zu machen . Sie wolle doch nicht alle Schuld tragen , sagte sie . Wer ihm immer die schönsten Sachen gekramet hätte und wer es ins Weltschland getan , woher es so wunderligs heimgekommen ? Einmal nicht sie . Aber sie wisse es wohl : es sollten immer alle Leute schuld sein , nur er nie , und doch rede er immer zur letzen Zeit und schweige immer zur letzen Zeit , nur um Andern schuld geben zu können . Während sie zusammen branzten , branzte Elisi mit Uli , dem die Gurnigelfahrt nicht recht gefallen wollte und der jetzt Elisi noch dazu verhelfen sollte , seine ganze Garderobe mitzunehmen . Wenn er nur ein Wörtlein einreden wollte , dies oder jenes sei doch nicht nötig mitzunehmen , so fuhr ein Wetter über ihn aus , das fürchterlich war . Da könne es ' s schon sehen , weinte Elisi , was es von ihm zu erwarten hätte , er sei schon jetzt der Wüstest von allen gegen ihns usw. Er wußte sich endlich nicht anders zu helfen , als daß er unvermerkt ein tüchtiges Kistchen zwegmachte , es durch Elisi füllen ließ und unter dessen Adresse durch den Boten voranschickte . Auf das hin versprach ihm Elisi , im Gurnigel wolle es mit der Mutter reden und plären , bis sie Ja sage , und es solle nicht Martistag werden , so müßten sie verkündet sein . Nun hatten Mutter und Tochter in zwei großen Koffern Platz für ihre Sachen , da die Mutter mit viel Wenigerm zufrieden war . Nur etwas warme Rustig , sagte sie , wolle sie mitnehmen ; man hätte ihr schon manchmal gesagt , es schneie dort zuweilen wie mitts im Winter . Ds Elisi war nicht zu bewegen , wollene Strümpfe mitzunehmen . Wenn es an einem Orte lustig gegangen sei , so hätte es noch nie gefroren , sagte es . Viel Kaffeepulver nahm die Mutter mit , wie die Junge sie auch auslachte und meinte , sie wolle im Gurnigel bessere Sachen haben als Kaffee . Ein gutes Kaffeeli , sagte die Mutter , sei immer die Hauptsache , und so an einem Ort verbrenne man ihn immer ( ganz besonders die Basler ) , man bekomme nie guten . Schmarotzen oder entlehnen schicke sich ihr auch nicht , und man sei manchmal froh , wenn man für eine gute Bekannte ein gutes Tröpfli hätte . Statt so viel Kleider wollte sie lieber eine frischmelchige Kuh mitnehmen , von wegen der Nidle . Sie hätte manchmal gehört , dort sei die Nidle noch schöner himmelblau als Elisis Tschöpli . Als das Kistchen fort war , ward Uli fast vergessen , und es gmühte ihn sehr , wie Elisi fast nicht Zeit hatte , » Adie , leb wohl ! « zu sagen , als er das Roß hielt , mit dem Joggeli sie auf Bern fuhren wollte . Als sie fort waren , trat eine rechte Windstille ein , es wohlete dabei ordentlich den Zurückgebliebenen . Uli konnte mit Vreneli reden , ohne daß er immer ringsumblicken mußte , ob nicht Elisi hinter irgend einem Baum ihnen abgugge . Und obgleich Vreneli ziemlich trocken mit ihm war , so floh es doch nicht und brach die Rede nicht so kurz ab . Bloß als einmal Uli es fragte , warum es so leid aussehe , es dünke ihn , es hätte seit einiger Zeit viel gemagert , kehrte es sich um und gab ihm keine Antwort . Übrigens war es eine Freude , zu sehen , wie es die Haushaltung machte . Das Ding schien fast von selbst zu gehen wie ein Zeit . Es schien Uli , als könne er die Jungfrauen nie mehr draußen brauchen als jetzt , und doch ging alles im Gleichen fort daheim . Vreneli rührte sich aber , wie wenn es auf Rädlene ginge ; die Hände bewegten sich flink , wenn schon der Mund ging , und wenn auch Mund und Hände im Gang waren , so konnte es noch an einem dritten Orte sehen , was dort ging . Es sah an den Augen ringsum und nicht nur zmittendrin gerade hinaus . Dabei meinte es nicht , um eine rechte Hausmutter zu scheinen , müsse es so recht strub und wüst daherkommen , um dann sagen zu können , wenn man in allem sein müsse , so könne man nicht gsunntiget sein . Vreneli war von den Leuten , die , sie mögen anrühren , was sie wollen , immer ein sauber und nett Aussehen haben , während es hingegen Leute gibt , die , sie mögen anwenden , wie sie wollen , es nie dahin bringen , daß zwischen ihnen und einem Ofenwisch ein merklicher Unterschied ist . Mit Fragen und Werweisen wurde keine Zeit verloren . Es schien , als ob dem Mädchen , sobald es aufstehe , das ganze Tagewerk klar und geordnet , wie eins nach dem andern komme , vor Augen stehe , so daß es nie vergebene Gänge gab , man nie von ihm hörte : Ih ha nit gsinnet , ih ha n denkt , ih ha nit gmeint . Als Uli draußen und Vreneli drinnen nach ihrem Sinn unumschränkt herrschten , die Arbeiten ineinanderreiseten , einander in die Hände arbeiteten , ging alles so wie gpfiffen , daß Joggeli brummte , es werde ihm ganz wunderlich dabei und es ginge ihm alles ringsum . Er sei froh , wenn seine Alte wieder komme , er frage dem nichts nach , wenn alles so ginge wie ghexet . So könne man sich nie ordentlich besinnen , was und wie man es machen wolle . Das mahne ihn daran , wie wenn man ohne Schleiftrog im Galopp den Stalden ab sprengen wolle oder wie wenn Zwei in den neumodischen Tänzen , denen man Länguus sage , davonfuhren , wie wenn sie Fecken hätten und in die Hölle fahren wollten zsämefüeßlige . Indessen war die Alte im Gurnigel , wo es dem Elisi ganz besonders wohl gefiel , wenn es ihm schon fast die Füße abfrieren wollte bei dem kalten Sommer und seinen hoffärtigen Schuhen und Strümpfen . Peinvoll war ihm die Reise gewesen . Es hatte sich himmelblau angezogen in Bern , in Riggisberg kam es ihm in Sinn , es wolle sich schwarz anziehen , schwarz scheine viel vornehmer . Die vornehmen Frauen kämen ja auch oft in schwarzseidenen Kleidern . Der Kutscher wollte aber die Koffer nicht abpacken und fluchte es gar jämmerlich an : Das hätte ihm noch kein vernünftiger Mensch zugemutet , daß er in Riggisberg abpacke , und doch hätte er vornehmere Leute geführt , als er heute habe . Kurz er tat es nicht , und ds Elisi plärete bis hinauf , wo auf einmal die Kutsche hielt und es aussteigen sollte , um den steilen Weg hinauf zu Fuß zu gehen . Elisi wollte nicht , wollte auch die Mutter aufweisen : Sie hätten bezahlt , um zu fahren , und nicht um zu laufen , und das sei ein grober Stadtlümmel und dem täte es wohl , sie hinaufzufahren . Aber die Mutter war eine zu verständige Bäurin , als daß sie vom Elisi sich meistern ließ . Ihr Leben lang sei sie nie einen solchen Berg hinaufgefahren , und die Rosse vermöchten sich dessen nichts , daß der Kutscher ein Lümmel sei . Sie stieg aus , druckte aber dem Kutscher ein Trinkgeld in die Hand , daß er ihr Meitschi fahren lasse , es sei ihm übel , und wandelte nun im Schweiße ihres Angesichtes und mit schwerem Atem den Berg auf , oft stillestehend und schwer aufseufzend . Im Gurnigel war große Freude , als ds Elisi so schön himmelblau zum Vorschein kam . Die Frauen lächelten auf den Stockzähnen und mochten fast nicht warten , bis die Ankömmlinge im Hause waren , um laut zu lachen . Sie mußten aber lange warten , denn da gab es viel auf- und abzupacken . Spazierende Herren lachten ungeniert , und einige mit Schnäuzen traten ganz nahe hinzu , stützten sich mit beiden Händen , wenn nicht die eine den Schnauz drehte , auf ihre Stöcke , hielten sich schön gerade , ließen ihre Äugelein zu Zeiten martialisch zwitzern , beugten ihre steifen Oberleiber einander seitwärts zu und machten unter schallendem Gelächter ihre deutschen , weltschen und