Busen an mich , leicht und süß tanzte es sich mit ihr . Auf einmal aber drückte das Zauberding , und in meiner Brust fühlte ich einen Stich , als habe das magische Tier den Stachel durch Glas und Kapsel gereckt . Mit einem Blick voll Grauen ließ ich Berthulden los . Sie ward bleich und schlug die Augen nieder . » Die Brust tat mir weh « , sagte ich ; » bin des Tanzens ungewohnt . « Und ich führte sie zur Bank . Den Bierkrug reichte ich ihr und machte mich bald von ihr los . Gleich darauf hing sie einem jungen Burschen im Arm , und keinen Tanz sah ich sie verpassen . Als ich abends von den Hochzeitern Urlaub nahm , heimzukehren , war sie verschwunden . Draußen im Mondschein stund sie , beim Gartenbusch , wo ich vorbei mußte . Mit einem Scherz suchte ich davonzukommen : » Gute Nacht , Hexlein ! « Sie trat zu mir und meinte frostig : » Weiß schon , der Herr Prädikant ist zu denen übergegangen , so mich eine Hexe schelten . « - » Das sei ferne von mir , Berthulde ! Hab ich dir nicht gesagt , du seiest ein Närrchen und keine Hexe ? « Da stund sie dicht vor mir und spähete mißtrauisch in mein Angesicht : » Warum hast du beim Tanze dich von mir gewandt ? Wegen meiner Hexenaugen , wie ? « - » Schmucke Augen hast du ! « entgegnete ich . Freude huschte ihr übers mondbeglänzte Angesicht , zart und lieblich war ihr Lächeln , ich nahm ihre Hand und drückte sie . » Bist auch der Nixe nicht bös , die um den Gesellen zu Goslar freite ? « hauchte sie , ihr Antlitz war dem meinen nahe . Ich schüttelte den Kopf . - » Aber der Spiritus flammarum mißfällt dir ? Aufrichtig , Johannes ! « - » Ja , « sagte ich , » tu ihn fort ! « Sie atmete tief , als kämpfe sie einen Kampf . Dann entschied sie hart : » Wenn ich Gewalt habe über das Zauberding , werd ich es los nach deinem Wunsche . Wenn ich aber sein dreizehnter Besitzer bin , so holt mich der Spiritus in die Flammen . Einen nur gibt es , der dies verhindern , der mich erlösen kann . « - » Und wer ist das ? « - » Der , den ich liebe ! So er mich wieder liebt , mag ich der magischen Kapsel ledig werden . Hab ich jedoch kein Glück bei ihm , kein Glück in der Minne , dies dritte- , letztemal , alsodann ist es ausgemacht , daß ich der Dreizehnte bin und auf roten Schwingen fliegen muß , wohin manch putzkellerische Lichtbraut vorangegangen . « Mir war , als wolle mich ein Zwang in der Jungfer Arme bringen , doch wiewohl sie meine Sinne lockte , war in mir eine Scheu . Das Kosewort , so mir schon von den Lippen wollte , hielt ich zurück , schloß meinen Mund und blickte streng . Da war ' s , als zische aus Berthulde eine Schlange : » Liebst du sie noch , die andre , deine Gräfin ? Ich weiß alles , Johannes . Doch gib sie auf ! Fort ist sie , tot ! Hörst du ? Nimm mich , dein bin ich ! « Das war ein Stich in mein Herz , Rebellengeist erhub sich in mir , weil sie Thekla verdrängen wollte , ich ließ ihre Hand los und sagte dumpf : » Tot , nun ja , tot mag sie sein - glaub schon . Doch meine tote Eheliebste lebt mir im Herzen ewiglich . « Stehen ließ ich Berthulden und ging , ohne umzuschauen . Etliche Tage später war ' s , und auf meinen Bergen schmolz der letzte Schnee . Es regnete und stürmte , ich blieb in meiner Klause , draußen war ' s unwirtlich . Die Tannen troffen , hinter Wolken hielt sich die Sonne , die Luft schnob feucht . Ließ der Regen nach , so stiegen aus den