ihn liebte , so hättest Du auch denken sollen , daß ein Herz , das einem Jaromir gehört , niemals auch nur an den Vorschlag einer Verbindung mit einem Aarens glauben kann ! « » Mädchen ! « rief die Gräfin in äußerster Bestürzung . » Bist Du bei Sinnen ? Was denkst Du ? Von wem sprichst Du ? « » Mutter , magst Du mir Wahres gesagt haben oder Erdichtetes , « sagte Elisabeth ernst , nun doch wieder in ihrer Voraussetzung irre gemacht , » ich habe Dir auf Beides nur eine Antwort zu geben : vergieb mir , daß ich Dir nicht schon früher die unendliche Seligkeit meines Herzens gestand : Jaromir von Szariny liebt mich - und keine Gewalt der Erde kann mich zwingen , einem andern Mann anzugehören . « » Szariny ! - O , ich hätt ' es denken sollen - daß ein poetischer Schwärmer und Schwindler auch mein Kind bethören sollte ! « » Mutter ! « » Und der Graf warb um Deine Hand ! « » Er gestand mir seine Liebe . « - » Und Du ? - » Was ich ihm erwiderte , weiß ich nicht , nur daß ich ihm bewieß , ich fühle wie er - meine Seligkeit überwältigte mich . « » Und er warb um Deine Hand ? « Elisabeth schwieg . » Er warb bei Dir um Deine Hand ? » Mutter , wir lebten selige Stunden im Genuß der Gegenwart . « » Ich weiß nicht , ob ich staunen , zürnen oder weinen soll - Du hast eine Liebesverbindung im Geheimen mit einem Abenteuerer eingegangen - ohne daß er von Dir oder Deinen Eltern Deine Hand begehrt und zugesagt erhalten hätte ? « » Ich kenne ihn besser als Alle . « » Hat er Dir erzählt , wie viel Frauen er schon vor Dir betrogen ? « » Mutter ! « » Bist Du kindisch genug zu glauben , Du wärest die erste Liebe eines solchen Menschen ? « » Darnach habe ich nicht zu fragen . « » Und wenn er frühere Verhältnisse leichtsinnig knüpfte und löste ? « » So hatten ihm die Herzen , die er fand , nicht genügt - und er durfte sie brechen - für ein armes Mädchenherz ist es schon Glück , um einen Jaromir zu verbluten . « » Welche widerliche Schwärmerei - und dies beneidenswerthe Loos will mein verblendetes Kind sich schaffen ! « Elisabeth brach in Thränen aus und sank erschöpft in das Sopha , weinend sagte sie : » es ist umsonst - wir verstehen einander nicht . Du weißt nicht , wie man liebt - Du hast es niemals gewußt , oder doch vergessen - ich liebe Jaromir - und ich bin stolz genug , es Dir zu wiederholen , daß ich seine Liebe besitze - weiter habe ich Nichts zu sagen - durch dies Geständniß ist schon Alles bestimmt , wie ich handeln werde . « » Ich werde Deinen Vater von Deinem Geständniß benachrichtigen . « » Thue es - vielleicht ist er mir ein milder Richter und ein gütiger Vater wie immer . « Die Gräfin öffnete die Thüre , um hinaus zu gehen . Plötzlich blieb sie zwischen der Thüre stehen und starrte streng vor sich aus . » In der That , Herr Graf , « sagte sie im Tone strafenden Erstaunens . Jaromir von Szariny verneigte sich ehrerbietig und ohne Bestürzung . » Sie verzeihen , « sagte die Gräfin sehr kalt und stolz , » daß ich frage , was Sie in diesen Theil des Schlosses führt ? « » Ich wollte um die Gunst einer Unterredung mit Ihnen bitten - man sagte mir , daß Sie Sich in das Zimmer der Gräfin Elisabeth begaben - aber , « fügte er sich unterbrechend schnell hinzu , » kann ich die Ehre haben , Sie auf Ihr Zimmer zu begleiten , wo ich mich entschuldigen will ? « Elisabeth , als sie diese Stimme hörte , eilte zur Thüre und sagte : » Treten Sie ein , Graf . « Sie wollte hinzufügen , daß sie kein Geheimniß vor ihrer Mutter habe , aber mit stolzer Scheu hielt sie plötzlich das Wort zurück : » die Zimmer sind ja gleich und das nächste wohl das beste , « setzte sie erzwungen leicht hinzu . Die Gräfin nahm stumm auf dem Sopha Platz und sah ihn nun mit durchbohrenden Blicken an , als wollte sie sagen : erklären sie mir endlich , mein Herr ! » So hab ' ich es gewollt , « sagte Jaromir , » ich hoffte , Elisabeth bei Ihnen zu finden , gnädige Gräfin , als ich vorhin kam , um endlich mein volles Herz auch vor Ihnen zu entlasten - es war nicht so - ich durfte hoffen , Sie hier zu finden , ich eile hierher , und im Augenblick , wo ich die Thüre öffnen will , um zu der großen Kühnheit meiner Bitte auch diese kleinere zu fügen - treten Sie mir entgegen - aber Ihre Tochter ist neben Ihnen ! Das giebt mir meinen Muth wieder - nicht ich allein wollte vor Sie hintreten und um Ihr schönstes Kleinod Sie bitten - nur neben Elisabeth finde ich den Muth , Ihnen zu sagen : Segnen Sie mit Ihrem mütterlichen Seegen unsre Liebe . « Er hatte die Hand der bestürzten Gräfin gefaßt und küßte sie . Elisabeth sank zu ihren Füßen und richtete die überströmenden Augen mit flehenden Blicken zu ihr empor . Die Gräfin erhob sich kalt - Elisabeth sprang rasch von ihren Knieen empor , schmiegte sich , als wollte sie gleichsam im Liebestrotz ihres stolzen Herzens dem Geliebten eine Genugthuung geben , innig an ihn und verbarg von der Mutter abgewendet ihre weinenden Augen an seiner Brust . Die Gräfin sagte mit frostiger Höflichkeit : » Herr Graf , Sie verzeihen , Ihr Antrag selbst wie seine Art und Weise haben mich überrascht , so muß ich , bevor ich Ihnen eine Antwort darauf gebe , mit meinem Gemahl Rücksprache nehmen , der anders über die Hand meiner Tochter verfügt hatte . « Jaromirs Stolz war verletzt - er sagte mit erzwungener Ruhe : » So erlauben Sie mir , Sie zu dem Herrn Grafen zu begleiten . « » Begleiten Sie mich in das Empfangzimmer - ich werde ihn auf Ihr Erscheinen vorbereiten , « sagte die Gräfin . Elisabeths Herz schlug stürmisch , jetzt brach sie beinah heftig in die Worte aus : » Nein , Mutter - wo die Herzen so laut schlagen , müssen sie auch einmal ein Recht haben und an kein Ceremoniel sich binden . Komm , Jaromir - Hand in Hand wollen wir zu unserm Vater gehen und ihn bitten : segne Deine Kinder . Wir wollen ihm erzählen von unsern seligen Herzen , wie sie in einander jubelnd zusammenschlagen - und wie sie brechen müssen , das eine getrennt von dem andern . Ich will ihn daran erinnern , wie oft er gesagt hat , er kenne kein andres Glück , als das meine zu schaffen und wie jetzt dazu die Stunde gekommen sei . Er hat mir noch keinen Wunsch verweigert , warum denn gerade diesen einen ? Und wie muß ihn die Wahl seiner Tochter ehren , wie stolz muß sie ihn machen ! - Komm , mein Jaromir , mein Vater wird uns segnen - und dann meine Mutter auch - Du wirst es ihr vergeben , wenn sie nicht anders über uns entscheiden will als zugleich mit dem Vater ! « Sie hing ihren Arm in den seinen , um mit ihm der Mutter zu folgen , die in tiefem Unmuth schweigend vor ihnen herging . » Elisabeth , « rief Jaromir begeistert - » erst jetzt , wo ich um Deinen Besitz werben will , zeigst Du mir , welche Kühnheit es ist , Dich für ewig sein nennen zu wollen . « Sie standen an der Thüre zu des Grafen Zimmer - Elisabeth öffnete . IV. Zwei Werber » O sich , es schließt mein ganzes Leben Vor Dir sich auf , mein bestes Sein : Um Dich zu werben und zu streben , Dir meine ganze Kraft zu weih ' n. « Franz Dingelstedt . An jenem Morgen , an welchem Jaromir um Elisabeths Hand warb , war er vorher dem Geheimrath von Bordenbrücken begegnet , welcher so eben den zehnten Becher kalten Brunnenwassers glücklich hinabgewürgt hatte . Getreu seinem Plan , sich so viel als möglich an den Grafen zu drängen , hatte auch jetzt der Geheimrath ein Gespräch mit ihm angeknüpft und seinem Spaziergange sich angeschlossen . So kam es , daß sie zusammen an dem Haus vorübergingen , welches der Oberst Treffurth mit seinen Angehörigen bewohnte . In der Stube des Parterres stand ein Fenster auf und eine Dame lehnte in demselben . Der Geheimrath sagte fragend zu ihm : » Bieten wir der Frau Oberst einen Morgengruß ? « Jaromir warf einen Blick in das Fenster - er sah auf Amalien - er hätte sie wohl kaum erkannt , wenn er nicht gewußt hätte , daß sie hier sei und dies Haus bewohne - in diesem Augenblick begegneten Amaliens Blicke den seinigen und im Moment darauf stieß sie einen Schrei aus und warf das Fenster zu . Jaromir blieb stumm . Der Geheimrath aber hatte Alles beobachtet . Er hatte recht wohl gesehen , daß nicht die Oberst , sondern Amalie am Fenster war . Daß ein Verhältniß zwischen Beiden bestanden hatte , wußte er vom Doctor Schuhmacher - Dank dessen Haussuchung bei Thalheim ! - er wußte nur nicht , ob es noch jetzt bestand , oder ob Jaromir es gelöst hatte ; er glaubte das Letztere , zugleich auch , daß Amalie ihn nicht aufgeben wolle und absichtlich ihm hierher nachgereist sei . Dies schien ihm das Wahrscheinlichste und so hatte er es auch bereits Aarens erzählt . Da er nun gern Jaromir sich verpflichten wollte und ihm auch zugleich zeigen , daß er selbst ihm vielleicht auch gefährlich werden könne , so sagte er jetzt vertraulich leise zu ihm : » Die Erscheinung dieser Person hier in unsrem kleinen Kreis , wo wir Alle wie eine Familie leben könnten , ist mir in Ihre Seele zuwider . « Jaromir sah mit unverstellter Verwunderung den Sprecher an und sagte unbefangen : » Man sieht sie ja nicht einmal in Gesellschaft . « » Aber dennoch - hüten Sie Sich - ich habe in diesem Punkte traurige Erfahrungen gemacht , und wie mir scheint , werden dieselben auch für Sie nicht ausbleiben . « Jaromir ward jetzt wirklich etwas verlegen , da er sich die Worte des Geheimraths gar nicht zu deuten wußte , obwohl sie ihn als wahr trafen . - So hatte vielleicht Amalie selbst sich ihres früheren Verhältnisses gerühmt ? Der Geheimrath , als er dies bemerkte , hatte sich für jetzt selbst genug gethan und hatte vollkommen Grund , es zu vermeiden , daß Jaromir von ihm Rechenschaft fordere , wie er in den Besitz seines Geheimnisses gekommen - deshalb eilte er sogleich auf den daherkommenden Aarens zu und sprach mit ihm leise einige Worte , während welcher der jenen begleitende Wasserdoctor , der lange dürre Hofrath Wispermann , seine Worte an Jaromir richtete . Aarens und der Hofrath waren nicht sobald vorüber , als der Geheimrath