daß weiter gesprochen wurde . Es schien , als sei die Lage zu ernst , zu unerträglich , um noch eine Unterhaltung zuzulassen . Nur manchmal hustete der Schwarze , wenn ein neuer Windstoß , kälter als die früheren , über den Höhenkamm daherfuhr . Die Sonne begann hinter den Bergen zu versinken . Robert dachte mit Grauen an den Einbruch der Nacht und an die Notwendigkeit , diese langen , düsteren Stunden frierend und hungernd auf den Steinen zu verbringen . Ihn schwindelte bereits , sein Kopf schmerzte , und der Wunsch , um jeden Preis zu schlafen , wurde immer stärker . Er hätte die Augen schließen und alles um sich herum vergessen mögen . » Wärme ! « ächzte Mongo , » ach , Wärme ! Ich kann nicht weiter . « » Wasser , Wasser , - meine Zunge klebt am Gaumen . « » Laß uns eine Stelle suchen , wo wir sitzen können « , flüsterte matt der Neger . » Meine Füße tragen mich nicht mehr . Oder nein , Bob , geh du allein weiter , geh in Gottes Namen , mein Kind , und überlaß mich dem Tode , der schon seine Arme nach mir ausstreckt . Du sollst nicht bei mir bleiben , hörst du ? « Robert schüttelte den Kopf . » Nein , Mongo , niemals . Ehe ich dich verlasse , sterben wir beide zusammen . Nein , keine Macht der Welt ändert diesen Entschluß . « Der Alte blieb erschöpft stehen . » Wie plötzlich das kommt « , murmelte er . » Ich kann unmöglich weitergehen , Bob . « Robert zog den Arm des Negers unter den seinen . » Dort sehe ich eine Art Vorsprung oder Plattform « , sagte er , » komm , Mongo , stütze dich auf mich . Wir wollen langsam hingehen . « Schritt für Schritt den taumelnden alten Mann führend , gelangte er zu einer Art Terrasse oder natürlicher Bank , vor der sich ein breiter Felsspalt öffnete . Was auf der andern Seite lag , war schwarzer , verwitterter Fels mit zahllosen Schluchten und Höhlungen , deren tiefes Dunkel ihm unheimlich entgegengähnte . Robert kümmerte sich nicht mehr darum . Er selbst war weit entkräfteter , als er dem Alten zugestehen wollte , und auf seinen Augenlidern lastete es wie Blei . » Das ist der Tod « , dachte er . » Hunger und Kälte drohen uns zu besiegen . Oh , es wäre schrecklich , hier zwischen nackten Felsen zu sterben , von aller Welt verlassen - den Raubtieren zur Beute . « Mongo legte die todkalte Rechte auf seines jungen Freundes Schulter . » Bob « , sagte er noch einmal , » Bob , geh fort . Du mußt leben , weil du jung bist , um deiner Zukunft , deiner Eltern willen . Geh , weshalb willst du mich sterben sehen ? - Noch bist du nicht hungrig genug , um mein Blut trinken zu können . - Geh ! - Geh ! - « Robert schluchzte , ohne es zu wissen , aus Schwäche . » Dein Blut , Mongo ? Großer Gott , sprich nicht so schreckliche Worte ! - Ich sterbe mit dir , oder wir - - « Er unterbrach sich plötzlich selbst . » Mongo , was ist das ? - Ein Schatten , der sich bewegt , dort , - dort ! « Seine ausgestreckte Hand deutete auf den gegenüberliegenden Felsen . » Sieh , Mongo , ich bitte dich , sieh ! « Der Neger öffnete gleichgültig die Augen . Ein matter , seelenloser Blick streifte die bezeichnete Richtung . » Wo , Bob , ich sehe nichts ? « Im nächsten Augenblick sanken die Wimpern bereits schwer wieder herab . Seine Lippen bebten wie die eines bewußtlosen Fieberkranken . Roberts Herz klopfte schneller . Dort drüben bewegte sich ohne Zweifel ein lebendes Wesen . Schatten zuckten auf und verschwanden , er sah es deutlich - und er sah sogar noch mehr , - den Kopf eines Tieres mit geöffnetem Maul und lechzender Zunge , - er hörte ein heiseres Schnaufen - » Mongo , Mongo , ein Wolf ! « Er konnte sich nicht mehr um den Alten kümmern . Langsam erschien jetzt hinter der Felsenecke auf der andern Seite der breiten Kluft die hagere , langgestreckte Gestalt des Raubtieres . Der dicke , unförmige Kopf , die falschen , schiefstehenden Augen , besonders aber die heiße , rote Zunge verrieten den schlauen Feind , der nur von äußerstem Hunger getrieben werden kann , einen lebenden Menschen anzufallen , der dann aber auch alles daransetzt und unerbittlich sein Opfer verfolgt , bis er es gepackt und überwältigt hat . Das Tier mußte halb verhungert sein , denn es bestand fast nur noch aus Haut und Knochen . Das fahlgelbe , ins Weißliche spielende Fell hing ihm schlotterig um die Rippen , und der lange behaarte Schweif schleppte am Boden . Fast schien es , als sei das Tier im Begriff , zum Sprung anzusetzen , dann aber zog es sich plötzlich zurück , als ob es fürchtete , daß für die weite Entfernung seine Kraft nicht ausreichen werde . Es stieß ein kurzes , dem Hundegebell ähnliches Kläffen aus und beobachtete die beiden unerwarteten Gäste seines Felsengebietes . Robert hatte alle seine Geistesgegenwart beisammen . Er maß in Gedanken die Breite der Kluft und fragte sich , ob der Angriff wahrscheinlich sei . - Wenn das Tier glücklich herüberkam , dann war er verloren , dann gab es gegen diese fürchterlichen Zähne keine Waffen . Natürlich , er hätte fliehen können , aber dann mußte er den hilflosen Alten im Stich lassen . Doch der Gedanke lag ihm völlig fern . » Nie , nie , und wenn ich in der nächsten Minute von den Fangzähnen des Tieres in Stücke zerrissen werde ! « Fast schien es , als sollte es so kommen . Der Wolf trat an den äußersten Rand des Felsens , setzte Vorder-und Hinterläufe so nahe wie möglich nebeneinander und duckte sich zum gewaltigen Sprung . Ihn trieb der nagende Hunger , selbst das Aussichtsloseste zu unternehmen , um nur überhaupt etwas für die knurrenden Eingeweide zu erjagen . Robert wurde immer ruhiger , je näher der entscheidende Augenblick herankam . Er wußte , was ihm allein übrig blieb , wenn der Wolf den Sprung wagte , und er war entschlossen , sein eigenes und Mongos Leben so teuer wie möglich zu verkaufen . Seine Fäuste waren geballt , seine Augen begegneten dem Blick des Raubtieres . Da erhob sich der Wolf , wie es schien zögernd , mit innerem Widerstreben zum Sprung . Im nächsten Augenblick schwebte die dürre , gelbe Gestalt über dem Abgrund in der Luft . Das war es , worauf Robert gewartet hatte . Mit aller Kraft warf er die linke Faust der Bestie entgegen , während er sich selbst mit der Rechten an den Felsen klammerte . Hätte der Wolf mit Krallen oder Zähnen die andere Seite erreichen können , so würden ihn selbst die vereinten Kräfte mehrerer Männer von dort nicht wieder vertrieben haben , während bei dem übermäßig weiten Sprung schon der Stoß von Roberts Faust genügte , um das Tier aus dem Gleichgewicht zu bringen . Sekundenlang drehte sich , mit allen Gliedern arbeitend und ringend , das große Tier in der Luft , dann stürzte es mit dumpfem Poltern , hier und da aufschlagend oder die Wände streifend , hinab in das Bodenlose . Robert hörte ein kurzes Ächzen , einige röchelnde Töne , - und darauf wurde alles still . Er wischte sich den Schweiß von der Stirn , der trotz des eisigkalten Windes in großen Tropfen daraufstand . Er fühlte , daß er taumelte , daß sich alles um ihn drehte . Und was war das ? - Was lief ihm warm über die linke Hand herab ? Blut ! - Ganze Ströme von Blut . Eine tiefe Fleischwunde zog sich über die obere Fläche der Hand hin , vielleicht von den scharfen Felszacken gerissen , vielleicht von den Zähnen des wütenden Tieres . Robert sah sich rasch nach dem Alten um . Was hatte vorhin der Neger gesagt : » Mein Blut möchtest du ja doch nicht trinken ! « Das fiel ihm jetzt plötzlich wieder ein . Vielleicht ließen sich dadurch die schwindenden Kräfte des Verhungernden zurückhalten , vielleicht konnte Mongo noch schlucken und sich erholen . Er trat zu dem Betäubten , legte dessen