eine Demonstration , aber ein sonnigeres , von den Strahlen der Poesie und Geschichte umleuchtetes Fest , war die Einweihung ( am 4. Juli 1791 ) des oftgenannten Obelisken . Sie war militärische Feier und Volksfest zugleich . Aus allen Städten und Dörfern der Grafschaft war man zu Tausenden herbeigekommen und umstand entweder das Ufer des Sees oder war von zahllosen in seiner Mitte liegenden Booten aus Augenzeuge des Schauspiels . Das schönste Sommerwetter begünstigte das Fest . Um das Denkmal her gruppierten sich Hunderte von Offizieren , alte und junge , solche , die » die große Zeit « noch mit erlebt hatten oder Anverwandte jener , deren die Medailloninschriften gedachten . An die Feier der Enthüllung schloß sich dann , in den Sälen des Schlosses , ein glänzendes Bankett , bei dem der Prinz eine längere , wohlausgearbeitete Rede hielt . Auch bei dieser Gelegenheit in französischer Sprache . Fast scheint es , als ob er der deutschen Rede nicht mächtig gewesen sei , was als wunderbares Resultat einer Erziehung gelten mag , die nur das Deutsche gewollt und alles Französische verpönt hatte . Die mehrfach , unter anderen auch in dem Buche Vie privée du Prince Henri zum Druck gekommene Rede scheint auf den ersten Blick wenig mehr zu bieten als wohlstilisierte , ziemlich zopfige Phrasen , wie sie damals üblich waren , aber bei mehr kritischer Betrachtung erkennt man bald die politische Seite dieses auf den ersten Blick bloß oratorischen Übungsstückes . Ich gebe hier nur eine Stelle : » Allen Bewohnern der Städte wie des Landes , die in diesem Kriege die Waffen trugen , gebührt ein gleiches Recht an den Trophäen und Palmen des Sieges . Unter der Leitung ihrer Anführer weihten sie ihre Arme und ihr Blut ihrem Vaterlande . Sie haben es mit Muth und Kraft aufrecht erhalten und verteidigt . Unsere Absicht ist , der preußischen Armee ein Zeugnis unserer Dankbarkeit darzulegen . Den Eingebungen unseres Herzens folgend , wollen wir Beweise der Hochachtung insonderheit denjenigen geben , welche wir persönlich kannten . Aber warum vermißt man Friedrich unter der Zahl dieser berühmten Namen ? Die von diesem Könige selbst aufgesetzte Geschichte seines Lebens , die Lobschriften auf ihn nach seinem Tode , ließen mir nichts zu sagen übrig , wogegen große , mehr in der Dunkelheit geleistete Dienste seitens dieser Lobschriften nicht der Vergessenheit entzogen wurden , vielleicht nicht entzogen werden konnten . Denn die Zeit löscht alle Eindrücke aus , und der folgenden Generation fehlen die Zeugen der Taten der vorhergehenden . Das Andenken der Begebenheiten schwindet , die Namen gehen verloren , und die Geschichte bleibt nur ein unvollkommener Entwurf , oft zusammengefügt durch Trägheit und Schmeichelei . « Dies genüge . Man muß diese Rede mit demselben geschärften Auge lesen , wie die Medailloninschriften des Monuments . Auch diese Feier , wie schon hervorgehoben , war eine Demonstration . Ihr Held war Prinz August Wilhelm , der Vater des Fürsten , der , eben zum Throne gelangt , seines alten Oheims , des Rheinsberger Prinzen , entraten zu können glaubte , jenes » Sonderlings « , der wohl verstanden hatte , Schlachten zu schlagen , aber kein Herz hatte für Wein und Frauen . Große Festlichkeiten sind dieser Enthüllungsfeier nicht mehr gefolgt ; die Schwere des Alters fing an zu drücken , und Einsamkeit und Stille wurden erstes , wenn auch nicht ausschließliches Gebot . Bis hierher bin ich bemüht gewesen , das Rheinsberger Leben aus der Epoche von 1786 bis 1802 in seinen allgemeinen Zügen zu schildern . Ich gehe nun zu den einzelnen Persönlichkeiten über , die während die ser Zeit die Umgebung des Prinzen bildeten , und hoffe dabei Gelegenheit zu finden , ein bisher nur in seinen Umrissen gegebenes Bild durch allerlei Details vervollständigen zu können . Ich beginne mit nochmaliger Aufzählung der Namen . Es waren : Baron Knyphausen , Baron Knesebeck , zwei Barone Wreich ( auch Wreech geschrieben ) , Kapitän von Tauenzien , Major von Kaphengst , Baurat Steinert , Kammerrat Lebeauld , Graf La Roche-Aymon und Graf Roeder . Von letzterem bin ich außerstande gewesen , irgend etwas in Erfahrung zu bringen . Baron Knyphausen . » Unter den dem Prinzen Heinrich am aufrichtigsten ergebenen Personen « , so schreibt Thiébault in seinen Souvenirs , » befanden sich auch zwei Barone Knyphausen , von denen der eine , Baron Dodo von Knyphausen , längere Zeit preußischer Gesandter in Paris und London gewesen war . Er führte den Beinamen der » große Knyphausen « oder » der alte « , zur Unterscheidung von einem jüngeren Träger desselben illustren Namens , der » le beau Knyphausen « hieß . Dieser letztere gehörte dem Rheinsberger Kreise nur auf kurze Zeit als Hofkavalier an . Er vermählte sich 1783 mit Luise Charlotte Henriette von Kraut , geschiedenen von Elliot , und geriet durch Vorgänge , die dieser seiner Vermählung unmittelbar voraufgingen , in eine ziemlich kühle Stellung zum Prinzen , infolgedessen er sein Amt niederlegte . Bald danach starb er , erst einige dreißig Jahre alt . – Der auf der Rheinsberger Glocke genannte von Knyphausen ist offenbar der ältere , Baron Dodo , geb . am 5. August 1729 , gest . am 31. Mai 1789 , Erbherr der Herrschaft Jennelt und Visquard in Ostfriesland . Er war eine Art Ehrenkammerherr und gehörte dem prinzlichen Kreise mehr als Volontär an , wie als Träger einer wirklichen Hofcharge . Neben der Unabhängigkeit seiner Stellung gab ihm sein scharfer Verstand und seine politische Bildung ein besonderes Ansehen , eine politische Bildung , die bedeutend genug war , um die Aufmerksamkeit Mirabeaus zu erregen , der der » Hoffnungen « erwähnt , » die das Land an den ostfriesischen Freiherrn knüpfe « . Was ihn an den Hof des Prinzen Heinrich führte , war wohl zunächst nur die Gleichgeartetheit politischer Anschauungen . Der Prinz und er waren eins in ihrer Mißstimmung über das , was in Berlin geschah , besonders auch in ihrer Abneigung gegen den Minister Hertzberg , ein Gefühl , das beim Prinzen lediglich politische , beim Baron Knyphausen aber , der ein Stiefbruder des Grafen Hertzberg war , auch noch Interessenmotive hatte . Andere geistige Berührungspunkte zwischen dem Prinzen und dem Freiherrn mochten fehlen . Knyphausen war ein passionierter Landwirt , ein Beruf , dem , wie schon erwähnt , Prinz Heinrich nur einen allerniedrigsten Rang einräumte . Diese verschiedenen Ansichten über den Wert der Landwirtschaft führten auch zu einer kleinen Szene , die H. von Bülow in seinem mehrerwähnten Buche erzählt . » Knyphausen « , so schreibt er , » der viel von seinen ostfriesischen Rindern sprach und sich vielleicht auch von Rheinsberg aus zu ihnen hinsehnen mochte , erhielt zur Strafe für diese beständigen Agrikulturgespräche eine Weste vom Prinzen geschenkt , die mit lauter Rindern bedruckt war . Knyphausen dankte verbindlichst und trug von nun an die Weste tagtäglich wie im Triumph , bis der Prinz eine ungnädige Bemerkung machte , weil er fühlte , daß sich der Stachel gegen ihn selbst gekehrt hatte . « Baron Dodos von Knyphausen politische Wirksamkeit als Gesandter Friedrichs in Paris und London lag vor seiner Rheinsberger Zeit . Er vermählte sich in späteren Jahren mit einer Schwester der Wreechs , weshalb er auch ( an der Seite seiner Gemahlin ) in der Gruft zu Tamsel beigesetzt worden ist . Baron Knesebeck , geb . 1748 , gest . 