in der Fülle des reichsten Mannes dieser Länder und in der Fülle des Lebens hier vor uns gesprochen hat , und jetzt sich mit einem Häufchen Erde begnügt . Nemoy , du bist ein Nachbar Bolemils , und strebst seinen Tugenden nach , und du Ctibor hältst es wie Lubomir , an den du grenzest , du hast deine Leute genommen , und sie zum Schutze des Fürstenstuhles geführt . Casta , du hast immer gesagt , daß du für deine Freunde in den Tod gehen könntest , rufe dein Schicksal nicht , es hätte dir heute bald für mich willfahrt . Pflege deine Wunde , daß ich dir bald einen Gegendienst tun kann . Welislaw , wie kannst du wagen , hieher zu kommen ? Dich haben sie halb tot vom Felde getragen , und nun sitzest du hier , und trotzest deiner Wunde ? Du bist der Genosse meiner Jugend gewesen , willst du mich in meinen Mannesjahren verlassen ? « » Solche Dinge heilen in der Tätigkeit am ehesten « , versetzte Welislaw . » Ich werde dir den Arzt zugeben , der dir nicht mehr von der Seite darf « , sagte der Herzog , » und denke , daß ich nicht Männer brauche , die sich so sinnlos dem Feinde entgegen werfen . « » Dich muß ich auch schmähen , Odolen « , fuhr der Herzog fort , » ich sehe , daß es wahr ist , was deine Feinde sagen , daß du Berge umwerfen möchtest , um zu stürmen . Hast du keine Wunde empfangen ? « » Welislaw , der mir in allem zuwider handelt , hat sie mir weggenommen « , sagte Odolen . » Sezima Wecel Zwest « , sagte der Herzog , » habt meinen Dank , ich weiß , was ihr getan habt . Jurik , du bist immer in der Nähe deines Vaters , du bist in einer guten Schule , aber sie ist nicht ohne Gefahr . Beneda , du hast dir dein Lob verdient . « » Witiko , Rowno , Diet , und ihr andern Männer des Waldes « , fuhr er dann fort , » wie danke ich euch . Ihr habt einen harten Teil bestanden . Bei euch hat man den Versuch gemacht , alles zu gewinnen . Man hat euch abtrennen wollen , wie man einen Tropfen Wasser von der Hand schüttelt ; ihr aber seid gewesen wie das Pech eures Waldes , und seid kleben geblieben . Ich werde doch noch diesen Wald einmal sehen , und euch in ihm wieder danken können . Wer sind die Knaben ? « Osel trat vor , und sprach : » Wenn du die Männer des Waldes Pech heißest , hoher Herr , so sind diese junges Pech . Ich heiße Osel , wohne in Dub im Walde , und bin ihr Vater . Sie haben sich von einer falben Stute drei falbe Pferdlein auferzogen , und in der Sonnenwende habe ich ihnen die Haare beschnitten , daß sie Jünglinge werden , und habe sie jetzt in den Krieg mitgenommen , daß sie gegen den Übermut der Lechen streiten , und lieber einem einzigen dienen lernen , der uns wohl will . Ich habe sie auf diesen Platz geführt , daß sie dich sehen , und es zu Hause erzählen . « » Nenne mir die Namen der Knaben « , sagte der Herzog . Osel antwortete : » Dieser ist Olen der älteste , dann kömmt Dis , der um ein Jahr jünger ist , und dann Os , der wieder um ein Jahr später kam . « » Die zwei jüngsten bluten ja « , sagte der Herzog . » Ein wenig « , entgegnete Osel , » ich habe es schon angesehen , es ist nichts . Sie sind nicht träge gewesen , aber kindisch . Der älteste tut auch das Seine , wenn gleich das Zeichen ausblieb . « » Sorge , daß du auf deine schönen Knaben siehest , Osel « , sagte der Herzog , » damit sie Männer werden . « » Im Walde lernt man früh ein hartes Leben « , antwortete Osel . » Meine Kinder « , entgegnete der Herzog , » ich werde euch schon wieder sehen , und dann müßt ihr mir eure falben Pferdlein zeigen , und in eurem Walde müßt ihr mir eure schönen Bäume zeigen . « » Ja « , antwortete Olen . » Männer , Priester , Prinzen , Lechen , Wladyken , Freunde « , fuhr der Herzog fort , » ermüdet noch nicht . Wir haben der