haben konnte , da Xenophon sich nicht eher als im vierten Jahre der vierundneunzigsten Olympiade von Athen entfernte , um unter den Griechischen Hülfstruppen , welche der jüngere Cyrus zum Behuf seiner Unternehmung gegen den König seinen Bruder angeworben hatte , Dienste zu nehmen . Xenophon und Aristipp konnten sich also etliche Jahre lang öfters in Gesellschaft des Sokrates gesehen haben , wiewohl die große Verschiedenheit ihrer Sinnesart , und der Umstand , daß Xenophon damals schon ein Mann von funfzig Jahren war , und überhaupt einen ganz andern Weg im Leben ging als Aristipp , Ursache seyn mochte , daß beide einander immer fremd und gleichgültig geblieben ; nur mit dem Unterschied , daß dieser Mangel an Sympathie Aristippen nicht verhinderte , dem Xenophon bei jeder Gelegenheit Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen , dieser hingegen in mehr als einer Stelle der Memorabilien eine Abneigung gegen jenen verräth , die sogar der Billigkeit Abbruch thut , welche man sonst in seiner Art , selbst von sehr tadelhaften Menschen zu urtheilen , wahrnehmen kann . 9. Brief . 58 Die Wielandische Uebersetzung dieser Komödie des Aristophanes s. in dem Attischen Museum Bd . 2. - An die nun auch erschienene Vossische darf ich wohl nicht erst erinnern . 59 Fünf Jahre vor Sokrates auf der Insel Kos geboren , ein Pythagorischer Philosoph , schrieb erst in seinem Alter Komödien , deren 52 von ihm aufgezählt werden . Man kennt aus ihnen nur noch mehrere Sittensprüche , und es läßt sich freilich erwarten , daß ein Phytagoräer nicht in den uns so anstößigen Ton der übrigen Komiker Athens werde eingestimmt haben . Solcher Sittensprüche führt Sokrates dem Aristipp selbst , in einem Gespräch mit demselben , einige an . 60 Kratinus , Eupolis - Zwei , mit Aristophanes gleichzeitige Komiker , der erste viel älter , aber selbst einem Aristophanes als Gegner furchtbar ; der zweite jüngere scheint mit ihm in gutem Vernehmen gestanden , und ihm sogar in Einigem Beistand geleistet zu haben . Ueber sie und überhaupt über die Attischen komische Bühne muß man nachlesen A.W. Schlegels Vorlesungen über dramatische Kunst und Literatur Bd . 1. S. 268 fgg . , und Kanngießer : die alte komische Bühne in Athen . 61 Eine Art außerordentliches Gericht , worin das versammelte Athenische Volk einen Bürger , dessen Gegenwart und Einfluß sie der Republik für schädlich hielten , auf eine bestimmte oder unbestimmte Zeit des Landes verwiesen ; übrigens seiner Ehre und seinem Vermögen unpräjudicirlich . W. 62 Helia hieß ein öffentliches Gebäude zu Athen , wo das höchste Gericht über Staatshändel und Staatsverbrechen , gewöhnlich aus 500 , in wichtigen Angelegenheiten aus 1000 , 1500 bis 2000 , auch wohl aus noch mehr tausend Bürgern bestehend , seine Sitzungen hielt . Diese Richter hießen daher Heliasten . Sie wurden jedesmal ad hoc erwählt , und ihre Anzahl hing von dem Gutbefinden der sechs untersten Archonten ab . W. 63 Die 50 Glieder des Senats der 500 zu Athen , welche 36 Tage lang das Präsidium führten , und während dieser Zeit , da sie den geheimen Rath der Republik ausmachten , im Prytaneion auf Kosten des Staats beköstiget wurden . W. 64 Die besondern Umstände dieser Anekdote sind in Xenophons Sokratischen Denkwürdigkeiten , im zweiten Kapitel des vierten Buchs , ausführlich zu lesen . W. 65 Menschen , deren Stamm das Land , wo sie wohnen , von jeher innegehabt , und also gleichsam von selbst , wie die Bäume , aus dem Erdboden hervorgewachsen war . Die Bewohner von Attika wußten sich viel damit , solche Autochthonen zu seyn . W. 66 Anspielung auf den Charakter , welchen Aristophanes in