' anima mia . Se ben che tu mi dai cattivi giorni , Ecco ti vengo a dar la buona notte , Lontananza , ne tempo far non puote , Ch ' al lume qual farfalla io non ritorni . Laura : Chi è colui , che dormire non potendo Sen vien a perturbar i sonni altrui , Che dica quanto volei , io non l ' intendo , Son qual Aspide sorda a canti suoi . Giacinto : Canto mia bella , ma ne piange il core , Io canto come il Cigno in sul morire , Se ben vorrei tacer convengo dire , E ridir ciò , che va dettand ' Amore . Laura : Non intendo , Signor , vostre ragioni , Che fiete , che volete , e cosa fate ? Andate altrove , semplicetto , andate , Che voglion esser altro , che canzoni . Giacinto : Mendico io son , hor eccomi alla porta , Che chieggio in elemosina del pane . Deh non mi fate andar d ' oggi in dimane , Doppia è la gratia al fin qua d ' ella è corta . Laura : Al chieder vostro io sarò sempre muta , Qui non s ' apre la porta , a chi non porta , Presso di noi la Caritade è morta , Chi non conta non ha la ricevuta . Giacinto : Prendetemi , Signora , per soldato , Sarò vostro guerriere senza paga , Di già assueffatto all ' amorosa piaga Non temerò d ' esser per voi piagato . Laura : Noi non stimiamo l ' amoroso drudo , Non habbiamo questione , e non ci aggrada Quell ' Amante , che sa portar la spada , Quando non sappia maneggiar lo SCUDO . Giacinto : Soldato no , dunque Poeta almeno Che v ' immortalerà ne propri versi . Famosa vi farò tra Sciti e Persi , Loderò il crine , gli occhi , il volto , il seno . Laura : Poesia e povertà van di concerto , Che val il saper far un buon Sonetto E non haver per far un sonno in letto , Far sempre STANZE , e non haver coperto . Giacinto : Vado cercando come Pellegrino Il più bello del Mondo in ogni parte , Ma amico il Cielo a voi sola comparte Il terrestre non solo , ma il divino . Laura : Alloggiar Pellegrini già mai si suole Quando che non venisse di Ungaria . Solo all ' UNGHERO aperta è qui la via , E molto più s ' è armato di PISTOLE . Giacinto : Signora , son Barone , e sono Conte , Nacqui di duca , e son d ' alto lignaggio , Sudditi ho molti , che mi fanno omaggio Della gran nobiltà nasco dal fonte . Laura : Non si fa qui gran stima d ' antenati , E non vale essere Conte a chi non CONTA , Ogni lignaggio al fin passa e tramonta , E tutti Duchi son quei , che han DUCATI . Giacinto : Non sprezzate , vi prego , Amante fido , Ch ' adorerà in perpetuo il vostro nume , Che seguirà qual Talpa il vostro lume , Deh non siate ribelle di Cupido . Laura : Seguir nudo fanciul , dite , che vale , Hor che i vestiti son tutti alla moda , Se voi sete fedel e senza froda Per voi solo , è fedel quel ch ' è REALE . Giacinto : Dunque sprezzate Amor , perfida e ria Donna vorace più che nero Corvo . Laura : Non ch ' anzi per il Cieco con voi stia , Cerchia di quei che fanno calar l ' ORBO . Hiacinth : Liebchen schläft , mit deinen Flügeln fächle , Amor , daß des Sommers heiße Schwüle Um des Mädchens Lager bald sich kühle Und sie in dem Schlafe freundlich lächle . Kann nimmer ich die armen Augen schließen , Ist meine Ruhe nur allein die ihre , So möge , was ich hier am Schlaf verliere , Wie Ruhe mir ins kranke Herze fließen . Giebst du mir gleich nur immer böse Tage , So sieh mich hier , dir gute Nacht zu geben , Nicht Zeit , nicht Ferne lindert mir die Plage , Ein Schmetterling ein Lämpchen zu umschweben . Laura : Wer ist es , der nicht schlafen kann , und andre So frevlend in dem süßen Schlafe störet , Ein Felsen bin ich , der sein Lieb nicht höret ; Er sing , doch packe er sich bald und wandre . Hiacinth : Die Lippe voll Gesang , das Herz voll Zähren Sing ich , ein Schwan in seines Todes Ringen , Und schwieg ich gern , so würde ohne Singen Und Wiedersingen Liebe mich verzehren . Laura : In Eurer Schlüsse Wahrheit einzudringen Hab ich nicht Zeit : was seid Ihr , wollt Ihr , macht Ihr ? Geht , Simpelchen , steht nicht die ganze Nacht hier ; Die Dinger , die ich brauch , kann man nicht singen . Hiacinth : Ein Bettler bittet hier vor Eurer Türe , Gebt Liebe ihm , und fristet Euch ein Leben : O daß er gleich , o daß er bald Euch rühre ! Denn gleich gegeben heißt ja doppelt geben . Laura : Wer mir nichts bringt , hat nichts von mir zu hoffen , Dem Mitleid hab ich längst den Hals gebrochen , Und ohne Klingen hilft Euch hier kein Pochen , Nur offnen Händen steht die Türe offen . Hiacinth : Nehmt mich zum Krieger an , hört auf zu höhnen , Will streiten für und mit Euch aller Stunden , Denn abgehärtet fürcht ich keine Wunden , Die Löhnung sei mir nur , Euch anzulehnen . Laura : Bei mir war offner Krieg stets schlecht empfohlen , Auch führ ich keinen Krieg , wo ich was kriege ; Und weil ich meist dem Degen unterliege , So ehr ich das Duell nur auf Pistolen . Hiacinth : Zum Streiter nicht ? So nehmet mich zum Dichter ! Bin Dichter ich dem Busen , sing in Versen Ein Lied ich Euch bei Skythen und bei Persen Zum Lob des Haares und der Augenlichter . Laura : Mit Poesie geht Armut nur gesellt , Macht Ihr Sonette , macht sie noch so nette , Ihr bleibt ein armer Sohn und so ohn Bette : Gebt Geld statt Versen oder Fersengeld . Hiacinth : Ein Pilger bin ich , suche aller Orten , Das Göttliche im Irdischen zu finden , Doch ists umsonst , denn Euch ist nur geworden , Das Göttliche im Irdschen zu entbinden . Laura : Gott helf Euch ! geht , ich bitte , geht von hinnen , Denn wißt , allhier beherbergt man nur Ungern , Nur Kremnitzer , was sonst woher , muß hungern , Auch für Zechinen ist die Zeche innen . Hiacinth : Ein Graf bin ich , ein Duc , bin mit Souvrainen Verwandt , und habe mehr als sechzehn Ahnen , Auch frönen mir gar viele Untertanen , Und Euer Untertan laßt mich Euch frönen . Laura : Ein Duka ist mir lieb , doch mit Dukaten , Souvrainen pflege ich für Severinen , Baronen ohne Bares nie zu dienen , Und kann mit Ahnen keine Hahnen braten . Hiacinth : Verachtet nicht die Liebe des Getreuen , Vor Eurem Sterne will er ewig knieen , Nach Eurem Lichte wie ein Maulwurf ziehen ; O suchet nicht , Cupiden zu verscheuen . Laura : Auch Ihr seid nackt , drum bleibt nur sein Geselle , Ich brauche Kleider und des wackren Glauben An Eure Treu will ich Euch nicht berauben , Doch nur Reale sind bei mir reelle . Hiacinth : Mit Spotten siehst du , wie ich hier vergehe , Du Weib , goldgierig , fleischfressend wie Raben . Von Ihm ist nichts , Er nur zum Narrn zu haben , Ich stand Sein Narre hier , Er steh , ich gehe . Haber zankte noch ein wenig in Prosa über Husten und Schnupfen ; ich aber ging ins Haus , das Bild Annonciatens und Mariens in zwei Sonetten aufzuschreiben . Mich reute der Scherz mit Habern , denn die stillen Sitten der Mennoniten schienen das mutwillige Lied nicht zu vertragen , und der alte Anton rief während dem Gesange die jungen Burschen und Mädchen weg , welche zuhörten . Die Unschuld ist sich selbst die größte Freiheit und andern Beschränkung . Annonciatens Bild Am Hügel sitzt sie , wo von kühlen Reben Ein Dach sich wölbt durchrankt von bunter Wicke , Im Abendhimmel ruhen ihre Blicke , Wo goldne Pfeile durch die Dämmrung schweben . Orangen sind ihr in den Schoß gegeben Zu zeigen , wie die Glut sie nur entzücke , Und länger weilt die Sonne , sieht zurücke Zum stillen Kinde in das dunkle Leben . Der freien Stirne schwarze Locken kränzet Ihr goldner Pomeranzen süße Blüte , Zur Seite sitzt ein Pfau ; der in