Hier bin ich , o mein Gott ! Die noch viel längere und viel schwerere Reise durch diese Bände schließe ganz genau mit denselben Worten ab . Ich habe einen großen Teil meines Lebens da oben bei ihm und seinen Büchern gesessen , um seinen Worten zu lauschen und sie in mir nachklingen zu lassen . Daß ich meinen Stamm durch Kampf und Leid zum Frieden führte , habe ich ihm zu verdanken , und daß man mich als einen guten Hekim kennt , ist auch eines seiner Werke , für welche ihm die Liebe der Dschamikun zu danken hat . Grad die Krankheit , welche auch dich und deinen Halef ergriff , hat früher große und schwere Opfer von uns gefordert . Der Ustad aber hat ihre Macht gebrochen , indem er uns lehrte , wie sie zu behandeln sei . Ahnst du , warum sie so gefährlich sei , gefährlicher als viele , viele andere ? « » Sage es mir ! « » Du weißt es nicht , und eure Aerzte wissen es auch nicht . « » Ich vermute , der langen Betäubung wegen , die sie mit sich bringt . « » Du triffst das Richtige . Aber sage mir , was der Grund dieser Betäubung ist ! « » Die Seele zieht sich vom Körper zurück . « » Ja . Aber warum ? « » Natürlich der Krankheit wegen . « » Du wandelst im Kreise , Effendi . Und du kennst die Seele nicht . Hast du einmal den Ausdruck gute Seele gehört ? « » Ja . « » Böse Seele ? « » Nein . « » Jetzt kommt das Neue , was ich dir sagen wollte . Nämlich es giebt keine böse Seele . Die Seele scheut alles Böse , sogar schon alles Häßliche . Das Böse und das Häßliche hat nur darum so große Macht über uns , weil die Seele davon abgestoßen wird . Sie zieht sich zurück ; dann stehen wir ohne ihren Schutz allein . Der Mensch soll seine Seele nicht versuchen , sondern alles meiden , was sie , die sich nicht beflecken will , beleidigen muß . Er soll sie ja nicht zwingen , sich von ihm , wenn auch nur für die kürzeste Zeit , zu trennen . Hast du schon einmal gesehen , daß ein Mensch in Ohnmacht fällt ? « » Schon oft . « » So wirst du wissen , daß der Grund fast stets ein böser oder häßlicher war . Bei bösen Dünsten , bei häßlichen Gerüchen oder gar bei wirklichem Gestank befindet sich der Mensch nicht wohl ; er atmet schwer ; er kann sogar das Bewußtsein verlieren . Die Seele zieht sich von den Sinnen zurück , welche ihr diese Schmerzen bereiten . Wird dir dein Haus oder Zelt so verunreinigt , daß du es nicht mehr aushalten kannst , so verlässest du es . Nun denke über deine Veilchen und über Halefs Rosen nach ! « » Ah . Ich beginne , zu begreifen ! « » Diese Krankheit löst gewisse , feine Körperteilchen auf , ohne sie aber ausscheiden zu können . Der Verwesungsprozeß beginnt bei lebendem Leibe . Der Geruch wird dir das bewiesen haben . Ich fürchte dein Lächeln und will dir deshalb und einstweilen nur sagen , daß wir die duftenden Rosen und Veilchen nicht etwa nur darum zu euch gestellt und dein Lager mit ihnen bestreut haben , um unsere Nerven des Geruches zu schonen . Es ist vorzugsweise aus andern und tiefern Gründen geschehen . Bin ich ein guter Hekim , so habe ich mein Augenmerk nicht allein auf den Körper , sondern auch auf die Seele zu richten . Ich muß aus allen Kräften und mit allen Mitteln dahin wirken , daß sie sich nicht gänzlich vom Körper loslöse . Du ahnst nicht , wie oft du während deiner langen Bewußtlosigkeit im reinigenden Wasser gelegen hast . Diese Bäder haben noch ganz andere Gründe als nur die Säuberung des kranken Körpers ! Lächelst du ? « » Nein . « » Es schien mir so ! Wenn die Zersetzung des Körpers so weit vorgeschritten ist , daß die Seele die Sinne nicht mehr berühren kann , dann ist der Kranke aufzugeben . Darum setzte ich bei Halef meine Hoffnung darauf , daß er noch werde sehen , hören und sprechen können . Sie hat mich nicht betrogen . Aber die Seele des Leidenden darf nicht bloß können , sondern sie muß auch wollen . Es war ein wunderbar glücklicher Gedanke von dir , zu den Haddedihn zu schicken , daß Kara Ben Halef kommen solle . Und die vortreffliche Wirkung wird dadurch verstärkt , daß er seine Mutter mitgebracht hat . Der Anblick dieser beiden Lieben hat die Seele gezwungen , mit dem Körper verbunden bleiben zu wollen . Denn glaube mir , der Leib hat keine Macht , die Seele zu halten , wenn sie sich nicht halten lassen will oder halten lassen darf ! Gelingt es dem Arzte , dieses seelische Wollen zur Energie zu steigern , so kann er doppelt frohe Hoffnung hegen . Halef kam mir da mit seinem Wunsche entgegen , seinen Sohn zu Pferde und als Krieger sehen zu wollen , und du weißt , wie gern und schnell ich hierauf eingegangen bin . Ich glaube nun , daß er gerettet ist . « » Du glaubst es nur ? « » Ja . « » Wie gern möchte ich hören , daß du überzeugt seist ! « » Wahrte bis morgen ! « » Giebt es da eine Entscheidung ? « » Wahrscheinlich . Halef ist doch , wie ich gesehen habe , ein ausgezeichneter Reiter ? « » Nicht nur das . Er ist mit ganzer Seele bei allem , was das Pferd betrifft . « » Mit ganzer Seele ! Das ist das , was ich wünsche , denn diese seine Seele ist dadurch zu fassen . Ich denke dabei an den Wettritt zwischen euch beiden und uns . Du wirst dabei bemerkt haben , daß ich wahrscheinlich ein guter Scheik oder Hekim , aber kein tadelloser Reiter bin . Der innige Umgang mit dem Ustad hat mir nicht erlaubt , in der notwendigen , immerwährenden Uebung zu bleiben . Wäre das nicht , so hätte ich die Stute besser geritten und wäre von dir wenigstens nicht so schnell eingeholt worden . Ich erinnere mich , daß Halefs Augen leuchteten . Liebt er solche Anstrengungen der Pferde ? « » Ein Wettreiten auf edlen Rossen geht ihm über alles ! « » Wohl ! Es wird bei dem geplanten Feste ein solcher Ritt stattfinden - - - « » Das ist ja in zwei Wochen schon ! « unterbrach ich ihn . » Ich befürchte , daß er da noch zu schwach ist . « » Allerdings . Er soll auch nicht etwa mitreiten . Aber schon das Wort , der Gedanke wird von guter Wirkung auf ihn sein . Ich vermute , daß er morgen nicht nur für einige kurze Minuten erwacht . Finde ich , daß ich es wagen darf , so werde ich ihm über diesen Wettritt eine Bemerkung machen . Wirkt sie so , wie ich erwarte , so wird das geschehen , was du vorhin wünschtest : Mein Glaube , meine Vermutung wird sich in Ueberzeugung verwandeln . Aber freilich , kein Mensch und also auch kein Hekim ist allwissend . Wo wäre ein Sterblicher , der zu sagen vermöchte , was schon im nächsten Augenblicke mit ihm geschehen kann . Aber nach menschlichem Ermessen bist du gerettet , Effendi , und ich hoffe , von dem Hadschi morgen dasselbe sagen zu dürfen . « » Das , o Pedehr , haben wir nur euch zu verdanken , eurer Nächstenliebe und der aufopfernden Pflege , welche - - - « » Still , still ! « unterbrach er mich . » Sprechen wir lieber von dem Geschenk , welches ich dir morgen zu machen gedenke ! « » Ein Geschenk ? Auch noch ? « » Ja . « » Darf ich schon heut erfahren , was es ist ? « » Ja . Denn ich meine , daß man eine Freude nie zu früh bereiten könne . « » Nun , so sage es ! Was ist es ? « » Rate einmal , Sihdi ! « » Unmöglich ! Es giebt so vieles , womit du mich in deiner Güte erfreuen und stützen könntest . « » Stützen , stützen ! Das ist es ja ! Du hast es fast erraten ! « » Also stützen ? Etwa ein Stock ? « » Ja , ein Stock . Du sollst morgen versuchen , zum erstenmal wieder aufrecht zu gehen . Und wenn es nur einige Schritte sind , so wird es dich doch stärken . « » Stärken ! Jetzt bist nun du es , der das richtige Wort getroffen hat . Stärken ! Daß ich daran denken darf , morgen diesen Versuch zu unternehmen , das läßt schon jetzt mich fühlen , daß es mir gelingen wird . Wie doch schon im Gedanken eine so große Wirkung liegt ! « » So schlafe dich recht aus ! Es ist schon spät geworden . Chodeh behüte dich ! « Er ging , und ich that , was er gesagt hatte : Ich schlief bis tief in den nächsten Vormittag hinein . Als ich erwachte , sah ich Hanneh und Kara bei Halef sitzen . Eben kam Schakara vom Vorplatze herein . Sie sah meine Augen offen , nickte mir still zu und glitt wortlos hinaus , um mir meinen Morgentrank zu holen . Da sie ihn mir brachte , wurden die beiden andern auf mich aufmerksam und kamen zu mir herbei . Ich hörte von ihnen , daß Halef zwar noch schlafe , aber sich zuweilen leise bewege . Der Pedehr hatte angeordnet , sofort zu ihm zu schicken , sobald der Kranke die ersten Zeichen gebe , daß er wieder bei sich sei . » Wieder bei sich sei ! « Diese Worte ließen mich an meine gestrige Unterhaltung mit dem Genannten denken . » Wieder bei sich ! « Wer ist dieser » Sich « ? Dieser » Er « oder diese » Sie ? « Dieses Wesen , diese Persönlichkeit ? Nach der Ansicht des Pedehr ist es die Seele . Der » Geist « ist ihm Phantom . Er kennt am Menschen nur den Körper und die Seele . Die letztere ist das eigentliche Wesen . Was nun aber ist der Leib ? Die Seele kann sich von ihm trennen . Unter gewissen Umständen wird aus diesem Können ein Wollen , welches sich sogar - jedenfalls beim Sterben - zum unbedingten Müssen steigert . Ist sie die Herrin und der Leib der Diener ? Oder ist dieses Verhältnis für ihn vielleicht ein noch viel niedrigeres ? Gleicht er einer , allerdings aus Organen zusammengesetzten , Maschine , welche im Schlafe zu ruhen hat , während sie zu dieser Zeit heimkehrt , um für den morgenden Tag neue Aufgaben und neue Kräfte zu empfangen ? Bleibt sie auch während dieses seines Schlafes und während dieser ihrer Abwesenheit durch geheimnisvolle Fäden oder Beziehungen so mit ihm verbunden , daß sie bei jeder Störung zu seinem Schutz zurückgerufen wird ? Und wenn es so ist , wo liegt das Heim , zu dem sie einst am Grabe völlig Rückkehr feiert ? Im Leibe keinesfalls ! Die chemisch-mechanische Thätigkeit gewisser Organe in ihm wird selbst durch die tiefste Ohnmacht nicht beendet , denn diese Kräfte wirken unaufhörlich weiter , bis der dazu nötige Stoff vollständig aufgezehrt worden ist . Aber das willkürliche Leben ist unterbrochen , und alle ihm zugehörigen Bewegungen sind eingestellt , bis sie , die Herrin , wiederkehrt , um den » entseelten « Körper aufs neue zu » beseelen « . Was gestern vom Pedehr hierüber gesagt worden war , das hatte so einfach , so naiv geklungen . Natürlich hatte er unrecht , er , der geistig arme Mann im