gekostet , daß ich Meinen dazu gekriegt ! Und war nicht versichert ! Da sollten Einem wohl nicht die Thränen ins Auge treten , ich möchte heut noch weinen , und er - lachte , ja das hat er , sich ordentlich geschüttelt ! O er hat ein schlechtes Herz . Ich hab ' s ihm aber gesagt , das kam aus einem boshaften Gemüth . Und voriges Jahr noch in der Gesellschaft bei den Leuten - i mein Gott , Sie kamen ja auch noch nachher - da nahm er mir ja den Stuhl vor der Nase weg . Ich begreife gar nicht , wie man so grob sein kann und so maliciös . « » Vor Andern . Wer sieht ins Herz ! « » Er pustet ja ordentlich vor Selbstgefälligkeit . Glaubt er , alle Frauen müssten sich in ihn verlieben , wenn er den Bart streicht ? « » Das ist ein eigen Kapitel , meine Freundin , von der Sympathie und der Antipathie . Ich kenne den Herrn Rittmeister nicht , ich weiß nur - « » Daß mir ordentlich wohl ist , wenn ich ihn in einer Gesellschaft nicht treffe . « » Ob ihm aber wohl ist ! - Sie sahen nicht , wie er nach jener Gesellschaft , wo er Sie so auffallend beleidigt , Ihnen immer von sein folgte , wie er wartete , um Sie einsteigen zu sehen ; wie er , als der Wagen vor Ihrem Hause vorfuhr , schon durch Quergassen schneller dahin gekommen war , und an der Ecke im Mantel verhüllt , sah er Sie aussteigen ! Mich dünkt Sie sahen sich um , und wandten schnell den Kopf - « » Ich erinnere mich nicht . « » Sie müssen ihn gesehen haben . Wenn da grade nicht , doch ein ander Mal . Entsinnen Sie sich nur . Man kann sagen , er folgt Ihnen auf Schritt und Tritt , vielleicht unwillkürlich . « » Sie erschrecken mich , Herr von Wandel . Der Mensch lauert mir auf , um mir einen Affront anzuthun . « » Das will ich nicht hoffen . « » Aber , ich bitte Sie , ' s ist ja rein unmöglich . Wer sich so vor den Menschen beträgt , was kann der Gutes im Schilde führen ! « » Der unerklärte Trieb unserer Natur , der ewige Zwiespalt unserer selbst , das Licht und der Schatten , der Ahriman und der Ormuz , daß wir schaffend vernichten , vernichtend schaffen . Wenige , die sich über diesen Zwiespalt erheben , die dies Räthsel der Natur gelöst . Sie selbst , meine theure Freundin , werden dies oft empfunden haben . Ihr sinnend Auge giebt mir die Antwort . « » Dieser Mensch begegnet mir überall , « sagte der Major an einer andern Stelle zum Regierungsrath , » wie ein eiskalter Luftzug . Undurchdringlich im Gespräch , alles wissend , jedem Gefühl verschlossen . Ich bin jetzt zu glauben geneigt , daß Laforest wirklich kein Bohrloch in dieser glatten Wand gefunden . « » Und doch sehen Sie , welches Leben er in die schöne Bildsäule gehaucht ! Man möchte erfahren , was der Magus mit ihr sprechen konnte . « » Sollte er in der frivolen Intrigue mitspielen ? Sie waren nachher in eifriger Konversation mit ihm . « » Eifrig ? « » So war seine Miene . « Fuchsius lächelte : » Er fragte mich , ob das Vermögen von ihr oder von ihm käme ? Von Heyms neuer Wunderkur , von der Legirung des Platina und von der neuesten Liaison der Unzelmann . Das war ein Theil unseres Gesprächs , das glatt wie ein Aal hingleitete . Nähern wir uns der Sybille . Jetzt spricht er mit ihr . « » Auch nur en passant « Die Sybille schien einen Köcher von Liebespfeilen ausgeschossen zu haben ; oder waren