, schüttelte die Faust : » Wir halten Wacht beim Wachstein , und wehe denen , so ihn berennen ! Felsen schmettern wir in ihre Reihen ... « - » Gut und Blut für die Herrenkinderla ! « rief der älteste Mann des Dorfes , mit einfältigem Lächeln sich neigend . » Sie sein unsre Gäste - wenn sie möchten fürliebnehmen - wir sein geringe Leute ! « rief man , und ein Weiblein platzte heraus : » Die Preislerin , die hat ' s fürnehmste Häusel . « - » Da hat ' s Speckeier und Brathühnla « , lallte der älteste Mann . » Nu freilich - ein Unterscheid muß halt doch sein zwischen Adelsblut und gemeinen Menschern . « Hellauf lachte das Fräulein unter Tränen . Dreßler entschuldigte : » Halten zu Gnaden ! « Die Preislerin trat aus der Menge und neigte sich : » Hätte mir ' s nicht nehmen lassen , die junge Herrschaft zu bewirten . Ebenfalls den Herrn Rentmeister und unsern Prediger . Wollet mir folgen , meine geehrten Gäste ! « Zum Danke reichte das Fräulein der Witfraue die Hand , und nach einem Grüßen und Vivatruf der Menge wurden die Schaffgotsche zur Glashütte geleitet . Ich ging neben dem Rentmeister und vernahm noch mancherlei von dem Vorgefallenen . » Eine Parteiung « - erzählte er - » zerreißt die kaiserische Armada . Wallensteinisch sind die einen , höfisch die anderen . Unser Herr hat stets zu Wallenstein gehalten ; der hinwiederum hat nicht vergessen , daß der Steinauer Lorbeer insonderheit den Schaffgotschischen Dragonern zu verdanken . Im Januar ist unser Herr im Pilsener Hauptquartier gewesen und hat aus Wallensteins eigenem Munde seine Ernennung zum Obergeneral aller schlesischen Völker vernommen . Wie er dann aber in Glogau seine neue Charge dem Generalleutnant Gallas meldet , schüttelt dieser spöttisch das Haupt und weiset einen schriftlichen Armeebefehl vor , wonach Colloredo der schlesische Obergeneral ist . Da stund unser Herr , der mir selber solche Kränkung geklagt hat , wie ein Schulbub errötend und zähneknirschend . Unter Vorbehalt weiterer Schritte hat er Urlaub genommen und nach längerer Ratlosigkeit einen Diener , den hurtigen Trompeterhans , nach Pilsen zum Generalissimo gesandt und um Aufklärung ersucht . Doch bevor der Trompeterhans zurücke war , hat die Verhaftung unseres Herrn stattgefunden . « - » Und welchen Bescheid hat schließlich der Trompeterhans aus Pilsen gebracht ? « - » Er ist noch immer nicht zurück . Seit ein paar Wochen haben wir schier jeden Tag gesprochen : Heut muß er endlich kommen . Gebe Gott , daß ihm nichts Schlimmes widerfahren ist . Seltsamerweis konnten wir auch über die Vorgänge im Hauptquartier nichts Gewisses in Erfahrung bringen - als seien alle Botschaften dorther abgeschnitten . Ein Gerücht will wissen , der Kaiser habe den Wallenstein abermals abgesetzt . Wallenstein aber wolle sich das nicht gefallen lassen und wende sich gegen den Hof ; wolle mit den Sachsen rasch Frieden schließen , ihre Truppen an die seinen angliedern und den Kaiser zu Wien besuchen . Anders , so scheint ' s , gibt der Kaiser nicht nach ; abpochen muß man ihm , was not tuet . Es wäre wohl besser gewesen , unser Herr Schaffgotsch hätte das früher eingesehen und nicht so lange mit der Tat gezögert . Hätte sollen dem Colloredo zuvorkommen und diesen selber beim Kopfe nehmen , den Gallas dazu und die ganze welsche Canaglia , so uns am Marke zehrt , den Piccolomini und Collalto , Diodati und Caretto , Maradas und Mora ... « Während dieser Rede hatten sich die Schaffgotschischen Knaben an uns herangemacht und lauschend ihre zagen