euch trotz eurer Schlauheit , gleichsam als aus Feinheit derselben , im Verdacht von Gewissen hat . Unter solchen Umständen wäret ihr schon Meilen weit über die Berge flußab , und die Luft hier herum wäre rein . Vorausgesetzt , euer Gewissen ist nicht derart verfeinert , daß ihr einen möglichen irrtümlichen Zusammenstoß vermeiden wollt , der aus einem Schritt mehr oder weniger im Denkprozeß des Gegners folgen kann . Das aber muß vermieden werden . Ihr könnt nicht ein Gewehr gegen eine Pistole konkurrieren lassen . Das Ganze ist eine Wahrscheinlichkeitsrechnung , he ? Daß sich die Berechnungen zweier Menschen über ihre gegenseitigen Unternehmungen decken , ist einmal wahrscheinlich ; daß der eine dem anderen aber um einen Punkt voraus oder zurück ist , ist beide Male wahrscheinlich . Die Chancen liegen also hier . Jemand , der sich zum Buschklepper talentiert weiß , flüchtet sich aus Gewissensfeinheit weitab vom Ort der Verführung . Er streicht freiwillig die letzte Möglichkeit , da er nicht erwartet , daß es der andere tut . Bei dieser Logik siegt der , der dem anderen den Vorsprung läßt ; denn er hat ihn berechnet . Angenommen , ihr sitzt hier hinter dem Busch , so sitzet ihr gewiß nicht dahinter , denn ihr könnt es euch an den Fingern abzählen , daß man von euch erwartet , ihr sitzet dahinter . Da ihr aber gewiß nicht dahinter sitzet , muß man , um euch nicht zu treffen , sich dorthin begeben , wo ihr nach aller Wahrscheinlichkeit hingelaufen seid . Also los , Aufbruch flußab , um den armen Sünder nicht in Versuchung zu bringen , der hier , um den Gesetzen seines Triebes und vielleicht seines Fatums zu trotzen , hinter dem Busch sitzt . Man muß Rücksicht nehmen auf solche Veranlagung und ein bißchen entgegenkommend sein . Vorwärts marsch ! Da hatten wir das Malheur . Van den Dusen ging ein Stück Weges flußab , kehrte sich plötzlich um und schwankte auf das Gebüsch zu . Was war geschehen ? Hatte er eine Masche in seinen Berechnungen ausgelassen oder zuviel aufgenommen ? Wie ein ertappter Dieb flog er ins Gebüsch herein , arbeitete rasend mit Händen und Füßen und sah sich mißtrauisch nach rückwärts hin um . In der nächsten Sekunde stand er vor mir . Verdammt . Was war da zu machen ? » Ach , guten Morgen « , sagte ich . Es war drei Uhr nachmittags . Sein Gesicht war aschfahl . Er zitterte und bekämpfte eine Schwäche in den Knien . » Ja « , sagte ich , » ich bin es wirklich . Sie sehen mich hier auf der Lauer nach unseren roten Spitzbuben . Ich möchte wissen , was das Gesindel treibt , wenn es unter sich ist . Unser Gepäck nimmt reißend ab . Außerdem , haben Sie es schon bemerkt , stecken Checho und Zana stets zusammen . « Van den Dusen betrachtete mich mit Kennermiene , er schob seine Ovale wie auf Fühlhörnern vorwärts . » Ach so ? « sagte er . » Da fällt mir ein , Slims Büchse ist verschwunden . Die hat gewiß das Pack geklaut . « » Slims Büchse , wieso - ach ja , richtig , das ist mir auch schon aufgefallen . Das ist aber wirklich - es ist jammerschade , es war solch ein gutes Stück ! « » Ja , nicht wahr . Sie war ja ein unheimliches Prachtstück . Aber sie ging so leicht los . - Es war etwas nicht ganz in Ordnung damit . - Es war , glaube ich , gefährlich , damit zu hantieren - - - Slim selbst war ja vorsichtig . Aber wenn nun jemand dabei in der Nähe ist - stellen Sie sich vor , daß die Geschichte mir einmal aus der Hand gelaufen wäre , während wir zusammen jagten - ja , nicht wahr , denn schließlich wäre sie ja doch an mich gefallen ! « Wir lachten beide laut und angeregt über seine verwegenen Spintistereien und schüttelten uns die Hände . Es wurde beschlossen , daß wir aufwärts zum Wasserfall hinaufgingen . Eine kleine Flußpromenade , ein Stückchen Naturschönheit , nicht wahr , haha . So lenkten wir denn unsere Schritte im Flußbett aufwärts . Van den Dusen sah sich öfter um . Gegen das Ende des Weges zu wurden seine Schritte immer langsamer . Eigentlich war es hier ein bißchen fade ! Er ging nicht gern herauf seit Slim tot war ! Was war das für ein merkwürdiges Gebüsch ? Er blickte alles aufgeweckt an , suchte nach Einfällen zu einem Gespräch und übertrieb . Das Leiden hatte ihn übermäßig geschärft ; seine Phantasie war von Gewissensbissen gedrängt und konstruierte intellektuelle Ereignisse , unechte Tatsachen , die sein Schuldgefühl weckten . War nun der Djungle wirklich so rot ? Er beklagte sich , daß er unausgesetzt Prozessionen von roten Ringen und Ballen vor Augen sehe . Das käme vom Magen . » Merkwürdig ist das mit Slim doch zugegangen « , sagte er mittendrin . » Denken Sie , ich bin beinahe überzeugt , daß die Leiche trotzdem irgendwo ans Land gespült ist . Sie kann doch nicht immer im Wirbel geblieben sein , sie muß einmal einen faulen Augenblick benutzt haben , um aufzutreiben . Vermutlich ist der ganze Körper zertrümmert , der Kopf ist wahrscheinlich stark von Brüchen und Schürfungen entstellt . Ich sehe das vor mir - Sie nicht auch ? Geht es Ihnen nicht auch so ? Es kommt mir öfters in die Vorstellung . Wissen Sie , was ich mir in der letzten Zeit schon oft gedacht habe ? Ich nehme an mir so etwas wie eine hellseherische oder telepathische Kraft wahr . Ich habe gehört , daß es das gibt . Manche Menschen sehen entfernte Personen vor sich ; sie wittern sie von einer bestimmten Stelle im Raume ... « » Das ist die Wirkung der Sonne . Es dürfte nur auf die verschärfte Innerlichkeit des Erlebens zurückzuführen sein . Die Inder behaupten diese Disposition zu besitzen . Aber es konnte nirgends bewiesen werden . « » Das habe ich früher auch gedacht . Aber es beschäftigt mich nun schon seit mehreren Malen . Ein anderer Fall ist zum Beispiel die Leiche . Sie geht mir nicht aus dem Kopfe . Glauben Sie , daß die Leiche unversehrt ist - das heißt , sie ist natürlich verquollen und aufgeschwemmt , aber ich meine , glauben Sie , daß der Körper intakt sein könnte ? Das Ruder , das ich gefunden habe , sah ganz gut - - - « » Ah , Sie haben ein Ruder gefunden ? « » Ein Ruder ? - Nun ja , allerdings . Ich sah es eines Tages da vorne am Sand liegen . Es war ganz erhalten , und man hätte es vielleicht auch benützen können ; aber , aufrichtig gestanden , es hat mich davor ein bißchen gefroren . Es ist vielleicht kindisch , ich kann mir aber nicht helfen , und so habe ich es denn wieder in den Flußgang geworfen . Vielleicht ist es weiter unten im Seichten wieder aufgefahren . Man könnte es also noch finden ! « Als wir ein Stück weitergegangen waren , begann van den Dusen abermals von Slim zu sprechen . » Es ist doch seltsam , wenn man sich vorstellt , daß Slim tot ist ; daß es fix und fertig ist mit ihm ; da er doch ein Mensch voll Lebenskraft war - man kann es kaum fassen . Ich muß sagen , ich habe ihn eigentlich sehr gerne gehabt . Er war ein sympathischer Mensch , ein guter