siebzig geworden ) von Alleinsein und Stille gelegentlich mehr besaß , als ihm lieb war , und unter dem Druck einer gewissen Vereinsamung eifrig dahin strebte , die wenigen ihm treu Verbliebenen für den Rest seiner Tage festzuhalten . Er wollte nicht unter Fremden sterben . Baurat Steinert war ein Gegenstand seines besonderen Vertrauens . Noch wenige Tage vor seinem ( des Prinzen ) Tode , als sie die Pyramide besuchten , in der er beigesetzt zu werden wünschte , sagte er lächelnd zu dem vielbewährten Diener : » Stellt mich so , Steinert , daß ich nach dem Schlosse hinüberblicke , und sagt ' s auch den Leuten , daß ich so stehe . Das wird manchen in heilsamer Furcht halten . « Lebauld – Le Beauldt de Nans , wie er in andern Büchern genannt und geschrieben wird – war eigentlich Sekretär des Prinzen , erfreute sich aber des Titels eines Kammerrats oder Conseiller des chambres . Zur Belohnung für langjährige Dienstleistungen , aber zugleich auch in dem Bestreben , ihn auf die Weise zu fesseln , empfing er seitens des Prinzen zwei der zum Amte Rheinsberg gehörigen Erbzinsgüter : Schlaborn und Warenthin , die noch geraume Zeit hindurch in Händen der Lebauldschen Familie verblieben . Erst seit 1850 sind sie zurückgekauft und wieder königlicher Besitz . Steinert und Lebeauld waren bewährte Diener des Prinzen , aber doch nichts weiter ; der Freund seiner letzten Jahre war der Graf La Roche-Aymon . Bei der Geschichte dieses Mannes , » die den Roman auf seinem eignen Felde schlägt « , werden wir zum Schluß noch einige Zeit zu verweilen haben . Antoine Charles Etienne Paul Graf La Roche-Aymon war 1775 geboren . 1792 , siebzehn Jahr alt , verließ er mit andern Emigrés sein Vaterland und trat als Volontär in das Condésche Korps , nach einer andern Version , die sich auf Mitteilung von Personen stützt , die den Grafen noch persönlich gekannt haben , in die neapolitanische Armee . Gleichviel , 1794 erschien ein junger , sechs Fuß hoher Offizier von dunkelstem Kolorit und dürftigster Kleidung in Rheinsberg und gab bei » Demoiselle Aurore « , jener schon genannten Schauspielerin des prinzlichen Hoftheaters , einen Empfehlungsbrief ab . Der Brief enthielt die Bitte , den Überbringer , den jungen Grafen La Roche-Aymon , bei günstiger Gelegenheit in die Nähe des Prinzen zu bringen . Demoiselle Aurore war echte Französin , lebhaft und gutherzig , dabei Royalistin und zu Abenteuern geneigt ; sie bestritt also eine passende Equipierung aus eigenen Mitteln , und vor Ablauf einer Woche war der Graf in des Prinzen Dienst . Er bezog Wohnung im Kavalierhaus und übernahm den Befehl über die vierzig Leibhusaren , die , wie mehrerwähnt , als eine spezielle Prinz-Heinrichsche Truppe zu Rheinsberg in Garnison lagen . Kurze Zeit darauf wurde er Adjutant des Prinzen . Schön , gewandt , liebenswürdig , ein Kavalier im besten Sinne des Worts , trat er alsbald in eine Vertrauensstellung , ja darüber hinaus in ein Herzensverhältnis zum Prinzen , wie es dieser , seit Tauenzien , nicht mehr gekannt hatte . Der Graf erschien ihm als ein Geschenk des Himmels , der Abend seines Lebens war gekommen , aber siehe da , die Sonne , bevor sie schied , lieh ihm noch einmal einen Strahl ihres beglückenden Lichts . Graf La Roche-Aymon war der letzte Adjutant des Prinzen . 