die Fichten glitten , sah er ganz eigene Bilder . Seine Muhme Agnes hob den Finger auf . Er hatte ihr ja versprochen , nicht des Fürsten Mann zu werden , nun war er ' s doch geworden , er wußte nicht wie . Aber dann sah er auch wieder die Eva , wie sie , als er am Morgen mit dem Fürsten ausritt , so schelmisch ihm ein Mäulchen zog . Sie war ganz neckisch geworden , und wollte ihm keinen Kuß geben zum Abschied . Sie sagte ihm , er hätte ja nun einen andern Schatz . Aber bös hatte sie ' s nicht gemeint . Und was mochte sie nur mit dem Kurfürsten gesprochen haben , der sich so lange und insgeheim beim Morgenimbiß mit ihr unterhalten , und als er eintrat , da sahen ihn beide so sonderbar an . Der Kurfürst sprach wieder gar nichts . Da mußte er doch wohl anfangen , er hielt es für gute Sitte . » Herr Kurfürst , da ich nun Euer Mann bin , so muß ich Euch treu und gewärtig sein , das versteht sich : aber wenn ich nun anders denke , als Ihr wollt , dafür kann ich doch nicht . « » Denken magst Du , was Du Lust hast . « » Aber muß ich Alles raussprechen oder soll ich ' s verschlucken ? « » Wenn ' s Dir zu schwer wird , sprich , aber nur , wenn wir allein sind , wie jetzt im Walde . « » Wie ich mit dem Herrn von Lindenberg ausreiten wollte , das war nicht recht von mir , das hab ' ich auch längst eingesehen . Darum könntet Ihr mich mit Recht strafen . Aber daß ich bös auf Euch war , da weiß ich doch nicht , ob ich da nicht Recht hatte . Und wie ich alles das in Spandow erfuhr , ach Gott , da kochte es mir in der Brust . ' S ist ein Glück , daß Ihr mir nicht schon da im Walde begegnet seid , das hätte ein Unglück gegeben für Euch oder für mich . Nachher , da ritt ich mir denn die erste Wuth aus . « » Es blieb doch noch genug , als wir uns da begegneten , und Du kanntest mich nicht einmal . « » Das war , weil der rothe Adler auf Eurer Brust stak . « » Hans Jürgen , « sprach Joachim , » eins nimm in Acht . Es ist nicht Befehl , es ist ein guter Rath . Wenn Du Einem begegnest , den Du nicht kennst , so verschlucke Deine Gedanken , bis Du ihn kennst . « » Aber was ich weiß , muß ich das Alles sagen ? « hub der Junker nach einer Weile wieder an . » So Du es für nöthig hältst , und daß Du der Treue gegen Deinen Herrn nachkommst . « » Es denken Viele wie ich , Herr . « » Ich weiß es . « » Und noch schlimmer . Wenn sie Euren Namen nennen « - Hans Jürgen stockte , man sah ihm an , daß er mit sich selbst kämpfte . - » In Spandow , was ich da hörte . - Der Tod des Lindenberg hat Euch viele Feinde gemacht , Herr , die schwuren : es solle Euch nicht ungerächt hingehen . « » Beim Weine . « » Muß ich ihre Namen nennen ? « » Nein , « antwortete Joachim nach einigem Besinnen . » Die Gedanken sind eines Jeden Eigenthum . Auch wo sie zu Worten werden , mag der Gefahr sehn , der sich selbst nicht traut . Ich traue mir . Laß sie frei reden , es ist ihre Art. Ich kenne sie , ich lese ihre Gedanken , wie ich Deine las . Sie wähnen sich im Recht , ich bin es auch . « Er schlug sich auf die Brust . » Wohlan , laß sehen , welches Recht stärker ist . Einer muß herrschen , und Gott und das Geschick gab mir den Zügel in die Hand . Ich will ihn straff ziehen , wenn es Noth thut , aber linde lassen , wenn - wenn sie nur Worte haben gegen mich . « » Herr ! « hub Hans Jürgen wieder nach einigem Schweigen an . » Ich an Eurer Stelle ritte nicht mit so geringem Gefolge in dieser Zeit durch ' s Land . « » Weißt Du von Etwas , das mehr ist , als