, wer Lust hat . Uns drängt Wichtigeres , das einbricht , und wir halten es nicht auf . Die Kraniche hatten doch recht gehabt , dachte der Knecht Ruprecht . » Das ist ein Herr ! « sprach die Edelfrau , als sie wieder zu Athem kam , und sie hatte wohl Grund , es zu sagen , denn der nicht merken läßt , daß er ein Herr ist , ist der rechte Herr . Der Kurfürst ging mit seinem Begleiter in der Burg umher , als hätte er wunder was zu sehen , das ihn ganz von allem abzöge . Da erklärte er dem Ritter von Holzendorf , was die Bauart der Wenden gewesen , und was die Deutschen gemauert hätten . So , nachdem er über die Mauern ringsum gegangen , wollte er , da die Sonne schon die Kieferwipfel berührte , noch ein Mal in ' s Freie vor dem Abendimbiß , als er den blassen Kranken in der Thorstube am Fenster sitzen sah . Er trat zu ihm ein und tröstete ihn : wen Gott heimsuche , den liebe er , und wen er zu tödten scheine , den erwecke er oft ; er verhieß ihm , wenn er in den geistlichen Stand trete , sein Aug auf ihm zu haben , und dafür zu sorgen , daß er in den geistlichen Würden wie in der Erkenntniß steige . Aber das irre Auge des Junkers war ihm unheimlich , und er eilte , daß er in ' s Freie kam . Die Leute wußten nicht , über wen sie mehr sich verwundern sollten , über den Fürsten oder über ihre Frau . Es war viel , mit Händen schien ' s kaum zu schaffen , aber es ward doch geschafft . Ueberall kann doch nicht ein Mensch sein , aber sie war überall ; jetzt in der Küche , jetzt in der Halle , nun wühlte sie in den Schränken , nun flog sie in den Keller . Da war der Flur der Halle nun trocken , das hatte manches Stück der Herbstwäsche gekostet , da war feiner weißer Sand darauf gestreut und Tannenreiser , da prasselte der Kamin und verbreitete angenehme Wärme , aber auch angenehme Düfte , sie hatte Bernstein und würzige Kräuter hineingeworfen ; über die nassen Treppen waren Decken gelegt , und die Geländer mit grünen Sträuchern umwunden . Da stand der Tisch schon in der Mitte mit ihrem Hochzeitsgedeck , und einem silbernen Armleuchter , und Flaschen und Schüsseln : » So wird ' s wohl gehen , « sprach sie aufathmend und sank erschöpft in den Armsessel . Sie hatte für Alles gesorgt , auch das Bett stand schon draußen , das sie hineintragen wollten , wenn der Fürst abgespeist , denn die Halle war das einzige Gemach in der Burg , wo ein Fürst zur Noth nächtigen konnte , vor dem Wasser , das Alles überschwemmt hatte . Ja , für Alles hatte sie gesorgt , nur nicht für sich . Da saß sie , die Hände auf ihren Knieen , und nun erst sah sie sich selbst . Es war noch Alles , wie es gewesen , der Rock auf dem Rücken verknotet , die Aermel aufgekrämpt , die Haare - mit einem Aufschrei stürzte sie fort , denn schon kehrte der Fürst über die Zugbrücke zurück . Der junge Fürst , der noch vorhin so freundlich und leutselig gewesen , saß stumm und mit bewölkter Stirn an der hellen Tafel . Mundeten ihm die Speisen , schmeckte ihm der Wein nicht , vermißte er den Wirth ihm gegenüber , oder war das Sonnenlicht seiner Laune mit der Sonne am Horizont untergegangen ? - Er wird auch müde sein , dachten sie in der Halle . » Seit der Geschichte mit dem Lindenberger , « flüsterte sein Büchsenspanner zum Gesinde draußen , » ist er allabends so , wenn es dunkelt . « » Mein gnädiger Herr wird ' s Euch zu Lieb und Dank wissen , gnädige Frau , « führte der Ritter von Holzendorf für seinen Fürsten das Wort , » daß Ihr Euch so angelegen sein laßt , ihn mit Ehren und Gutem zu bewirthen . Wir treffen ' s nicht überall so , wenn wir in der Jagd in ein Haus einfallen . Man nimmt da gern vorlieb , was man findet , Ihr aber tragt vom Besten auf , und ist ' s doch fast so stattlich alles hier , wie zu einer Hochzeit . « Das machte die Edelfrau erröthen , denn sie hatte ihr Brokatkleid angezogen , mit dem sie an den Altar getreten war , und auf dem Kopf saß schön gepufft die Flügelhaube von damals . Aber auch darauf sah der Fürst nicht . Den Leuten in Burg Hohen-Ziatz schien das fast noch merkwürdiger , als vorhin seine Leutseligkeit . Und wenn die Gestrenge ihm so mit tiefem Knicks das Backwerk reichte , oder auf der Silberschale den feinen Wein zum Nachtisch , nickte er wie in Gedanken , und hatte es kaum an die Lippen gebracht , da er es wieder hinsetzte . » Daß ich auch nicht einmal einen einzigen anständigen Menschen meinem Herrn zu Tisch setzen konnte , das ist , was ich mir mein Lebtag nicht verzeihen werde , « flüsterte die Burgfrau zum Begleiter des Fürsten ; ihn selbst anzureden wagte sie nicht mehr . » Aber wo sollten wir hinschicken . ' S ist ja keine vernünftige Seele hier herum . « Joachim erhob sein Gesicht aus dem Arm , in den er es gestützt . » Wo ist der junge Mensch ! Der Bursch , den ich im Walde traf , und der mich auf den Richteweg führte ? Ich sehe ihn nicht mehr . « Frau von Bredow hatte ihn vorsorglich in ein unweit gelegenes Vorwerk geschickt , um ihre Tochter Eva abzuholen . Mit großen Herren ist nicht gut zu spaßen , hatte sie gedacht , und wenn er ihn auch nicht hängen ließ , so liegen doch zwischen dem Hängen und Spaßen Dinge , über die man nicht spaßen muß . Nun war er zwar schon zurückgekehrt , aber sicher ist sicherer , dachte sie , und ihr gutes Herz erlaubte ihr eine Lüge . » Ach , durchlauchtigster Herr , der ist sehr müde , er kommt heut von weit her . Da erlaubte ich ihm - « » Müde zu bleiben , « unterbrach Joachim lächelnd und warf das Handtüchlein auf den Tisch . » Da erlaubt meine freundliche Wirthin es Ihrem Gast wohl auch , sintemal er mit Eurem Vetter in einem Falle ist . Morgen , Frau von Bredow , führt ihn mir vor . Wir haben ein Gespräch zu Ende zu bringen , das seltsam genug im Walde anfing . « Und wieder sah der Fürst vor sich nieder , mit der Hand auf den Tisch gestützt , als träten abermals ernste Gedanken vor seine Seele . » Beliebt es meinem gnädigen Herrn ? « weckte ihn eine feine , wohlklingende Stimme . Er fuhr mit einem Seufzer auf und sah ein liebliches Mädchen vor sich stehen , in der einen Hand eine silberne Schüssel , in der andern eine silberne Kanne : ein weißes Linnentuch hing über ihrem Arm . Indem sie Wasser in die Schaale goß , überzog Stirn und Wangen eine helle Röthe . Joachim tauchte die Finger in die Schale und netzte sie , wie mit Wohlgefallen , in dem Wasserstrahle , den die Jungfrau darüber träufelte . Er sah ihr freundlich in das blaue Auge , aber es war kein Liebesblick . » Möge der Strahl der Gnade so klar auf Dich und mich perlen , als dieses Wasser über meine blutige Hand . « » Sie ist nicht blutig , gnädigster Herr ! « Aber ihr Gesicht ward blutroth , daß sie sich das zu sprechen unterstanden . » Nicht , Jungfrau ? Mir scheint doch , der Fleck will nicht abgehen . « » Wahrhaftig , sie ist rein . Das ist nur der Wiederschein vom Fackellicht , durchlauchtigster Herr . Morgen , bei Tageslicht , da werdet Ihr sehn , sie ist ganz rein . « » Rein , wie Dein Antlitz , und klar , wie Dein blaues Auge ? O daß es immer Tageslicht wäre ! « Der Fürst brach auf . Das Tagewerk der guten Frau von Bredow war damit nicht geendet . Was