Kopf in seinen rechten Arm und ließ von der Wunde der linken Hand das Blut auf die halbgeöffneten Lippen träufeln . Schon bei den ersten Tropfen sah er , wie Mongo begierig sog , aber offenbar ohne Bewußtsein , was um ihn herum geschah . » Es ist gut « , dachte Robert , » daß mich der Wolf ein wenig geschrammt hat . So konnte ich dem armen Mongo doch noch einen letzten Dienst erweisen . Wir werden nun beide schlafend erfrieren . Aber mich freut es doch , daß ich den Wolf tötete , - es muß gräßlich sein , lebend von Zähnen und Krallen zerrissen zu werden . « Nachdem die Wunde ausgeblutet war , ließ er den Kopf des Negers sanft gegen die Felsenlehne zurücksinken und suchte selbst eine etwas bequemere Stellung . Mongos Lippen bewegten sich . » Das war gut « , murmelte er , » ach , so warm . Nun möchte ich schlafen . « Robert lächelte , während ihm sein Herz schwer wurde . Er nahm in Gedanken Abschied von allen , die er liebte . Morgen mit Tagesanbruch würde er tot sein , er fühlte es , und der nächste Wolf , der dann des Weges kam , würde zwei Leichen zum Fraß vorfinden . Hin Schauer überrieselte ihn . Gab es denn keine , - keine Rettung ? Nein , es war alles verloren . Schon der Versuch , aufzustehen und einige Schritte zu gehen , mißlang vollständig . Sobald er sich erhob , drehten sich Felsen und Klüfte , ja selbst die Sterne am Himmel im Kreise herum . Und dabei fühlte er weder Frost noch Hunger , nur eine unbeschreibliche Mattigkeit , ein Verlangen nach Schlaf , das fast bis zur Betäubung gesteigert war . Er schloß die Augen und faltete die Hände . » Vater im Himmel , dir befehle ich meine Seele , - vergib mir meine Schuld und laß mich - selig auferstehn - - - « Ein Lächeln umspielte seine Lippen . Er fühlte sich wie auf Flaum gebettet , wie getragen , und aller Druck war von seiner Brust genommen . Tönten nicht dort durch die Stille des Abends leise Glöckchen ? Bewegten sich nicht dunkle Schatten durch den Felsenpaß auf ihn zu ? Ein halblauter Anruf durchdrang die Luft . Wie Gespenster verschwanden die nächtlichen Gestalten , - nur ein leises Knacken war rings in den Felsspalten zu hören . Robert lächelte . Er wußte es jetzt , ihm hatte von der ganzen grauenvollen Wanderung durch die Steinwüste nur geträumt , - er war nicht einsam , nicht verlassen , sondern Menschen beugten sich über ihn , faßten seine Hände und redeten in fremder Sprache . Er wurde aufgehoben , ein scharfer Geruch drang in seine Nase , und heiß wie fließendes Feuer lief Branntwein durch seine Kehle hinab . Auf flüchtige Augenblicke erwachte er ganz . Im Sternenschein sah er kleine , dunkelhäutige und seltsam in Rentierfelle gekleidete Menschen um sich herum versammelt , er hörte , daß sie miteinander sprachen und fühlte die Wärme des eingeflößten Branntweins alle seine Adern durchrieseln . » Das sind wandernde Lappen « , dachte er glücklich , » gottlob , wir sind gerettet ! « Und dann konnte er dem Schlaf nicht länger widerstehen - - Als er erwachte , strahlte die Sonne hell vom Himmel herab . Ein Dach aus Rentierfellen wölbte sich über seinem Kopf , Felle lagen unter ihm und auf ihm , während Mongo an seiner Seite ebenso weich gebettet noch fest schlief . Der Alte atmete ruhig , seine Farbe war nicht mehr so grau , sein ganzes Aussehen besser . Robert schob die Felle zurück und erhob sich , um mehr zu erfahren . Als er durch eine Spalte der Zeltbahnen hinaustrat ins Freie , drohten zwar seine Füße noch den Dienst zu versagen , aber er überwand diese Schwäche und blickte um sich . Ein vollständiges Zeltlager der Wanderlappen lag vor ihm . Überall waren auf starke Pfähle die Rentierfelle gespannt , überall wimmelte es von den braunen Gestalten , die hin- und herliefen , um auf heißen Steinen ihre Mehlkuchen zu backen , die Rentiere zu beaufsichtigen