wir ja doch , und daz bleibt die Hauptzache . « » Dat meen ich ooch ! und dat haben wer dem langen Peter tu verdanken . Er soll leben ! « » Dank ' schön ! aber daz zag ich , der Herr wird dem Bund aufzünden , Mordblei ! wenn der erst ein Schwert in die Hand nimmt , der jagt die Städtler allein auz dem Land ! Und zeine Räte und Kanzler und die Landschaft ! Habt ihr gehört , wie greulich er über die geflucht hat ? Ich möcht in keinez Haut stecken . « Das Wirbeln der Trommeln unterbrach das Gespräch dieser tapferen Krieger ; diese Töne erschollen nicht mehr auf ihren Befehl , aber der lange Peter war in seinen vielen Feldzügen so sehr an den Wechsel von Glück und Unglück , von Hoheit und Niedrigkeit gewöhnt worden , daß er über den Sturz seines Regiments nicht trauerte . Gelassen nahm er die Hahnenfeder von dem großen Hut , legte die rote Schärpe und den langen Hieber , die Zeichen seiner Würde ab und ergriff eine Hellebarde . » Gott straf mein Zeel , ez ist schwer für einen Kerl wie ich , zwölf Fähnlein zu regieren « , sagte er , als er sich wieder als guter Landsknecht in die Reihen seiner Kameraden stellte . » Aber bei Sankt Petruz , dem trefflichen Landsknecht - er muß jetzt auch Oberst zein in den himmlischen Heerscharen Kyrie Eleyzon ! - der Mensch muß allez probieren auf Erden . « Die Landsknechte schüttelten ihm die Hand und bestätigten es ; es tat seinem tapferen Herzen wohl , zu hören , er habe sein Kommando trefflich verwaltet . Die drei Ritter , ihre Anführer , saßen auf und stellten sich zu ihren Fähnlein , die Landsknechte richteten sich in gewohnter Ordnung zum Marsch und Ludwig von Gemmingen ließ die Trommeln rühren zum Aufbruch . III Erstiegen ist der Wall , wir sind im Lager ! Jetzt werft die Hülle der verschwiegnen Nacht Von euch , die euren stillen Zug verhehlte , Und macht dem Feinde eure Schreckensnähe Durch lauten Schlachtruf kund - Schiller Es war in der Nacht vor Mariä Himmelfahrt , als Herzog Ulerich vor dem Rotenbildtor in Stuttgart anlangte . Er hatte auf seinem Zuge schnell das Städtchen Leonberg erobert und war dann unaufhaltsam immer weiter gedrungen . Vieles Volk lief zu , denn wie ein Lauffeuer hatte sich die Nachricht verbreitet , daß der Herzog wieder im Lande sei . Jetzt erst zeigte es sich , wie wenig Freunde der Bund sich erworben hatte ; denn überall wurde die Freude laut , daß das gehässige Regiment des Bundes ein Ende habe , daß das angestammte Fürstenhaus wieder in seine alten Rechte sich einsetze . Auch nach Stuttgart war bald diese Nachricht vorgedrungen und hatte die verschiedensten Empfindungen dort erregt . Der Adel , der sich in der Stadt befand , wußte nicht , was er sich vom Herzog zu versehen hatte ; die Übergabe von Tübingen war noch in zu frischem Gedächtnis , als daß er ganz unbesorgt gewesen wäre . Aber die Erinnerung an den glänzenden Hof Ulerichs von Württemberg , an die fröhlichen Tage , die sie dort verlebt hatten , die Vergleichung dieser Zeit mit dem freudenlosen Leben der Bundesräte mochte sie günstig für den Herzog stimmen , wenn auch mancher Ursache hatte , seine Wiederkehr nicht gerade herbeizuwünschen . Die Bürgerschaft konnte ihre Freude über diese Nachrichten kaum verbergen ; sie verließen ihre Häuser , traten haufenweise auf den Straßen zusammen und besprachen sich über die Dinge , die ihrer warteten . Sie schimpften leise aber weidlich auf den Bund , ballten grimmig ihre