heiße , ein ungerechter Kreuzer fresse zehn gerechte , und das gelte noch , man sehe es alle Tage ; darum müsse so mancher Urenkel barfuß laufen , weil der Großvater ein Schelm gewesen an seinen eigenen Geschwistern , Geschwisterskindern oder andern Leuten . Das möge er nicht , und wenn er mehr Kinder gehabt oder wenn Christeli hätte heiraten wollen , so hätte er nicht begehrt , sie daheim zu behalten , und gemeint , sie müssen für den Jüngsten den Hof werchen und ihre beste Zeit für ihn verbrauchen , sondern sie hätten etwas für sich anfangen müssen , und er hätte ihnen wollen zweghelfen . Es dürfe einer nicht vierzig Jahr alt werden aufs Vaters Hof , wenn er einmal davon müsse und fortkommen solle ; es müsse einer in die Welt hinaus , während er noch klebrig sei ; wenn einer einmal gstabelig geworden , so sei es ustubaket , er brauche , was er habe , und dann müßten andere Leute ihm helfen . So gehts ! Was recht sei , müsse Resli haben , sie gönnten es ihm alle ; aber mehr als recht , das möchten sie ihm nicht gönnen , dazu sei er ihnen z ' lieb , und denen unterm Herd möchten sie es nicht zuleid tun . Das brauche er nicht halb so spitz zu nehmen , sagte der Dorngrütbauer , es werde öppe e jedere dWehli ha , z ' säge , was er denk , und mache werde auch ein jeder können , was er wolle , dazu werde es nicht zu spät sein . Aber so dem ersten besten Fötzel und Schuldehung gebe er seine Tochter nicht ; sie hätten es gehört , und gseit syg gseit . Darauf sprach Änneli : Er solle verzeihn , Christen hätte es nicht bös gemeint und nur so beispielsweise geredet , er hätt minger o chönne , es syg wahr . Aber einen Schuldenhung gebe Resli doch nicht . Wenn er den Hof um sechzigtausend Pfund übernehme , so werde er nicht zehntausend Pfund darauf schuldig , daran zahle ihm der Wald das Meist , und wenn er den Hof verkaufen wollte , was aber neue nit z ' denke sei , so hätte er de fry viel mehr g ' erbt als die Andern . DSchulde werden ihn nie plagen , es mög gehen wie es wolle , und viel Bauern , die es besser machen können als er , würd es nicht geben , und es wär noch mancher froh , er hätte es so . Dann müsse man auch nicht vergessen , daß von dem viel , leicht , wenn man öppe grecht und billig handle , noch viel vorume chömm ; es sei noch Keins von den Andern geheiratet , » und ob es eins tut , weiß man nicht , aber mir Wüsttun könnte man es zwängen . Aber was meinst du dazu ? « wandte sich Änneli zu Anne Mareili , » dih geihts am nächsten an und hast doch kein Wort noch dazu gesagt . « Diese unerwartete Frage erschreckte Anne Mareili wie ein Kanonenschuß , der ungsinnet hinter dem Rücken abgebrannt wird . Während des ganzen Gespräches hatte es in seinem Herzen gezittert ; es ward um sein Glück gehandelt , und des Handels Ende ward seinem Auge , welches weder in die Tiefen der Herzen sah noch den Handel selbst übersah , immer dunkler , und als es nun selbst sich hineinmischen sollte , zitterte es , es möchte den Ausgang noch schwieriger machen , antwortete daher in seiner Angst , es ließe sichs gefallen , wie sie es machten . » Üsereim het zu selligem nit viel z ' säge , mi mueß es näh , wies chunt . « Das arme Meitschi wußte nicht , daß ein keckes , gerades Wort hundertmal besser ist als ein verdrücktes , achselträgerisches ; aber wissen das noch ganz andere Knebel nicht als ein Mädchen , dessen Herz im Bangen der Liebe erzittert ! Erlickt aber die Hohlheit zu jeglicher Zeit das Gewicht solcher geraden Rede , die Hohlheit , die schwer wiegen will auf der Wage der Zeit , so bläst sie sich auf mit Luft bis zum Himmel hinauf und