, sondern eine Menge uns ganz unbekannter Künste und Kunstwerkzeuge erfunden haben werden , u.s.w. Nun , meine Freundin , sind wir auf der Höhe , von welcher aus wir uns , dünkt mich , überzeugen können , daß die Aufgabe , die du mir zu lösen gegeben hast , unauflösbar ist . Es gibt kein andres höchstes Gut ( wenn man es so nennen will ) für den Menschen , als , » das zu seyn und zu werden , was er nach dem Zweck der Natur seyn soll und werden kann : « aber eben dieß ist der Punkt , den er nie erreichen wird , wiewohl er sich ihm ewig annähern soll . Wo über jeder Stufe noch eine höhere ist , gibt es kein Höchstes - als täuschungsweise ; wie dem , der einen hohen Berg ersteigen will , diese oder jene Spitze die höchste scheint , bis er sie erklettert hat , und nun erst sieht , daß neue Gipfel sich über ihm in die Wolken thürmen . Alles , was für einen Menschen in seinem dermaligen Leben ( dem einzigen , das er kennt ) gut ist , ist zur rechten Zeit , am rechten Ort , im rechten Maß , und recht gebraucht , für den Augenblick das Höchste ; für den unsterblichen Menschen gibt es kein Höchstes als das Unendliche . Weiter , schöne Laiska , habe ich ' s bis jetzt nicht bringen können , und ich zweifle nicht , daß viel daran fehlt , daß meine Antwort deinen Sophisten und Phrontisten genug thun sollte . Was mich selbst betrifft , ich habe nie nach hohen Dingen , geschweige nach dem Höchsten , getrachtet ; und dafür haben mir die Götter immer reichlich mehr gegeben , als ich zu begehren gewagt hätte . Von allen ihren Gaben die reichste ist , daß sie mich mit dir zu gleicher Zeit geboren werden ließen , mich mit dir zusammen brachten , und in der Stunde , da du mir deine Freundschaft schenktest , mich auf mein ganzes Leben zu einem der glücklichsten Sterblichen weihten . Müßt ' ich nicht Adrasteien190 zu erzürnen fürchten , wenn ich meine Wünsche noch höher zu treiben versuchen wollte ? Anmerkungen zum ersten Band . Wieland hat zur Charakteristik Aristipps ein doppeltes Motto aus Horaz gewählt , das erste aus einem Brief an Scäva ( Epp . I. 17 , 23. ) : Gleich gut stand Aristippen , wie jegliche Farbe , das Glück an ; Höher hinauf gern strebt ' er , und dem , was begegnete , fügsam . Voß . Das zweite aus einem Brief an Mäcenas ( Epp . I. 1 , 18. ) , welches Wieland selbst so übersetzte : - Und statt mich selbst den Dingen Zu unterwerfen , seh ' ich wie ich ' s mache , Sie unter mich zu kriegen . Ein Auszug aus Wielands Anmerkungen ( S. 59-50 ) dazu wird hier gewiß zweckmäßig als Einleitung dienen . Die Philosophie , als die Kunst zu leben , heißt es , wurde bei den Griechen gleich andern schönen Künsten behandelt ; sie hatte ihre Meister und Schulen wie die Bildnerei und Malerei . Sokrates machte zwar selbst keine Secte - eben weil er Sokrates war : aber alle nach ihm entstandenen philosophischen Schulen und Secten wurden von irgend einem der Seinigen gestiftet oder veranlaßt . Plato , der berühmteste unter seinen Anhängern , stiftete die Akademie , Aristoteles , der größte Kopf unter Platons Schülern , das Lyceum . Aristipp machte sich zwar sein eigenes System , aber kann so wenig als Sokrates für das Haupt einer Schule gehalten werden , wiewohl man ihn dazu gemacht hat.A1 Antisthenes wurde der Vater einer Secte , die mit dem wenig rühmlichen Namen der Hündischen ( Cyniker ) sich gleichwohl in einiges Ansehen zu setzen wußte , und unter den Philosophen das war , was die Franciscaner unter den Mönchen . Hundert Jahre nach Sokrates Tode wurden Zeno und Epikur , indem jener die Weltbürgerschaft des Antisthenes , dieser