es wirklich sybillinische Sprüche , was der Physiognomie der Andern einen so besondern Ausdruck gab ! Doch hatte Jene plötzlich Allen den Rücken gekehrt , um der Wirthin ihre ganze Aufmerksamkeit zu schenken . » Elle est une merveille d ' amabilité ! « versicherte der Geheimrath Lupinus von der Vogtei , beide Hände als Schallrohr vor dem Mund , denen , die ihm entgegen kamen . » Pleine de grâce et d ' une sagesse , s ' il m ' est permis de m ' exprimer ainsi , presque éthérée . Et un savoir-faire ! « » Na warum denn ? « sagte der Doktor Marcus Herz , der ihm in den Weg getreten kam und nicht Platz machte . » Mon ami ! « rief Lupinus . » Elle a une pénétration parfaite , elle lit dans votre coeur comme dans un livre ouvert . « » Auch in Ihrem , Geheimrath ? « fragte der Arzt , seine Hand auf Lupinus ' Schulter legend . » Elle connaît tout le monde , elle enchante tout et est enchantée de tout . « » Auch von Ihnen ! Na hören Sie , dann ist sie mehr als ein Wunder - ein Meerwunder . « » Immer der liebenswürdige Satyriker . Mais quant à la beauté , Madame Herz kein Vergleich . Elle est la beauté même et aussi pleine de sagesse . « Die Fürstin hatte ihren schönen Arm halb um die Wirthin geschlungen , ihr für den vergnügten Abend zu danken : » Aber das Beste entziehen Sie mir so lange . « Die Lupinus bedauerte , daß der Dichter noch immer auf sich warten lasse ; gewiß sei es ein plötzliches Hinderniß , was die Ankunft , der alle Herzen entgegen schlügen , nur verzögere . » Ich kann die Spannung begreifen , « entgegnete die Fürstin , » ob er aber die Erwartung befriedigen wird ! Es kommt sehr auf die Laune an , in der er ist . Aber ich meine jetzt unsere theure Wirthin , die freilich der Gesellschaft angehört , und ein einzelner Gast wäre unbescheiden , wenn er mehr fordert , als auf seinen Theil ihm zukommt . « Die Geheimräthin meinte , sie habe nicht den Andern im Lichte stehen wollen , und besonders vor Einem , nach dem Alle unwiderstehlich sich angezogen fühlten . Ohne auf das Bittere zu achten , was sich dem Kompliment unwillkürlich beimischte , sah mit einem innigen Blick die Fürstin sie an : » Wozu diese Gemeinplätze zwischen uns ! Sie sind eine Märtyrin und Ihr ganzes Leben ist ein Opfer . Ich weiß ja alles und ich betrachte mit einer bewundernden Theilnahme Ihr stilles Wirken der Resignation . Was kann Ihnen diese Gesellschaft sein ? Sind Sie nicht mit sich selbst , mit Ihren Büchern in einer besseren ? Und alle diese Embarras nur um Andern Freude zu machen ! « Die Lupinus protestirte dagegen . Sie kannte die Fürstin noch zu wenig . Sie wusste nur , daß sie vertrauten Umgang mit Elise von der Recke gepflogen , daß die Jünger der romantischen Schule bei ihr Zutritt hatten , man sagte auch , daß sie der katholisirenden Richtung dieser Schule huldige . Sie antwortete mit der Banalphrase , daß Andern Freude bereiten selbst Freude schaffe . Die Fürstin streifte darüber hinweg , wie über ein etwas , was keiner Erwiderung bedurfte . Aber es lag keine Beleidigung in ihrem Blick . » Ihr ganzes Opferleben fühl ' ich in mir selbst wieder , « sprach sie , sich in die Ottomane zurücklehnend , auf der Beide in einer Nische Platz genommen . » Ich fühle es wieder , obgleich mir , was die Welt ein glücklicheres