seinen Rittern dem unter dem Namen Demos personificirten souveränen Pöbel zu Athen beigelegt , besonders auf die Verse im ersten Act , welche ich für diejenigen , die das Original selbst nicht lesen können , aus meiner Uebersetzung ( im zweiten Buch des Attischen Museums ) hierher setze . Demosthenes und Nikias sagen den Zuschauern : Uns beiden ward ein ziemlich seltsamer Patron zu Theil , ein sauertöpfischer Heißgrät ' ger Mann , der sich mit Bohnen füttert , Viel Galle macht , auch etwas übel hört , Kurz , ein gewisser Demos aus dem Pnyx , Ein grilliger , griesgräm ' ger , alter Kauz . 67 Dieß bezieht sich auf die Nachricht des Grammatikers , der den Inhalt der Wolken abgefaßt hat , daß Aristophanes von des Sokrates nachmaligen Anklägern Anytus und Melitus gedungen worden sey , dieß Stück zu schreiben . 68 Die Athener wollten neun Heerführer , weil sie die in der Seeschlacht bei Arginussä gebliebenen Bürger nicht aufgesucht und begraben hatten , zum Tode verurtheilen . Diesem ungerechten Ausspruch widersetzte sich der einzige Sokrates mit unerschütterlichem Muthe , trotz aller Drohungen der Ankläger sowohl als des Volks , ihn selbst vor Gericht zu ziehen . Ueber den in diesem Briefe verhandelten Gegenstand hatte Wieland früher im Attischen Museum eine besondre Abhandlung geliefert : Versuch über die Frage : ob und inwiefern Aristophanes gegen den Vorwurf , den Sokrates in den Wolken persönlich mißhandelt zu haben , gerechtfertigt oder entschuldigt werden könne ? ( Bd . 3. S. 57-100 ) Gegen Wielands hierin gefälltes Urtheil über Aristophanes hatte sich der Herausgeber erklärt in seinem Artikel Aristophanes in dem ästhetischarchäologischen Wörterbuch , und konnte Wielanden zufälliger Weise dieß erst zeigen , als es abgedruckt war . » Habe ich , sagte er , dieß alles gesagt , so hatten Sie Recht , es zu bestreiten : mir ist aber , als hätte ich ziemlich dasselbe gesagt , was Sie gegen mich geltend machen . « Nach etlichen Tagen gab er mir die Nachricht , daß ihm die Sache keine Ruhe gelassen habe , und wies mir nun diesen , von mir übersehenen , Brief Aristipps nach ; ich ließ hierauf ein Blatt umdrucken . - Was die Sache betrifft , so hätte noch angeführt werden müssen , daß ja auch andere Komiker vor Aristophanes schon den Sokrates auf die Bühne gebracht hatten , und darüber ist nachzusehen Kanngießer a.a.O. zu Ende . 10. Brief . 69 Er scheint sogar nicht ohne Anlage zu Schwärmerei gewesen zu seyn , da er zuweilen in Entzückungen gerieth , worin er sich seiner selbst nicht bewußt war . - Ueber das von Wieland Angeführte s. Xenoph . Memor . Socr . 1 , 1. 2 , 6. 4 , 3. 7. 11. Brief . 70 ( Das Königthum , oder die höchste Staatsgewalt , personificirt ) - Die Basileia , auf welche Aristipp anspielt , ist nicht die ( angeblich historische ) Tochter des Uranos und der Titäa , deren alberne Legende Diodorus Siculus im 3ten Buche seiner Universalgeschichte erzählt ; sondern die Basileia , die in den Vögeln des Aristophanes , kraft eines zwischen den Vögeln und Göttern geschlossenen Friedens , mit dem Peisthetäros vermählt wird , um ihm die Oberherrschaft über die Welt durch diese Verbindung zu versichern . W. 71 Tyrann , - im Griechischen Sinn ist Alleinherrscher , welcher die Regierung sich angemaßt hat , Usurpator ; er kann dabei der mildeste und gerechteste Regent seyn , ist es aber nicht verfassungsmäßig . 12. Brief . 72 Einer der sieben Weisen Griechenlands , hatte den Denkspruch : ich trage all das Meinige bei mir - nämlich seine Weisheit . 13. Brief . 