Waldgründen weiße Nebel und ballten sich zu grauen Massen , die über den Gebirgskamm hinkrochen , ähnlich einem Rudel riesiger Wildschweine . Das Getier der Wildnis blieb versteckt in Schlüften und Steinen . Ich belauschte eine Hirschkuh , die sich an eine trockene Wand des Abendburgfelsens geschmiegt hatte und ihr nasses Fell leckte . Bei des Windes Schweigen toseten in Tälern und Schluchten die Bergwasser . Trübe schossen sie dahin , hüpften an Felsen schäumend hinan , zerwühlten das Erdreich und rissen große Äste , ja Bäume und Steinblöcke fort . Kam ich vom Waldgange heim , so mußte ich mein Schuhwerk und Gewand am Feuer trocknen . Ging daher ungern hinaus und brachte meine Zeit mit Lesen und Sinnen zu , auch mit Zurüstungen , die mir die Grotte ähnlich der Balkenstube wohnlich machen sollten . Nachts fuhr ich jäh aus dem Schlafe empor , weil es im Grunde der Abendburg dröhnte , als ob eine eiserne Türe zuschlage . Ich dachte an die Mär von den unterirdischen Schatzkammern . Geschah drunten ein magischer Vorgang ? Hatte des Goldes Hüter , für gewöhnlich in seiner Nische kauernd , im Schlafe sich geregt ? Nicht doch , ihr Träume der Phantasei ! Das Dröhnen kam wohl von einer Fichte , die draußen im Walde hinsank . - Beim Lauschen war ' s , als ob es tief im Grunde tose , und wie ich das Ohr an den Felsen drückte , kam ein leis Rauschen wie von unterirdischen Wasseradern . Mit einem Steinwurf gen Mitternacht war ja auch der Quell des Kleinen Zacken zu erreichen , und nahe dabei entsprangen noch andre Bächlein . Mir kam nun der Plan , den Boden der Grotte zu untersuchen , ob sich nicht darin ein Brunnen anlegen lasse . Ich brauchte alsdann mein Trinkwasser nicht vom Bergabhange heraufzuholen . Am Morgen zündete ich die Laterne an , nahm Hacke und Spaten und prüfte den Boden der Grotte . Fast gänzlich war er zusammenhängender Fels , aber an einer Stelle Schottergestein , und es fiel mir auf , daß der Schotter scharfe Bruchstellen hatte , also von Menschenhand hergerichtet sein mußte . Da lag mir nun die Frage nahe : Aus welchem Grunde haben Menschen an dieser Stelle Stein zerschlagen und mit dem Schotter den Boden bedeckt ? Wollten sie bloß ein Loch ausfüllen , oder ist vielleicht unter dem Schotter etwas vergraben ? Man wird hier schon früher einen Brunnen gehabt haben , dachte ich . Als ich mich an den Boden legte und das Ohr aufdrückte , vernahm ich abermals das unterirdische Rauschen . Arbeitete nun emsig mit Hacke und Spaten , räumte den Schotter weg und stieß auf eine Steinplatte , in die ein Eisenring eingelassen war . Mit Hilfe einer Stange , die ich in den Ring schob , gelang es mir , den Stein aufzuwuchten und beiseite zu schaffen . Mit Staunen sah ich ein offnes Loch , steinerne Stufen führten in die dunkle Tiefe . Feuchte Luft strömte empor , es tosete drunten wie Wasserfall . Mit Schauder hatte ich zu kämpfen , da es mich deuchte , die Abendburg sei magisch aufgetan , und ich solle nun das gefährliche Abenteuer bestehen . Doch dann schalt ich mich einen Toren und bedachte , daß ja alles mit natürlichen Dingen zugegangen . Lud nun mein Pistol und steckte es in den Gürtel , nahm in die Rechte den Spieß , in die Linke eine Fackel und stieg durchs Loch hinunter . War es anfangs von Menschen hergerichtet und mit Stufen versehen , so ging es bald in einen natürlichen Höhlengang über , der