Fäuste in der Tasche , und waren überaus patriotisch gesinnt . Sie erinnerten sich der erlauchten Ahnen des vertriebenen Fürsten , es war sein Name Württemberg , den auch sie trugen , sie zählten so manchen wackeren Herrn aus der Familie auf , unter welchem sie und ihre Väter glücklich gelebt , der Württembergs Namen berühmt gemacht hatte . Auch der Gedanke tat ihnen wohl , daß von ihrer Entscheidung für den einen oder den andern Teil so viel abhänge , weil man im ganzen Lande auf die Stuttgarter sehe . Sie waren zwar weit entfernt gegen die bündische Besatzung auf ihre eigene Faust einen Aufruhr zu unternehmen , aber sie sprachen zueinander : » Gevatter , wart nur , bis es Nacht wird ; da wollen wir den Reichsstädtlern zeigen , wo sie her sind , wir Stuttgarter . « Dem bündischen Statthalter , Christoph von Schwarzenburg entging diese Bewegung unter den Bürgern nicht . Zu spät sah er ein , wie töricht man getan habe , das Heer zu entlassen . Er wandte sich an die Bundesstände , die noch zu Nördlingen versammelt waren und begehrte Hülfe , aber er selbst gab die Hoffnung auf , Stuttgart so lange halten zu können , bis ein neues Heer im Feld erschienen sei . Er traf zwar einige Anstalten zur Gegenwehr , aber die Blitzesschnelle , mit welcher der Herzog erschien , vereitelte alle seine Bemühungen . Als er sah , daß er den Bürgern nicht trauen könne , daß ihm der Adel nicht beistehe , daß die Besatzung nicht einmal zur Sicherung der Tore hinreiche entwich er bei Nacht und Nebel mit den Bundesräten nach Eßlingen . Ihre Flucht war so eilig und geheim , daß sie sogar ihre Familien zurückließen und niemand in der Stadt ahnte , daß der Statthalter und die Räte nicht mehr in den Mauern seien . Daher waren die Anhänger des Bundes noch immer getrosten Mutes , und glaubten nicht an die Gerüchte von der schnellen Annäherung des Herzogs . Der Marktplatz war damals noch das Herz der Stadt Stuttgart ; zwar hatten sich schon zwei große Vorstädte , die Sankt Leonhards- und die Turnieracker-Vorstadt um sie gelagert , welche mit Graben , Mauern und starken Toren versehen , das Ansehen eigener Städte bekommen hatten ; aber noch standen die Ringmauern und Tore der Altstadt , und ihre Bürger sahen nicht ohne Stolz herab auf die Vorstädtler . Der Marktplatz war es , wo nach alter Sitte bei jeder besondern Gelegenheit die Bürger sich versammelten ; auch an dem wichtigen Abend vor Mariä Himmelfahrt strömten sie dorthin zusammen . Zur Zeit , wo der Bürger noch mit der Wehre an der Seite auftreten durfte , hatte sein öffentlich gesprochenes Wort auch mehr zu bedeuten als in späteren Tagen , wo Tinte , Feder und Papier die Oberhand gewannen . Und wahrlich , die Bürger von Stuttgart waren bei Nacht und in Massen versammelt ganz andere Leute als morgens . Mancher , der , hätte man ihn vormittags um seine Meinung wegen des Herzogs gefragt , antwortete : » Was geht es mich an , bin ein friedlicher Bürgersmann « , erhob jetzt seine Stimme und schrie : » Wir wollen dem Herzog die Tore öffnen , fort mit den Bündischen - wer ist ein guter Württemberger ? « Der Mond schien hell auf die versammelte Menge herab , die unruhig hin und her wogte . Ein verworrenes Gemurmel drang von ihnen in die Lüfte ; noch schienen sie unschlüssig , vielleicht weil keiner kühn genug war , sich an die Spitze zu stellen . Aus den hohen Giebelhäusern , die den Platz einschlossen , schauten viele