ihm fast gschmuecht . So , Bruder , gehts , und wenn ich geheiratet gewesen wäre , als ich das Gesicht gesehen , und nicht noch ledig , es wäre mir nicht nur fast , sondern ganz gschmuecht geworden ; so aber lief ich davon , ward gescheit und dankte Gott . Darum , Bruder , nimm dich in acht , wunder nähmte es mich , ob dein Meitschi auch noch so lieblich bliebe , wenn es so recht taubs wäre aus dem ff. « So redend trug Christeli eine Gablete Klee auf den Wagen , blieb aber stehen wie eingewurzelt . In grünem Hasellaube sah er ein Mädchengesicht , dessen funkelnd Augen , paar starr auf ihn gerichtet war . » Was düecht dich , was mache ich für ein Gesicht ? « frug das Mädchen , als es sich entdeckt sah , und schalkhaft spielte über das Gesicht ein Lächeln , Christeli aber stand da wie Butter an der Sonne und wäre weiß kein Mensch wie lange dagestanden , wenn nicht Resli , sobald er die Stimme hörte , herbeigekommen und im grünen Hag sein Meitschi entdeckt hätte . Als dasselbe von sich reden hörte , konnte es begreiflich nicht mehr weiters ; es wollte eigentlich nicht horchen , sondern sich nur zeigen , aber es scheute sich , Christeli zu unterbrechen , ist das ja nicht höflich , und so stund es stille da , bis Christeli es erblickte . Als Resli freudig es anredete : » Bis Gottwilche ! Das ist bravs , ih ha afe zwyflet « , da sah man nichts mehr von der Ernsthaftigkeit , in welcher Christeli das Meitschi anfänglich erblickt , es machte ein gar freundlich Mieneli und sagte : » Trauist de niemere ? Was me vrspricht , das haltet me de notti . Dr Ätti het welle , daß ih mitehömm , er ist afe alte u fahrt nit gern alleini . « Nun kam auch Christeli herbei , gab die Hand , hieß ihns Gottwilche und sagte , es werde doch nicht für ungut haben , was er da gestürmt , er sage manchmal etwas für die Langeweil , dessen müsse man sich nicht achten . Aber er hulf , sie wollten heim , die Leute könnten sonst meinen , sie seien sturm und redeten mit den Haselstauden . Von dieser Seite her kam man zum Hause , ohne andere Häuser zu berühren ; es lag in weitem Baumgarten , rundum ein geräumiger Platz , aber nirgends ein verzattert Stück Holz , nirgends herumliegend Stroh , alles wie an einem Festtage , freundliche Blumen in den Fenstern , auf der breiten Terrasse sonnete sich ein alter Hund , der ohne Bellen , aber freundlich wedelnd ihnen entgegenkam . Der Vater schnefelte im Holzschopf , die Mutter putzte Samen , und Annelisi fegte das Milchgeschirr beim Brunnen . Von dort sah es Anne Mareili zuerst hinter dem Kleewägeli mit Resli gehen , ließ das Melchterli fahren , schoß zur Nebentüre hinein , zur vordern hinaus , rief der Mutter zu : » Sie kommt , sie kommt ! « und husch wieder hinein und davon und hörte nicht mehr wie die Mutter sagte : » Du tust doch wieder dumm und weißt , wie ich das uhöflig Wese so ungern habe . Was wird sie denken ! « Desto freundlicher ging die stattliche Frau Anne Mareili entgegen , hieß es in Gott willkommen und sagte , wie sie blanget hätte , es zu sehen , und wie es sie freue , wenn es ihm hier gefalle , daß es für immer bei ihnen bleiben möge . Aber es solle hineinkommen , drinnen Bericht geben , wo es den Vater hätte . Schon unter der Türe erschien Annelisi wieder , aber mit einem Halstüchli um die Ohren , einem saubern Fürtuch , und vor lauter Luegen vergaß es fast den Willkomm . Aber was ist einem Meitschi bei neuer Begegnung wohl wichtiger , als zu ergründen , was die Kommende für ein Gesicht hat und was sie anhat vom Kopf bis zu den Fußen ! Bis es weiß , wie ihr Gloschli verbändelt ist , ob rot oder schwarz oder gar blau , hat es