in Windungen tiefer führte . Das Gestein , bisher Granit mit Flinsadern , ward morsch , kalkig und wässerig wie getränkter Schwamm . Neben dem Pfade rann ein Murmelbächlein die Steinstufen hinab . Abermals düstere Granitwände , die verengten sich zu einem schmalen Spalt . Und immer lauter ward das Wassertosen . Gleich darauf kam eine Weitung wie Kirchengewölbe . Quer hindurch klaffte eine Schlucht , an die fünf Mannslängen tief , und drunten schoß das tosende Wasser . Zusammen rann es von beiden Seiten aus Felsenspalten und kleinen Höhlengängen . Über die Schlucht führte ein schmaler Steg von Stein . Hinüber ging ich und folgte dem Schluchtwasser abwärts . An einer quergelagerten Granitwand bildete es einen Kessel , einen Strudel , und strudelte durch ein Loch ins dunkle Eingeweide der Erde . Zur Steinbrücke zurückgekehrt , ließ ich mich durch einen Pfad , den Menschenhand bearbeitet hatte , in einen Seitengang führen ; ein Nebenflüßlein rann mir entgegen . Aufwärts ging es durch Granit , dann kam eine Kalkader , endlich Flins , und auf einmal weitete sich dies weiße Gestein . Gebannt blieb ich stehn und leuchtete mit der Fackel umher . Ein Dom war das , wie aus Schnee und Eis . Schimmernde Säulen , etliche stark wie Fichten , ragten zum Gewölbe , und droben hing Zierat bei Zierat , alles aus weißem Gestein , Eiszapfen ähnlich . Wasser tröpfelte herab , und wo es auf den Boden fiel , wuchs ein Zapfen empor . Es war , als habe ein Künstler wunderliche Träume von Wölbungen und Grotten , Flechten und Schleiern , von Astwerk , Durchbrechungen und Schnitzerei in Marmor ausgeführt und mit einer glitzernden Glätte überzogen . Wie ich mit dem Schafte des Spießes an einen großen Zapfen schlug , klang er voll wie eine Kirchenglocke . An einer Stelle glich das Tropfgestein einem faltig hängenden Linnentuche . In einer niedrigen Grotte schien ein Volk von weißen Zwergen und Elfen zu wimmeln . Auch fand ich ein Wasserbecken , dessen Spiegel zur Hälfte mit einer Kruste von milchigem Gestein bedeckt war . Die größte Überraschung aber kam noch , als ich um eine dicke Säule herum ging . Schrecken fuhr in meine Glieder , da in der erhabensten Wölbung zwo Riesengestalten auf einem Throne saßen : Ein Mann mit wallendem Bart- und Lockenhaar , einen mattgüldenen Reif um die Stirn , in der Rechten ein Schwert , neben ihm eine Frauengestalt in wallender Gewandung . Erst wähnte ich , lebendige Wesen vor mir zu haben . Wie ich dann ihrer Reglosigkeit inne ward , dachte ich an balsamierte Leichen . Bald aber war zu erkennen , daß hier die Stümpfe mächtiger Säulen , schon durch natürliche Bildung menschlichen Gestalten ähnlich , mit dem Meißel hergerichtet , dann durch herabtröpfelndes Kalkwasser überkrustet waren . Ein seltsam Gemisch von Lebendigkeit und Verschwommenheit war zustande gekommen , ein phantastisch Gebild . Wie ein König hielt der Mann das Haupt , es rollten die Augen unter der mächtigen Stirn . Der weiße Bart , den das tröpfelnde Wasser bis zu den Füßen verlängert hatte , bezeugte ein ungeheures Alter . Die Königin zu seiner Rechten hielt das Haupt träumend geneigt . Ein weißer Schleier umfloß ihre Gestalt bis hinunter , sanft war das Angesicht . Zu den Füßen des thronenden Paares stund eine große sargartige Truhe aus Stein . Knochen und Waffen waren darin . Wie ich Mut gefunden hatte , nachzusehen , war ich