oder zu melken und sie dann hinunterzutreiben in das Tal , wo Rentierflechte und Moos wuchsen , das sich die klugen Geschöpfe selbst suchten . Nur ein mächtiges , großes Tier , ein Sechzehnender mit mehreren Glöckchen um den schlanken Hals , stand festgebunden neben einem Zelt , das etwas größer war als die übrigen . Dieses Ren schien gegen alle sonstige Gewohnheit als Reittier zu dienen , denn auf seinem breiten Rücken lag ein Sattel aus Leder und Wollzeug . An den Zeltstangen hingen Zügel , Peitsche und verschiedene Geräte , während alles nach großer Armut aussah . Die Kleidung schien bei Männern und Frauen gleich zu sein ; sie bestand überall aus einem langen Pelzrock , der enge Beinkleider , ebenfalls aus Pelz , erkennen ließ . Dazu kam eine spitze , mit Federn geschmückte Mütze und sogenannte » Komager « , selbstgefertigte plumpe Stiefel aus Rentierleder . Eine kurze Pfeife sah Robert bei fast allen Männern und Frauen . Er hatte Zeit genug , sich umzusehen , da sich niemand besonders um ihn kümmerte , sondern jeder ganz mit dem Frühstück beschäftigt schien . Eine alte Frau , abschreckend häßlich und braun wie eine Indianerin , hockte neben einem flachen Fels , auf dem ein helles Feuer loderte . Sie rührte in dem darüberhängenden eisernen Kessel und sang mit tiefem Kehlton ein Lied , dessen schwermütige Weise zu der ganzen verödeten Umgebung besonders gut paßte . Als letztes Wort eines jeden Verses hörte Robert immer einen und denselben Namen : » Jubinal « - » Das wird die Zauberin des Stammes sein « , dachte er . » Die heilt Kranke und bespricht das Vieh und liest in den Sternen . Vielleicht gehört ihr sogar dieses schöne Rentier mit seinen klugen Augen . « Er streichelte den braunen Rücken , während ihn die Alte heimlich beobachtend ansah . Dann stand sie auf und brachte ihm einen hölzernen Napf voll dampfender Milchsuppe und einen Löffel . Ihre Gebärden luden ihn ein , sich zu setzen und zu essen . Robert übersah den schwärzlichen Rand der Schüssel und den plumpen Löffel von äußerst zweifelhafter Sauberkeit ; er atmete mit wahrem Entzücken den Duft der frischen Milch . Aber das wollte er nicht allein haben , sondern Mongo sollte es mit ihm teilen . Er nickte lebhaften Dank und wollte ins Zelt zurückkehren , als ihn die Alte am Arm festhielt . Ihre Handbewegungen zeigten ihm , daß für seinen Begleiter noch reichlich Suppe da sei , er möge nur ruhig essen . Und so setzte er sich denn auf ein Felsstück , um das sonderbare Mahl zu beginnen . Einige Lappen brachten ihm heiße Mehlkuchen , die er vielleicht zu Hause in Pinneberg kaum für Pikas gut genug gefunden hätte , die ihm aber , erfroren und halb verhungert wie er war , ganz köstlich schmeckten . Das Mütterchen am Herd füllte mit stillem Lächeln zum zweitenmal den großen Napf und freute sich sichtlich , als auch diese Portion hinter Roberts Lippen verschwand . Was sie sagte , klang so entschieden wie ein » Nun wirst du ' s aushalten , mein Söhnchen « , daß er den Sinn deutlich heraushörte und mitlachte . Seine Kräfte waren jetzt so ziemlich zurückgekehrt , und sein Mut hatte seine alte Spannkraft vollständig wiedergefunden . Er ging von einer Gruppe zur anderen , versuchte überall vergeblich , in deutscher oder englischer Sprache eine Unterhaltung anzuknüpfen , und ließ sich endlich eine jener kurzen , verräucherten Pfeifen anbieten , die von allen geraucht wurden . Nachdem er schließlich alle einzeln begrüßt hatte , ging er in sein Zelt zurück und sah nach dem Neger . Mongo lag mit offenen Augen da und schien zu glauben , daß er träume . Ein Dach über ihm , warme Felle um ihn herum - er begriff nicht , was das alles bedeuten könne . » Bob ! « murmelte er . » Bob , wo sind wir ? « Robert lachte . » Noch auf derselben Stelle von gestern , Alter « , rief