59 Nach dem Baseler Frieden , der eine halbe Versöhnung zwischen dem Prinzen Heinrich und seinem Neffen , dem Könige , herbeigeführt hatte , kam der Prinz auch wieder nach Berlin aber freilich ohne rechte Lust und Freudigkeit und immer nur auf kürzere Zeit . Auf einer der bei dieser Gelegenheit statthabenden Festlichkeiten war es , daß der Graf La Roche-Aymon , der nunmehrige Adjutant des Prinzen , ein Fräulein von Zeuner sah und von ihrer blendenden Schönheit sofort hingerissen ward . Er seinerseits war völlig dazu angetan , nicht bloß bezaubert zu werden , sondern auch selbst wieder zu bezaubern , und als der Prinz bei beginnendem Frühling nach Rheinsberg zurückkehrte , folgten ihm Graf und Gräfin La Roche-Aymon als eben vermähltes Paar . Karoline Amalie von Zeuner war die Tochter eines seit 1786 als Hofmarschall und Kammerherr im Dienste der Königinmutter stehenden Herrn von Zeuner , aus seiner Ehe mit einer Gräfin von Neale . Fräulein von Zeuner selbst , als der Graf La Roche-Aymon sie kennenlernte , war Hofdame bei der Prinzessin Wilhelmine . Sie war von mittlerer Figur , vom weißesten Teint , und besaß , als besondere Schönheit , eine solche Fülle blonden Haares , daß es , wenn aufgelöst , bis zu den Knien herabfiel und sie wie ein goldener Mantel umhüllte . Niemand kannte diese Schönheit besser als sie selbst , und noch in späteren Jahren wußte sie es derart einzurichten , daß etwa eintreffender Besuch sie womöglich im Negligé überraschen und das Haar bewundern mußte . Wenn die Gegenwart des Grafen schon vorher ein Lichtblick an dem vereinsamten Hofe des Prinzen gewesen war , so war es jetzt , wo » Prinzessin Goldhaar « mit ihm zurückkehrte , wie wenn die Tage früherer Rheinsberger Herrlichkeit noch einmal anbrechen sollten . An Stelle halb pedantischer und halb equivoquer Junggesellenwirtschaft , erschienen wieder die heiteren Grazien , die dauernd immer nur da zu Hause sind , wo schöne Frauen ihren wohltätigen und gern gelittenen Zwang üben . Seit den Tagen Lisette Tauenziens hatte der Rheinsberger Hof diesen Zwang nicht mehr gekannt . Der Freundschaftstempel mit seinen Inschriften , die die Liebe für eine Torheit erklärten , erschien nun selber als eine große Torheit , und man speiste wieder gern auf der Remusinsel im See , heitern Angedenkens aus jenen Tagen her , wo Kronprinz Friedrich noch der » Constant « des Bayard-Ordens und nicht der Philosoph von Sanssouci gewesen war . Die Gräfin machte die Honneurs des Hauses , war Gast und Wirtin zugleich , und der Prinz , enchantiert , hing nicht nur an jeder Bewegung der schönen Frau , sondern freute sich ihrer Gegenwart überhaupt , alles an ihr bewundernd , ihre Augen , ihren Witz und selbst – ihre Kochkunst . Ein Abenteuer trat endlich störend dazwischen und warf einen Schatten auf dies heitere Stilleben , das dem Prinzen teurer geworden war , als er sich selbst gestehen mochte . Prinz Louis Ferdinand erschien eben damals von Zeit zu Zeit in Schloß Rheinsberg , um seinem Oheim , den er beerben sollte , seinen Respekt zu bezeugen . Im Sommer 1800 kam er häufiger als zuvor , kam und ging , ohne daß Wünsche , wie sonst wohl , laut geworden wären . Ein Geplauder im Park , ein Gastmahl auf der Remusinsel , schien alles , worauf sein Sinn jetzt gerichtet war . Die Gräfin saß neben ihm bei Tisch und trug einen Kranz von Teichrosen im Haar , den ihr der jugendliche Prinz auf der Fahrt zur Insel hin geflochten hatte . Sie glich darin einer Wassernixe . So kam der Abend und lautlos glitten die Kähne zurück , nur dann und wann unterbrach ein Flüstern und Lachen die tiefe Stille . Prinz und Gräfin fuhren im selben Kahn . Was heimlich versprochen wurde , wir wissen es nicht , und versuchen nur das Bild zu malen , das die nächste Stunde brachte . Vor dem Fenster der Gräfin lag ein Wiesenstreifen im Vollmondschein , und aus dem Schatten heraus trat der Graf , die Hand am Degen . Ihm gegenüber , auf dem erhellten Rasen , stand der Prinz ; typische Gestalten aus Nord und Süd . Am offenen Fenster aber erschien die Gräfin , bittend und beschwörend , und die Degen der beiden Gegner fuhren zurück in die Scheide . Man trennte sich mit einem kurzen » jusqu ' à de main « . Der alte Prinz legte sich ins Mittel und der Zweikampf unterblieb . Ebenso schwieg man über den Vorfall . Aber man mühte sich umsonst , ihn zu vergessen . Die Gräfin war das Licht gewesen , dessen klarer Helle sich jeder gefreut hatte ; nun hatte das Licht , wie jedes andere , seinen Dieb gehabt , und eine leise Mißstimmung griff Platz . Der Rheinsberger Hof war niemals ein Tugendhof gewesen , war es auch jetzt nicht , und doch sah sich jeder ungern des einen Ideals beraubt , an das er geglaubt hatte . Die Gräfin blieb Mittelpunkt des Kreises bis zuletzt , aber doch mehr äußerlich , und die Blicke , die sich auf sie richteten , sahen sie mit verändertem Ausdruck an . Die letzten poetischen Momente des Prinz-Heinrich-Hofes waren hin . Nur in den Beziehungen zwischen dem Prinzen und seinem Adjutanten änderte sich nichts . Die kritisch-militärischen Arbeiten des Grafen weckten mehr noch als früher das Interesse seines väterlichen Freundes und Wohltäters , der sich vielfach und in eingehendster Weise daran beteiligte . Dies Freundschaftsverhältnis dauerte denn auch bis zum Tode des Prinzen , welcher letztere noch wenige Monate vor seinem Hinscheiden in seinen Dernières Dispositions die Worte niederschrieb : » Ich bezeuge dem Grafen La Roche-Aymon meinen lebhaften Dank für die zarte Anhänglichkeit , die er mir all die Zeit über erwiesen hat , wo ich so glücklich war , ihn in meiner Nähe zu haben « , sowie denn auch anderweitig aus beinahe jedem Paragraphen dieser Dernières Dispositions hervorgeht , daß der Graf die recht eigentlichste Vertrauensperson des Prinzen war , derjenige , der seinem Herzen am nächsten stand . Der Prinz hatte darin richtig gewählt . Graf La Roche-Aymon vereinigte , nach dem Zeugnis aller derer , die ihn gekannt haben , drei ritterliche Tugenden in ganz ausgezeichnetem Maße : Mut , Diensttreue und kindliche Gutherzigkeit . Am 3. August 1802 starb der Prinz und im selben Jahre noch gelangten Graf und Gräfin La Roche-Aymon in den Besitz des Gutes Köpernitz , das eines der sechs Erbzinsgüter war , die zum Amte Rheinsberg gehörten . Ob der Prinz erst in seinem Testament oder schon bei Lebzeiten diese Schenkung machte , habe ich nicht mit Bestimmtheit in Erfahrung bringen können . Wahrscheinlich fand ein Scheinkauf mit Hilfe dargeliehenen Geldes statt , das dann schließlich in die prinzliche Kasse zurückfloß . Köpernitz war nun gräfliches Besitztum . Es scheint aber nicht , daß das La Roche-Aymonsche Paar auch nur vorübergehend das Gut bezog , vielmehr eilten beide nach Berlin , um endlich wieder das zu genießen , was sie , trotz aller Anhänglichkeit an den Prinzen , so lange Zeit über entbehrt hatten – das Leben der großen Stadt . Das Gut ward also verpachtet , und die Pachterträge sollten nunmehr ausreichen zu einem Leben in der Residenz . Aber das junge Paar erkannte bald , daß es die Rechnung ohne den Wirt gemacht habe , und der Graf mußte sich schließlich noch beglückwünschen , als er 1805 dem Göckingschen ( ehemals Zietischen ) Husarenregiment als Major aggregiert wurde . Mit diesem Regiment war er bei Jena . 1807 ward er Kommandeur der schwarzen Husaren und zeichnete sich , an der Spitze derselben , durch eine glänzende Attacke bei Preußisch-Eylau aus . Napoleon , als er nach dem Kommandeur fragte , geriet in heftigen Zorn , als er einen französischen Namen hörte . 