keine Ruhe . Wie freundlich zwei Mädchen sich auch begegnen , wie willkommen sie sich auch heißen , sie betrachten einander doch wie zwei Schwinger , die sich auch die Hände geben , ehe sie einander fassen zum Niederwerfen . Nun ist ein Glück dabei , daß bei solchem Messen gewöhnlich jedes Mädchen denkt : Nein , gottlob , so hübsch wie die bin ich doch denn nadisch auch , es ist sih doch dr wert , es selligs Gheye z ' mache ! Aber es selligs Göller oder e selligi Kittelbrust muß ich auch haben , ih la nit lugg , bis ich eine habe , u de no e schöneri . Ob diese beiden Mädchen auch so dachten , sagten sie nicht , aber wahrscheinlich , denn sie wurden noch freundlicher gegen einander , als sie sich recht betrachtet hatten , natürlich deswegen , weil jede sich selbst doch noch besser gefiel als die Andere . Jede hatte auch recht , es kam nur darauf an , von welchem Standpunkt man ausging und welchen Gesichtspunkt man ins Auge faßte . Ging man von einem vornehmen Standpunkt aus , so war Anne Mareili schöner , schlanker und von regelmäßigern Zügen , faßte man das Wesen ins Auge mit mehr bürgerlichem Auge , so war Annelisi beweglicher , lustiger , von geistiger und leiblicher Frische , welche eben gern in einem rundlichten Wesen wohnt und welche man eben nicht für vornehm hält . Die blanke Küche , die schöne , helle , große Stube fielen Anne Mareili auf , so hatten sie es nicht daheim , und als es unter der Küchentüre noch nach außen sah , in den schönen Garten , über Matten und Felder weg , in deren Mitte so frei und stattlich das blanke Haus stand , so mußte es bekennen , daß es einen schönern Bauernsitz noch nie gesehen , und mächtig bewegte sein Herz der Gedanke , was es heiße , hier Bäurin sein zu können . Und doch fühlte es sich gedrückt , unwohl , und eine Art Beklemmung nahm immer zu , fast wie gewisse Leute des Morgens sie empfinden , wenn es abends ein Gewitter geben will . Alles war so freundlich gegen ihns , alles gefiel ihm so wohl , man stellte ihm , gäb wie es sich wehrte , den besten Kaffee auf , wie sie ihn daheim nie hatten , Käs und weißes Brot , und alle nahmen sich Zeit , bei ihm zu sein , und keinem Gesicht sah man Ärger an , daß man so für nichts und wieder nichts , ume so weg em ene Meitschi , einen heiligen Werktag versäumen müsse . Es fühlte , daß da ein viel manierlicher Wesen sei als bei ihnen , so eine Art von Haussitte und Anstand , welche man im Weltsche hinger nicht lernt , welche zusammengesetzt ist aus Gutmütigkeit und gegenseitiger Achtung , welche zur andern Natur geworden und welche Kinder gegen Eltern üben und Eltern gegen Kinder , und wenn sie alleine sind und vor fremden Leuten . Es müssen nämlich auch die Eltern ihre Kinder achten , wenn sie deren Liebe und Achtung bewahren und wenn sie wollen , daß ihre Kinder achtungswert werden und bleiben sollen , müssen sie sie namentlich vor fremden Leuten mit Achtung behandeln . Nun aber findet man in gar manchem Hause die Sitte , daß entweder ein Glied der Familie , Mann oder Weib , den Leuten zeigen will , wer Meister sei und wer zu befehlen habe , oder daß jedes , Groß und Klein , zeigen will , daß man auch etwas sei , sich nicht unterntun lasse usw. Dies führt zu den widerwärtigsten Auftritten und wirkt das Gegenteil von dem , was man bezweckt ; man macht sich statt groß recht klein damit , und wie man sich gegenseitig nicht achtet , streift man sich auch die Achtung Anderer ab . So war es bei ihnen . Der Vater meinte , er müsse allen Leuten zeigen , wie er die Seinen mustern könne . Die Brüder taten es ihm nach , man wehrte sich , so gut man konnte , man tat nicht