Worte , dann wäre es Verrath , wenn Du schweigst . « Joachim sah ihn scharf an , während der Junker antwortete . Aber seine Muskeln spielten ein verächtliches , mitleidiges Lächeln , als Hans Jürgen von einzelnen verzweifelten Wünschen und ausgestoßenen Drohungen Bericht erstattete . » Armselige Athemzüge der Ohnmacht ! Höre auf . Das können sie , das ist ihre Kraft , das ihre Lust . Ich will sie ihrer Armuth gönnen ! Dies Spinngewebe , dies Wespennest von rohen , hohlen Wünschen vernichte ich mit einem Blick . Ihren Worten , die mich wie Fledermäuse und Eulen umflattern , wie Krähen und Raben umächzen , will ich ein Wort entgegensetzen , das , wie der Sonnenstrahl , dies Gezücht verscheucht . Merke Dir ' s , Hans Jürgen von Bredow , ich fürchte sie nicht , aber sie sollen mich fürchten lernen , sie sollen erschrecken und Zähneklappern fühlen , sie sollen wünschen , daß sie sich verkriechen könnten in der Erde Grund , wenn ich meine Stimme erhebe , wenn ich mich ihnen zeige , nicht wenn ich vor ihnen scheine , wie ich bin . Nun genug . Verdirb mir nicht die reine Morgenluft . « Es war ein schöner Morgen geworden , die Sonne hatte die Nebel besiegt , und strahlte sogar schon warm durch die Kieferwipfel , als sie auf einer Höhe still hielten . » Bis hier gabst Du mir das Geleit , « sprach der Fürst . » Kehre zurück , rede mit den Deinen und morgen erwarte ich Dich im Schloß an der Spree . Heut bist Du noch ein Freier , Hans Jürgen , morgen mein Mann . Hast Du noch was auf dem Herzen , was Du als Freier sagen willst , so sprich es aus . « » Die Eva hat gewiß geplaudert , Durchlaucht ? « » Das Fräulein Eva Bredow steht unter meinem besonderen Schutz , das merke Dir . Ich werde seiner Zeit sorgen , daß die brave Jungfrau einen guten Mann bekommt , wie sie verdient . Den will ich ihr zuziehen . Du aber , mein Dienstmann , der noch viel thun muß , um die Sporen sich zu verdienen , darfst sie nicht anders als mit Ehrfurcht ansehen . « Die Eva mit Ehrfurcht ansehen , das kam Hans Jürgen kurios vor . Aber der Fürst schien zu erwarten , daß er etwas erbitten solle . Für sich ? Er war ja nun des Fürsten Mann . Für seine Pflegemutter ? Die sorgte für sich selbst . Aber sein Pflegevater , Herr Gottfried ? Was hatte denn er davon , daß Joachim in seiner Burg geschlafen , derweil er fort gewesen ? Er fing es etwas ungeschickt an , aber Joachim verstand ihn und sagte freundlich : » Meine Gedanken kamen Dir zuvor . Er soll Ehre haben wie der Mann verdient , der sich freiwillig selbst einer bösen That zieh , um die Strafe von einem Andern abzulenken . Wenn er verschmäht , ein Amt in meiner Nähe anzunehmen , wo ich der rechtlichen Männer bedarf , denk ' ich ihn zum Landtags-Marschall von den nächsten Ständen wählen zu lassen . Er ist nicht immer meiner Meinung , aber er liebt die Ordnung . « Hans Jürgen war schon weit zurück , von wunderbaren Dingen geschaukelt , als dem Fürsten und seinen Begleitern ein lediges Pferd in den Weg kam , das ihnen entgegen wieherte , gleichwie sich freuend , Gesellschaft in der Einsamkeit zu finden . Als es sie begrüßt , ging es wieder an sein Geschäft und grasete . » Das bedeutet ja wohl Unglück ! « » Nur einen abgeworfenen Reiter , « entgegnete der Holzendorf . » Das Pferd ist fromm . Es hat ihn wohl nicht abgeworfen , der Reiter mag darauf eingeschlafen sein . « An einem sonnigen Abhang fanden sie ihn wirklich . Er lag sanft gebettet im weichen Sande und der Friede der Natur ruhte auf dem