redet dann wie vom Himmel herab und meint nun , die Menschheit sollte die Blase für den Berg Sinai nehmen und ihre Stimme für die Stimme Gottes . Und die Menschheit tut dieses wirklich manchmal , nimmt ihr Quaken für Donnern , fürchtet sich , und die Quäkenden verbergen in glänzenden Schleiern ihre Saugesichter , vorgebend , es seien Mosisgesichter . Das tut namentlich das gegenwärtige , weltstürmende Geschmeiß . Knirpse tun wie Titanen , Dozenten mit Schweinsseelen und in Schweinsleder gebunden gebärden sich wie Herkules , der bekanntlich oben ein Tierfell hatte , unten aber nackte Beine . Wer aber gar brüllen kann wie zehntausend Stiere und daneben sich wohlsein lassen fünfhundert Säuen gleich , der sagt , er sei der Herrgott selbst , einstweilen aber wolle er sich begnügen , wenn man ihn zum Professor mache oder zum Bürgermeister . Solche reden keck und gerade , daß es einem düecht , sie sollten fry ein Loch in den Himmel stüpfen mit ihren Worten ; sie bringen allerdings es dahin , daß man eine Schweinsblase ansieht für den Berg Sinai und unten an der Schweinsblase einen Altar errichtet mit einem goldenen Kalbe darauf oder wenigstens einem Ehrenbecher . Aber leider ist das Ding nur wie Nebel und die Himmelsstüpfer erfinden sich , wenn man recht hinsieht , als Heustüffel , die bekanntlich nur einen Sommer dauern , und wenn der rechte Moses wieder kommt , so zerfallen Kälber und Becher wieder in ihr Nichts . Wenn also von kecker und gerader Rede die Rede ist , so wird eben nicht die Rede gemeint , die eigentlich weder keck noch gerade ist , nichts als unverschämt , sondern die Rede , welche unverhohlen ausspricht , was das Herz bewegt und wünscht , dem Unrecht Unrecht sagt , der Wahrheit aber Zeugnis gibt . So gehts aber oft in der Welt , der Wahrheit trittet Schüchternheit in den Weg , ein leidig Fürchten und Werweisen , während die Unverschämtheit als Vorreiterin der Lüge beständig bei der Hand ist . So geht es gerne Meitschene , deren Herz gefangen ist und befangen ihr Verstand , und wer will von einem armen Meitschi fordern , daß wenn gefangen sein Herz ist , unbefangen sein Verstand bleibe ! So ging es Anne Mareili . O wie gerne hätte es dem Vater angehalten , er solle sich in diese Verhältnisse nicht mischen , alles Gott und guten Leuten überlassen , wie gerne gesagt , es sei mit allem zufrieden , wenn es nur daheim weg und hiehin kommen könnte ; aber es fürchtete , den Vater noch hinterstelliger , hinterhäger zu machen , und die Forderungen des Vaters zu unterstützen , dazu war es eben zu wenig unverschämt , zu wenig radikal , und dessetwegen ward sein Vater ärgerlich und weh tat seine Antwort den Andern ; es verfehlte sich also gegen beide Partieen . » Und dann du , was sagst du dazu ? « frug der Dorngrütbauer den Resli , » dich gehts am nächsten an , und es düecht mich , wie ich meinte , sollte es dir recht sein , du hättest es z ' gnießen . « Resli , dem das Herz weh tat , antwortete , es sei ihm so : Anne Mareili sei ihm lieb , er glaube , es gebe eine Frau wie dMuetter , und über Bösha solle es nie zu klagen haben . Er hätte dessetwegen nie gefragt , was es hätte und wieviel es mitbrächte , und wenn es nichts hätte , so sei es ihm recht . Aber deswegen düeche es ihn , man sollte auch ihnen vertrauen und öppe denke , man mache , wie recht . Übrigens lasse er ihm alles gefallen , aber öppe daß die Andern z ' klagen hätten , begehre er nicht . Gschwisterti seien einmal immer Gschwisterti . Er meine , dHut söll eim lieber sein als ds Hemmli , und wenn man eine Frau wolle , so hätte man nichts nach den Geschwisterten