der Tag war gewesen , und was sie am Abend bis spät in der Nacht noch gethan und geschaffen , davon ließe sich wieder ein Buch schreiben , und will ' s Gott , und giebt mir Kraft dazu , und meine Leser werden nicht müde , so wird ' s Frau Brigitte ihnen selbst noch ein ander Mal erzählen , wie sie ' s ihren Enkeln und den Gästen , die brave Frau , so oft erzählt hat von ihrem Ehrentage ; und das Hauptstück davon ist , wie sie das Bett in die Halle geschafft , und ein Himmeldach darüber aufgeschlagen , ohne daß der Fürst es merkte . Und als er sich niedergelegt und schlief , wie sie da ohne Geräusch und Klappern den Abendtisch mit Flaschen und Schüsseln , mit Kerzen und Fackeln , mit Kesseln und Sesseln heimlich hinausgeschafft , und die Halle eingerichtet mit Teppichen und Vorhängen , mit Geschirr und Ampeln , mit allen Bequemlichkeiten des Lebens , daß Joachim , als er erwachte , in seinem eigenen Schlafgemach zu sein vermeinte , und dann dachte er an Zauberei , denn mit natürlichen Dingen konnte das nicht zugehn . So hat Frau von Bredow es oft erzählt und ihr Auge leuchtete dabei . » Ich war die Zauberin , allergnädigster Kurfürst , so ich es mich unterstehen darf , « hatte sie , ihre Knie bis zur Erde senkend , und die Augen niederschlagend , gesprochen . Was der Kurfürst geträumt im Bernsteindufte der Halle von Hohen-Ziatz , das weiß ich nicht . Er schlief fest . Der rechte Arm hing vom Lager herab . Wenn die Burgfrau auf den Zehen die Treppe herunterschlich , eine Hand frische Bernsteinkörner und Weihrauch auf die glimmenden Kohlen zu streuen , und die Kohlen flackerten auf , dünkte es auch sie , als wenn die Hand blutig roth sei . Leise schlich sie zur Thür hinaus , wo die Wacht stand , auf die Hellebarde gelehnt . Die Burgfrau brauchte ihn nicht zur Wachsamkeit zu ermuntern . » Keinen Fremden laß ich nicht ein ; da soll Keiner ihm ein Haar krümmen , bis er mag für sich selbst stehen . « So sprach Hans Jürgen , und wie kleidete ihn jetzt die Stahlhaube , die er nicht mehr verkehrt aufgesetzt , der verblichene Wappenrock seines Vaters , der Küraß und das lange Schwert an seiner Seite . Die Base hatte es ihm aus dem Schrank gereicht und gesprochen : » Nun thu Deinen ersten guten Dienst . « Er hatte laut geantwortet : » Das will ich , Base . « Für sich hatte er hinzugesetzt : » Aber vor den Hosen steh ich nun nicht mehr Wache ! « Es war lange nach Mitternacht , als die gute Frau von Bredow endlich zur Ruhe kam , wenn das Ruhe war . Oben im Erkerstüblein ihres Herrn , das zur Nothdurft trocken geworden , lag sie jetzt im Bette , das sie mit ihrer Eva theilen wollte , die noch das Abendgebet vor dem Crucifix sprach . Zwei hatten gut Platz , aber wo fanden ihn alle die Gedanken , die in ihr arbeiteten und hin und her schwankten , wie die Fahne des Hohenlohers über dem Kopfkissen , wenn der Wind durch die zerbrochenen Scheiben strich . - Ob sie wohl Alle gut untergebracht waren ? Ach Gott , der Herr von Holzendorf lag in der Scheune ! Zwar auf ihren besten Betten , aber doch immer in der Scheune , und solcher Herr ! Ob er es ihr wohl nachtragen würde ! - Aber er hatte es ja nicht anders gewollt . - Und Ihr Herr ! Wo mochte der wohl liegen ? Vielleicht bei den Vettern im Havellande . Da kriegt er genug ; es schadete denn auch nichts , wenn der Kaspar ihn nicht mehr getroffen . Der Kaspar würde wohl für sich die Blutwürste essen . Ausverschämt war er nicht , die Gans würde er wohl wieder mitbringen . - Und welch ein Glück es noch war . Wenn Götz in ' s Scheuern gefahren wäre , das hätte ein Unglück gegeben . Es war am besten , daß alles so gekommen , wie es kam . - Der Kurfürst war doch ein sehr feiner Herr ! - Vielleicht war er auch kurzsichtig , und hatte nicht Alles so gesehen . - Wenn doch ihr Götz auch so wäre ! - Na , man muß zufrieden sein , wie man ' s hat . - Ob wohl im kurfürstlichen Schloß auch gescheuert wurde ? Denken konnte sie sich ' s nicht recht , aber es mußte doch wohl sein . Der Gedanke wollte ihr gar nicht aus dem Kopf . Und wenn der Kurfürst dann zu früh nach Hause kehrte , und die Treppen schwammen , - und die Kurfürstin - Dummes Zeug ! Sie wandte den Kopf : Die Kurfürstin würde nicht scheuern lassen , und es gab ja gar keine Kurfürstin . Aber nun wollte ihr die Kurfürstin nicht aus den Augen , wie sie oben auf der Treppe stand , und ängstlich ihrem heimkehrenden Herrn entgegen sah , und die Kurfürstin sah gerade aus , wie ihre Tochter Eva . Sie faltete ihre Hände : » Ach Jungfrau Maria , bewahre mich vor der Sünde . « Die Käuzchen , die beim Scheuern hinausgejagt waren , heulten vor dem Fenster . Da kam ein neuer Gedanke , der ihr Angstschweiß entlockte : Ach , der arme Herr von Lindenberg ! Vom Gefolge des Fürsten hatte sie endlich von der Geschichte gehört , wenigstens den notdürftigsten Zusammenhang und das schreckliche Ende . Damals hatte sie keine Zeit , darüber zu denken , sie hatte sich ' s aufgespart , bis sie allein wäre . So ein lieber , guter , feiner Herr , und ihr Verwandter , und so schrecklich zu enden ! Sie sah die Raben flattern , sie hörte sie krächzen ; sie schloß die Augen , und steckte den Kopf unter die Decke . Aber eigentlich taugte er auch nicht viel ; er hatte eine glatte Zunge und glatte Haut , aber kein Herz für Freundschaft . Hatte er sich um sie gekümmert , bis Wind und Wetter nach langen Jahren ihn in ihr Haus verschlugen ? Und da war er ' s ja , der die Geschichte angezettelt . Wie Vieles wurde ihr da mit einem Male klar . Ihre Ziehkinder wollte er verführen , ihren Götz hatte er in ' s Unglück gebracht ; er allein . O , er war ein grundschlechter Mann , vom Teufel besessen . Sie hatte es ihm auch schon angesehen , als er , noch ein schöner , junger Herr , um alle Fräulein scharwenzelte . O , er verdiente nein ein so schreckliches Ende gönnte ihm die gute Frau doch nicht . Hätte er nur Gottesfurcht gehabt , und dann das Hofleben ! Ihr Hans Jochem hatte auch gar zu gern an den Hof gewollt . Den hatte Gott dafür gestraft , und wie gnädig ! Nun war die Gottesfurcht mit dem zerbrochenen Beine ihm mit einem Male aufgegangen . Und die arme Agnes ! Nun , die wird für sie Alle im Kloster beten . Das Kloster war arm . Ob ihr wohl das viele Fischessen bekommen würde ? Daß das zur Gottesfurcht gehöre , konnte sich Frau von Bredow nicht denken . Die Aebtissin war keine strenge Frau , man könnte ja dem Kinde dann und wann was Eingesalzenes schicken . Und der Dechant wollte ja der heiligen Agnes einen Altar stiften . Sie hatte das Sündengeld zwar zurückgewiesen , aber ob es denn nun nicht besser sei , schlechtes Geld zu einem guten Zwecke zu nehmen , als daß er ' s zu schlechten Zwecken durchbringe ? Das Geld konnte ja nichts dafür , daß der Dechant es dem Lindenberg abgenommen . Sie kam zu einem Vergleich zwischen ihrem Gewissen und ihren Wünschen . Wenn von dem Lindenberg ' schen Gelde ein Altar der heiligen Agnes gestiftet würde , so sollten vor demselben täglich drei Seelenmessen für den todten Herrn von Lindenberg gelesen werden . So legten sich die Stürme , so verglichen sich die widerstrebenden