außer mir vor freudigem Staunen ; zwischen Menschengebeinen , die in der Truhe lagen , gab es eine Menge von Gold und kostbaren Geräten . Da waren güldene Kronen mit Edelsteinen , Armgeschmeide , Fingerringe , güldene Ketten und ein paar silberne Kessel , ganz mit Goldmünzen angefüllt . Da sich nur zween Menschenschädel fanden , so vermutete ich , in dieser Steintruhe sei nebst dem Schatze das Gebein des Paares niedergelegt , das hier in Tropfstein abgebildet war . In uralten Zeiten mochte dies Fürstenpaar das Isergebirge beherrscht haben , und in der Höhle hatte das dankbare Volk eine heilige Grabstätte bereitet , die niemand betreten durfte , und die in späteren Zeiten , nach Besiegung und Ausrottung des alten Herrschergeschlechtes , vergessen ward . Wer kann das steinerne Rätsel lösen ? Vielleicht war dies der Teutschen Stammvater Tuisko . Vielleicht auch ein Götterbild , das Urbild des Berggeistes , den man später den Rübenzagel hieß . Vor mir lagen die Knochen , die ich aus der Truhe geholt hatte , und daneben die Kostbarkeiten , die meinen Sinn verwirrten . Ich griff aus dem Silberkessel eine Handvoll Goldes und sahe , daß die Münzen ein seltsam Gepräge hatten . Keine Schrift war darauf , sondern meistens nur ein Rad oder eine Sonnenscheibe mit einem Kreuz innen . Ich starrte auf das gelbe Gleißen , lauschte dem Klimpern der Münzen , wühlte im Golde , nahm die Zierate und weidete daran mein Herze , daß es trunken ward . Da hast du nun , wonach du seit der Knabenzeit getrachtet ! Erfüllt ist dein Hoffen , die Abendburg spendet , wovon die Mären raunen . Was nun ? So sprach es in mir , und vor meinen Augen regte sich das Gold und wuchs , wie Bäume wachsen , und Säulen wurden daraus , Mauern mit strahlenden Fenstern , ragende Dächer , Zinnen , Türme und Tore , Zugbrücke , Graben und Wall . Die verheißene Abendburg strebte vom Bergesgipfel himmelan , aus wildem Gestein herfürgezaubert durch des Goldes Magie , und ich war der Zauberer und Herr . Die Steinbilder der Höhle , des teutschen Volkes uralte Fürsten , die hier Jahrtausende geschlafen hatten , regten sich , das arme Vaterland zu retten , und machten mich zu ihrem Erben , boten mir den Schatz und eine Krone . Wohlan , es sei ! Erbauen will ich die Burg und herrschen über die Berge . Nicht , um zu prunken und zu schwelgen , sondern um meinen Landsleuten zu helfen , aus dem Gebirge eine unüberwindliche Feste zu machen und so den Grund zu legen zu des Reiches Libertät . Doch wiewohl mir bei diesem kühnen Gedanken hoch das Herze schlug , war doch mein Geist von Zweifeln bedrängt . Wie die Zügel der Herrschaft ergreifen ? Wie den ersten Schritt tun auf der neuen Bahn ? Je mehr ich sann , desto heißer verlangte mich nach einem Menschen , der mir raten könnte , da ich die Wucht meines Erlebnisses kaum zu ertragen vermochte . Ich beschloß , sogleich den Oheim einzuweihen und zu meinem Helfer zu machen . Verließ also den Felsendom - nicht ohne scheue Blicke hinter mich zu werfen , ob auch der Schatz noch da sei , und nicht etwan der steinerne Hüter wie ein Gespenst mich packen wolle . Doch es blieb alles , wie ich es mit Aug und Hand wahrgenommen . Taumelig überschritt ich die Brücke der Felsenschlucht und stieg den engen Gang empor , bis ich in meiner Grotte war . Hier merkte ich , daß mir die Knie zitterten und das Herze wild pochte . Mußte