Herzlein mit Hoffnung geletzet . In Preislers warmer Balkenstube , wo Brathühnla und Speckeier tatsächlich dufteten , tauete die kindliche Munterkeit auf , indessen ich mit dem Rentmeister beim Biere des weitern über die Zeitläufte redete . Der Herr legte dar , weshalb neuerdings der alte Gegensatz zwischen Wallenstein und dem Hofe zur ärgsten Schärfe geraten sei . Zwar zuerst nach dem Siege bei Steinau schien der Jubel zu Wien kein Ende zu nehmen , und Wallenstein war der glorreichste Held . Im Spätherbst jedoch gab es lange und bleiche Gesichter , da auf einmal der Weimaraner Bernhard die Hand auf Regensburg gelegt hatte , den Schlüssel zu Österreich und Bayern . Der Kaiser machte für solch gefährliche Schlappe den Wallenstein verantwortlich , weil dieser den Süden vernachlässigt habe . Vom Kaiser herbeigerufen , versuchte Wallenstein zuerst , in Eilmärschen Entsatz zu bringen , blieb aber auf halbem Wege in böhmischen Winterquartieren liegen . Zur Rechtfertigung machte er geltend , ein Winterfeldzug werde das Heer ruinieren , die Soldateska werde entweder meutern oder desperieren und krepieren . Nun flüsterten die Höflinge , der Generalissimus sei ein gar zu großer Herre worden und habe Absichten auf die böhmische Krone . Wallenstein , der wohl sah , wie man in Wien seine Stellung untergrub , suchte sich der Treue seines Heeres zu versichern . So kam im Jänner jener Oberstenkonvent im Pilsener Hauptquartier zustande , dem auch Herr Schaffgotsch beiwohnte ; einer seiner Diener hat mir davon Bericht gegeben . Den aus allen Lagern herbeigerufenen Kommandanten ließ der bettlägerige Generalissimus durch Feldmarschall Ilow eröffnen , wie er der ewigen Verdächtigungen und Zumutungen von Wien müde und höchlich disgustiert , überdies alt und gichtbrüchig sei und deshalb lieber auf sein Generalat verzichten und ins private Leben zurücktreten wolle . Darob gerieten die Herren in nicht geringe Bestürzung . Weil viele ihre Regimenter aus eigenem Beutel geworben und all ihre Wohlfahrt in die Armada gesteckt hatten , so liefen sie Gefahr , alles zu verlieren , sintemalen sie allein in Wallenstein ihre Bürgschaft sahen . Ihn umzustimmen und zum Ausharren zu veranlassen , sollte ein Bankett verhelfen , das Ilow in seinem Losamente gab . Nach dem Mittagsmahle blies Ilow die vom Weine schon heißen Köpfe durch eine Ansprache zur Glut an . Der Hof wolle die Armada um Quartier , Sold und Beute bringen . Die Pfaffen hätten einen Anschlag auf Herzog Wallenstein gemacht und ihn mit Gifte vergeben wollen . Der Herzog bedeute nicht bloß des Reiches , sondern zugleich des Kaisers Rettung und müsse zu diesem Ende seine Macht ohne jede Schmälerung gebrauchen . Er sei auch solchem vaterländischen Werke trotz aller Gegenminen immer noch geneigt , wofern die Obersten ihm Treue schwüren , seine Person und die Armada zu konservieren . » Der das nit tuet , soll vertilgt werden « , ruft Herzog Julius Heinrich . Und wie der hitzige Losy alle Obersten , so nicht mitmachen mögen , vor Hundsnasen ausschreiet , antwortet ihm einer aufbrausend , er verdiene , für dies Wort zum Fenster hinausgeworfen zu werden . Der Kroat Isolano sucht den Tumult mit gezogenem Degen zu stillen und vermehrt ihn nur . Piccolomini gerät mit Tercky in Wortwechsel , heißet ihn einen traditore , heuchelt indessen Trunkenheit und hüpft lachend mit Isolano umher , worauf sich Tercky beschwichtigen läßt . Inzwischen wird ein zu Papier gebrachter Schluß zur Unterzeichnung aufgelegt , der die Offiziere an Stelle