zu fragen , sagte der Bauer . Aber ihm sei es gleich , sie könntens machen , wie sie wollten , deretwegen sei er nicht hergekommen . Könne es sein Meitschi bsungerbar gut machen hier oben , so möge er es ihm gönnen , sonst aber , wenn es gmannet sein müsse , finde es bei ihnen ein Dutzend für einen , und dann wisse er doch , was für einen , und hätte dSach unter Augen , es möge gehen , welchen Weg es wolle . Es sei da einer , der hätte schon lange angesetzt , und so gut mache sein Meitschi es nie mehr . Freilich meine ds Meitschi , der sei ihm wohl alte , aber es werde ihm wohl noch dGlarlöcher aufgehen , daß es es begreife , je älter , dest besser . Selb hätt er nit Kummer , und gehe es manchmal lang , bis so am ene Meitschi dGlare ufgange . Aber wenn sie noch heim wollten , so wär es Zeit furt . » Nit « , sagte Christen , » so ists doch nit gmeint , u ufbinge wollen wir nicht ; was wir gesagt haben , ist nicht bös gemeint , und si Sach z ' säge , het öppe en iedere dWehli . Dr Bueb lyt üs am Herze , un öppe uf enes paar tusig Pfüngli uf oder nieder wirds öppe Keim acho ; wo me enangere lieb het , bricht ds Geld öppe ke Handel . Ds Meitschi isch ihm aständig , u mir hei nüt drwider , we mrs scho nüt chenne , wo selb süst nüt schadt , we me enangere scho öppe vorher e weneli chennt . Aber wie gseit , wir sind etwas weit auseinander , selb ist wahr , es hat aber auch seinen Nutzen , selb ist auch wahr ; man ist einander manchmal nur zu nah . So geht es einmal in der Welt , die Berge kommen nicht zusammen , aber die Menschen wohl , und wenn sie einmal zusammengekommen , so soll man sie nicht scheiden , das ist meine Meinung . Was meint Ihr , wie ist die Sache z ' machen ? Was möglich ist , soll geschehen . « » Was meinst , Meitschi ? « sagte der Bauer zu seiner Tochter , » es ist deine Sache , red ! « Anne Mareili wars nicht ums Reden , die bitterste Angst guälte sein Herz ; sie kann nicht enger zusammenpressen das Herz des Spielers , der alle seine Habe auf eine Karte gesetzt und nun starren Auges auf die zögernden Hände des Bankhalters sieht . Jede Rede mehrte seine Angst , jede Rede zürnte es dem Redenden , weil sie nicht den Abschluß brachte , sondern ihn hinausschob ; es düechte ihns , es gäbte alles , was es auf Erden und im Himmel zu erwarten hätte , wenn mans nur richtig machte , gäb wie . Hingerdry chönn me geng no luege u ' s mache , wie me öppe well , dachte es . Sein Vater war zäh , auf den setzte es keine Hoffnung , alle also auf die Andern . Daß diese werweiseten und Bedenken hatten , ärgerte ihns also doppelt , und besonders an Resli tat es ihm weh , es düechte ihns immer mehr , wenn der ihns recht lieb hätte , so wäre ihm alles recht , er würde nichts scheuen , um ihns zu erhalten ; hingerdry chönnt me ja de geng luege und ' s mache , wie man es ha wett . Darum antwortete Anne Mareili , es hätte nicht geglaubt , daß es da so viel Bsinnens gebe , dem an , was man ihm gesagt ; aber es sage nichts dazu , wie der Vater es mache , sei es ihm recht , aber das Märten sei ihm zwider , es wäre lieber nicht dabei , es müß es sagen . So sei es ihm auch , antwortete der Vater , und so wolle er sagen , was er wolle : Sie sollten dem Sohn den Hof abtreten für vierzigtausend Pfund , daß sobald sie geheiratet , sein Meitschi Kelle und Schlüssel übernehme , und wenn Resli vor ihm ohne Kinder sterbe , so erbe das Meitschi den Hof dahin und daweg . So wolle er und sonst nicht . Resli wurde ganz blaß , als er das hörte , die Lippen bebten ihm , als ob er reden wollte ; aber wenn ers schon gewollt , für kein Lieb hätte er ein