1809 wurde Graf La Roche-Aymon Oberst und bearbeitete das Exerzierreglement der Reiterei , wie er denn überhaupt , allem anderen vorauf , ein glänzender Kavallerieführer war . Seine Bücher über diesen Gegenstand sollen wertvoll und bis zu dieser Stunde kaum übertroffen sein . 1810 zum Inspekteur der leichten Truppen ernannt , machte er die Feldzüge von 1813 und 1814 auf preußischer Seite mit , wurde Generalmajor und kehrte 1814 nach dem Sturze Napoleons wieder nach Frankreich zurück . 1815 , während der hundert Tage , ging er mit Ludwig XVIII. nach Gent , befehligte 1823 in der in Spanien einrückenden französischen Armee eine Kavalleriebrigade und wurde Generalleutnant . In den Besitz aller seiner früheren Güter wieder eingesetzt , ward er , zu nicht näher zu bestimmender Zeit , Marquis und Pair von Frankreich . Einige Jahre vorher ( 1827 ) hatte er auf dem Punkt gestanden , als Kriegsminister in kaiserlich-mexikanische Dienste zu treten . Ein Bruder des Königs Ferdinand VII. von Spanien , der Infant Don Francisco de Paulo , sollte zum Kaiser von Mexiko erhoben werden , und das Kabinett dieses Kaisers war bereits in Paris ernannt . Es bestand aus Baron Alexander von Talleyrand , Herzog von Dino , Marinekapitän Gallois und Graf La Roche-Aymon . Man kann fast beklagen , daß sich ' s zerschlug ; es wäre eine » Aventüre « mehr gewesen , in dem an Aventüren so reichen Leben des Grafen . Er verblieb in Paris . Kurze Zeit vor der Februarrevolution sah ihn ein alter Bekannter aus den Rheinsberger Tagen her in der Pairskammer , als er eben im Begriff stand , das Wort zu nehmen ; er hatte den Grafen in sechsundvierzig Jahren nicht gesehen , seit jenem Tage nicht , wo derselbe dem Sarge des Prinzen zur letzten Ruhestätte gefolgt war . Im Jahre darauf ( 1849 ) starb der Graf . Wir wenden uns nun zum Schlusse der Gräfin zu . Sie war 1815 , nach der völligen Niederwerfung Napoleons , ihrem Gatten nach Paris hin gefolgt , und hatte daselbst , am Hofe Ludwigs XVIII. , Huldigungen entgegengenommen , die fast dazu angetan waren , die Triumphe ihrer Jugend in den Schatten zu stellen . In der Tat , sie war noch immer eine schöne Frau , hatte sie doch das Leben allezeit leicht genommen und im Gefühl , für die Freude geboren zu sein , der anklopfenden Sorge nie geöffnet . Aber wenn sie auch kein Naturell hatte für Gram und Sorge , so war sie doch empfindlich gegen Kränkungen , und diese blieben nicht aus . Sie war eitel und herrschsüchtig , und so leicht es ihr werden mochte , die leichte Moral der Hauptstadt und ihres eigenen Hauses zu tragen , so schwer und unerträglich ward es ihr , die Herrschaft im Hause mit einer Rivalin zu teilen . Das Blatt hatte sich gewandt und die Schuld der Rheinsberger Tage wurde spät gebüßt . Die Marquise beschloß , Paris aufzugeben ; ein Vorwand wurde leicht gefunden ( » der Pächter habe das Gut vernachlässigt « ) , und 1826 zog sie still in das stille Wohnhaus von Köpernitz ein . Dort hat sie noch dreiunddreißig Jahre gelebt und alt und jung daselbst weiß von ihr zu erzählen . Sie war eine resolute Frau , klug , umsichtig und tätig , aber auch rechthaberisch , die , weil sie beständig Recht haben und herrschen wollte , zuletzt schlecht zu regieren verstand . Es lag ihr mehr daran , daß ihr Wille geschah , als daß das Richtige geschah , und die Schmeichler und Jasager hatten leichtes Spiel auf Kosten derer , die ' s wohlmeinten . Es eigneten ihr all die Schwächen alter Leute , die die Triumphe ihrer Jugend nicht vergessen können ; aber was ihr bis zuletzt die Herzen vieler zugetan machte , war das , daß sie , trotz aller Schwächen und Unleidlichkeiten , im Besitz einer wirklichen Vornehmheit war und verblieb . Sie glaubte an sich . Ihre Beziehungen