ersten Pflicht genügt , der des Dankes , laßt uns nun auch zu der zweiten gehen , der des Rates , was nun ferner zu tun sei . Die Feinde sind in das Lager gegangen , wir auch , die Feinde sind erschöpft , wir auch , die Feinde haben schwere Verluste gehabt , wir auch , und die unsrigen sind durch den schimpflichen Verrat , der auf lange Zeit dieses Land verdüstern wird , noch größer geworden , als sie sonst gewesen wären , die Zahl der Feinde ist die größere , die der Unsern die kleinere , und sie ist durch den Verrat noch kleiner , die der Feinde größer geworden , die Feinde haben ein böses Gewissen , weil sie zum Verrate gegriffen haben , unser Bewußtsein ist gut , sie kämpfen für Raub und Vorteil , und wählen jedes Mittel des Blutvergießens und der Zerstörung , wir streiten zum Schutze des Landes , und müssen alles sparen , was dem Lande kostbar ist , sie haben die ungünstigere Stellung im Tale , wir die günstigere auf der Höhe : wir können heldenmütig den Kampf wieder aufnehmen , und mit Gott den Sieg erringen , oder ruhmreich erliegen : oder wir können in eine sichrere Stellung gehen , uns verstärken , und dann mit genügender Macht die Entscheidung suchen . Wie weit wir heute geschmolzen sind , läßt sich noch nicht genau sagen , nur im allgemeinen überschauen . So wird es im Vergleiche auch bei den Feinden sein . Und nun Otto Bischof von Prag rede . « » Zur Schonung des Blutes und Lebens des Landes soll größere Sicherheit gesucht werden « , sagte der Bischof . » Und du Zdik ? « fragte der Herzog . » Ich meine das gleiche « , antwortete Zdik der Bischof von Olmütz . » Und Daniel ? « sagte der Herzog . » Das gleiche « , antwortete der Propst Daniel . » Und du , ehrwürdiger Bolemil ? « fragte der Herzog . » Ich habe schon gesagt « , antwortete Bolemil , » sorge , daß dieser Streit kurz daure , hoher Herr . In dem , was auf dem Wysehrad geschah , lag das Übel , nämlich , daß man zu dem Wählen griff , wie man bei deinem Vater zu dem Wählen gegriffen hatte . Was damals gekommen ist , mußte wieder kommen , und ist gekommen . Der sterbende Sobeslaw hat alles gewußt , da er gesagt hat : Nacerat wird gegen Wladislaw nicht siegen . Ergreife jedes Mittel , das die größte Sicherheit des Sieges über den Feind gibt . « » Und Lubomir ? « fragte der Herzog . » Suche die größte Sicherheit für das Land « , sagte Lubomir . » Und Diwis ? « fragte der Herzog . » Ich spreche wie Bolemil « , sagte Diwis . » Und was sagt Chotimir ? « fragte der Herzog . » Chotimir sagt das gleiche « , antwortete der Gefragte . » Und Wsebor ? « fragte Wladislaw . » Ich rede wie meine Freunde . Suche mit Macht , den Streit eines Schlages zu enden « , antwortete Wsebor . » Und Jurik ? « fragte der Herzog . » Die Männer , welche gegen uns in den Waffen sind , suchen den Raub « , sagte Jurik , » darum haben sie schon die Schrift aufgesetzt , in der enthalten ist , was ihnen ihr Herzog für ihre Beihilfe zusagen mußte . Sie ergriffen deshalb jedes Mittel , zu ihrem Ziele zu gelangen , wie schon heute ihr Verrat gezeigt hat . Wider solche Männer ist schwerer streiten als wider ehrliche Gegner , weil man nicht die gleichen Mittel will . Darum sage ich wie Bolemil : wähle die Wege größter Sicherheit . « » Und was sprechen meine andern alten Räte ? « fragte der Herzog . Und Milota und Bozebor und die Äbte und Bartholomäus sprachen für die größte Sicherheit . Preda sprach gleichfalls dafür . » Und euch Prinzen frage ich erst jetzt , weil ihr jünger seid « , sagte der Herzog . » Ich rede für größere Sicherheit « , antwortete Diepold . » Ich für morgige Entscheidung « , sagte Heinrich . » Und ihr dort weiterhin ? « fragte der Herzog . » Für morgige Entscheidung « , rief Zwest . » Für morgige Entscheidung « , rief Jurik der Sohn Juriks . » Für morgige Entscheidung « , rief Beneda . » Morgen Schlacht , und ganz gewisser Sieg « , schrie Odolen . » Morgen Schlacht , morgen Schlacht « , riefen nun mehrere Stimmen der jungen Männer . » Es ist gut « , sagte der Herzog , » ihr wollt die Schlacht und ruhmreichen Sieg oder ruhmreichen Untergang . Ich rede als Ritter wie ihr . Ihr dürft euer Leben hinwerfen ; ich der Herzog aber darf euer Leben nicht hinwerfen , und das Heil des Landes nicht auf die Spitze stellen . Wir gehen in unsere feste Stadt Prag , in welcher der Fürstenstuhl steht , festigen die Mauern um ihn und um uns noch mehr , und suchen Verstärkungen zu gewinnen , wie wir sie nur immer zu gewinnen vermögen . Haben wir dann die Macht , die letzte und gewisse Entscheidung herbeizuführen , so treten wir an den Feind , und suchen diese letzte Entscheidung , aber Entscheidung für uns . Ihr , meine jungen Männer , zeigt hier die größere Tapferkeit , nämlich die , euern Mut zu zügeln , und folgt dem Rate der Alten , die auch tapfer aber auch weise sind . « » Es wird so gut sein « , sagte Bolemil . » Es ist gut « , sagte Otto der Bischof von Prag . » So tun wir « , sagte Zdik der Bischof von Olmütz . » So tun wir « , sagte Lubomir . » Pflegt einige Stunden in der Nacht der Ruhe « , sprach der Herzog , » dann , ehe der Tag scheint , brechen wir auf , es wird die Weisung erfolgen . Und nun noch eines . Es wird ein bißchen Abendkost bei mir bereitet , und wohl auch noch ein Wein wird vorhanden sein . Wer es mit mir teilen will , ist abends willkommen . Jetzt , Herren , seid für euern Rat bedankt . « Die Männer begannen sich zu zerstreuen . » Führt mich hinweg « , sagte Welislaw , » ich bin weder zum Rate noch zur Schlacht tauglich . « Zwei Männer führten ihn von dannen . Witiko ging zu den Seinigen . Rowno , Diet , Osel , und die andern gingen auch zu ihren Waldleuten . Nun , da der Herzog mit den Führern beraten hatte , ging er auch noch zu den Kriegern . Er ging längs der ganzen Reihen , besah die Männer , sprach mit ihnen , tröstete die Verwundeten , und ermunterte die andern . Als er zu Witiko kam , stellte dieser seine Leute auf . » Witiko « , sagte der Herzog , » wir rechnen noch einmal eigens für den heutigen Tag ab . « Dann sprach er zu den Leuten : » Männer des Waldes , ihr habt eigentlich den Tag gerettet . Ich sage euch den größten Dank . Ich will mir eure Angesichter einprägen , daß ich sie wieder kenne , wenn ich sie sehe . Haben wir diese Sache geendet , will ich eurer gedenk sein , und ihr sollt keinen undankbaren Herzog an mir finden . « » Der junge Witiko hat die Sache geführt , als Smil gestorben war « , sagte Stephan der Wagenbauer . » Ich weiß es « , antwortete der Herzog , » und gedenke es ihm . « » Wir gehen nach Prag , um die Stadt zu verteidigen « , fuhr er fort , » bis wir wieder angreifen . Ihr werdet wollen in euern Wald gehen ? « » Mit Gewährung , Herr Herzog « , sagte der Schmied von Plan , » wir konnten auf diesem Berge nicht von dir abgetrennt werden , weil wir wieder zu dir gingen , als die Lügner vom Plakahofe davon gelaufen waren , sonst hätten wir unser Vorhaben nicht ausgeführt . Wir werden schier alle mit dir nach Prag gehen , wenn du uns zu essen geben kannst ; denn das Brod und das Rauchfleisch in unseren Säcken ist zur Neige . Und sie werden uns die Stadt so wenig nehmen können , wie diesen Berg , und etwa reißen wir ihnen dann den Flimmer und die schönen Steine vom Leibe , die sie prahlerisch angelegt haben . « » Wer mit mir nach Prag geht , wird die Lebensmittel erhalten , die wir haben « , sagte der Herzog . » Dann ist es schon recht « , entgegnete der Schmied . In diesem