holländischen Bemerkungen . Der Raum dieses Büchleins , das schon viel größer geworden ist , als es es im Sinne hatte , erlaubt es nicht , diese merkwürdige Badefahrt des Näheren zu beschreiben ; nur das Notwendigste ist erlaubt aufzuzeichnen . Ds Elisi machte Aufsehen im Gurnigel und war recht glücklich , ja wie im Himmel . Nur zwei Dinge waren ihm nicht recht . Es konnte gar nicht leiden , daß sie am Bürgertisch aßen . Wenn nur eine Schneiderin dagewesen wäre , es hätte sich auf der Stelle städtisch kleiden lassen , hätte die Mutter im Stich gelassen und wäre an den Herrentisch gezogen . Es sagte der Mutter manchmal , es hätte gar keinen Appetit unter den groben Leuten , wo eim niemer serviere , ein jeder nur für sich selbst sehe und esse , wie wenn die Andern nichts bekommen sollten . Zweitens klagte es schwer , daß man des Morgens so früh aufstehen mußte , um das Wasser zu trinken . Die ersten Tage blieb es im Bette . Als die Herren es aber fragten , warum es nicht komme , es sei am Morgen so schön , zum Schwarzbrünnli zu gehen usw. , da wollte es diese Zeit versäumen und zwang sich , aufzustehen . Aber es ging genug zu , und die Mutter schwitzte oft mehr als den ersten Tag den Berg auf , bis sie ds Elisi aus dem Bett , auf den Beinen und aus der Stube hatte . Die ganze männliche Welt gab sich mehr oder weniger mit dem Elisi ab , dessen Bekanntschaft man den ersten Tag beim Tanz gemacht hatte ; tanzen war nämlich das , was Elisi wahrscheinlich am besten konnte . So tanzte man nicht ungerne mit ihm und trieb dabei seinen Spaß mit ihm . Zuerst meinten die Herren , es sei eine der sentimentalen Närrinnen , die sich mit Bücherlesen abgeben . Sie fragten nach seiner Lektüre , ob es den Clauren kenne und den Kotzebue und den Cramer , nach dem Lafontaine und dem la Motte Fouqué und Andern , nach Eberhards Pastetik und Stapfers Seufzern der Liebe . Aber sie sahen bald , daß sie auf dem Holzweg seien . Ds Elisi las das ganze Jahr aus nichts ; seit es in der Schule das Fragenbuch , im Weltschland die Grammaire aus der Hand gelegt , hatte es vielleicht kein Buch mehr in die Hand genommen , kaum mehr den Kalender , ja es wäre zweifelhaft gewesen , ob es eine Zeile ohne Fehler hätte lesen können . Ds Elisi beschäftigte sich nur mit seinen Kleidern , seiner Person , seinem Essen , seinem Heiraten , sonst mit nichts . In die gelehrten Gespräche trat es also nicht ein und gab sich nicht einmal den Schein , als ob es einen von den genannten Herren kenne , es war von dieser Krankheit unangesteckt . Die Herren waren einen Augenblick in Verlegenheit , als sie mit diesem ausgetretenen Thema nicht Glück machten . Sie schwadronierten hin und her , bis sie endlich merkten , wie wohl das Rühmen bei Elisi angehe . Das trieben sie nun anfangs auf die unverschämteste Weise , daß ihnen die Augen übergingen , Elisi in Wonne schwamm , die nicht dumme Mutter aber manchmal sagte : » Aber Meitschi , wie magst du dich doch mit diesen abgeben ? Sie halten dich nur zum Narren , glaub es mir doch , ich weiß auch noch , was Trumpf ist . Wenn mir einmal einer solche Sachen gesagt hätte , wie sie dir sagen , ich hätte ihm einen Klapf gegeben , daß er nicht mehr gewußt , ob er den Kopf noch hätte oder nicht . « Das Ding nahm aber eine etwas andere Farbe an , als man vernahm , das schwefelgelbe Ding sei Erbin von wenigstens hunderttausend Pfund ; man betrachtete es nun mit andern Augen und kriegte eine Art Respekt vor ihm . Hunderttausend Pfund , pardieu , sind keine Kleinigkeit ! Wenn die Herren beisammen waren , so war der gleiche Spott da , und jeden Abend ging ein neu Geschichtlein von Elisi herum . Dem hatte es erzählt , wieviel Mänteli es habe und wieviel Gloschli , ein Anderer wußte , woher sie ihr Schmöckwasser hätte kommen lassen , ein Dritter brachte eine Krankheitsgeschichte zum Vorschein , ein Vierter war darübergekommen , das ds Elisi nicht wußte , in welchem Lande es wohne . Wenn aber die Herren alleine waren , jeder für sich , so dachte Mancher an die hunderttausend Pfund , stellte sich vor den Spiegel , drehte den Schnauz , warf sich forsche Blicke zu und dachte : ein schöner Kerl sei er noch , aber es sei Zeit , daß er an Schermen komme , machte sich dann Pläne zu einem Feldzug auf die hunderttausend Pfund . Hier im Gurnigel waren ihm zu viel Leute , bloßgeben mochte er sich nicht , später dann wollte er das Ding näher besehen . Hier wollte er sich unterdessen gut Spiel machen , Anknüpfungspunkte suchen usw. Wenn sie zu Elisi kamen , so suchte nun Keiner es absichtlich lächerlich zu machen , sondern seine eigene Person ins rechte Licht zu stellen , sich angenehm zu machen , redete vom Glück der Bekanntschaft , vom Glück , sie fortzusetzen ; wo man die Ehre hätte , es anzutreffen ; ob es wohl erlaubt wäre , ihm einmal einen Besuch zu machen ; was Vater und Mutter wohl sagen würden , wenn man einmal käme und sie um eine Suppe bitten würde usw. Das Elisi schwamm im Glück . Hie und da einer wagte sich auch an die Mutter mit seinen Redensarten , erhielt aber gewöhnlich höchstens ein zweisilbig Wort zur Antwort . » Die Alte ist une bête , « sagte er dann , » so was man sagt ein Baurentolgg . « Die Mutter aber sagte : » Wie magst du doch auch Solchen ablosen ? Das sind mir doch die dümmsten Menschen , die ich erlebt habe . Solange ich da bin , wissen die mich nichts anderes zu fragen als : ob ich nicht meine , daß es bald schön Wetter gebe , und ob wir schon verheuet hätten . Unser Bub wäre witziger , er wüßte doch noch von etwas anderem zu schwatzen als vom Wetter und vom Heu . Solche Herren meinen doch , man sei so dumm auf dem Lande , daß man von nichts zu reden wisse als vom Wetter und vom Heu , die Löhle ! « Während diese Herren in aller Ruhe ihre Pläne machten , in aller angewohnter Steifheit jeder sich den Weg zu öffnen suchte für die Zukunft , in aller angebornen Selbstgefälligkeit sich dachten , das werde sich schon machen , ohne zu pressieren , verstund es ein Anderer anders . Es war ein Baumwollenhändler im Gurnigel , und zwar ein grusam vornehmer . Er hatte zwar keinen Schnauz , aber er war mit Gold überhängt , und sein Uhrenbhänk läutete fast wie ein Roßgschäll , konnte tanzen wie dr Tüfel und schwatzen wie eine Elster . Der wußte mit Mutter und Tochter zu schwatzen , daß es ihnen wohlgefiel . Der Mutter wußte er von allen Arten von Baumwollenzeug und Garn zu reden , was gut und nicht gut sei , daß sie den Mund offen vergaß . » Wenn man immer einen Solchen bei sich haben könnte , wenn man etwas kaufen wollte , das wäre kummlich « , sagte sie . Dann sprach er wie nebenbei von seinen Geschäften , wie ein großes Lager er habe , um wieviel Tausende er hier eingekauft , um wieviel Tausende dort , daß der guten Mutter ganz der Verstand stillestund . Wenn der nicht grusam reich sei oder einen Geldscheißer habe , so begreife sie nicht , woher er das Geld nehme , so viel zu kaufen , sagte sie . Sie seien auch reich , aber so viel Geld brächten sie doch nicht so bald zusammen , und zu entlehnen schäme man sich , wenn man es schon bekäme . Mit Elisi schwatzte er von seinen Kleidern und lobte ihm den Stoffund die Farbe , wußte aber , wo man beides noch besser kriege , erbot sich , ihm zu verschreiben , was es wolle . Er garantiere ihm , sagte er , von solcher Qualität , wie er sie zu bekommen