er fröhlich . » Die Geister des Gebirges haben uns alles Nötige hergebracht und stehen auch weiterhin zu unserer Verfügung . Soll ich sie dir zeigen ? « Mongo richtete sich mühsam auf . » Du sitzst schon wieder auf dem hohen Pferd , Spitzbube , « sagte er gutmütig lächelnd . » Leih mir für ein paar Züge die Pfeife , hörst du ! « Robert gab sie ihm sofort , und der Schwarze rauchte tüchtig drauflos . » Ach « , sagte er , » das wärmt , - das tut gut ! « Und als er eine Zeitlang sinnend dagelegen hatte , während der heiße Rauch sein Gesicht umspielte , heftete er plötzlich auf Robert einen fragenden Blick . » Du « , sagte er , » Bob , was war das gestern , was hast du mir zu trinken gegeben ? Es hat mir im letzten Augenblick geholfen ! - War es Branntwein aus den Flaschen der Lappen ? « Robert errötete . » Ich glaube wohl , Mongo ! « versicherte er . Da sah der Neger die große , klaffende Wunde . » Bob « , rief er , » Bob , du sprichst die Unwahrheit , - du hast mich dein Blut trinken lassen , du guter Kerl ! « Der Junge lachte . » Mach um Gotteswillen keine Heldentat daraus « , sagte er in heiterem Ton . » Der Wolf hatte das Loch gerissen , also konnte ich dir wohl den angenehmen Trunk in den Mund laufen lassen ! Brr , ich sollte dich eigentlich um Verzeihung bitten , Mongo ! « Der Neger reichte ihm matt die Hand . » Du bist ein braver , herzensguter Junge , Bob « , sagte er gerührt , » und wenn mein Leben auch nur das eines alten Niggers ist , - gerettet hast du ' s doch ! « Robert schüttelte die dargebotene Hand . » Und so weiter ! « lachte er . » Jetzt steh nur auf , Alter , und stütze dich auf mich , daß du hinauskommst in den Frühstückssalon aus Felsen mit einer blauen Wolkendecke darüber . Draußen wächst eine warme Milchsuppe , sage ich dir , daß dein Magen verborgene Schleusen auftut und mehr vertragen kann , als sonst in vier Mahlzeiten ! « Er half dem Alten , sich zu erheben , und führte ihn dann in die Sonne , wo er zitternd auf den nächsten Sitz zurücksank . » Hat mich doch verteufelt angegriffen , Bob « , murmelte er . » Bin noch ganz schwach ! « Robert sprang zurück und brachte einige Felle , die er dem Alten über die Schultern legte , und dann erschien auch das braune Weib mit der Holzschale , deren Inhalt den Neger neu belebte . Er schlürfte in langen , behaglichen Zügen . » Du « , sagte er endlich , » hat sich der Häuptling schon gezeigt , oder sahst du ihn noch nicht ? « » Welcher Häuptling , Mongo ? « » Nun , einen Anführer wird der Stamm doch haben , Kind . Und in diesem Zelt hier wohnt er . « Seine ausgestreckte Rechte deutete auf das größere und etwas sorgfältiger hergerichtete Zelt , das Robert schon früher aufgefallen war . » Das ist der Priester oder Anführer « , fügte er hinzu . » Dort hinter den Fellen steckt er , das kannst du mir glauben . « » Dann locke ihn heraus , Mongo . « Der Neger lächelte . » Wie leicht du umspringst mit solcher braunen Majestät , Bursche . Und nebenbei - wer kann sich in seiner Sprache verständlich machen ? « » Ja , da steckt der Knoten . Ich hoffte , daß diese braunen Kerle dänisch reden würden , dann hätte ich zur Not antworten können , aber es muß mehr russisch sein , was sie sprechen , - dem Grunzen ihrer Rentiere nicht unähnlich . « » Du junger Taugenichts , wie dir der Kamm schwillt , sobald es dir einigermaßen leidlich geht ! - Und ich habe dich doch gestern abend beten hören - oder dachtest du vielleicht laut , als es schien , daß alles verloren sei . « Robert drohte errötend dem Alten mit dem Zeigefinger . » Nun « , sagte er , » darf denn ein tüchtiger Kerl nicht mehr in der Not seinen Herrgott anrufen , ohne von solch einem bösartigen , hinterlistigen Mongo gleich belauscht zu werden ? Du Erzschelm stelltest dich schlafend , um mich den Wolf allein