Los nennt , beschieden war . Der Fürst , mein Gatte , verstand mich , ich verstand ihn . Ich brauchte nicht ängstlich vor der Welt den Schirm vorzuhalten , damit man seine Schwächen nicht gewahre . Er war kein eminenter Geist , kein Gelehrter , er liebte das Leben und trank seine Genüsse , wie den Schaum des Weines , er war was die Welt nennt , ein vollkommener Lebemann ; aber ohne Arg , grade wie er war gab er sich . Da musste die Vorsehung nach einem kurzen Glück - wozu Elegieen an einem so frohen Tage ! Es war so besser , für ihn , für mich . « Wo sollte das hinaus ! dachte die Geheimräthin . » Mein Mann ist - « die Fürstin unterbrach sie aber mit einem sanften Händedruck : » Ich frage mich oft , warum müssen diese Kräfte durch Anstrengungen gehemmt werden , die nie eine andre Frucht tragen können , als einen Schein ? Denn Ihren sonst to trefflichen Mann werden Sie doch nicht gesund machen , ich meine so gesund , das er sich wieder ins Leben taucht ! « » Ich versuche wenigstens , es ihm so angenehm wie möglich zu machen . Seine Ansprüche sind so bescheiden ! « » Das weiß ich . Aber ist das eine Aufgabe für eine Frau Ihres Geistes ! Sein Glück ist gemacht , indem Sie ihm in seiner Assiette sich selbst überlassen . Sie könnten doch frei , sich mehr Ihren eigenen , edleren Trieben überlassen . Freilich haben Sie sich eben wieder eine neue Sorge auferlegt , die Sie ganz absorbirt , doch wer wollte da ein Wort gegen sagen ! - Aber nun bewundere ich Sie wieder , wie Sie sich auch der Familie Ihres Mannes annehmen . Dies Festin ist doch auch gegeben , um Ihren Schwager gewissermaßen in der Gesellschaft wieder zu retabliren . « Die Geheimräthin seufzte : » Man muß doch für seine Familie leben ! « » Das ist ein schöner Zug im deutschen Gemüthsleben ! « » Wo der Staat seine Ehre anerkannt hat , darf die Familie sie nicht sinken lassen . « » Hoffen Sie , daß er wieder den rechten Weg finde , der arme Irrende . « » Das hoffe ich nicht - « » Man muß nie eine Hoffnung aufgeben . Aber sehen Sie da - sie ist reizend ! Und welche Gruppe diese beiden Frauen ! Zum Malen ! « Ihre Blicke hafteten auf Adelheid , die mit der Doktor Herz im Nebenzimmer sich unterhielt . Die Fürstin schwärmte in dem Lobe ihrer Schönheit . Es war mehr als Malerei , sie lebte in der Schilderung mit , ihre nervösen Bewegungen verriethen es . » Hier kann man den Unterschied von Schönheit und Schönheit studiren . Madame Herz ist gewiß eine vollkommene , aber ihr fehlt etwas . « » Der Kopf ist zu klein für die junonische Gestalt , « sagte die Geheimräthin . » Ich betrachte sie nicht als Sculpteur . Die Psyche ist ' s , die mich interessirt , wie das innerste ein knospet und blüht in der Erscheinung ! Aber Sie mögen Recht haben , liebe Frau , aus dieser edlen , großen Gestalt schoß nicht mehr auf als ein kleiner Kopf , weil es an dem Feuer gebrach , das eine gebietende Stirn , eine Jupiternase , schwellende Lippen , das schwimmende , überwältigende Auge schafft . « » Die Herz ist passiv , aber sehr intensiv . « » Qu ' importe ! « » Und tugendhaft . « » C ' est ça . Par son naturel . Aber sehen Sie , trotz des orientalischen Nimbus , ich frage Sie , könnte ein Maler aus dem Gesicht eine Heilige machen ? Nimmermehr , ihm fehlt die Sinnlichkeit . - Sie bewegt sich - jetzt recht lebhaft - drückt ihre Lippe es aus ? Verräth es das Auge ? - Und nun dagegen Adelheid ! Eine unwillkürliche Bewegung ihres Füßchens , und die Lippe spricht es aus , das Grübchen am Kinn . Elastisch die ganze Figur , aber das Gesicht die Blüthe . Wenn ich nichts als das Gesicht sähe , wollte ich mir ihre ganze Gestalt konstruiren . O Sie , müssen eine wahre mütterliche Freude an dieser Requisition haben . « » Wenn sie meinen Erwartungen entspricht . Ihre Erziehung entsprach den beschränkten Sphären ihres elterlichen Hauses . Es müssen viele Gewöhnungen , vulgäre Ansichten ausgetrieben werden - « » Nichts austreiben , um Gottes willen nichts austreiben , theure Frau ! « » Ihr fehlt das Sublime . Ich sehe noch immer durch alle ihre Reize den Thon , aus dem sie gebildet . Aus ihren ästhetischen Urtheilen platzt zuweilen eine Natürlichkeit , über die ich erschrecke . Daß die Herz sich für sie interessirt , ist mir lieb ; ich hoffe , sie soll aus ihrer Conversation lernen . Manches Eckige , Erdige wird sich abschleifen , um dem Sinnigen Platz zu machen . « Die Fürstin sah sie verwundert an , aber die Mißbilligung , die in ihrem Blicke lag , ging in ein Lächeln über : » Nicht die Herz ! Keine Hofmeisterin ! Die Herz würde ihr schöne Maximen predigen ! O keine Predigten ! - Sie zur Tugendpuppe erziehen , das heißt eine Natur verderben , wie sie nicht oft aus Gottes Schöpfung hervorgeht . « » Ich meinte auch nicht grade eine Klostererziehung . « » Dies pulsende Blut will sein Recht . Der Schöpfer träufte es in unsere Adern , wie er die Sonne in den Aetherbogen warf , wie er der Traube würziges Blut gab , uns zu berauschen . Wer nie berauscht war , nie im Wirbel der Leidenschaft taumelte , wer nie die Wonne dieser Erde kostete , der kann auch nicht die Wonne der himmlischen Seligkeit empfinden . « Ihr schönes Auge glänzte so seltsam dabei , während sie starr nach der Decke sah . Nach einer langen Pause stand sie auf , und strich tief aufathmend ihren Scheitel mit beiden Händen . Sie lächelte schelmisch die Geheimräthin an : » Nicht wahr , ich habe recht viel dummes Zeug gesprochen ? Vergessen Sie es und entschuldigen mich . - Aber als ob ich mich vor Ihnen zu entschuldigen brauchte , vor einer Frau , die ja auch weiß , wie der Geist so oft sich vom Körper trennt , und die Seele hinfliegt in Räume , wohin das Auge nicht dringt . - Aber kommen Sie schnell unter die Andern , wir kommen ins Gerede . Wenn man auch etwas anders ist als die Andern , um Gottes willen , man muß es ihnen nicht verrathen ! « » Wo sehen Durchlaucht Plötzlich hin ? « » Ich - « Die Fürstin erröthete leicht und flüsterte ihr ins Ohr : » Mir war ' s , als sähe ich Jean Paul dort über den Gensd ' armenmarkt kreuzen , um schneller hier zu sein . - Da unterhält sich ja der Herr von Fuchsius sehr lebhaft mit Ihrer Tochter . - Ei , ei , selbst der ernste Major Eisenhauch widersteht dem Magnete nicht und vergisst auf einen Augenblick seine großen Vaterlandsgedanken . Ich besorge , meine Freundin , Ihr Haus wird bald wie Troja aussehen - « » Sehen Sie eine Zerstörung voraus ? « fragte die Lupinus . Der Clairvoyantenblick der Fürstin hatte sie etwas verstimmt . » Nur die Helena , um die ein trojanischer Krieg