sich mit leuchtenden Augen zu Jaromir wendete - denn jetzt hatte er die Gelegenheit in Händen , diesen zugleich zu verwunden und doch auch ihm einen Dienst zu leisten , der Anspruch auf die größte Dankbarkeit hatte . » Ich mißbrauche das Vertrauen , « sagte der Geheimrath , » welches Aarens in mich setzt - aber der Wunsch , Ihnen , theurer Freund , einen Dienst leisten zu können , läßt mich alle andern Rücksichten vergessen . « » Ich bitte , « antwortete Jaromir kalt und stolz , » beschweren Sie meinetwegen Ihr Gewissen nicht . « » Sie werden bald anders denken - Aarens flüsterte mir zu , daß er gestern vom Grafen Hohenthal und seiner Gemahlin das Jawort zu einer Verbindung mit ihrer Tochter erhalten habe . « » Wie ? - Das ist nicht möglich ! « » Er versichert es auf seine Ehre . « » Das ist seine gewöhnliche Redensart . « » Aber bedenken Sie , Graf . « » Es ist unmöglich ! Das ist Alles , was ich bedenken kann ! « » Dennoch - bedenken Sie - wie kann er heute erzählen , was ihn , wenn er es widerrufen müßte , in den Augen aller Welt lächerlich machte ? - Dazu ist er viel zu stolz und eitel . « » Seine Eitelkeit verführt ihn selbst , sich das als gewiß zu denken , was er wünschen mag . « » Sprechen Sie vielleicht aus Erfahrung ? « » Herr Geheimrath ! « » Ereifern Sie Sich nicht - glauben Sie mir , Ihrem alten Freund , ich meine es aufrichtig mit Ihnen und sehe als unparteiisch und unbetheiligt ganz klar in dieser Angelegenheit : Sie sind vielleicht des Herzens der jungen Gräfin gewiß - Aarens ist , wie er mir sagt , des Willens der Eltern gewiß - und daraus entsteht ein sehr natürlicher Conflict und jetzt haben Sie Beide gleiche Macht auf dem Kampfplatze . - Es ist gewissermaßen die neue und die alte Zeit , welche hier zusammen kämpfen - sehen wir zu , welche in den Gesetzen des Schlosses Hohenthal vertreten wird : - Sonst warb man zuerst bei den Eltern , die Einwilligung der Tochter war Nebensache - jetzt will man es umgekehrt machen - mir scheint aber , als widersetzte man sich auf Schloß Hohenthal sehr standhaft dem neuerungssüchtigen Zeitgeist . « Jaromir war wirklich zu bestürzt , als daß er den Geheimrath hätte unterbrechen sollen - auch fühlte er nur zu gut , daß dieser eigentlich vollkommen Recht habe . - Wie er dazu kam , von diesem Manne so in allen seinen Geheimnissen , in den ältesten wie in den neuesten ausgekundschaftet zu sein , dieser Umstand vermehrte zwar im Allgemeinen seine Bestürzung , aber es fiel ihm doch jetzt weit weniger auf , als es zu anderer Stunde der Fall gewesen sein würde , und darüber nachzudenken , hatte er gleich gar keine Zeit - er drückte dem Geheimrath wirklich herzlich die Hand und rief : » Ich muß sie jetzt veranlassen - Tausend Dank für Ihre Theilnahme , für Ihre Nachricht und ein ander Mal bessere als jetzt . « Er stürmte fort in seine Wohnung . Der Geheimrath sah ihm lachend nach und war jetzt außerordentlich mit sich selbst zufrieden . Jaromir warf sich schnell in einen eleganten Anzug und eilte nach Schloß Hohenthal . Er lief eine Seitentreppe hinauf , von welcher er wußte , daß sie gleich aus dem Garten nach Elisabeths Zimmer führte . Er hatte es noch nie betreten , nur ein Mal Elisabeth bis hinauf begleitet . Die Vormittage brachte sie dort meist allein zu , das wußte er . Seine plötzlich