mich setzen , betastete meinen Kopf und starrte auf das Loch im Boden , da ich noch immer nicht fassen konnte , daß alles mehr sei als Traum . Dann aber trat meine Tatkraft auf den Plan . Die Steinplatte deckte ich auf das Loch und schaufelte den Schotter darüber . Beflügelten Fußes strebte ich zu Tal . Wiederholt freilich hemmte meinen Lauf die Sorge , es möchte in meiner Abwesenheit der Schatz aufgespürt werden . Es war mir , als müsse das Gold magnetisch die Menschen herbeiziehen . Den Oheim fand ich in seinem Laboratorio . Ich muß wohl seltsam dreingeschaut haben , denn er sahe mich groß an und fragte : » Was hat ' s denn ? « Ich legte die Hände auf seine Schultern und schüttelte ihn , da ich zunächst keine Worte fand . Dann fuhr es mir heraus : » Ich habe den Schatz ! « Noch mehr weiteten sich des Oheims dunkle Augen , und er flüsterte scheu : » Machst du keine Possen ? « - » Nein , wahrhaftig , der Schatz ist unser , du sollst ihn sehen , sollst alsogleich mit mir kommen . Doch streng verschwiegen müssen wir sein ; selbst Beate darf nichts erfahren . Sag ihr , du müssest mich begleiten , weil mir etwas Alchymistisches gelungen sei . « Da sah ich zum ersten Male in meinem Leben den Oheim strahlen vor Freude . Seinen Mund tat er auf , als wolle er jauchzen , brachte aber nur ein Lallen herfür , dann faßte auch er mich bei den Schultern und schüttelte mich wie einen Baum , der voller Früchte hängt . Wie wir einander gefaßt hielten , kamen wir ins Drehen und tanzten lachend umher . Nachdem nun der Oheim die alte Beate verständigt hatte , daß er mit mir gehe , war er leichtfüßig wie ein junger Bursch . Unterwegs im Bergwalde tat ich über alles Bericht . Abermals kam mir die Sorge , es möchte die Höhle mit dem Schatz ein Traum gewesen sein oder ein magisch Phantom , das inzwischen der gewöhnlichen Wirklichkeit Platz gemacht habe . Doch sieh , unter dem Schotter kam die Steinplatte herfür , und als wir sie weggeräumt hatten , klaffte der dunkle Eingang . Hinstarrend und auf das Tosen horchend , schauderte der Oheim , blickte dann scheu um sich und meinte : » Bist du auch sicher , daß kein Unberufener hier eintritt , derweilen wir drunten sind ? Laß uns die Pforten verriegeln ! « - So taten wir , und da die Hunde in der Balkenstube lagen , fühlten wir uns ziemlich sicher vor Überraschung . Brennende Fackeln in der Hand , stiegen wir in die Tiefe . Nachdem wir den engen Gang hinter uns hatten , kam die Felsenschlucht , darin das Wasser toste ; über die Steinbrücke ging ' s und jenseits wieder aufwärts , dem Nebenflüßlein entgegen . Im weißen Felsendom erstarrte der Oheim , wie er die Gebilde aus Tropfgestein betrachtete . Weiter wandelnd , kam er zu den beiden Bildsäulen , fuhr zusammen und tat einen Schritt rückwärts . Wie aber sein Blick auf die Truhe fiel , wo der Schatz funkelte , schlug er die Hände zusammen und trat heran . Schwer atmend griff er sich nach dem Herzen , als schlüge es zu heftig . In dem Blicke , den er mir zuwarf , loderten Freude und Furcht zugleich . » Geschwind ! « raunte er heiser . » Angefaßt ! Bergen wir sogleich den Schatz ! Wer weiß denn , ob die Höhle nicht bald zugehet , wie ja die Leute sagen . « Und mit zitternden Händen griff er nach dem Goldtopfe . » Nicht doch « , entgegnete ich ; » sei unbekümmert , hier waltet kein Zauber . Das bleibt alles , wie es ist . Was