Es war gar schön Wetter ! Es werden viele Leute dort gewesen sein ? Wir haben auch Leute gehabt , daß wir fast nicht zu wehren wußten « , dann mit rascher Wendung nach einigem Räuspern den Abzug genommen hatte , begann der Baumwollenhändler in wohlgesetzter Rede : Sie möchte ihm doch ja seine Aufführung nicht übel nehmen , die Freude hätte ihn übernommen . Er sei reich , habe ein gut Geschäft , es hätte ihm nur eine Frau gefehlt , für glücklich zu sein . Viele hätte er haben können , aber Keine sei ihm recht gewesen . Er habe nicht aufs Geld gesehen und nicht auf die Schönheit , er habe eine nach seinem Herzen gesucht , mit der er glücklich sein könne . Erst in ihrer Jungfer Tochter , der Jungfer Elise , habe er gefunden , was sein Herz verlangt . Vom ersten Augenblick an , wo er sie gesehen , sei es ihm wie angetan gewesen : » Die oder Keine ! « habe er bei sich selbst gesagt . Je länger je mehr habe er gefühlt , daß er ohne sie nicht mehr leben könne , und es endlich gewagt , sie auf die heutige Partie einzuladen . Im Gurnigel , unter den vielen Leuten , hätte er es nicht wagen dürfen , seine Erklärung zu machen . Er hätte schier nicht dürfen , hätte sein Herz in beide Hände nehmen müssen und doch erst nach dem Essen und beim Tanzen die Jungfer Elise fragen dürfen : ob sie ihn nicht verschmähe , ob er glücklich oder unglücklich sein solle in Zeit und Ewigkeit ? » Und meine liebe , teure Elise hat mich beglückt , hat meine Hand , mein Herz nicht verschmäht . Oh , da habe ich gefühlt , was es heißt , der Himmel tue sich einem auf ! Aber ich bin nicht ruhig gewesen , es hat mich geplagt , bis ich auch der guten Mutter meiner teuren Elise meine Absichten eröffnet , bis meine und meiner teuren Elise Bitten zu ihrem Herzen gedrungen , daß sie mich als Sohn annehmen und mit dem Besitz der unvergleichlichen Elise selig machen wolle schon hier auf Erden . « Der guten Mutter liefen die Tränen die Backen ab während dieser schönen Rede . Sie dachte bei sich , ein solches gutes Herz habe sie noch bei keinem Menschen gesehen . Aber wunderlich müßte doch so ein Herr sein . Sie müsse sagen , wenn ds Elisi schon ihr Meitschi sei , zur Frau wäre es ihr zu wüst und zu hässig ; aber in der Stadt sei alles gerade das Gegenteil als auf dem Lande . Da fräßen sie ja auch Schnecken und verachteten Küchleni . Als er endlich geendet hatte und ihre beiden Hände gefaßt hielt ( knien tat er nicht von wegen dem Kasimir an den Hosen ) , war sie in großer Verlegenheit , was sie antworten sollte . He ja , sagte sie endlich , das sei wohl gut und schön , aber er müßte den Vater fragen , der hätte zu befehlen , und was der sagen werde , wisse sie nicht , er sei allbets einist ein wenig wunderlich . Es komme darauf an , in was für einem Laun er sei und wie man es ihm breichen könne . Oh , sagte der Baumwollene , das mache ihm gar keinen Kummer , wenn es ihr recht sei , sie ein gutes Wort für ihn einlegen wolle . Sie solle nur Ja sagen , so sei ihm schon geholfen . » Aber Elise , kommt und helft mir die gute Mutter bitten , « sagte er zu seiner holden Braut , die unterdessen gar emsig Mandeln gegessen und Haselnüsse aufgemacht hatte . Die gute Mutter war nicht unbarmherzig . Sie dachte an Uli und wie auf diese Weise der Lärm ihr erspart würde , daß die Tochter den Knecht heirate . Der reiche Tochtermann mit seinem guten Mundstück gefiel ihr wohl , indessen sagte sie bloß : He , darwider wollte sie nicht sein , wenn ds Elisi nichts darwider habe und kein Anderer mehr ihm im Kopf sei . Aber versprechen könne sie nichts , das