Wort hervorgebracht . Etwas Giftiges quoll in ihm auf , welches sonst seinem Herzen fremd war , ein Stolz regte sich in ihm , von dem er nicht wußte , woher er kam . Kam man da von unten her und meinte , hier oben sei lauter Dummheit und man könne mit den Menschen umgehen als wie mit Tröpfen und Halbwitzigen ; war dann keine Liebe im Meitschi zu ihm , sondern nur zu seinem Hofe , und während er nichts forderte , von keinem Kreuzer Ehsteuer sprach , wars dann recht , daß man von ihm alles forderte ? War er ein Kerli , den man vergolden mußte , damit ein Meitschi ihn nehme ? Er fing an zu fühlen , daß er alleine ein Mädchen wert sei und daß sein Ich alleine mehr wiege als manch ander Ich , und wenn dasselbe hunderttausend Pfund mit sich auf die Wage nähme . Der gute Resli wußte halt nicht , daß selten ein Mädchen eine rechte Wage hat für das rechte Ich , und daß wenn es sie schon hätte , auf der Eltern Wage ein rechtes Ich doch nie mehr zieht als eine Nulle , und daß jedes Ich zu seinem Ich noch legen muß einen Zinsrodel oder ein Geschäft oder einen Titel samt Namen , wenn es irgend etwas ziehen soll , gäb wie wenig . Das wußte Resli nicht und sah auch nicht in Anne Mareilis Herz hinein , nur an sein Gesicht , und das hatte ihm bereits sattsam Kummer gemacht . Es arbeitete gewaltig in seiner Brust , es düechte ihn , er möchte satteln und reiten auf Leben und Tod , gegen was man wollte ; wissen sollte man , daß er nicht Nichts wäre , sondern Resli , der Bauernsohn zu Liebiwyl , e rechte Burscht un e Draguner trotz eim . Die Weiber haben einen eigenen Sinn für das , was sich auf den Gesichtern regt ; dieser Sinn ist ein Schlüssel zu den Herzen der Männer , in diesem Sinne läge auch die Herrschaft über sie , wenn nicht wiederum im Weibe ein eigener Geist des Widerspruchs läge , der das , was es im Herzen sieht , nicht beherrschen , sondern unduldsam seine Stelle ihm nicht gönnt , es vertreiben will mit Keifen oder Zürnen . Mütter sind geläuterter als Weiber , ihre Liebe ist meist weniger selbstsüchtig , sie sehen ebenfalls in die Herzen ihrer Söhne ( kurios , mehr als in die ihrer Töchter ) , aber sie stellen sich ihnen nicht entgegen , sondern als Schirm und Schutz , als Vorfechter davor oder wenden es unvermerkt mit Zärtlichkeit , wie man ja Butter weich macht , wenn man sie kneten , und Eisen flüssig , wenn man es gießen will . So lasen Anne Mareili und Änneli in Reslis Gesicht die unsichtbare Schrift , die auf der wunderbaren Tafel seines Herzens geschrieben ward von unsichtbarer Hand . Heiß und kalt fuhr es Anne Mareili den Rücken auf , als es sie sah , für kein Lieb hätte es ein freundlich Wort reden können ; hätte es reden müssen , so wär ein Gallenstrahl hoch aufgespritzt . Aber rasch ergriff Änneli das Wort und sprach , das seien Sachen , an die man nicht gedacht und über die man nicht mit einander geredet hätte . Es für seinen Teil legte gerne die Bürde ab , und je eher ihm Resli ein Söhnisweib zubringe , dest lieber sei es ihm , und gerne wolle es abgeben und dasselbe machen lassen ; es sei müde und ruhe gerne , und öppe ume z ' bifehle sei nie seine Sache gewesen , deswegen brauche man nicht Kummer zu haben . Aber wegen dem andern müsse man doch mit den Andern reden , es gehe sie auch an , und wenn man es vorher abgeredet und ausgemacht , so gebe es hintenher keinen Streit . Wegem Christeli hätte man kaum was zu fürchten , aber wenn Annelisi heiraten sollte , so wüßte man nicht , was es für einen Mann bekäme . Darum wäre es am besten , man redete noch mit einander , ehe man das Wort gebe . Es sei ihm recht , sagte