unkultivierten Kurdenlande ! Mit welch einem unendlich zusammengesetzten und ebenso imponierenden Apparate behandelt dagegen unsere gelehrte Psychologie dieses » Seele « genannte , mit hundert Armen und Beinen zappelnde Gliedertier ! Natürlich hat sie recht , diese auf allen Akademien gepflegte und von allen seelenvollen Menschen anerkannte Wissenschaft ! Und Geist ? Ein Phantom ? Ist es nicht grad der Geist , dem wir diese tiefeingehende , beglückende Wissenschaft über die Seele verdanken ? Ist nicht er es , der uns mit dem Animismus , dem Okkultismus , dem Spiritismus , der Pneumatologie und ähnlichen übersinnlichen Geschenken gesegnet hat ? Und dieser Geist , der die Menschen sogar Geister sehen und mit Geistern sprechen läßt , soll ein Phantom sein ? Pedehr , Pedehr , du bist ein lieber , guter Mensch , bist mein und Halefs Retter , ragst seelisch über Tausende empor , doch muß ich dir es sagen : Du hast nicht eine einzige Spur von Geist ! - Man kann sich denken , daß ich an den Stock dachte , der mir für heut versprochen worden war . Die liebe Ungeduld verleitete mich zu der Bitte an Schakara , ihn mir doch recht bald zu bringen . Sie versprach es lächelnd , that es aber nicht , wenigstens nicht gleich . Es mochte gegen Mittag sein , als Halef die ersten Zeichen gab , daß er erwache . Kara eilte sofort aus der Halle , um den Pedehr zu holen . Als dieser kam , hatte er den Stock in der Hand ; er gab ihn mir . » Ich halte mein Versprechen , « sagte er , » doch warte noch ein wenig . Ich werde dich hinab zu Assil tragen lassen . Dort wirst du im Schatten der Platanen bis zum Abend ungestört sein und dich wohlbefinden . « Kaum hatte er das gesagt , so ließ sich Halefs Stimme hören : » Kara , mein Sohn ! « » Hier , mein Vater , « antwortete der Gerufene , der neben dem Pedehr gestanden hatte und nun hin zu dem Hadschi eilte . » Ich sah dich auf dem Ghalib . Weißt du , wann das war ? « » Gestern war ' s. « » Wo ? « » Hier . « » Hier ? Wo ist das ? « » In dieser Halle . « » Halle ? Warte . Ich will sie sehen ! « Er kehrte seinem Sohne langsam das Gesicht zu und öffnete die Augen . Ihr Blick ging , soweit er reichen konnte , von Person zu Person , von Stelle zu Stelle . Als er mich in meiner Ecke sah , fragte er : » Wer liegt dort ? Ist das nicht mein Sihdi ? « » Ja , ich bin es , mein Halef , « antwortete ich . » O , Sihdi , Sihdi , ich besinne mich . - Ich war sehr krank . - Ich bin es noch . - Ich starb bereits . - Da rief man mich zurück . - Ich hab sehr viel gesehen . - Doch weiß ich es nicht mehr . - Vielleicht fällt es mir wieder ein . - Ich will nicht sterben . - Ob ich wohl noch leben bleibe ? « Er sprach nur in kurzen Sätzen , leise , aber hörbar . Nach jedem Satze sammelte er sich und holte tief Atem . Als eine Weile vergangen war , bat er : » Hanneh - Kara - - steht auf ! - Ich will euch ganz sehen . - Ich liebe euch ! « Sie thaten nach seinem Willen . Da begann sein Auge , sich mehr zu beleben . » Mein Weib ! Wie danke ich dir ! - Mein Sohn ! Wie schön warst du auf deinem Pferde ! - War Ghalib sehr ermüdet ? « » Nur ein einziges Mal , « antwortete Kara . » Hast du für ihn gesorgt ? « » Ja . « » Für Barkh auch ? « » Ja , mein Vater . « » Wenn ich sie sehen könnte ! « Im Nu eilten Hanneh und Kara hinaus , um die Pferde zu holen . Als sie die beiden brachten , kam Assil aus eigener Machtvollkommenheit hinterher gelaufen . Er wußte , wo ich lag , und wendete sich zu mir . Die zwei andern wurden hin zu Halef geführt . Dieser bekam plötzlich Kraft , den Arm erheben zu können . » Barkh , mein Liebling ! - Komm her zu mir ! « sagte er , indem er die Hand nach dem Rappen ausstreckte . Dieser trat ganz zu ihm heran , spielte mit den Ohren und nahm die dargebotene Hand in die Lippen . » Mein Guter ! - Mein Treuer ! - Du hast dich nach mir gesehnt ! - Ich sehe es dir an ! « klagte der Kranke . » Er hat gehungert ! - Wie ist ' s damit ? - Sag mir es , o Pedehr ! « » Es ist so , wie du sagst , « antwortete der Gefragte . » Wenn sie auch nicht gehungert haben , so konnte Schakara sie doch oft nur dadurch zum Fressen bringen , daß sie ihnen ihr grünes Lieblingsfutter gab . « » Wenn ich gesund bin - - - wird Barkh wieder fressen - - wie vorher . - - Aber ob ich nicht - - doch sterben werde ? ! « » Du wirst leben bleiben ! « » Glaubst du das ? « » Ja . « » Wirklich ? « » Gewiß ! Du wirst von heut an so schnell genesen , daß du wahrscheinlich schon bei unserm großen Wettrennen zugegen sein kannst . « » Wettrennen ? « fiel Halef rasch und hörbar kräftig ein . » Giebt es ein Rennen ? « » Ja . « » Wo ? « » Hier . Rund um den See . « » Wann ? « » In zwei Wochen . « » So ein kleiner Ritt ? - Ganz gewöhnlich und gelegentlich ? « » O nein ! Es wird ein großes Fest bei uns gefeiert , zu welchem Tausende von Menschen herbeiströmen werden . Es dauert mehrere Tage , und wir werden vieles thun , die Gäste zu unterhalten . Das Hauptstück wird ein Wettrennen sein , welches aus mehreren Abteilungen besteht . « » Groß ? - Mehrere ? - Hanneh , Hanneh ! - Gieb mir deinen Arm ! - Richte mich auf ! - Das muß ich weiterhören ! - Alles , alles will ich hören ! « Es hatte sich seiner eine Energie bemächtigt , die man vorher für vollständig unmöglich gehalten hätte . Sein Gesicht , sein Blick , seine Stimme , alles , alles war im Handumdrehen anders geworden . Es schien , als ob ganz plötzlich die volle Lebenskraft durch seine Adern pulsiere . » Reg dich nicht auf ! Schone dich ! « warnte der Pedehr . » Aufregen ? Schonen ? « antwortete er . » Ich spreche doch bloß ! Ich strenge mich ja gar nicht an ! « Er machte jetzt zwischen den Sätzen nicht mehr , wie vorher , eine Pause , um Atem zu suchen . » Sag , was für Pferde werden laufen ? « erkundigte er sich . » Es werden nicht bloß Pferde sein . Wir lassen alle Arten der Tiere laufen , die es bei uns giebt , Schafe , Ziegen , Esel , Maultiere , Lastkamele , Reitkamele , gewöhnliche Pferde , und zum Schlusse wird es mehrere Rennen zwischen Tieren edelster Rasse geben . « » Wem gehören sie ? « » Das weiß ich noch nicht . Jeder Gast darf sich beteiligen , und es werden viele kommen , welche gute Renner besitzen . « » Allah , wallah , tallah ! Darf ich mich mit melden ? « » Du ? « » Ja ich ! « » Verzeihe mir , o Scheik der Haddedihn ! Eure drei Pferde werden wahrscheinlich die besten sein , und ich bin sehr überzeugt , daß du rasch gesunden wirst ; aber die zum Reiten nötige Stärke wirst du in zwei Wochen doch noch nicht besitzen . « » Wer hat das gesagt ? Wer wagt es , das zu behaupten ? « » Jeder Hekim muß das sagen ! « » Allah verderbe alle Hekims , die es - - - Nein , Allah verzeihe mir ! Ich will nie wieder solche böse Worte sprechen ! « Hanneh hatte ihn durch Kissen so gestützt , daß er mit dem Oberkörper halb aufrecht lag . Er machte einen