töten zu lassen , jetzt weiß ich ' s. « Der Neger sah fragend von seiner Suppenschüssel auf . » Den Wolf , Bob ? Ich denke , du hast die Geschichte nur geträumt ! « » Dachtest du ! « lachte Robert . » Das Tier liegt dort drüben im Abgrund , und hier meine Hand zeigt die Spuren des Kampfes . « Er hob die Wunde empor , so daß Mongo heftig erschrak . » Nun , nun « , rief er , » und damit läufst du so ruhig umher , als sei es ein Mückenstich . Aber warte , die braune Hexe dort wird bestimmt irgendeine Salbe besitzen , oder ich müßte mich auf solche klugen Mütterchen nicht verstehen . « Er erhob sich und ging mit langsamen Schritten , noch schwankend wie ein Schiff unter vollen Segeln , auf den Herd zu und setzte sich dort neben die Alte , mit der er eifrig gestikulierend ein Gespräch anzuknüpfen versuchte . Beide redeten , konnten sich aber kaum verständigen . Schließlich mußte Mongo seinen Zweck erreicht haben , denn das Mütterchen humpelte fort , um aus einem der Zelte einen alten , verrosteten Blechnapf herbeizuholen , den sie von einer dichten Staubschicht befreite , einige Splitter und Steine herauswarf , und darauf mit einem Messer etwas von dem Inhalt auf ein weiches Lederläppchen strich . » Komm her , Bob ! « rief der Neger . » Laß dir die Hand verbinden ! « Robert näherte sich gehorsam . » Weiß Gott « , dachte er , » wie sich die beiden alten Menschen verständigt haben . Es muß schon so eine Art von Verwandtschaft sein , die sie beide fühlen , anders könnte ich mir die Sache nicht erklären . « Er ging aber doch hin und spürte auch schon sehr bald die heilende Wirkung der Salbe . Das Brennen an den Rändern der Wunde hörte auf , die straffgespannte Haut wurde wieder weich , und die Röte ging zurück . Mongo erklärte , daß jetzt die Sache ohne Gefahr sei . » Und wo haben wir nun den erlegten Wolf ? « fragte er . » Der Bursche muß doch diesen guten Leuten sein Fell abtreten , wenn die Kluft nur einigermaßen zugänglich ist . « Robert ging rasch zu der Stelle , die ihm vom gestrigen Abend her noch deutlich in Erinnerung war , und blickte in den sonnenbeleuchteten Abgrund hinab . » Da unten liegt der Räuber « , rief er . » du kannst ihn von hier aus deutlich sehen , Mongo , aber heraufholen läßt er sich nicht . In den zackigen Spalt würde kein Mensch hinabsteigen können . « Mongo lächelte . » Wir nicht , Bob , aber unsere braunen Freunde können das . Gib nur acht , was du erleben wirst . « Er winkte einen der Lappen zu sich heran , zeigte ihm in seiner Gebärdensprache das erlegte Tier und versuchte ihm klar zu machen , daß Robert der glückliche Sieger sei . Der Rentierjäger schien kaum seinen Augen zu trauen . » Mit der bloßen Faust ? « fragten seine erstaunten Augen . Robert nickte lachend . Er deutete in den Abgrund hinab und schüttelte den Kopf , als wolle er sagen : » Aber dorthin führt doch kein Weg ? « Der Lappe pfiff durch die Zähne . Dann besprach er sich mit einigen anderen , die neugierig herbeikamen und lebhaft durcheinander redeten . Der ganze Trupp machte sich an die Untersuchung der Felsschlucht , um auszukundschaften , ob nicht ein Weg hinabführe auf den untersten Grund , aber hier war alle Mühe vergebens , - - man mußte von oben hineinsteigen , oder man kam niemals dahin . Robert bat die Leute , das Wagnis aufzugeben , fand jedoch damit kein Gehör . Im Gegenteil , der gewandteste Bursche ließ sich von den andern ein festes Seil um den Leib schnüren , das drei Männer festhielten , und kletterte dann mit einem langen , unten zugespitzten Gebirgsstock von Klippe zu Klippe in die Schlucht hinein . Mehr als einmal verloren seine Füße den festen Halt , so daß er plötzlich über der schwindelnden Tiefe in freier Luft am Seil schwebte , aber ohne ein Zeichen von Hast oder Unruhe suchte er die nächste Spitze , die