Christen ; » wo sind sie wohl , man kann sie rufen « . Ein Schatten flog über Ännelis Gesicht , schon hatte es den Mund offen , da sprach der Bauer , das pressiere nicht halb so , und wenn man sie jetzt gleich riefe , so meinten sie , wie nötlich er täte , und selb sei nicht ; ds Cunträri , es sei ihm lieber , man behielte noch auf beiden Seiten dWehli , man wisse nie , was es gebe , es könne in einem Tage Ungsinnets geben ganz Hüfe . Sie sollten öppe mit Glegeheit mit einander reden , und wenns ne recht sei , so sollten sie Bricht machen , und mache man keinen , so sei es ihm , wie gesagt , auch gleich , denn dSach sei ihm doch nur halb recht , und wenn er nicht sähe , daß es am Meitschi hier gefiele , so möchte er lieber nichts mehr davon hören . So tue er es ihm zu Gefallen , aber dessetwegen sollten sie nicht meinen , sie könnten mit ihm machen , was sie wollten ; so es Meitschi sei immer z ' tröste , un öppe dr Narr mache und sih hingersinne , das sei in seiner Familie nicht dr Brauch . Gits nit dä , su gits en Angere , u gits Kene , so cheu mrs süst mache , so denk me i syr Familie . U de wärs nimme Zyt , öppe lang no z ' rede , es sei schon vier , und sie hätten noch angere Sache auszumachen . Nun begann er zu seufzen und zu berzen wegen den Laden , wenn er die nur daheim hätte , er hätte sie nötig und wisse nicht , wie sie holen , da sie alle Hände voll zu tun und alle Tage gleich nach morgens zwei Uhr zwei Züge im Felde haben müßten . DKalbete , die könnte man allfällig durch einen Jungen holen lassen , aber dLade , die mangelten Zeit und Rosse , und er wüßte sy Seel nicht wie machen ; se z ' vrdinge z ' füehre , verteure sie ihm gleich , daß er sie ringer , es wüß ke Mönsch wo , kauft hätt . Deretwegen , sagte Änneli rasch , sollte er nicht Kummer haben , ein paar Bäume Laden zu führen , hätten sie immer Zeit , zugleich könne man Bricht bringen und dSach usmache ; am Donnstag oder Freitag , wenn es ihm recht sei , gebe sich das schon . Eingemärtet habe er das Fuhren nicht , sagte der Bauer , und wenn es etwa viel kosten sollte , so wollte er lieber noch warten . Das sei nun gleich , eingemärtet oder nicht , was man anerbiete , sei anerboten , und dafür nehme man öppe kein Geld , sagte Christen . Er solle nur sagen , an welchem Tage es ihm am anständigsten sei . Wenn das so gemeint sei , antwortete der Dorngrüter , so wolle er es mit Dank angenommen haben , all Tag seien ihm gleich , dr Freitag noch schier lieber als der Donnstag . Öppe Futter brauchten sie nicht mitzubringen , der Gattig hätte er genug ; mit Haber zwar sei er nicht am besten versehen , aber dest besser sei das Heu , und wenn es noch etwas mehr sein müsse , so täte es Reiterkorn auch . Aber jetz hulf er fort , bis sie daheim seien , sei es längst Nacht . Er solle nicht pressieren , hieß es , allweg doch vorher noch recht essen und trinken , wofür sonst wärs da ? Das ließ er sich allerdings nicht lange sagen , und Glas um Glas rutschte ihm runter , man wußte nicht wie , und wer weiß , wie lange er gesessen , wenn Anne Mareili nicht immer heftiger am Heimgehn getrieben hätte . Es hatte , wie unsere Weiber zu sagen pflegen , voll bis obenaus , es zwitzerte ihm vor den Augen , und unendlich viel hätte es darum gegeben , wenn es sein Haupt hätte legen können auf ein Bett in dunkler Kammer und da so recht ausweinen Liebeszorn und Liebesangst , verbergen können das eigene Herz vor den eigenen Augen . Es war ihm so wind und weh , da wegzukommen , es fühlte immer mehr , daß es seiner nicht Meister sei , ein Reiz seiner Herr werde , dem untertan zu sein es