die Mären berichten , ist ja Aberglaube . Freilich enthält die fabelhafte Hülle einen Kern der Wahrheit , der hat sich uns jetzo erschlossen . Die Sage vom Abendburgschatze ist ein dunkel Angedenken an uralte Zeiten , wo dies Fürstenpaar hier eine Burg hatte und in der Höhle seine Goldkammer . « Mich anstarrend , nickte der Oheim und ergriff mich lachend bei den Armen : » Hast recht , Johannes , das ist kein Spuk . Junge , mein Junge , habe ich dir ' s nicht immer gesagt , daß du den Schatz wirst heben ? Die Zigeunerin hat also doch recht gehabt , da sie verhieß , du sollest werden wie König Salomo . Gold hast du nun und eine Königskrone dazu . So halte fest , was das himmlische Schicksal dir beschert . « Eine Weile schwieg er in starrem Grübeln . Dann rührte ihn wieder Unrast : » Daß du ja nicht den Leuten verrätst , was du hier gefunden hast . Sonsten möchten Habgierige dich beiseite schaffen , um allein das Gold zu haben . « - » Aber Oheim , « wandte ich ein , » wie soll ich das Gold anwenden , ohne zu verraten , daß ich welches habe ? « Und er : » Sage den Leuten , das Goldmachen sei dir gelungen , solle jedoch dein Geheimnis bleiben . Dann bist du die Henne , so güldene Eier legt , man wird dein Leben hüten , du gackerst und bist Herr der Berge . « Etwas Garstiges lugte aus diesem Ratschlage , das mich peinigte . Ich starrte auf die rätselvollen Bildsäulen , der langbärtige König schien mir der Götze Mammon , indessen die Königin mit sanfter Trauer dreinschaute . Und von dieser Sanftmut ward der gute Geist in mir angesprochen . » Soll ich den Leuten etwas vorgaukeln ? « wandte ich kleinlaut ein ; » das Lichtreich möcht ich doch gründen , da darf ich nicht die Lüge zum Grundstein machen . « Der Oheim zog die Achseln hoch und spreizte die Hände : » Geht es etwan anders ? Willst du das Reich gründen , so mußt du den Leuten kostbar , unentbehrlich erscheinen . Sprichst du nun , in der Höhle sei ein Schatz aus alten Zeiten , so wird mancher sagen : Was brauchen wir den Johannes ? Ich selber will des Schatzes genießen ! Nein , Kind , für die lautere Wahrheit ist unsere Welt nicht reif . Die lautere Wahrheit eignet sich wohl nur fürs Himmelreich . Die Welt will betrogen sein , wie der Lateiner spricht . Buben scheuchet man mit dem schwarzen Mann . Wer den Zweck will , dem muß auch das Mittel gelten . Laß dir ja nicht den Reichtum entwinden . Nimm ein Exemplum an diesem steinernen König . Vermeinest du , der wäre groß worden , hätte er nicht verstanden , das Heft in Händen zu halten ? Siehe doch , wie er so fest sein Schwert trägt , so sicher , so stark ! « Unschlüssig blickte ich auf den steinernen Götzen . Der starrte gebieterisch und kam mir auf einmal vor wie der leibhaftige Höllenfürst . Rollenden Auges deutete er auf den gleißenden Schatz , aus seinem Schweigen donnerte mir jenes Wort entgegen , mit dem er den Heiland in der Wüste versucht : » Dies alles will ich dir geben , so du niederfällst und mich anbetest . « Und eine Macht strömte mir ins Herz , ich reckte mich , straffte Nacken und Arm , entschlossen , nach des Oheims Rate zu tun . Wohl bedachte ich , daß der Schatz nicht mir , sondern dem Grundherrn gehöre . Doch der Grundherr war nebst seinen Kindern in der Gewalt von Beutemachern . Sollte ich denen auch noch den Schatz in die Klauen liefern ? Nicht doch ! Ich , den des Himmels Walten