den Strahlen Der Sonne , der er sehnend ruft , erglänzet . Mit solchen Farben wollte das Gemüte Von Annonciata fromm ein Künstler malen . Mariens Bild Im kleinen Stübchen , das von ihrer Seele An reiner Zierde uns ein Abbild schenket , Sitzt sie und stickt , den holden Blick gesenket , Daß sich ins reine Werk kein Fehler stehle . Was ihres Busens keuscher Flor verhehle Und ihre Hand in stillem Fleiße lenket , Die Lilie an ihrer Seite denket , Das Täubchen dir in ihrem Schoß erzähle . Durchs Fenster sehen linde Sonnenstrahlen , Die Josephs Bild , das eine Wand bedecket , Mit ihrem frohen Glanze heller malen , Und wär der Schein der Taube zu vereinen , Die sie herabgebückt im Schoß verstecket , Marie würde Mutter Gottes scheinen . Ich ging früh nach der Eremitage an meine Arbeit , und als ich zum Fenster hinausblickte , und die Fische in dem hellen Teiche munter hin und wieder spielen sah zu den Füßen des Marmorbildes , wünschte ich recht herzlich , auch nicht mehr von ihm zu wissen als so ein Hecht oder Karpfe , denn eine Geschichte aus bloßem Respekt gegen den Leser zu schreiben , ist unangenehm ; überhaupt bin ich ein großer Feind von Arbeiten , wenn die anderen Geschöpfe alle zum frohen Müßiggange aufstehen . Die Vögel sangen , die Bäume säuselten , die Fische plätscherten im Wasser , und ich mußte schreiben . Zweiundzwanzigstes Kapitel Fortsetzung der Geschichte der beiden Schwestern Annonciata hatte dem Glücke ihrer Schwester mit Freuden zugehört ; in ihrem Busen aber war Schmerz , sie verbarg vieles , und hatte keinen Freund . Solche Menschen werden nie glücklich , denn das gewöhnliche Leben allein befriedigt die Bedürfnisse , und ist es gleich so schön , wenn eine Seele in reinerm , höherm Umgange der Liebe steht , so sind diese Wesen doch nur arme Kinder , denn vom Himmel kömmt nur Begierde , und zwar die unendliche Begierde , die auf Erden keine Hülfe , keinen Frieden findet . Wer das Haupt im Himmel trägt , dem verwelket das Herz in der drückenden , niederen Sphäre . Annonciata hatte vieles im Herzen , dessen Vertraute sie selbst nicht war . Zwar hatte sie eine Freundin an einer Witwe , die von einem kleinen Vermögen in der nämlichen Stadt lebte ; aber auch diese würde keinen Sinn für ihren Zustand gehabt haben , denn sie erschien bei ihr nur als ein lebhaftes gutes Wesen . Ob sie ihr nicht mehr vertrauete , oder ob diese Freundin sie nicht verstand , weiß ich nicht . Annonciata besuchte sie manchmal abends , wenn der Bruder der Frau Helsing zugegen war , welcher sehr gut vorlas , um ihm zuzuhören . Dieser Bruder war der Hofmeister eines jungen Edelmanns gewesen , der hier in der Gegend lebte . Er sprach oft mit Enthusiasmus von seinem ehemaligen Zöglinge . Die Weiber hörten ihm gerne zu , und in Annonciatens Herz wurzelte diese Beschreibung wie in einem fruchtbaren Boden . Wenn Helsing aufgehört hatte , vorzulesen , so war sie immer die erste , die das Gespräch auf den jungen Edelmann lenkte , so daß Helsing , der sich in seiner Erzählung gefiel , weil er von alle dem Guten immer etwas einerntete , bald nichts mehr wußte , und bis zu seinen pädagogischen Beobachtungen über des Jünglings früheste Jugend zurückkehrte , um Annonciaten zu befriedigen . Sie brachte hier meistens die Abende zu , während Marie die letzte Zeit , welche Joseph noch in Deutschland war , mit ihm in Liebe teilte . Annonciata war gern zu Haus , und daß sie jetzt öfter als gewöhnlich ausging , war , um Marien nicht zu stören . Dieses erkannte man übrigens nicht . Es lag in ihrem Charakter , Gefälligkeiten , Wohltaten und alles , was sie in den Augen anderer erheben konnte , durch eine oft künstliche , mühsame Vorbereitung