, daß ich so gut sei , und daß sie mich nach Vater und Mutter unter allen Dingen , die auf der Welt sein können , am meisten und am außerordentlichsten liebe . Mir wären bei dieser Rede bald die Tränen in die Augen getreten . Als ich später in meinem Zimmer allein auf und ab ging , wollte mir mein Herz immer sagen : Jetzt ist alles gut , jetzt ist alles gut . Ich kaufte mir am andern Tage eine spanische Sprachlehre , welche mir ein Freund , der sich seit mehreren Jahren mit diesen Dingen abgegeben hatte , anriet . Ich begann neben meinen anderen Arbeiten vorerst für mich in diesem Buche zu lernen , mir vorbehaltend , später , wenn ich es für nötig halten sollte , auch einen Lehrer im Spanischen zu nehmen . Auch fuhr ich nicht nur fort , in den Schauspielen Shakespeares zu lesen , sondern ich wendete die Zeit , die mir von meinen Arbeiten übrig blieb , auch der Lesung anderer dichterischer Werke zu . Ich suchte die Schriften der alten Griechen und Römer wieder hervor , von denen ich schon Bruchstücke während meiner Studienjahre als Pflichterfüllung hatte lesen müssen . Damals waren mir die Gestaltungen dieser Völker , die ich mit ruhigen und kühlen Kräften hatte erfassen können , sehr angenehm gewesen , deshalb nahm ich jetzt die Bücher dieser Art wieder vor . Meine Zither gereichte der Schwester zur Freude . Ich spielte ihr die Dinge vor , die ich bereits auf diesen Saiten hervorzubringen im Stande war , ich zeigte ihr die Anfangsgründe , und als für uns beide in dieser Übung auch ein Meister aus der Stadt in das Haus kam , lieh ich ihr die Zither , und versprach ihr , eine eben so schöne und gute , oder eine noch schönere und bessere für sie aus dem Gebirge zu schicken , wenn sie zu bekommen wäre . Ich erzählte ihr , daß der Mann , der mir in dem Gebirge Unterricht im Zitherspiele gebe , bei weitem schöner , wenn auch nicht so gekünstelt spiele als der Meister in der Stadt . Ich sagte , ich wolle in dem Gebirge sehr fleißig lernen und ihr , wenn ich wieder komme , Unterricht in dem erteilen , was ich unterdessen in mein Eigentum verwandelt hätte . Unter diesen Beschäftigungen und unter andern Dingen , welche schon frühere Winter eingeleitet hatten , ging die kältere Jahreszeit dahin . Als die Frühlingslüfte wehten und die Erde abzutrocknen begann , trat ich meine Sommerwanderung wieder an . Ich wählte doch abermals das Ahornhaus zu meinem Aufenthalte , wenn ich auch wußte , daß ich oft weit von ihm weggehen und lange von ihm würde entfernt bleiben müssen . Es war mir schon zur Gewohnheit geworden , und es war mir lieb und angenehm in ihm . Das erste , was ich vornahm , war , daß ich Botschaft nach meinem Zitherspieljägersmanne aussandte . Da er überall zu finden ist , kam er sehr bald , und wir verabredeten , wie wir unsere Übungen im Zitherspiele fortsetzen würden . Gleichzeitig begann ich die Forschungen nach jenen Teilen der Wandverkleidungen , welche zu den meinem Vater überbrachten Pfeilerverkleidungen als Ergänzung gehörten . Ich forschte in dem Hause nach , in welchem Roland im vergangenen Sommer gezeichnet hatte , ich forschte bei dem Holzknechte , von welchem mir die Pfeilerverkleidungen waren verkauft worden , ich dehnte meine Forschungen in alle Teile der umliegenden Gegend aus , gab besonders Männern Aufträge , welche oft in die abgelegensten Winkel von Häusern und anderen Gebäuden kommen , wie zum Beispiele Zimmerleuten , Maurern , daß sie mir sogleich Nachricht gäben , wenn sie etwas aus Holz Geschnitztes entdeckten , ich reiste