entbrennen wird . Sorgen Sie bald , wenn Sie dem entgehen wollen , für eine anständige Partie . Der Regierungsrath ist ein junger Mann , dem eine gute Carriere bevorsteht . « » Herr von Fuchsius sieht nach Vermögen . Es ist nur Galanterie . Ich werde indeß ein wachsames Auge haben . « » Wozu ! Lasst doch die Schmetterlinge spielen . Die Jugend ist so kurz ! Und was sagen Sie zum Legationsrath ? « » Der - ! « Das Wort schien der Geheimräthin auf der Lippe zu ersterben . » Er und das Kind ? « » Sie haben nicht daran gedacht . Es ist auch so besser . « » Durchlaucht kennen ihn ? Er wird von so Vielen verkannt . « » Die Bestimmung jeder Größe ! Sie fühlt sich nur zu Gleichgesinnten hingezogen . Es täuschten mich auch vorhin wohl nur einzelne Blicke . Es war Elise , die mir ihre Beobachtungen mittheilte . Ach die gute Recke dachte vielleicht an ihr eigenes Verhältnis mit Cagliostro . « » Cagliostro ! « wiederholte die Lupinus . » Cagliostro war doch vielleicht mehr , als wofür die Welt ihn jetzt erkannt haben will , meine Freundin . Er musste fallen , wie Viele gefallen sind , weil - passons la-dessus ! - Unsere große Katharina war in diesem Punkte eifersüchtig . - Es ist mir recht verdrießlich , daß Herr von Wandel der Affaire wegen mit dem jungen Manne - nicht wahr , Bovillard heißt er ? - in Verwickelung gekommen ist . Und wie ich höre , stellt er Adelheid nach . Das muß für Sie doppelt peinlich sein . « » Ich hoffe , Durchlaucht , das wird nichts auf sich haben . Der wüste Mensch soll uns nicht länger stören . « Die Fürstin sah sie fragend an : » Blutdürstig , meine sanfte Freundin ! Der Lauf der Kugeln ist zweifelhaft . - Das war auch nicht Ihre Meinung . « » Durchlaucht , dieser Mensch ist incorrigibel . « » Desto besser . Lassen Sie ihn fortsündigen . Gerade über diese Sünder , die ihr Ohr der Stimme der Vernunft verschlossen haben , zuckt schon ein anderer Strahl . Da thun wir nichts bei , das kommt mit einem Male . Was wäre die Welt mit ihren gaukelnden Marionettenpuppen , die das grelle Schauspiel von Eitelkeit , Verkehrtheit , Ungerechtigkeit und Sünde vor uns aufführen , wenn wir nicht wüssten , daß plötzlich eine unsichtbare Hand aus den Wolken fährt , und zerstört ist ihr Spiel . Ein Licht zückt herab und die Irrenden sehen den Abgrund , vor dem sie stehen . Warum den jungen Wüstling gleich aufgeben , opfern wollen ; da giebt es ja tausend Mittel . - Nur keine öffentlichen Schritte . Es lässt sich so Vieles unter der Hand abthun , eben wenn man Freunden vertraut . Freunden haben Sie ja nur zu winken . Kommandiren Sie auch über mich . A propos , ich habe viel von dem jungen Lehrer gehört , ein origineller Charakter , sagt man . Wo ist er ? Stellen Sie ihn mir vor . « » Er ist nicht hier . - Für unsere Gesellschaft - « » Würde er keine Augen haben , nur für seine schöne Schülerin . - Sie sehen mich an . Wie ? Soll er sein Blut in Eis verwandeln , oder spielt die Geschichte von Abälard und Heloise nur in der grauen Vorzeit ? Ach , eine reizende Geschichte , aber wenn Sie dieselbe nicht wiederholt sehen wollen , müssen Sie auch da Acht haben , mehr als nach Außen das Auge wach ! Ja , theure Frau , die Obliegenheiten einer Mutter sind groß . Sie haben eine halb Gefallene aufgerichtet , aber wer