Male einen Reinertrag aus der gehaspelten Seide . Kaum daß er ein Stück guten Lehmboden auf seiner Feldmark gefunden , entstand auch schon eine Ziegelei , so daß er 1746 , und zwar aus selbstgebrannten Steinen , das noch jetzt existierende Wohnhaus erbauen konnte . Noch im selben Jahre führte er , ebenso wie in Spandau und Köpenick , große Brauereigebäude auf , in denen das so beliebt gewordene und nach ihm genannte » Fredersdorffer Bier « gebraut wurde . In allem erwies er sich als der gelehrige Schüler seines königlichen Herrn , und an der ganzen Art und Weise , wie er die Dinge in Angriff nahm , ließ sich erkennen , daß er den organisatorischen Plänen des Königs mit Verständnis zu folgen und sie als Vorbild zu verwerten verstand . Er mochte es dabei , besonders was die Mittel zur Ausführung anging , leichter haben als mancher andere , da ein König , der ihm schreiben konnte : » Wenn ein Mittel in der Welt wäre , Dir in 2 Minuten zu helfen , so wollte ich es kaufen , es möchte auch so theuer sein , wie es immer wolle « , sehr wahrscheinlich auch bereit war , durch Geschenke und Vorschüsse aller Art zu helfen . Es scheint indessen , daß diese Hilfen immer nur innerhalb beschränkter Grenzen blieben und daß die Meliorationen erst von 1750 ab einen größeren Maßstab annahmen , wo sich Fredersdorff mit Karoline Marie Elisabeth Daum , der reichen Erbtochter des schon 1743 verstorbenen Bankiers Daum vermählt hatte . Wenigstens beginnen von da ab erst jene Güterkäufe , deren ich schon oben erwähnt habe . Fredersdorff lebte mit seiner jungen Frau in einer sehr glücklichen , aber kinderlosen Ehe . Daß er andauernd in Zernikow gewesen sei , ist nicht anzunehmen , doch scheint es , daß er von 1750 ab ( also nach seiner Vermählung ) wenigstens so oft wie möglich auf seinem Gute war und namentlich die Sommermonate gern daselbst verbrachte . Ob er seine alchimistischen Künste und Goldmacheversuche auch in ländlicher Zurückgezogenheit geübt hatte , ist nicht zu ermitteln gewesen , übrigens nicht wahrscheinlich . Er starb zu Potsdam in demselben Jahre ( 1758 ) , das seinem königlichen Herrn so viele schwere Verluste brachte , und seine Leiche wurde nach Zernikow übergeführt . Michael Gabriel Fredersdorff war am 12. Januar 1758 gestorben . 1760 vermählte sich seine Witwe zum zweiten Male mit dem aus Pommern stammenden Geheimen Stiftsrat zu Quedlinburg Hans Freiherrn von Labes , der , ursprünglich bürgerlich , erst später vom Kaiser in den Adelsstand erhoben worden war . Auch Freiherr von Labes tat viel zur Verschönerung des Gutes , eine Lindenallee wurde gepflanzt , ein englischer Park angelegt , und der frühere Fasanengarten in einen Tiergarten mit Fischteichen , Wasserleitungen und Pavillons umgeschaffen . Er scheint andauernder als Fredersdorff in Zernikow gelebt zu haben und verschied daselbst am 27. Juli 1776 . Frau von Labes aber , nachdem sie durch milde Stiftungen , besonders durch Erbauung eines Hospitals segensreich gewirkt hatte , starb erst am 10. März 1810 , achtzig Jahre alt , mehr denn fünfzig Jahre nach dem Tode ihres ersten Gatten . Aus ihrer zweiten Ehe waren ihr zwei Kinder geboren worden , ein Sohn und eine Tochter . Der Sohn , Geheimer Legationsrat von Labes , vermählte sich mit einer Komtesse Görtz-Schlitz , wurde selbst in den Grafenstand erhoben und nahm , nach der Burg Schlitz , die er sich im Mecklenburgischen erbaut hatte , den Namen Graf Schlitz an . Dieser Graf Schlitz starb 1831 . Er hinterließ nur eine Tochter , die sich 1822 dem Grafen Bassewitz vermählte , welcher