1828 , mit seinem vollen Namen Karl Franz Paridam Kraft von dem Knesebeck-Mylendonck , war der letzte männliche Sproß aus der Linie Tilsen bei Salzwedel . Seine Mutter war eine Grumbkow , Tochter des bekannten Feldmarschalls unter Friedrich Wilhelm I. , seine Großmutter aber eine Freiin von Mylendonck , durch welche , neben einem bedeutenden Grundbesitz im Geldernschen ( die Herrschaft Frohnenburg ) auch der Name Mylendonck in die Familie kam . Bis 1773 besaß unser Karl Franz Schloß Tilsen , das alte Stammgut der Knesebecks ; als er in letztgenanntem Jahre jedoch die Herrschaft Frohnenburg von einem älteren Bruder ererbte , trat er Schloß Tilsen an einen jüngeren ab . So ging es bis 1793 , wo der Niederrhein unter französische Herrschaft kam . Durch die Einführung neuer Gesetze verlor Knesebeck alles , und zwar derart , daß ihm von Frohnenburg nichts übrigblieb , als ein altes Schloß mit Garten und die auf dem ehemaligen Eigentume haftenden Schulden . So mehr als arm und besitzlos geworden , kehrte er zu seinem Bruder nach Tilsen zurück . Eine eben damals zur Hebung kommende Präbende des Domstifts Magdeburg gewährte ihm eine auskömmliche Existenz . Er hieß gewöhnlich der » Domherr « . Um diese Zeit war es wohl , daß auch seine Beziehungen zum Rheinsberger Hofe wieder aufgenommen wurden . Ganz unterbrochen waren sie nie . Nach der Schlacht bei Jena , als Magdeburg westfälisch wurde , verlor er auch seine Präbende . 1810 starb sein jüngerer Bruder , der Besitzer von Tilsen , kinderlos und das alte Stammgut der Familie , das er in jungen Jahren bereits besessen hatte , kam nun zum zweiten Mal in seine Hand . Er vermachte dasselbe , mit Übergehung der Hannöversch-Wittingenschen Linie , dem Sohne seiner Schwester , die einen Karweschen Knesebeck , also einen Vetter , geheiratet hatte . Dieser Sohn war der spätere Feldmarschall von dem Knesebeck , von dem ich in dem Kapitel » Karwe « ausführlicher gesprochen habe . Mit Karl Franz ist der Name Mylendonck erloschen . Er blieb Kammerherr am Rheinsberger Hofe bis zum Ableben des Prinzen und wird im Testamente desselben mit folgenden Worten erwähnt : » Dem Baron von Mylendonck-Knesebeck , der mir als Page und später als Offizier in meinem Regimente gedient , auch später noch , nachdem er den Abschied genommen , mit unwandelbarer Treue zu meiner Person gestanden hat , vermache ich eine Dose von Lapis Lazuli . Sie trägt einen Karneol in der Mitte und ist oben und unten mit Diamanten besetzt . « Einzelheiten aus seinem Rheinsberger Leben habe ich nicht erfahren können . Die beiden Wreichs . Baron Friedrich von Wreich , der ältere Bruder , war Hofmarschall am Rheinsberger Hofe , Baron Ludwig war Kammerherr . Beide waren Söhne jener schönen Frau von Wreich ( » un teint de lis et de rose « ) , die den Kronprinzen Friedrich , während seines Küstriner Aufenthalts , mit einer leidenschaftlichen Zuneigung erfüllt hatte . Baron Friedrich , wegen seiner Länge » der große Wreech « geheißen , starb 1785 , und Tamsel ging an Baron Ludwig , den jüngeren Bruder , über . Dieser , seit 1786 in den Grafenstand erhoben , war einer der treuesten Anhänger des Prinzen und lebte mehr in Rheinsberg und Berlin , als auf seinem ererbten Gute . Im Sommer 1787 jedoch sah man ihn monatelang in Tamsel , um Schloß und Park für den zugesagten Besuch des Prinzen Heinrich festlich herzurichten . Graf Ludwig hatte lange genug in der Nähe des Prinzen gelebt , um dem Meister auf dem Gebiete der Festlichkeiten wenigstens einiges von seiner Inszenierungskunst abgelauscht zu haben , und als der Prinz im Juli genannten Jahres wirklich in Tamsel erschien , begrüßten ihn Arrangements , wie er sie selber nicht schmeichelhafter und stilvoller hätte herstellen können . Statuen und Inschriften