünder , überzeugen . Wahr ist ' s : der Menschen Satzung spricht ein hart und grausam Urtheil über das Verbrechen , dessen Theilnehmerin Du unläugbar gewesen : darum weiche dem Schwert irdischer Gerechtigkeit aus . Wohin könntest Du aber vertrauensvoller fliehen , als unter den Schirm Gottes , der die ewige Barmherzigkeit ist , und den Tod des Sünders nicht will ? Wirf Dich in die Arme des Erlösers ! Vertraue , folge mir , und ich führe Dich an seine Brust , welche ihr kostbares Blut vergossen hat , um uns rein zu waschen von jedem Frevel . Die Oberin des Stifts der weißen Frauen ist mir hold , und würde auf meine Verwendung Dich gerne unter die Zahl der Reuerinnen aufnehmen . Hinter jenen uralten Mauern bist Du sicher . Todt ist dort jedes außerhalb begangene Vergehen ; Buße und Versöhnung wohnen in dem Schooße jener ehrwürdigen Schwesterschaft . Durch Arbeit und Gebet wirst Du die verlorne Zufriedenheit wieder gewinnen , den sündlichen Namen , den Du trägst , vertauschen mit einem neuen gottgefälligen , und die Krone der ewigen Seligkeit erringen ! « - Katharine , bleich wie ein Marmorbild , starrte Wallraden unbeweglich an . Die Augen waren ohne Thränen , obschon ein bittrer Schmerz aus ihnen leuchtete . Lange konnte sie kein Wort der Erwiederung finden . Endlich öffnete sich der blasse Mund . » Wallrade ! « klagte die Gequälte : » Du forderst mich auf , lebendig in ' s Grub zu steigen ? O , wie oft hörte ich , daß hinter Klostermauern der Friede nicht wohnt ! Dort soll ich des Lebens Blüthe verwelken sehen ? Ich bin ja noch so jung , Wallrade , ich habe kaum die Welt geschaut , und soll sie schon vergessen in dumpfiger Zelle ? Du begehrst das Schwerste , das ich kaum gewähren könnte ! « » Wie ' s Euch beliebt ; « antwortete Wallrade kalt : » mein Rath war redlich , Katharine ; daß ihr ihn nicht befolgt , möchte Euch zu spät gereuen . Mich kümmert zwar Euer Loos nicht im mindesten . Wollet mir jedoch die Liebe thun , mein Haus stracks zu meiden . Ich lebe nicht gern mit Fluch und Bann unter einem Dache . « Die grausame Rede schüttelte Katharinens schwaches Widerstreben zu Staub . Ein Strom von Thränen preßte sich unter den Wimpern der Leidenden hervor , die wie verzweifelnd sich zu Wallradens Füßen warf . » O Wallrade ! « jammerte sie : » Bin ich denn so ganz dem Bösen verfallen in Deinen Augen , daß Du mich unerbittlicher von Dir stößest , als es ein Heide thun würde ! Ach , Wallrade ! hat jemals Dein Mund wahrgesprochen , als er mich Freundin nannte , - so jage mich nicht von dannen , wie den gehetzten Hirsch ! Hast Du nicht Mitleid mit mir - weil ich eine große Sünderin bin , - so habe doch Erbarmen mit meinem unschuldigen Würmlein , das nicht entgelten soll die Frevel seiner Erzeuger . Weise uns nicht hinaus in das wilde feindliche Treiben , das uns verschlingen würde ! Ich habe nie gelernt , allein zu wandeln die Bahn des Lebens , .... wie soll ich es jetzt beginnen , da mir alle Stützen brachen ? .. mit ihnen mein Muth ? « » Du fühlst es also , « zürnte Wallrade , - » Du fühlst es , daß der Strudel der Welt Dich hinabziehen würde , und zögerst noch , in den sichern Hafen zu schiffen ? Du bist Dir bewußt , schwächer zu seyn als ein Kind , und sträubst Dich , nach dem treusten Stab , nach dem Kreuze zu fassen ? Thörichte , in Sünde und eitle Sinnenlust Verstrickte ! Ich sollte Dich vergehen lassen im Verderben , .... aber noch einmal wendet sich