Kamerad und ohne alle Hinterlist . Und dann hatte er auch brillante Ideen . Er war eine wirkliche Jägernatur , in jeder Beziehung . Finden Sie nicht ? « » O ja ; ich denke es auch . Es hätte was aus ihm werden können . Es ist lächerlich , daß er so zugrunde ging . Er war besser als irgendein Mensch , er war stets sehr übertrieben , aber dabei besaß er doch eine eigentümliche Harmonie . Er hatte soviel überwunden . Und das Beste war , man konnte ihn hinstellen , wo man wollte , er paßte überall hinein . Ich speziell - - « » Ja , seine Harmonie war wohl da ; er sprach wenigstens immer davon . Aber er war doch auch sehr zerrissen , wie man so sagt , so kompliziert , er hatte eine Neigung zum Paradoxen . - Was ich noch sagen wollte : er hat da zum Beispiel diese eine Idee von den Tropen gehabt . Damit war er sicher im Rechte . Sie kennen sie doch , er sagte , der moderne nervöse Mensch sei eigentlich nur eine Art Wilder , ein Mensch mit geschärften Jägerinstinkten . Ich glaube , er hatte recht . Sollten Sie diese Zustände nicht kennen ? « » Nun ja . Ich weiß nicht recht . Ich kenne es möglicherweise schon , aber ich lege dem kein Gewicht bei . Sie überschätzen mich wahrscheinlich , haha , ich bin ein ganz simpler , normaler Kadaver mit Durchschnittsnerven . Ich bin Ingenieur , wie Sie wissen , also Realist , bei uns gibt es derlei Verwicklungen des praktischen Lebens nicht . In mir sehen Sie einen ehrlichen , geraden Kumpan mit menschlichen Instinkten , einen , der keinem Käfer was Böses tut , einen , der lebt und leben läßt . Das , was Slim über derlei Sachen dachte , ist gewiß sehr fesselnd und amüsant - ich für mein Teil habe aber durchaus keine Prätention zum Nervenmenschen . Sie fühlen sich also krank . Das kommt vom Magen , Charlie , wie Sie vorhin sehr richtig gesagt haben . Sie vertragen einfach diese langweilige Kost auf die Dauer nicht . « Van den Dusen sagte : » Aber Johnny , Sie sind ein Unglücksmensch , wenn Sie so gesund sind . Übrigens ist das erst die Frage . Jetzt wollte ich Sie dekorieren , ich glaube Slim aufs Wort , daß Nervosität ein Gradmesser der natürlichen Intelligenz ist . Der moderne Mensch läuft durchs Leben wie ein Indianer . Er ist immer am Sprunge . Er ist immer in Fühlung mit den Dingen . Er ist gleichsam der Scharfschütze - er hat den entferntesten Reiz wie eine Kugel im Lauf , er hat schon getroffen , bevor es noch losgeht . Sie verstehen , was ich meine . Für einen guten Schützen ist sein Gewehr zusamt der Flugbahn des Geschosses nur gleichsam ein langer Arm , er beherrscht die ganze Distanz wie ein Organ ; wenn er zielt , wippt er mit der Distanz wie mit einem Peitschenende - so geht es auch dem Nervenmenschen . Er hat alle Geschosse im Lauf - er ist ungeheuer voll mit Möglichkeiten , mit Treffern ; er hat die Distanz in der Faust . Und nur ein solcher Kerl konnte das entwickeln , was wir Intelligenz nennen , nur ein solcher konnte die distanzüberwindende Maschine erfinden . Wollen Sie das nicht zugeben ? Das ist doch klipp und klar ? « » Ach Gott , ja « , sagte ich , » ich bin doch selbst vom Bau , ich müßte das doch auch wissen . Ich bin in derlei Sachen ziemlich skeptisch . Woher wissen Sie denn das alles , wenn ich fragen darf ? Wozu denn eine einfache Tatsache durch meilenweite Erklärungen romantisch gestalten ? Ich bin prinzipiell dagegen . Woher nehmen Sie das alles ? « » Woher ? Wenn Sie damit