selber an manche Stellen , um nachzusehen : allein es fand sich nichts mehr vor . Als beinahe nicht zu bezweifeln stellte sich heraus , daß die von mir gekauften Verkleidungen einmal zu dem steinernen Hause der ausgestorbenen Gebirgskaufherren gehört haben , in welchem sie die Unterwand eines ganzen Saales umgehen haben mochten . Bei einer einmal vorgenommenen sogenannten Verschönerung späterer verschwenderisch gewordener Nachkommen hat man sie wahrscheinlich weg getan und sie fremden Händen überlassen , die sie in abwechselnden Besitz brachten . Die Pfeilerverkleidungen , welche gleichsam Nischen bildeten , in die man Heiligenbilder tun konnte , sind übrig geblieben , die anderen geraden Teile sind verkommen oder sogar mutwillig zerschlagen oder verbrannt worden . Gleich in den ersten Tagen meines Aufenthaltes ging ich auch mit meinem Jägersmanne von dem Ahornhause über das Echergebirge in das Echertal , wo der Meister wohnte , von dem der Jäger die Zither für mich gekauft hatte , und von dem ich auch eine für meine Schwester kaufen wollte . Dieser Mann verfertigte Zithern für das ganze umliegende Gebirge und zur Versendung . Er hatte noch zwei mit der meinigen ganz gleiche . Ich wählte eine davon , da in der Arbeit und in dem Tone gar keine Verschiedenheit wahrgenommen werden konnte . Der Meister sagte , er habe lange keine so guten Zithern gemacht , und werde lange keine solchen mehr machen . Sie seien alle drei von gleichem Holze , er habe es mit vieler Mühe gesucht und mit vielen Schwierigkeiten gefunden . Er werde vielleicht auch nie mehr ein solches finden . Auch werde er kaum mehr so kostbare Zithern machen , da seine entfernten Abnehmer nur oberflächliche Ware verlangten , und auch die Gebirgsleute , die wohl die Güte verstehen , doch nicht gerne teure Zithern kauften . Von dem Zitherspiele , welches mein Jäger mir mit übte , schrieb ich mir so viel auf , als ich konnte , um es der Schwester zum Einlernen und zum Spielen zu bringen . Gegen die Zeit der Rosenblüte ging ich in den Asperhof und fand die zwei Zimmer schon für mich hergerichtet , welche ich im vorigen Sommer bewohnt hatte . Am ersten Tage erzählte mir schon der Gärtner Simon , der von seinem Gewächshause zu mir herüber gekommen war , daß der Cereus peruvianus in dem Asperhofe sei . Der Herr habe ihn von dem Inghofe gekauft , und da ich gewiß Ursache dieser Erwerbung sei , so müsse er mir seinen Dank dafür abstatten . Ich hatte allerdings mit meinem Gastfreunde über den Cereus geredet , wie ich es dem Gärtner versprochen hatte ; aber ich wußte nicht , wie viel Anteil ich an dem Kaufe hätte , und sagte daher , daß ich den Dank nur mit Zurückhaltung annehmen könne . Ich mußte dem Gärtner in das Kaktushaus folgen , um den Cereus anzusehen . Die Pflanze war in freien Grund gestellt , man hatte für sie einen eigenen Aufbau , gleichsam ein Türmchen , von doppeltem Glas auf dem Kaktushause errichtet , und hatte durch Stützen oder durch Lenkung der Sonnenstrahlen auf gewisse Stellen des Gewächses Anstalten getroffen , daß der Cereus , der sich an der Decke des Gewächshauses im Inghofe hatte krümmen müssen , wieder gerade wachsen könne . Ich hätte nicht gedacht , daß diese Pflanze so groß sei , und daß sie sich so schön darstellen würde . Weil mein Vater an altertümlichen Dingen eine so große Freude hatte , weil ihn die Verkleidungen so sehr erfreut hatten , welche ich ihm im vergangenen Herbste gebracht hatte , so tat ich an meinen Gastfreund , da ich eine Weile in seinem Hause gewesen