den Egoismus des Aristippos zu rectificiren suchte , die Stifter zweier neuen Schulen , welche in kurzem über alle übrigen hervorragten , aber in allen ihren Begriffen und Grundsätzen Antipoden waren - der Epikurischen und der Stoischen . Von dem eigentlichen System des Aristippus wissen wir nur sehr wenig Zuverlässiges ; denn seine Schriften sind verloren gegangen , und von den sogenannten Cyrenäern , seinen angeblichen Nachfolgern , läßt sich kein sicherer Schluß auf ihn selbst machen . In dem , was Diogenes Laërtius von ihm zusammengestoppelt hat , sind die Anekdoten und Bonsmots das Beste , wiewohl darunter einige von verdächtigem Schlage vorkommen . Aber , wenn wir auch nichts von ihm wüßten , als was uns Horaz sagt : so würde dieß , mit etlichen Zügen , die sich im Cicero , Plutarch und Athenäus finden , schon hinlänglich seyn , uns von der Denkart dieses Philosophen , der so wenig dazu gemacht war , gute Nachahmer zu haben , einen ziemlich reinen Begriff geben . Der Grund seiner ganzen Philosophie scheint folgendes Raisonnement gewesen zu seyn . Der Mensch weiß nichts gewisser als daß er ist , denn dieß fühlt er ; und eben dieß Gefühl sagt ihm alle Augenblicke , was er ist , nämlich ein Wesen , dessen Existenz eine Kette von angenehmen oder unangenehmen Empfindungen ist , die ihm entweder von außenher kommen , oder die es sich selbst macht . Aus jenen erkennt er zwar , daß eine unendliche Menge von Dingen außer ihm sind ; aber was diese Dinge für sich selbst sind , weiß er nicht ; und da es ihn im Grunde nichts angeht , so soll er sich auch nichts darum kümmern . Aber was er gewiß weiß , weil er ' s fühlt , ist : daß ihm diese Dinge geradezu Lust oder Unlust machen , theils Gelegenheit geben , daß er sich selbst ihrentwegen plagt . Das letztere zu vermeiden , hängt sehr von seinem Willen oder doch von seiner Weisheit ab ; denn seine Einbildungen und Leidenschaften sind in ihm selbst , und er kann also , wenn er will und es recht angreift , sehr wohl Meister über sie werden . Was die Dinge außer ihm betrifft , so mag er ( wenn er kann ) diejenigen vermeiden , die ihm Unlust machen , und diejenigen suchen , die ihm wohlthun . Kann er aber jene nicht vermeiden , ohne sich größrer Unlust auszusetzen , so duldet er , wenn er weise ist , das kleinere Uebel um des größern Guten willen ; und eben so unterläßt er lieber ein Vergnügen zu suchen , wenn er weiß , oder sehr wahrscheinlich vermuthen kann , daß es mit mehr Unlust verbunden sey als das Gute daran werth ist . Unvermeidliche Uebel erleichtert er sich durch Geduld ; alles Angenehme aber genießt er , wenn es gleich mit einiger geringen Unlust verbunden ist ; aber genießt es als etwas Entbehrliches , wie einer eine Rose pflückt , die an seinem Wege blüht ; und da die meisten Dinge uns nicht durch das was sie sind , sondern durch das was wir ihnen geben , oder durch unsre Vorstellungsart , glücklich oder unglücklich machen , so gewöhnt sich ein weiser Mann , die Dinge außer ihm von der angenehmsten oder doch leidlichsten Seite anzusehen . Durch diese Art zu denken erhält er sich frei und unabhängig , während daß die ganze Welt sein ist . Er verschafft sich jedes Gut um den wohlfeilsten Preis , denn er gibt nichts Besseres darum hin ; wird es ihm entzogen , so betrachtet er ' s als etwas , das nie sein war . Kurz , er kann alles genießen , alles entbehren , sich in alles schicken , und die Dinge außer ihm werden nie Herr über ihn , sondern er ist und bleibt Herr über sie . Die Zeit der Blüthe Aristipps fällt um die 100ste Olympiade , 380 Jahre vor Christus . Mit der 94sten Olympiade , 404 J. vor Ch . , beginnt diese Schilderung Wielands , 4 Jahre vor dem Tode des Sokrates , 25 Jahre nach dem Tode der Perikles . Aristipp wird einige 20 Jahre alt angenommen , und kann füglich nicht höher angenommen werden , da er noch über 60 Jahre nach des Sokrates Tode lebte . 