sich vor dem Fallen noch fürchten kann , ist stets dem Fallen nahe - O weh ! da fällt Ihr Diener - ein Glück , daß der andere ihm das Präsentirbrett hielt . Der arme Mensch ist krank - « » Aber Johann , wie konnte er auch ! « fuhr die Geheimräthin auf . Der Diener hatte sich wieder erhoben , und , es schien , erholt . Er versicherte es wenigstens und wollte sich nicht hinausschicken lassen ; es sei eben nur ein Schwindel gewesen . Die Geheimräthin versicherte der Fürstin , sie habe soviel Lohnbedienten angenommen , daß Johann gar nicht nöthig gehabt , selbst zu serviren ; er habe es nur aus Eigensinn gethan . » Oder Furcht , daß seine Herrschaft ihn für entbehrlich hält , « sagte die Fürstin . - » Wie liebreich Adelheid ihm zuspricht ! Sie hat ihn überredet , sie schickt ihn hinaus . Bravo ! Hören Sie ! Herren und Damen sind entzückt , sie muß etwas Seelenvolles gesagt haben . « Die Geheimräthin fand sich allein . Auch die Fürstin war zu Denen geeilt , die Adelheid mit ihrem Beifall überhäuften . Die Geheimräthin fand sich sehr allein . Nur Diener , auf den Tag gemiethet , in Livreen , frisirt oder noch in Perrücken , bewegten sich in den Zimmern , mit den Vorbereitungen für die Abendtische beschäftigt . Sie kannte mehrere von ihnen nicht . Der eine schien im Vorübergehen einen seltsamen Blick auf sie zu werfen , zwei dunkle Augen , aber er wandte sie rasch auf die Teller , die er trug . Ward sie beobachtet , hatte man auch in ihre Gesellschaft Lauscher geschickt , von Seiten der clairvoyanten Gesandten oder Gesandtinnen ? - Sie wollte in den Saal . Aber der Fürstin nacheilen , welche ihr eben so brüsk den Rücken gedreht ? Sie umfasste Adelheid . So hatte die Gargazin auch sie vorhin umfasst . Sie zog sie auf ein Kanapee , sie spielte mit ihrer Hand , sie sagte , sie flüsterte ihr tausend schöne Dinge ins Ohr . Adelheids Gesicht glühte . O sie war weit liebenswürdiger , lebhafter , zuvorkommender gegen die Tochter , als gegen die Mutter . Alle gruppirten sich , näher oder ferner , um diesen Mittelpunkt . Nach der Wirthin sah Niemänd , es kam Niemand in den Sinn , daß sie abgeschlossen war . Der Legationsrath stand in einer Fensternische , weit jenseits , die Arme unterschlungen , und beobachtete die Gruppen , sein Gesicht unbeweglich wie immer ; aber als der Strahl seines Auges sie traf , glaubte sie in dem Auge eine an sie gerichtete Bemerkung zu lesen . War es ein Vorwurf , Bedauern , Mitleid ? » Warum sich der Gesellschaft entziehen , ma belle soeur ? « rief der Geheimrath Schwager , der zufällig aus einem hinteren Zimmer kommend , der Wirthin entgegentrat , als sie die beste Partie ergriff , weil kein Mensch sich um sie , sich auch nicht um die Menschen zu kümmern , sondern um die Teller und Tische . » Weil ich überflüssig bin , « war die kurze Antwort , mit der sie an ihm vorüberstreifte . Wenn er an Ton und Art noch nicht gemerkt , daß sie auch ihn für überflüssig hielt , ward er auf der Schwelle zum Saal daran gemahnt , als die Fürstin , am Arm des Legationsrathes , über diese Schwelle rauschte . Wenn es nicht grade mit dem Ellenbogen geschah , fühlte er sich doch durch Blick und Bewegung mit seiner ganzen Persönlichkeit bei Seite geschoben . Die Fürstin verließ die Gesellschaft . Den