Augenblicke kamen einige Männer herbei , und trugen den Fiedler Tom Johannes . » Wer ist der Mann ? « fragte der Herzog . » Das ist der Fiedler von Plan « , sagte Paul Joachim , » und die ihn tragen , haben wir um unsere Leute auf die Kampfstelle geschickt . « » Ist er tot ? « fragte der Herzog . » Nein , mein guter Mann « , antwortete der Fiedler , » aber der Fiedelbogen wird wohl krumm bleiben . « » Ich werde sogleich jemanden senden , der für dich sorgen soll « , sprach der Herzog . Dann sagte er etwas zu einem Manne seines Geleites , der sich darauf entfernte . » Dieser wird einen Arzt bringen « , sagte der Herzog . » Habt ihr noch mehr Verwundete ? « fragte er dann . » Der ist der letzte , welchen wir herauf getragen haben « sagte Maz Albrecht , » den armen Norbert haben sie zu einem Strauche hingelegt , den Zimmerer David und Veit Gregor haben wir zur Pflege hergetragen , Christ Severin der Wollweber und Mathias und Urban sind selber gegangen . Sie haben schon Tücher mit Wasser um , und Philipp ist um Kräuter gegangen . « » Der Arzt wird alle in Pflege nehmen « , sagte der Herzog , » und nun ruhet ein Weile , und wer nach Prag gehen will , wird in der Nacht das Zeichen erfahren . « Nach diesen Worten entfernte er sich , und ging zu Rowno und Diet und zu den andern , um ihnen zu danken . Als es Abend war , gingen viele zu dem Herzoge , das kleine Mahl zu teilen . Mehrere saßen in dem Gezelte , andere standen . Die Kundschafter meldeten , daß die Feinde Späher ausgesandt haben , die erfahren sollen , ob sie nicht in der Finsternis der Nacht von dem Heere des Herzogs Wladislaw würden umgangen werden können . » Desto sicherer ist unser Zug « , sagte Wladislaw . Als das Mahl aus war , verabschiedeten sich die Männer , und gingen , die Ruhe zu suchen . Witiko begab sich zu seinem Pferde , und wusch ihm mit Wein , den er sich verschafft hatte , die Gelenke . Dann legte er sich auf seine Schlafstelle . Und nun war Ruhe und Stille in dem Lager des Herzogs , nur daß die Wachen sich regten , Kundschafter streiften , und die Feuer gemach verbrannten . Dieser Tag war der fünfundzwanzigste des Monates April des Jahres 1142 gewesen . Ehe der Morgen graute , wurde ein Zeichen , welches kein Laut war , durch das Lager gesendet , zum Aufbruche bereit zu sein . Und noch in der Dunkelheit setzte sich der Zug nach Prag in Bewegung . Zweiter Band 1 Der Schein ging über Feld und Wald . Als der Herzog Wladislaw auf seinen Zug nach Prag ging , war derselbe in der folgenden Weise eingerichtet . Zuerst waren Reiter , welche den Weg erforschen , berichten , und Hindernisse , wenn es geschehen konnte , zerstreuen sollten . Dann kamen Fußgänger mit jenen Reitern und Wägen , die zu ihnen gehörten . Diese Vorhut führte Diepold der Bruder des Herzogs . Dann kamen die Verwundeten Welislaw , Casta , Hermann von Attes , Beneda , und andere . Sie waren in Tragbahren , deren Bänder über die Buge von je zwei Pferden gingen . Sie wurden von Reitern behütet , die Milota führte . Dann kamen wieder Reiter und Fußgänger . Diese führte Heinrich der zweite Bruder des Herzogs . Nach ihnen waren Wägen , welche Kriegsdinge und Kranke und Verwundete trugen . Die Männer der Wägen befehligte Jurik der Sohn Juriks . Hierauf kamen die entseelten Körper derjenigen , die auf dem Berge Wysoka ihr Leben ausgehaucht hatten , und denen man die Sorge weihen wollte , daß sie nach Prag gebracht würden . Darunter waren die Körper Smils und seiner beiden Söhne , Bens , Dalimils , Pustimirs und anderer hervorragender Männer . Die Ärzte hatten sie in der Nacht , soweit es erreicht werden konnte , mit Spezereien gegen das Verderben eingerieben . Diese Körper waren in Tücher gehüllt , und