letztere seitdem den Namen Graf Bassewitz-Schlitz führte . Das einzige Kind dieser Ehe , eine Tochter , wurde nur elf Jahre alt ; von den Eltern starb die Mutter 1855 , der Vater , Graf Bassewitz-Schlitz , im Juli 1861 . Beide wurden auf Hohen-Demzin , einem in der Nähe von Burg Schlitz gelegenen Familiengute beigesetzt . Schon 1855 , also nach dem Tode der Gräfin , waren die Fredersdorffschen Güter , da keine direkte Nachkommenschaft da war , auf die weibliche Linie , d.h. also auf die Nachkommenschaft der Tochter der Frau von Labes übergegangen . Diese Tochter war seit 1777 an den Freiherrn Joachim Erdmann von Arnim vermählt , starb aber schon 1781 infolge ihrer zweiten Entbindung , nachdem sie dem später so berühmt gewordenen Achim von Arnim das Leben gegeben hatte . Sie hinterließ zwei Söhne : Karl Otto Ludwig von Arnim , geb . am 1. August 1779 und Karl Friedrich Joachim Ludwig von Arnim ( Achim von Arnim ) , geb . am 26. Januar 1781 . Von diesen beiden Brüdern starb der jüngere schon am 21. Januar 1831 , der ältere ( gemeinhin Pitt-Arnim geheißen ) ererbte die Fredersdorffschen Güter , nach dem , wie vorstehend schon hervorgehoben , im Jahre 1855 erfolgten Tode der Gräfin Bassewitz-Schlitz . Er ist sechs Jahre lang im Besitz der Güter geblieben , bis zu seinem am 9. Februar 1861 erfolgten Tode . Da er kinderlos verstarb , so waren seine Neffen und Nichten , die Kinder Achims von Arnim und der Bettina Brentano , die nächsten Erben . Diese Kinder , drei Söhne und drei Töchter , sind jetzt die Besitzer von Zernikow . Zernikow besitzt neben einer sehenswerten Kirche , in der sich , ebenso wie im Herrenhause , die Porträts von Fredersdorff , dem von Labesschen Ehepaar und von deren Tochter , der 1781 verstorbenen Frau von Arnim befinden , auch ein mit Geschmack und Munifizenz hergestelltes Grabgewölbe , das Frau von Labes bald nach dem Tode ihres zweiten Gemahls errichten ließ . Es trägt an seiner Front die Inschrift : » Fredersdorff ' sches Erbbegräbniß , errichtet von dessen hinterlassener Wittwe , gebornen Caroline Marie Elisabeth Daum , nachmals verehelichten v. Labes . Anno 1777 « . Darunter in goldenen Buchstaben folgende verschlungene Namenszüge : MGF ( Michael Gabriel Fredersdorff ) und CMED ( Caroline Marie Elisabeth Daum ) . Sofort nach der Vollendung dieses Grabgewölbes nahm Frau von Labes in dasselbe die sterblichen Überreste ihrer Ehegatten Fredersdorff und von Labes auf , welche sich bisher in einer Gruft unter der Kirche zu Zernikow befunden hatten . Der mit Leder überzogene und mit vergoldeten Füßen und Handhaben versehene Sarg Fredersdorffs , auf dem sich noch die Patrontasche befindet , die derselbe während seines Militärdienstes im Schwerinschen Regiment getragen hat , steht an der rechten Seitenwand , der Sarg des Freiherrn von Labes unmittelbar dahinter . Vier Jahre später gesellte sich zu diesen beiden Särgen ein dritter . Noch nicht zwanzig Jahre alt , war die mehrgenannte Freifrau Amalie Karoline von Arnim , einzige Tochter der verwitweten Frau von Labes , im Januar oder Februar 1781 zu Berlin gestorben und wurde von dort nach Zernikow übergeführt . Ihr Sarg , in dessen Deckel ein kleines Fenster befindlich ist , steht an der Hinterwand des Gewölbes , und noch jetzt liegen auf demselben Kränze und Gedichte , welche letzteren von der Hand der Mutter geschrieben sind . Am 10. März 1810 entschlief Frau von Labes selber und nahm , ihrem letzten Willen gemäß , nach Freud und Leid dieser Welt , ihren letzten Ruheplatz an der Seite derer , die ihr das