Gedanken , und nur der an Hans Jürgen quälte sie noch , als ihre Augenlider sich immer fester schlossen , ihre Brust immer ruhiger athmete . Was sollte aus dem Jungen werden ? Seinen Trotz konnte ihm der Fürst nimmermehr hingehen lassen . - Er wird wohl noch ein kläglich Ende nehmen ! - Der Fürst wälzte sich und röchelte . Der Bernsteindampf erstickte ihn . Vergebens rief sie , er möge nicht sorgen , der Zug durch Schlott und Treppen werde die böse Luft forttreiben . Eine unsichtbare Gewalt hielt sie fest und schnürte ihre Kehle . Sancta Katharina , er erstickt in unserm Haus , und uns schelten sie Mörder . Der Fürst war nicht erstickt , er war aufgesprungen , die Thür hatte er aufgerissen und fand seinen Wächter schlafend . O der freche Bube , er widersetzte sich , er schlug auf seinen Fürsten . » Hans Jürgen ! Hans Jürgen ! « Noch versagte ihr die Stimme . Aber jetzt sprang das Band : » Gnade , Barmherzigkeit ! Mein armer Hans Jürgen ! - Ach am Galgen ! « » Hans Jürgen ! « schrie eine andere Stimme , aber nicht mit der durchdringenden Ängstlichkeit . Hell und froh rief sie : » Hans Jürgen , so fange doch ! « Da saßen Mutter und Tochter aufgerichtet im Bette und sahen sich verwundert in ' s Gesicht beim Schein der Lampe , die Eva auszulöschen vergessen . Sie hatten beide geträumt , beide von derselben Person , und beide doch wie anders ! » Ach der arme Junge , und der war dir so gut , « sprach die Mutter . Eva rief : » Das ist er , aber es war wohl ein Traum ! Er spielte mit dem Kurfürsten Fangen , und sie warfen sich rothbackige Aepfel zu . « - » Ihm wird ' s schlimm gehn , « sagte die Mutter . » Nein , gut « , erwiederte Eva . Beide stritten in Güte und hatten doch keine Gründe , bis sie Beide lachen mußten . Und dann plauderten sie noch lange fort , und Eva erzählte der Mutter , was Hans Jürgen auf dem Heimweg vom Vorwerk ihr erzählt , wie er mit dem fremden Jäger zusammengetroffen , und noch mancherlei , bis die Mutter sanft entschlief . Das Lächeln auf ihren Lippen küßte Eva verstohlen weg , und selbst mit einem himmlisch frohen Lächeln , das ich Einem gegönnt hätte , daß er ' s gesehen , streckte sie ihr Köpfchen unter die Decke . Zwanzigstes Kapitel . Zwei Erwachen . » Sprich , was Du denkst « , sagte der Kurfürst zu seinem Begleiter , als sie durch den Fichtenwald ritten . Das kleine Gefolge war auf seinen Wink zurückgeblieben . Die Morgenstunde fing an die Nebel zu zertheilen und versprach einen schönen Tag . » Daß Ihr wieder gut machen wolltet , was Ihr schlimm gemacht . Aber - « » Grad ' heraus , Niemand lauscht , und ich bin in der Laune , Dich zu hören . « » Ihr denkt , der Specht spricht auch , und der Häher und die Krähe schreien , warum nicht Hans Jürgen . « » Was ich denke , ist mein . Ich will Deine Gedanken hören . « » Nu ja , Herr Kurfürst , was ich von Euch damals dachte , das wißt Ihr , als ich noch nicht wußte , daß Ihr ' s wart . « » Das zu wiederholen erlaß ich Dir . Was denkst Du aber nun ? « » Weil Ihr meinem Oheim so große Schande angethan , darum kamt Ihr . Denn , daß Ihr auf der Jagd blos verirrt wär ' t und nur so von ungefähr angesprochen , das glaube ich nicht . « » Bursch ' , Du zeihst Deinen Fürsten einer Lüge ? « » Das darum auch noch nicht . Bei Hofe und in der Stadt mag ' s wohl so in der Art sein , daß Jeder was anders sagt als er im Sinne hat ; weil das Jeder vom Andern weiß , so gleicht sich ' s aus . « » Und wenn ich darum nach Hohen-Ziatz geritten wäre ? Wir sind hier nicht bei Hof , wir sind in Gottes freiem Walde . Du darfst