meinen , daß ich es von Slim habe - na ja , das ist wieder so ein Fall . Ist es Ihnen noch nie aufgefallen , daß man im Leben die Standpunkte innerhalb einer Situation wie Handschuhe wechselt ? Es ist unerklärlich , aber es ist doch so . Ich habe da früher , als Slim noch lebte , seinen Ideen stets den Rücken gezeigt . Aber auf einmal denke ich darüber ganz anders und ich bin überrascht , daß ich bei Ihnen auf so prinzipiellen Widerstand stoße . Ich dachte nämlich bestimmt , Sie kännten das auch . Denn seit ich es kenne , und das ist nun schon ziemlich lange her , habe ich darüber nachgedacht . Die Maus zum Beispiel lebt in steter Angstneurose . Bei einem Pferde ist es ausgemacht , daß seine Scheubarkeit in geradem Verhältnis zu seiner Güte steht . Nun sehen Sie aber mal in einen Djungle hinein : wieviel krankhafte Aufmerksamkeit und Wachsamkeit hier herrscht . Wie hier alles auf den Zehen und als wandelndes Arsenal von Beobachtungen geht . Ein solches Tierherz hat keinen Augenblick Ruhe , es kommt aus dem Pochen nicht heraus . Es riecht , ja riecht überall den Feind . Es hat einen ganz subtilen , nahezu schon übersinnlichen , ja telepathischen Apparat in seinen verflixten Nerven . Und genau so wie diese Bestie aus den Tropen lebt heutzutage der Mensch , ein aufreibendes , gefährdetes , wildes Leben . Es sollte mich wundern , wenn Sie das nicht verstehen ! « » Nicht verstehen , davon ist keine Rede . Ich verstehe es wohl . Ich kann es aber nicht billigen . Ich finde , das ist alles - Jägerlatein . « » Jägerlatein , ja , das ist es wohl . Da haben Sie einen Fund gemacht . Es gibt heute mehr Jägerlatein als je . Ich werde überhaupt ein Buch schreiben , das Jägerlatein heißt . Das fügt sich gut , Sie treten mir doch das Wort ab ? Das ist es ja gerade ; gerade weil heute das Jägerblut durchschlägt , gibt es auch mehr Jägerlatein , das gehört mit zur Sache . In diesem Worte haben Sie vielleicht den ganzen Slim . Seine Harmonie bestand darin , daß er alle diese negativen Dinge , dieses Krankhafte , Neurasthenische , Sinnliche und Barbarische in uns betonte . Er war einfach das gotische Prototyp . « » Charlie , um Ihre Nerven zu beruhigen , schreiben Sie schnell ein Buch , das die Goten heißt . « » Die Goten sind nämlich die blonden Indianer . Ist die Ähnlichkeit dieser knochigen , langen , mit scharfen Nasen versehenen Profile denn ein Zufall ? Ist die von den Römern bemerkte Schärfe der Augen denn ein Zufall ? Ist es ein Zufall , daß sie beide lange federnde Knochensysteme haben ? Ich wage die Behauptung , ein ähnlich sinnliches Volk , wie die Goten , hat es vorher nur als Indianer gegeben . Schauen Sie sich die alten germanischen Yankees , bevor die heutige Keltisierung noch eingesetzt hatte , an . Da ist gar kein Unterschied mehr bis auf den Teint . Und wenn Sie eine Reise mitten in die Tropen unter ein indianisches Volk hineintun , was erleben Sie da anders als eine Art Gotik ? He ? Ich frage einen Menschen , ob das nicht auffallende Dinge sind ? Die Goten sind ein nervöses Volk von Urbeginn an . Als sie nach Europa kamen , Johnny , nehmen Sie Ihre Schulvergangenheit zusammen , was fanden sie da ? Ja , da fanden sie den Bürger , den Ureuropäer , den Flachschädel , verstehen Sie ? So lange sie sich rassekräftig hielten , hatten sie eine prachtvolle wilde Kultur , ein wunderschönes edles Ding von Leben . Dann aber ging die Rasse der Langschädeligen