überall , Erinnerungen an siegreiche Schlachten und Mahnungen an Personen , die seinem Herzen teuer gewesen . Halbverdeckt unterm Rasengrün schimmerte ein weißer Sandstein zum Andenken an die schöne Lisette Tauenzien ( erste Gemahlin Tauenziens von Wittenberg , eine geborene von Marschall ) und die eingegrabenen Worte » Rose , elle a vécu ce que vivent les roses – l ' espace du matin « weckten im Herzen des Prinzen ein wehmütiges Gefühl an die früh aus dem Rheinsberger Kreise Geschiedene . Nahe dabei waren die Büsten des Großen Kurfürsten und des Prinzen selbst nebeneinander gestellt , und französische Verse zogen Parallelen zwischen jenem , » der ein Vater flüchtiger Franzosen ward « , und diesem , » der die Herzen aller Franzosen unter das Gesetz seiner geistigen Macht und Schönheit zu zwingen wußte « . Die Hauptüberraschung aber brachte der Abend . Im Rücken von Tamsel , unmittelbar hinter dem Park , liegt eine Wald- und Hügelpartie , durch die sich ein Hohlweg , die Straße nach dem benachbarten Zorndorf , hinzieht . Sei es nun , daß dieser Hohlweg dem Terrain , um dessen Reproduzierung es sich handelte , wirklich ähnlich sah , oder sei es , daß man einfach nahm , was man hatte , gleichviel , der Hohlweg war auf Anordnung des Grafen Ludwig überbrückt worden , um an dieser Stelle die Erstürmung des Passes von Gabel , eine der glänzendsten Waffentaten des Prinzen , noch einmal bildlich zur Darstellung zu bringen . Unten standen die Tamseler und Küstriner , Kopf an Kopf , um Zeuge des prächtigen Schauspiels zu sein , und Feuerwerk und Leuchtkugeln erhellten die Nacht , während Graf Ludwig , von einem der zur Seite liegenden Hügel aus , den Prinzen bis an den Brückeneingang führte . Unter dem Jubel des Volkes überschritt dieser den » Paß « , an dessen Ausgang ihm drei Johanniterritter : Graf Dönhoff , von Schack und von Tauenzien in rotem Kriegskleid und schwarzen Ordensmänteln entgegentraten und auf die transparenten Worte hinwiesen : Henry parait ! il fait se rendre ! Vous fremissez fiers Autrichiens ! Si vous pouviez le voir , si vous pouviez l ' entendre , Vous béniriez le sort qui vous met dans ses mains . Also etwa : Heinrich erscheint und vor seinem Begegnen Zittert Östreich und unterliegt ; – Kenntet ihr ihn , ihr würdet es segnen , Stolze Feinde , daß Er euch besiegt . Die Erinnerung an jenen glänzenden Abend lebt noch bis heute fort . 1795 starb Graf Ludwig Wreech , der letzte seines Geschlechts , und Tamsel ging durch Erbschaft an den Grafen von Dönhoff über . Ein halbes Jahrhundert lang hatten die Wreechs dem Rheinsberger Hofe treulich gedient und aus nicht völlig aufgeklärten Gründen ihre Lebensaufgabe darin gesetzt , den Prinzen Heinrich auf Kosten seines Bruders , des Königs – den sie geradezu haßten – zu verherrlichen . Bogislaw von Tauenzien , der spätere Graf Tauenzien von Wittenberg , Sohn des berühmten Verteidigers von Breslau , gehörte fünfzehn Jahre lang dem Rheinsberger Hofe an . Er war ein ganz besonderer Liebling des Prinzen , der schon 1776 den damals erst sechzehnjährigen Fähnrich von Tauenzien zu seinem Adjutanten ernannte . Bis ganz vor kurzem noch befand sich ein trefflicher alter Stich im Rheinsberger Schloß , der die Szene darstellt , wie der Fähnrich von Tauenzien seine erste Meldung vor dem Prinzen macht . 