müsse der Mann machen , und dann müsse man doch noch etwas genauer wissen woher er sei und was er wohl für Mittel hätte . Sie zweifle nicht daran , daß alles so sei , wie er sage , aber es habe sich schon Mancher für reich ausgegeben und nachher sei man darübergekommen , daß alles lauter Lügenwerk gewesen . Und bsunderbar an solchen Orten , wie der Gurnigel auch eins sei , gebe es gar allerlei Leute , da müsse man wohl luegen , wem man traue . Sie denke immer an das Sprichwort : es gebe gar viel Beeren , allein es seien nicht alle Kirschen . Da war der Baumwollhändler ganz vergnügt und sagte : Oh , wenn es nur das sei , so sei er glücklich und die Jungfer Elise sein . Er wolle sich ausweisen , daß es eine Art hätte . Sie sollte nur keinen Kummer haben , er mache ein Haus , wie es wenige gebe . Er hätte unter den reichsten Fabriktöchtern im Aargau auslesen können und auch im St. Gallerlande . Man hätte ihm manchmal unter den Fuß gegeben , man möchte gerne ein Geschäft der Art mit ihm machen . Aber er hätte sie nicht verstehen wollen . Die Töchter dort seien ihm alle zu bauelig gewesen . Er handle zwar mit Baumwolle , aber das müsse er sagen , die Töchter habe er lieber sydig als bauelig . Die Alte lachte gar herzlich , nahm einen guten Schluck und vergaß fast das Pressieren zum Heimfahren . Es ging nun langsamer das Tal auf , und der Herr schwatzte ganz traulich mit seinen Damen und er , zählte ihnen von seinen Herrlichkeiten , seinen Einrichtungen , Geschäften , Plänen , daß es der Mutter ganz wunderlich im Kopfe ward und es ihr manchmal schien , die Tannen höben die Füße und tanzten Länguus um sie herum . Wenn es nicht so wäre , dachte sie , so würde er es nicht sagen , und alles Mißtrauen schwand . Sie konnte sich nicht sattsam an den Betrachtungen erlaben , wie das doch eine glückliche Badefahrt sei und wie das sich auch hätte treffen müssen , daß ds Elisi so einen hier gefunden , der so reich sei und gerade so gnatürt , daß er ds Elisi absolut haben wolle . In hundert Jahren , meinte sie , hätte das vielleicht sich nie so breicht . Das Zeichen im Kalender wolle sie sich aber merken , in dem sie die Badefahrt angetreten ; das müsse ihr ein vornehmes sein es nehme sie doch wunder , was für eines . Während die Alte ihre Betrachtungen machte , schätzelete der Herr mit der Jungen , wie es dieser auch recht war . Die Zeit verrann auf dem langen Weg , sie wußten nicht wie . Als sie bald heim waren , sagte ds Elisi : Es hülfe aber droben von dem allem , was heute vorgegangen , nichts sagen ; es begehrte nicht , daß die Herren es wüßten , es müßte sonst gar viel ausstehen von ihnen . Möglicherweise dachte ds Elisi , wenns dem einen oder andern auch noch einfiele , mit ihm nach Blumenstein zu fahren , so könnte es immer noch machen , was es wolle . Dem Baumwollenhändler war der Vorschlag auch ganz recht , aber aus andern Gründen . Im Gurnigel könnte manches bekannt sein , was ihm nicht lieb war , und der Neid es leicht vor die unrechten Ohren bringen . Die Mutter meinte , das verstehe sich . Das würde ein schöner Lärm daheim absetzen , wenn Joggeli vernähmte , seine Tochter sei Hochzeiterin im Gurnigel , und er wüßte nichts davon . Und so etwas trag der Luft in einem Tag , man wisse es nicht wie weit , bsunderbar wenn es Leute seien , auf die man öppe luege und die nicht zum Pöbel gehörten . Die Mutter hatte nichts darwider , daß der Baumwollenhändler seine Elise zur guten Nacht noch herzlich küßte und tat , als könne er fast nicht von ihr lassen . Endlich sagte die Mutter , es dünke sie , es sei