unscheinbar zu machen ; denn nichts tat ihr weher als Lob ; doch erkrankte ihr Gemüt in diesem selbstbereiteten lieblosen Zustande . In dieser Zeit empfing sie einen Brief von ihrer Taufpate , einer in der Gegend wohnenden Gräfin , die sie schon vor einiger Zeit besucht und mit deren Tochter sie einen freundlichen Umgang angeknüpft hatte . Die Gräfin bat sie dringend , sogleich zu ihr kommen , weil ihre Tochter Wallpurgis gefährlich krank sei und sehr nach ihr verlange . Annonciaten bestürzte diese Nachricht , sie hatte sich , als sie den vorigen Abend wie gewöhnlich am Fenster stand , so lebhaft nach dem Schlosse gesehnt , und nun rief sie eine so traurige Nachricht hin . Sie brachte den Brief ihrem Vater , der es ihr gern erlaubte , und nachdem er sich bei der Kammerfrau der Gräfin , die mit einer Kutsche gekommen war , Annonciaten abzuholen , über die Krankheit erkundigt und erfahren hatte , daß sie in einer bloßen tiefen Melancholie bestehe , so sprach er mit Annonciaten noch einmal allein , wie man mit Melancholischen umgehen müsse , machte sie aufmerksam auf ihren eignen Tiefsinn und beurlaubte sie mit den Worten : » gehe mit Gott , mein Kind « . Annonciata ward durch die Rede ihres Vaters sehr gerührt , die letzten Worte nämlich , » gehe mit Gott , mein Kind « , bewirkten ihr eine heftige Bewegung , denn in diesen selbstgebildeten Ausdrücken des Herzens , die wie die Wünsche : Guten Morgen ! Guten Abend ! die Frage : Wie geht es ? bei den meisten Menschen durch die Gewohnheit ganz bedeutungslos werden , lag für sie eine tiefe Bedeutung , und ich glaube dieses mit Recht für den Zug eines kindlichen und tiefen Gemüts halten zu dürfen , welches fromm an das Wort glaubt , und dem der Sinn nie verloren geht . Annonciata fiel dem Vater um den Hals , und konnte vor Tränen nicht sprechen . Wellner verstand dies nicht ; er dachte nach , ob er sie gekränkt habe , und da ihm nichts einfiel , so legte er auch das zu seiner allgemeinen Idee von ihr zurück , und seine Sorge ward erhöht . Zu Marien ging Annonciata auch , wo sie Joseph fand . Auch hier fühlte sie sich tiefer gerührt , als der Zufall es erforderte , und sie erstaunte selbst über das Wesen ihrer Trauer . Joseph redete viel Freundliches zu ihr , und viel von der Zukunft , aber das war es grade , was ihr das Herz zerbrach . » Die Zukunft ! « rief sie , » die Zukunft , o wäre sie vorüber ! « Dann schnitt sie sich eine Locke über der Stirne ab , und gab sie Marien , die dasselbe tat . Joseph und Marie sahen ihrem ganzen Betragen mit banger Aufmerksamkeit zu , denn sie hatten sie nie so vertraulich und so freundlich gesehen . Annonciata brachte Marien noch ein kleines Orangenbäumchen auf die Stube , und bat sie , es treu zu pflegen und ihrer oft zu gedenken abends , wenn sie nun nicht mehr bei ihr am Fenster stehe . Dann reiste sie ab , nachdem sie alle Leute des Hauses noch gegrüßt hatte , und ihre Trauer verbreitete sich über alle die Zurückgebliebenen , als sollte sie nie wiederkehren . Das ganze Haus war nun mit den Zubereitungen zu Josephs Abreise beschäftigt . Er selbst aber suchte die genauere Bekanntschaft des jungen Genuesers , den sich Wellner für Annonciaten ersehen hatte . Dies war ihm nicht schwer , denn jener war ein offener , lustiger Mann und ihm schon durch mehrere Geschäfte bekannt . Er wohnte in dem Hause eines seiner Schuldner als eine Art Exekution , da er den Mann nicht zahlbar gefunden hatte . Eigentlich war er kein bestimmter Kaufmann , sondern bloß der Erbe einer großen aufgelösten Handlung , und reiste , um die Schulden dieser Handlung einzutreiben . Joseph entschuldigte seinen Besuch bei ihm durch den Vorwand , daß er