1778 , bei Ausbruch des Bayerischen Erbfolgekrieges , folgte Tauenzien dem Prinzen nach Sachsen und Böhmen und kehrte mit ihm in das Rheinsberger Stilleben zurück , das nur noch durch die zweimalige Reise des Prinzen nach Paris , 1784 und 1788 , auf längere Zeit unterbrochen wurde . Auf beiden Reisen begleitete Tauenzien den Prinzen , 1784 als Leutnant , 1788 als Kapitän , und gedachte noch in späteren Jahren eben dieses Aufenthalts in der französischen Hauptstadt mit besonderer Dankbarkeit und Vorliebe . Bis 1791 , nachdem er kurz vorher zum Major befördert worden war , blieb er in Rheinsberg , dann aber trat er in die Suite des Königs und ward in den Grafenstand erhoben . Seine Stellung zum Prinzen wurde dadurch sehr schwieriger Natur , und nur Vermutungen lassen sich darüber äußern , in welcher Art er dieser Schwierigkeiten Herr wurde . Das Mißverhältnis zwischen dem König und seinem Onkel ( Prinz Heinrich ) war offenkundig , und Tauenzien stand zwischen zwei Gegnern , die beide Anspruch auf seine Treue und Dankbarkeit hatten . Wir müssen indes annehmen , daß er seiner Aufgabe gewachsen war , der Prinz würde sonst schwerlich eine ganze Reihe von Erinnerungen an Tauenzien um sich geduldet und wert gehalten haben , darunter ein treffliches Ölporträt , das bis diesen Tag den Zimmern des Schlosses verblieben ist . Major von Kaphengst Major von Kaphengst Die Rheinsberger Kirchenglocke trägt auch den Namen » Major von Kaphengst « als Inschrift . Von ihm und dem Schauplatz seines späteren Lebens werden wir ausführlicher zu sprechen haben . Christian Ludwig von Kaphengst ward ungefähr im Jahre 1740 auf seinem väterlichen Gute Gühlitz in der Priegnitz geboren . Wann er an den Rheinsberger Hof kam , ist nicht genau festzustellen gewesen ; sehr wahrscheinlich lernte der Prinz ihn während des Siebenjährigen Krieges kennen ( vielleicht als Offizier im Regimente Prinz Heinrich ) , fand Gefallen an seiner Jugend und Schönheit und nahm ihn nach erfolgtem Friedensschlusse mit nach Rheinsberg . Als Adjutant des Prinzen , eine Stellung , zu der ihn seine geistigen Gaben keineswegs befähigten , stieg er zum Kapitän und bald danach zum Major auf und beherrschte nun den Hof und den Prinzen selbst , dessen Gunstbezeugungen ihn übermütig machten . Der König , der in seiner Sanssouci-Einsamkeit von allem unterrichtet war , mißbilligte , was in Rheinsberg vorging , und wollte dem » Verhältnis « à tout prix ein Ende machen . 1774 überbrachte deshalb ein Page des Königs ( von Wülknitz ) dem Prinzen Heinrich ein königliches Geschenk von 10000 Stück Friedrichsdor , freilich zugleich mit der Order , » daß er den Major von Kaphengst entlassen möge « , eine Order , deren Wortlaut sich hier der Möglichkeit der Mitteilung entzieht . Der Prinz , aller Zuneigung zu seinem Günstling unerachtet , unter dessen Ungebildetheit und Eitelkeit er gelitten haben mochte , gehorchte dem Befehle sofort und tat es um so lieber , als die Entfernung Kaphengsts dem bestehenden Verhältnis nur die Last und Peinlichkeit eines unausgesetzten Verkehrs nahm , ohne das Verhältnis selbst absolut zu lösen . In der Tat , seitens des Prinzen wurde den 10000 Stück Friedrichsdors seines Bruders aus eigenen Mitteln noch ungefähr dieselbe Summe hinzugefügt und nachher unter Anzahlung von zirka 100000 Talern ein drei Meilen von Rheinsberg gelegener Graf Wartenslebenscher Güterkomplex , der die Rittergüter Meseberg , Baumgarten , Schönermark und Rauschendorf umfaßte , gekauft und deren Kaufkontrakt einige Zeit darauf dem Major von Kaphengst als Geschenk überreicht . Kaphengst übersiedelte nunmehr nach dem am Huwenowsee gelegenen Schloß Meseberg ; aber diese Übersiedlung , wie schon angedeutet , war so wenig gleichbedeutend mit Entfremdung , daß vielmehr umgekehrt das gute Einvernehmen zwischen Prinz und Günstling aus diesen zeitweiligen Trennungen nur neue Nahrung zog . Überhaupt , aller klar zutage liegenden Schwächen und Schattenseiten Kaphengsts zum Trotz , muß dem Wesen desselben ein Etwas eigen gewesen sein , das den alternden Prinzen in erklärlicher und dadurch annähernd gerechtfertigter Weise