mit den monströsen Gehirnbildungen in der der Flachköpfe unter . Ihre hysterische Kultur versank in einem apathischen Mittelmaß . Aber die Zeit ist jetzt wieder vorüber . Die gotische Jägerrasse setzt sich siegreich im Mischblut der Kontinente durch . Slim , fürwahr , ist trotz seiner Unzen Afrika und Peru ein solcher Gote gewesen ! « » Zweifellos , zweifellos , das ist alles nicht unsympathisch . Ich glaube Ihnen auch gerne , daß Sie ein solcher Nervenmensch , ein solch gotischer Nervenmensch sind . Ich kann das ja nicht wissen , ob Sie an Angstzuständen leiden oder nicht . Und Slim ist zweifellos ein schwerer Hysteriker gewesen . Er hat es mir selbst einmal gesagt , er hat eine fabelhafte Berechnung für die seelischen Prozesse seiner Umgebung gehabt . Aber es ist mir unverständlich , was das mit diesen Indianern zu tun hat . Das ist alles Aas . Das faulenzt - wo bleibt die Entwickelung , die Technik , das Geistige ? « » Ich sehe wohl « , sagte van den Dusen , » hier fehlt es mir an Studium . Ich weiß das noch nicht . Aber wissen Sie etwas von dem Sittensystem dieser Leute , von ihrer Erotik , ihrer Kunst - - das alles mag sich ja nach einer anderen Richtung entwickelt haben , durch einen Zufall aber überhaupt nicht . Und dann sind Sie diesmal ein schlechter Psychologe . Der Indianer wäre zu stolz , um den Goten etwas abzunehmen , das nicht aus ihm selber kommt . Unterschätzen Sie diesen Stolz nicht . Nehmen Sie bloß den einen Fall an : zwei Menschen gehen nebeneinander und der eine hat einen Einfall , der andere hat ihn nicht und erkennt ihn deswegen als für sich ungültig an . - - Oder der andere hat ihn auch , jetzt geschieht aber das Unglück , daß der andere ihn früher äußert - - « » Sie sind ein Schüler Slims ! « » Mhm ! das mag sein . Ich habe Slim vielleicht beerbt . Es gibt doch ganz merkwürdige Beziehungen . Adieu , Johnny ! Ich kehre jetzt um , ich glaube , ich bekomme wieder Fieber . Am besten ist es , Sie gehen gleich hier in den Djungle . Beim Wasserfall müßten Sie über die Felsen . - Bessern Sie sich , Johnny ! « Wir sahen uns an . Ich trat als wurmartiges tintenfarbiges Wesen mit einem kugelrunden Kopfe in seine Ovale . Sein Mund schien schmerzlich verzogen . Er ging mit eigenen Schritten den Weg zurück , mit parallel gestellten Füßen und gewölbten Schenkeln , so daß die Hosen prall anlagen . Es war etwas Neuartiges in seinem Gang , etwas Schleichendes , das an Slim erinnerte . Und nun sah ich ihm gleichsam von hinten her sein Gesicht an , es war bärtig , aber hinter dem Bart hatten sich lange strähnige Falten gebildet . Es war das Gesicht , wie es rasch lebende , gespannte , hysterische Rassen besitzen . In der Tat , er hatte jetzt einige Ähnlichkeit mit Slim . XXX Als ich über mehrere Kanäle gesprungen war , von einem Fußhalt mich zum anderen schwingend , stand ich seitlich links vom herabrauschenden Wasservorhange vor der großen Spaltklippe , die ich suchte . Ich mußte hinter sie treten , weil vornean das Wasser in einer Art Rückstoß an ihrem Fuße emporschäumte ; dahinter aber war es still und seicht und drehte langsam einige weiße Flocken im Kreise . Hier turnte ich mich noch ein Stück in die Höhe und griff mit der Rechten in den Spalt - nichts war zu spüren . Ich schob den Kopf in Spalthöhe - sie war weg . Die Büchse war weg . Slims Büchse war weg . Oh , ohoh ! Das Wasser ging rund in elipsenförmiger Strömung . In der Mitte ragten zwei niedrige Klippen auf , zwischen denen ein gekenterter Balken stak . Ich konnte mich nicht entsinnen , die Klippen bereits bei meinem ersten Besuche entdeckt zu haben ; aber während ich das Lokale instinktiv nach den Indizien des Büchsendiebes besichtigte , erregte gerade diese Veränderung meine Aufmerksamkeit . Die Klippen waren unregelmäßige Pyramiden , mit zehn bis zwanzig Zentimeter die Wasserfläche überragend . An der höheren der beiden waren deutlich zwei Feuchtigkeitsschichten abgesetzt . Das Wasser mochte also seit den letzten drei Tagen im Abschwellen begriffen sein , irgendwo am Oberlauf war eine natürliche Schleuse entstanden und der Wasserstand nahm darum an diesem Platze ab . Als ich die Umgebung auf diese Beobachtung hin noch einmal musterte , schien sie sich überhaupt verändert zu haben . Der breite schleimige Wasservorhang zeigte Trennungen , er war schmächtiger geworden und hatte sich stellenweise zu Tropfen und langen Zacken zersetzt . Kein Zweifel , das Wasser war weniger geworden . Und jetzt wurde es auch erklärlich , warum dort zwischen den Klippen ein Stück ausgehöhlten Balkens , ein Getrümmer unseres einstmaligen Bootes , feststak . Der Wirbel , der nicht mehr genug Nahrung erhielt , war in seiner Kraft eingegangen und hatte die mitgeführten fremden Bestandteile an ihren Auftrieb zurückgeben müssen . Die Holzstücke kamen an die Oberfläche und trieben seitab . Die Holzstücke ! Der Eingang in die Höhle hinter dem Wasserfall war leichter denn je . Nach einigen taktischen Flankenbewegungen hatte ich die stärkste Zone der Sprühregen hinterm Rücken . Durch den feinen Nebel hindurch flossen die zarten Säulen eines Spektrums und überzogen die Objekte , die sie streiften , mit einer Schicht in der Art bunten Schimmels . Ich bückte mich , um das eine , das gleich vorne beim Eintritt mein Interesse festhielt , anzusehen . Es war ein gut erhaltenes Ruder , wie es Indianer schnitzen . Um allen Zweifel zu beseitigen , sah ich an der Stange hinauf ; dicht vor dem kreuzartigen Endknauf bestand die Struktur aus drei charakteristisch parallelen Schlangenlinien . Diese Laune der Faserung heimelte mich an . Ich hielt ein bekanntes Stück in Händen . Kaum war ich zu diesem Schlusse gelangt , war ich reif für die Entdeckung einiger anderer nicht mehr ganz geheurer Dinge . Hier war sozusagen ein Bündel Ruder abgeworfen worden , sie lagen , ihrer Stücke drei , wie ich jetzt erst nach der Aufnahme des obersten sah , mit ihren Mittelpunkten sternförmig übereinander . Es war ein merkwürdiges Spiel des Wassers , das sie in dieser Lage ans Feste geschwemmt hatte und ich ziehe daraus den Schluß von einer Art Anziehungskraft des Holzes , vielleicht des feuchten Holzes . Es war die komplette Garnitur eines kleinen Bootes , zwei Ruder und ein Steuerruder ; sie waren schwer und mit Wasser vollgesogen . Im übrigen schien die Stelle , wo sie wahrscheinlich eine Zeitlang im Wirbel rotierten , sehr tief und klippenlos gewesen zu sein , denn die Ruder waren intakt , bis auf das etwas längere Steuerruder , dessen eine Kante eine zahnige Scharte aufwies . Wenn man nun bedachte , daß diese Gegenstände bei ihrem Fall nicht zerschmettert wurden , weil sie im Wasser auf keinen harten Widerstand trafen , konnte man Hoffnung hegen , daß auch der Körper eines Menschen keinen Schaden genommen haben mußte . Unbegreiflich war es , warum