vollen freundlichen Gesichte . Die Augen fest zu , schien er doch zu lauschen auf die Lieder , welche die Kieferwipfel über ihm rauschten , und die Gedanken des Schlafenden schienen Versteck zu spielen mit der Sonne , welche durch die Zweige ihn jetzt anblinkte und jetzt wieder verschwand . » Seht ob der Mann nicht zu Schaden gekommen , « sagte Joachim . Ein tiefer Ton zwischen Schnarchen und Gähnen , der aus der vollen Brust sich arbeitete , gab eine beruhigende Antwort . Er drehte den Kopf um , weil die Sonne ihn belästigte , und wie er den Arm behaglich von sich streckte , ward Jener inne , wie wohl dem Manne war , der auf dem Sande lag . » Es scheint ein guter Mann zu sein . « » Hilf Himmel , so mich mein Aug ' nicht trügt , « entgegnete der von Holzendorf , » ist ' s unser Wirth , Herr Gottfried von Ziatz . Freilich , das sind ja seine Elennshosen . « Joachim hatte selten in seinem Leben gelächelt . Als aber der Ritter fragte , ob er den Mann wecken sollte , verzog sich sein Mund , da er den Kopf schüttelte : » Er schläft so süß ! Was ich ihm sagen und bieten könnte , wäre doch nicht besser als seine Träume . « » Aber sein Pferd ihm fangen , daß er es hat , wenn er aufwacht , wäre doch Christenpflicht , « meinte der Andere . Das Pferd kam von selbst , als würde ihm die Zeit lang , ob sein Herr noch nicht aufwachte . Lächelnd ritten sie fort . Der Kurfürst wies auf einen Mann , der mit einem leeren Wagen des Weges kam . Dem wollten sie die Sorge für den Schlafenden anempfehlen . » Fort , Katze ! « sprach Herr Gottfried , als das Pferd ihn anschnupperte , und gab ihm einen sanften Schlag mit der Hand . Ob das Roß wohl auch sah , daß Herr Gottfried lachte ? Wie rauschte es in den Bäumen über ihm , wie knisterten die Kiefernadeln unter ihm , wie dufteten ihm die Heidelbeersträucher , die für keinen Wachenden einen Duft geben ; wie schlürften seine ausgestreckten Glieder die Sonnenstrahlen , die immer wärmer wurden . Er sah durch die geschlossenen Augen die Ameisen , die auf seinen Beinen vergebens mit Schaufeln und Rüsseln durch die Elennshaut zu dringen versuchten . Herr Gottfried träumte einen süßen Traum ; ich will ihn nicht verrathen . Als er die Augen aufschlug , saß neben ihm Einer , der sich ' s auch behaglich gemacht . » Kaspar , was machst Du da ? « fragte er . » Ich esse . « Das war kein Traum mehr . Kaspar schnitt sich mit seinem Zulegemesser Scheiben vom Rettig , vom Käse und vom Brod . Aber neben ihm lag ein aufgemachter Kober mit Würsten . » Kaspar ! Du hast ja auch Wurst da ? « » Ja , Herr . « » Kaspar , ist ' s Essenszeit ? « » Je nachdem , Herr . Wen hungert , der ißt , wen schläfert , der schläft . « Das war die Frage . Herr Gottfried hätte wohl gern noch geschlafen , aber da stand doch die Sonne vor ihm und sah ihn so groß an , wie seine Frau , wenn sie im Recht war und er im Unrecht , und das Pferd scharrte mit den Füßen und wieherte , und die Würste dufteten ganz anders , als vorhin die Haidekräuter . » Kaspar , wie lange habe ich geschlafen ? « » Das weiß ich nicht , Herr . « Der Herr rieb sich die Augen und schob sich unvermerkt dem Kober mit den Würsten näher . » Wo kommst Du denn her , Kaspar ? « » Die Frau schickt mich . Sollte Euch die Würste bringen . In Berlin wart Ihr nicht mehr . Ist auch hier ' ne schöne Gegend . « » Da hast Du Recht « , sagte Herr Gottfried und griff nach der Wurst . Und als er die zweite zur Hälfte verzehrt , entsann er sich , daß er seit gestern