eines körperlichen Eides verpflichtet , zum Friedländischen Herzog ohne Absonderung zu halten , wohingegen dieser beim Heer bleiben solle . Die Unterschriften wurden der Reihe nach geleistet ; auf den Herzog Julius Heinrich und den Feldmarschall Ilow folgte Herr Schaffgotsch . Manche unterzeichneten rasch , andere unter Bedenken und dissimilando . Etliche , die nicht ganz eingeweiht waren oder so taten , schrien in das Stimmengewirr : » Déchirez la lettre ! Wascherei ! Pochen wir ' s dem Kaiser ab ! « Es war eine volle Mette , und viele mögen sich nach so starkem Trunke kaum entsonnen haben , was alles getan und geredet worden . Doch mitnichten übergangen hat ' s der Wiener Hof , der seine Lauscher und Späher halt mitten unter Wallensteins Vertrauten hat . Für Meuterei schreien die Spaniolen den Pilsener Schluß aus , und der Parteien Feldgeschrei lautet : Hie Ferdinandus - hie Wallenstein ! « - » Ja , « rief ich aus , » Wallenstein ist der Mann , unser armes Vaterland zu retten . Wenn ' s doch wahr wäre , daß er die böhmische Krone erstrebt ! Ich wünschte ihm gar des Reiches Krone . Er würde die Fürsten und Pfaffen bändigen , den Welschen heimleuchten und den teutschen Stämmen nach dem schändlichen Bruderzwiste Ruhe und Erholung gönnen . Auf der Grundlage eines Toleranzfriedens ! Doch freilich , Gott sei ' s geklagt , der Pfaff will keine Toleranz , die Soldateska keinen Frieden , und der Kaiser ist diesen Fressern unserer Landeskraft zu Willen . Donner und Hagel ! So zwinge doch Wallenstein seinen patriotischen Willen dem Ferdinando auf ! « » Der Trompeterhans ! « rief auf einmal einer der Junker , so am Fenster gesessen war , und stürmte zur Stube hinaus . Pferdetrappen nahte , und durchs Fenster spähend , sagte der Rentmeister : » Wahrlich , der Trompeterhans - er bringt Botschaft von Wallenstein . « Wir eilten vor die Tür , und da stieg ein Reiter ab , ein junger Gesell mit sprossendem Bart , in rotem Wams , bewaffnet . Kurz und leicht war er , doch sehnig , behend , feurigen Auges . » Was bringst du ? « rief der Rentmeister . Ein düsterer Blick war die Antwort , und wir errieten , daß es eine Hiobspost sei . Der Trompeterhans grüßte die jungen Schaffgotsche und den Rentschreiber , atmete tief und brachte heraus : » Wallenstein ist hin - gemeuchelt haben ihn die Kaiserischen ! « Nach dieser grauenvollen Mär war mir zuerst , als narre mich ein böser Traum . Wallenstein ermordet ? Unsere große Hoffnung mit einem Schlage vernichtet ? Wie denn ? Der reichste Fürst , der gewaltigste Söldnerführer , von dem alles zitterte , der Kriegsgott , der des Vaterlandes Schicksal in Händen hielt , er sollte auf einmal hin sein ? Und gar gemeuchelt ? Wir waren bleich und rangen nach Odem . Es quälte mich , daß die Sonne schien und eine Lerche trillerte . Wir gingen langsam in die Balkenstube . Der Trompeterhans nahm den dargereichten Trunk , setzte sich zum Herd und kam mit dem Bericht heraus : » Nahe bei Pilsen , in einer Dorfschenke , vernehm ich , der Wallenstein sei zween Tage zuvor nach Eger aufgebrochen , wo er sicherer sei und näher den Schweden , denen er sich nun gänzlich in die Arme werfen wolle ... « - » Den Schweden ? « unterbrach der Rentmeister bestürzt . » Ja , dem Feinde ! « antwortete der Trompeterhans . » Vom Kaiser geächtet , wollte er halt sein Leben retten . « - » Er hatte doch den Wall seiner Regimenter um sich ! « - » Keinen Wall ! Verlassen hatten ihn sein falscher Freund Piccolomini , Diodati und mehrere Regimenter . Nur noch