73 ( Stadion ) - Das gewöhnliche Maß der Ortsentfernung , dessen sich die Griechen bedienten . Nach der Berechnung des Abbé Barthélemy beträgt ein Stadium ein Achtel einer Römischen Meile , oder 941 / 2 Französische Toisen ; also 5000 Stadien gerade 189 Französische Meilen , zu 2500 Toisen . W. 74 Fest des Poseidon oder Neptuns . W. 75 Was von wahrer Geschichte derselben noch auszumitteln war , findet man zusammengestellt von Fr . Jacobs in seinen Beiträgen zur Geschichte des weiblichen Geschlechts . S. Wielands Attisches Museum Bd . 3. S. 173 fgg . , und über ihr Verhältniß zu Aristipp insbesondere S. 233. fg . 76 Eine Tochter des Priamos , besaß die Gabe der Wrissagung . 77 Iynx ( der Vögel Wendehals ) - Ein bei den Alten berüchtigtes Zaubermittel , dessen sich die vorgeblichen Zauberkünstler , Thessalischen Hexen und ihresgleichen bedienten , um durch magische Gewalt verschmähten Liebhabern Gegenliebe zu verschaffen . ( S. Theokrits Pharmaceutria , wo der Iynx gleichsam die Hauptrolle spielt . ) In metaphorischem Sinn ist also dieses Wort mit Liebreiz , insofern er etwas zauberisch Anziehendes ist , einerlei . W. 78 Eine Talismanische Pflanze von Homers Erfindung ( Odyss . X. ) , welche Ulysses vom Mercur als ein Gegenmittel gegen die Bezauberungen der schönen Circe erhielt . W. 79 Mit dem Namen des großen Königs bezeichneten die Griechen den König von Persien , als den damals mächtigsten Monarchen . 14. Brief . 80 Diese von dem Sophisten Prodikus herrührende allegorische Erzählung ist hinlänglich bekannt , und es bedarf daher hier nur der Bemerkung , daß Sokrates dieselbe mitgetheilt hat in einem Gespräch , das er mit Aristipp hielt , in Xenophons Denkwürdigkeiten des Sokrates das erste im zweiten Buch . Eine Uebersetzung desselben hat auch Wieland im dritten Band des Attischen Museums S. 124 geliefert , und man darf , zur Würdigung Aristipps , die von Wieland beigefügten Anmerkungen nicht übersehen , besonders nicht die erste über das Verhältniß zwischen Xenophon und Aristipp . 81 Kluge Mäßigung . 82 Hippolytus , einigen unsrer Leser aus dem Euripides , andern aus der Phèdre des J. Racine oder aus seinem Nachbilde Silvio im Pastor Fido des Guarini bekannt . W. 83 Das Frauengemach , der Harem bei den Türken , Persern , u.s.w. W. 84 Eine Hetäre , die zuletzt mit einem Thessalischen Könige vermählt wurde . 85 Die Erzählung , welche Aristipp seiner Freundin von dem Besuch des Sokrates bei der schönen Theodota macht , stimmt in allem Wesentlichen genau mit der Xenophontischen im eilften Kapitel des dritten Buchs der Memorabilien überein ; wenigstens ist der Unterschied nicht größer als er gewöhnlich zu seyn pflegt , wenn ebendieselbe Begebenheit von zwei verschiedenen Augenzeugen erzählt wird . W. 15. Brief . 86 Ueber das Zeitalter dieses , nächst Praxiteles berühmtesten , Marmorbildners sind die Alterthumsforscher durch Plinius sehr in Verlegenheit gesetzt worden , indem dieser ihn bei der 87sten und bei der 107ten Olympiade namhaft macht . Die Stelle bei Plinius , worin die erste Angabe vorkommt , wird jedoch für fehlerhaft erklärt , und so konnte Wieland den Skopas , dessen Blüthe gegen Ol . 100 fällt , hier wohl als einen jungen Künstler einführen . Seine Hauptwerke führt Plinius an 36 , 4 , 7 , und die von Wieland angeführten dürften wohl in etwas spätere Zeit zu setzen seyn . Böttiger ( s. dessen Andeutungen S. 155 fgg . ) sagt : in den Figuren des Cupido und dem Genius der Zärtlichkeit und der schmachtenden Sehnsucht ( Eros , Himeros , Pothos ) , die Pausanias noch in Megara sah , wurde er Schöpfer mehrerer allegorischer Wesen , die man später unter den Amorinen- und Psyche-Spielen nicht immer genau genug unterschieden oder wohl gar mit Eros und Anteros ( Liebe und Gegenliebe ) verwechselt hat . 