zum Rheinsberger Hofe wie zum Prinzen Louis und kaum minder wohl die Huldigungen , die ihr , später noch , am französischen Hofe zuteil geworden waren , gaben ihr vor der Welt ein Ansehen , und Friedrich Wilhelm IV. kam nie nach Ruppin oder Rheinsberg , ohne der alten Marquise auf Köpernitz seinen Besuch zu machen . Es traf sich , daß sie , bei einem dieser Besuche , ganz wie zu Zeiten der Remusinsel-Diners , durch ihre Kochkunst glänzen und den König durch eine Trüffel- oder Zervelatwurst überraschen konnte . Friedrich Wilhelm IV. erbat sich denn auch etwas davon für seine Potsdamer Küche ( natürlich nicht vergeblich ) , und zum Weihnachtsabend erschien das königliche Gegengeschenk : ein Kollier aus goldenen Würstchen bestehend , die Speilerchen von Perlen , und begleitet von einem verbindlichen Schreiben mit dem Motto : » Wurst wider Wurst « . Geschenk und Gegengeschenk wiederholten sich mehrere Male , so daß sich zu dem Kollier ein Armband und zu dem Armband ein Ohrgehänge gesellte ; zuletzt erschien eine Tabatiere in Form einer kurzen , gedrungenen Blut- und Zungenwurst , äußerst wertvoll , oben und unten mit Rubinen besetzt . Die Freude war groß , aber es war die letzte dieser Art. Aus den Zeitungen ersah die Marquise bald darauf , daß einer der Hofschlächtermeister zu Potsdam , als Gegengeschenk für eine große Fest- oder Jubiläumswurst ( und sogar unter Beifügung desselben Mottos : » Wurst wider Wurst « ) in gleicher Weise durch eine Tabatiere beglückt worden war , und die Sendungen in die Königliche Küche hörten von diesem Augenblick an auf . Ihre letzten Lebensjahre brachten ihr noch einen anderen interessanten Besuch . Ein Neffe des verstorbenen Marquis hatte diesen beerbt , und nicht zufrieden mit den ihm zugefallenen französischen Gütern , machte derselbe bei dem betreffenden Pariser Gerichtshof auch noch ein Verfahren anhängig , um sich des ehemalig Prinz Heinrichschen Köpernitz ' , des Gutes seiner alten Tante , zu versichern . Anfänglich erklärten selbst die französischen Gerichte ihr » nein « , in der zweiten und dritten Instanz aber wurde das » nein « in ein » ja « verwandelt , einfach in Berücksichtigung der Tatsache , daß der Neffe des alten legitimistischen Marquis inzwischen ein besonderer Günstling Napoleons III. geworden war . Und wirklich , der Günstling schickte Bevollmächtigte , die Köpernitz für ihn in Besitz nehmen sollten , und als sich dies , aller Vollmachten unerachtet , nicht tun lassen wollte , kam er endlich selbst . Er nahm in Rheinsberg allerbescheidentlichst einen Einspänner , umkreiste das ganze Gut , dessen Ansehen und Ausdehnung ihm wohlgefiel , und fuhr dann schließlich vor dem Wohnhause der alten Tante vor . Diese empfing ihn aufs artigste , mit dem ganzen Aufwande jenes Zeremoniells , worin sie Meister war , als er aber schließlich den eigentlichen Zweck seines Kommens berührte , lachte sie ihn so herzlich aus , daß er sich , nicht ohne Verlegenheit , von der alten » ma tante « verabschiedete . Wurde auch nicht wieder gesehen . Dieser Neffe aber , der im Einspänner von Rheinsberg nach Köpernitz gefahren war , war niemand anders als der frühere Befehlshaber der französischen Armee in Rom – General Goyon . Die Marquise , und damit schließen wir , war eine stolze , selbstbewußte Frau . Sie repräsentierte die Vornehmheit einer nun zu Grabe getragenen Zeit , eine Vornehmheit , die von der Gesinnung unter Umständen abstrahierend und ihr Wesen in eine meisterhafte Behandlung der Formen setzen konnte . Diese Formen waren bei der Marquise von der gewinnendsten Art , und ihr Auftreten entsprach dem Urteile , das ich einst über sie