war , eine Bitte . Ich hatte die Bitte schon länger auf dem Herzen gehabt , tat sie aber erst jetzt , da man gar so gut und freundlich mit mir in dem Rosenhause war . Ich ersuchte nämlich meinen Gastfreund , daß er erlaube , daß ich einige seiner alten Geräte zeichnen und malen dürfe , um meinem Vater die Abbilder zu bringen , die ihm eine deutlichere Vorstellung geben würden , als es meine Beschreibungen zu tun im Stande wären . Er gab die Einwilligung sehr gerne und sagte : » Wenn Ihr Eurem Vater ein Vergnügen bereiten wollet , so zeichnet und malet , wie Ihr wollt , ich habe nicht nur nichts dagegen , sondern werde auch Sorge tragen , daß in den Zimmern , die Ihr benützen wollt , gleich alles zu Eurer Bequemlichkeit hergerichtet werde . Sollte Euch Eustach an die Hand gehen können , so wird er es gewiß sehr gerne tun . « Am folgenden Tage war in dem Zimmer , in welchem sich der große Kleiderschrein befand , mit dem ich anfangen wollte , eine Staffelei aufgestellt und neben ihr ein Zeichnungstisch , ob ich mich des einen oder des andern bedienen wollte . Der Schrein war von seiner Stelle weg in ein besseres Licht gerückt , und alle Fenster bis auf eines waren mit ihren Vorhängen bedeckt , damit eine einheitliche Beleuchtung auf den Gegenstand geleitet würde , der gezeichnet werden sollte . Eustach hatte alle seine Farbstoffe zu meiner Verfügung gestellt , wenn etwa die von mir mitgebrachten irgendwo eine Lücke haben sollten . Das zeigte sich sogleich klar , daß die Zeichnungen jedenfalls mit Farben gemacht werden müßten , weil sonst gar keine Vorstellung von den Gegenständen hätte erzeugt werden können , die aus verschiedenfarbigem Holze zusammengestellt waren . Ich ging sogleich an die Arbeit . Mein Gastfreund hatte auch für meine Ruhe gesorgt . So oft ich zeichnete , durfte niemand in das Zimmer kommen , in dem ich war , und so lange sich überhaupt meine Gerätschaften in demselben befanden , durfte es zu keinem andern Gebrauche verwendet werden . Um desto mehr glaubte ich meine Arbeit beschleunigen zu müssen . Es waren indessen Mathilde und Natalie in dem Asperhofe angekommen , und sie lebten dort , wie sie im vorigen Jahre gelebt hatten . Ich zeichnete fleißig fort . Niemand stellte das Verlangen , meine Arbeit zu sehen , Eustach hatte ich gebeten , daß ich ihn zuweilen um Rat fragen dürfe , was er bereit willig zugestanden hatte . Ich führte ihn daher zu Zeiten in das Zimmer ; und er gab mir mit vieler Sachkenntnis an , was hie und da zu verbessern wäre . Nur Gustav ließ Neugierde nach der Zeichnung blicken ; nicht daß ihm geradezu eine Äußerung in dieser Hinsicht entfallen wäre ; aber da er sich so an mich angeschlossen hatte , und da sein Wesen sehr offen und klar war , so erschien es nicht schwer , den Wunsch , den er hegte , zu erkennen . Ich lud ihn daher ein , mich in dem Zimmer zu besuchen , wenn ich zeichnete , und ich richtete es so ein , daß meine Zeichnungszeit in seine freien Stunden fiel . Er kam fleißig , sah mir zu , fragte um allerlei , und geriet endlich darauf , auch ein solches Gemälde versuchen zu wollen . Da mein Gastfreund nichts dawider hatte , so überließ ich ihm meine Farben zur Benützung , und er begann auf einem Tische neben mir sein Geschäft , indem er den nämlichen Schrein abbildete wie ich . Im Zeichnen war er sehr unterrichtet , Eustach war sein Lehrmeister ; dieser hatte aber bisher noch immer nicht zugegeben , daß sein Zögling den Gebrauch der Farben anfange , weil er von dem Grundsatze ausging , daß zuvor