wurden entweder von Säumern getragen , oder auf Wägen geführt . Das Geleite dieser Mitfolge befehligte Zwest . Nun erschien zum Schlusse die größte Schar der Krieger Wladislaws , Reiter und Fußgänger . An diese Stelle waren die erfahrensten Kriegsherren und jene Abteilungen der Männer gewiesen worden , die den geschlossensten Stand zu halten vermochten , damit sie , wenn die Feinde nacheilen und angreifen sollten , schnell in Schlachtordnung wären , und so lange ausdauern könnten , bis auch die andern in Kampfesbereitschaft wären . Diese Nachhut führte der Herzog Wladislaw selbst . Um ihn waren die vorzüglichsten Männer , die Bischöfe und die Führer . Der alte Bolemil war in seiner Tragbahre mit seinen noch übrigen Reitern da . Der alte Lubomir ritt mit seinen Söhnen , die ihm geblieben waren , neben dem Herzoge . Diwis und sein Sohn Zdeslaw waren da . Odolen folgte mit seinen Freunden . Preda und Gervasius ritten mit . Die Waldleute hatten den Vorzug erhalten , der Abteilung des Herzogs einverleibt zu werden , und zogen nun in ihr dahin . Unter ihnen war Witiko , Rowno , Diet von Wettern , Osel und die anderen , die von dem Mittage des Landes stammten . Zwei der Männer trugen in Tüchern , die man an zwei Stangen gebunden hatte , den verwundeten Tom Johannes den Fiedler . Sie hatten ihn sorgsam zugedeckt , und hatten ihm einen Pack Frühlingskräuter auf die Wunde gebunden . Zwei andere Männer trugen David den Zimmerer , und wieder zwei Veit Gregor . Christ Severin der Wollenweber und Mathias und Urban , der Neffe des Schmiedes , gingen in dem Zuge , weil sie geringere Wunden hatten . Die Waldleute hielten sich geschlossen , und suchten das Benehmen der andern Krieger nachzuahmen . Am Ende des Zuges waren wieder Reiter , wie sie am Anfange waren . Zu beiden Seiten des Weges waren Reiterfähnlein ausgesendet worden , das Land zu durchsuchen , und zu melden , was sie gesehen hätten . Die Häuser von Suchdol waren nach und nach rückwärts des Zuges gekommen , die Mauern von Radbar , die zuerst gegen Mitternacht gestanden waren , konnten nun gegen Mittag erblickt werden , und man näherte sich den Wiesen von Wolesec . Von den streifenden Reitern kamen Abgesendete herzu , die sagten , daß kein Mensch in der Gegend sei , daß sich die Felder in Unordnung befinden , und kein Vieh zu sehen ist , und daß sich keiner der Feinde zeige . Die Sonne ging nun über die Länder Mähren und Böhmen herauf , und beleuchtete den Zug . Man konnte an dem Rauche , der gegen Morgen war , sehen , daß die Feinde etwa an der Stelle seien , von der aus sie die Schlacht begonnen hatten , ja aus entfernterem Rauche , daß einige vielleicht schon gegen Mähren zurück gehen . Die Scharen kamen in den Ort Wolesec , und gingen durch ihn , der leer war , hindurch . Als die letzten die Häuser hinter sich hatten , wurden die Zeichen zur ersten Rast gegeben . Die Zeichen wiederholten sich in den Abteilungen , und man richtete sich zur Ruhe . Einige Zelte wurden aufgeschlagen , zumeist aber ließen sich die Männer nur in die Breite auseinander , um sich nieder zu setzen . Die Waldleute kamen an eine Mauer aus losen Steinen , die neben dem Felde lief . Einige setzten sich auf die Steine der Mauer , andere an die Mauer in das kurze Frühlingsgras der Wiese , die neben dem Felde war . Wie ihnen der Herzog Lebensmittel versprochen hatte , ging es jetzt in Erfüllung . Es kamen Träger und Karren zu ihnen , und brachten Säcke mit geräuchertem Schweinefleisch , mit Brod aus Gerste und Roggen , mit Käseziegeln und Klößen . Auch Fässer mit Getränken wurden herbei geführt , von denen die meisten mit klarem Wasser gefüllt waren , das man aus kühlen Quellen geschöpft hatte . Andere enthielten