1. Brief . 1 Cyrene , Kyrene ( jetzt Kurin ) die Vaterstadt der Philosophen Aristippos und Karneades , des Dichters Kallimachos und des Mathematikers Eratosthenes , lag in Afrika , auf der Westseite von Aegypten , an der Küste des Mittelländischen Meeres , in einer höchst fruchtbaren Gegend . Griechen von der Insel Thera , unter Anführung des Battos , hatten hier eine Colonie gestiftet , und Cyrene , wonach die ganze Landschaft Eyrenaika genannt wurde , oder auch , weit späterhin noch vier Städte hier angelegt wurden , Pentapolis ( Fünfstadt ) , erwuchs zu einem blühenden Handelsstaat . Battos war der erste König dieses Griechisch-Afrikanischen Staates , und seine acht Nachfolger , die Battiaden , regierten von 631-432 v. Chr. Im ersten Jahre der 87sten Olympiade , 431 v. Chr. , endigte ihre Herrschaft , und Kyrene erhielt eine republicanisch-aristokratische Verfassung , bis Ariston Alleinherrscher wurde , der aber im Jahre 406 v. Chr. umkam . Diese Krisis fällt nun eben in diese Periode Aristipps . 2 Stadt auf der Insel Kreta . 3 Die berühmte Argo , worauf die Argonauten von Thessalien aus nach Kolchis ( Mingrelien ) schifften . Auf die vielen Wundersagen , die von dieser Schifffahrt erzählt werden , spielt Aristipp an . 4 Von den Musen Begeisterte , hier nicht ohne schalkhafte Anspielung auf die unten vorkommende Nympholepsie . 5 Oeffentliche Volks- oder National-Versammlung . 6 Oder Knossus - Stadt auf der Nordküste der Insel Kreta . Außer dem berühmen Labyrinth , woraus Ariadne den Theseus rettete , und von dessen Ueberresten Tournefort Nachricht gibt , war hier , dem Lactanz zufolge , auch Jupiters Grabmal zu sehen , wegen dessen aber Kallimachus die Kreter als arge Lügner schilt , indem ein ewig lebender Gott nicht begraben seyn könne . 2. Brief . 7 Die Staatsverfassung von Korinth war , seit der Alleinherrschaft Perianders , ( des zweideutigsten unter den sieben Weisen ) oligarchisch , d.i. die Regierung befand sich hauptsächlich in den Händen einer kleinen Anzahl alter und begüterter Geschlechter , deren Ursprung sich zum Theil in den heroischen Zeiten verlor , und die sich durch den Beinamen Eupatriden ( Wohlgeborne ) von den Plebejischen unterschieden . W. 8 Mina ( Mna ) eine fingirte Münze , welche 100 Drachmen enthielt und deren 60 ein Attisches Talent ausmachten . Man kann sie , ohne einen beträchtlichen Rechnungsfehler , für 22 Reichsthaler Conventionsgeld annehmen . W. 9 Eine Stadt in der Peloponnesischen Provinz Elis , an deren Stelle aber die Stadt Olympia soll erbaut worden seyn . 3. Brief . 10 Aktäon wurde , weil er die Minerva im Bade gesehen hatte , in einen Hirsch verwandelt , und von seinen eignen Hunden zerrissen . 11 Bäder . 12 Ixion ward in der Unterwelt auf ein Rad geflochten , wo ihm täglich ein Geyer die , stets wieder wachsende , Leber ( den Sitz der Liebe nach der Griechen Meinung ) aushackt . 