Teuerste gewesen waren . Auch auf dem Deckel ihres überaus prachtvollen Sarges ist ein kleines Fenster angebracht , durch das man die entseelte Hülle der alten Freifrau erblickt . Auf allen vier Särgen befinden sich die Familienwappen , auf drei derselben auch Name , Geburts- und Todestag . Über fünfzig Jahre vergingen , ehe ein neuer Ankömmling vor der Kirche hielt und Raum in der Familiengruft beanspruchte . Alles , was den Namen Graf Schlitz angenommen hatte , hatte sich auch im Tode noch von Zernikow , dem ursprünglichen Familiengut , geschieden und dem Graf Schlitzschen Mausoleum auf Hohen-Demzin den Vorzug gegeben . Nicht so der älteste Sohn der Tochter der Frau von Labes . Am 16. Februar 1861 öffneten sich die schweren Gittertüren des Fredersdorffschen Erbbegräbnisses noch einmal und der Sarg des Oberstschenk Karl Otto Ludwigs von Arnim wurde neben Mutter und Großmutter beigesetzt . Seine Inschrift lautet : Dubius non impius vixi , Incertus morior , non perturbatus ; Humanum est nescire et errare . Ens entium miserere mei . In Zweifeln hab ' ich gelebt , nicht unfromm , In Ungewißheit sterb ' ich , nicht in Bangen ; Nichtwissen und irren ist Menschenlos . Wesen der Wesen erbarme dich mein . Sein jüngerer Bruder , Achim von Arnim , ist auf dem Familiengut Wiepersdorf bei Dahme begraben . Auch Bettina ( gest . 1859 zu Berlin ) ruht daselbst . Die Ruppiner Schweiz Die Ruppiner Schweiz Die Ruppiner Schweiz Ist ' s norderwärts in Rheinsbergs Näh ' ? Ist ' s süderwärts am Molchowsee ? Ist ' s Rottstiel tief im Grunde kühl ? Ist ' s Kunsterspring , ist ' s Boltenmühl ? Die Schweize werden immer kleiner , und so gibt es nicht bloß mehr eine Märkische , sondern bereits auch eine Ruppiner Schweiz , der es übrigens , wenn man ein freundlich-aufmerksames Auge mitbringt , weder an Schönheit noch an unterscheidenden Zügen fehlt . Sie besitzt beides in ihrem Wasserreichtum . Während Freienwalde dieses Schmuckes beinah völlig entbehrt und Buckow , den großen See zu seinen Füßen abgerechnet , nur zwei kleine Edelsteine von allerdings reinstem Wasser aufweist , sind Fluß und See das eigentliche Lebenselement der Ruppiner Schweiz . Der Fluß ist der Rhin . Er kommt von Rheinsberg ( Rhinsberg ) her , bildet zunächst eine ganze Reihe von Wasserbecken , und gibt erst an der Südspitze des Molchowsees seine Hügelheimat auf , um in das » Schwäbische Meer « dieser Gegenden , in den Ruppiner See einzutreten . Hier streift er , wie sein berühmter hochdeutscher Namensvetter , der Rhein , den Rest seiner schäumenden Jugend ab , und ruhig geworden bis zum Stillstand , windet er sich , von nun an , nur noch durch Lücher und Brücher hin , die den Namen Linum als Mittelpunkt haben . In Poesie geboren , fällt ihm zuguterletzt das Los zu , den Torfkahn auf seinem Rücken zu tragen . Aber wenn dieser , wie nicht bestritten werden soll , zum prosaischen Genossen seiner reiferen Jahre wird , so sind Förstereien und Wassermühlen die Gefährten seiner Jugend , und überall da , wo sein Wasser noch über ein Wehr fällt oder hochaufgeschichtete Bretterbohlen an seinen Ufern liegen , da sind auch die Stätten seiner Schönheit . Jede dieser Stätten , zwischen zwei Seen gelegen , dürfte die Hand nach dem stolzen Namen » Interlaken « ausstrecken , aber im Bewußtsein eigenen Wertes verschmähen sie es mit vornehmen Anklängen zu prunken , und geben sich lieber ohne jegliche Prätension und nur auf sich selber gestellt , als Rottstiel und Pfefferteich , als Boltenmühle und Kunsterspring . Und wie sie selber auf alles klug verzichten , was zur Quelle lästiger Vergleiche nach außen hin werden könnte , so verzichten wir darauf , ihren Preis und Wert untereinander festzustellen . Denn wie unter schönen Schwestern die Streitfrage nie gelöst wird , » wer eigentlich die schönere oder die schönste sei « , weil es heute diese und morgen jene , je nach der Kleidfarbe , die sie tragen , oder nach dem Bande , das zufällig an ihrem Hute flattert , so ist auch hier die Frage nach der größeren Schönheit eine bloße Frage der Beleuchtung , der Stimmung , des zufälligen Schmuckes . Wenn heute Boltenmühle in Malven siegt , so siegt morgen Kunsterspring in roten Ebereschen , und ein helleres oder dunkleres Abendrot , ein schmaleres oder breiteres Band , das der Regenbogen über die Landschaft spannt , entscheidet darüber , ob Rottstiel über Pfefferteich oder Pfefferteich über Rottstiel triumphiert . Auch die » Historie « ist leisen Fußes durch diese Gegenden hingeschritten und erzählt von Kronprinz Fritz und seiner Liebe zum schönen Försterkinde von Binenwalde . Von Rheinsberg aus herüberkommend , gab er im Abenddämmer das wohlbekannte Zeichen nach dem mitten im See gelegenen Forsthaus hinüber , und nicht lange , so glitt ein Kahn aus dem Schilfgürtel hervor und der Stelle zu , wo der Prinz , unter den Zweigen einer überhängenden Buche , die schöne Sabine , das » Insel- und Försterkind « erwartete . Die schöne Sabine aber stand lächelnd aufrecht ihm Kahn , das Ruder mit raschem Schlage führend , bis im nächsten Moment das Ruder ans Land und sie selbst dem Harrenden in die Arme flog . Aber diese Tage sind hin , und wie tiefe Sonntagsruhe liegt es in den Lüften , wenn , wie zu dieser Mittagsstunde , die nachbarliche Mühle schweigt . * Ausgestreckt am Hügelabhang , den Wald zu Häupten , den See zu Füßen , so träumst du hier , bis die wachsende Stille dich erschreckt . Mit angespannten Sinnen lauschest du , ob nicht doch vielleicht ein Laut zu dir herüberklinge , und endlich hörst du die Rätselmusik der Einsamkeit . Der See liegt glatt und sonnenbeschienen vor dir , aber es ruft aus ihm , die Bäume rühren sich nicht , aber es zieht durch sie hin , aus dem Walde klingt es , als würden Geigen gestrichen und nun schweigt es und ein fernes , fernes Läuten beginnt . Ist es Täuschung , oder ist es mehr ? Ein wachsendes Bangen kommt über dich , bis plötzlich das Klappern der Mühle wieder anhebt und der schrille Ton der Säge den Mittagszauber zerreißt . Wer will sagen , wenn er die Ruppiner Schweiz durchwandert , wo ihr Zauber am mächtigsten wirkt . Und fragst du doch : den vollsten Reiz Wo birgt ihn die Ruppiner Schweiz ? Ist ' s norderwärts in Rheinsbergs Näh ' ? Ist ' s süderwärts im Molchowsee ? Ist ' s Rottstiel tief im Grunde kühl ? Ist ' s Kunsterspring , ist ' s Boltenmühl ? Ist ' s Boltenmühl , ist ' s Kunsterspring ? Birgt Pfefferteich den Zauberring ? Ist ' s » Binenwalde ? « – nein , o nein , Wohin du kommst , da wird es sein , An jeder Stelle gleichen Reiz Erschließt dir die Ruppiner Schweiz . Am Molchow- und Zermützelsee Am Molchow- und Zermützelsee Abgeschieden , rings geschlossen , Wenig kümmerliche Föhren , Trübe flüsternde Genossen , Die hier keinen Vogel hören . Lenau » An jeder Stelle gleichen Reiz Erschließt dir die Ruppiner Schweiz « aber doch mit der einen Einschränkung , daß wir uns in der Helvetia propria dieser Gegenden halten und es vermeiden , von dem westlichen Ufer des Rhin auf das östliche hinüberzutreten . Tun wir diesen verhängnisvollen Schritt dennoch , so sind wir aus unserer eigentlichen Schweiz