Bier und Met . Die Waldmänner erquickten sich zuerst an den Getränken , am Wasser , am Biere , am Mete . Dann nahmen sie von den Speisevorräten in ihre Säcke , was sie zum Zuge nach Prag als nötig gedachten . Dann aßen sie , tranken wieder , und machten sich zurecht , die kurze Rast zu genießen . Was von den Lebensmitteln übrig geblieben war , wurde wieder fort geschafft . In dieser Zeit kam Jakob , der Knecht aus dem Wangetschlage , mit seinem lahmen braunen Pferde zu den Waldleuten . Man hatte nichts von ihm gewußt , und in dem Kampfe seiner nicht gedacht . Er erzählte , daß er in der Schlacht gewesen sei , und daß sie ihn mit einer Lanze in die Wange gestochen haben . Er habe sich aber sehr gewehrt , und sei jetzt dem Zuge nach geeilt , um ihn einzuholen . Witiko untersuchte seine Wunde , und fand sie geringe . Dann gab er ihm von seinen Vorräten zu essen , und ließ das gehetzte Pferd erquicken . Als die Ruhezeit aus war , tönten die Hörner zum Aufbruche . Die Eckmänner der Waldleute gaben ihre Zeichen mit Hörnern von Ziegenböcken . Der Zug richtete sich wieder ein , und ging weiter . Man rastete noch zwei Male , und am Abende lagerte man sich auf weiten baumlosen Feldern , an denen keine Häuser waren , und die in dieser Kriegszeit keine Saaten trugen . Es wurden Gezelte geschlagen , die Grenzen des Lagers gesteckt , Wachen gestellt , und Kundschafter ausgesendet . Dann zündete man Feuer an , pflegte sich , und bereitete Schlafstellen . Und die Körper der Krieger genossen eine festere Ruhe , als sie in der vorigen Nacht gehabt hatten . Bis zum Morgen war es stille in dem Lager und um das Lager . Wie an diesem Tage , so war es ähnlich an dem zweiten und an dem dritten und an dem vierten . Und am fünften Tage kam Wladislaw mit seinen Kriegern vor der Stadt Prag an . Die Augen aller Krieger sahen auf diese Stadt . Da war der hohe Wald des Berges Petrin , und von diesem Walde gingen die lichten Mauern dahin , die Sobeslaw hatte umbauen und mit Türmen versehen lassen , und hinter den Mauern ragten die Gebäude empor : die Kirche des heiligen Veit , die Kirche der heiligen Jungfrau Maria , die Kirche des heiligen Georg , die Hofburg des Herzoges , der Bischofsturm , die Priesterhäuser , die Häuser der Ämter , und noch viele andere , die sie nicht kannten . Aber zwischen dieser Stadt , die sie aufnehmen sollte , und den Kriegern war der weit gedehnte rechtsufrige Burgflecken Prag . Und vor dem Burgflecken standen unzählige Menschen gedrängt , um den Herzog und sein Heer zu sehen . Einige waren auf Dächer und Bäume geklettert . Vor allen Menschen aber stand die Herzogin . Neben ihr stand der Hofrichter und der Kämmerer und der Maier des Herzogs , welche nicht in den Streit hatten mitziehen dürfen , es standen die Kmeten neben ihr , die der Herzog über seinen rechten und linken Burgflecken gesetzt hatte , und es standen der Unterkämmerer , der Truchseß und der Schenk des Bischofes und der Dechant und der Hüter und Priester neben ihr , es stand Hugo , der Propst vom Wysehrad mit Priestern neben ihr , und der Kmete vom Wysehrad , und jeder hervorragende Mann , der zur Hut von Prag hatte zurückbleiben müssen . Die Herzogin und alle , die sie umstanden , begrüßten den Herzog und die Seinigen . Der Herzog dankte des Grußes , die Herzogin und die um sie bestiegen ihre Pferde , und der Herzog führte von allen begleitet seine Krieger durch die langen Gassen des Burgfleckens und die vielen Menschen in ihnen auf das große Feld , das zwischen dem Burgflecken und dem Wysehrad war , und als Verkaufsplatz diente . Dort ließ er sie ein Lager schlagen , und in dem Lager sich niederlassen . Er aber ritt mit der Herzogin und mit den Bischöfen Priestern