eine sehr sichere und behende Zeichnung vorhanden sein müsse . Die Spielerei aber mit dem Schreine - denn es war nichts weiter als eine Spielerei - ließ er als eine Ausnahme geschehen . Ich wurde in kurzem mit der ersten Arbeit fertig . Das Bild sah in den genau und gewissenhaft nachgeahmten Farben fast noch lieblicher und reizender aus als der Gegenstand selber , da alles ins kleinere und feinere zusammengerückt war . Da ich die Zeichnung vollendet hatte , legte ich sie meinem Gastfreunde und Mathilde vor . Sie billigten dieselbe , und schlugen einige kleine Änderungen vor . Da ich die Notwendigkeit derselben einsah , nahm ich sie sogleich vor . Hierauf wurde von ihnen so wie von Eustach die Abbildung für fertig erklärt . Nach dem Kleiderschreine nahm ich den Schreibtisch mit den Delphinen vor . Weil ich durch die erste Zeichnung schon einige Fertigkeit erlangt hatte , so ging es bei der zweiten schneller , und alles geriet mit mehr Leichtigkeit und Schwung . Ich war fertig geworden , und legte auch diese Abbildung Mathilden , meinem Gastfreunde und Eustach vor . Gustav hatte in der Zeit auch seine Zeichnung des großen Schreines vollendet , und brachte sie herbei . Er wurde ein wenig ausgelacht , und andererseits wurden ihm auch Dinge angegeben , die er noch zu verändern und hinein zu machen hätte . Auch bei mir wurden Verbesserungen vorgeschlagen . Als wir beide mit unsern Ausfeilungen fertig waren , wurden in dem Zimmer , in welchem wir gezeichnet hatten , die Geräte wieder an ihren Platz gerückt , und die Staffelei und unsere Malergerätschaften wurden daraus entfernt . Ich hatte mir in diesem Zimmer nur die zwei Gegenstände abzubilden vorgenommen . Hierauf versuchte ich noch einige kleinere Gegenstände . Unterdessen waren manche Leute zum Besuche in das Rosenhaus gekommen , wir selber hatten auch einige Nachbarn aufgesucht , hatten Spaziergänge gemacht , und an mehreren Abenden saßen wir im Garten oder vor den Rosen oder unter dem großen Kirschbaume , und es wurde von verschiedenen Dingen gesprochen . Eustach sagte mir einmal , da ich von den Geräten in dem Sternenhofe redete und die Äußerung machte , daß meinen Vater Abbildungen von ihnen sehr freuen würden , es könne keinen Schwierigkeiten unterliegen , daß ich in dem Sternenhofe ebenso zeichnen dürfe wie in dem Asperhause . Ich ging auf die Sache nicht ein , da ich nicht den Mut hatte , mit Mathilde darüber zu sprechen . Am andern Tage zeigte mir Eustach die Einwilligung an , und Mathilde lud mich auf das freundlichste ein und sagte , daß mir in ihrem Hause jede Bequemlichkeit zu Gebote stehen würde . Ich dankte sehr freundlich für die Güte , und nach mehreren Tagen fuhr ich mit den Pferden meines Gastfreundes in den Sternenhof , während Mathilde und Natalie noch in dem Rosenhause blieben . Im Sternenhofe fand ich zu meiner Überraschung schon alles zu meinem Empfange vorbereitet . Da Bilder in dem Schlosse waren , hatte man auch mehrere Staffeleien , welche man mir zur Auswahl in das große Zimmer gestellt hatte , in welchem die altertümlichen Geräte standen . Auch ein Zeichnungstisch mit allem Erforderlichen war in das Zimmer geschafft worden . Ich wählte unter den Staffeleien eine , und ließ die übrigen wieder an ihre gewöhnlichen Orte bringen . Den Zeichnungstisch behielt ich zur Bequemlichkeit neben der Staffelei bei mir . Es war nun zum Malen beinahe alles so eingerichtet wie im Asperhofe . Auch durfte ich mir die Geräte , die ich zu zeichnen vorhatte , in das Licht rücken lassen , wie ich wollte . Zum Wohnen und Schlafen hatte man mir das nämliche Zimmer hergerichtet , in welchem ich bei meinem ersten Besuche gewesen war . Zum Speisen wurde mir der Saal , in dem ich arbeitete , oder mein Wohnzimmer frei gestellt . Ich wählte das letzte . Ich betrachtete mir vorerst die Geräte , und wählte diejenigen aus , die ich abbilden wollte . Hierauf ging ich an die Arbeit . Ich malte sehr fleißig , um die Unordnung , welche meine Arbeiten notwendig in dem Hause machen mußten , so kurz als möglich dauern zu lassen . Ich blieb daher den ganzen Tag in dem Saale , nur des Abends , wenn es dämmerte , oder morgens , ehe die Sonne aufging , begab ich mich in das Freie oder in den Garten , um einen Gang in der erquickenden Luft zu machen , oder gelegentlich auch stille stehend oder auf einer Ruhebank sitzend die weite Gegend um mich herum zu betrachten . Oft , wenn ich die Pinsel gereinigt und all das unter Tags gebrauchte Malergeräte geordnet und an seinen Platz gelegt hatte , saß ich unter den alten hohen Linden im Garten und dachte nach , bis das späte Abendrot durch die Blätter derselben herein fiel , und die Schatten auf dem Sandboden so tief geworden waren , daß man die kleinen Gegenstände , die auf diesem Boden lagen , nicht mehr sehen konnte . Noch öfter aber war ich auf dem Platze hinter der Efeuwand , von welchem aus das Schloß in die großen Eichen eingerahmt zu erblicken war , und neben und hinter dem Schlosse sich die Gegend und die Berge zeigten . Es war die Stille des Landes , wenn der heitere Späthimmel sich über das Schloß hinzog , wenn die Spitzen von dessen Dachfähnchen glänzten , sich in Ruhe das Grün herum lagerte , und das Blau der Berge immer sanfter wurde . Zuweilen in besonders heißen Tagen ging ich auch in die Grotte , in welcher die Marmornymphe war , freute mich der Kühle , die da herrschte , sah das gleiche Rinnen des Wassers , und sah den gleichen Marmor , auf dem nur zuweilen ein Lichtchen zuckte , wenn sich ein später Strahl in dem Wasser fing und auf die Gestalt geworfen wurde . In dem Schlosse war es sehr einsam , die Diener waren in ihren abgelegenen Zimmern , ganze Reihen von Fenstern waren durch herabgelassene Vorhänge bedeckt , und zu dem Hofbrunnen ging selten eine Gestalt , um Wasser zu holen , daher er zwischen den großen Ahornen eintönig fortrauschte . Diese Stille machte , daß ich desto mehr der Bewohnerinnen dachte , die jetzt abwesend waren , daß ich meinte , ihre Spuren entdecken zu können , und daß ich dachte , ihren Gestalten irgendwo begegnen zu müssen . Besser war es , wenn ich in die Landschaft hinausging . Dort lebten die Klänge der Arbeit , dort sah ich heitere Menschen , die sich beschäftigten , und regsame Tiere , die ihnen halfen . Es war eine Art von Verwalter in dem Schlosse , der den Auftrag haben mußte , für mich zu sorgen , wenigstens tat er alles , was er zu meiner Bequemlichkeit für nötig erachtete . Er fragte oft nach meinen Wünschen , ließ mehr Speisen und Getränke auf meinen Tisch stellen , als nötig war , sorgte stets für frisches Wasser , Kerzen und andere Dinge , ließ eine Menge Bücher , die er aus der Büchersammlung des Schlosses genommen haben mochte , in mein Zimmer bringen , und meinte zuweilen , daß es die Höflichkeit erfordere , daß er mehrere Minuten mit mir spreche . Ich machte so wenig als möglich Gebrauch von allen für mich in diesem Schlosse eingeleiteten Anstalten , und ging nicht einmal in die Meierei , in welcher es sehr lebhaft war , um durch meine Gegenwart