nicht gut ist , sintemalen man nie weiß , was alles zu tun er imstande ist . Es fühlte sich in einem Zustande , in welchem eine Wolke ist , die regnen möchte , aber bereits ein Wesen fühlt , das den Regen hemmt , dafür aber hageln läßt ; denn obs regnet oder hagelt , hängt nicht von der Wolke ab , sondern von der Luftschicht , in die sie gerät , von dem Winde , der über sie hinweht . So brachte es Anne Mareili zum Aufbrechen , aber holdselig war es dabei nicht , es sah aus , als wenn es zürnte , und es zürnte allerdings , und zwar über alles : über ihns , weil es mit dem Weinen kämpfen mußte , über den Vater , weil er so getan , daß den Andern der Mut zu entfallen schien , über Resli und seine Leute , weil sie die Sache ins Bedenken gezogen , so gleichsam sie an eine Kommission gewiesen . Ach ja , an Kommissionen weisen , das ist ein prächtig Ding , denn jedwede Sache soll doch reiflich erwogen , jeder Beschluß rundum bedacht sein , ehe er gefaßt wird . Aber wo ein jung Herz in Liebe schlägt , da sind solche Kommissionen und ihr Erwägen ein gräßlich Ding , denn was kömmt da wohl alles ins Spiel und was wird wohl alles bedacht und wie lange geht es wohl , bis eine Kommission eine Sache ausgedacht ! Und wo ein ander Herz in Eifer für eine schöne Sache schlägt , im Feuer der Begeisterung sie erfaßt , in der Klarheit eines reinen Aufblickes sie erschaut hat , was wer , den diesen Herzen so oft Kommissionen für ein schändlich , greulich Ding ! Es kömmt einem manchmal vor , als ob solche Kommissionen nichts respektierten als ihren eigenen Kot und sich als Käfer dächten und alles ihnen Vorgelegte als Düngerklötze , die sie nach Lust und Bequemlichkeit zu durchwühlen hätten , um an dem einen Teil sich selbst zu mästen , vom Rest aber zu sagen , es sei halt Dünger und Dünger gehöre auf den Mist . Es gibt Kommissionen , die weder Sinn , Verstand noch Willen haben zu dem , wofür sie kommittiert sind , die nichts als Kyb , Neid und Eigendünkel haben und daher wirklich nichts respektieren als den eigenen Kot . Manchmal ignorieren sie vornehm , was ihnen übertragen worden , und man hat Beispiele , daß sie es verlieren und doch nach Jahren mit beispielloser Frechheit rapportieren über das , von dem sie höchstens den Deckel gesehen . Da kömmt es dann kommod , wenn man lügen kann , daß die Schwarten krachen , und schamlos ist wie eine kuhrote Kuh , die auch nie röter werden kann , als sie bereits ist , es mag geben , was es will . Nun war es allerdings ein parlamentarischer Kniff von Änneli , daß es die Sache aufs Referendum schob , aber es geschah nicht in böser Absicht . Es sah , was kochete , und eben diese Kocheten wollte es nicht anrichten lassen . Es gibt Augenblicke im Privat- und Staatsleben , welche man verrauschen lassen muß , wenn man nicht graune Sachen machen will . Diese Augenblicke erfordern Takt , den hat man leider nicht immer , in neuen Kantonen nicht , ja am Vorort selbst nicht ; die Aargauer zum Beispiel könnten Beispiele von Exempeln erzählen . Anne Mareili aber , noch eine junge Kreatur , gleichsam ein neuer Kanton , begriff das nicht , und daß es ohne Sicherheit und Gewißheit heim mußte , vom vermeintlichen sichern Port weg wieder aufs unsichere Meer hinaus , wo jeder Haifisch und jeder Kellerjoggi aufs neue nach ihm schnappen konnte , das wollte ihns fast zerreißen . Sie gaben ihm das Begleit fast bis nach Herrlige , aber es ging trüb zu zwischen ihnen , und als man Abschied nahm , wurde manch üblich Wort gewechselt , aber kein herzliches , trotzdem daß das Augenwasser in manchem Auge stand , und gäb wie man anwendete , das klare , wahre Wort fand sich nicht ; und kurios ists , wie es so selten sich findet , wie so selten es sich im Gemüte gestaltet , und wo es sich auch gestaltet , doch die Kraft fehlt , es auszusprechen . Es ist halt auch in unserm Gemüte wie am Himmel , welcher so selten wolkenrein ist , und ist ers , so weht meist ein rauher Wind , oder ehe noch die Sonne niedergeht , kömmt schon der Sturm gezogen und verhüllt das Helle wieder . Finster zog nach vollendetem Abschied es hinter dem Vater her , und als der einige Male keine Antwort erhielt , blickte er zurück und sah , wie Anne Mareili mit dem Nastuch im Gesichte focht . » Plärist ? « fragte er . » Nein « , sagte es , » aber ich bin flessig . « » Ich wußte auch nicht , was z ' pläre hättest « , sagte der Vater , » gehe es wie es wolle . Kömmst du dahin , so ist für dich gesorget , tun sie hinterstellig , he nun , so gibt es was anders . Das sind dumm altväterische Leute , die für jede Sache einen apartige Brauch haben , meinen , wie witzig sie seien , und doch nichts verstehen ; einmal für vierzig Kronen habe ich sie mögen . So dumm Lüt habe ich längs Stück nicht angetroffen . Denen muß man den Marsch machen zu rechter Zeit ; wenn du unter ihres Regiment müßtest , in acht Tagen machten sie dich ds Tüfels . Darum habe ich für dich gesorget , wenn du ds Maul schon nicht hast auftun wollen . « » Aber Vater « , sagte endlich Anne Mareili , » und wenn sie nicht wollen ? Es ist doch auch wohl strengs für sie . « » He nun , so habe ich doch wohlfeile Laden und eine Kalbete , woran auch etwas zu verdienen ist . Aber habe nicht Kummer , die tuns , sie hätten sich nicht dafür , zurückzugehen . Uvrschants von ihnen ist es gewesen , daß sie nicht gleich eingeschlagen , nachdem sie uns haben kommen heißen , so daß man hätte meinen sollen , es sei ihnen im voraus schon alles recht . An uns wäre es gewesen , sih z ' bsinne , und nicht an ihnen . Sie hättens schon für eine Ehre nehmen sollen , daß es uns nur dr wert gsi ist , ga z ' luege da in ihr Gitzinest hinauf . Am täubste hat mich dr Jung gemacht , dem wärs doch am meisten angestanden , sein Maul aufzutun und einzureden , so nötli , wie er getan hat ; aber ein Wort ist ein Wort , das er gesagt hat . Es muß notti nicht alles mit denen Leuten sein , sonst hätte er nicht so weit laufen müssen für eine Frau und hätte nicht brauchen so nötlich zu tun . Es ist gut , hat man sich in acht genommen u nit gmeint , mi müeß zsämefüeßlige dry . So wie es jetzt ateigget ist , kann man der Sach abwarten . « Anne Mareili kannte den Vater ; sonst hatte dessen Wort nicht gute Statt in seinem Herzen , jetzt aber fand es Boden , schwoll auf und keimte . Es steigerte eine Stimmung , die bereits vorhanden war , gab unbestimmten Gefühlen feste Richtung , übermachtete die Liebe , erbitterte das Herz , kurz tat , was Aufweisung gewöhnlich tut , machte einen Schaden größer , trieb ihn der Unheilbarkeit entgegen , zeitigte Empfindungen , die ohne sie rasch verglommen wären , zum Brande , und was ein solcher Brand alles zu verzehren imstande ist , wer weiß es nicht ! Oh , Aufweisungen sind Teufelswerke , und Aufweisen ist ein höllisch Wort . Als der Teufel es bei der Eva anfing , Gottes Gebot ihr vernütigte , ihr weismachte , der liebe Gott gönn ihr guet Sach nicht , da wußte er wohl , was er damit in die Welt pflanzte ; denn Aufweiserei bricht aller guten Lehr und Strafe die Spitze ab , raubt der Gutmeinenheit das Vertrauen , ist die Handhabe , an welcher der Teufel die Dummen hält ; denn wer einmal der Aufweiserei die Ohren geöffnet hat , der ist gerade