Legationsrath hatte sie gewürdigt , sie als Kavalier an den Wagen zu begleiten ; aber nicht einmal eines Blickes würdigte sie den Mann , der vorhin ihre Liebenswürdigkeit ausposaunt . War er ein Anderer geworden ? Sie gewiß ! Einen Kopf größer schien sie ihm . Fort waren die Rollen der Liebenswürdigen , der nervös Irritirten , der Bescheidenen und der Schwärmerin geworfen , als Fürstin hielt sie ihren Ausgang . » Ach , unsere emsige Wirthin . Immer wie eine Biene für den Honig sorgend . « » Durchlaucht wollen uns doch nicht verlassen ? « » Leider , eine heftige Migräne ! O bitte , nehmen Sie nicht auf mich Rücksicht , Ich verschwinde wie ein Schattten , um Licht und Heiterkeit zurückzulassen . « Die Geheimräthin öffnete den Mund , um dagegen zu demonstriren , aber unwillkürlich kehrte ihr die Erinnerung an jene Gesellschaft vom vorigen Sommer zurück , - da war sie es ja , welche die Rolle der Fürstin gespielt . Sie verstummte . Migrainen sind oft angenehm für Die , welche sie vorschützen , nicht immer für Die , welchen Sie vorgeschützt werden . » A propos ! « rief die Fürstin . » Herr von Wandel , nur einen Augenblick , zwei Worte mit unserer Freundin . « Sie zog diese bei Seite : » Wissen Sie schon , Jean Paul - « » Kommt nicht ? Vielleicht hat er von einer Clairvoyanten gehört , daß er Fürstin Gargazin nicht mehr trifft . « » Nein , er kommt , aber in welcher Laune ! Es ist mir wirklich recht leid . Nur Ihretwillen . « » Ist ihm etwas passirt ? « » Er ward bei der Berg so lange aufgehalten . In der besten Absicht , denn wer konnte anders denken , bei der besonderen Vorliebe , mit der die Königin sich der Sache angenommen . Da um neun erst bringt der Fourier die Hiobspost . « » Eine Hiobspost ! « » Der König will die Präbende nicht geben . « » Und Ihre Majestät die Königin hatte doch - « » Nichts gespart , was Klugheit und Liebenswürdigkeit vermögen . Bis acht Uhr gaben sie im Palais die Hoffnung nicht auf . Man passte nur auf den günstigen Augenblick und er schien gekommen . Majestät brachen eben ein Stückchen von dem Kuchen , den Sie besonders lieben , und versicherten , so vortrefflich sei er noch nie gebacken . Das benutzte Ihre Majestät , und der König lächelte ihr auch mit der liebenswürdigsten Laune zu , aber ebenso liebenswürdig schüttelten Sie den Kopf und sagten : Herr Jean Paul mag ein sehr guter Romanschreiber sein , aber darum ist er noch kein guter Domherr . « » Hat Ihre Majestät nicht Lafontaine ' s Beispiel eingewandt ? Der hat doch auf ihre Vorstellung die Präbende erhalten . « » Ihre Majestät sind zu klug , um nach solcher Erklärung noch ein Mal anzufangen . Und es giebt Wichtigeres zu bitten . « » Der arme Jean Paul also gänzlich aufgegeben ? « » Für Berlin verloren . Ich wollte Sie nur avertiren . Noch weiß Niemand hier davon . Sie thun also gut , liebe Frau , die Sache auch zu ignoriren . Die Verehrung für den Dichter hängt mit der Aufmerksamkeit zusammen , die ihm der Hof erzeigt . Erfahren Sie , daß der ihn aufgiebt , ist der Lustre fort . « » Nein , es gilt nichts mehr , « sagte die Geheimräthin bitter . » Es thut mir nur um Sie leid , aufrichtig , meine liebe Geheimräthin . So viel Embarras ! Sie würden die Gesellschaft auch nicht gegeben haben , wenn Sie das voraus gewusst . Adieu et au revoir ! « » Jean Paul kommt ! « ging ein Gemurmel durch das Zimmer . Die Geheimräthin meinte , der Legationsrath hätte doch in zu ehrerbietiger Entfernung auf die Fürstin gewartet , als er sie hinausführte . » Fürstin Gargazin liebt Herrn Jean Paul nicht ? « bemerkte Herr von Wandel , als er auf einen raschen Armdruck sie seitwärts in ein Zimmer geführt , damit sie dem Dichter , der die Treppe herauskam , nicht begegne . » Ich liebe nicht den Kultus für sogenannte große Menschen , « antwortete die Fürstin beim Hinuntergehen . » Die Lupinus wird sich mit diesem Zauberfest wieder lächerlich machen . « » Ein Erbstück der Familie . « » Sagen Sie dieser Menschen , dieser Stadt , dieser Zeit . Weil Jeder aus seiner Sphäre treten möchte - « » Ohne den Charakter zu haben , die neue sich unterthänig zu machen . « » Wenn Jeder die Sphäre des Andern durchschauen könnte ! « erwiderte die Fürstin langsam , den Blick auf den Begleiter gerichtet . » Uebrigens thut mir die arme Frau leid . Prinz Louis wird nie zu ihr kommen . Sie lässt alle ihre Minen umsonst springen . « Die Fürstin drückte beim Einsteigen dem Legationsrath die Hand : » Ich werde nichts vergessen . « Achtundzwanzigstes Kapitel . Eine schlimme Nacht . Ein Geflüster war durch die Gesellschaft gegangen . Man steckte die Köpfe zusammen , und das Geheimniß , welches die Fürstin der Wirthin anvertraut , war längst ein Gemeingut , als die Gesellschaft zu Tisch ging . Vorher aber sah man ein Schauspiel , es war ein Impromptu . Adelheid hatte von der Tafel einen Blumenkranz ergriffen , und ihn plötzlich auf die Stirn des Dichters gedrückt : » Nun sind Sie ein freier Mann ! « Es war alles anders geworden , als die Geheimräthin gewollt . Die Bekränzung sollte stattfinden , aber in anderer Art , später , an der Tafel selbst . Sie hatte Figuranten geworben , die bei jedem Gespräch mit Phrasen aus des Dichters Schriften ihm antworten sollten ; das musste jetzt rückgängig gemacht werden ; es passte nicht mehr . Die Empfindsameren umringten ihn , statt mit Siegeshymnen , mit Kondolenzversicherungen . Es sah nicht wie bei einem Freudenfeste aus . Während die Mehrzahl nicht laut genug ihr Bedauern an den Tag legen zu können glaubte , schlichen Andere fort . Die Geheimräthin begegnete dem General , der seinen Hut zum Gehen ergriffen . » Auch Sie uns verlassen ? « » Man weiß nicht , was im Palais vorgegangen ist , « sagte der Offizier mit seiner soldatischen Offenheit , » nicht in wie weit Seine Majestät sich über die Person des Herrn aus Baireuth ausgesprochen haben . « » Aber ein Charakter wie mein Herr General - « » Hat auch Rücksichten zu nehmen . Der König , meine liebe Frau Geheimräthin , erfährt jeden Morgen genau , wer bei Rüchel war und wer bei Blücher war . Und Sie wissen gar nicht , wie diese Rapportements gemacht werden . Hat er sich nun wirklich ungnädig über den Poeten ausgedrückt , so wird auch von Ihrem Festin ihm berichtet und Sie wissen nicht wie . Ihnen kann das nun nichts schaden , wenn Einer sagt : Es ist doch auffällig , daß die Lupinus dem Fremden ein Fest giebt , als wenn er ein Potentat wäre , und gerade in dem Augenblick , wo Eure Majestät sich so nachdrücklich über die Stellung ausgesprochen haben , die er nur beanspruchen kann