höchst sympathisch berührte . Vielleicht war es nichts weiter als Zynismus , der so leicht einen Reiz auf diejenigen ausübt , deren Beruf und Neigung im allgemeinen auf das geistig Verfeinerte geht . Es ist der Zauber des Kontrastes , ein Sichschadloshalten für anderweit empfundenen Zwang . Nur so vermögen wir uns die Fortdauer des Verhältnisses zwischen Prinz und Günstling zu erklären . Denn wenn von Kaphengsts Habsucht , Wüstheit und Eitelkeit schon in Rheinsberg ihre Proben abgelegt hatten , so verschwanden diese neben dem , was er jetzt in Schloß Meseberg in Szene setzte . Debauchen aller Art lösten sich untereinander ab und die wahnsinnigste Verschwendungssucht griff Platz . Schloß Meseberg war ein kostbarer Besitz , aber in den Augen des verblendeten Günstlings lange nicht kostbar genug . Graf Wartensleben , der durch seine Frau ( eine Erbtochter der dort früher angesessenen Gröbens ) in Besitz Mesebergs und der anderen obengenannten Güter gekommen war , hatte 1739 an der Südspitze des Huwenowsees ein Schloß aufgeführt . Wie ein Zauberschloß liegt es auch heute noch da . Der Reisende , der hier über das benachbarte Plateau hinfährt , dessen öde Fläche nur dann und wann ein Kirchturm oder ein Birkengehölz unterbricht , ahnt nichts von der verschwiegenen Talschlucht an seiner Seite , von der steilabfallenden Tiefe mit Wald und Schloß und See . Dieser letztere , der Huwenowsee geheißen , ist eines jener vielen Wasserbecken , die sich zwischen dem Ruppinschen und dem Mecklenburgischen hinziehen und diesem Landstriche seine Schönheit und seinen Charakter geben . Unbedingte Stille herrscht , die Bäume stehen windgeschützt und rauschen leiser als anderswo , das Geläute der oben weidenden Herde dringt nirgends bis in die Tiefe hinab , und nichts vernehmen wir als den Schnitt der Sense , die neben uns das Gras mäht , oder den Ruck , womit der Angler die Schnur aus dem Wasser zieht . An so romantischer Stelle war es , daß Graf Wartensleben sein Schloß aufführen ließ . Er tat es , wie die Sage geht , um in der Wilhelmstraße zu Berlin nicht ein Gleiches tun zu müssen , denn ein Königlicher Befehl war eben damals erschienen , der jedem Edelmanne von Rang und Vermögen vorschrieb , in der Wilhelmstraße ein Palais zu bauen , falls er nicht nachweisen könne , auf seinen eigenen ländlichen Besitzungen mit Aufführung eines gleich stattlichen Baues beschäftigt zu sein . So entstand denn das » Schloß am Huwenowsee « , und die Pracht , mit der es emporwuchs , übertraf noch die des gleichzeitig im Umbau begriffenen Rheinsberger Schlosses . Die die Fassade bildenden Sandsteinsäulen wurden aus den sächsischen Steinbrüchen , die Marmorkamine von Schlesien her herbeigeschafft ; breite mächtige Steintreppen stiegen bis in das obere Stockwerk , eichene Paneele umliefen die Zimmer , während andere bis an den Plafond hinauf boisiert waren . Kostbare Blumenstücke , wahrscheinlich von der Hand Dubuissons und bis diesen Augenblick in voller Schönheit erhalten , füllten den Raum über den Türen , und eine lateinische , in einem der Kellergewölbe angebrachte Inschrift erzählte von Müntherus , dem Baumeister , » auf dessen Anordnung hier Eichen und Buchen in zahlloser Menge gefällt und die terrassenförmig zum See hinabsteigenden Parkanlagen ins Leben gerufen worden seien « . Der Bau überstieg den Reichtum der reichen Grafen , und er verbaute sich ; Park und Schloß hatten ihm eine Tonne Goldes gekostet . 