13 Einer der größten Bildhauer , die aus der Schule des Phidias hervorgingen , ein Mitschüler und Rival des nicht weniger berühmten Agorakritos , der von seinem Meister so leidenschaftlich geliebt wurde , daß dieser , um ihm einen Namen zu machen , viele seiner eigenen Werke für Arbeiten seines Lieblings ausgegeben haben soll . ( Denn dieß will Plinius ohne Zweifel mit den Worten sagen : ejusdem ( Phidiae ) discipulus fuit Agoracritus , ei aetate gratus : itaque e suis operibus pleraque nomini ejus donasse fertur ) . Für das schönste unter den Werken des Alkamenes , welche noch zu Plinius und Lucians Zeiten in Athen zu sehen waren , erklärt der letztere ( unstreitig ein elegans spectator formarum ) eine in den sogenannten Gärten außer den Mauern von Athen aufgestellte Venus , welche über eine andere , vom Agorakritus zu gleicher Zeit mit ihm in die Wette gearbeitete , den Preis erhielt , und von so hoher Schönheit war , daß die Sage ging , Phidias selbst habe ihr die letzte Vollendung gegeben . Diese Sage konnte aber wohl keinen andern Grund haben , als die Meinung : Alkamenes könnte ein so vollkommenes Kunstwerk nicht ohne Beistand seines Meisters zu Stande gebracht haben . Sie zeugt also bloß für das große Talent des Alkamenes , und die vorzügliche Schönheit seiner Venus ; denn daß Phidias wirklich die letzte Hand an sie gelegt habe , ist schlechterdings unglaublich , wenn die Anekdote von seiner außerordentlichen Vorliebe zum Agorakritus wahr ist . In diesem Falle würde Phidias sich beeifert haben , der Arbeit seines Lieblings den Vorzug zu verschaffen , und also das , was er für Alkamenes gethan haben soll , vielmehr zum Vortheil des Agorakritus gethan haben . Eine von diesen beiden Sagen ( deren auffallenden Widerspruch der Römische Compilator nicht zu bemerken scheint ) muß also nothwendig grundlos seyn ; und so ist es um die meisten , wo nicht um alle die Sagen beschaffen , die unter den Griechen über ihre vorzüglichsten Personen beiderlei Geschlechts herumliefen . Das Schlimmste ist , daß beinahe alles vorgeblich Historische , was uns die alten Biographen , Anekdotensammler und Compilatoren , Diogenes von Laërte , Athenäus , Suidas u.s.w. von diesen Personen erzählen , aus solchen Sagen besteht , welche größtentheils aus der unreinen Quelle der alten Komödien- und Sillen-Schreiber geflossen zu seyn scheinen . W. 14 Freundin , bei uns - Freudenmädchen . Daß sie in der Handelsstadt Korinth , wo ein berühmter Tempel der Venus ( Aphodite ) war , unter dem besondern Schutze dieser Göttin standen , erinnert an die Sitte orientalischer Handelsplätze , wo es zum Tempeldienst gehörte , daß die Jungfrauen ihre Jungfräulichkeit einem - Fremden opferten , wofür die Einkünste in den Tempelschatz flossen . 15 Die Auftauchende , heißt Venus , weil sie aus dem Meer entsprang , und als neugeborne Göttin zum Entzücken des ganzen Olymps daraus emporstieg . Eins der schönsten Gemälde des Apelles war unter diesem Namen bekannt . 16 Epopten , hießen diejenigen , die nach gehöriger Vorbereitung zum Anschauen der großen Mysterien zugelassen worden . W. 17 Iris ( Regenbogen ) - Die Votin der Götter und insbesondere Dienerin der Götterkönigin - für Zofe überhaupt gebraucht . W. 18 Eine unter dem König Darius zuerst geprägte . Persische Goldmünze , ungefähr vier Thaler sechs oder acht Groschen unsers Geldes werth . W. 4. Brief . 19 S. Wielands erste Anmerkung zu Horazens sechstem Brief im ersten Buche . 20 Sieg - Durch die Siege bei Marathon und Salamin retteten die Griechen ihre Freiheit , die von Persiens Uebermacht bedroht war . 