manierlich zusammen . Anne Mareili fühlte die Überlegenheit in solcher Sitte , und wenn der Vater komme , so werde es sich erst recht schämen müssen , dachte es . Ein Inwendiges spiegelt sich auswendig oft gar seltsam ab . Demut erscheint wie Hochmut , ein gedrücktes Wesen wie Nichtachtung und Unfreundlichkeit . Je mehr Anne Mareili das Unbehagen fühlte , welches aus dem Bewußtsein dieser Überlegenheit entsprang , um so weniger ward es dessen Meister , um so dunkler ward die Wolke , die es überschattete . Resli sah das wohl , war auf Dornen , wußte aber nicht , woran es lag , gab sich die größte Mühe , Anne Mareili im schönsten Lichte zu zeigen , und je mehr er sich mühte , desto dunkler ward es auf Anne Mareilis Gesicht . Man weiß , wie jeder es hat , der jemand Geliebtes vor die Leute stellt ; man möchte , daß sie täten wie nie sonst , so schön und manierlich , damit man Lob bekomme und Ehre von ihnen . Wie manche Mutter hat nicht ihr Kind unter Geheul und Zetergeschrei aus einem Zimmer getragen in halber Verzweiflung ! Sie harte mit dem Kind Puff machen wollen , und je mehr sie das wollte , desto weniger wollte das Kind , desto mehr tat es das Gegenteil , und das Ende war , daß der Zorn die Mutter fast versprengte , das Brüllen aber das Kind . Das ist aber noch gar nichts gegen einen Liebhaber , dessen Mädchen zum erstenmal zu seinen Eltern kömmt ; der möchte , daß sein Mädchen täte wie die leibhaftige Liebenswürdigkeit und daß seine Eltern mit dem Mädchen täten wie mit einem leibhaftigen Engel , der gradwegs vom Himmel gekommen . Er hat Angst nach beiden Seiten hin , siehe mit einem Auge auf das Mädchen , mit dem andern auf die Eltern ; bald meint er , es fehle hier , da will er hier nachhelfen , dann scheints ihm dort zu hinken , es will dort nachhelfen , kommt dabei in eine Art von Fieber , wird selbst am unliebenswürdigsten , macht kehrum alle taub , und am Ende gehts ihm wie einem ungeduldigen Weber mit einer vershürscheten Strange schlechten Garns . So ging es freilich Resli nicht , dazu war er eben zu adelich , aber fast Blut schwitzte er doch . Sein Meitschi war so seltsam , so schweigsam , fast pumpelrurrig , daß er es kaum mehr kannte , fürchtete , man hätte irgendwo gefehlt oder Christelis Rede rüche auf . Er ward um so freundlicher , Anne Mareili merkte es wohl , aber es machte ihm die Wirkung , als ob jemand den Hals ihm zusammenschnüre , es konnte fast keinen Laut mehr von sich geben . Es ist kurios mit Kindernaturen , also auch mit weiblichen ( je besser diese sind , desto mehr ähneln sie den Erstern ) ; der Widerspruch scheint ihnen recht eigentlich im Fleische zu sitzen , und zwar zvorderst in allen Fingerspitzen , es wird wahrscheinlich die Erbsünde sein , die natürlich um so klarer hervorscheint , je durchsichtiger die Haut noch ist . Wenn so ein altes Leder von Professor , das in Foliantenstaub ergrauet ist , oder so ein Luder von Schlingel , das auf allen jüdischen und christlichen Misthaufen sich dickgewälzt , sie leugnet , so nimmt es einen nicht wunder , es ist ganz natürlich , sintemalen Luder und Professor vor lauter auswendigem Staub oder Dreck den inwendigen nicht mehr ahnen , geschweige sehen , sondern der süßen Hoffnung leben , unter der Haut wenigstens sei es sauber . Eine Kokette , ein Weibel , ein unbedeutendes Staatshaupt fühlen sie , wissen sie aber zu vertuschen , drängen sie nach unten , nach hinten ; aufwärts aber und vorwärts fechten sie mit Lächeln und Nicken . Aber , wie gesagt , gute Kinder , die artig sein sollen , und liebe Mädchen , welche man liebenswürdig möchte , denen sieht man sie am meisten an , die