oder durch mein Zuschauen nicht jemanden in seiner Arbeit zu beirren . Als ich mit den ausgewählten Gegenständen fertig war , hörte ich nicht auf ; denn aus ihnen entwickelten sich wieder andere Arbeiten , was seinen Grund darin hatte , daß ein Gegenstand den andern verlangte , was wieder daher rührte , daß die Geräte dieses Zimmers und der Nebengemächer ein Ganzes bildeten , welches man nicht zerstückt denken konnte . Was mir aber zu statten kam , war die große Übung , die ich nach und nach erlangte , so daß ich endlich in einem Tage mehr vor mich brachte , als sonst in dreien . Eustach kam einmal herüber , mich zu besuchen . Ich sah darin ein Zeichen , daß man mir Gelegenheit geben wollte , mich seines Rates zu bedienen . Ich tat dieses auch , freute mich der Worte , die er sprach , und folgte den Ansichten , die er entwickelte . Er erzählte mir auch , daß Mathilde und Natalie noch lange in dem Asperhofe zu bleiben gedächten . Da , wie ich wußte , ihr Besuch in dem vorigen Sommer im Rosenhause viel kürzer gewesen war , so verfiel ich auf den Gedanken , ob sie nicht etwa gerade darum heuer länger in demselben verweilten , um mir Muße zu meinen Arbeiten in dem Sternenhofe zu geben . Ob es nun so sei oder nicht , wußte ich nicht , es konnte aber so sein , und darum beschloß ich , mein Malen abzukürzen . Endlich mußte ich doch einmal schließen , da ich doch nicht alle Gegenstände abbilden konnte . Ich sagte Eustach die Zeit , in der ich fertig sein würde . Er blieb zwei Tage in dem Schlosse , vermaß manches , untersuchte einiges in manchen Zimmern , und kehrte dann wieder in das Rosenhaus zurück . Ehe ich ganz fertig war , kamen alle vom Asperhofe herüber und blieben einige Tage . Auch Eustach kam wieder mit . Ich legte vor , was ich gemacht hatte , und es geschah das nämliche , was in dem Rosenhause geschehen war Man billigte im allgemeinen die Arbeit , und stellte hie und da etwas aus , was zu verbessern wäre . Ich hatte schor zu der Abbildung der Geräte im Asperhofe Ölfarben angewendet , weil ich in Behandlung derselben nach und nach eine größere Fertigkeit erlangt hatte als in der der Wasserfarben , und weil die Wirkung eine viel größere war . Die Geräte des Sternenhofes hatte ich nun auch mit Ölfarben abgebildet , und diese Abbildungen waren viel , gelungener als die im Rosenhause . Ich erkannte die Vorschläge , welche mir gemacht worden waren , an und bemerkte mir sie zur Ausführung . Eustach ging von dem Sternenhofe wieder in das Rosenhaus zurück ; mein Gastfreund , Mathilde , Natalie und Gustav machten eine kleine Reise . Auch mein Bleiben war nicht mehr lange in dem Schlosse Ich machte noch fertig , was fertig zu machen war , ich verbesserte , was zu verbessern vorgeschlagen worden war und was mir selber noch in der Zeit als verbesserungswürdig einfiel , und wartete dann ab , bis alles gut getrocknet wäre , um es einpacken und für den Vater in Bereitschaft halten zu können . Da dies geschehen war , dankte ich dem Verwalter sehr verbindlich für alle seine Aufmerksamkeit , gab den Mädchen , die für mich zu tun gehabt hatten , Geschenke , welche ich mir zu diesem Zwecke schon früher angeschafft hatte , und bestieg den Wagen , den mir der Verwalter zu meiner Zurückfahrt in das Rosenhaus zur Verfügung gestellt hatte . Als ich in dem Rosenhause ankam , traf ich meinen Gastfreund und seine Gesellschaft von der Reise schon zurückgekehrt an . Ich blieb noch mehrere Tage bei ihnen , nahm dann Abschied , und begab mich in das Ahornhaus zu meinen