16. Brief . 87 Offenbar will Wieland durch diese beiden Worte einen Gegensatz andeuten , und man könnte glauben , daß er an Moritz gedacht habe , wenn er die von demselben angegebene Rection befolgt hätte , nämlich : es dünkt mich , und es däucht mir . Dünken , sagt er , ist etwas , das sich mehr in uns selbst und aus dem vorhergehenden Zustande unserer Seele entwickelt ; es bezeichnet eine dunkle Erinnerung oder ein dunkles unwillkürliches Urtheil , dessen wir uns selbst noch nicht recht bewußt sind . Wir fällen hier nicht eigentlich das Urtheil , sondern es ist beinahe als ob es sich selbst fällte , und wir uns leidend dabei verhielten . Däuchten hingegen ist etwas , das erst von außenher durch einen sinnlichen Gegenstand in unsrer Seele erweckt wird . S. deutsche Sprachlehre in Briefen , 4te Aufl . S. 200 fg . 17. Brief . 88 In dem bei Br . 14 angeführten Sokratischen Dialog erklärt sich Aristipp gegen Sokrates für einen Weltbürger . Wieland bemerkt dabei über des Sokrates Antwort : » Ich weiß nicht , ob man einem Menschen , der etwas besser als der unterste unter allen ist , etwas Härteres und zugleich Gröberes sagen kann , als was Xenophon den Sokrates hier dem armen Aristipp ins Gesicht sagen läßt ; und Aristipp erscheint , durch die gute Art , wie er diese Attische Urbanität , aus Ehrerbietung vor dem alten Sokrates , erträgt ( vermuthlich gegen Xenophons Absicht ) , in einem vortheilhaften Lichte . - So viel kann doch wohl Sokrates sich über Aristipp , der nicht etwa ein armer Schlucker , sondern ein Fremder von gutem Hause und Vermögen war , nicht herausgenommen haben , wenn er ihn im Ernste gewinnen wollte . « - Es könnte hiebei leicht von drei Seiten gefehlt seyn . Aristipp kündigt seinen Kosmopolitismus durch die Erklärung an , daß er sich an keinen Staat binden , sondern überall wie ein Fremder leben wolle , was denn freilich die eigennützigste Art von Weltbürgerschaft wäre ; Sokrates hatte in Beziehung auf Menschenrechte und Bürgerpflichten etwas beschränkte Grundsätze ; und Xenophon stellt überall den Aristipp in Schatten , und kann nur nicht vermeiden , ihn doch als den - selbstständigsten Schüler des Sokrates darzustellen , da er sich auf Platon nicht einläßt . 19. Brief . 89 Wortkargheit , wie sie den Lacedämoniern eigen war . 90 Aufseher , obrigkeitliche Würde in Sparta . 91 Ein ziemlich beißende Anspielung auf ein eben so ungerechtes als unkluges Unternehmen der Athener , welches noch in frischem Andenken war . 20. Brief . 92 In der Attischen Stadt Eleusis , wo Ceres den Triptolemos zuerst im Ackerbau unterrichtet hatte , wurde zum Andenken an diese für die fortschreitende Bildung so wichtige Begebenheit alle fünf Jahre ein Fest gefeiert , das Eleusische Fest , die Eleusinien genannt , welches mit besondern Mysterien verbunden war . Zu den Feierlichkeiten dieses neun Tage dauernden Festes gehörte auch eine Procession , welche dn heiligen Korb ( Kalathus ) nach dem Tempel führte . Erlesene Jungfrauen , in Körbchen auf dem Haupte die Heiligthümer tragend , folgten . sie hießen davon Kanephoren oder Korbträgerinnen . 93 Wenn es Grund hätte , daß eine Venus des Skopas den Beinamen Pothos ( Begierde , Sehnsucht ) geführt hätte , wie Caylus in seiner Abhandlung de la sculpture et des sculpteurs anciens selon Pline sagt , so könnte man glauben , dieser Scherz der schönen Lais hätte zu jenem Beinamen Anlaß gegeben . Aber Aphrodite konnte ohne einen Barbarism , den die Griechische Sprache nicht erträgt , keinen männlichen Beinamen , wie potos ist , führen . Auch sagt Plinius nicht , daß die Venus des Skopas Pothos geheißen habe ; er nennt bloß , indem er eine ziemliche Anzahl der vorzüglichsten Werke dieses Künstlers aufzählt , eine Venus , einen Pothos und einen Phaëthon , vor allen übrigen : is ( Scopas ) fecit Venerem et Pothon et Phaëthontem , qui Samothraciae sanctissimis ceremoniis coluntur . ( H.N. XXXVI . 