können sie am wenigsten überwinden , merken es wohl , wenigstens die Letztern , möchten sich darüber die Finger abbeißen , wenigstens die Nägel , und während sie am Werweisen , wie sie überwinden sollen , sind , machen sie dazu Gesichter , als wenn sie bereits am Schlucken der Finger wären . Ganz besonders aber kömmt sie junge Weibchen an , an denen man , solange sie Bräute waren , blind gewesen ist , das heißt sie kömmt sie nicht erst an , sondern man merkt sie erst , wenn aus der Braut ein Weibchen geworden . Kurios ! Da , liebe Leute , gilts klug sein , nicht mit dem Holzschlägel lausen wollen , da muß man süferli tun mit Däselen , sachte fortfahren , aber nicht unerchannt , und luegen dazu und nur so zuweilen mit dem nassen Finger ganz leise und süferli ein Brämi abmachen . Mit solcher junger Weiber Liebenswürdigkeit oder Erbsünde ( ist fast ein Tun ) ists ungefähr wie mit einem Bienenstock , der schwärmen will ; wehren kann man ihm nicht , aber reisen kann man ihn mit Süferlitun , das aber versteht gewöhnlich nur , wer schon mehr dabeigewesen ist . Das war Resli nie , darum vermochte er Anne Mareilis Gemüt nicht zu reisen , gäb wie er anwendete und ihm Gelegenheit zu geben meinte , sich zu zeigen in der Holdseligkeit , welche Resli an ihm gerühmt hatte . Die Ankunft des Vaters machte eine Unterbrechung , erleichterte aber Anne Mareili nicht . Es nahm Ärgernis am Vater und hatte die größte Muhe , dieses nicht auszusprechen . Obgleich es selbst nicht recht wußte wie tun , so düechte es ihns doch , es sollte den Vater brichten , was anständig sei und was er reden solle und was nicht , und wenn Resli auf Dornen saß , so saß dagegen Anne Mareili auf glühenden Kohlen . Dem Vater dagegen war es recht behaglich , er aß und trank , und weil er es umsonst hatte , noch zweimal so viel als gewöhnlich ; er kaufte Laden , und weil er sie weit unter dem Preise erhielt , zweimal so viel , als er brauchte , und weil er Großmut am Brett sah , so hätte er dem Liebiwylbauer Roß- und Kuhstall ausgekauft ums halbe Geld , wenn der nicht , klug genug , gesagt hätte , wegem nahen Säet mangle er Zug und wegen den vielen Leuten Milch , so daß er weder Kuh noch Roß entmangeln könne . Darum machte der Dorngrütbauer sich hinter eine Staatskalbete , und da diese weder Milch gab noch Zug , sintemal eine Staatskalbete einstweilen zu nichts anderem taugt als zum Fressen und Ansehen , so galt hier die Ausrede nicht ; wenigstens drei Dublonen zu wohlfeil kriegte er sie . Dies merkten alle , aber niemand verzog dabei ein Gesicht als der Dorngrütbauer selbst ; den lächerte es vrflümeret heimlich , und er dachte , es sei doch noch immer so , daß wer uvrschant tue , dest bas sei . Anne Mareili war bei diesen Staatsaktionen nicht , es besah derweilen mit Annelisi die Plätze . Als es beim Heimfahren sich nicht enthalten konnte , dem Vater zu sagen , es müsse sich fry schämen , wie er die Sache bekommen hätte , so erhielt es zur Antwort : » So schäme dich , es kostet nichts . Aber wennd nit es Babi bist , so laß dir gesagt sein , daß man die Birnen schütteln muß , wenn sie fallen wollen . « So ging der Morgen um , und in die Stube mußten sie wieder , wo ein Mittagessen zwegstand , wie im Dorngrüt noch keines auf den Tisch gekommen , so nett und appetitlich , und nicht bloß so gradane Schnitz und Tellerete voll Fleisch , schwynigs und gräuchts , sondern da war Voressen , es kam sogar Bratis , und war doch nicht Kindbetti , und das ging neue alles so gschlecket , daß es Anne Mareili fry recht dudderte , wenn es dachte , wie sie hier gewohnt seien und wie es sich nicht zu helfen wüßte , wenn dSach an ihm wäre . Das müßten afe Sache in dem Hause sein , für so aufzuwarten , dachte es , und nebenbei mußte es Ärger verwerchen über den Vater , der wiederum aß , als wenn er heute noch nichts gehabt hätte . Je mehr der Vater aß , desto weniger brachte die Tochter hinunter , so daß es die guten Leute recht gmühte und sie vielfach sich entschuldigten , daß sie so schlechtlig aufwarteten ; wenn sie gewußt hätten , daß sie kämen , so hätten sie sich besser versehen , ein andermal wollten sie öppe luegen , daß sie es besser breichten . Das machte Anne Mareili noch verlegener , zog ihm den Hals zu , es mäuelte immer mehr und gäbelte auf dem Teller herum , als wenn es mit bloßen Fingern in Nesseln heuete . Es gmühte die Mutter recht , und als Resli einmal in der Küche an ihr vorüberging , konnte sie sich nicht enthalten , ihn zu fragen , wo sie wohl gefehlt hätte , daß das Meitschi so stills sei und nichts esse , so werde es doch nicht immer sein ? » Nein « , sagte Resli , » es ist sonst fründlich und gspräch ; daß man gefehlt , wüßte ich nicht , es wird öppe ds Fahre nicht mögen erleiden und Kopfweh haben , wies am Wybervolch mängist git . « So entschuldigte Resli , aber wohl war es ihm doch nicht dabei . Von der Hauptsache war über dem Essen nicht die Rede ; erst als niemand mehr essen mochte , der Wein gebracht wurde und billig gelobt war , denn es war nicht Kuttlenrugger von Erlach oder Biel , frug Christen , nachdem ihm Änneli bereits mehrere Winke gegeben hatte : » Und , wie hey mrs wege diesem , wes Euch recht wär , üs wärs gar aständig . Wir alte afe u wüsse nit , wie lang mrs no mache , u da wär us denn dra glege , we mr wüßte , wem wir die Sache hinterließen . Wir haben es Üsem schon lange gesagt , er söll wybe , aber es het ne neue kes Meitschi chönne adrähye , bis er Euers gesehen hat , an dem hanget er jetz grusam ; ds Meitschi hätt auch nichts darwider , meint er , und wenns Euch recht wär , so hulfen wir eine Hochzeit machen . Öppe aparti rühmen will ich nicht « , sagte Christen , » aber ich denke , wenn sie zusammenkommen und ume e kly zur Sach luegen , so werden sie öppe ihr Lebenlang mehr als genug haben . « Änneli wischte sich die Augen , Christeli war hinausgegangen , als der Vater begann , Annelisi auch , Resli und Anne Mareili schwiegen ; der Dorngrütbauer versorgete noch ein ansehnlich Stück Hamme und sprach endlich : Wege desse sei er eigentlich nicht hiehergekommen , und wenn er gewußt , daß es sövli ärst sei , so hätte er vielleicht Laden Laden sein lassen . Aparti hätte er nichts gegen sie , wegen der Fürnehmi wolle er ihnen nichts vorhalten , es könne nicht en iedere dr Fürnehmst sy , und wegem Reichtum chönnt me luege . Aber wohl weit sei es ihm abhanden , und so wisse man nicht , wie es einem King gehe , und dara sölls doch am ene Vater am meiste glege sy . Mi chönnts schindte , mi vernähmts nit , bis es z ' spät wär . Und er müsse sagen , da sei er am chutzligste ; er möge viel erleiden , aber daß man einem seiner Kinder Böses tue , das mög er nicht erleiden , da wär er imstande , ds Wüstest z ' mache ( Anne Mareili machte ganz bedenkliche Augen , es schwieg wohl , aber in den Augen stand geschrieben : O Ätti , wie lügst ! ) . Er wisse wohl , daß man mit den Meitschene nicht viel machen könne und man sie dafür hätte , um sie z ' vrmanne , aber dafür sei man da , um zu sehen wie . Wenn er Anne Marei dem ersten besten Schlabi hätte geben wollen , so könnte dasselbe schon Großmutter sein . Nun tat auch Änneli eine Rede dar und meinte , das hätten sie ihm z ' danken , daß er sövli für dKing lueg , aber er solle auch