Mittag nichts gegessen . Wer aber einmal den Erinnerungen die Pforte aufschloß , auf den stürmen sie los ; es wird ihm schwer , die Thür wieder zu schließen . Als er die dritte gegessen , wie Vieles hatte er sich da entsonnen ! » Ich glaube , ich hab ' die Nacht hier gelegen , Kaspar ! « » Das kommt wohl so , « sagte der Knecht . » War ' ne schöne Nacht , die Sterne schienen . « » Ja , ich habe gefroren . Hat Dir die Frau nicht auch ' nen Morgentrunk mitgegeben ? « » Aber ' ne Gans , ' ne Martinsgans ; ist hier im andern Kober . « » Gieb her . Ist auch ' ne schöne Gegend hier , Du hast Recht . « Herr Gottfried machte die Bemerkung , daß die Martinigans sauer sei , der Knecht aber sagte , es wäre Manches im Leben sauer . Da hatte sich Herr Gottfried wieder auf seinen Ellenbogen gelehnt und sah die Sonne an , das Fließ im Grunde und die Kiefern und Büsche , in denen der Wind sich wiegte , und dachte etwas . Wenn Herr Gottfried etwas dachte , nämlich wenn er vorher getrunken hatte , dann ward dem Knecht Kaspar immer bang zu Muthe . Um was mehr , als Herr Gottfried plötzlich ausrief : » In dem Fließ sind sie gewaschen worden . « Kaspar war schnell auf den Beinen und die linke Hand unwillkürlich auf dem Rücken . Diesmal hätte es wohl sein Rücken allein aushalten müssen , denn wer denkt jedesmal , wenn er von Berlin nach Hohen-Ziatz fährt , daß er einen Friesrock unter die Jacke stopfen muß ; aber das ist das Dämonische bei den Prügeln wie bei den Schlägen des Schicksals , daß sie in der Regel dann kommen , wenn man sich ihrer am wenigsten versieht . So kam es auch hier , nur umgekehrt . Der treue Knecht krümmte schon den Rücken , um sich in die rechte Lage zu bringen , aber der Herr rührte seinen Arm nicht , vielmehr ließ er die Backe immer tiefer in die Hand sinken , als er in einem Tone sprach , über den der Knecht sich verwunderte : » Siehst dDu , Kaspar , wenn sie nicht gewaschen hätte , dann wär all das nicht gekommen . « » Dann wär das nicht gekommen , Herr ! « » Und was ist nicht alles d ' raus entstanden . « » Und noch viel mehr . « » ' S ist ein gut Weib , Kaspar ! « » Und was für eins ! « » Wenn sie nur nicht Alles müßte waschen wollen . Weiß auch gar nicht , wo sie das her hat . « » Die Liese aus Gütergotz , ' s muß ihr angethan sein . « » Und grade meine Hosen ! Mein Vetter Balthasar auf Wagnitz sagte auch gleich : Die sehn ja wie neu aus . - Ganz wie neu . - Als sie mich abholten , da war ' s ihnen schon angethan . « » Angethan - « » Und der Hedderich hat sie auch an seinem Leib gehabt . « » Daß sie den nicht auch gehängt haben ! « » Und die Schrift mußte ich unterschreiben . Die in Landin sagten , da müßte mich ja der Teufel geplagt haben . « » Das war auch der Teufel , Herr ! « » Will sie auch nimmer von mir thun . « » So ist ' s recht , Herr . « » Der kluge Schäfer in Spandow hat mir gesagt , mit der Zeit zieht sich ' s und schiebt sich wieder zurück . « » Ist mit dem Leder wie mit dem Menschen , Herr . Jung zieht man ' s , alt schrumpft ' s ein . Aber ' s giebt schon unterschiedlich Leder . « » Kaspar , dem sieht ' s doch Keiner nicht mehr an , daß es im Wasser war . « » Keine Seele , Herr . « » Und seit dem - « » Haben sie Euch mit sechs Trompeten rausgeblasen ; ich hört ' s in Berlin . Das hat Euch Manchermann beneidet . « » Und die Vettern erst ; das hättest Du mal sehen sollen ! « » Haben ein Tractement losgelassen . Nicht wahr ? « Herr Gottfried schmunzelte : » Das ging aus einem Haus