5. ) Wie dieser Pothos aber eigentlich gebildet gewesen , und vornehmlich wie er nebst dem Phaëthon zu der Ehre gekommen , die ihm auf jener durch die Kabirischen oder Orphischen Mysterien berühmt gewordenen Insel mit hochheiligen Ceremonien erzeigt worden seyn soll , gehört ( meines Wissens ) unter die noch unaufgelösten antiquarischen Probleme . In den alten Genealogien der Götter und Götterkinder findet sich kein Pothos ; dem Homer ist er , als ein dämonisches Wesen , eben so unbekannt wie Eros ; und wenn Plato in seinem ( von wenigen recht verstandenen ) Kratylus , den Sokrates einen spitzfindigen Unterschied zwischen Himeros , Pothos und Eros machen läßt , so spricht er von ihnen nicht als von Dämonen oder Genien , sondern betrachtet sie bloß als eine dreifache Modification des Tymos , d.i. der leidenschaftlichen Bewegung des Gemüths zu einem begehrten Gegenstand : so daß Pothos die Begierde nach einem abwesenden bezeichnet , Himeros und Eros hingegen sich auf ein gegenwärtiges Object beziehen , aber unter sich wieder darin verschieden sind , daß die Begier , womit Himeros die Seele wie durch einen heftigen Strom zu dem Begehrten hinreißt , sich aus ihm selbst ergießt , da sie hingegen im Eros erst durch den Gegenstand entzündet wird und von außenher durch die Augen in die Seele strömt ( eisree exoten , kai oyk oikeia estin h roh ayth to exonti , allA epeisaktos dia ton ommaton . ) So viel scheint indessen gewiß , daß der Pothos des Skopas eine allegorische Person , vermuthlich ein vom Eros und Himeros hinlänglich unterschiedener und die Sehnsucht nach einem abwesenden Geliebten symbolisierender Genius gewesen seyn müsse . Vielleicht war Skopas der erste Künstler , der diese Personification unternahm ; wenigstens scheint er sich darin gefallen zu haben , da , nach dem Berichte des Pausanias ( Libr . 1. c. 43. § . 7. pag . 167. edit . Facii ) , auch in einem Tempel der Venus zu Megara neben den Bildsäulen des Eros und Himeros , auch eine des Pothos zu sehen war . W. 94 Eine Silbermünze , an Werth ungefähr einem Kopfstücke von 20 Kr . gleich , deren hundert eine Mine ausmachten . 95 Einige Leser werden sich vielleicht bei dieser Stelle des Non cuivis homini contingit adire Corinthum aus Horazens Epistel an Scäva , und des Ad cujus jacuit Graecia tota fores des Properz ( L. II. El . 6. ) erinnern . Aristipp konnte sie freilich nicht im Sinne gehabt haben ; aber das erste ist auch bloß die Uebersetzung des Griechischen Sprüchworts , oy pantos andros eis Korinton estin o ploys , welches älter als Lais und Aristipp war ; und das andere könnte , möglicher Weise , für eine Anspielung des sehr belesenen Römischen Dichters auf diesen Scherz des Aristipp gehalten werden , wenn man nicht zugeben will , daß zwei Personen auf eben denselben Gedanken und Ausdruck gerathen können , ohne daß die eine ihn nothwendig der andern abgestohlen haben muß . W. 23. Brief . 96 Landenge . Auf einem solchen schmalen Erdstreifen , der den Peloponnes mit Attika verbindet , lag Korinth , und dieß brachte wohl Lais darauf , mittelst seiner die Enge des Raumes auf die Zeit überzutragen . 