fünf Kompagnien hielten zu Wallenstein . Nicht mehr stolz zu Rosse kommandierte er seine Völker . In einer alten Sänfte , von Pferden getragen , barg er den siechen , von Schmerz zerwühlten Leib , und einer Flucht glich dieser Zug . Nur wenige Getreue umgaben den Herzog , seine Schwäher Ilow und Tercky nebst deren Gemahlinnen , etliche Karreten und Sänften . Den Beschluß machte ein tückischer Ausländer namens Buttler mit seinen Dragonern . Das war der Judas , der seinen Meister verkaufte . In Mies , wo Wallenstein übernachtet hatte , erfuhr ich , wie schlecht es mit ihm stehe , und in Plana kam mir gar ein Patent vom Hofe unter die Augen ; der Kaiser - so hieß es darin - erkläre den Herzog von Friedland für einen Majestätsverbrecher und lasse ihn durch Gallas , Piccolomini und Maradas lebendig oder tot einholen . Am nächsten Tage sah ich hinter dem Flusse Eger die Burg mit ihrem Turme und die Stadtkirche in die graue Winterluft ragen und meldete mich bei der Torwache als Kurier für den Herzog von Friedland ... « - » Und hast ihn gesprochen ? « fragte der Rentmeister ungeduldig . Der Trompeterhans schüttelte das Haupt : » Man hat mich nicht zu ihm gelassen . Oberst Gordon , der Kommandant von Eger , war bereits abtrünnig und mit Buttler einig , den Herzog und seine Partei umzubringen . Ich witterte Unrat , da man mich unter einem Vorwande entwaffnet und auf die Burgwache gebracht hatte . Dorten ward mir gewiß , ich sei ein Gefangener . Durch das Gitterfenster der Wachtstube konnt ich hören , teilweise auch sehen , was auf dem Burghofe und im Bankettsaale vor sich ging . Während , wie es hieß , der kranke Herzog von Friedland in der Bürgermeisterei am Ringe seine einsame Erholung suchte , hatten seine Vertrauten , die Grafen Kinsky und Tercky , der Feldmarschall Ilow und der Rittmeister Neumann , die Einladung des hinterhaltigen Gordon zur fröhlichen Tafel angenommen . Da nach dem Schmause die Fenster geöffnet wurden , konnte man hören , wie der Wein die Zungen gelöst hatte . Ein Wallensteinischer prahlte , in wenigen Tagen werde der Herzog eine Armee zusammengebracht haben , der ganz Europien nicht widerstehen könne . Ein anderer rief im Übermut der Trunkenheit : Ihr Brüder , wahrlich ich will mein Haupt nicht eher sanfte legen , als bis diese Hand in Habsburgs Blute gewaschen ist , - ja in Habsburgs Blute , dixi ! Lautlos still ward alles , dann ging neues Toben los . Soeben war Friedlands Wohl getrunken , als im Hofe dumpf Waffen klirrten und Soldaten sachte schritten . Auf einmal rief eine Stimme im Bankettsaale : Nieder mit Friedland ! Viva la casa d ' Austria ! Holla , wer ist gut habsburgisch ? Dies war das Feldgeschrei für die kaiserische Partei und das verabredete Zeichen zum Beginne der Mörderei . Unter solchen Rufen hatten Gordon , Leslie und Buttler die drei Kerzenleuchter vom Tische genommen und sich auf die Seite begeben , indessen andrerseits Dragoner mit blanker Waffe auf die überraschten Freunde Wallensteins eindrangen . Und nun ging ein Waffenrasseln los , ein Hilferufen , Wutgebrüll und Stöhnen . Wie man später sagte , war Kinsky der erste , der in sein Blut sank . Ilow , der seinen Degen von der Wand nehmen will , empfängt den mörderischen Stoß durch den Rücken . Tercky , dem es gelingt , seines Degens habhaft zu werden , wehrt sich wie ein Leu . An die Wand gelehnt , fordert er Gordon und Buttler als schändliche Verräter heraus , ritterlich mit ihm zu fechten . Die Dragoner , von denen er schon zwei niedergestreckt hat , stutzen vor seinen Hieben und Stößen und halten ihn schon für gefeit und gefroren , indem sein Lederkoller wie ein Panzer schützt . Da findet Deveroux mit schlitzendem Dolche den Weg zum Herzen , und dies hat ausgeschlagen . Neumann ist zwar aus dem Saale entronnen , doch nur , um in die Spieße der Außenposten zu stürzen . Gleich mir und der ganzen Wachtstube hatten die in einem Gemache neben dem Saale speisenden Diener das Hilfegeschrei ihrer Herren vernommen , konnten aber nicht beistehen , da sie eingesperrt waren . Wohl sprangen etliche aus dem Fenster , wurden jedoch von den unten postierten Soldaten niedergemacht . Ein einziger entkam aus der Burg und rannte , während eine Kugel hinter ihm drein in die Nacht sauste , zur Bürgermeisterei , um den Frauen der getöteten Grafen die Schreckenspost zu überbringen . Schaurig war ' s für mich , manches von diesen Vorfällen aus der Nähe wahrzunehmen , ohne helfen , ja ohne meine friedländische Gesinnung verraten zu dürfen . In der Wachtstube verblieb ich die ganze Nacht , von den Soldaten als ein Gefangener gehalten , wiewohl sie kameradschaftlich mit mir redeten und nichts dagegen hatten , daß ich über ihre Schultern durchs Fenster lugte , sobald sich auf dem Hofe etwas zutrug . Bald nach der Mordtat trat der Oberstwachtmeister Leslie zu uns in die Wachtstube und sagte , es sei soeben ein Befehl des Kaisers vollstreckt ; hinfürder gelte nur noch des Kaisers Wille , und man solle Seiner Majestät schwören ; mit der Friedländischen Tyrannei sei es nun endlich aus . Unverzüglich leistete die Wache den verlangten Eid . Drauf beobachteten wir , wie bei Fackelschein die Ermordeten aus dem Burghause in den Hof geschleift und nebeneinander in die Ecke gelegt wurden . Während man in der Wachtstube zechend und knöchelnd disputierte , lag ich auf meinem Strohsack und überlegte , ob Herzog Wallenstein ermordet , gefangen oder entkommen sei , und was aus diesen Ereignissen für unsern Herrn Schaffgotsch zu erwarten . Als der erste Hahn krähte , ward ein Trupp trunkener Offiziere in die Burg eingelassen , und aus ihren Reden entnahmen wir , was in der Stadt vorgefallen war . Bis gegen Mitternacht hatte sich Wallenstein mit seinem Astrologo über das Geheimnis der Sterne beraten und das Verhängnis der kommenden Stunden enthüllen wollen . Seno hatte ihn vor einer großen Gefahr gewarnt , doch nun vermeinte Wallenstein , die Gefahr sei vorüber , und hatte sich zu Bette begeben . An den Fensterscheiben rüttelte der Sturm , und es klirrte ein scharfer Regen . Auf einmal erschallt weibliches Jammergeschrei ; es sind die Gräfinnen Tercky und Kinsky , denen der entsprungene Diener den blutigen Tod ihrer Gatten gemeldet hat . Zugleich stampft die Meuchelbande die Wendeltreppe heran und sprengt die Tür . Im Hemde steht Wallenstein beim Fenster , als Deveroux mit gefällter Partisane auf ihn losstürmt : Bist du der Schelm , der des Kaisers Volk dem Feinde zuführen und der Majestät die Krone vom Haupte reißen will ? Da Wallenstein verächtlich schweigt und die Brust entblößt , seine Arme ausbreitet , so stößt der Mörder zu . Ohne Schmerzenslaut , stumm sinkt der Herzog zu Boden . Ein paar Augenblicke stund die Meuchelbande starr vor ihm , dem sie bisher zitternden Gehorsam entgegenbrachten . Dann vergaß ihre Furia jede Ehrfurcht und vergriff sich an dem Leichnam . Ein paar Dragoner wollten ihn zum Fenster hinauswerfen . Deveroux ließ ihn die Treppe hinunterschleppen und aufs Pflaster legen . Gegen Morgen brachte ihn ein Wagen