erregte Angst , die Dringlichkeit des Momentes , sagte er sich , berechtigte ihn zu Allem - Elisabeth werde ihm verzeihen - und im Uebrigen vertraute er seinem guten Stern . Er lauschte an der Thüre - wie erschrak er , als er Elisabeths weinende Stimme hörte - darauf die aufgeregte der Gräfin - er hörte die ganze letzte Hälfte ihrer Unterredung - wie gering die Gräfin von ihm dachte , mit welch ' zuversichtlicher Liebe , welch ' zärtlicher Begeisterung Elisabeth von ihm sprach - und so faßte er seinen Entschluß . Als die Gräfin öffnete , hatte er bereits die kleine Lüge ersonnen , als sei er mit dem Vorsatz gekommen , bei ihr um Elisabeths Hand zu werben - aber er segnete den Zufall , der Alles so für ihn gefügt hatte . Nun waren sie zusammen zu dem Grafen geeilt . Er war nicht wenig verwundert , als er so unangemeldet und zu so ziemlich früher Stunde Jaromir eintreten sah und noch dazu an Elisabeths Hand . » Mein Gemahl - Du wirst , « begann die Gräfin . Elisabeth fiel ihr in ' s Wort und sagte gleichzeitig : » Du wirst verwundert sein , mein theurer Vater , über unser Kommen - sollen wir es entschuldigen , aufklären mit vielen Worten ? Unsre Herzen sind dazu zu voll , wir haben nur ein Wort zu sagen : Laß Jaromir durch mich Deinen Sohn werden ! « Und sie hing sich an den Vater mit süßer schmeichelnder Umarmung und einer Thräne in den sanften Augen . Zugleich faßte Jaromir nach der Hand des Grafen und sagte : » Vergeben Sie dem liebebangenden Herzen , wenn ich nicht nach hergebrachten Formen , sondern mit dem Ungestüm allmächtiger Gefühle um die Hand Ihrer Tochter werbe . « Die Gräfin stand äußerlich ruhig und kalt fern von der Gruppe und sah auf ihren Gemahl - er warf einen fragenden Blick auf sie , denn er stand bestürzt und unschlüssig und wußte so zu sagen gar nicht , woran er eigentlich war . Elisabeth bemerkte diesen Blick und sagte : » Die Mutter hat uns auf Deine Entscheidung verwiesen - sie sagte , Du habest etwas anders über meine Hand verfügt . - Du hattest Dich in mir getäuscht , als Du das thatest , denn Du wußtest nicht , daß ich Jaromir liebte ; denn das weißt Du , daß ein Herz , welches liebt wie ich , nicht mit einem Andern und also ohne Herz zum Traualtare treten kann - diese Schmach , dieses Elend , dieses Verbrechen könntest Du nie auf mich bürden wollen und nie würdest Du mich willig finden , ein solches Verbrechen zu begehen ! - Nein , so hast Du niemals von mir gedacht , Du willst mein Glück und weiter Nichts - segne uns jetzt - und so machst Du mich selig - so selig wie es weiter kein Herz ist auf der Welt . « » Als das meine ! « rief Jaromir und sank mit ihr zu den Füßen des Grafen . Er stand noch immer regungslos - auch die Gräfin stand regungslos - nur daß sie jetzt nicht mehr auf den Grafen , sondern zu Boden sah - das Herz der Mutier begann in ihr eine Sprache zu reden für die flehende Tochter , welche jetzt leise zu schluchzen begann . « Aber als der Graf noch immer schwieg , erwachte Jaromir ' s stolzer Sinn , und er sprang auf - er zog Elisabeth mit sich empor und rief : » Hör ' auf zu bitten , Elisabeth - sie verstehen uns nicht - sie haben nie geliebt - sie verstehen unsre Sprache nicht - sie wissen nicht , was sie thun ! - Zum letzten Mal denn , « rief er mit verzweifelnder Stimme , indem er sie