nicht hinter ' m Berge halten . « » Wenn Einer Einen geschlagen hat , oder was noch schlimmer ist als das , denn das ist es , und nun kehrt er bei ihm im Hause ein , und ißt an seinem Tisch und schläft bei ihm zu Nacht , da weiß ich doch nicht , wie er das damit wieder gut macht . « » Bist Du unter Bären aufgezogen ? Weißt Du nicht , was der Unterschied ist zwischen einem Fürsten und Vasallen ? « » Jeden juckt doch seine Haut , und was Ehr im Leibe ist , das weiß doch ein Vasall so gut , wie ein Fürst . « » Denke , Du wärst ich , und hättest einem Vasallen , einem Fremden Unrecht gethan , und fühltest den Drang , es wieder gut zu machen . Was würdest Du thun ? - Du besinnst Dich sehr lange . « » Das ist schon recht . Es geht Einem schwer an . Aber wenn ich einen zu meiner Thür hinausgeworfen hätte wider Recht , den lüd ' ich wieder zu mir ein , wenn ' s auch über ' s Recht wäre , mit allen Ehren und thäte ihn bewirthen wie einen Fürsten , wie ' s mich auch hart anginge , und was auch die Leute dazu sagten , und wenn - « » Besinne Dich , Hans Jürgen , ob ich nicht mehr that ? « Hans Jürgen besann sich : » Ja , Ihr denkt ' s so . Daß Ihr Euch so fast allein in unsern Wald gewagt und in unser Haus geritten , und ohne Leibtrabanten Euch zur Ruhe gelegt habt . Denn um der Ehre willen war das gar nicht nöthig , daß Ihr noch zur Nacht bliebt . Wenn Ihr zur Vesper gegessen und einen Trunk gethan , hättet Ihr noch ganz gut bis Golzow reiten können , wo Ihr bei den Rochows besser aufgenommen wart , als bei uns . Aber Ihr thatet es , um so zu thun , als wenn Ihr uns wunder was Vertrauen damit zeigen thätet . Aber ich meine , für meine Person , das ist nicht so sehr viel , denn das weiß doch jedes Kind , daß wir Euch nicht todt geschlagen hätten , und hätten ' s auch nicht geduldet , daß Euch Einer ein Haar krümmte , blos weil Ihr unser Gast wart . Ich stand selbst die ganze Nacht durch vor Eurer Thür Wache . Dagegen ist nun nichts , und ' s ist auch ganz gut , aber Ihr denkt Euch doch nun , wir Alle müßten uns überschlagen vor Erstaunen und Verwunderung , und vor Dankbarkeit nicht wissen , wo wir hin sollten , und dabei kommen mir denn so eigene Gedanken . « Joachim ritt eine Weile schweigend vor sich hin . » Sie werden ' s mir nicht danken , meinst Du ? « » Ach ja , das werden sie schon ; dabei aber dacht ' ich mir : Wie das kurios in der Welt ist ! Der Eine hat seine Schläge weg , was ich nämlich so meine : mein Oheim und wir . Und der sie ihm gab , der hat erst das Vergnügen weg , daß er einen ehrlichen Mann geschlagen hat ; denn da mögen die Priester sagen was sie wollen , wenn ich Einen prügeln gethan , das hat mir Vergnügen gemacht und ihm Schmerzen , und zweitens kostet ' s Euch gar nichts , im Gegentheil , es hat Euch noch Vergnügen gemacht , und am Ende erheben sie Euch noch in den Himmel , wie edel und großmüthig Ihr seid , und danken Euch , und der Andere muß erstlich seine Schmerzen einstecken und thun , als wenn er wunder wie froh wäre , und dann auch noch danken und von den Leuten sich Glück wünschen lassen , daß es noch so gekommen ist . Das ist doch kurios in der Welt getheilt . « Der Fürst blickte ihn an , als wollte er ihn fragen , ob er es anders theilen könne . » Möchtest Du Fürst sein ? « » Das weiß ich nicht , « sagte Hans Jürgen . » Ich müßte es doch erst lernen . « » Uns lehrt es Niemand . Gott giebt es und es ist da ! « » Da ist ' s am Ende recht gut , daß es mir Gott nicht gegeben hat . Itzund möchte ich am wenigsten in Eurer Haut stecken . « » Du beneidest mich