wisse , hätte keine Ratsherrenfrau in Bern , und wenn ihm eine schon hundert Louisdor bieten würde , wenn er ihr auch verschaffen wolle , er lachete sie nur aus , was frag er hundert Louisdor nach ! Die Jungfer Elise müsse die Einzige sein im Kanton , die solches Zeug trage . Die größte Freude hätte er über die Augen , welche die Töchter in Bern machen wer , den , wenn sie solches Zeug sehen würden und es nicht bekommen könnten . Dann wußte er mit Elisi vom Weltschland zu schwatzen , kannte alle Orte , wo es gewesen war , auf das Genauste , wußte von dessen Bekannten zu reden , wie wenn er sie erst heute verlassen , so daß ds Elisi sich nicht genug verwundern konnte , daß es ihn dort nie gesehen , nie angetroffen . Es war ihm bei dem Baumwollenhändler weitaus am heimeligsten , er besaß sein vollkommenes Vertrauen , aber die Schnäuze gefielen ihm doch fast noch besser . Sövli schön Herre , sagte es , hätte es syr Lebtig no nie gseh , die gingen so graduf , dr Tüfel chönnt se nit chrümme ; es glaub , mi chönnt se am ene Bey graduse ha , es miech kene kes Gleich . Der Baumwollenhändler war nicht dumm , er merkte das und wußte wohl , daß wenn eine Spekulation einem vor die Füße fällt , man nicht Wochen lang sich besinnen darf , ob man sie aufheben will oder nicht . Als es endlich wieder recht schön Wetter war , lud er Mutter und Tochter ein zu einer Partie nach Blumenstein . Elisi war das gleich recht , die Mutter machte Umstände . Sie ginge nicht ungern einmal nach Blumenstein , sagte sie , aber das gebe große Kosten , nur schon das Fuhrwerk sei unverschämt teuer . Wenn sie eins von ihren sechs Rossen herpfeifen könnte , so wollte sie nicht Nein sagen . Das solle ihr keinen Kummer machen , sagte der Einlader , das sei eine Kleinigkeit , nicht der Rede wert . Es würde ein Affront für ihn sein , wenn sie nur noch ein Wort davon reden würde . Die Freude für ihn sei unendlich größer als die Kosten . Aber sie müsse doch noch einmal davon anfangen , sagte die Mutter , er möge sagen , was er wolle . Sie wolle schon mit ihm fahren , die Kosten werden zwar nicht alles zwingen , allein ihren Teil wolle sie tragen . Wo sie ein junges Meitschi gewesen , da hätte sie Mancher zu Gast gehalten , sie wolle es nicht leugnen , aber jetzt sei sie zu alt dazu , jetzt tue sie es nicht mehr . Mein Baumwollenherr war nicht verlegen . Er lachte : Das werde sich schon machen , sie solle nur kommen . Er wolle für ein Fuhrwerk sorgen , sie sollten nur machen , daß sie um acht Uhr zweg seien . Wenn sie nur zur Tafel dort seien ! Die dürften sie nicht versäumen , dort wisse man auch , was Kochen sei . Hier meine man , wenn man etwas in einen Hafen werfe , Wasser darauf schütte , Feuer darunter mache und das zusammen machen lasse , bis die Eßglocke gehe , so sei das gchochet und die Gäste müßten wohl daran leben und doch sei es manchmal ein Fressen , das einem Magenweh machen müsse . Es war ein recht schöner Sonntag da oben im Lande . Die sonst etwas dunkle Gegend wurde durch die Sonne fröhlich , und ihre Einförmigkeit wurde ihr benommen durch die vielen Fuhrwerke , die vielen Wandelnden , die dem Gurnigel zueilten oder sonst wohin . In leichtem , schönem Fuhrwerk mit schnellem Rosse eilten sie windschnell durch das Tal nieder , funkelnd in köstlichstem Putze . Der Mutter schönster Putz war das strahlende Hemd auf der breiten Brust . Die Tochter dagegen haue andere Dinge aufzuweisen : Gold , Silber , Seide , doch diesmal nicht schwefelgelbe , sondern schwarze , aber keine breite Brust ; dafür aber war ihr Mänteli brodiert und bögelte sich einer Brieftasche ähnlich in die Höhe bis fast zum Kinn . Der Herr vorauf strahlte