fällen hörte : » frei , taktvoll und originell zugleich « . Herrschen und ein großes Haus machen , waren ihre zwei Leidenschaften . Je mehr Kutschen im Hofe hielten , desto wohler wurde ihr ums Herz , und je mehr Lichter im Hause brannten , desto hellere Funken sprühten ihr Geist und ihre gute Laune . Sparsam sonst und eine Frau , bei der die Rechnungsbücher stimmen mußten , erschrak sie dann vor keinem Opfer , ja der Gedanke berührte sie kaum , daß es ein Opfer sei . Nach Sitte der Zeit , in der sie jung gewesen , sah es um sie her aus wie in einer Arche Noah , und vom Kakadu an bis herunter zu Kanarienvogel und Eichhörnchen , fand sich in ihren Zimmern so ziemlich alles beisammen . Katzen und Hunde waren natürlich ihre Lieblinge und durften sich alles erlauben , ja , eintreffender Besuch pflegte meist in nicht geringe Verlegenheit zu geraten , wo Platz zu nehmen sei , wenn überhaupt . Aber mit dem Erscheinen der alten Marquise war sofort alles vergessen , man achtete der Unordnung nicht mehr , und was bis dahin lästig gewesen war , wurde jetzt charakteristisches Ornament . Ihre Rede riß nicht ab , und wurde Rheinsberg oder gar » der Prinz « zum Gegenstande der Unterhaltung , so vergingen die Stunden wie im Fluge , ihr selbst und anderen . Ihr Tod war wie ihr Leben und hatte denselben Rokokocharakter , wie das Sofa , auf dem sie starb , oder die Tabatiere , die vor ihr stand . Ihre Lieblingskatze , so hieß es , habe sie in die Lippe gebissen . Daran starb sie ( oder doch bald darauf ) im neunundachtzigsten Jahre , dem 18. Mai 1859 . Mit ihr wurde die letzte Repräsentantin der Prinz-Heinrich-Zeit zu Grabe getragen . Köpernitz Köpernitz Rote Dächer , die verschwiegen Still an Wald und Wiese liegen . Köpernitz , auf dem die Gräfin La Roche-Aymon geb . von Zeuner ihr reich bewegtes Leben beschloß , ist ein Platz von einer nicht gerade frappanten , aber doch von einer poetischen und nachhaltig wirkenden Schönheit . Man begreift eine stille Passion dafür . Das Herrenhaus ist von großer Einfachheit : ein Erdgeschoß ( neun Fenster Front ) mit Dach und Erker . Dem entsprechend ist die Einrichtung , aber durch Bilder und Erinnerungsstücke reichlich aufwiegend , was ihr an modernem Glanze fehlt . Das einladendste Zimmer des Hauses ist der Salon der den Blick auf eine große Parkwiese hat . Hier , an einem milden Herbsttage , bei offenstehender Tür und Kaminfeuer , ist es gut sein . In eben diesem Salon befindet sich auch die Mehrzahl der historischen Wertstücke . Darunter zunächst folgende Bilder : 1. Hofmarschall von Zeuner , Großvater des gegenwärtigen Besitzers . 2. Hofmarschallin von Zeuner , geb . Gräfin Neale . 3. Graf Neale , Bruder der Hofmarschallin von Zeuner . 4. Oberst von Zeuner , Kommandeur des 4. ( schlesischen ) Husarenregiments ; Vater des gegenwärtigen Besitzers . 5. Frau Oberst von Zeuner , geb . Baronesse Oettinger . Bild aus der Zeit vor ihrer Vermählung . 6. Baronin von Oettinger ( Mutter der vorigen ) , von Tischbein gemalt . 7. Gräfin La Roche-Aymon , geb . von Zeuner , Tochter des Hofmarschalls , Schwester des Obersten von Zeuner , Vorbesitzerin von Köpernitz . 8. Graf La Roche-Aymon . 9. Kardinal Ra Roche-Aymon ( gutes Bild ) ; Oheim des Grafen La Roche-Aymon . 