genug , es sei morgen auch noch ein Tag ; es sei hohe Zeit , wenn man etwas schlafen wolle . Aber trotzdem , daß die gute Mutter endlich im Bette war , konnte sie doch nicht schlafen . Vor allem zog sie den Atem tief herauf , wie wenn es ihr geleichtet hätte auf der Brust , ds Elisi darab gefallen wäre . Dann dachte sie , was Joggeli wohl sagen werde , Diesmal werde es ihm doch wohl recht sein , was sie gemacht , da jetzt ds Elisi dem Knecht entronnen sei . Sie konnte aber auch nicht umhin , an Uli zu denken , was der sagen und machen werde ? Es ist ihm nicht übel gegangen , dachte sie zuletzt , er wird wohl noch etwas finden , das sich besser für ihn schickt als ds Elisi . Dann dachte sie an den Trossel , ließ alle Bettstücke , alle Ziechen , alle Leintücher , die zu diesem Zwecke gemacht bereit lagen , die Musterung passieren , zählte alle Stücke Tuch , die sie noch ganz hatte , auf und sann und sann , ob sie alle hinreichten , den Trossel so zu vervollständigen , daß er für eine reiche Herrenfrau passe . Und endlich gingen ihr noch alle Strangen Garn , gebauchetes und ungebauchetes , die vorrätig waren , an den Augen vorüber , sonderten sich zu dieser und jener Bestimmung , wanderten zu diesem , jenem Weber , je nachdem es Tischzeug oder Bettzeug oder Hemlituch oder Naselümpen geben sollte . Endlich ob dem Rechnen mit den Webern kam der gute Schlaf und ließ die gute Mutter nicht aus den Armen , bis die Sonne hoch am Himmel stund . In wenig Tagen lief der Aufenthalt im Gurnigel zu Ende . Der Baumwollenhändler leuchtete wie ein Siegesheld , bei der Mutter wechselten Sorgen mit mütterlicher Freude . Elisi aber war während der ganzen übrigen Zeit in beständigem Werweisen begriffen , ob es es mit diesem oder jenem Schnauz nicht noch besser gemacht und ob es nicht hätte warten sollen , bis sie fort wären , bis Keiner etwas gesagt , um das Jawort zu geben . Indessen tröstete es sich damit daß im gegebenen Fall noch nichts Schriftliches vorhanden sei , so daß es noch immer machen könne , was es wolle . Diese Bedenken ließen es nicht zum reinen Genusse seines Glückes kommen . Am Tage vor ihrer Abreise ward Elisi nicht müde , allen Leuten zu sagen , morgen früh um sechse reisten sie ab , und dann ging es spazieren nach jedem einsamen Winkel hin . Dann schwebte der Baumwollenhändler hinter ihm drein wie eine Bremse hinter einem Pferde und wollte zärtlich tun im Verborgenen . Aber Elisi fand , der Bysluft gehe kalt , und steuerte wieder der Laube zu . Kaum dort , strich es sich zu einer andern Türe aus wiederum spazieren . Horch , was säuselt hinter ihm drein : ists ein Schnauz , in dem der Wind weht ? Ach nein , es ist der Baumwollenhändler , der Staub ab dem Ermel bläst und dem Elisi nachschießt wie eine hungrige Fliege einem Suppenteller . Da klagt Elisi über den Wetterluft , der ihm gehe durch Mark und Bein , und segelt wiederum der Laube zu . Endlich am Abend , als niemand mit ihm spazieren gehen wollte , als man nur so in allgemeinen Redensarten , die es kaum verstund , sein Weggehen bedauerte , dachte es , Einer sei besser als Keiner , und es kam zu einem zärtlichen Abschied und näherer Abrede in ihrer Kammer oder Stube , man kann beid Weg sagen . Endlich hatten sie den Gurnigel im Rücken und die Mutter meinte : Sie wollte , ihr Herz wäre so leicht wie ihr Geldseckel ! » Joggeli wird luegen , wenn er sieht , wie er die Auszehrig hat . Doch das macht mir wenig , wenn ihm nur das Andere recht ist . Und was wird Uli sagen ? Es macht mir ein rechter Kummer , heimzugehen . « » Mir nicht « , sagte