ihm erlaubte , darauf zu treten , und gelangte so allmählich von Stufe zu Stufe immer tiefer hinab . In der Mitte des Weges verengte sich der Spalt , und es schien unmöglich , hier eine freie Bewegung auszuführen . Während der tollkühne Jäger mit halbem Körper zwischen den Felsen stand , konnte er nicht sehen , wohin seine Füße traten , sondern suchte tastend mit den Zehenspitzen nach einem erreichbaren Halt . Oben schwieg alles . Robert und Mongo sahen sich an . » Was wird er jetzt tun ? « dachten beide , ohne jedoch auch nur ein einziges Wort zu sprechen . Der Lappe rief in seinen tiefen Kehltönen einige kurze Silben herauf , und sogleich ließen die drei Männer , die ihn hielten , langsam das Seil in die Tiefe hinab , bis endlich aus der Schlucht ein neuer Zuruf verkündete , daß unten der Jäger wieder festen Fuß gefaßt hatte . Frei am Seil hängend , hatte er sich furchtlos von den Fäusten der Obenstehenden durch den Engpaß tragen lassen und konnte jetzt wieder klettern . Robert klatschte unwillkürlich in die Hände . Das war mehr , als selbst ein tüchtiger Seemann leisten konnte , der im Sturm außenbords die Strickleitern erklettert . Diese Ruhe , diese tollkühne Sicherheit flößten ihm hohe Achtung ein . » Bravo ! « rief er . » Bravo ! « Die Lappen beachteten seinen Beifall kaum . Sie hielten die ganze Sache höchstwahrscheinlich für ein sehr alltägliches Ereignis und dachten nur an die Wolfshaut , die sie um jeden Preis an sich bringen wollten . Vom Grunde der Schlucht herauf hörte man jetzt wieder einige Worte , worauf das Seil sofort nachgab . Während es einer der Männer festhielt , liefen die beiden anderen fort , um ein zweites , ähnliches herbeizuholen , das dann auf den Felsboden der Schlucht herabgelassen wurde . Nachdem der untenstehende Jäger dies Seil an dem Körper des toten Wolfes befestigt hatte , ließ er sich in derselben Weise , wie er hinuntergekommen war , auch wieder heraufbefördern , und dann machten sich alle vier daran , mit vereinten Kräften den Wolf heraufzuziehen . » Siehst du ! « sagte Mongo . » Ich wußte es wohl . So verbringen diese Menschen das ganze Leben . Immer in Gefahr , immer auf der Jagd , kletternd und springend , die gesunden Glieder aufs Spiel setzend und den Tod verachtend , - das ist ihr Beruf . Im Sommer fangen sie auf unzugänglichen Klippen und in tief versteckten Felsenhöhlen die jungen Möwen , die Alken und Schwimmvögel , im Winter jagen sie das Ren , und zu allen Jahreszeiten kämpfen sie mit großen Raubtieren , um doch für diese unausgesetzten Mühen und Gefahren kaum soviel zu haben , daß sie sich jeden Tag satt essen können . Das ist der strenge , geizige Norden . « Roberts Augen leuchteten . » Aber er erzieht Männer , Mongo ! « antwortete er . » Im Süden gibt die Erde dem Menschen freiwillig alles , was er braucht , und erschlafft ihm daher ebenso , wie sie ihn übermütig macht . Denke an die Menschenopfer von Dahomey , Alter , und frage dich , ob sie hier im Norden unter solchen Männern möglich wären ? « Mongo wiegte den Kopf . » Hm , hm « , antwortete er . » Menschen werden nicht mehr abgeschlachtet , das ist sicher , aber dennoch - « » Nun , Mongo , dennoch ? « - Der Neger hob die Hand . » Ich weiß nichts Bestimmtes « , sagte er , » möchte aber behaupten , daß diese Leute doch noch Heiden sind . Es gibt so kleine Zeichen dafür . « Robert schüttelte den Kopf . » Das ist unmöglich , Alter . Seit länger als hundert Jahren sind die letzten Lappen zum Christentum bekehrt , werden getauft und konfirmiert wie alle anderen schwedischen oder norwegischen Bürger . « Mongo lachte . » Ja , Bob , das wohl . Sie zahlen auch Steuern und sind doch Wilde , ebenso lassen sie ihre Kinder taufen und beten doch zu Pakal und Jubinal . Ich bin schon einige Male in Trondhjem gewesen und