sonst auch nicht ein Span von dem infolge seiner Größe zerspellten Boote hier gestrandet war . Die Ruder lagen ganz allein in ihrer friedlichen Formation am Grunde einer Senkung des rissigen Felsenbodens . Aber dort lag ja , wie ich in dem grünlichen Scheine , der trotz der Lücken des Wasservorhanges die Höhle umflorte , erkennen konnte , ein Etwas , dessen Form mir im ersten Augenblicke undefinierbar schien . Es war ein grauer Sack und lag auf einem Terrain , das wir schon beim ersten Besuche der Höhle betreten haben mußten . Während die Ruder dort lagen , wo früher Wasser gestanden hatte , schien hier das Wasser niemals hergedrungen zu sein . Der Sack lag nahe am Grunde der schiefwandigen Höhle . Aber ein Umstand sprach doch dafür , daß in der Zeit zwischen dem ersten Besuch und meinem heutigen hier Wasser eingedrungen und wieder zurückgetreten war . Denn ein pestilenzartiger Brodem stieg von dem mit allerlei Stagnationsresten überzogenen Felsenboden auf . Ja , der Geruch war diesmal stärker , als ich ihn das erstemal hatte beobachten können . Es lagen also alle Anzeichen dafür vor , daß der Wasserfall und die Wassermenge stieg und fiel , sei es nach innewohnenden Gravitationsgesetzen , sei es aus rein äußerlichen Gründen , Niederschlägen , Dammbrüchen größerer Becken oder dergleichen . Gewiß war dadurch die Hoffnung auf eine künftig einmal größere Wassermenge befestigt , deren erstes Auftreten ich in meinem früheren Fieberzustande nicht bemerkt hatte . In Zukunft konnte uns diese Spezialität des Flusses für eine Verschiffung südwärts tauglich werden . Nun , und jener Sack dort , was hatte es mit ihm für eine Bewandtnis ? Es war ein grauer ballonartig geblähter Sack , der an dem einen Ende in einen mit langen Haaren versehenen Kopf , ja einen Kopf , auf der anderen in ein Paar aufgedunsener langschaftiger Rubberstiefel ausmündete . Der Kopf war , trotz seiner abnormen Kugelform , ein Menschenkopf . Die Modellierung des Gesichtes war unter er Expansion der Haut verloren gegangen . Das Haupt- und Barthaar hing in langen flossigen Strähnen darüber hin ; der Anblick enthielt nichts Schreckliches , sondern mehr etwas Lächerliches , denn an dieser Leiche war nichts Menschliches mehr zu erkennen . Ich zündete ein Streichholz an , zwei , drei , sie verlöschen sofort , aber in den Augenblicken ihres Aufflammens sah man über der linken Schläfe einen dicken roten Fleck , eine starke Schwellung dieses Kopfteiles . Der Kopf erhielt dadurch eine blöde unsymmetrische Form . Ich hielt mir das Schnupftuch vor Nase und Mund und sah neugierig in dieses Gesicht , um etwas Bekanntes darin zu finden . Aber es war auch nicht ein Zug darin , der mich an etwas erinnert hätte . Es war das Gesicht einer stupiden großen Katze , mit grünlich blasser Haut und Zottelhaaren . Die Augen stachen falsch und kalt unter den ungleich geschlossenen Lidern hervor . Diese selbst waren verletzt , sie waren zerrissen und krustig vom Blute . Sonst hatte das Wasser von außen und die Fäulnis im Innern allen Charakter und alle Seele aus diesen Muskeln unter der Haut verbannt , und was geblieben war , war nichts als ein stumpfes großes Tiergesicht , das kein Mitleid erregte . Ich holte das lange Steuerruder und versuchte den Oberkörper durch eine Hebelvorrichtung in den Sitz zu heben . Da fiel der Kopf mitten in den Ballon , versank darin wie in einem Luftkissen , während an dem