ihn um einige genuesische Kaufleute fragte . Da der Italiäner ihm hierüber Auskunft gegeben hatte , begann er , mit vielem Feuer über sein Vaterland zu sprechen , und geriet in eine lange Auseinandersetzung der Staatsverfassung von Genua , bis es Josephen bange ward , er möge seinem Zwecke heute nicht näherrücken . Der gesprächige Italiäner kam endlich auch auf die Weiber zu sprechen . Er klagte über die unsittliche Sprödigkeit der Deutschen , und sagte : » Ich wollte meinem Hausherrn gern die halbe Schuld erlassen , wenn er nur eine weise Tochter mit schwarzen Augen und Haaren hätte , die ich ein wenig lieben könnte ; nun aber ist kein Mitleid im ganzen Hause , denn die Tochter hat rote Haare , und ich muß hier sitzen und unbarmherzig sein . - Ihnen geht es wohl besser , mein Freund , denn ich habe jüngst bei Ihnen so im Fluge ein paar hübsche Mädchen bemerkt . « Joseph erzählte ihm von Marien und Annonciaten , und der Italiäner versprach , ihn nächstens zu besuchen . Den folgenden Tag war er schon morgens bei Wellner , und abends aß er dort . Wellnern gefiel er sehr wohl , denn er hatte ein großes Talent , alte Leute zu unterhalten . Er ward bald der tägliche Besuch , und man freute sich immer recht auf ihn . Abends kam er meistens während dem Essen , setzte sich nieder und plauderte , erzählte italiänische Komödien , und machte die Touren des Harlekins , Pantalons und Scaramuz . Marien lehrte er auch ein wenig die Colombine zu machen , und sie spielten manchmal kleine Szenen aus dem Stegreif , um Josephen zu necken , dessen Liebe er immer hineinzumischen wußte . Marie gewann manche Reize durch ihn , er lehrte sie tanzen , und all ' amore spielen , doch mochte sie ihn nicht leiden , denn er hatte oft im Spiele zu ernste Bewegungen . Wellner glaubte nun , das sei der rechte Mann für Annonciaten , bei ihm werde sie den Tiefsinn schon verlieren , und wünschte sehr , sie möge hier sein . Er hatte soeben mit Joseph davon gesprochen , ob man sie nicht rufen sollte , als Marie einen Brief von Annonciaten brachte . Dreiundzwanzigstes Kapitel Annonciata an Marien Was machst du , liebe Marie ? Mir muß es nicht gut gehen , denn ich frage , was du machst , und weiß es doch . Du bist glücklich und liebst Josephen ; o ! schreibe mir doch und frage , wie mir ist , recht mit Liebe frage , vielleicht wende ich mich dann in mich , und erfahre , wie mir ist . Jeder Tag wie der andere , Wallpurgis geht dem Grabe entgegen . Ach sie ist so liebenswürdig in ihrem Sterben , das Leben will sie nicht lassen , denn sie ist allem so freundlich . Es ist , als stände der Frühling zu Füßen ihres Lagers , und wolle sie nicht sterben lassen . Sie ist krank wie ein Weib , und wird auch so sterben , sie fühlt es und ist ruhig ; aber was sie zerreißt , ist das Leben , denn sie liebt ohne Hoffnung . Ich erzählte ihr gestern von dir und Josephen , wie ihr so glücklich seid ; sie bat mich dringend darum , und der Arzt will , daß man ihr allen Willen tue . Als ich fertig war , gab sie mir die goldne Halsnadel für Josephen , und die Ohrringe für dich , die hier beiliegen ; sie nahm beides von sich , und weinte dann sehr . Sie liebt einen jungen Edelmann , der es auch verdienen soll ; aber wer verdient , daß die Jugend um ihn sterbe ? O ! es ist ein Jammer , Marie , wie Wallpurgis aussieht , bleich und abgezehrt , die schönen langen Haare verwirrt , und die herrlichen Augen erloschen . Die Gräfin möchte verrückt werden vor Kummer . Mir tut es nichts , es ist mir nur fremd zu Mute ; wenn ich es selbst wäre , würde ich noch ruhiger sein . Das Schrecklichste ist , wenn sie oft plötzlich auflebt , und der Gedanke an den Tod ihr fürchterlich