ds Elisi . » Was wird der Vater sagen ? Er wird brummen und räsonieren und wird mich machen lassen . Und was frage ich Uli nach ? Er ist nume dr Knecht ( die Mutter wußte aber nicht , was Elisi und Uli alles verhandelt hatten und wie sie eigentlich zusammen stunden , sondern bloß , daß sie einander süße Augen machten ) . Er ist e Göhl gsi , daß er gmeint het , er überchömi e Buretochter , we si öppis Bessers wüßti . « Aber Elisis Herz wurde doch schwer . Es kam die Eifersucht und spiegelte ihm nun vor Augen , was sein Baumwollenhändler alles treiben werde , wenn es fort sei . Alle Mägde , alle weiblichen Gäste gingen vor seinen Augen vorüber , und der Gwunder und der Kyb töteten es fast , was er wohl mit allen diesen anfangen und was er ihnen sagen werde . Wenn die Mutter nicht Meister gewesen wäre , es wäre umgekehrt und hätte in irgend einer Verkleidung den Verlobten beargauget . Sie wisse nicht , sagte die Mutter , wie sie es machen wolle , ob sie es dem Vater gleich sagen oder warten wolle , bis er komme . Sie wollte , es wäre vorbei . Am Kummer der Mutter nahm ds Elisi keinen Teil ; es dünkte ihns , es gäbe alles Geld , welches es hätte , wenn es nur wieder im Gurnigel wäre , ja es plärete endlich und sagte : Es stehe es nicht aus , so lang von ihm fort zu sein ! Elisi plärete bis zum Bären , wo die Wirtin gar teilnehmend sich bewies mit Hoffmannstropfen und vielen Fragen . Es besserte Elisi nicht , bis die Mutter sagte , sie müsse doch noch etwas in der Stadt herum . Sie sei lange fort gewesen , und wenn sie nicht auch etwas heimkramete , so ginge es übel . Es gruse ihr freilich , sagte sie , sie hätte Geld gebraucht , es sei eine Schande , sie hätte nicht von weitem an so viel gesinnet . Wenn sie etwa mangle , sagte die Wirtin , so solle sie es nur sagen , es stehe ihr zu Diensten , so viel sie wolle ; sie wisse wohl , wie das gehen könne . Nein , sagte die Bäurin , sövli bös zweg sei sie doch noch nicht . Sie hätte da noch öppis in einem Säckeli für die Not . Sie hätte freilich gemeint , sie wolle es nicht angreifen . Nun wollte ds Elisi auch mit , es wußte wohl warum . Die Mutter wollte erst nur für die Hauptpersonen etwas kramen . Aber wenn sie für dieses gekramet hatte , so dauerte sie jenes , wenn es nichts bekäme , und hatte sie für dieses etwas , so kam ihr ein Drittes in Sinn , und als sie einmal über die Hälfte aus war , so dünkte es sie , es wäre wüst von ihr , wenn sie nicht für alle etwas hätte . Sie möge die mißvergnügten Gesichter nicht sehen , sagte sie , die seien ihr verflümeret zuwider . Sie mußte das Reservesäckeli zur Hand nehmen , mußte Geld daraus nehmen und zwar viel , denn ds Elisi wollte zuletzt auch noch etwas . Es konnte niemand kramen sehen , wenn es nicht den bessern Teil davon bekam . Aber je mehr die Mutter daraus nahm , desto ringer ging es ihr . Äbe so mähr , dachte sie , e kly meh oder e kly minger , es gang jetz alles i eim zue ; es wüß niemer , wie lang es gang , gäb sie wieder vo Hus chömm ! Sie hatten fast nicht Platz in ihrem Chaischen , als sie heimfuhren , und mußten so übel sitzen , daß ds Elisi ein über das andere Mal balgete , die Mutter hätte nicht so viel zu kaufen braucht , man könne . Ja gar nicht sein . Es war ein schöner Abend , als sie heimfuhren . Bei jedem Schritt , den das Roß tat , wohlete es der Mutter . Wenn nur das schießig Züg nicht wäre , sie könnte nicht sagen , wie froh sie wäre , heimzukommen . Solche Betten , wie sie daheim hätten , hätte man doch im Gurnigel nicht , wenn es schon Herrenbetten sein sollten . Wenn sie