geradezu mehr als bloß Hoffnung erweckenden Eindruck . Der Pedehr aber ließ ihn keinen Augenblick aus dem Auge . Wenn er sich auch nichts merken ließ , so war es für ihn doch selbstverständlich , daß auf die jetzige An- oder vielmehr Aufregung die unausbleibliche Abspannung folgen werde . » Wird mein Sihdi in zwei Wochen wieder hergestellt sein ? « erkundigte sich Halef . » Ja ; aber wettreiten darf er mir noch nicht ! « » Du bist grausam . Aber Kara , meinem Sohne wirst du es nicht verbieten ? Er ist nicht krank . « » Ich wünsche sogar , daß er sich beteilige . « » In drei Rennen ? Mit jedem unserer Pferde einmal ? « » Wenn du es wünschest , gern ! « » Oh , wüßte ich doch schon jetzt , was für Renner zu besiegen sein werden ! « » Ich kann dir sagen , daß es feine Perser , vorzügliche Turkmenen und echte Araber geben wird . « » Das ist für heut genug . Kara , mein Sohn , du wirst von jetzt an mit jedem unserer Pferde täglich einen Eilritt unternehmen ! Ueberwache sie beim Füttern und beim Tränken ! Laß sie - - - laß sie biß zur - - - zur Schnelligkeit der Geheimnisse gehen - - - aber zwinge sie - - - ja zu dieser nicht - - - ! « Er begann jetzt wieder , Pausen zu machen . Seine Stimme wurde matter . » Hanneh , laß mich wieder nieder ! « bat er . Sie nahm die stützenden Kissen weg . Nun lag er wieder wie vorher . Da fuhr er langsamer und leiser fort : » Ghalib wird siegen - - - ganz gewiß ! - - - Barkh überholt jedes - - - jedes andere Pferd ! - - - Assil Ben Rih aber wird - - - sie alle mit Leichtigkeit - - - mit Wonne in ihre - - - in ihre Schande rennen ! Mit dem reinen - - - echten Blut der Haddedihn - - - ist kein anderes - - - kein anderes zu vergleichen - - - ! « Er schloß die Augen . Alle waren still . Nach einiger Zeit hörte ich ihn wie befehlend sagen : » Kara - Kara , der Bügel - - - ist zu scharf - - - ! « Der Pedehr nickte befriedigt vor sich hin . Was er dann leise zu Hanneh und ihrem Sohne sagte , konnte ich nicht verstehen . Dann aber kam er her zu mir und sagte : » Ich fürchtete entweder die Gleichgültigkeit oder eine größere Aufregung . Nun bin ich doch zufrieden ! « » Und deine Hoffnung - - - ? « fragte ich . » Ist zur Gewißheit geworden . Wenn keine unvorherzusehende Störung kommt , wird er gerettet sein . Das Rennen wird ihn beschäftigen , auch wenn er zu schlafen scheint . Ja , es wird ihn vielleicht sogar bis in den Traum begleiten . Er wird , wie du gestern sagtest , mit seiner ganzen Seele ununterbrochen bei diesem Rennen sein und sich an diesem Gedanken zum neuen Leben stärken . Dich aber werde ich jetzt hinunter zu den Platanen tragen lassen . Dort magst du den Stock versuchen , bis er dir später nicht mehr nötig ist . « Er ging , und gleich hierauf kamen drei Dschamikun , welche mich hinausbringen sollten . Sie trieben zunächst Assil hinaus , was Kara Veranlassung gab , auch Barkh und Ghalib wegzuführen . Hierbei war das laute Geräusch der Hufe nicht zu vermeiden . Halef bewegte sich . Grad als man mich vom Lager hob , öffnete er die Augen . » Komm her zu mir , Sihdi - - - ! « sagte er , » du sollst - - - etwas hören - - - etwas sehr - - - sehr Wichtiges - - - ! « Man setzte mich bei ihm nieder . » Gieb mir deine Hand ! « bat er . Ich ergriff die seinige . Er sah mir mit seiner alten Innigkeit in die Augen und fuhr mit leiser Stimme fort : » Sihdi - - - wie denkst du - - - über das Sterben ? « » Ich denke