21 Nach denen die alle vier Jahre sich erneuernden Olympiaden als die gewöhnliche Zeitrechnung der Griechen angenommen wurden , sind nach Einigen von Jupiter selbst oder den Kureten gestiftet , und nach einer Unterbrechung erst von Hercules , dann von Pelops , und zuletzt von Iphitus und Lykurgus , gegen 800 Jahre v. Chr. erneuert . Des Iphitus Verordnungen darüber waren auf einem Diskus eingegraben , den man im Junotempel zu Olympia aufbewahrte . Fünf Tage in unserm Monat Julius waren dazu bestimmt , die ersten zum Ringen und Faustkampf , der dritte zu den sogenannten Fünfkämpfen ( Pentathloi ) , Ringen , Faustkampf , Laufen , Werfen der Wurfscheibe ( Diskus ) und des Wurfspießes , der vierte zum Wettlaufe zu Fuß und zu Roß , der fünfte zum Wagenrennen . Die Beschuldigungen , welche Aristipp hier vorbringt , sind allerdings durch manche Zeugnisse bestätigt , und doch war . 22 Man sehe Manso ' s Abhandlung über den Antheil , welchen die Griechen an den Olympischen Spielen nahmen , in der N. Bibl . der sch . Wiss . Bd . 47. Vergl . Böttigers Kunstmythologie S. 55. Abgerechnet alles , was sie als eine National-Versammlung wichtig machte , hatten sie auch im Geist ihrer Einrichtung viel Aehnliches mit den Turnieren , und verschafften einen Gottesfrieden , den man sogar symbolisch angedeutet hatte , denn beim Eintritt in den Tempel Jupiters erblickte man zur Rechten die Bildsäule des Iphitus , den die Ekechereia bekränzte , d.i. der Stillstand aller Feindseligkeiten zwischen allen Griechen , welcher während dieser Tage eintrat . Nichtsdestoweniger hätte man vieles zweckmäßiger einrichten können ; dachte aber vielleicht daran , daß das Alte den Meisten heilig und das Gewohnte das Liebste ist ; kurz , wie der Eleer , welchen Wieland nachher einführt . 23 Eryx - ein gewaltiger Sicilischer Faustkämpfer ( pyktes ) der heroischen Zeit , welcher zuletzt , von Hercules überwältigt , dem Berge Eryx in Sicilien , wo er begraben wurde , den Namen gab . W. 24 » Der schönste der Männer , die gegen Ilion zogen . « Il . II. 671 . W. 25 Ein seiner Schönheit und Stärke wegen berühmter Athlet . W. 26 Cestus , hieß bei den Römern eine Art von Fechthandschuh aus dicken rindsledernen Riemen um den Arm und die Faust gewunden ( auch wohl mit Blei gefüttert ) , womit die Faustkämpfer ( Pikten ) ihre Hände bewaffneten . Die Griechen nannten dieß xeires oplismenai , ohne einen besondern Namen für den Cestus zu haben . W. 27 Die Griechen nannten alle nicht Griechisch redenden Völker Barbaren , ohne auf ihre mehrere oder mindere Cultur und Policirung dabei Rücksicht zu nehmen ; wiewohl sie sich auch hierin großer Vorzüge über die übrigen Erdebewohner bewußt waren , und mit einer gewissen Verachtung auf alle Nicht-Griechen herabsahen . W. 28 Athleten , hießen mit einem gemeinsamen Namen alle Wettkämpfer , welche bei öffentlichen Spielen in den fünferlei Kampfübungen , die unter dem pentathlos begriffen waren , um den Preis stritten ; in engerer Bedeutung des Wortes wurden vorzüglich die Pankratiasten , d.i. die Ringer und die Fechter mit dem Kampfhandschuh ( cestus ) , Athleten genannt . W. 29 S. oben Athleten . 30 Die Pythischen , wurden alle 5 Jahre dem Apollon , - die zu Nemea , die Nemeischen , alle 2 Jahre dem Jupiter , - die zu Korinth , die Isthmischen , alle 2 Jahre dem Poseidon zu Ehren gefeiert . 31 S. die folgende Anmerkung . 32 Die Hellenen oder eigentlich sogenannten Griechen erkannten den Deukalion ( einen Thessalischen Fürsten , der ungefähr 1500 Jahre vor der christlichen Zeitrechnung gelebt haben soll ) oder , genauer zu reden , seinen Sohn Hellen ( von welchem sie ihren allgemeinen Namen führten ) für ihren gemeinsamen Stammvater . Hellens Söhne , Dorus und Aeolus , und Ion , sein Enkel , gaben ihren Namen den drei Hauptästen in welche die ältesten Hellenen sich theilten , und deren jeder in der Folge sich wieder in mancherlei Zweige verbreitete . Dorus bemächtigte sich ( alten Sagen