also nicht mehr um das Vergnügen , einem wackern Mann Unrecht gethan zu haben , nicht um die Lust , die es mir macht , von den Leuten gepriesen und bewundert zu werden ! Ich sage Dir , es giebt noch andere Dinge , um die Du mich nicht beneiden darfst . « Sie ritten wieder eine Weile , ohne ein Wort zu wechseln . » Aber Du kannst scharf lesen in den Gedanken Anderer « , hub Joachim wieder an . » Wenn nun Einer wäre , der auch so in Deinen Gedanken läse ! « Da stutzte Hans Jürgen und wurde roth . Er dachte zwar , daß die Leute immer gemeint , er habe keine Gedanken , aber er wünschte jetzt doch nicht , daß der Fürst in sein Herz hineingesehen hätte . » So ich nun lese , was die Röthe auf Deinem Gesicht aussagt : wie Du zwar Wache gestanden vor meiner Thür , als ich schlief , auch mich itzo sicher willst hinbringen , bis wo ich aus Eurem Gebiet bin , und so mich Einer anfiele , Dein Schwert ziehen würdest , aber doch innerlich grimmig schaust und sinnst , wie Du es wenden sollst . Wie Du in Spandow hingehorcht hast auf die wilden Reden , welche die Junker in der Schänke geführt , wie Du dann hinreiten wollen nach Friesack zu Deinem Pathen , um Raths Dir zu erholen , bis Dir Einer zugeflüstert , der Rath , den Du da fändest , würde Dir nicht gefallen . Wie Du ingrimmig heimgeritten , mit gar wilden Gedanken in Deiner Brust . Wenn ich läse , wie Du an den Knöpfen abgezählt , ob Du zum Pommerherzog gehen solltest , oder warten auf die Gelegenheit , die im Lande kommt . Läse , wie Du beim Gedanken aufgejauchzt , das Schwert zu ziehen und in heller Schlacht gegen Deinen Kurfürsten zu fechten ? Da könntest Du auch Ritter werden , und welcher Preis erwartet Dich , wenn Du heimkehrtest . Darum lohnte sich schon , die Treue gegen seinen Landesherrn zu brechen . Nicht so , Hans Jürgen ? « Hans Jürgen hatte den Kopf allmälig sinken lassen und die Arme hingen schlaff zur Seite . Aber er ermannte sich doch , ihn wieder anzusehen , ob er sein Urtheil auf dem Gesichte lese : » Das wißt Ihr Alles , Herr Fürst . « » So mir ein Vöglein auch gesungen , daß Du mit ausreiten gewollt in jener Nacht gegen den Krämer , Du wärst gar trotzigen Muthes gewesen ; nur die wackere Frau hätte Dich anderwärts hingeschickt . Ei , ei , so keck , und das doch hinter Dir ? « » Herr Kurfürst , lügen kann ich nicht ! ' S ist Alles wahr . Ihr werdet mir den Kopf abschlagen lassen , wie Jenem . ' S ist schon manchem bessern Mann als mir so gegangen . « » Du giebst Dich ? « » Wenn ' s sein muß , ' s ist besser schnell als lange fackeln . Besser früh aus der Welt geh ' n mit Ehren , als lange leben ohne Ehren . « » Den Kopf soll ' s Dich nicht kosten . So ein Fürst alle die strafen müßte , die ihm übel denken und Böses thun wollten , aber ' s kam nicht dazu , da hätte dieser Wald nicht Pfähle genug , um die Köpfe darauf zu stecken . Du hast Dich mir aber gegeben , und nun sollst Du nicht mehr frei sein , vielmehr mein Diener . Du hast für mich da gewacht im Hause von Ziatz , nun sollst Du für mich wachen im Schloß zu Kölln . Und das denke wohl , Hans Jürgen , was es heißt , für seines Fürsten Kopf einstehen . Ich will keinen Schwur von Dir , nur Deine Hand darauf ! « Hans Jürgens Arm zitterte doch etwas , als er seinem Fürsten die Hand reichte . Daß er ihm den Kopf würde abschlagen lassen , das , wenn er recht nachdachte , hatte er doch eigentlich nicht gedacht ; aber daß er ihm würde die Hand reichen dürfen , das hatte er auch nicht gedacht . Da war ihm wunderbar , fast bang zu Muthe , und in den Nebeln , die durch