heraus und wandeln nur noch an ihrer Peripherie hin . Mit anderen Worten : das östliche Rhinufer hat keinen anderen Reiz mehr als den , welchen es seinem Gegenüber , dem westlichen Ufer entnimmt . Aber Ausnahmen auch hier , und unter diesen Ausnahmen in erster Reihe das alte Dorf Molchow , das wir , über eine Schmalung des gleichnamigen Sees hinweg , in diesem Augenblick erreichen . Eingesponnen in Gärten und Laub liegt es da , die Studentenblume blüht , der Kürbis hängt am Gezweig , und der Hahn begrüßt uns vom Zaun her und kräht in den lachenden Morgen hinein . Alles hell und licht , im rechten Gegensatze zu Molchow , das mit seinem finster anklingenden Namen an alle Schrecken des Schillerschen Tauchers mahnt . Alles hell und licht , ausgenommen ein rondellartiger Grasplatz inmitten des Dorfes . Auf ihm wird begraben , mehr in Unkraut als in Blumen hinein , und aus der Mitte dieses Platzes wächst ein Turm auf , unheimlich und grotesk , als habe ihn ein Schilderhaus mit einer alten Windmühle gezeugt . Von beiden etwas . Und unheimlich wie der Turm , so auch die alte Glocke , die in ihm hängt . Ave Maria , gratia plena steht an dem oberen Rande , die Glocke selbst aber ist geborsten und ihre Inschrift war ihr kein Talisman . Zweihundert Jahre , da fanden sie die Molchower auf einer halb heidegewordenen , halb waldbestandenen Feldmark zwischen zwei Bäumen aufgehängt . Es war die Glocke von Eggersdorf , eines Dorfes , das im Dreißigjährigen Kriege , wie hundert andere , wüst geworden war und es seitdem auch geblieben ist . Die Molchower aber erbarmten sich des Findlings und bauten ihm diesen Glockenturm . Eine Leiter führt hinauf , die glücklicherweise von denen , die dort oben regelmäßig wohnen , entbehrt werden kann , denn es sind nur Dohlen an dieser Stelle zu Haus . Immer , wenn die geborstene Glocke gezogen wird , fliegen sie scharenweis auf , und einzelne von ihnen – wenn es wahr ist , was man sich von Raben und Krähen erzählt – mögen die Glocke noch von ihren Eggersdorfer Tagen her kennen und nun Betrachtungen anstellen zwischen damals und heut . Über Molchow hinaus ( aber wie dieses am Ostufer des Rhins und seiner Seenkette ) liegt auch Zermützel . Ihm fahren wir jetzt zu . Bevor wir es indes erreichen , streifen wir erst noch die » Stendenitz « , ein altes Waldrevier , das noch unter Kurfürst George Wilhelm ohne menschliche Wohnungen und nur der Schauplatz großer Wildschweinsjagden war . Als aber unter dem Großen Könige die Parole » nur Menschen « aufkam und die Verwirklichung dieses Grundsatzes eine Masseneinwanderung schuf , die vielleicht selbst die Kolonisationszeit unter Albrecht dem Bären in den Schatten stellte , beschloß man maßgebenden Orts auch auf eben dieser » Stendenitz « vier Büdner anzusetzen oder mit anderen Worten eines jener Kolonistenetablissements ins Leben zu rufen , wie sie damals zu hunderten aus der Erde sprossen . Die Kärglichkeit unserer märkischen Scholle kann nicht leicht irgendwo besser studiert werden , als an dieser Stelle . Hundert Jahr Arbeit sind gewesen wie ein Tag , und eine Ziege , ein Kirschbaum und ein Streifen Roggenland , über das der alte Beherrscher dieser Gegenden , der Strandhafer , immer wieder Lust zeigt , als Sieger herzufallen , diese drei sind nach wie vor der einzige Reichtum dieser Ansiedelung . Und wenn noch ein Zweifel daran wäre , so würde ihn die Begräbnisstätte lösen , die zu diesem Etablissement Stendenitz gehört . Da wo die Bäume hart an den See treten , ist ein quadratisches Eckstück aus dem Walde herausgeschnitten