97 Einem jeden , der den Phädrus des Plato im Original oder in der neuesten Uebersetzung ( von dem Herrn Grafen Friedrich Leopold zu Stolberg ) gelesen hat , muß sogleich in die Augen springen , daß hier von keinem andern Ahorn die Rede seyn könne , als von dem , der durch die in seinem Schatten vorgefallne Unterredung zwischen Sokrates und dem schönen Phädrus einer der berühmtesten Bäume in der Welt geworden ist ; und so hätte sich ' s durch ein sonderbares Spiel des Zufalls gefügt , daß die schöne Lais ihre erste Bekanntschaft mit Sokrates ( um dessentwillen sie die Reise nach Athen unternahm ) gerade unter diesem Ahorn an eben dem Abend , da jenes berühmte Gespräch vorgefallen , gemacht hätte . Unglücklicherweise stößt sich ' s ( wenn wir auch andere kleine Zweifel nicht achten wollen ) an einen topographischen Umstand , der diese Zusammenkunft unmöglich zu machen scheint . Der besagte Ahorn nämlich stand ganz nahe an dem kleinen Bach Ilissus , der aus dem Berg Hymettus ostwärts von Athen entspringt ; Lais aber kam von Megara und Eleusis auf dem entgegen gesetzten Wege her , und hätte , ohne irgend einen denkbaren Grund , einen Umweg von mehreren Meilen nehmen müssen , um bei dem Ahorn , unter welchem Sokrates zufälliger Weise saß , vorbei zu kommen . Daß entweder sie selbst oder Plato in der Angabe des Orts so gröblich sich geirrt haben sollte , läßt sich um so weniger annehmen , da beide in der Bezeichnung desselben genau zusammenstimmen . Ich sehe also weder wie dieser Knoten , wofern unsre Aristippische Briefsammlung ächt seyn sollte , aufgelöset , noch wie der Urheber derselben , falls sie erdichtet ist , von dem Vorwurf einer groben Unwissenheit oder Nachlässigkeit frei gesprochen werden könnte . Das einzige Mittel aus dieser Schwierigkeit herauszukommen , wäre , wenn der geneigte Leser sich gefallen lassen wollte , den Ahorn sammt dem Ilissus und dem Berg Hymettus in Gedanken auf die Westseite vor Athen an die Straße von Eleusis zu versetzen : eine Gefälligkeit , die man ihm freilich , wofern er sich nicht aus gutem Willen dazu bequemt , nicht wohl ansinnen kann , ob sie gleich im Grunde nicht mühsamer wäre , als wenn Mercur und Charon beim Lucian , durch die magische Kraft etlicher Homerischer Verse den Ossa auf den Olymp , den Pelion auf den Ossa , und zuletzt noch gar den Oeta und den Parnaß auf den Pelion thürmen , um sich einen tauglichen Standpunkt zur Uebersicht des Erdkreises zu verschaffen . W. 98 Tänaros , Vorgebirg an der äußersten Spitze des Peloponnes , Athos , Berg auf einer Halbinsel in Macedonien . Beide bezeichnen Griechenland von einem Ende zum andern . 25. Brief . 99 Eine phrygische Gottheit , die von verschiedenen Oertern verschiedene Namen hatte , Kybele , Berecynthia u.a. 100 Obrigkeitliche Personen zu Athen , denen die Polizei des weiblichen Theils der Einwohner dieser großen Stadt anbefohlen war . W. 101 Wird man wohl am besten kennen lernen durch Wielands Versuch über das Xenophontische Gastmahl im Attischen Museum Bd . 4. 102 ( Beschützerin der Stadt ) - Ein Beiname der Minerva , als der Schutzgöttin von Athen . Vor dem Tempel , den sie unter diesem Namen auf der Akropolis hatte , stand ein uralter Oelbaum , der Tradition nach eben derselbe , durch dessen Hervorbringung die Göttin den Sieg über den Neptun , der ihr das Schirmrecht über Athen streitig machte , erhalten hatte . W. 103 Die Göttin des glücklichen und unglücklichen Zufalls . W. 104 ( Flötenspielerinnen ) - Gewöhnlich wie die Tänzerinnen und Eitherspielerinnen , eine Classe von Hetären , welche bei Gastmählern gedungen wurden , die Gäste mit ihrer Kunst zu unterhalten . W. 105 Ein vornehmer Athener dieses Namens bewarb sich , zugleich mit Megakles , Alkmäons Sohn von Athen und vielen andern ansehnlichen Freiern , um Agerista , die Tochter des Klisthenes , Tyrannen von Sicyon . Der