Arbeiten zurück . Ich suchte diese Arbeiten rasch zu betreiben ; aber alles war jetzt anders und nahm eine andere Färbung in meinem Herzen an . Als ich in dem Frühling die Hauptstadt verlassen hatte und dem langsam über einen Berg empor fahrenden Wagen folgte , war ich einmal bei einem Haufen von Geschiebe stehen geblieben , das man aus einem Flußbette genommen und an der Straße aufgeschüttet hatte , und hatte das Ding gleichsam mit Ehrfurcht betrachtet . Ich erkannte in den roten , weißen , grauen , schwarzgelben und gesprenkelten Steinen , welche lauter plattgerundete Gestalten hatten , die Boten von unserem Gebirge , ich erkannte jeden aus seiner Felsenstadt , von der er sich losgetrennt hatte , und von der er ausgesendet worden war . Hier lag er unter Kameraden , deren Geburtsstätte oft viele Meilen von der seinigen entfernt ist , alle waren sie an Gestalt gleich geworden , und alle harrten , daß sie zerschlagen und zu der Straße verwendet würden . Besonders kamen mir die Gedanken , wozu dann alles da sei , wie es entstanden sei , wie es zusammenhänge , und wie es zu unserem Herzen spreche . Einmal gelangte ich zu dem See hinunter und betrachtete an dem sonnigen Nachmittage die Tatsache , daß die Schönheit der absteigenden Berge meistens gegen einen Seespiegel am größten ist . Kömmt das aus Zufall , haben die abstürzenden , dem See zueilenden Wässer die Berge so schön gefurcht , gehöhlt , geschnitten , geklüftet , oder entspringt unsere Empfindung von dem Gegensatze des Wassers und der Berge , wie nämlich das erste eine weiche , glatte , feine Fläche bildet , die durch die rauhen absteigenden Riffe , Rinnen und Streifen geschnitten wird während unterhalb nichts zu sehen ist , und so das Rätsel vermehrt wird ? Ich dachte bei dieser Gelegenheit : wenn das Wasser durchsichtiger wäre , zwar nicht so durchsichtig wie die Luft , doch beinahe so ; dann müßte man das ganze innere Becken sehen , nicht so klar wie in der Luft , sondern in einem grünlichen feuchten Schleier . Das müßte sehr schön sein . Ich blieb in Folge dieses Gedankens länger an dem See , mietete mich in einem Gasthofe ein , und machte mehrere Messungen der Tiefe des Wassers an verschiedenen Stellen , deren Entfernung vom Ufer ich mittelst einer Meßschnur bezeichnete . Ich dachte , auf diese Weise könnte man annähernd die Gestalt des Seebeckens ergründen , könnte es zeichnen , und könnte das innere Becken von dem äußeren durch eine sanftere , grünlichere Farbe unterscheiden . Ich beschloß , bei einer ferneren Gelegenheit die Messungen fortzusetzen . Diese Bestrebungen brachten mich auf die Betrachtung der Seltsamkeiten unserer Erdgestaltungen . In dem Seegrunde sah ich ein Tal , in dessen Sohle , die sich bei andern Tälern mit dem vieltausendfachen Pflanzenreichtume und den niedergestürzten Gebirgsteilen füllt und so einen schönen Wechsel von Pflanzen und Gestein darstellt , kein Pflanzengrund sich entwickelt , sondern das Gerölle sich sachte mehrt , der Boden sich hebt und die ursprünglichen Klüftungen ausfüllt . Dazu kommen die Stücke , die unmittelbar von den Wänden in den See stürzen , dazu kommen die Hügel , die außer der gewöhnlichen Ordnung von bedeutenden Hochwassern in den See geschoben und von dem nachträglichen Wellenschlage wieder abgeflacht werden . In Jahrtausenden und Jahrtausenden füllt sich das Becken immer mehr , bis einmal , mögen hundert oder noch mehr Jahrtausende vergangen sein , kein See mehr ist , auf der ungeheuren Dicke der Geröllschichten der menschliche Fuß