und von vier tiefen Furchen umzogen worden . Auf diesem Eck- und Waldstück wird nun begraben , und umherstehende Krüppelkiefern tun ihren Zypressen- und Trauertannendienst . In hundert Jahren stirbt sich was zusammen , auch da , wo die Lebendigen nur vier Büdnerfamilien sind , und so drängen sich denn die Gräber hier , eingefallene Hügel , von denen die meisten schon wieder zu bloßen Moosplätzen mit ein paar verspätet blühenden Erdbeeren geworden sind . Nur zwei Grabtafeln ragen auf , schräg gedrückt vom Westwind , und nicht ohne Müh ' entziffern wir das folgende : » Hier ruht in Gott der Schneidergesell Andreas Laudon , Kanonier von der 3. Garde-Compani der Attolerie-Bregade , gest . 3. April 1836 . « Und ihm zur Seite der Namen eines siebzehnjährigen Mädchens , und darunter : Vielgeliebte , weinet nicht , Seht mir nach und lebt in Segen , Gott ist euer Trost und Licht – Ich habe mich zur Ruh geleget . Wohl auf manchem Begräbnisplatze habe ich gestanden , aber auf keinem , der mich tiefer erschüttert hätte . Welche Mischung von groteskem Humor und erschütternder Poesie . Schneidergeselle Laudon , Kanonier , und daneben : Gott ist euer Trost und Licht . Ich habe mich zur Ruh geleget . Zur Ruhe hier ! Die Bahre , die diesem Begräbnisplatz dient , hing an dem abgebrochenen Ast einer alten Kiefer , und Baum und Bahre waren gleichmäßig mit Flechten überdeckt ; dazu gurgelte das Wasser im Röhricht und über uns in den Kronen ging der Wind . Alles Klage . Nur zwischen den Bäumen leuchtete das ewige Blau . Zwischen Zermützel- und Tornowsee Zwischen Zermützel- und Tornowsee Mein Bier und Wein ist frisch und klar , Mein Töchterlein liegt auf der Totenbahr . Uhland Bald hinter der » Stendenitz « liegt Dorf und See Zermützel . Der auf der Höhe laufende Weg schlängelt sich in einiger Entfernung am Ufer hin und berührt dabei mehrere Hügel und Vorsprünge , die die verschiedensten Bezeichnungen führen . Einer heißt der » Totenberg « und macht seinem Namen Ehre , trotzdem er seine Gruselwirkung mit den einfachsten Mitteln erzielt . Ackerfurchen überall , und nur den » Totenberg « umkreisen sie wie Parallelen eine gefürchtete Festung . Eine dieser Linien , vielleicht von einem dörfischen Freigeist gezogen , rührt schon an den Zauberkreis , aber auch nur , um plötzlich wieder abzuhrechen . Eine alte Kiefer hält Wacht , und soweit ihre Nadeln fallen , ist verbotener Grund . Schädel liegt da an Schädel , so heißt es . Natürlich aus der Schwedenzeit . Wo das Dunkel beginnt , fangen Torstensson und Wrangel an . Vom » Totenberg « sind nur noch wenig hundert Schritt bis zu Dorf Zermützel und seinem See . Wir fahren aber an beiden vorüber und halten uns nordwärts auf eine dritte Wasserfläche zu , die den Namen führt : der Tornowsee . Da wo der Weg den See trifft , trifft er auch ein von Birken und Obstbäumen überschattetes Haus , das jetzt still und glücklich daliegt , als strecke ihm der segenspendende Herbst seine vollste Hand entgegen . Aber ich entsinne mich eines anderen Tages hier . Im Januar war es . Alles , was einen Pelz und eine Büchse hatte , war auf den Beinen , und seit Tagesgrauen knallte es im Wald und an den drei Rhinseen hin : am Tornow- , Molchow- und Zermützelsee . Zu zehn Uhr war hier unter diesem Dache , das Frühstück angesagt , und keiner fehlte . Da waren die Förster und Oberförster : Berger von Alt-Ruppin , Conrad von Rottstiel , Kuse von Pfefferteich , dazu der Grafschaftsadel mitsamt den Offizieren der Garnison , und nicht zum letzten die städtischen Nimrods , die nie