Lechen Kriegsherren und einem Geleite von Kriegern in die Burg . Diwis ging in sein eigenes Haus , dort zu übernachten , eben so Bolemil . Lubomir ging in das Haus seines Stammes , so tat auch Ctibor , so Chotimir und Nemoy und Preda und andere . Der Bischof Zdik ging mit seinen Priestern und Leuten in das Haus des Bischofes von Prag , und auch Bozebor ging mit einem Geleite dahin . Witiko wurde in dem Hause der Priester des heiligen Veit aufgenommen . In zwei kleinen Gemächern neben dem Torwege fand er Raum für sich und die Knechte Raimund und Jakob , und für die Pferde erhielt er einen kleinen Stall . Im Morgengrauen des nächsten Tages machte Wladislaw mehrere Anordnungen . Die erste war , daß die Körper der Toten zu ihrer Bestattung möchten hergerichtet werden ; die zweite war , daß man die Einteilung treffe , daß die Krieger von dem Verkaufsfelde in die Stadt hinauf zögen , und ihre Abteilungen die Plätze einnähmen , die für sie bestimmt wären . Hierauf sendete er Kundschafter aus , dann ordnete er Werbungen von Arbeitern an , die Mauern , wo es notwendig wäre , noch mehr zu befestigen , und auszubessern . Dann befahl er Sendungen in das Land , um Krieger zum Zuzug aufzufordern , und Lebensmittel einzubringen , und endlich schickte er seinen Bruder Heinrich in das Land Budissin , um dort Männer zur Beihilfe zu werben . Da der Abend heran nahte , wurde gemeldet , daß man zur Bestattung der Toten in Bereitschaft sei . Der Herzog begab sich auf das Verkaufsfeld , wo sie aufgestellt waren . Eine große Menschenmenge und die Schar der Priester war um sie . Pustimir in schwarzen Sammet gekleidet lag auf einem mit schwarzem Sammet überzogenen Wagen , um nach Daudleb geführt zu werden . Der demütige Priester von Daudleb kniete an dem Wagen , und betete . Smil und seine zwei Söhne lagen auf drei Wägen von grünem Sammet und Silber in dunkelgrüne Sammetgewänder gekleidet mit Silber verziert , die weißen Federn auf den Hauben , und das helle Schwert an der Seite , um gegen Decin gebracht zu werden . Dalimil , in Braun und Gold gekleidet sollte von seiner Sippschaft nach Taus geleitet werden . Swen , ein hochbeherzter Mann , dessen Begräbnisstelle in Mähren lag , sollte , da er mit Spezereien eingesalbt war , in eine Gruft der Marienkirche getragen werden , daß er nach Beendigung des Streites endlich in seine Heimat gebracht werden könnte . Die andern sollten in Prag begraben werden . Der Bischof Otto von Prag , der Bischof Zdik von Olmütz , Peter der Abt von Brewnow , Gezo der Abt von Strahow , die Äbte von Kladrau und Wilimow , der Priester Daniel und viele Priester feierten die heilige Handlung . Der Bischof Otto hielt nach der Segnung eine Predigt , und als sie geendigt war , und als alle auseinander gehen wollten , viele darunter mit Tränen in den Augen , sagte der Herzog : » Die Waffenbrüder der Verstorbenen , dann Männer und Frauen und Jünglinge und Jungfrauen , welche das Land lieben , mögen die , welche für das Land gestorben sind , nicht vergessen . « » Sie werden nicht vergessen « , riefen sehr viele . » Nein , wir vergessen sie nicht « , riefen andere . Mehrere Menschen gingen noch besonders zu der Stätte Bens des Kriegsanführers , um von ihm Abschied zu nehmen , der so bald nach dem Tage auf dem Wysehrad sein Leben hatte verlieren müssen . Dann zerstreuten sich alle , und die Toten wurden ihren Bestimmungen entgegen geleitet . Am Morgen des nächsten Tages begann der Zug der Krieger von dem Verkaufsfelde und derer , die bisher in dem Burgflecken gewesen waren , in die Burg , welche besonders und mit Vorzug die Stadt Prag geheißen wurde . In langer Reihe gingen sie über die hölzerne Brücke , sie gingen zu dem Brückentore der Stadt