wandelt , Pflanzen grünen und selbst Bäume stehen . So kannte ich manche Stellen , die einst Seegrund gewesen waren . Der Fluß , der Vater des Sees , hatte sich in seinem Weiterlaufe tiefer gewühlt , er hatte den Seespiegel niederer gelegt , der Seegrund hatte sich gehoben , bis nichts mehr war als ein Tal , an dem jetzt die Ufer als grüne Wälle in langen Strecken stehen , mit kräftigen Kräutern , blühenden Büschen und mancher lachenden Wohnung von Menschen prangen , während das , was einmal ein mächtiges Wasser gebildet hatte , jetzt als ein schmales Bändlein in glänzenden Schlangenlinien durch die Landschaft geht . Ich betrachtete vom See aus die Schichtungen der Felsen . Was bei Kristallen der Blätterdurchgang ist , das zeigt sich hier in großen Zügen . An manchen Stellen ist die Neigung diese , an manchen ist sie eine andere . Sind diese ungeheuern Blätter einst gestürzt worden , sind sie erhoben worden , werden sie noch immer erhoben ? Ich zeichnete manche Lagerungen in ihren schönen Verhältnissen und in ihren Neigungen gegen die wagrechte Fläche . Wenn ich so die Blätter durchging und die Gestaltungen ansah , war es mir wie eine unbekannte Geschichte , die ich nicht enträtseln konnte , und zu der es doch Anhaltspunkte geben mußte , um die Ahnungen in Nahrung zu setzen . Wenn ich die Stücke unbelebter Körper , die ich für meine Schreine sammelte , ansah , so fiel mir auf , daß hier diese Körper liegen , dort andere , daß ungeheure Mengen desselben Stoffes zu großen Gebirgen aufgetürmt sind , und daß wieder in kleinen Abständen kleine Lagerungen mit einander wechseln . Woher sind sie gekommen , wie haben sie sich gehäuft ? Liegen sie nach einem Gesetze , und wie ist dieses geworden ? Oft sind Teile eines größern Körpers in Menge oder einzeln an stellen , wo der Körper selber nicht ist , wo sie nicht sein sollen , wo sie Fremdlinge sind . Wie sind sie an den Platz gekommen ? Wie ist überhaupt an einer Stelle gerade dieser Stoff entstanden und nicht ein anderer ? Woher ist die Berggestalt im großen gekommen ? Ist sie noch in ihrer Reinheit da , oder hat sie Veränderungen erlitten , und erleidet sie dieselben noch immer ? Wie ist die Gestalt der Erde selber geworden , wie hat sich ihr Antlitz gefurcht , sind die Lücken groß , sind sie klein ? Wenn ich auf meinen Marmor kam - wie bewunderungswürdig ist der Marmor ! Wo sind denn die Tiere hin , deren Spuren wir ahnungsvoll in diesen Gebilden sehen ? Seit welcher Zeit sind die Riesenschnecken verschwunden , deren Andenken uns hier überliefert wird ? Ein Andenken , das in ferne Zeiten zurück geht , die niemand gemessen hat , die vielleicht niemand gesehen hat , und die länger gedauert haben , als der Ruhm irgend eines Sterblichen . Eine Tatsache fiel mir auf . Ich fand tote Wälder , gleichsam Gebeinhäuser von Wäldern , nur daß die Gebeine hier nicht in eine Halle gesammelt waren , sondern noch aufrecht auf ihrem Boden standen . Weiße , abgeschälte tote Bäume in großer Zahl , so daß vermutet werden mußte , daß an dieser Stelle : ein Wald gestanden sei . Die Bäume waren Fichten oder Lärchen oder , Tannen . Jetzt konnte an der Stelle ein Baum gar nicht mehr wachsen , es sind nur Kriechhölzer um die abgestorbenen Stämme , und auch diese selten . Meistens bedeckt Gerölle den Boden , oder größere , mit gelbem Moose überdeckte Steine . Ist diese Tatsache eine vereinzelte , nur durch vereinzelte Ortsursachen hervorgebracht ? Hängt sie mit der großen Weltbildung zusammen ? Sind die Berge gestiegen , und haben