Vater wußte sich nicht besser zu helfen , als daß er seine Tochter demjenigen zusagte , der bei einem angestellten großen Gastmahl die vorzüglichsten Talente beweisen würde . Hippokleides trieb bei diesem Wettstreit seinen Eifer so weit , daß er , um eine Kunst , worin es ihm keiner seiner Mitwerber nachthun könnte , zu zeigen , auf dem Kopfe zu tanzen anfing . Das dünkte dem alten Herrn gar zu arg . Du hast dich um meine Tochter getanzt , sagte er zu dem jungen Springinsfeld ; ich gebe sie dem Sohne Alkmäons . Das läßt Hippokleides sich nicht kümmern , erwiederte dieser , und man fand die Antwort so merkwürdig , daß sie zu einem der gemeinsten Sprüchwörter ward . W. 26. Brief . 106 Welche Grundsätze Sokrates über diesen delicaten Punkt hatte , sieht man aus Xenophons Sokratischen Denkwürdigkeiten B. 1. Kap . 3. , und wie sich selbst Antisthenes danach richtete , aus Xenophons Gastmahl . 30. Brief . 107 Wenn man den Namen Lysippus hört , denkt man gewöhnlich nur an den großen Bildhauer , der diesen Namen zu einem der berühmtesten in der Kunstgeschichte gemacht hat . Es gab aber auch einen Komödiendichter dieses Namens , und von ihm sind die vom Aristipp hier angeführten Verse , die im Original also lauten : Ei mh teteasai tas Athnas , stelexos ei . Ei de teteasai , mh tethreysai dA , onos . Ei dA eysareston apotrexeis , kanthlion . S. Henr . Stephani Dicaearchi Geograph . Quaedam c. 3. ( in Vol . XI. Thes . Gronov . p. 14. ) oder Hudsons Geograph . Graec . T. II. W. 108 Außer unserm Aristipp ( dessen Autorität ich hier keineswegs in Anschlag gebracht haben will ) ist Plinius der einzige alte Schriftsteller , der des hier beschriebenen Gemäldes Meldung thut ; aber die Art , wie er sich darüber ausdrückt , scheint mir anzuzeigen , daß er es bloß von Hörensagen gekannt habe . Hier sind seine eigenen Worte : Pinxit et demon Atheniensium , argumento quoque ingenioso : volebat namque varium , iracundum , injustum , inconstantem , eundem exorabilem , clementem , misericordem , excelsum , gloriosum , humilem , ferocem fugacemque et omnia pariter , ostendere . - De la Naure in einem Memoire sur la manière dont Pline a traité de la Peinture , ist mit dem berühmten de Piles ( Cours de Peinture p. 75. s. ) geneigt zu glauben , daß Parrhasius diese schwere und beinahe unmögliche Aufgabe durch eine allegorische Composition , auf eine ähnliche Weise wie Rafael in seiner sogenannten Schule von Athen ein ähnliches Problem , nämlich eine Charakteristik der verschiednen philosophischen Schulen und Secten unter den Griechen , aufzulösen versucht habe . Car enfin ( sagt er ) , un tableau allégorique du génie d ' un peuple par le moyen de plusieurs groupes , qui en retraçant des événemens historiques de divers tems , marqueroient la vicissitude des sentimens populaires , ne paroît pas plus difficile à concevoir qu ' un tableau allégorique du génie de la philosophie par d ' autres groupes , qui en représentant des personnages historiques de différens pays et de différens siècles , indiquent la vicissitude des opinions philosophiques . Le parallèle ( setzt er hinzu ) semble complet , avec cette différence , que le sujet caustique de Parrhasius étoit délicat à traiter : aussi Pline a-t-il insinué par le terme il vouloit , que l ' exécution , ou du moins le succès , furent moins heureux que l ' invention . - Mir scheint das volebat des Plinius nichts weiter anzudeuten , als daß er sich , da er dieses sonderbare Gemälde nicht selbst gesehen hatte , aus bescheidener Zurückhaltung nicht positiver ausdrücken wollte . Uebrigens berge ich nicht , daß ich die Idee , die uns Aristipp von diesem