zum Entdecker auserkoren , wollte das Gold lieber zur Verteidigung des Vaterlandes , ja zur Befreiung des gefangenen Grundherrn verwenden . Hinterher würde Hans Ulrich mich segnen für meine Eigenmächtigkeit . - Als ich diesen Plan dem Oheim darlegte , stimmte er bei , obwohl zögernd . Nun hub eine Zeit wilder Unrast an . Hinweggescheucht war alle Herzensstille . Wie Wetterodem stürmte es in mir . In einem fort hetzte die Arbeit , und war ich aufs Lager hingesunken , so scheuchte mich bald Sorge wieder empor . Und nicht anders erging es dem Oheim . Gleichwohl waltete eine Spannkraft in uns , als begnade Gott wundersam seine neuen Reichsverweser . Unser erstes Werk war , den Schatz besser zu verstecken , für den Fall , daß ein Unberufener in die Höhle eindränge . Über der Schlucht , darin das Wasser toste , entdeckten wir einen Felsenspalt , der sich nach innen erweiterte . Hier hinein schleppten wir den Schatz . Zur fürderen Sicherung ließen wir durch den Schreiberhauer Schmied eine eiserne Gittertür nebst Schloß verfertigen . Wir selber brachten sie an der Stelle an , wo der erste enge Felsengang endet und die Weitung mit der Schlucht kommt . Viel Mühe machte uns das Umprägen der alten Münzen . Es ging ja nicht , daß wir sie in ihrer ursprünglichen Form den Leuten einhändigten . Man hätte alsdann erraten , wir seien keine Goldbereiter , sondern Entdecker eines alten Schatzes . Zu Hirschberg ließ der Oheim einen Stempel verfertigen , der die Münze des neuen Reiches prägen sollte . Auf der einen Seite war die Sonnenscheibe mit einem Hakenkreuz innen , auf der andern Seite die Inschrift : Herr der Berge . Um die alten Stücke umzuprägen und glaubhaft zu machen , daß durch Alchymie unser Gold entstehe , war ein Laboratorium nötig . Dazu richteten wir die Grotte ein . Wie sie für unsern Zweck fertig war , schwang ich einen mächtigen Hammer , indessen der Oheim den Prägestock hielt . Unter dröhnenden Schlägen sprangen die Goldmünzen herfür , mit denen das neue Reich zu gründen war . Nach einer Arbeit von etlichen Wochen betrug unser Münzschatz bereits 10000 Dukaten . Inzwischen hatten wir beraten , wer unter den Männern des Gebirges auszuwählen sei , um beim Gründen unseres Reiches mitzuhelfen . Zum Ersten erkies ich Segebodo , der feurigen Sinnes , aufrecht , klug und tapfer . Ein Führer der Schreiberhauer sollte Dreßler sein , ein Fünfziger , Riese von Gestalt , fest und treu , ehrbar und männiglich geachtet . Auch der Trompeterhans mußte dabei sein . Nachdem auf kaiserlichen Befehl die evangelische Dienerschaft des Hauses Schaffgotsch entlassen war , hatte der Trompeterhans zu Schreiberhau Unterkunft gefunden . Ich wollte den kecken Gesellen zu Hans Ulrichs Befreiung verwenden . Wir luden diese Männer zur Abendburg , und wie sie in meiner Balkenstube saßen , tat ich eine Handvoll Goldmünzen auf den Tisch : » Das da hat mein Schmelzofen nebenan zustande gebracht , und das Hundertfache kann ich schaffen . Der Schatz soll aber nicht für mich sein , sondern für euch , für das ganze Gebirge . Lasset uns diese Bergwildnis zur Feste umwandeln und reich mit Proviant versehen . Dazu diene uns das Gold . Wollet ihr drei nebst mir und meinem Oheim dies Werk unternehmen ? Ich frage , gebet Antwort ! « Segebodo war aufgesprungen , über den Tisch gebeugt , starrte er mich glühenden Auges an ; dann schlug er mit