vor Vergnügen , glänzte in neuen Tüchern mit gelben Handschuhen und schwarzen Stiefelchen , hatte Kasimir an den Hosen , ein seidenes Schnupftuch im Sack und fuhr wie einer , der nie ein eigenes Roß in den Händen gehabt . Die Mutter hatte immer die Hand auf dem Schlage , als ob sie sich halten wolle , und machte allemal , wenn sie an einem Fuhrwerk vorbeifuhren , das ängstlichste Gesicht . So sei sie nie gefahren und doch hätten sie gute Rosse im Stall , sagte die Mutter , aber sie möchte es einem Roß nicht zuleid tun . Wenn eim ein Rad abginge , so führe man ja desus , es wüßte kein Mensch wie weit . Und bsonderbar rainab sprenge er , es hätte kei Gattig , sie möchte ihm kein Roß anvertrauen . Ein Roß sei freilich kein Mensch , aber eben deswegen , weil es ein Unvernünftiges sei , so hätten die Menschen den Verstand , daß sie ihm nicht mehr anmuten sollten , als es wohl erleiden möge . Es lachte der Baumwollenhändler gar sehr über die altväterische Sorglichkeit der Mutter für ein Roß , und er wußte eine Menge Heldentaten zu erzählen , die er auf Kosten von Pferden verübt , wie geschwind er hier und dort gefahren und wie er so ein Roß zu morischinieren wisse wie Keiner . Viel von seines Vaters Rossen wußte er auch zu erzählen , von Engeländern und Mecklenburgern . Er dachte , die wüßten nicht , daß sein Vater Baumwollenzeug in einer Drucke im Lande herumgetragen . Im Fluge waren sie im bekannten Blumenstein , wo auf der Laube die zahlreichen Gäste den Besuchern entgegensahen und sie musterten . Es geht nun splendid zu in Blumenstein . Der Baumwollenhändler spielt den Herren vortrefflich , regiert und befiehlt , daß die Mutter ganz erstaunt sagt : Dem sehe man es an , daß er nicht zNütigen daheim sei ; der könne beim Sacker regieren wie ein General , einmal sie dürfte nicht . Die Kellner kämen ja daher , daß ihrereins sich schämen müßte und froh sei , wenn sie eim ruhig ließen . Bei Tische läßt man es sich wohl sein . Kein Wein ist dem Herrn gut genug , er schimpft über jeden , auch der Neuenburger ist nicht recht , obgleich ds Elisi sagt , er sei viel besser als der des Bruders zu Frevligen , und der sei doch auch gut gewesen . Er weiß ganz vortrefflich zu nötigen , und seine Begleiterinnen trinken ein Glas mehr als üblich , ohne daß sie es merken . Nach Tische geht das Tanzen an , und Elisi fliegt dahin wie im Himmel . Nun will der Baumwollenhändler auch hinein . Er beginnt sich zärtlich zu machen , er drückt die Hände , ds Elisi drückt wieder . Er macht seine Augen liebetrunken , ds Elisis werden zärtlich ; er drückt Elisi an sich , Elisi hilft nach . O wenn er doch sein Lebtag nicht weiter von ihm wäre , sagt er . Ds Elisis sieht ihn an , was noch nachkomme ? Er wollte , er hätte es nie gesehen , sagt er . » Ihr seid ein Wüster , « sagt ds Elisi und gibt ihm einen Mupf mit dem Ellbogen . » Ach Gott , was fange ich an , wenn ich fort muß ? Ich schieße mir eine Pistole vor den Kopf ! « » Herr Yses , « sagt ds Elisi , » das wollte ich nicht tun , etwas Dumms so ! « » Wohl , das tue ich , « sagte er , » auf parole d ' honneur . « » So laßt mich gehen , « sagt ds Elisi , » ich will nicht dabei und dann noch etwa schuld sein . « » Ach , « flötete der Baumwollenhändler , » wenn ich hoffen dürfte , « und drückte wieder ; ds Elisi sah ihn wieder an und drückte auch . » Ach , wenn ich hoffen dürfte , « sagte er und drückte . Da drückte ds Elisi nicht , sondern sagte : » Ach , das isch es Gstürm , ih cha mih nüt druf vrstah ! « » Ach , « sagte er , » wenn Ihr Herz redete , Sie würden mich verstehen ! « » Öppis Dumms eso han ih üser Lebelang nie ghört . Mi redt mit dem Mul u nit mit dem