genug haben an Billard und Kegelspiel und denen nur wohl ist , wenn sie zu Füßen eines Sechzehnenders schlafen . Das Frühstück war kalte Küche ; desto heißer aber war der Grog . Über dem Herdfeuer hing ein Kessel , brodelnd und dampfend , und die Büdnersleute gingen auf und ab , um überall , wo man es begehrte , mit ihrem kochenden Wasser auszuhelfen . Der Mischung besserer Teil aber floß aus den eigenen Flaschen . Und siehe da , Pelze , Grog und Tabak schufen alsbald eine wunderlich dicke Luft , eine Wolke , darauf die Göttin der Jagdanekdote saß und orakelte . Nein , nicht orakelte – ihren klassischen Aussprüchen fehlte jedes Dunkel . Aber sonderbar , die Büdnersleute waren heute so still und ernst , und pflegten doch sonst bei jeder Derbheit , die laut wurde , mit einzustimmen . Endlich trat ich an die Alte heran und fragte leise : » Wo ist Hannah ? « Erst schüttelte sie den Kopf , aber sich besinnend , nahm sie mich rasch bei der Hand und führte mich über den Flur weg in eine Kammer , die gerade hinter dem Zimmer gelegen war , in dem die Jäger ihren Imbiß nahmen . Einen Augenblick sah ich nichts , empfing doch die Kammer all ihr Licht von einer kaum zweihandbreiten Öffnung her , durch die der Schnee , vom Winde getrieben , eben in kleinen Flocken hineinstiebte . Die Frau , während ich mich noch zurechtzufinden suchte , war inzwischen an ein Strohlager dicht unterm Fenster getreten und schlug ein Laken zurück , das über das Stroh hin ausgebreitet war . Da lag Hannah , die Augen geschlossen , in keinem anderen Schmuck , als dem ihres langen Haares . Dann deckte die Alte das Laken wieder über und schlich aus der Kammer und ließ mich allein . Und der Schnee trieb immer heftiger durch das Fenster und schüttete vor der Zeit einen Hügel über der Toten auf . In zehn Minuten war alles wie verändert . Einer hatte geplaudert . » Warum hielt er nicht den Mund ? « » Ich fahre nach Haus . « » Ich auch . « So ging es hin und her . Die meisten aber nahmen ' s leicht oder gaben sich doch das Ansehn davon , und eine Stunde später knallten die Büchsen wieder an allen drei Seen hin . Aber das Bild Hannahs stand zwischen dem Schuß und seinem Ziel , und kein Hirsch wurde mehr getroffen . Oberförster Berger stieß mit dem Fuß an den Stecher , und die Kugel pfiff ihm am Ohr hin , während das Feuer seinen Bart versengte . Es war eine » wehvolle Jagd « , wie es in alten Balladen heißt . Die Menzer Forst und der große Stechlin Die Menzer Forst und der große Stechlin Die Sonne war geneigt im Untergang . Nur leise strich der Wind , kein Vogel sang , Da stieg ich ab , mein Roß am Quell zu tränken , Mich in den Blick der Wildnis zu versenken . Verwildernd schien das helle Abendrot Auf dieses Waldes sagenvolle Stätte . In der Nordostecke der Grafschaft liegt die Menzer Forst , 24000 Morgen groß ( in ihr der sagenumwobene » Große Stechlin « ) , und in dieser verlorenen Grafschaftsecke lebt die Ruppiner Schweiz noch einmal wieder auf . Hier waltet ein ganz eigenartiges Leben : der Pflug ruht und ebenso der Spaten , der den Torf gräbt ; nur das Fischernetz und die Angel sind an dieser Stelle zu Haus und die Büchse , die tagaus tagein durch den Wald knallt . Hundert Jahre haben hier wenig oder nichts geändert , alles blieb , wie es die Tage des großen Königs sahen und nur eines wechselte : der Schmuggler fehlt , der hier sonst ins Mecklenburgische hinüber sein Wesen trieb und seinen Krieg führte . Denn die Menzer Forst setzt sich noch jenseits der Grenze fort , und ein von abgefallenem Laube halb überdeckter Graben ist alles , was die Territorien scheidet . Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts ward in der Kriegs- und Domänenkammer die Frage rege : Was machen wir mit diesem Forst ? Hochstämmig ragten die Kiefern auf ; aber der Ertrag , den diese herrlichen Holz- und Wildbestände gaben , war so gering , daß er kaum die Kosten der Unterhaltung und Verwaltung deckte . Hirsch und Wildschwein in Fülle ; doch auf Meilen in der Runde kein Haus und keine Küche , dem mit dem einen oder anderen gedient gewesen wäre . » Was tun mit diesem Forst ? « so hieß es wieder . Kohlenmeiler und Teeröfen wurden angelegt , aber Teer und Kohle hatten keinen Preis . Die nächste nachhaltige Hilfe schien endlich die Herrichtung von Glashütten bieten zu sollen und in der Tat , es entstanden ihrer verschiedene zu Dagow , Globsow und Stechlin ; ein Feuerschein lag bei Nacht und eine Rauchsäule bei Tag über dem Walde ; vergeblich ; auch der Glashüttenbetrieb vermochte nichts und der Wald bracht es nur spärlich auf seine Kosten . Da zuletzt erging Anfrage von der Kammer her an die Menzer Oberförsterei : wie lange die Forst aushalten werde , wenn Berlin aus ihm zu brennen und zu heizen anfange ? , worauf die Oberförsterei mit Stolz antwortete : » Die Menzer Forst hält alles aus « . Das war ein schönes Wort , aber doch schöner , als sich mit der Wirklichkeit vertrug . Und das sollte bald erkannt werden . Die betreffende Forstinspektion wurde beim Wort genommen , und siehe da , ehe dreißig Jahre um waren , war die ganze Menzer Forst durch die Berliner Schornsteine geflogen . Was Teeröfen und Glashütten in alle Ewigkeit hinein nicht vermocht hätten , das hatte die Konsumtionskraft einer großen Stadt in weniger als einem Menschenalter geleistet . Ja , Hilfe war gekommen , die Menzer Forst hatte rentiert ; aber freilich die Hilfe war gekommen nach Art einer Sturzwelle , die , während sie das aufgefahrene Schiff wieder flott macht , es zugleich auch zerschellt . Abermals mußte Wandel geschafft werden , diesmal nach der entgegengesetzten Seite hin , und das berühmte , wenn auch unverbürgte Wort , das König Friedrich einst in delikatester Situation an Schmettau richtete , dasselbe Wort richtete jetzt die Königliche Verwaltung der Forsten und Domänen an den Oberförster von Groß-Menz : » Hör ' Er auf « . Und man hörte auf . Der Hauptstadt wurde durch dieses » Halt « übrigens nichts entzogen , denn die Linumer Torfperiode war inzwischen angebrochen , die Menzer Forst aber stieg auf der tabula rasa ihres alten Grund und Bodens neu empor : Eichen , Birken , Kiehnen in buntem Gemisch , und die Bestände , wie sie jetzt sich repräsentieren , sind das Kind jener Schonzeit und Stillstandsepoche , die dem dreißig Jahre lang geführten » guerre à outrance « auf dem Fuße folgte . Er zählt jetzt gerade hundert Jahre , dieser prächtige Wald , der ein Leben für sich führt , ein halbes Dutzend Wasserbecken mit grünem Arm umschließt und über altes und neues , über Teeröfen und Forsthäuser , über Glashütten und Fabriken nach wie vor seine Herrschaft übt . In ihn hinein wolle mich jetzt der Leser begleiten . * Es ist noch Platz auf dem Pürschwagen ( vorne der Kutscher und der Herr ) , und ein Kissen und eine Decke harren des neuen Gastes . Die Zeit für die Decke wird kommen , die Zeit für das Kissen aber ist schon da , denn über Stubben und Wurzeln fort geht es bereits weglos und holterdiepolter in den Wald hinein . Die jungen Zweige fegen uns die Augen aus ; jetzt Moorgrund , jetzt raschelndes Laub ; jetzt über den Graben und