Dir mein Herz zu . Gelobe , ehe es zu spät wird , meinem Willen zu gehorsamen . Rette Dich zu den weißen Frauen . Streng ist ihre Regel , aber herrlich und süß die Zukunft , die sie durch dieselbe erkaufen . Nicht Deine Strafe allein wendest Du vom schuldbewußten Haupte ab .... auch Deines verbrecherischen Buhlen Pein kannst du mildern , ihm ein sanfteres Loos in jener Welt erwirken ! .... « » O , welch einen Gedanken fachst Du in meinem Gehirn an ! « versetzte Katharine , erhoben durch die Vorspiegelung der Falschen : » Wenn mich eine Ursache bestimmt , - ein Verlagen , so ist es der Wunsch , das Begehren , ihm , der mich elend machte , durch Wohlthat und Liebe zu vergelten ! Ja , ja ! ich folge Dir - unbedingt - sein Seelenheil zu retten ! - Aber ... fügte sie erschüttert und schmerzlich hinzu : Aber ... mein Gott ! das zerreißt mein Herz ! ... was wird aus meinem Kinde ? « » Deine Demuth , Deinen Gehorsam belohnt der Herr auf der Stelle ! « sprach Wallrade prunkend : » Deine Tochter sey die Meine . Nie werde ich mich vermählen , und in Deinem Kinde die Mutterfreuden kennen lernen , die ich nicht durch die Umarmung eines Mannes erkaufen möchte . Von Zeit zu Zeit bringe ich Dir das Mägdlein in deine Abgeschiedenheit , um es zu küssen , um es zu segnen , und zu sehen , wie mild und gut ich ' s mit Dir meine . « Mit der Wonne höchster Dankbarkeit umschlang Katharine Wallraden . » Du bist eine Heilige ! « - jubelte die arme Mutter : » An Deine hohe Tugend reichen meine Sinne nicht ! Noch vor wenig Augenblicken sah ich eine Feindin in Dir , und nun zwingst Du mich , als meine größte Wohlthäterin Dich zu verehren ! « Wallrade , welcher der herzzerreißende Auftritt , trotz der Siegesfreude , die ihr daraus erwuchs , zu lange dauerte , beeilte sich , ihm rasch und durchgreifend ein Ende zu machen . Sie versicherte unter den kräftigsten Betheuerungen der Ärmsten ihre unwandelbare Zuneigung , ermahnte sie , dem mühsam abgerungenen Vorsatze treu zu bleiben , und versprach ihr zum folgenden Tag die Einführung in das Kloster der weißen Frauen , woselbst unter ihrer Vermittlung die Aufnahme vorbereitet werden sollte . Hierauf redete sie ihr zu , das Lager zu suchen , um durch Ruhe den Sturm ihres Gemüths zu beschwichtigen , und überließ sich , nach Katharinens Entfernung , einem tiefen Nachdenken , dessen Ergebnisse am nächsten Morgen sich offenbaren sollten . Zweites Kapitel . Reichthum heißt nicht , Gold und Silber zu besitzen , sondern was man liebt . Serbisches Lied . Frau Margarethe stand umwölkten Blicks vor dem Kästchen , in welchem auf schwarzem Sammtgrunde die goldne Kette lag , womit ihr Gemahl sie zur Feier ihres heutigen Geburtstages bedacht hatte . Sie hätte mit sich selber grollen mögen , die Beschenkte . Herr Diether hatte so herzliche Worte der Liebe zu ihr gesprochen , und trotz ihrem aufrichtigen Bemühen , solcher Liebe würdig zu seyn , konnte sie kein ähnlich Gefühl in ihrer Brust hervorzaubern . Ehrfurcht und Sorgfalt , den greisen Mann zu rächen , fand sie ihre Seele bereit , aber jene Empfindung , die so zart bewegt , so sanft erwärmt , so selig beglückt , war und blieb ihr fremd . In der prachtvollen Kette , diesem Zeichen von Diether ' s liebevollem Wohlgefallen , sah sie nicht den Schmuck sondern nur die neue Fessel . Eine befriedigende Selbsttäuschung hatte sie bis jetzt verblendet , und erröthend , widerstrebend mußte sie sich gestehen , daß sie sich betrogen , daß sie für Diether nur ein Herz habe , - kalt wie das Metall , aus welchem das vorliegende Festgeschmeide gefertigt . » Wie bin ich doch so unglücklich ! « sprach sie düster vor sich hin : » Ich möchte gerne redlich meine Pflicht erfüllen , wie es meines Eheherrn fromme Güte verdient , und dennoch - meinem Willen zuwieder - kommt mir wie Heuchelei vor , was ich thue und rede . Ach ! hätte doch mindestens der Himmel meinen Johann erhalten ; .... ich könnte alsdann in Diether den Vater meines Kindes lieben ! Aber das Unglück war nicht abzuwenden , ... nur zu verdoppeln durch eine verrätherische Lüge ... « setzte sie leise und unmuthig hinzu . Rasch warf sie den Deckel des Kästchens zu , und wollte dasselbe in ihre Spinde schieden , aber mit Staunen bemerkte sie nun , daß sie nicht allein gewesen . Der Schultheiß , ein schöngewachsener in den fünfziger Jahren noch stattlich aussehender Mann , dessen Gestalt ein geschmackvoller . Anzug noch erhob , war , ohne von Margarethe gehört worden zu seyn , in das Closett getreten . Diether ' s Gattin verneigte sich bestürzt , suchte in den Augen des edlen Herrn zu lesen , ob er etwa vernommen , was beinahe unwillkürlich ihren Lippen entwischte , ersah jedoch zu ihrem Vergnügen nichts anders darin , als nur den freundlichen Gruß eines so eben über die Schwelle Schreitenden . Der Schultheiß , ein Mann von Sitte und Geschmeidigkeit , zögerte nicht , der sichtbaren Verlegenheit Margarethens hülfreich entgegen zu kommen , und fragte bescheiden und angelegentlich nach dem Schöffen . Margarethe berichtete ihm , ihr Gatte sey nach dem Garten gewandelt , um über die Anpflanzung desselben Befehle zu ertheilen . Der Schultheiß lächelte fein . » Freund Diether , « sprach er , » scheint Blümlein und Früchte zu lieben ; er ist eifersüchtig , auf sein Eigenthum , und entzieht aller Welt dessen Genuß . Die schönste Blume seiner Gärten läßt er in Einsamkeit vertrauern , statt dann und wann die Zahl anderer Verehrer durch ihren Anblick zu erfreuen . « - Margarethe , deren Scharfsinn gar leicht die Bedeutung der sinnbildlichen Rede errieth , antwortete durch das Roth auf ihren Wangen , und duldete es , daß der Schultheiß betonender fortfuhr : » Wir haben Euch so lange nicht in unsrer Mitte gesehen , ehrsame Frau . Die weitberühmte und herrliche Gesellschaft auf Limpurg1 hat ihren Reiz und Glanz verloren , seitdem sie Euch nicht mehr zu ihren Gästen zählt . Wahrlich , ich werde am Ende von meinem Stubenmeisterrecht Gebrauch machen müssen , um den säumigen Gesellen Diether Frosch zur Ordnung und zur Pflicht anzuhalten . Nicht umsonst heißt Limpurgs Banner- und Wahlspruch : Zucht und Ehren soll man mehren , und Freud nicht wehren . Aber Euer Eheherr wehrt unsrer Freude , indem er uns Eure Holdseligkeit versagt . « - Margarethe erwiederte hierauf besonnen und milde , daß der Schultheiß zu strenge ihrem Herrn zur Last lege , was am Ende sie nur allein verschuldet ; daß die Einsamkeit des Hauses ihr besser zusage , als die Festlichkeiten Limpurgs ; daß sie deßhalb freiwillig in denselben verbleibe , besonders seit ihr Söhnlein wiederum gesundet nach der Stadt gekehrt . - Der Schultheiß schüttelte am Schlusse dieser Entschuldigung leicht , aber dennoch bedeutend mit dem Haupte . » Es mag seyn , « sprach er , » daß die Liebe zu dem Kinde eines geliebten Mannes in einer Frauenseele alles Übrige verdrängt . Ich , der Hagestolz , habe nie Gelegenheit gehabt , mich davon genau zu unterrichten . Aber all ' Eure geschickten Ausflüchte , reichen nicht hin , um mich von deren Wahrhaftigkeit zu überzeugen . Wo Eifersucht ist , ehrsame Frau , da ist auch Zwang ; und eifersüchtig ist Diether im höchsten Grade , so sehr Ihr Euch bemüht , ihn zu entschuldigen . Wer weiß , ob ich ' s nicht auch an seiner Stelle wäre . Je strahlender der Edelstein , je näher der Dieb . Dem sey nun aber , wie es wolle , « fügte er mit zierlicher Verbeugung hinzu : » Der Glücklichste auf Erden würde ich seyn , wolltet ihr mir vergönnen , Euch in Eurer Einsamkeit die Huldigung darzubringen , die Ihr von der Menge verschmäht ; wolltet ihr diese goldne Rose gütig empfangen , die ich Euch an dem Tage überreiche , der Euch gebar . Sie sollte von Juwelen gebildet seyn , wäre ich ein Fürst ; - ein einfach Maienröslein , wär ich noch ein Jüngling , dessen Rosenwangen seiner schlichten Gabe das Wort reden könnten . « - - Er hielt der staunenden Altburgerin die kostbar gearbeitete Goldblume mit süßem Lächeln und hofmännischer Geberde hin , und stutzte über die Maßen , als Margarethe das Geschenk mit zierlichen , aber klaren und bestimmten Worten zurückwies . - » Seyd nicht ob meinem Thun beleidigt , Herr Ritter ; « endigte sie : » Wie dürfte ich von Eurer Hand ein Geschenk empfangen , das ich nimmer erwiedern könnte . Die Sitte , und meine Pflicht gegen Diether verbinden mich , diese Rose auszuschlagen , welches auch ihre Deutung sey , und welche , ohne Zweifel untadelhafte , Absicht Ihr bei ihrer Überreichung haben mögt . « » Das ist eine harte Weigerung ; « antwortete der Schultheiß , mit dem Ausdruck gekränkter Eitelkeit : » es kann Euch ja schon längst kein Geheimniß mehr seyn , schöne Frau , welche Gefühle ich für Euch hege . Schon längst sehnte ich mich nach einem Anlaß , ihnen Worte zu leihen . Heute , an dem schönsten Feiertage , der für mich vorhanden , finde ich diese Gelegenheit , und Grausamkeit wird der Lohn meiner redlichen Empfindung ? Bedenkt , holdeste der Frauen , daß Ihr durch Eure Weigerung die Rose nicht allein verwerft . « » Bedenkt , edler Herr , « erwiederte Margarethe , gereizt durch den drohenden Ernst , der in des Schultheißen letzten Worten zu liegen schien , - » bedenkt , daß ich ein verehlicht Weib bin , das solcher Zweisprache füglich entbehren kann ; kann und muß . « » Ihr verbergt Euch hinter dem Bollwerke der Pflicht ; « redete der Schultheiß bitter : » eine bessre Burg gibt es nicht für spröde Frauen . Wären aber vielleicht nur meine Jahre der Feind , dessen Sturm Ihr so muthvoll abschlagt ? Ihr müßt mir schon vergeben , ehrsame Frau , wenn ich in Eurem Hause umsonst nach dem Talisman forsche , der Euch unverletzbar macht . « - » Seht ihn hier ; « rief Margarethe , da gerade der kleine Hans in die Stube sprang , und in ihre Arme eilte : » seht ihn hier , und zürnt meiner nicht , gestrenger Herr ! « - Der Schultheiß verbarg seinen Unmuth über die zur Unzeit eingetretne Störung hinter der Maske wehmuthsvoller Freundlichkeit . Er verbeugte sich mit einem vielsagenden Blick , und streichelte , der Mutter zu gefallen , des Knaben blühende Wange . » Du liebst wohl Deine Mutter sehr ? « fragte er den Kleinen . » Über Alles lieb ' ich sie ! « versicherte der Letztere mit strahlendem Auge . - » Du Glücklicher ! « seufzte der Ritter , verstohlen Margarethens Antlitz hütend : »