Herz . We die o no rede wette , wer wett zletscht lose ? « » Ach , « seufzt er , » Elise , Sie zerreißen grausam mein Herz ! « » Öppis Dumms eso , « sagt ds Elisi . » Nun mag es kosten , was es will , und sollte es das Leben sein , « rief der Baumwollenhändler pathetisch aus , daß die Tanzenden alle auf ihn sahen , » es muß heraus , Sie müssen mich verstehen : Elise , ich liebe Sie , ohne Sie gehe ich dem Teufel zu ; wollen Sie mein sein , mich glücklich machen mit Ihrer Hand , « » Hürate ? « fragte ds Elisi , wieder zärtlich blickend , » ach ganget mr , Dir weyt mih nume für e Narr ha ! « » Ach Gott , nein , es ist mein blutiger Ernst ! « rief der Baumwollenhändler . » Ohne Sie lebe ich nicht mehr bis zur Zurzacher Meß ! « » Dr syt e Wüeste , grad eso z ' cho , « sagte Elisi zärtlich , » und eim so angst z ' mache ; chönnet dr Eui Sach nit o manierlich säge u daß mes o bigryft ? « Das tat nun auch der Baumwollenhändler , und Elisi sagte ihm zu , mit etwas innerlichem Zögern freilich , wenn es an die mit den Schnäuzen dachte , die kein Gleich machen würden , wenn man sie bei einem Bein geradeaus hielte . Indessen dachte es : Hätten sie die Gosche aufgetan und zur rechten Zeit geredet , es geschehe ihnen jetzt gar recht . Es wolle nicht ein Narr sein und jetzt noch länger warten und zuletzt zwischen Stühle und Bänke kommen . Uli blieb weit aus seinem Sinn . Nun war auch der Baumwollenhändler im Himmel , tanzte , wie wenn er über das Stockhorn aus wollte , ließ Champagner kommen und ließ es flott gehen , daß es der Mutter , die sich auch herbeigefunden , angst und bange wurde . Sie begehrte fort und fragte diesen , jenen , was sie schuldig seien , sie wollten fort ; und dabei überschlug sie immer , ob sie wohl Geld genug bei sich hätte , das gebe einen Gunten , von dem wollte sie Joggeli nichts sagen . Aber die gute Frau fragte eine lange Stunde umsonst . Immer hieß es : » Plötzlich , plötzlich ! « Aber niemand stund ihr weiter Rede . Der helle Schweiß stund ihr endlich aus lauter Angst vor der Stirne . Ds Elisi und der Händler taten auch so dumm miteinander , daß sie sich schämte und sich vornahm : diesmal wolle sie dem Meitschi doch die Sache sagen , es möge dann plären oder nicht , das sei ihr gleich . Was werden doch die Leute sagen , dachte sie , und meinen , was ich für eine Mutter sei , daß mein Meitschi angesichts meiner Augen sich so aufführt ! Endlich nach einer grausamen Stunde hieß es , es sei angespannt , abgeschafft , sie können fort . Jetzt dachte sie : sobald sie einmal im Fuhrwerk sitze , wolle sie ihnen das Kapitel lesen , daß es eine Gattig hätte . Aber kaum hatte sie dem Kellner , der das Türchen zumachte , » Dankeigit , lebit wohl « gesagt , als es davonging in sausendem Galopp und immerzu , immerzu , was sie auch rufen mochte , er solle doch hübschli machen , daß sie endlich sagte , das sei ihr ein Donners Sturm , mit dem fahre sie ihr Lebtag nicht mehr . Wie im Hui waren sie in Riggisberg . Dort ward gehalten trotz allem Protestieren der Mutter , sie hätte nichts nötig , es sei ihr nur , wenn sie da , heim wäre . Auf das Verlangen des Herrn wurden sie in eine aparti Stuben geführt , trotz dem Protestieren der Mutter , die meinte , nicht länger , als man bleiben könne , wäre es ihr wöhler in der Gaststube . Vom besten Wein mußte gebracht werden , wenn schon die Mutter sagte : » Herr Yses , noch immer mehr Kosten ! « und : » Wer soll den Wein trinken ? Ich mag nicht , und es scheint mir , die Andern hätten auch genug . « Als er gebracht ward , das Stubenmädchen ihn entsiegelt , mit den Händen aufeinander gefragt hatte : » Ihr werdet heute in Blumenstein gewesen sein ?