küßte . » Jaromir ! « rief sie und umschlang ihn fest . Er machte sich los und führte sie zu ihrer Mutter - er machte dieser eine kalte Verbeugung und wollte gehen . Aber das Mutterherz ertrug nicht den brechenden Blick der zusammensinkenden Tochter . Sie ging auf Jaromir zu : » Ihr Stolz , « sagte sie , » bezeichnet Sie als einen Verwandten und Theilnehmer an unsrem größten Familienfehler , und wenn Stolz dem Stolz begegnet , so müssen sie sich an einander brechen oder es giebt ein Unheil . - Bedenken Sie , mein Sohn , daß , wenn Sie Sich darüber empören wollen , daß Eltern über ihr heiligstes Eigenthum nach ihrem besten Ermessen verfügen wollen - es sie wohl kränken kann , wenn sie ohne ihr Wissen sich ihres Rechtes über ihr schönstes Kleinod schon verlustig sehen . « Zugleich war der Graf zu Elisabeth getreten und führte sie jetzt in Jaromir ' s Arme . » Du brichst das Wort , das ich gestern gab , « sagte er , » ich will es zurücknehmen - ich betrachte Euch als Verlobte , als meine Kinder - und die Welt betrachte Euch so - aber unter Jahresfrist dürfen Sie mir mein Kind nicht entführen - und den Elternsorgen dürfen Sie es nicht verargen , wenn wir den , dem wir unser einziges Kleinod anvertrauen , eh ' dies unwiderruflich geschieht , noch näher kennen lernen mögten . « Kaum hörten die Beseligten den ziemlich ernst gesprochenen Nachsatz vor Glück und Ueberraschung . » Jetzt aber laßt mich allein , « sagte der Graf Hohenthal , » vielleicht habe ich noch Zeit , mein gegebenes Wort schriftlich zurückzunehmen . - Sie , Szariny , bleiben doch den Tag über bei uns , und wir besprechen und erörtern dann alles Nähere , was unser neues Verhältniß betrifft . « Die Gräfin blieb noch bei ihrem Gatten . Jaromir und Clisabeth entfernten sich . » Wir gehen doch in den Park ? « fragte sie - und so lenkten sie ihre Schritte die breite Treppe vor dem Schloß hinab . Sie gingen Arm in Arm und konnten jetzt auch nicht sprechen , sondern waren nur Eines verloren im Anschaun des Andern . So hatten sie nicht gleich bemerkt , wie so eben Aarens mit festen , siegesbewußten Schritten aus dem großen Hofthor trat und der Treppe zuschritt . Elisabeth an Jaromir ' s Arm ! Das brachte ihn außer Fassung - aber er baute zu fest auf seinen Sieg - es konnte nur eine Höflichkeit sein , wie sie Elisabeth ja auch von ihm selbst schon zuweilen angenommen hatte . Jetzt stand Aarens grüßend vor dem Paare . Elisabeth überlegte schnell , daß sie , wenn sie jetzt unbefangen Jaromir als ihren Bräutigam vorstelle , ihrem Vater eine schwere Pflicht und Aarens eine Kränkung ersparen könne , indem er dann glauben werde , Jaromir habe um sie angehalten , eh ' sie selbst von Aarens Werbung erfahren - im Augenblick bedachte sie nicht , daß jener um so beleidigter sich fühlen könne , wenn man nicht einmal seine Werbung gegen die Jaromir ' s in die Waagschaale geworfen , und so stellte sie , bedacht und unbedacht zugleich , Jaromir als ihren Bräutigam vor und fügte bei : » Und so bitt ich denn den werthen Freund unsres Hauses , uns auch in Zukunft ein solcher zu bleiben ! « Sie sagte dies mit der freundlichsten , herzlichsten Stimme , denn so glücklich , wie sie jetzt war , hätte sie gern auch nur lauter glückliche Menschen um sich gesehen , und empfand daher Mitleid für den Getäuschten . Er stand wie vom Donner gerührt . Nach einer Weile sagte er sehr gezwungen : » Ich werde nachher die Ehre haben , Ihnen Glück zu wünschen - jetzt erwartet mich Ihr gnädiger Herr Vater . « Damit eilte er die Treppe hinauf . Die beiden Glücklichen aber gingen in die Rotunde , welche so oft schon zum Tempel ihrer Liebe geworden war - um auch jetzt dort vor einander die selig klopfenden Herzen zu entlasten . Zu derselben Stunde , in der Jaromir nach Schloß Hohenthal ging , hatte sich Gustav Thalheim nach der Fabrik des Herrn Felchner begeben , um dort seinen Besuch zu machen . Zwar hatte der Rittmeister von Waldow versucht , ihn zurückzuhalten , hatte Herrn Felchner als einen gemeinen , groben und unerträglichen Menschen geschildert , mit dem ein wohlerzogener Mensch gar nicht verkehren könne - denn der Rittmeister konnte es niemals vergessen , daß sein schöner Wald mit all ' seinen stolz und aristokratisch hochgewachsenen Bäumen ein Eigenthum des Fabrikanten geworden war , der mit diesen Bäumen nun seine Fabrik heizte . - Zwar hatte der Rittmeister Paulinen , die ihm einst für seinen Sohn eine so wünschenswerthe als nun unerreichbare Partie gewesen - als eine überspannte Närrin geschildert , welche mit den untergeordnetsten Arbeitern auf eine seltsame Weise verkehre - aber Thalheim ließ sich nicht in seinem Entschluß irre machen und seufzte nur innerlich , daß auch hier in dieser Abgeschiedenheit gerade das Edelste und Weiblichste einer zarten weiblichen Natur so falsch beurtheilt werden konnte . Als Thalheim in die Fabrik kam und nach Herrn Felchner fragte , sagte man ihm , daß er in die Stadt gefahren sei und vor Abend nicht zurückkäme . Er fragte nach dem Fräulein . » Ich will sie suchen , « antwortete die Magd , » warten Sie - unten wird gescheuert , weil der Herr nicht da ist - kommen Sie mit herauf . « Thalheim folgte der vorauseilenden Magd und sie schob ihn in eines jener Prachtgemächer des oberen Stokkes , welche gar nicht benutzt wurden und in denen daher eine schwüle , dumpfe Luft herrschte . Die Ueberladung , der Luxus dieses Gemaches , dessen Einrichtung in einer geschmacklosen Ueberhäufung prachtvoller Meubles und kostbarer Kleinigkeiten bestand , machte einen höchst widrigen Eindruck auf Thalheim und versetzte ihn in eine peinliche Stimmung . Pauline ließ lange auf sich warten . Endlich trat sie ein - die Magd hatte ihr nur gesagt , ein Herr warte auf sie - wie groß war ihr Erstaunen , als sie jetzt den Lehrer wieder erkannte ! Sie bot ihm herzlich die Hand und hieß ihn mit froher Ueberraschung willkommen . Thalheim erzählte , wie es gekommen , daß er jetzt für einige Tage hier sei . » Sie treffen außer mir noch zwei Menschen hier , die sich innig dieses Wiedersehens freuen werden , « sagte sie leise erröthend , » Ihren Bruder und Elisabeth , « und hastig fügte sie bei : » waren Sie schon auf Schloß Hohenthal ? « » Ich beabsichtige , von hier dorthin zu gehen . « » Das trifft sich gut - so darf ich hoffen , daß wir zusammen dahin fahren - ich beabsichtigte dies schon , da ich Elisabeth lange nicht gesehen . « » Sie leben hier in gut nachbarlichem Verhältniß ? « » Nicht mehr so ganz - es gab Differenzen zwischen unsern Eltern - Sie hatten nur zu Recht : unsrer Freundschaft standen Kämpfe bevor - aber wir hielten sie aus - Elisabeth kam dann wohl noch zu mir - aber ich mußte des Vaters Geheiß befolgen - heute aber ist er in die Stadt gefahren in Geschäften , weil ihm eine neue Handelsspeculation gelungen ist - er war sehr vergnügt und sagte - ich möge ihm eine Bitte nennen , er werde sie gewähren , und so - « » So baten Sie darum , die freundlichen Beziehungen zum Schloß wieder anknüpfen zu dürfen ? « Sie schwieg und sah vor sich nieder , wie um zu prüfen , ob sie Etwas sagen oder verschweigen solle - dann begann sie und eine Thräne glänzte in ihrem Auge : » Sie kennen ja doch einmal die Einrichtungen in unsrer Fabrik , warum Ihnen nicht die Wahrheit sagen ? - Die Freundschaft gilt mir viel - aber ihrer bin ich ja doch sicher und selbst wenn es nicht wäre , warum nicht ein Gefühl meines Herzens der Zufriedenheit vieler Unglücklicher zum Opfer bringen ? Ich bat meinen Vater : den Arbeitern , denen er gestern gebot , ihren Verein aufzuheben - denselben doch wieder zu gestatten . « Thalheim ergriff ihre Hand und drückte sie mit warmer Herzlichkeit , indem er wehmüthig fragte : » Es war umsonst ? « » Umsonst - er ward zornig - er sagte , das sei keine Bitte für mich - und so that ich erschreckt die zweite , die er gewährte . « » Und da wir denn einmal auf diese beängstigenden Zustände gekommen sind - waren es nicht fremde Einflüsterungen , welche Ihren Vater dahin brachten , etwas zu verbieten , das er Jahre lang wenigstens als unschädlich geduldet hatte ? « » Ja , ein Fremder sagte ihm , daß communistische Principien sich hier eingeschlichen , daß er das Schrecklichste erleben würde - er war lange ungläubig , und je schwerer er sich erst zum Mißtrauen bringen ließ , um so hartnäckiger beharrt er nun in demselben . « » Aber wenn ein Fremder ihn nach der einen Seite hin mißtrauisch machen konnte - vermöchte nun nicht ein andrer Fremder dasselbe nach der andern Seite ? Sollte es ihm nicht einleuchten , daß es gefährlich ist , den Unglücklichen durch Härte zur Verzweiflung zu treiben ? Sollte man nicht von dieser Seite ihn warnen können ? - Ich gestehe , um deswillen thut es mir leid , Sie allein getroffen zu haben . « » O , wagen Sie das nicht - Sie am Wenigsten - er mißtrauet Ihrem Bruder - er könnte das Schrecklichste vermuthen . Es ist Alles vergebens ! Er hört auch kein Wort von mir mehr an über diesen Punkt - und mein Bruder ist noch mißtrauischer und strenger als der Vater . - Ach , ich sehe das Fürchterlichste kommen - aber der Blick der ungehörten Kassandra ändert Nichts an dem kommenden Unheil - es wird kommen , schrecklich kommen über uns Alle und seine Opfer fordern - und dann wird Alles sein wie vorher ! « Pauline sagte dies mit so tiefem Grausen , daß kalte Schauer über ihren Körper rieselten und sie sichtbar zu zittern anfing . » Sie haben ein trauriges Loos , Pauline , nur weil Sie ein Herz für die Menschheit haben . « Sie rasste sich zusammen und stand auf : » Wir wollen einander nicht erweichen , « sagte sie , » ich glaube , ich werde noch viel Kraft brauchen ! - Drunten läutet eben die Mittagsglocke . - Wollen Sie vielleicht mit Franz sprechen ? Unterdeß mach ' ich mich zur Fahrt zurecht und bestelle den Wagen . « Er stand auf , stimmte bei und ging . Unten traf er bald auf Franz , der mit gesenktem Haupt daher kam . Er schüttelte ihm die Hand