hundert Köpfe auf den Markt hernieder ; es waren die Weiber und Töchter der Versammelten , die ängstlich und gespannt auf das Gemurmel lauschten . Denn die Stuttgarter Mädchen waren damals ein neugieriges Völkchen und hielten es im Herzen aus Mitleiden mit dem Herzog . Schon wurde das Murmeln der Menge immer lauter und verständlicher ; der Ruf : » Wir wollen die Knechte vom Tor wegjagen und die Stadt dem Herzog auftun « , immer deutlicher , da sah man einen langen , hageren Mann auf eine Bank am Brunnen springen , wo er die ganze Menge überragte . Er focht mit ungeheuer langen Armen in der Luft umher , tat einen weiten Mund auf und schrie mit heiserer Stimme um Gehör . Es wurde nach und nach stiller auf dem Platz , man vernahm einzelne Worte aus seiner Rede : » Was ? die ehrsamen Bürger von Stuttgart wollen ihren Eid brechen - habt ihr nicht dem Bunde geschworen ? Wem wollet ihr die Tore öffnen ? Dem Herzog ? Er kommt mit ganz geringer Mannschaft , denn er hat ja kein Geld , um Leute zu bezahlen und da müsset dann ihr wieder den Beutel auftun und blechen ! Da wird ' s heißen , Stuttgart zahlt zehntausend Gulden , weil es von uns abgefallen ist . Hört ihr ? zehntausend Gulden sollt ihr zahlen ! « » Wer ist denn der lange Kerl ? « fragten sich die Männer . - » Er hat nicht unrecht - werden tüchtig zahlen müssen . - Ist er ein Bürger , der da oben ? Wer seid Ihr « , rief einer der Kühnsten ; » woher wollt Ihr wissen , was wir zahlen müssen ? « » Ich bin der berühmte Doktor Calmus « , sprach der Redner mit feierlicher Stimme , » und weiß das ganz genau . Und wen wollt ihr vertreiben ? Den Kaiser , das Reich , den Bund ; so viele reiche Herren wollt ihr vor den Kopf stoßen ? und warum ? wegen dem Utz , der euch das Fell über die Ohren zieht ; denkt nur an das geringere Gewicht , an die harten Jagdfrevel . Jetzt hat er gar kein Geld mehr ; er ist ein Lump , hat alles verspielt in Mömpelgard - « » Halt Er sein Maul « , schrieen die Bürger , » was geht das Ihn an , Er ist kein hiesiger Bürger , fort mit dem Kahlmäuser - schlagt ihn tot - werft ihn als Fisch in den Brunnen - der Herzog soll leben ! « Doktor Calmus erhob noch einmal seine Stimme , aber die Bürger überschrieen ihn . In diesem Augenblick kam ein neuer Trupp Bürger aus der obern Vorstadt herabgesprungen . » Der Herzog ist vor dem Rotenbildtor « , riefen sie , » mit Reiter- und Fußvolk . Wo ist der Statthalter ? wo sind die Bundesräte ? Er will in die Stadt schießen , wenn man nicht aufmacht ! - Fort mit den Bündischen - wer ist gut württembergisch ? « Der Tumult wuchs von Sekunde zu Sekunde . Die Bürger schienen noch unschlüssig , da bestieg ein neuer Redner die Bank ; es war ein feiner Herr , der durch sein schmuckes Äußere einen Augenblick den Bürgern imponierte : » Bedenket ihr Männer « , rief er mit feiner Stimme , » was wird der durchlauchtige Bundesrat dazu sagen , wenn ihr - « » Was scheren wir uns um den Durchlauchtigen ! « überschrie man ihn , » fort ! reißt ihn herab mit dem rosenfarbenen Mäntelein und dem glatten Haar - das ist ein Ulmer ! fort mit ihm - auf ihn , er ist von Ulm ! « Aber ehe sie noch diesen Entschluß ausführten , trat ein kräftiger Mann hinauf , warf mit einem Schlag den Doktor rechts und den Ulmer mit dem rosenfarbenen Mäntelein links von der Bank , und winkte mit der Mütze in die Luft . » Still ! das ist der Hartmann « , flüsterten die Bürger , » der versteht ' s , hört was er spricht . « » Höret mich ! « sprach dieser ; » der Statthalter und die Bundesräte sind nirgends zu finden , sie sind entflohen und haben uns im Stich gelassen , drum greifet diese beiden da , wir wollen sie als Geiseln behalten . Und jetzt hinauf ans Rotenbildtor . Dort steht unser rechter Herzog , ' s ist besser wir machen selbst auf , als daß er mit Gewalt eindringt , wer ein guter Württemberger ist , folgt mir nach . « Er stieg herab von der Bank , und jubelnd umgab ihn die Menge ; die beiden Fürsprecher des Bundes wurden , ehe sie sich dessen versahen , gebunden und fortgeführt . Jetzt ergoß sich der Strom der Bürger vom Marktplatz zum obern Tor , hinaus über den breiten Graben der alten Stadt in die Turnieracker-Vorstadt , am Bollwerk vorbei zum Rotenbildtor . Die bündischen Knechte , die das Tor besetzt hielten , wurden schnell übermannt , das Tor ging auf , die Zugbrücke fiel herab und legte sich über den Stadtgraben . Dort hatten indessen die Anführer des Fußvolkes ihre besten Truppen aufgestellt , denn man wußte nicht genau , wie die Bündischen sich bei der Annäherung des Herzogs benehmen werden . Ulerich selbst hatte die Posten beritten . Vergeblich suchte Georg von Sturmfeder ihn zu überzeugen , daß die Besatzung von Stuttgart so schwach sei , daß sie ihnen nicht die Spitze bieten könne , vergeblich stellte er ihm vor , daß die Bürger ihn zurücksehnen , und willig ihre Tore öffnen werden ; der Herzog schaute finster in die Nacht hinaus , preßte die Lippen zusammen und knirschte mit den Zähnen . » Das verstehst du nicht « , murmelte er dem Jüngling zu ; » du kennst die Menschen nicht ; sie sind alle falsch , traue niemand als dir selbst . Sie drehen den Mantel nach jedem Wind ! - Aber diesmal will ich sie fassen ; meinst du , ich habe mein Land umsonst mit dem Rücken angesehen ? « Georg konnte diese Stimmung des Herzogs nicht begreifen . Im Unglück war er fest , sogar mild und sanft gewesen , hatte von manchem schönen Brauch gesprochen , den er einführen wolle , wenn er wieder ins Land komme , hatte selten Zorn über seine Feinde , beinahe nie Unmut über die Untertanen gezeigt , die von ihm abgefallen waren ; aber sei es , daß mit dem Anblick der vaterländischen Gegenden auch das Gefühl der Kränkung stärker als zuvor in ihm erwachte , sei es , daß es ihm unangenehm auffiel , daß der Adel und die Stände noch nichts hatten von sich hören lassen , er war , seit er die Grenzen Württembergs überschritten , nicht freudig , gehoben , erwartungsvoll , sondern ein stolzer Trotz blitzte aus seinen Augen , seine Stirne war finster , und eine gewisse Strenge und Härte im Urteil , fiel seinen Umgebungen , besonders Georg von Sturmfeder auf , der sich in diese neue Seite von Ulerichs Charakter nicht gleich zu finden wußte . Die Aufforderung an die Stadt mochte wohl schon seit einer halben Stunde ergangen sein ; bald war die Frist abgelaufen , die er ihnen gegeben hatte , und noch immer war keine Antwort da ; man hörte nur ein ängstliches Hin- und Herrennen in der Stadt , aus welchem man weder gute noch böse Zeichen deuten konnte . Der Herzog ritt zu den Landsknechten vor , die erwartungsvoll auf ihren Hellebarden und Donnerbüchsen lehnten . Die drei Ritter , welche sie führten , standen am Graben , und hielten durch ihre Anwesenheit die Knechte in Ruhe und Ordnung . Beim Schein des Mondes betrachtete Georg ängstlich Ulerichs