58 So war Schloß Meseberg , das der Günstling im Jahre 1774 bezog . Aber weit entfernt , wie schon angedeutet , an dieser Pracht ein Genüge zu finden , begann jetzt ein Leben , das sich vorgesetzt zu haben schien , hinter dem Reichsgrafen nicht zurückzubleiben und sich ' s abermals eine Tonne Goldes kosten zu lassen . Neubauten aller Art entstanden , aber nicht Bauten , die darauf ausgewesen wären , das Vorhandene durch Treibhäuser und Orangerien auszuschmücken , sondern Bauten , wie sie dem minder verfeinerten Geschmack und Bedürfnis des Günstlings entsprachen . Ein vollständiger Marstall ward eingerichtet , zwanzig Luxuspferde wurden gehalten , und auf den Atlaskissen der Sofas streckten sich die Windspiele , während eine Meute von Jagdhunden um die Mittagszeit ihr Geheul über den Hof schickte . Spiel , Streit und Aventüren füllten die Zeit , und mit untergelegten Pferden ging es in fünf Stunden nach Berlin , wohin ihn Theater und große Oper zogen , weniger die Oper als der Tanz , und weniger der Tanz als Demoiselle Meroni , die Tänzerin . Der Prinz hatte Kunde von dem allen , und wenn er nicht hundertfältig Ursache gehabt hätte , den Kopf zu schütteln , so hätte ihm doch das Eine Grund vollauf gegeben , » daß an seinen Säckel und seine Großmut in nicht endenwollenden Geldverlegenheiten endlos appelliert wurde « . Schließlich mochte er hoffen , durch eine Verheiratung des ehemaligen Lieblings die Dinge zum Bessern hin ändern zu können , und da von Kaphengst auf diesen Plan willfährig und ohne weiteres einging ( schon um durch Nachgiebigkeit einen Anspruch auf neue Forderungen zu gewinnen ) , kam im Jahre 1789 zu besonderer Freude des Prinzen eine Vermählung zwischen dem Major von Kaphengst und Demoiselle Toussaint zustande . Maria Louise Therese Toussaint war die Tochter des mehr genannten Lekteurs und Bibliothekars , und hatte bei den Aufführungen auf der Rheinsberger Bühne , wie auch sonst wohl , sich die Gunst des Prinzen in hohem Grade zu erringen gewußt . Etwa um 1780 mit einem Herrn von Bilguer in erster Ehe vermählt , war durch den Tod des Herren von Bilguer ihre Hand wieder frei geworden , und als Frau von Kaphengst hielt sie nunmehr ihren Einzug in das schöne Schloß am Huwenowsee . Die seitens des Prinzen gehegten Erwartungen besserer Wirtschaft erwiesen sich bald als eitel und irrig , und nur die Hoffnungen erfüllten sich , die Kaphengst seinerseits an diese seine Vermählung mit der ehemaligen Favoritschauspielerin geknüpft hatte . Denn eine neue Handhabe war gewonnen , sich der Gunst des Prinzen zu versichern . Der jagd- und spielliebende , der streit- und händelsüchtige , mit einem Worte der alte Kaphengst war schließlich in Rheinsberg unbequem geworden , der neue Kaphengst aber , der jetzt , wo die gefeierte Toussaint an der Spitze seines Haushalts stand , klug genug war , die Musen nach Schloß Meseberg hin zu Gast zu laden , erschien dem Prinzen in einem durchaus veränderten Lichte . Zunächst wenigstens . Die Zimmer und Säle rechts neben der großen Halle wurden als Bühne hergerichtet , Kaphengst selbst , mutmaßlich voll Hohn über die Rolle , die ihm zufiel , fungierte als Directeur du théâtre , und unter dem Vollklang französischer Alexandriner vergaß der Prinz gern , wie hohen Eintrittspreis er für all diese Aufführungen zu zahlen hatte , für ein Spiel , das ein Spiel war in jedem Sinne . Noch jetzt markiert sich der ehemalige Bühnenraum , und die kleinen Garderobenzimmer , in denen damals die Schminktöpfchen und die frivolen Bemerkungen zu Haus waren , lassen sich bis diese Stunde noch , wenn auch freilich in ebenso viele Wandschränke verwandelt , in dem zu hinterst gelegenen Parterrezimmer deutlich erkennen . Auch für Abwechslung wußte der kluge Kaphengst zu sorgen , klug , seitdem die Französin die Honneurs des Hauses machte . Der Prinz , nach längerer Abwesenheit im Berliner Palais ( länger als seit Jahren ) , kehrte mit dem Mai nach Rheinsberg zurück und traf , andern Tages schon , als Gast in Schloß Meseberg ein . Er mochte daselbst eine neuinszenierte tragédie , die Einlage eines neuen Tanzes oder Musikstücks erwartet haben , aber eine sehr andere Huldigung war diesmal für ihn vorbereitet . Am Plafond der großen Speisehalle , die zum Empfange des hohen Gastes mit Blumen und Orangerie dekoriert war , hatte , die raschfertige , aber immerhin geniale Hand Bernhard Rodes ein großes Deckengemälde ausgeführt , das , im Geschmack jener Zeit , die Apotheose des Prinzen Heinrich darstellte . Zur Rechten ein Ruhmestempel , dem Genien das Bild des Prinzen entgegentragen ; daneben der bekannte Götterapparat : Minerva , zu deren Füßen das Schwert ruht , und an einem der Opferaltäre die Inschrift : » vota grati animi « . » Nimm dies als die Darbringung eines dankbaren Herzens . « Der Prinz , dessen Eitelkeit leicht zu fangen war , sobald die Schmeichelei nicht platt-prosaisch , sondern wohlstilisiert und im Gewande der Kunst an ihn herantrat , war überrascht und gerührt , und erwies sich wieder , auf Monate hin , als der Hilfbereite , von dessen Gunst und Gnade Gewinn zu ziehen , immer nur Zweck all dieser Huldigungen gewesen war . ( Es entging an jenem Tage dem Auge des Prinzen , wie ' s auch dem Kaphengsts entgangen war , daß Rode , sei es aus Zufall oder aus Malice , die Inschrift : » vota grati animi « nicht ausgeschrieben , sondern die letzte Silbe fortgelassen hatte . Kaphengst , später darauf aufmerksam gemacht , ließ auch noch das i übermalen , so daß die Inschrift jetzt lautet : vota grati an . In der Umgegend lachte man herzlich und nannte ihn Gratian . ) Die Gunst des Prinzen , oft erschüttert und immer wieder befestigt , dauerte bis 1798 . Um diese Zeit aber scheint er sie dem Günstling ein für allemal entzogen zu haben . Wenigstens müssen wir es aus dem Umstande schließen , daß sich Kaphengst in genanntem Jahre schuldenhalber genötigt sah , zwei seiner Güter : Schönermark und Rauschendorf , zu verkaufen . Das Volk erzählte sich und erzählt auch heute noch , » er habe beide in einer Nacht verspielt « . Die beiden an dern Güter , Meseberg und Baumgarten , blieben ihm , wiewohl tief verschuldet , bis zu seinem Tode , der im Januar oder Februar auf Schloß Meseberg erfolgte . Seine Frau starb erst im zweiten Viertel dieses Jahrhunderts . In der Kirche zu Meseberg , wo die Grabsteine der Gröbens vor dem Altar liegen , und von der Wand herab , in Frommen und in Treue , die Bildnisse Ludwigs von der Gröben und seiner siebzehn Kinder blicken , ist kein Stein , der an den wilden Jäger erinnerte , der hier sechsundzwanzig Jahre lang das Land durchtobt . Seine Witwe mochte fühlen , daß das Marmorbild eines Mannes , dem alles Heilige nur Spott gewesen war , nicht in die Kirche gehöre . Seitab in einer Ecke , von einem Fetzen schwarzen Flors umwickelt , der verblaßt und staubig wie ein Stück Spinnweb aussieht , hängt der Galanteriedegen des Galans und Günstlings , und daneben ein rostiges Sporenpaar . Die Kinder im Dorf aber , wenn an Novemberabenden der Wind das abgefallene Laub über die Gasse fegt , fahren zusammen und murmeln ängstlich » Kaphengst kommt « . Graf und Gräfin La Roche-Aymon Graf und Gräfin La Roche-Aymon Es ward immer stiller in Rheinsberg . Von 1796 ab scheint der Kreis nur noch aus vier Personen bestanden zu haben : aus dem Hofmarschall oder Kammerherrn Grafen Roeder , aus dem Adjutanten Graf La Roche-Aymon , aus dem Kammerrat Lebeauld und aus dem Baurat Steinert . Die beiden Wreechs waren tot , Knesebeck lebte noch , tat aber keinen Dienst mehr . Kaphengst jagte , spielte , schwur und grollte , daß der Gunst des Prinzen der goldene Boden ausgeschlagen war . Kein Wunder , daß der alternde Prinz ( er war