auf die Burg , wo er neben die anderen Leichen zu liegen kam . Da hab ich ihn gesehen , den Kriegsfürsten , bleich , blutig und starr , in einen roten Teppich wie in einen scharlachenen Königsmantel gehüllt ... « Der Trompeterhans verstummte , während das gräfliche Fräulein aufschluchzete , und die Junker klagten : » Vater ! Was wird nun aus unserm Vater ? « - Nach einem düstern Schweigen fragte der Rentschreiber : » Und wann ist die Untat geschehen ? « - » Am 25. Feber . « - » Den Tag zuvor geschah die Verhaftung unseres Herrn Schaffgotsch . « - » Nicht zeitig « - so fuhr der Trompeterhans fort - » hab ich die Meldung der Vorfälle heimbringen können , da ich erst vor fünf Tagen aus der Egerschen Gefangenschaft entlassen worden bin . « - » Was wird aus unserm Vater ? « klagten die Kinder aufs neue . » Nun ist er auf die gerühmte Klemenz des Hauses Habsburg angewiesen « , sagte der Rentmeister kleinlaut und bitter . Wir trösteten die jungen Schaffgotsche , so gut es gehen wollte . Ich dachte indessen : Da hat nun der kaiserliche Hof neue Beute ; die reichsten Herren des Schlesischen und Böhmischen Gebirges liegen auf der Strecke ; die Güter der Friedländischen Herrschaft sowie Terckys und Kinskys werden konfisziert , und wer weiß , ob nicht auch die Schaffgotschischen an die Reihe kommen . Mir scheint , das Hauptverbrechen unseres Herrn ist sein Reichtum . Den Teufel auch ! Als wir die besten Männer von Schreiberhau zur Beratung versammelt hatten , schlug uns eine neue Hiobspost aus Kemnitz nieder . Der kaiserliche Fiskal von Knobelsdorf schrieb dem Rentmeister , es seien die Schaffgotschischen Güter dem Fisco Ihrer Majestät verfallen ; was aber die Kinder des Freiherrn anlange , so werde ihnen eine Alimentation gewährt , vorausgesetzt , daß sie sich der kaiserlichen Gnade unterwerfen . Nach manchem Hin und Wider der Meinung kamen wir schließlich überein , es sei für die Herrenkinder das Ratsamste , doch lieber nicht im Gebirge versteckt zu bleiben , sondern ins Kemnitzer Schloß zurückzukehren . Schwer und grimm war mein Herz , als ich diesen Abend den einsamen Gang zur Abendburg tat . Friede ! seufzete ich droben bei meinem Felsen , und in den lichtbesäten Nachthimmel sank mein Schauen ... Friede , warum meidest du wie ein Geächteter das Volk der Erdbewohner ? Ist unsere Kreatürlichkeit daran schuld , daß wir so unaufhörlich in Habgier und Streite lodern , nicht anders denn Holz , wann es angesteckt in Flammen aufgeht ? Von der Erbsünde reden die Gottesgelahrten , und es muß wohl so sein , daß der Mensch durch einen Sündenfall sein ganz Geschlecht aus dem Garten Eden verbannt . Selbstsüchtig hat die Kreatur sich abgesondert von der Einigkeit ihres Ursprungs und ist dem Schweifen in der Fremde verfallen , wie der verlorene Sohn , oder wie der Engel Luzifer , so in den Abgrund stürzte . Und nun - was kann die verlorene , vereinsamte Seele erlösen und heimführen ? Zerreißen muß sie den Schleier des Wahns , es seien die Geschöpfe genötigt , einander zu befehden . Das brauchen sie mitnichten ; vielmehr soll sich eines im andern wiederfinden und mit ihm heimkehren zum allgemeinsamen Vatergrunde . Oh ich ahne die Seligkeit dieser Heimkehr . Du gabst sie mir zu kosten , meine Thekla ! Drum glaub ich gern , was die Sprachkundigen sagen : der Name Thekla sei griechisch und bedeute » Gottesschlüssel « . Allerdings hast du , Geliebte , mir aufgeschlossen das Sternenland , wo Ich und Du im Ewigeinen zusammenfließen . O Schwester fern im Sternenland , Ich