nach ) der am Fuße des Parnassus liegenden kleinen Landschaft Doris ; Aeolus und seine Nachkommen ließen sich in Elis , Arkadien und andern Gegenden der Halbinsel , die in der Folge den Namen Peloponnesus bekam , nieder ; und nach Ion führten die Bewohner von Attika den Namen Ionier , der sich nach Verlauf mehrerer Jahrhunderte in den berühmtern der Athenäer ( oder Athener ) verlor . Diese drei Hellenischen Stämme gaben , als sie sich in der Folge auch an der westlichen Küste von Asien anbaueten , den Provinzen Aeolis , Ionia und Doris , so wie den drei Hauptdialekten der Griechischen Sprache , ihren Namen . Das Gewisseste von allem diesem ist , daß in den Zeiten , wo die Geschichte der Griechen aufhört ein verworrenes und undurchdringliches Gestrüppe von Mährchen und widersprechenden Volks- und Stammsagen zu seyn , die ganze Hellas theils aus Dorischen theils aus Ionischen Völkern und Städten bestand ; daß unter jenen Lacedämon , unter diesen Athen als die ersten an Macht und Ansehen , gewöhnlich diejenigen waren , an welche sich die übrigen , freiwillig oder gezwungen , anschlossen ; und daß zwischen diesen beiden Hauptstämmen von jeher in Naturanlagen , Cultur , Mundart , Sitten und politischer Verfassung eine so auffallende Ungleichheit und eine so entschiedene Antipathie geherrscht hatte , daß sie höchst wahrscheinlicher Weise , ohne die wohlthätige Gegenwirkung der ihnen eigenen National-Institute , einander selbst lange vorher aufgerieben haben würden , ehe sie die hohe Stufe von Cultur erreicht hätten , wodurch sie , sogar nachdem sie selbst eine Nation zu seyn aufgehört haben , die Gesetzgeber , Lehrer und Bildner aller übrigen geworden sind . W. 33 Ehärephon war ein vertrauter Freund des Sokrates . Daß er das Orakel Apollons zu Delphi wegen des Sokrates Weisheit befragte , berichten Platon und Xenophon in ihren Vertheidigungsschriften des Sokrates . In dem gegebenen Orakel hätte wohl durch die Pythia - die das Orakel aussprechende Priesterin - Ehärephon selbst sprechen können ; hat sie aber nur so negativ und vergleichungsweise gesprochen wie bei Platon und Xenophon , so war sie vollkommen sicher , niemals der Bestechlichkeit beschuldigt werden zu können . Und mir ist glaublicher , daß sie ihr Orakel eben so , wie jene sagen , und nicht wie es anderwärts angeführt wird , ausgesprochen habe . 34 Diesen Sohn von des Sokrates altem Freunde Kriton lernt man am besten aus Xenophons Gastmahl kennen . 35 Der in jüngeren Jahren des Sokrates Umgang gesucht hatte , wurde nachher ausschweifend , und hatte mit Alcibiades nur das gleiche Streben und die schlimmen Eigenschaften , nicht aber die guten gemein . Mit hoher Einbildung auf Abkunft , Reichthum und Macht verband er Habsucht und Grausamkeit , die er als einer der von dem Spartanischen Feldherrn Lysander aufgedrungenen Dreißig-Männer so sehr bewies , daß es zwischen ihm und Sokrates zum offenen Bruche kam . 36 Die Einwohner dieser , zu der Gruppe der Eykladen im Aegeischen Meere gehörigen , Insel hatten mit den Athenern gerechten Krieg . Als sie sich endlich ergeben mußten , hieben die Athener fast alle junge Mannschaft nieder und verkauften Weiber und Kinder . Thuc . 5 , 116 . 37 Burg , Citadelle . 5. Brief . 38 Die Rennbahn , wo öffentliches Pferd- und Wagenrennen gehalten wurde . W. 39 Oeffentliche Plätze zu Leibesübungen , im Ringen , Werfen u.s.w. 40 Beschreibung - des Jupiter von Phidias - Mit dem , was Wieland hierüber sagt , hat der , welcher die genaueste Belehrung wünscht , zu vergleichen die beiden Schriften über den Tempel und die Bildsäule des Jupiters zu Olympia , von Völkel ( Leipz . 