der Faust auf die Platte , daß die Münzen tanzten , und streckte in heller Freude seine Hand entgegen : » Johannes , wir bauen die Burg ! « Der Trompeterhans hatte hastig ein paar Münzen aufgegriffen und stand beim Fenster , sie betrachtend und durch Geklimper prüfend . » Wahrhaftig , « meinte Dreßler , » das ist wie Gold . « - » Es ist Gold , echtes , reines Gold « , sagte ich . Dreßler sahe bald auf mich , bald auf das Gold und griff sich an den Kopf . » Und mehr davon kannst du machen ? « fragte er . » Alle Tage so viel wie dies « , frohlockte der Oheim . Wieder schlug Segebodo auf den Tisch : » So glaubet doch , ihr Männer , und reichet die Hände her , schließen wir ein Bündnis , zu tun , was unser Herr Johannes will . « Nun trat freudig der Trompeterhans herzu , und wie wir im Kreise einander die Hände reichten , sprach ich : » Wir fünfe halten fürder zusammen wie Finger einer Hand . « - » Und du bist unser Zeigefinger « , meinte Segebodo . » Ja , du sollst uns führen « , riefen alle . Indem warf die Sonne aus Wolken lugend ihren Strahl durchs Fensterlein , und Dreßler sprach : » Frau Sonne gibt die Weihe ! « - » Sie weihet das neue Reich , « sagte ich , » ein Lichtreich soll es werden . « Segebodo tat die Hand an seine Stirn und murmelte wie ein Verzückter . Der Oheim brachte einen Krug Heidelbeerwein nebst Bechern . Wir stießen an und tranken des Reiches Heil . In der Beratung stellten wir fest , was zunächst geschehen solle . Der Oheim und Segebodo meinten , sogleich sei die Abendburg zu einer Feste herzurichten . Dreßler machte geltend : » Auch der Wachstein muß befestigt werden , damit der Feind nicht vom Hirschberger Tal herauf kann . « Der Trompeterhans fügte hinzu : » Auch gehört ein starker Posten ins Jammertal , an den Zackensteig . « - » Recht so , « sagte der Oheim , » durch diese drei festen Plätze sind den Feinden die Pässe nach Schreiberhau verlegt . « - » Vor allem Soldaten und Werkleute her , und tüchtigen Proviant ! « sagte ich , und wir machten aus , Segebodo solle , mit Gold versehen , hinunter ins Hirschberger Tal , Leute und Lebensmittel zu schaffen , indessen Dreßler die nächsten Bauden und Ortschaften zu besuchen und die Gebirgler unserm Reiche zu gewinnen habe . Der Trompeterhans , auf den wir alle bauten , erhielt so viel Gold , als sich in seinem Wams und seines Pferdes Sattel verbergen ließ . Unverzüglich brach er auf und trabte ins Böhmische . Durch Bestechung der Wächter sollte er unsern Herrn Hans Ulrich aus der Regensburger Gefangenschaft befreien . Heiße Wünsche geleiteten ihn . Mit dem Oheim war ich nun beflissen , einen guten Plan zur Befestigung der Abendburg herauszubringen . Ein Brief von Segebodo meldete , er habe schon mehr als fünfzig Soldaten beisammen , lauter Haudegen , werde auch Korn und Vieh bringen , wisse jedoch in einer Sache keinen Rat . Bei den Soldaten seien Weiber und Dirnen . Was solle mit denen werden ? Die Soldaten begehreten , sie mitzubringen , und ich solle lieber dafür sein , sonsten möchte die Soldateska das Weibesvolk von Schreiberhau verderben . Ich solle unverzüglich meine Entscheidung kundtun . Betroffen war ich , hatte zuvor nicht bedacht , was Neuerung unser Söldnerwesen mit sich bringen könne . » Weg mit den Dirnen , « sprach ich zum Oheim , » das Lichtreich muß ohne Gesindel begründet werden . « Der Oheim aber meinte : »