Züge . Die Ader auf seiner Stirne war aufgelaufen , eine tiefe Röte lag auf seinen Wangen , und seine Augen brannten in düsterer Glut . » Hewen ! laß Leitern anschleppen « , sagte er mit dumpfer Stimme . » Der Donner und das Wetter ! es ist mein eigen Haus , vor dem ich stehe , und die Hunde wollen mich nicht einlassen . Ich laß noch einmal blasen , machen sie dann nicht sogleich auf , so schmeiß ich Feuer in die Stadt , daß ihre Käfigte zusammenbrennen . « » Bassa manelka , waz mich daz freut ! « sagte der lange Peter , der in der ersten Rotte neben dem Herzog stand , leise zu seinen Kameraden . » Jetzt werden Leitern beigeschleppt , wie die Katzen wir hinauf , mit den Hellebarden über die Mauer gestochen , daz die Kerl herunter müssen , mit den Büchsen drein gepfeffert , Canto cacramento ! « » Dat will ik meenen ! « flüsterte der Magdeburger , » und dann hinunter in die Stadt , angezündet an den Ecken , geplündert gebürstet ! da will ik man och bei sin . « » Um Gottes willen , Herr Herzog « , rief Georg von Sturmfeder , welcher die Reden des Herzogs und die greuliche Freude der Landsknechte wohl vernommen hatte ; » wartet nur noch ein kleines Viertelstündchen , es ist ja Eure eigene Residenzstadt . Sie beraten sich vielleicht noch . - « » Was haben sie sich lange zu beraten ? « entgegnete Ulerich unwillig ; » ihr Herr ist hier außen vor dem Tor und fordert Einlaß . Ich habe schon zu lange Geduld gehabt . Georg ' breite mein Panier aus im Mondschein , laß die Trompeter blasen , fordere die Stadt zum letztenmal auf ! Und wenn ich dreißig zähle nach deinem letzten Wort , und sie haben noch nicht aufgemacht , beim heiligen Hubertus , so stürmen wir . Spute dich , Georg ! « » O Herr ! bedenket eine Stadt , Eure beste Stadt ! wie lange habt Ihr in diesen Mauern gelebt , wollt Ihr Euch ein solches Brandmal aufrichten ? Gebt noch Frist . « » Ha ! « lachte der Herzog grimmig , und schlug mit dem Stahlhandschuh auf den Brustharnisch , daß es weithin tönte durch die Nacht ; » ich sehe , dich gelüstet nicht sehr in Stuttgart einzuziehen und dein Weib zu verdienen . Aber bei meiner Ungnade , jetzt kein Wort mehr , Georg von Sturmfeder . Schnell ans Werk . Ich sag , roll mein Panier auf , blast Trompeter , blast , schmettert sie auf aus dem Schlaf , daß sie merken , ein Württemberger ist vor dem Tor , und will trotz Kaiser und Reich in sein Haus . Ich sag , fordere sie auf , Sturmfeder . « Georg folgte schweigend dem Befehl ; er ritt bis dicht vor den Graben , und rollte das Panier von Württemberg auf . Die Strahlen des Mondes schienen es freundlich zu begrüßen , sie beleuchteten es deutlich und zeigten seine Felder und Bilder . Auf eine große Fahne von roter Seide war Württembergs Wappen eingewoben . Der Schild zeigte vier Felder . Im ersten waren die württembergischen Hirschhörner angebracht , im zweiten die Würfel von Teck , im dritten die Reichssturmfahne , die dem Herzog als Reichsbannerträger zukam , und im vierten die Fische von Mömpelgard , der Helm aber trug die Krone und das Uracher Jägerhorn . Der junge Mann schwenkte das schwere Panier in der starken Hand , drei Trompeter ritten neben ihm auf und schmetterten ihre wilden Fanfaren gegen die verschlossene Pforte . Im Tore öffnete sich ein Fenster ; man fragte nach dem Begehr . Georg von Sturmfeder erhob seine Stimme und rief : » Ulerich , von Gottes Gnaden Herzog zu Württemberg und Teck , Graf zu Urach und Mömpelgard , fordert zum zweiten- und letztenmal seine Stadt Stuttgart auf , ihm willig und sogleich die Tore zu öffnen . Widrigenfalls wird er die Mauer stürmen und die Stadt als feindlich ansehen . « Noch während Georg dieses ausrief , hörte man das verworrene Geräusch vieler Tritte und Stimmen in der Stadt , es kam näher und näher , und wurde zum Tumult und Geschrei . » Gott straf mein Zeel , zie machen einen Auzfall ! « sagte der lange Peter , laut genug , um vom Herzog verstanden zu werden . » Du könntest recht haben « , erwiderte dieser , indem er sich plötzlich zu dem erschrockenen Landsknecht wandte . » Schließt dichter an , streckt die Piken vor und haltet die Lunden bereit ; wir wollen sie empfangen nach Verdienst . « Die ganze Linie zog sich vom Graben zurück , nur die drei ersten Fähnlein stellten sich da , wo die Zugbrücke sich ans Land legen mußte , auf . Ein Wall von Piken starrte jedem Angriff entgegen und die Schützen hatten die Donnerbüchsen aufgelegt und hielten die Lunden über dem Zündloch ; tiefe Stille der Erwartung war auf dieser Seite , desto brausender drang der Lärm aus der Stadt herüber . Die Brücke fiel herab , aber keine Feinde waren es , die zu einem Ausfall herüberdrangen , sondern drei alte graue Männer kamen aus dem Tor ; sie trugen das Wappen der Stadt und die Schlüssel . Als der Herzog dies sah , ritt er etwas freundlicher hinzu . Georg folgte ihm und betrachtete diese Übergabe . Zwei dieser Männer schienen Ratsherren oder Bürgermeister zu sein ; sie beugten das Knie vor dem Herrn und überreichten ihm die Zeichen ihrer Unterwerfung . Er gab sie seinen Dienern und sagte zu den Bürgern : » Ihr habt Uns etwas lange warten lassen vor der Türe ; wahrhaftig , wir wären bald über die Mauer gestiegen und hätten eigenhändig eure Stadt zu unserem Empfang beleuchtet , daß euch der Rauch die Augen hätte beizen sollen . Der Teufel ! warum ließet ihr so lange warten ? « » O Herr ! « sagte einer der Bürger ; » was die Bürgerschaft betrifft , die war gleich bereit , Euch aufzutun , wir haben auch etliche vornehme Herren vom Bunde hier , die hielten lange und gefährliche Reden an das Volk , um es gegen Euch aufzuwiegeln . Das hat so lange verzögert . « » Ha ! wer sind diese Herren ? Ich hoffe nicht , daß ihr sie habt entkommen lassen ! mich gelüstet ein Wort mit ihnen zu sprechen . « » Bewahre , Euer Durchlaucht ! wir wissen , was wir unserm Herrn schuldig sind . Wir haben sie sogleich gefangen und gebunden . Befehlt Ihr , daß wir sie bringen ? « » Morgen früh ins Schloß ! will sie selbst verhören , schicket auch den Scharfrichter ; werde sie vielleicht köpfen lassen . « » Schnelle Justiz , aber ganz nach Verdienst ! « sprach hinter den beiden Bürgern eine heisere , krächzende Stimme . » Wer spricht da mir ins Wort ? « fragte der Herzog und schaute sich um ; zwischen den beiden Bürgern heraus trat eine sonderbare Gestalt . Es war ein kleiner Mann , der den Höcker , womit ihn die Natur geziert hatte , unter einem schwarzen seidenen Mantel schlecht verbarg ; ein kleines spitziges Hütlein saß auf seinen grauen , schlichten Haaren , tückische Äuglein funkelten unter buschigen , grauen Augenbrauen und der dünne Bart , der ihm unter der hervorspringenden Adlernase hing , gab ihm das Ansehen eines sehr großen Katers . Eine widerliche Freundlichkeit lag auf seinen eingeschrumpften Zügen , als er vor dem