in ' s andere . Weiß doch wirklich nicht , wo ich zuletzt gewesen bin . Was sagt denn die Brigitte zu ? « » I nu , was wird sie sagen . ' Ne Stiege Gänse haben in den Rauchfang gehängt . Die Agnes haben wir nach Spandow gebracht . « » Die Agnes , ach das liebe Kind ! « » Die wird fromm werden . Nu schlachten wir auch bald die Schweine . « » Bin doch kurios zu wissen , wie ' s daheim geht . « Damit war Herr Götz aufgestanden , und der eine Fuß saß schon im Steigbügel . » Wie lange bin ich denn eigentlich fort , Kaspar ? « » In einer Stunde sind wir zu Haus , Herr ! « » In einer Stunde , kurios ! « sagte Herr Gottfried , und saß nun ganz im Sattel . » Viele Stunden , die machen einen Tag , und viele Tage einen Monat , und viele Monate ein Jahr , und was machen nun viele Jahre ! ' S ist doch kurios , Kaspar , wenn man so das denkt . Manchmal ist mir doch , als wären viele Jahre nur wie eine Stunde , und dann ist mir wieder , als wäre eine Stunde wie viele Jahre . « Dem treuen Knecht war recht bang zu Muthe , als sie so neben einander , der Herr ritt und er kutschirte . Daß der Herr ihn nicht geprügelt hatte , das war schon sonderbar . Und jetzt ritt er so versenkt in sich und dachte , und dachte laut . Der Knecht dachte , ach wenn ' s mit dem guten Herrn zu Ende ginge ! Da sah Herr Gottfried plötzlich seine Handschuhe an und steckte den Daumen in den Mund und schüttelte den Kopf : » Kaspar , Kaspar ! mir fällt was ein . « » Das auch noch ! da ist ' s richtig . « Kaspar wischte sich das Auge . » ' S ist richtig ! Kaspar , ' s kommt schlimme Zeit . « » I , warum nicht gar ! Die Kraniche flogen ja über unser Haus . « » Krieg , Aufstand giebt ' s , sie rüsten , ich muß mit . Ach , nu kommt das Alles raus . - Wo waren wir doch die letzte Nacht ? - Richtig , richtig ! Die blanken Schwerter kreuzweis über den Bechern . Der Todtenkopf auf dem Tisch . Der Köpkin hielt meinen Arm , als ich schwor . Der Wulf , der konnte nicht mehr stehen , da biß er in den Handschuh , daß er sich ' s entsänne , wenn er aufwachte . Ich biß auch . - Ja ja , ' s ist Alles so . « » Hab auch von gehört , sie sind wolfstoll um den Lindenberg . - Ihr müßt also auch mit , wenn ' s losgeht ? « » Mit ! « » Der Kurfürst ist ein starker Herr . Wer ihn anbellt , den beißt er . « » Sie werden auch beißen . « Die kriegerischen Gedanken schienen sich in dem Ritter zu sammeln . » Unter Wölfen muß man mit heulen . Na , vielleicht kommt ' s nicht dazu . « Der Ritter stützte das Kinn mit der Hand : » Vielleicht ! Wollen ihn beim Freigericht verklagen , daß er einen Edelmann darum - Wenn das es auf sich nimmt - sonst , sonst Kaspar , da werden wir die Knochen rühren müssen , da wird ' s Ernst werden . Alle Heiligen , da dürfen wir nicht mehr schlafen . Kaspar , verstehst Du mich ; das dürfen wir der Frau nicht sagen . « Einundzwanzigstes Kapitel . Jochimken hüte Di ! » Ich stach in ein Wespennest . Ich weiß es . Heran ! Hier ist mein Arm , hier meine Brust , mein Gesicht ist frei . Ich will ihnen auch in ' s Gesicht sehen . Warum haben sie nicht den Muth ! Was schwirrt es wie Käfer in der dunstigen Luft ! Ihre Väter haben es doch gewagt , es galt eine große Frage . Gott entschied für meine Väter . Warum geht ihnen der Athem ihrer störrigen Vorfahren aus ? Es muß schlechter um ihr Bewußtsein stehen als um ihr Recht . « So sprach der Kurfürst und ging mit hastigen Schritten auf und ab . Er war allein ; der Kammerdiener , der die Lichter angezündet , eilte , daß er wieder hinauskam . Der Fürst liebte Niemand um sich in dieser Stunde . Aber noch eben hatten die Bürgermeister der beiden Städte und einige Rathsherrn im Zimmer gestanden . » Auch diese Bürgerherren , ich will es glauben , sie lieben mich ; ich that ihnen ja noch nichts , wie meine Vorfahren , aber warum denn nicht heraus mit der Sprache ! Warum diese dunkeln , Ungewissen , scheuen Andeutungen ? Fahre ich mit einer Frage , einem Wort , einem Blick drein , stäubt ' s auseinander wie der Rauch vor ' m Winde , und erstarrte Ehrfurcht zittert vor mir , der das Wort im Munde gefror ; sie wissen nichts . « - » Wenn sie auch wüßten , der Muth ging ihnen aus . - Auch für ihren Fürsten , weil er gegen ihn ausgegangen ? Haben so die trägen Jahre gezehrt , hat so das Fett sie eingeschüchtert . Allmächtiger Gott , ich weiß es ja , daß ich eine große Sendung übernahm , dieses verwüstete Land zu sittigen , daß ich tief einschneiden muß in das Fleisch , Wunden giebt es . Hat die alte Wüstheit ein Recht für sich , warum tritt sie nicht auf , warum fischt sie nicht offen , Mann gegen Mann mir gegenüber . Ich liebe einen tüchtigen Widerstand , der meine eigene Kraft stählt , einen großen , ehrlichen , offenen Kampf , wo Gott entscheidet . Wenn sie siegten - « Er schwieg bei sich . Ob er sich doch nicht zutraute , wenn sie siegten , dem Gottesurtheil sich zu unterwerfen ! Auch der Tapferste liebt es nicht besiegt zu werden . » Und auch das noch ! « rief er , das fürstliche Siegel , das sein Wappen enthielt , auf einem Schreiben erbrechend , welches der Fourier hereingebracht . Der Brief war von seinem Oheim , dem Markgrafen Friedrich dem Aelteren von Baireuth . » Wieder Warnungen , Anmahnungen ! - Ein Graf von Giech ! - Herr Graf von Giech , Euren alten Adel , Euer schönes Stammschloß auf den fränkischen Bergen in Ehren , in Ehren auch den Botschafterposten meines erlauchten Ohms , aber ich werde mit Euch märkisch reden . Wenn mein Ohm , Euer Herr , als ich bei meines Vaters Tode ein Knabe war , mich für verständig genug hielt , daß ich das Regiment auch ohne Vormund führe , so erwägt , daß ich durch Jahre und Erfahrung älter ward und keinen Hofmeister aus der Fremde bedarf . - Er mag kommen , der Herr Graf von Giech ! « Der Fürst warf das Schreiben auf den Tisch und sich in den Sessel . Seine Augen flogen durch das Dunkel des gewölbten Zimmers . » Wer hat mich angeklagt ? Wer rief nach Franken um Hülfe ? Der Brief ist stumm . Und wenn ich den Herrn Grafen fragen werde , wird er wie die Bürger antworten : Man sagt , man meint . O diese namenlosen Angeber , diese dunkle Macht des Gerichtes , diese Fledermäuse in dunstigen Gewölben ! Alle sind es , aber Keiner . Sie grollen Alle , aber wen ich ansehe , warum zeigt mir denn Keiner die Zähne ? - Warum verziehn sich die Runzeln in ein freundliches Grinsen , warum überstottern sie sich in Ehrfurchtsbetheuerungen ! Es ist ja möglich , daß ich irrte , ich bin ein Mensch , jung ; möglich , daß ich zu rasch gehandelt , mich hinreißen ließ - wenn sie Muth hätten , wenn ihre Sache gut wäre wie meine , warum ist denn nicht ein Einziger , der es wagt , mir vor die Stirn zu treten , der es ausspricht ? Ich könnte zürnen , auffahren , strafen . Nun , wagt das Keiner um eine gute Sache ! Wagt Keiner , sich selbst zu opfern , um was ihm heilig ist ? - Ich will mit ihnen fertig werden , mit ihnen allen , ich allein ! « Im Zimmer verbreitete der große schwarze , mit vielen