wird . Sonst weilt sie oft halbe Tage in einer ruhigen Betrachtung des Todes , und spricht mit einer schönen Rührung von ihm , so daß man gern sterben möchte , wenn es so ist ; aber dann faßt sie plötzlich der Gedanke , wie das Leben lächelte , da ihre Liebe noch jung und er mit ihr war . In einer solchen Minute sagte sie jüngst zu mir : » Ach ich kann doch nicht sterben , so sterben ohne Freude , ohne Liebe ; wenn du wüßtest , Annonciata ! wie ich meine Kinder lieben könnte , wie sie schön sein würden und freundlich , und sich die ganze Welt ihrer freuen müßte - aber das ist alles nicht , und ich muß wohl sterben , nicht wahr , Annonciata ! « Was soll ich dann sagen ? ich , die unbekannt ist mit Leben und Tod , und mit Liebe - » Alles ist schön in einem solchen Herzen , Wallpurgis , « sage ich dann , » nur die Trennung ist Schmerz , und alles Erreichte ist Glückseligkeit und Schönheit . « Da erwiderte sie : » Schweige , Annonciata , ich werde nichts erreichen , auch über dem Grabe nichts , ich werde auch dort herumgehen , und so fort immer sterben . « Jüngst sagte sie auch : » Ich quäle dich recht mit meinem Elend , aber wenn du jenen Mann kenntest , du wärest auch so . Gott gebe , daß ich nach dem Tode hier sein könne , so will ich dir alles vergelten , ich will dich mit sanfter Stille erfüllen , und dich stärken gegen die Liebe ; denn sieh , wir Mädchen sind recht arm in der Liebe , wenn wir lieben können . Wir sind wie die Blumen , die nimmer sagen können , wie es ihnen ist ; wir blicken den Himmel mit schönen Farben an , und sterben . « Solchen Worten soll ich Trost geben ? solchen Worten ? die mein Trost sind - » Du hast recht , Wallpurgis , « sage ich , » auch ich fühle , wie es sich in meinem Herzen regt , und wie sich meine Gedanken ausbreiten in einer andern Welt , auf welche die Blume nur hinweist , und dann verwelkt . Doch ist mein Herz stolz auf dieses Zeugnis eines höhern Zusammenhangs , und ich will mich seiner als eines edleren Gedankens erfreuen , wenn mich keiner lieben sollte . « Gestern war sie mit mir im Garten , sie sprach kein Wort , und setzte sich mit mir mitten unter die Blumen . Es war rührend zu sehen , wie sie leise mit den müden Augen über sie hinblickte , bei einzelnen sinnend verweilte , und keine Träne in ihr Auge kam . Da ich sie fragte , warum sie so nachdenklich sei , sprach sie lange , und erklärte mir ihre Gedanken ; es war ihr schon oft so bei den Blumen gewesen , und sie gab mir nachher ihr Tagebuch , wo sie folgendes hineingeschrieben hatte : » Ich weiß nicht , woher es kömmt , aber es ist wunderbar , was ich vieles empfinde , wenn ich so über die mancherlei Blumen hinsehe . Mein Denken verliert sich dann , in jedem Kelche ertrinken einige Begriffe von mir , und ich fühle mich leichter als vorher , und willenloser müde . Manchmal sehe ich meinem Gedanken ordentlich zu , wie er sich auf dem sanften Rande der Lilie kindisch schaukelt ; aber bald ängstigt ihn die Welt um ihn herum , es ist ihm , als wären alle Bäume und Berge , ja alles , die ganze Erde eine Kette von gebundnen Ewigkeiten , und er hält sich bange am samtnen Blumenblatte fest . Dann fühle ich , wie er die Blicke aufwärtshebt , und sich nicht mehr erhalten kann ; es ist ihm , als stürze er in den Abgrund der Höhe , über ihm schwimmt das öde Meer des Rausches , der noch in keiner Traube war , und der Liebe , die noch in keinem Körper webte , und dieses Meeres Wogen brausen ohne Ton , und Gestaltenstrudel ohne Umriß wühlen in ihm . Aus allen Tiefen streckten glänzende Polypen ihre Arme nach dem Gedanken aus , und wo sich die wilden Wogen trennten , war es , als stürzten blitzende Pfeile nach ihm