10. Prinz Louis Ferdinand ( sehr gut ) . – Bis zum Tode der Gräfin La Roche-Aymon befand sich noch ein zweites Bild des Prinzen Louis in Köpernitz , das dem Sohne des letzteren , dem General von Wildenbruch , gehörte und nur » leihweise auf Lebenszeit « der Gräfin überlassen worden war . Nach dem Hinscheiden derselben erhielt es General von Wildenbruch zurück . ( Ein drittes treffliches Bild des Prinzen Louis Ferdinand befindet sich in Wustrau . ) Außer diesen Bildern interessiert zumeist eine Rokokokommode mit vergoldeten Griffen und Marmortafel . In den Fächern dieser Kommode ( damals in Rheinsberg ) befand sich die vom Prinzen Heinrich niedergeschriebene Geschichte des Siebenjährigen Krieges . Unmittelbar nach dem Tode des Prinzen erschien eine » Kommission « in Rheinsberg und nahm das Manuskript , von dessen Existenz man in Berlin Kunde hatte , mit sich , um es im Staatsarchive zu deponieren . Diese Lesart ist die wahrscheinlichste . Nach einer anderen Version aber wäre das Manuskript verbrannt worden . Träfe dies zu , so würde der Welt eines der denkbar interessantesten Bücher verlorengegangen sein . Und doch mag es zweifelhaft erscheinen , ob ein solcher Verlust , wenn er überhaupt stattgefunden , zu beklagen wäre . Der Prinz – soviel war schon bei seinen Lebzeiten laut geworden – hatte strengste Kritik geübt , namentlich auch gegen seinen königlichen Bruder , und es würde die Kenntnis über diesen vielleicht mehr verwirren als aufklären , wenn wir plötzlich Urteilen begegneten , deren Gerechtigkeit , bei dem mit allen Vorzügen aber auch mit allen Mängeln des vorigen Jahrhunderts reich ausgestatteten Prinzen , zunächst bezweifelt werden muß . Zu den Erinnerungsstücken von Köpernitz gehören auch die schon Seite 295 erwähnten Gegengeschenke , die Friedrich Wilhelm IV. der Gräfin machte , wenn , um die Weihnachtszeit , wieder eine Blut- , Trüffel-oder Zervelatwurstsendung von Köpernitz her in Sanssouci eingetroffen war . Der König war dabei höchst erfinderisch und schenkte ( natürlich immer in Wurstform ) erst ein Schuppenarmband , dann ein Schuppenkollier , dann Ohrgehänge ( kleine Saucischen aus Perlen und Diamanten ) , dann eine Tabatiere ( dicke Blutwurst aus Granaten ) . Diese vier habe ich gesehen . Ich weiß nicht , ob die Zahl damit erschöpft ist . Die Briefe , die diese Geschenke begleiteten , laufen von 1849 bis 1854 und paraphrasieren das alte Wurstthema auf immer neue Weise . Zum Schlusse sei noch des Köpernitzer Friedhofes erwähnt , der , ähnlich wie der Berliner Matthäikirchhof , an einem sanften Abhange liegt . Er hat manches Eigentümliche ; beispielsweise das , daß das Terrain nach Familien parzelliert ist . So liegt denn zusammen , was zusammengehört ; die Angehörigen müssen ihre Toten nicht erst jahrgangweise suchen , sondern finden alles an einer und derselben Stelle . Das Grab der Gräfin befindet sich in der Mitte des Friedhofes . Ein graues Marmorkreuz trägt die Inschrift : » Hier ruht Caroline Amalie Marie Marquise de la Roche-Aymon , geb . v. Zeuner , geb . den 7. April 1771 , gest . den 18. Mai 1859 . Selig sind die Todten , die in dem Herrn sterben . « Sie war so beliebt , daß sich immer noch Kränze vorfinden , die , von Zeit zu Zeit , besonders aber an den Gedächtnistagen , von alten Rheinsberger Bekannten auf ihrem Grabe niedergelegt werden . Zernikow Zernikow » So heute Mittag die Sonne scheint , werde ich ausreiten ; kom doch am Fenster , ich wollte dihr gerne sehn . « Friedrich an Fredersdorff In der Nähe von Boberowwald und Huwenowsee liegt noch ein anderer Güterkomplex , der durch den Aufenthalt des Kronprinzen Friedrich in Rheinsberg zu historischem Ansehen gelangt ist – ich meine die sogenannten Fredersdorffschen Güter , die Friedrich der Große , beinah unmittelbar nach seiner Thronbesteigung , seinem Kammerdiener Fredersdorff zum Geschenk machte . Ursprünglich bestand die Schenkung nicht aus jenen vier Besitzungen , die man jetzt wohl als » Fredersdorffsche Güter « zu bezeichnen pflegt ; es war vielmehr ein einziges Gut nur , Zernikow , das der Kronprinz am 17. März 1737 von Leutnant Claude Benjamin le Chenevix de Beville käuflich an sich bringend , nach dreijährigem Besitz unterm 26. Juni 1740 seinem Kammerdiener urkundlich vermachte . Erst nach zehn Jahren begann Fredersdorff selber sein Besitztum durch Ankauf zu erweitern : 1750 erwarb er Kelkendorf , 1753 Dagow und 1755 Burow . Dagow ist seitdem wieder aus der Reihe der Güter ausgeschieden , Schulzenhof aber dafür angekauft worden , so daß der Besitzstand nach wie vor aus vier Gütern besteht . Das Wenige , was man über Fredersdorff weiß , ist oft gedruckt worden , außerdem hat Friedrich Burchardt in seinem Buche » Friedrichs II. eigenhändige Briefe an seinen geheimen Kämmerer Fredersdorff « diesen Briefen auch noch eine Biographie Fredersdorffs beigegeben . Ich verweile deshalb nicht bei Aufzählung bekannter Tatsachen und Anekdoten , deren Verbürgtheit zum Teil sehr zweifelhaft ist , und beschränke mich darauf , bei jenem einzig neuen Resultat einen Augenblick stehen zu bleiben , welches die seitdem erfolgte Durchsicht der Gartzer Kirchenbücher hinsichtlich der Herstammung Fredersdorffs ergeben hat . Es galt bisher für zweifelhaft , ob Fredersdorff wirklich zu Gartz in Pommern ( vier Meilen von Stettin ) oder aber in Mitteldeutschland geboren sei , ja die meisten Stimmen neigten sich der letzteren Ansicht zu und bezeichneten ihn als einen durch Werber aufgebrachten wohlhabenden Kaufmannssohn aus Franken . Diese Ansicht ist aber jetzt mit Bestimmtheit widerlegt . Im Gartzer Kirchenbuche findet sich eine Angabe , daß ein dem Stadtmusikus ( musicus instrumentalis ) Fredersdorff geborener Sohn am 3. Juni 1708 getauft worden sei und die Namen Michael Gabriel erhalten habe . Da nun der Kammerdiener Fredersdorff nach übereinstimmenden Nachrichten wirklich Michael Gabriel hieß , auch wirklich 1708 geboren wurde , so kann nicht gut ein längerer Zweifel in dieser Streitfrage walten . Zwar findet sich auf Fredersdorffs Bild in der Zernikower Kirche die Angabe : » geboren am 6. Juni 1708 « ( wonach er nicht am 3. Juni getauft sein kann ) , diese Angabe ist aber entweder einer jener Irrtümer , wie sie auf derartigen Bildern sehr häufig vorkommen , oder es hat sich umgekehrt bei Eintragung ins Kirchenbuch ein Fehler eingeschlichen . Vielleicht muß es heißen am 13. Juni . Fredersdorff war achtzehn Jahre lang , von 1740 – 1758 , im Besitz von Zernikow , an welche Tatsache wir die Frage knüpfen , ob er dem Dorf und seinen Bewohnern ein Segen war oder nicht ? Die Beantwortung der Frage fällt durchaus zu seinen Gunsten aus . Wie er trotz Ehrgeiz und einem unverkennbaren Verlangen nach Ansehn und Reichtum doch überwiegend eine liebenswürdige und gutgeartete Natur gewesen zu sein scheint , so erwies er sich auch als Gutsherr mild , nachsichtig , hilfebereit . Seine Bauern und Tagelöhner hatten gute Zeit . Und wie den damaligen Bewohnern , so war er dem Dorfe selbst ein Glück . Die meisten Neuerungen , soweit sie nicht bloß der Verschönerung dienen , lassen sich auf ihn zurückführen . Er fand eine vernachlässigte Sandscholle vor und hinterließ ein wohlkultiviertes Gut , dem er teils durch Anlagen aller Art , teils durch Ankauf von Wiesen und Wald das gegeben hatte , dessen es zumeist benötigt war . Die Tätigkeit , die er entwickelte , war groß . Kolonisten und Handwerker wurden herangezogen , und Weberei und Strohflechterei von fleißigen Händen betrieben . Zu gleicher Zeit und mit Vorliebe nahm er sich des Seidenbaues an . Gärten und Wege wurden mit Maulbeerbäumen bepflanzt ( schon 1747 standen deren achttausend ) und das Jahr darauf hatte er zum ersten