nicht immer noch den Kittel und das Gloschli auf das Bett getan hätte , sie glaube , sie wäre erfroren und käme nicht lebendig heim . Sie hatte fast nicht Augen genug , nach allem zu sehen , nach jedem Kabisplätz , jedem Flachsplätz , nach den Kirsch , und Apfelbäumen . Alle Augenblicke sagte sie zu Elisi : » Lueg , die fangen schon an , Flachs zu ziehen ; dort sind doch schlechte Bohnen ! « Aber Elisi nahm sich nicht die Mühe , aufzusehen , sondern sagte : » Lueg , wie mein himmelblau Tschöpli abgeschossen ist , ich darf es nicht mehr tragen als bloß so daheim herum . « » Es nimmt mich doch wunder , « sagte die Mutter , » ob sie wohl den Kabis beschüttet haben ? « Dann mußte der Knecht Antwort geben , und auf das Genaueste wurde er über alles examiniert . Je näher sie nach Hause kam , desto mehr tat sie die Augen auf , zu sehen , wie alles stehe , und alle Augenblicke nahm es sie wunder : ob sie nicht mehr Gras hätten , als dort sei , auch so viel Brand im Korn , auch so schönes Werch . » Lueg , lueg ! « sagte sie endlich , » dort sieht man unsern Kirchturm , jetzt sind wir in einer Viertelstunde daheim . « Als sie den ersten bekannten Menschen sah , lachte ihr das Herz im Leibe und sie sagte : » Wenn ich gewußt hätte , daß wir den zuerst antreffen würden , ich hätte ihm auch etwas gekramet . Wenn ich noch einmal so lang fort sollte , was aber , so Gottswill ist , nicht mehr geschehen wird , so kaufe ich etwas , um es dem ersten bekannten Menschen zu geben , der mir beim Heimfahren begegnet . « Endlich bogen sie ein gegen ihr Gut . Vor Blangen hielt sich die Mutter am Fußsack , und eine Bemerkung nach der andern über jeden Baum und jeden Plätz entrann ihr unwillkürlich , und daß die Spatzen in den Erbsen seien , beschäftigte sie so , daß sie es fast nicht merkte , als sie zum Hause fuhren . Dort kam aus der Küche Vreneli gesprungen , aus dem Futtergang Uli , und am Stecken im Schopf stand Joggeli . Er sah doch seine Mutter gerne wieder kommen , wenn er es schon nicht sagte . Schon lange hatte die Mutter die Hand am Fußsack gehabt , wollte ihn jetzt abheben , allein er steckte sich , Uli mußte ihn emporreißen . » So , « sagte die Mutter , » aber vergiß doch recht nicht , morgen ein Gschüch in die Erbsen zu stellen , die Spatzen machen ihnen sonst viel zu wüst . « Drunten gab sie Vreneli die Hand und sagte freundlich : » Ist alles gut gegangen und hast gut Sorg getragen zu allem ? « Dann eilte sie , nachdem sie das Fürtuch glatt gestrichen , dem Joggeli zu , streckte ihm schon von weitem die Hand dar und sagte : » Gottwilche ! Wie ist es dir gegangen ? Ich bin doch so froh , daß ich wieder daheim bin , so bald bringt mich niemand mehr fort . « Uli hatte Elisi herausgehoben , und das hatte ihm guten Abend gewünscht und gesagt , er solle nicht unerchannt machen beim Auspacken und die Sachen hineinbringen , sie müßten ausgepackt sein von wegen den Rümpfen . Drinnen war das Kaffee schon zweg , und die Mutter konnte nicht genug rühmen , wie das eins sei . Wenn man schon meine , man habe den besten Kaffee , so fehle eim doch die Nidle , und die sei doch die Hauptsache . Es hätte sie manchmal dünkt , sie gäbte die Plättleni alle für ein Tröpfli guten Kaffee . » Gib mir noch ein Kacheli , « sagte sie zu Vreneli , » alle guten Ding sind drei ; es dünkt mich ich könne gar nicht aufhören . « Dann rühmte sie auch das Brot und den Käs und erklärte endlich : Es sei doch alles nüt gege daheim . Wenn man schon manchmal auch etwas zu klagen habe , » es ist einem doch endlich immer am wöhlsten daheim . « Sie