Gemälde gibt , und die Art , wie das räthselhafte Problem dadurch aufgelöset wird , der zwar sinnreichen , aber dem Leser keinen klaren Begriff gebenden Hypothese des de Piles , vorziehe . Die erheblichste Einwendung , die man gegen sie machen kann und wird , gründet sich auf die ziemlich allgemein angenommene Meinung , weder Parrhasius noch irgend ein anderer Griechischer Maler hätte , aus Unbekanntschaft mit den Regeln der Perspectiv , auch nur den Gedanken fassen können , ein Stück auf diese Art zusammenzusetzen und zu disponiren , wie der Demos Athenäon nach Aristipps Beschreibung hätte geordnet seyn müssen . Die Alten , sagt man , hatten keinen Begriff von Vor- , Mittel- und Hinter-Grund ; sie stellten auch in ihren reichsten Compositionen alle Figuren und Gruppen auf Einen Plan , und die optischen Gesetze , nach welchen verschiedene Körper , in verschiedenen Entfernungen aus Einem Gesichtspunkt gesehen , verhältnißmäßig größer oder kleiner , stärker oder matter gefärbt erscheinen , waren ihnen unbekannt . Ohne mich hier in Erörterung der Gründe einzulassen , warum ich über diesen Punkt der Meinung des Grafen Caylus zugethan bin ( S. dessen Abhandlung über die Perspectiv der Alten im neununddreißigsten Band der Mémoires de Littérature ) , begnüge ich mich zu sagen , daß ich für den Demos des Parrhasius , so wie Aristipp dieses Gemälde beschreibt , weiter nichts verlange , als was man den beiden großen Compositionen eines ältern Malers , des Polygnotus , die an den beiden Hauptwänden der sogenannten Lesche zu Delphi zu sehen waren , und wovon die eine das eroberte Troja und die Abfahrt der Griechen , die andere den Homerischen Ulyß im Hades darstellte , zugestehen muß , wenn man anders so billig seyn will , einem Maler , wie Polygnotus war , zuzutrauen , daß er die ungeheure Menge von Figuren und Gruppen , womit diese großen Schildereien , nach dem ausführlichen Bericht des Pausanias , angefüllt waren , etwas ordentlicher und verständlicher zusammengesetzt haben werde , als dieser geschmacklose inquisitive traveller sie beschreibt . Zwar geht er , mit der mühseligsten Genauigkeit in die kleinsten Details ein , zählt uns alle auf dem ganzen Gemälde vorkommende , beinahe unzähligen Personen , mit dem jedem beigeschriebenen Namen , wie aus einer Musterrolle zu , bemerkt ob sie einen Bart haben oder noch bartlos sind , ob ihre Namen aus dem Homer , oder aus der sogenannten kleinen Ilias eines gewissen Lesches genommen , oder vom Polygnot eigenmächtig erfunden worden , und was dergleichen mehr ist . Ihm ist die kleinste Kleinigkeit dieser Art merkwürdig ; z.B. daß zu den Füßen eines gewissen unbedeutenden Amphiales ein Knabe sitzt , dem kein Name beigeschrieben ist ; daß Meges und Lykomedes , jener eine Wunde am Arm , dieser eine an der Vorhand hat ; daß nach dem Bericht des besagten Dichters Lesches , Meges seine Wunde von einem gewissen Admet , Lykomedes die seinige von Agenorn bekommen ; daß der Maler dem armen Lykomed , ohne von dem Dichter dazu autorisirt zu seyn , noch eine andere Wunde am Schenkel und eine dritte am Kopfe geschlagen u.s.w. Und in tausend solchen einzelnen Beschreibungen und Umständlichkeiten , immer mit beigemischten mikrologisch-philologischen Anmerkungen von diesem Schlage , verwirrt und verliert der gute Mann sich selbst , seine Leser und das Gemälde , wovon die Rede ist , dermaßen , daß er selbst und wir vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen können . Alle diese einzelnen Personen und Sachen , die er uns so graphisch als ihm möglich ist verzeichnet , in unserm Kopfe zusammen zu ordnen , und ein Ganzes daraus zu machen