1794 ) u. Siebenkees ( Nürnb . 1795 ) , dann aber vorzüglich Böttiger in den Andeutungen S. 93. fgg . , und noch weit mehr in der Kunst-Mythologie S. 52. fgg . Wir werden noch einmal darauf zurückkommen bei Wielands Abhandlung über die Ideale der Alten . 41 Der Wolkensammelnde - Beiwort des Zeus bei Hommer . 42 Anspielung auf eine allgemein bekannte Stelle im ersten Buche der Ilias , und auf die Sage , daß diese Stelle durch eine plötzliche Begeisterung das Ideal erzeugt habe , nach welchem Phidias seinen Olympischen Jupiter gearbeitet habe . 6. Brief . 43 ( Gähnaffen , Maulaufsperrer ) . - Voß übersetzt : Gaffener - Ein Spottname , welchen Aristophanes den Athenern gibt , um die sinn : und zwecklose Neugier , Leichtgläubigkeit und Unbesonnenheit , die zu den Hauptzügen ihres Volkscharakters gehörten , mit einem angemess ' nen Worte ( das von dem dummen Schnabelaufsperren der Gänse und der jungen Vögel , wenn sie von den Alten geätzt werden , hergenommen ist ) zu bezeichnen . W. 44 Alles , was Aristipp in dieser und andern Stellen seiner Briefe von dem Aeußerlichen des Sokrates sagt , stimmt sowohl mit der Idee , die man sich aus verschiedenen Stellen im Xenophon und Plato von ihm machen muß , als mit den schönsten Sokratesköpfen auf antiken Gemmen sehr genau überein ; auch scheinen seine Bemerkungen über die Physiognomie und überhaupt über das Eigene und Charakteristische an der Außenseite desselben einen hinlänglichen Grund zu enthalten , warum er die bekannte , dem Cicero und Alexander von Aphrodisias so oft nachgebetete Anekdote von dem , was dem Sokrates mit dem Physiognomen Zopyrus begegnet seyn soll , wofern sie ihm auch bekannt war , keiner Erwähnung würdigt . Uebrigens pflegte Sokrates selbst über seine Silenenmäßige Gestalt zu scherzen , und es wäre lächerlich , ihn ( wie einige gethan haben ) der Schönheit seiner Seele zu Ehren , und dem Zeugniß seiner vertrautesten Freunde zu Trotz , zu einem Adonis machen zu wollen . Ich zweifle daher nicht , daß Epiktet , wenn er ihm soma epixari kai hdy zuschreibt ( S. Arriani Diss . Ep . IV. 11. ) , nicht mehr damit habe sagen wollen , als was Aristipp hier nur ausführlicher und bestimmter ( wie einem Augenzeugen zukommt ) ausgedrückt zu haben scheint . W. 45 S. in einem der folgenden Bände Wielands Aufsatz über Athens Verfassung . 46 Drei Obolen , etwa drei Kreuzer , erhielt seit Perikles jeder Bürger , der an den Volksversammlungen Theil nahm . 47 Kalokagatoi - Was man damals zu Athen einen Kalokagathos nannte , war mit dem , was die Engländer a Gentleman , und die Franzosen un galanthomme nennen , ziemlich gleichbedeutend . Oefters bezeichnet es auch so viel als eine Person von vornehmer Geburt und Erziehung . In der moralischen Bedeutung , da es so viel als schöngut , oder gutedel heißt , scheint es vom Sokrates zuerst genommen worden zu seyn . W. 48 Ein Beiname der Athener , von Cekrops , dem ersten Stifter der Stadt Athen , welche anfangs nach ihm Cekropia genannt wurde . W. 49 Gastmahle . Die Sokratischen kennt man aus zwei Schriften Platons und Xenophons unter diesem Titel . 7. Brief . 