künstlichen Figuren ausgelegte Ofen eine dunstende Wärme . Joachim riß das Fenster auf , um frische Luft zu schöpfen . Es kam auch da nichts Frisches herein . Ein Dampf lagerte über der Stadt , die Spree floß träg zu Füßen der Mauern , kaum daß ein Paar Sterne sich matt in ihrem schwarzen Wasser spiegelten . Wenige gingen über die Brücke . Nur drüben an dem sumpfigen Ufer hielt ein Mann mit zwei Reitpferden . Ein Anderer , in einen Mantel verhüllt , einen Federhut auf dem Kopf , sprach mit ihm . Dann schritt dieser über die Brücke nach dem Schlosse zu ; nach einer Weile folgte ihm der Mann mit den beiden Pferden . Es schien dem Fürsten , als wenn er die Thiere vorsichtiger führte , als es sonst Art ist . Der Anhauch der Luft hatte sein Blut nicht erfrischt , als Joachim sich wieder an den Schreibtisch setzte . Er las , er schrieb , aber seine Gedanken flogen abwärts . Er dachte an seinen Oheim Friedrich , dessen Schreiben vor ihm lag . Wie glücklich war der in seinem glücklichen Oberlande , in den grünen Bergen , wo die muntern Bäche plätschern , die Tannen an den Abhängen rauschen , die Morgensonne die schönen Schlösser auf den Höhen anglüht . » Ach wären wir dort geblieben ! Welche saure Arbeit wäre uns erspart ! « - » Aber auch eine ehrenvolle Arbeit minder , « antwortete er sich und langte wieder aus dem Pult das Testament des Vaters . Er las es , und las es . » Ich arbeite ja nur in Deinem Dienst , auf Deinen Befehl . « Das Pergament war wieder verschlossen und Joachim schrieb und blätterte in den Schriften vor ihm , bis die dunkeln Gedanken abermals ihn zu übermannen schienen . Er legte die Feder weg und seinen Kopf in die Lehne . » Und gerade zum heiligen Weihnachtsfest ! Ich hatte mich nimmer so gesehnt , es in stiller Weihe zu begehen , als dieses Jahr , um mich würdig vorzubereiten auf das große Werk in Frankfurt . Wenn nach Neujahr der Abt , mein Freund , wie er versprochen , kommt - « Er hielt sich das Gesicht mit beiden Händen : » Mein Freund ! - Wer ist denn mein Freund ! Der ist ein Freund meines Wissens , meines Strebens , der der Ehren , die ich ihm zuwende , der ein Hund an der Kette , der wedelt mich an aus Furcht , daß ich ihn schlage . - Ich habe keinen Freund ! - Lindenberg , dein Tod ist gerächt . So schnell hast du Recht gewonnen . Ein Fürst , der Niemand mehr traut als sich , ist dem Gesindel anheimgefallen , sprachst du . - Ich traue ja Niemand mehr - sie Alle schleichen , Alle nur der Widerhall meiner Worte . Und wenn sie stumm sind , auf welchen langen Leichenzug verbrecherischer Gedanken muß ich lauschen ! - Du klagst mich an . Hörst du auch meine Klage . - Aber ich hätte milder sein können gegen mich , ich hätte mich selbst täuschen sollen , daß mir die süße Melodie deiner Worte länger vor den Ohren klänge ! Deine That hätte ich gut machen können , nur um dich mir zu retten . Du warst ja nicht mehr gefährlich . Die Spieluhr , die mir vor den Ohren summt , belügt mich ja nicht . Sie singt , wie ich sie stimmte . Und ist es denn ein Verbrechen , einer Lüge horchen , die uns nicht mehr täuschen kann ? Sind sie immer Gift ? Vielleicht wohlthätiges Gift , Balsam auf verharschende Wunden , die unter der rauhen Hand der Wahrheit wieder aufgehen und von Neuem bluten . Allmächtiger Gott , was ist die Wahrheit , nach der wir ringen ? « Er schauderte zusammen : » Wenn ich ihnen allen in ' s Herz schaute , ihre Gedanken vor mir lägen wie ein offenes Buch ! - Bewahre mich der Herr vor