konnte nicht satt werden , zu erzählen , was sie alles gesehen und wie wohl es ihr jetzt sei . Zweiundzwanzigstes Kapitel Von innern Kriegen , welche man mit einer Verlobung beendigen will Als Elisi wieder kam , hatte Uli ungefähr das Gefühl , wie wenn auf einmal eine Wolke vor die Sonne kömmt , oder wie es einem ist , wenn mitten in traulichem Gespräch eine Person , vor der man sich in acht nehmen muß , in die Stube tritt . Und doch sah er im Elisi sein Glück heimkommen , freute sich seiner , und es nahm ihn wunder , wie lange er jetzt wohl noch warten müsse . Sonderbar schien es ihm , daß Elisi diesen Abend nicht aus dem Hause kam , ihn nicht beim Brunnen , nicht im Stall , nicht im hintern Gängli suchte . Er grämte sich aber darüber nicht , sondern dachte , es werde ihm etwas Wunderliches durch den Kopf gefahren sein , es werde aber schon wieder zufrieden werden , und schlief getröstet ein . Drinnen aber ward nicht so bald Ruhe . Die Mutter hatte den ganzen Abend erzählt und Joggeli Bericht geben müssen über alles , denn er war auch schon im Gurnigel gewesen . Eins aber hatte sie noch nicht gesagt , und wenn sie auch von allen Personen redete , die sie droben angetroffen , der Baumwollenhändler kam nicht über ihre Zunge . Joggeli war lange nicht so teilnehmend gewesen , hatte lange nicht so ohne Muckeln zugehört , daß es sie dünkte , sie könne ihm nichts verheimlichen , sie müsse ihm das Hinterste her , vorgeben . Besonders als sie unter dem heimeligen Dackbett so behaglich sich streckte und es ihr so wohl ward in ihrem warmen , wohlbekannten Bette , schien es ihr eine eigentliche Sünde , wenn sie ihm nicht alles sage . » Los , « sagte sie , » ich muß dir noch etwas sagen , ich kann sonst nicht ruhig schlafen , es kömmt mir sonst vor in der Nacht . « » Was wird das öppe sein ? « sagte Joggeli , » hast du das Geld alles gebraucht ? « » Fast , « sagte sie , » aber wenn es nur das wäre , so machte es nichts ; es ist etwas ganz anderes , ich darf es fast nicht sagen . « Endlich nahm sie das Herz zusammen und sagte : » So stehts : ds Elisi hat einen , und der wird die nächsten Tage kommen und es dir abfordern , es mit dir richtig machen , zwischen ihnen ist schon alles ausgemacht und richtig . « » Das wäre mir der Teufel , « fuhr Joggeli auf , » da will ich auch noch dabeisein , aus der Sache wird nichts . Was würde der Johannes für einen Lärm anfangen ! Er schlüge allen die Beine ab . Und was würde Uli sagen ! Der liefe mir fort , und wie sollte ich dann bauren ? Wie er ist , bekomme ich Keinen wieder . Wegen Elisi bleibt er da , schlägt nicht mit dem Lohn auf ; ich habe das schon lang gemerkt . « » Willst du denn den Knecht zum Tochtermann ? « fragte die Mutter . » Bewahre , « sagte Joggeli , » für das begehre ich ihn nicht . Aber solange er ein Auge auf ds Elisi hat , bleibt er da ; während der Zeit sind wir wohl , und vielleicht sterbe ich derweilen , und was frag ich dann dem nach , wie es nachher geht , wenn ich nicht mehr da bin ! Ich glaube nicht , daß Elisi den Uli nähmte , wenn es ihm niemand wehrt , es ist zu hochmütig . Was will doch auch eine solche Gränne heiraten ? « » Es ist aber doch so « , sagte die Mutter , und gerade Solche setzten am meisten an , und man wisse zuletzt nicht , was es Dumms geben könnte . Jetzt habe es einen reichen Herrn an der Hand ; so gut mache es es sein Lebtag nicht mehr , und er werde doch nicht vor seinem Glück sein wollen . » Was , noch gar einen Herrn ! « sagte Joggeli . » Das wird mir ein schöner Fötzel sein und ein Hungerleider . Ein rechter