breit gewordenen Hautsack die Knochen sich wie Holzscheite durchdrückten . Wirbelsäule und Brustkorb mußten in tausend kleine Splitter zerschellt sein , die Längsachse der Leiche bot keinen Widerstand . Ja , das war der ganze Mensch da , dieser Hautsack . Mit dem Steuer war ich an die schwammig gewordene Kleidung angestriffen , sie riß nicht , sie schabte sich ab wie eine graue sulzartige Schicht . Darunter kam wieder die blanke Haut zum Vorschein . Es mußte ein Loch an der linken Seite unter der Achselhöhle gewesen sein , denn dort war der Stoff weggeschält . Eine eigentümlich geschwärzte Beule in der Farbe von versengtem Fleisch , eine Wunde mit aufgeworfenen Rändern zeigte an , daß der Körper dort einen heftigen Aufstoß erhalten hatte . Ich sah mich um und verließ die Höhle schnell . Es roch nach Verwesung . In der dampfigen Atmosphäre war ein Wehen und Wogen , das Spektrum blinzelte im Nebel , wenn der Wasserfall sich verdünnte , an den Wänden klopfte es mit harten spröden Lauten . Die weiße singende Luft draußen trieb mir einen Wirbel Blut in den Kopf , rote Gebirge türmten sich vor den geschlossenen Lidern auf . Ich stand nach einigen Sprüngen vor jener Klippe , in der Slims Büchse stecken mußte . Hatte ich jetzt geträumt , oder war es wahr , war das alles wahr - - heda , was ist mit der Büchse ? Ich griff in den Spalt , tastete , sah hinein : der Spalt war leer ! Das Wasser ging hier Kreise , aber es ging jetzt schneller als zuvor , wie mir schien . Konnte sich das so schnell ändern ? Ich sah zum Wasserfall hin : das Tor , durch das ich eingedrungen bin , ist schmäler geworden . Die Zacken laufen längs der Felsenkante zusammen , sie wachsen ineinander und stoßen in langen Zapfen herab , plötzlich fällt es wie ein glattes Tuch , die Öffnung ist geschlossen , der Wasserfall wächst ! Er wächst nach den Seiten hin , sein Brausen wird heftiger , wo er auffällt , ballt sich der Schaum zu weißen Fäusten , die emporzucken . In der Mitte einer Stromstille wird ein Balken flott , das Wasser hebt ihn von den beiden tragenden Klippen , er geht drei- , viermal in der Strömung um und wieder um , plötzlich saust er wie abgepfiffen einer neuen Kraft nach . Ich sehe zu , wie er dahingeht , es könnte ein Stück von unserem ehemaligen Boote sein , auf dem Slim in den Tod fuhr , hoiho ! Der Strom schwillt ! Wie lange und er wird das seichte gebleichte Bett füllen , in dem wir so lange hausten , und wir werden mit seiner Hilfe abwärts eilen , dem Süden und dann dem Osten zu , an die Küste , an die Küste , unter den Bug eines mächtigen Ozeandampfers ! Wie sich das denkt , wie alles sich denkt ! Träume ich , oder bin ich überwach ? Fühle ich die Wollust des Lebens , oder bin ich im Fieber und stürzen Wahne über mir zusammen und purpurene Gebirge ? Auf ! Spring in den Fluß , klammere dich an Balken und schwimme mit dem Wasser , es geht ostwärts ins Meer und ist die große Ader der Bewegung . Gib acht , du stürzest , es ist alles glatt und rot - ja wenn man wüßte , was Traum ist , was Fieber und was rüstiges Leben ! Wenn man wüßte , ob das Leben klare rinnende Bewegung ist oder grünlicher Dampf und eine verhexte Spektrengrotte ! XXXI Auf dem Rückwege fühlte ich ein Unwohlsein . Der Aufenthalt in der giftigen Höhle tat nicht gut . Der Kopf war mir heiß vor tiefen Gedanken . Als ich so hinunterging , gegen unser Lager zu , beobachtete ich meinen Gang . Richtig