denken , daß der liebe Gott sein Kind eben für ihren Resli habe aufsparen wollen . Kummer , daß es ihm nicht gut gehe , solle er nicht haben . Er solle fragen , bös Lob hätten sie nicht , und vor Gott und Menschen hätte es schon manchmal versprochen , eine böse Schwiegermutter wolle es nicht sein , ein Sühniswyb müsse es , wenn es nur e chly gattlig tue , bei ihm haben , wie es daheim nie besser gehabt . Deretwegen könnte er sein Kind ungesorget ziehen lassen . Von wegen dem lieben Gott , sagte der Bauer , möge er nicht viel hören ; wenn er gewollt hätte , so hätte der nicht viel dazu zu sagen gehabt . Er wolle der Sach nicht ab sein dahin und daweg , aber wie man bette , so liege man . Ds Meitschi sei ihm aparti nicht vrleidet daheim , Zeit wärs afe mit ihm , aber daneben hätte er noch immer z ' esse und z ' werche für ihns . Er wolle lose , was sie im Sinn hätten zu tun , wenn es etwas aus der Sache gebe . » Das « , sagte Christen , » versteht sich von selbst , Resli ist dr Jüngst u nimmt dr Hof öppe um enes Billigs u git de Angere use , was öppe recht ist . « » Es ist mit dem gar es Ungwüsses « , sagte der Bauer , » es kömmt immer darauf an , wer dahinterkömmt ; es geht afe unerchannt , die Buben sollen mehr herausgeben , als ihnen bleibt . So gehts nicht gut , dBauern will man zBode mache , dHäftlikrämer und dSchryber söllen obenauf , das ist schon lange zwegkorbet . Ds Best ist , man lasse die Sache machen bei Lebzeiten , dann hat man es in der Hand und kann machen , wie es einem gefällt , und wenns einmal abgetreten ist , so ist es abgetreten , es wird dann öppe niemand mehr viel daran machen können . « Das hätte sich hier nicht nötig , sagte Christen , und gebe nur unnötige Kosten . Wie recht , komme der Hof dem Jüngsten zu , niemand hätte etwas darwider , und zviel zu geben , werde ihm kein Mensch zumuten . Es sei Landsbrauch , daß die Höfe beisammenblieben , und so müsse es auch sein . Wenn man die Höfe verteilen wollte , so wäre ds Buren us und alles ginge zgrund . Man könnte keinen Zug mehr haben , hätte auf die magern Büggel keinen Aufzug mehr , die Heimet würden ermagern und die Leute dazu . Alles wollte nur am Land hangen , und wie es mit den kleinen Heimeten gehe , sehe man gut . Sie vermöchten weder sich noch ihre Besitzer zu erhalten ; die Meisten , welche nicht Geld außerhalb des Hages zu nehmen wüßten , gingen ja auf solchen Kühheimetlene zugrunde . » Unser Amtsrichter hat erst letzthin brichtet , es sei ein Land , man sage ihm Irland , dort gehe es strub und mehr als die Halben stürben Hungers , und das komme alles von der Verteilung des Landes , wo eine Haushaltung nur so viel hätte , und zwar nur pachtsweise , daß sie dabei in guten Jahren weder recht leben noch recht sterben könnten , sondern so zwischeninne plampeten wie der Kalle in der Glocke , in schlechten Jahren aber Hungers sterben müßten wie im Herbste die Fliegen . Nein , so ist es bei uns gottlob nicht , da bleibt das Land noch beieinander , daß es sich und eine rechte Familie ernähren kann . Und wo öppe rechte Kinder sind , da gibt es beim Teilen nicht Streit und Keins begehrt zu viel heraus . Es weiß öppe jedes , was so auf einem Hof alles auszurichten ist , und Keins begehrte den Ort , wo es daheim gewesen , zu zerstören , sondern jedes hat Freude daran , wenn es ein rechter Bauernort bleibt , wie von alters her , und öppe auch in der Familie , daß ihn der Jüngste nicht zu verkaufen braucht . Solang eins lebt , weiß es öppe , wo es daheim ist und daß , es mag ihm geben was es will , es dort immer ein Heim findet und nicht gleich auf die Gemeinde muß . Man wurd sich