Herr ließe sich nicht hinter eine solche Gränne . Das sind nur so die Ausgepeitschten , wo niemand mehr will und die nichts mehr zu beißen und zu brechen haben . « » Potz Tüfel nein , « sagte die Mutter und zählte ihre Beweistümer für den Reichtum des zukünftigen Tochtermanns her , wie er Geld habe und Geschäfte mache . » Gelogen ist bald viel « , sagte Joggeli . » Wenn er so reich ist , so muß er ein Narr sein , daß er so ein Häpeli , so ein Schlärpli will , nicht recht im Kopf , er würde sonst auf eine Hübschere sehen und auf eine , mit der mehr ist als mit unserem Elisi , das nicht einmal weiß , wie man einer Katz das Fressen darstellt , geschweige denn wie man es kocht . « » Potz Tüfel nein , « sagte die Mutter , » er ist der Gescheutest , wo im Gurnigel gewesen ist ; er hat gewußt , woher man die Baumwolle hat und wie man daraus das Tuch macht und was für ein Unterschied ist zwischen der Langentaler Ell und der Berner Ell . Das hat mir noch nie jemand können so begreiflich auslegen wie er . Und vom Weben hat er mir brichten können , die Augen sind mir fry übergelaufen . Wohl , unsern Webern will ich jetzt anders aufpassen ! Da ist er ein ganz Anderer gewesen als die Stöck von Bern , wo nichts gewußt als den Schnauz zu drehen , den Stock unter den Arm zu nehmen und zu sagen : Es schynt mr , dSunne well hüt no fürecho . « » Und sei er einer , wie er wolle , « sagte Joggeli , » so ist er ein Herr , und einem Herren gebe ich ds Elisi nicht . Wenns noch ein Baurensohn wäre , so wollte ich nichts sagen . Der könnte zu uns kommen , den Hof übernehmen lehensweise ; dem brauchte man nichts herauszugeben , und Uli könnte dann meinethalb gehen , wohin er wollte . Aber so einen Herrn begehre ich nicht auf den Hof , lieber wollte ich gehn und betteln . Der wird eine Ehesteuer wollen und keine kleine . Ich weiß wohl , wie es die Herren haben ; die märten schon untereinander um die Ehesteuer wie dMetzger um dKälber ; wenn sie dann erst einen Bauer unter die Finger kriegen , so meinen sie , man könne ihnen nicht Geld genug geben für die Ehre , ihnen den Hunger stellen zu können . Sie meinen , je uverschanter sie gegen einen Bauern seien , für um so höflicher sehe er es an . « Er hätte schon dem Johannes helfen müssen , daß ihm das Liegen weh tue ; wenn er nun noch so einem Herrn eine Ehesteuer geben müsse , so werden seine Gülten an einem kleinen Ort Platz haben , und vom Hofe könnten sie nicht leben , es müßte anders gehen . Wenn man so alt sei , so gewöhne man sich nicht gerne anders , gehe und habe es bös . Das hätte sie sinnen sollen , sie wäre witzig genug dafür gewesen . Aber wenn eine Frau etwas von einer Heirat schmöcke , so sei es ihr nicht mehr zu helfen und es sei gerade , wie wenn der Teufel in sie gefahren wäre . » Du bist immer der Wüstest , « sagte die Mutter . » Ich vermag mich dessen nichts , sie hatten es unter sich ausgemacht , ehe sie mir etwas gesagt , und wenn es dir nicht recht ist , so mach es mit dem Elisi aus ; du kannst dann erfahren , was das verübt . « Das sei ihm kommod , sagte Joggeli , erst die Sache anfangen und dann nichts davon wollen . Er wolle sich dar , ein nicht mischen , aber er sage ihr , er wolle nichts davon . Sie könne seinethalb sehen , wie sie wieder absage . Er hätte schon gehört , sagte sie , sie vermöge sich bei der ganzen Sache nichts , und er sei der Vater und wenn er nicht wolle , so könne er die Sache ausmachen und nicht immer nur die Faust im Sack machen und sie hineinstoßen . Diesmal wolle sie nichts davon . » Gut Nacht , schlaf wohl ! « Aber weder