grüße dich mit heißem Weinen . All meine Tiefen sind entbrannt , Mich deinem Lichte fromm zu einen . Du mahnest an den Vatergrund , Der uns einander eingeboren . Ein Sündenwahn zerriß den Bund ; Mein Garten Eden ging verloren . Geschieden aus der Ewigkeit , Trieb ich der Fremde nach vermessen . Fort spülte mich die Woge Zeit - Und meine Schwester war vergessen . Doch eines Nachts am Felsenstrand , Als dumpf das Lied der Öde toste , Da ward ich heimlich süß gebannt , Weil mich ein Sternenauge koste . Du warst es , und ich sog den Seim Der alten Lieb aus diesem Auge . Nun fühl ich treu , wo ich daheim , Und daß ich noch zur Heimkehr tauge . Nun trag ich treu der Fremde Not Und sehne mich zur Strahlenferne - Bis alle Fremdheit in mir tot .. O selig Grab im Schwestersterne ! Es war an einem Abend des Julimonds , und ich molk meine Ziegen , als der Oheim nebst einem Fremden auf meine Klause zuschritt . Der war jung , von hohem , schlankem Wuchse , hatte große stahlblaue Augen und schwarzes Haar . Im gebräunten Antlitz sproß der erste Bart. Waffen trug er und sahe wie ein Soldat aus . Als wir einander begrüßt hatten , sprach der Oheim : » Hier ist ein Bote vom Schmiedeberger Stadthauptmann Pretorius , bringet trübe Kunde . Schmiedeberg ist von einer streifenden Partei niedergebrannt . « Seufzend nickte der Bote : » Bis auf wenige zerschlagene Häuser stehet nunmehr alles ganz öde und wüst . « Schweigend sahen wir einander an , verdüstert die Stirnen . Dann fragte ich : » Und hat Er sonst noch etwas von seinem Hauptmann zu vermelden ? « - » Allerdings , « entgegnete der Bote , » Pretorius hat einen Teil der Bürgerschaft in den Meltzer Grund gerettet , wohin kein Feind zu dringen wagt . Wir haben ein wenig Vieh und Getreide . Das genügt indessen nicht , und so hat Herr Pretorius Boten in die unterschiedlichen Ortschaften des Gebirges abgesandt , anzufragen , ob für Geld und gute Worte Lebensmittel zu haben seien . Ich bin nach Schreiberhau gekommen , und der Gemeinderat ist meiner Bitte , wie es scheint , geneigt , hat es aber für ratsam befunden , den Herrn Johannes um seine Meinung zu befragen . Da bin ich nun , dein Oheim hat mich hergeleitet . Du wohnest hier dem Himmelslichte nahe und predigest , wie ich vernehme , so wahr , daß ich hoffen darf , auch du wirst uns Lebensmittel bewilligen . « - » Ich stimme bei , « entgegnete ich , » in diesen schlimmen Zeiten sollen wir Bergbewohner zusammenhalten . « Der Bote blickte dankbar und drückte meine Hand . Dann betrachtete er meine Balkenklause , Felsen , Stall und Ziegenweide und schaute über die Bergwälder zur blauen Ferne . Im Seufzer schien ihm eine Bürde vom Herzen zu sinken . » Hier ist es still ; wir Schmiedeberger wissen kaum noch , was Frieden ist . « Nachdem er wieder in Sinnen verfallen , meinte er mit traurigem Lächeln : » Denket nur , selbst das Vieh ist der Kriegsunruhe so gewohnt , daß es ohne Antreiben der Hirten auf die Stadt zulief , sobald man anfing , mit dem besondern Hammer die Sturmglocke zu schlagen . Die Tiere wußten dann sogleich , daß Feinde kommen . « Bitter fügte er hinzu : » Freilich , durch das viele Anschlagen ist die Sturmglocke zersprungen . « Ich lud meine beiden Gäste ein , mit mir das Mahl zu teilen und in meinem Gehäus die Nacht zuzubringen . Da der Bote gern einwilligte , so gingen wir in die Balkenklause . Ich zündete Kienspäne an und trug Brot , Schinken , Milch und Beerenwein auf . Da wir uns zum Essen hingesetzt hatten , faltete ich nebst Tobias die Hände , der Bote aber tat dies nicht , sondern stützte sein Haupt in die Hand . Als wir nun aßen , konnte ich die Frage nicht zurückhalten : » Wie kommt es , lieber Mann aus Schmiedeberg , daß Er vorhin gesagt hat , ich predige Wahrheit , und daß Er gleichwohl an unserm Gebete nicht teilgenommen hat ? « - » Ich habe teilgenommen , « erwiderte der Bote , » jedoch auf meine Weise . Wir Putzkeller falten beim Beten nicht die Hände , weil wir nicht droben , nicht jenseits den Gott suchen . Wir schmiegen die Stirn in die Hand , weil in solcher Stellung der Mensch nachzusinnen pflegt . Im Sinnen finden wir den Lichtvater , so nicht im Himmel wie ein Regente waltet , sondern innen im Menschenherzen . « - » Recht so , Schmiedeberger , « erwiderte ich , » des Menschen Herz ist die rechte Kirche , wo er beten soll . « Mit unverhohlner Freude sprach der Bote : » So bist du einer der Unseren , gehörst zu den Putzkellern , ohne es zu wissen . « - » Wer sind denn die Putzkeller ? « fragte Tobias , und der Bote antwortete : » Ich habe Euch noch nicht gesagt , daß ich Segebodo heiße , mit dem Beinamen Putzkeller , den auch mein Vater und Großvater führten . So werden seit alter Zeit Anhänger meines Glaubens benamset . Putzkeller waren schon unsere teutschen Urväter , ehe denn die Kirche sie irregeleitet und geknechtet hat . « - » Ei , was glauben denn die Putzkeller sonst noch ? « fragte ich , » will Er zum Exempel offenbaren , wie Sein still Gebet gelautet hat ? « - » Das will ich « , entgegnete Segebodo , stützte dann seinen Kopf auf die Hand und raunte feierlich : » Licht-Vader use ! Tovorn wärstu ower uns , Nu awers bistu under uns , Un dyn Ryk shall warden binnen uns . « » Hast du verstanden , Tobias ? « sprach ich zum Oheim ; » er hat eine ähnliche Mundart , wie man sie im Magdeburgischen redet . Er betet : Licht-Vater unser , zuvor warst du über uns , nun aber bist du unter uns , und dein Reich soll werden innen uns . Fürwahr , ein schön Gebet . Segebodo , sag Er mir , aus welchem Gaue teutschen Landes Er stammt . « - » Im Harzgebirg bin ich geboren , zu Elbingerode , nahe dem Berge Brocken . « - » Und wie kam es , daß Er nach Schmiedeberg verschlagen ward ? « - » Mein Vater , das Haupt unserer heimlichen Gemeinde , hat , da ich zwanzig , meine Schwester Berthulde achtzehn Jahre zählte , zu uns gesprochen : Nun gehet , wie es sich für Erleuchtete geziemet , hinaus in die Welt und kündet den blinden Geschwistern das Heil ! So bin ich mit Berthulden zunächst nach Goslar kommen . Daselbst haben sie an Berthulden ein Ärgernis genommen und sie der Hexerei angeschuldigt . Beide aber sind wir entwichen und nach den Schlesischen Bergen gezogen . « - Tobias erstaunte : » Wie denn ? Eine Hexe soll deine Schwester sein ? « Und ich fügte hinzu : » Was hat sie denn getan ? « - » Eine Lichtjungfer ist sie « , entgegnete Segebodo ; » das will heißen , sie ist geweiht , fromme Dienste zu tun , wenn wir in heiliger Nacht den Vater des Lichts mit Flammen feiern , wie es von alters her auf dem Brocken geschieht . « - » Wie feiert ihr denn ? « fragte ich . Segebodo schlug die Augen nieder : » Nichts für ungut , wenn ich auf diese Frage schweige . Unsern Lichtdienst offenbaren wir nur den Eingeweihten . Wir haben unsere Geheimnisse . « - » Und ist euer Geheimnis verraten worden ? Hat man euch etwan beim Brockenfeuer belauscht und die Lichtjungfer angegeben ? « - » Nein ! Wir sichern die heilige Handlung vor Beobachtern durch ausgestellte Wachen ; aber zu Goslar hat Berthulde ,