öppe schämen . Nur was es heißt , alles auszurichten , was Vater und Mutter zGvatter gstange sy , bis alles öppe ghüratet het ! Ja , wenn öpper us dr Familie zGvatter gstange ist , so lat sih alles geng gegem Hof zue u meint , er syg halb da daheim , wenn scho Götti oder Gotte nimme lebe oder wyt dadänne ghüratet hey . Daran sinnet öppe esn ieders rechts King u bigehrt , daß dr Jüngst öppe vrma z ' sy . U wenn Vater und Muetter sterbe , so ist dr Jüngst geng dr Jüngst , und wenn der Hof nit zu ihm luegti , so luegti an manchem Orte niemere zu ihm , denn einen Hof kann man ihm doch nicht so liederlig verliederlige . Es wüßt kei Mönsch , wies gieng , we so jungi Büebli ume Geld hätte , wo niemere zu ne meh luegt , wo me ume zu dene luegt , wo könne stimme an ere Wahlversammlig oder gar am Große Rat . « » Ja , ja « , sagte der Dorngrütbauer , » selb wär guet , wes geng so wär , aber mi weiß nie , was dLüt öppe achunt oder was ne gseit wird , darum ists immer guet , we me drvor ist . Und da düecht es mih , ihr solltet den Hof dem Jüngsten verkaufen , daß er dabei sein kann . Was ist er wert ? « Christen sagte : » Aparti gschatziget habe ich ihn nicht , aber mein Vater selig hat immer gesagt , unter Brüdern sei er sechzigtausend Pfund wert . Seither habe ich dazugekauft , und das Land het türet , es wüßt kein Mensch , wie hoch er an einer Steigerung käme , bsungerbar wenn er stuckweise ausgerufen würde . « » So um zweiunddreißig oder dreißigtausend Pfund könntet Ihr ihn also abtreten « , sagte der Dorngrüter , » der Bub kriegte immer noch Schulden und hätte zu tun genug , von wegen , öppe usegä tue ich nicht , es schickt mir sich nicht , ich stümple nicht gerne ; sie können dann einmal alles zusammen nehmen , es gibt nur umso besser aus . « Christen sagte : » Die Schulden werden ihm nicht viel tun , Gülte sind auch da , und dBsatzig ist groß , Schiff und Gschir wird er öppe nit viel bruche la z ' mache , u dr Wald ma o öppis erlyde , wes sy mueß . Es ist de öppe nit , daß ih alles niedergmacht u nit a dKing däicht ha , wies öppe a mängem Ort gscheh ist . « » Dest besser « , sagte der Bauer , » und wenn Gülti sy , so düecht mih , es wäre da auch etwas zu machen . Öppe ds Kumligste könnte man abkündte , sGeld könnte der Bub nehmen und zahlen damit . Es wüßt ke Mönsch , wohers chäm , u wenn öppere frug , su chönnt me sage , es wär Ehstür . U nah dere het ke Tüfel z ' frage , u wenns öppere tuet , su wyset ne ume zu mir , ih will de dem scho Bscheid un Antwort gä . « Änneli seufzte schwer auf diese Rede , aber Christen sagte : Es düeche ihn , selligs sei nicht nötig . Wenn Resli den Hof um fünfzigtausend Pfund nehme , und sechzigtausend möchte es auch erleiden , so seien alle wohl zufrieden und Resli mache einen guten Drittel best . Wenn er dann die Gülten herausgebe und aus dem Wald nehme , was es wohl erleiden möge , so würden die Schulden ihn nicht plagen . Sein Weibergut sei noch da in Gülten und vielleicht noch etwas dazu , und was Resli einmal von seiner Frau bekommen sollte , das brauche er nicht an die Schulden zu verwenden ; so wie jetzt alles gelte , hätte der Hof die längst gezahlt , wenn er einmal z ' erben kommen sollte . Aber so ein Schelm an seinen Kindern zu werden , das begehre er in seinen alten Tagen nicht ; er begehre nicht , daß einmal Enkel und Urenkel ins andere Leben ihm nachkommen und vor Gott es ihm vorhalten möchten , er hätte sie zu Schelmen und Bettlern gemacht . Davor , wie es an manchem Orte gehe , wo nur eins erbe und den Andern nur ein Bettlergeld gebe , hätte es ihm immer gruset , und nicht bloß wegen ihm selbst ; aber es