herüber , die ihm das Innre mit süßem Tode impften , und näher , wo das Meer ihm um die Locken spielte , da trennt es sich , und öffnet sich ihm ein heller Schacht durch den öden wühlenden Kampf , in den er gelinde hinabsinkt . Von allen Seiten drängen blühende Gestalten aus des Schachtes Wänden , und alle grüßen ihn wie einen Freund von Ewigkeit , und jede reicht die Arme nach ihm aus , und er ruht in aller Armen , auch will ihm jede der Gestalten einen ewgen Weg zeigen ; doch weilt er nicht , und sinkt hinabgezogen in dichterischer Wollust immer tiefer , bis daß er in dem Grunde ruht . Er schaut nun aufwärts durch den Schacht , und alle die Gestalten sieht er wie zwei Säulen emporsteigen , zwei herrliche Bäume , auf deren einem holde Mädchen wie Blüten und Früchte auseinander dringen , und auf dem andern Jünglinge ; und wie die beiden tausendarmichten Leben ineinander rauschen , verschwinden ihm die Blicke , er fühlt um sich ein wunderbares Weben , das höher ist als alle die Gestalten , die nun ein einziger Baum vor ihm zu werden scheinen , und er fühlt , wie sich des Baumes Wurzeln unter ihm regen , und umarmt bange den lebendigen Stamm , damit ihr geheimnisvolles Treiben ihn nicht verschlinge , und blickt er aufwärts , so betet er , und blickt er nieder , so schwindet er in dem Gewirre der Wurzeln , die wie lichte Schlangen um ihn wühlen , und schafft , und wo er schuf , dringen goldne Blitze aufwärts , klingend schießen sie in die Höhe , und leuchten an dem herrlichen Stamme bis zu dem Gipfel empor , der in der Glut sich wieder in die beiden ersten Leben löst . Da fühlt er sich nicht mehr , die leuchtenden Schlangen der Wurzeln umschlingen ihn , und eine freundlicher und dringender schmiegt sich um seine Brust , flößt aus dem wollüstig gewundnen Leben , das sie in tausend Lüsten um ihn windet , den süßen Tod verwandelnd ihm in die Lippen - da sah ich ihn nicht mehr , hinab blickte ich in den Kelch der Blume , wo er im stillen Tode lag , und der Auferstehung harrte , welche goldne Bienen singen werden . « So sprach sie , und fuhr fort : » Sieh , Annonciata , und als ich weiter blickte , so war ich immer weniger , denn an jedem Kelche mußte ich ein Kind meiner Seele zurücklassen als ein Opfer des Todes . Als ich bei einer Blume niederblickte dem traurigsten Gedanken nach , denn er hatte alle andere überlebt , so war mir , als sähe ich mich selbst im Kelch der Blume liegen , eine andere Blume blickte nieder in mein zartes Grab , in das sie kühle Tränen träufelte , und ich empfand Erinnerung über den Rand der Blume hinüber wie Ahndung in mir weben . « Da Wallpurgis so gesprochen hatte , war sie sehr schwach , und ich trug sie in meinen Armen nach ihrer Stube . Ich konnte nicht begreifen , daß sie bald nun nicht mehr sein würde , jetzt noch in meinen Armen warm liebend und denkend , und bald alles das vorüber , - schon die leuchtende Schlange der Wurzel sich um sie schlingend , ihre blassen zarten Lippen schon offen dem süßen verwandelnden Tode . Da ich in der Stube war , legte ich sie nieder , und fühlte mich zu ihren Lippen gezogen , ich wollte sie küssen , aber sie erschrack heftig dabei und drängte mich mit den Worten zurück : » O lebe ! lebe ! daß die Meinige zurückbleibe , denn zwei solche können nicht sterben , nicht leben , laß uns die Welten verbinden . « Sie war heftig gereizt , ich rief den Arzt , der nun im Hause wohnt , er war über ihren Zustand sehr verlegen . Ich konnte nicht mehr zugegensein , ihre Mutter ging zu ihr , und ich trat in den Garten . Da ich an die Stelle kam , wo wir gesessen hatten , fiel mir Wallpurgis Rede ein , und ich betrachtete die Blumen aufmerksam . Da steht ein