50 Sophist , entspricht in seiner ersten Bedeutung dem , was wir einen Virtuosen nennen . Seitdem in des Sokrates frühesten Lebensjahren zuerst Zenon aus Citium , ein Philosoph aus der Eleatischen Schule in Unter-Italien , nach Athen kam , um , für gute Zahlung , die Theile der Philosophie zu lehren , die hauptsächlich mit der Rednerkunst in Verbindung stehen ( Dialektik ) , nannten er und seine Nachfolger sich Sophisten , welcher Name erst verrufen wurde durch der spätern prahlerisches Scheinwissen und unredliche Verdrehungskünste , die hauptsächlicg Sokrates und seine Schule aufzudecken beflissen waren . Sokrates setzte daher auch den Namen der Philosophie ( Liebe der Weisheit ) als einen bescheidneren dem der Sophistik entgegen . Bei Pythagoras , der sich des Namens der Philosophie zuerst bediente , hatte sie noch die Sokratische Bedeutung nicht . 51 Was Aristipp hier sagt , wird durch eine bekannte Stelle im Theätetus des Plato bestätigt . 52 Der gerechte und ungerechte Vortrag . Man sehe darüber Wieland im Attischen Museum Bd . 2 Hft . 3. S. 98 fgg . , wo er den Scholiasten dahin erklärt , daß Aristophanes die beiden Kämpfer in besiederten Masken , die ihnen auch das äußere Ansehen von Streithähnen gaben , habe auftreten lassen . 53 Die ehrwürdigen Chariten ( Holden ) , jedes Werk im Himmel ordnend . 54 Anaxagoras , kann als der letzte Philosoph aus der sogenannten Ionischen Schule betrachtet werden . Die zu ihr gehörigen Philosophen nannte man Physiker ( Naturphilosophen ) und ihre Philosophie auch die physische , weil sie hauptsächlich darauf ausging , Ursprung und Wesen der Natur zu erklären . Anaxagoras und der Sophist Zenon brachten zu gleicher Zeit , jener die Ionische , dieser die Italische Philosophie nach Athen , wo , besonders durch Sokrates und seine Schüler , aus beiden die neue Attische sich bildete . Wenn hier dem Anaxagoras vorgeworfen wird , daß er das Studium der Natur auf einem falschen Wege gesucht habe , so ist dieß nur zum Theil wahr , und Sokrates verdankte zuverlässig sowohl seinen physikotheologischen Beweis für die Weisheit und Güte Gottes , als auch seine teleologische Betrachtung der Natur dem Anaxagoras , der unter den Griechen zuerst die Einheit Gottes als einer von der Welt verschiedenen höchsten Intelligenz lehrte . 55 Volksleitung . 8. Brief . 56 Fortleitung , nennt man diejenige Lehr- oder Beweisart , welche von einem Einzelnen ausgeht und so viel Gleiches nach einander hinzubringt , daß daraus das ihnen gemeinsame Allgemeine gefolgert werden kann . - Neben der Induction bediente sich Sokrates aber auch der Analogie , zufolge welcher aus der Gleichheit in Mehrerem auf Gleichheit des Ganzen geschlossen wird . Sehr treffend unterscheidet Wieland hier des Sokrates Lehrmethode von seiner Streitmethode , der Ironie , die man mit einander so sehr verwechselt hatte , daß wenig fehlte , man hätte allen Katecheten Ironie zugemuthet . Vielleicht hat man ' s gar gethan . Nur in dem , was Wieland hier von der Sokratischen Seelen-Entbindungskunst ( Mäeutik ) sagt , scheint er mir nicht erschöpfend : es ist jedoch hier der Ort nicht , das Gesagte zu berichtigen . Darum genüge die Bemerkung , daß diese zusammenhängt mit seinem Glauben an Präexistenz der Seelen und mit dem Satze , daß unser Erlernen ein Wiedererinnern sey . Bei der Untersuchung wird man von dem Satze ausgehen müssen , daß sich auch eine Seele nur von dem entbinden läßt , was sie in sich wirklich von Natur hat . Die Mäeutik kann sich daher nur auf mathematische und philosophische Erkenntnisse , nicht aber auf empirische und historische Kenntnisse beziehen , woraus von selbst folgt , daß man mit Induction und Fragkunst ( Erotematik ) dabei nicht auskommt . 57 Dieses Gespräch zwischen Sokrates und Euthydemus ist von Wort zu Wort das nehmliche , welches im sechsten Abschnitt des vierten Buchs der Sokratischen Denkwürdigkeiten zu lesen ist . Aristipp sowohl als Xenophon erzählen es , als ob sie dabei zugegen gewesen , welches sehr wohl Statt