Herzog das Haupt zum Gruß entblößte , und Georg von Sturmfeder faßte einen unerklärlichen Abscheu und ein sonderbares Grauen vor diesem Mann gleich beim ersten Anblick . Der Herzog sah den kleinen Mann an und rief freudig : » Ha ! Ambrosius Volland unser Kanzler ! Bist du auch noch am Leben ? Hättest zwar früher schon kommen können , denn du wußtest , daß Wir wieder ins Land dringen - aber sei Uns deswegen dennoch willkommen . « » Allerdurchlauchtigster Herr ! « antwortete der Kanzler Ambrosius Volland , » bin wieder so hart vom Zipperlein befallen worden , daß ich beinahe nicht aus meiner Behausung kommen konnte ; verzeihen daher , Euer - « » Schon gut , schon gut ! « rief der Herzog lachend , » will dich schon kurieren vom Zipperlein . Komm morgen früh ins Schloß , jetzt aber gelüstet uns , Stuttgart wiederzusehen . Heran mein treuer Bannerträger ! « wandte er sich mit huldreicher Miene zu Georg ; » du hast treulich Wort gehalten , bis an die Tore von Stuttgart ; ich will ' s vergelten . Bei Sankt Hubertus , jetzt ist die Braut dein nach Recht und Billigkeit . Trag mir meine Fahne vor , wir wollen sie aufpflanzen auf meinem Schloß und jenes bündische Banner in den Staub treten ! Gemmingen und Hewen , ihr seid heute nacht noch meine Gäste ; wir wollen sehen , ob uns die Herren vom Schwabenbund noch ein Restchen Wein übriggelassen haben ! « So ritt Herzog Ulerich , umgeben von den Rittern , die seinem Zuge gefolgt waren , wieder in die Tore seiner Residenz . Die Bürger schrieen Vivat und die schönen Mädchen verneigten sich freundlich an den Fenstern zum großen Ärgernis ihrer Mütter und Liebhaber , denn alle dachten , diese Grüße gelten dem schönen jungen Ritter , der des Herzogs Banner trug und beleuchtet vom Fackelschein wie Sankt Georg der Lindwurmtöter aussah . IV O Burg , von Geistern tapfrer Ahnen Die tatenfreudig hier gelebt , Und wackrer Fürsten Ruhm umschwebt , Oh , deren Bild mit frommem Mahnen Sich in des Nahen Bilder webt . Ph. Conz Das alte Schloß zu Stuttgart hatte damals , als es Georg von Sturmfeder am Morgen nach des Herzogs Einzug beschaute , nicht ganz die Gestalt , wie es noch in unsern Tagen zu sehen ist , denn dieses Gebäude wurde erst von Ulerichs Sohn , Herzog Christoph aufgeführt . Das Schloß der alten Herzoge von Württemberg stand übrigens an derselben Stelle und war in Plan und Ausführung nicht sehr verschieden von Christophs Werk , nur daß es zum größten Teil aus Holz gebaut war . Es war umgeben von breiten und tiefen Graben , über welche gegen Mitternacht eine Brücke in die Stadt führte . Ein großer , schöner Vorplatz diente in früheren Zeiten dem fröhlichen Hofe Ulerichs zum Tummelplatz für ritterliche Spiele und mancher Reiter wurde von des Herzogs eigener gewaltiger Hand in den Sand geworfen . Die Zeichen dieses ritterlichen Sinnes sprachen sich auch in andern Teilen des Gebäudes aus . Die Halle im unteren Teil des Schlosses war hoch und gewölbt wie eine Kirche , daß die Ritter in dieser » Tyrnitz « bei Regentagen fechten und Speere werfen und sogar die ungeheuren Lanzen ungehindert darin handhaben konnten . Von der Größe dieser fürstlichen Halle zeugt die Aussage der Chronisten , daß man bei feierlichen Gelegenheiten dort oft zwei- bis dreihundert Tische gedeckt habe . Von da führte eine steinerne Treppe aufwärts so breit , daß zwei Reiter nebeneinander hinaufreiten konnten . Dieser großartigen Einrichtung des Schlosses entsprach die Pracht der Zimmer , der Glanz des Rittersaales und die reichen , breiten Galerien , die zum Tanz und Spiele eingerichtet waren . Georg maß mit staunendem Auge diese verschwenderische Pracht der Hofburg . Er verglich den kleinen Sitz seiner Ahnen mit diesen Hallen , diesen Höfen , diesen Sälen , wie klein und gering kam es ihm vor ! Er erinnerte sich der Sage von der glänzenden Hofhaltung Ulerichs , von seiner prachtvollen Hochzeit , wo er in diesem Schloß siebentausend Gäste aus allen Teilen des deutschen Reiches speiste und tränkte , wo in dem hohen Gewölbe der Tyrnitz und in dem weiten Schloßhofe einen ganzen Monat lang Ritterspiel und Gelage gehalten wurden , und wenn der Abend einbrach , hundert Grafen , Ritter und Edelleute mit Hunderten der schönsten Damen in jenen Sälen und Galerien tanzten ! Er blickte hinab in den herrlichen Schloßgarten , das Paradies genannt . Seine Phantasie bevölkerte diese Lustgehege und Gänge mit jenem fröhlichen Gewimmel des fröhlichen Hofes mit den Heldengestalten der Ritter , mit den festlich geputzten Fräulein , mit allem Jubel und Sang , der einst hier erscholl . Aber wie öde und leer deuchten ihm diese Mauern und Gärten , wenn er die Gegenwart mit den Bildern seiner Phantasie verglich . Die Gäste der Hochzeit , der glänzende , lustige Hof ist verschwunden , sprach er zu sich , die fürstliche Gemahlin ist entflohen , der glänzende Frauenkreis , der sie einst umgab , hat sich zerstreut , die Ritter und Grafen , die einst hier schmausten und ein reiches Leben voll Spiel und Tanz verlebten , sind von dem Fürsten abgefallen , die zarten Sprossen seiner Ehe sind in fernen Landen - er selbst sitzt einsam in dieser herrlichen Burg , brütet Rache an seinen Feinden und weiß nicht wie lange er nur in dem Hause seiner Väter bleiben wird ; ob nicht aufs neue seine Feinde noch mächtiger heranziehen , ob er nicht noch unglücklicher wird als je zuvor . Vergebens strebte der Jüngling diese trüben Gedanken , welche der Widerspruch der Pracht seiner Umgebungen mit dem Unglück des Herzogs in ihm erweckt hatten , zu unterdrücken . Vergebens rief er das Bild jenes holden Wesens herauf , das er jetzt bald auf ewig sein nennen durfte , vergebens malte er sich sein häusliches Glück an ihrer Seite mit den lockendsten , reizendsten Farben aus , jene trüben Bilder kehrten immer wieder . Sei es , daß jener Mann durch die Erhabenheit , die er im Unglück gezeigt hatte , einen so großen Raum in der Brust des Jünglings gewonnen hatte , sei es , daß ihn die Natur in einzelnen Augenblicken mit einem unwillkürlichen Gefühl der Ahnung begabte , er blieb sinnend und ernst und es war ihm , als sei der Herzog nichts weniger als glücklich , als müsse er ihn vor irgendeinem drohenden Unglück warnen . » So überaus ernst , junger Herr ? « fragte eine heisere Stimme hinter ihm und weckte ihn aus seinen Gedanken . » Ich dächte doch , Georg von Sturmfeder hätte alle Ursache , heiter und guter Dinge zu sein ! « Der junge Mann wandte sich verwundert um und schaute herab - auf den Kanzler Ambrosius Volland . War ihm dieser Mann schon gestern durch seine widrige Freundlichkeit , durch sein katerhaftes , schleichendes Wesen unangenehm aufgefallen , so war dies heute noch mehr der Fall , da der Kanzler durch überladenen Putz seine Mißgestalt noch mehr herausgehoben hatte . Sein dunkelgelbes verwittertes Antlitz , mit dem ewigen