überhaupt nicht mehr daran , « antwortete ich . » Ich auch nicht ! - - - Das alte - - - alte Weib - - - ohne Zähne - - - ! Weißt du - - - ? Sie ist fort - - - ! Sie wollte - - - mich zwingen - - - zum Sterben - - - ! Da erfuhr ich - - - daß auch dieses Sterben - - - eine große , große Lüge ist - - - so groß - - - wie es gar keine - - - keine zweite giebt ! - - - Sihdi , leg dein Ohr - - - an meinen Mund - - - ! « Ich folgte dieser Aufforderung , da flüsterte er mir zu : » So lange ich lebte - - - steckte ich im Tabuth94 - - - das ist der Leib - - - ! Ich sollte , - - - sollte , nein - - - ich wollte - - - wollte , nein - - - ich durfte - - - durfte auferstehn ! - - - Da rief jemand - - - im Sarg meinen ganzen - - - ganzen Namen ! - - - Das hielt mich in - - - in ihm - - - von neuem in ihm fest ! - - - Ich war - - - war nicht allein - - - ! Es standen - - - standen - - - ich sah - - - Sihdi , ich kann - - - mich nicht besinnen ! Es fällt mir - - - schon noch wieder ein - - - dann sage - - - sage ich es dir ! « Ich behielt seine Hand in der meinen , während er hierauf längere Zeit ohne Wort und Bewegung lag . Plötzlich zuckte er zusammen und rief mit erhobener Stimme aus : » Sihdi , es giebt ein großes Rennen - - - ! Ich muß essen - - - muß trinken - - - muß stark werden - - - ! Assil - - - mein Barkh - - - und Ghalib , der Ueberwinder - - - ! Ich bin froh - - - daß ich lebe - - - ! Wir werden siegen - - - siegen - - - siegen - - - ! Hamdulillah - - - Hamdulillah - - - Hamdulillah ! « - - - Viertes Kapitel Ein Bluträcher Viele meiner Leser sind , wie ich weiß , in Palästina gewesen . Die Meisten von diesen werden wohl auch , wie einst der Mann im Gleichnisse Christi , von Jerusalem hinab nach Jericho gegangen sein . Er-Riha wird diese Stadt vom heutigen Araber genannt . Von ihr aus geht es über eine alte , verfallene Brücke nach dem fernliegenden » Toten Meere « . Nach der andern Seite führt , an zerlumpten , niedrigen Beduinenzelten vorüber , ein bequemer Weg nach Aïn es Sultan95 , wo die eingeborenen Bettler gern unter Wasser tauchen , um die für sie hineingeworfenen Geldstücke herauszuholen . Trinken aber mag man lieber vor als nach dieser Prozedur ! Geht man von hier aus noch weiter , so sieht man den imposanten Dschebel Qarantel vor sich liegen , der sich aus dem Abgrunde wie ein böser Traum aus tiefem Schlaf erhebt . Seine Einsamkeit hat schon in den frühesten Zeiten anziehend auf fromme Anachoreten gewirkt . Die Höhlen wurden von ihnen bewohnt . Zelle gesellte sich zu Zelle . Sie sind hoch am schwindelnd steilen Fall der Felsen gelegen . Heute wird diese Siedelung als Strafkolonie für griechisch-katholische Priester gebraucht . Warum diese scheinbar unmotivierte Abschweifung nach dem gelobten Lande ? Der Aehnlichkeit der Orte wegen . Ich kann die Lage des von dem Ustad bewohnten , » hohen Hauses « eigentlich nur Denen deutlich machen , welche den Dschebel Qarantel gesehen haben . Und doch wie so verschieden sind sie beide von einander . Bei Jericho jeder Nomade ein geborener Bettler ; hier in dem abgelegenen , kurdischen Orte jeder Bewohner ein Ehrenmann . Dort Einöde , hier das gepflegteste Tier- und Pflanzenleben . Dort abgrundtiefes Grauen und hier ein herzerfreuender Blick von der Höhe in die Tiefe . Dort die unerbittlich geballte Faust der geistlichen Oberbehörde und hier aber die stets gütig geöffnete Hand dessen , der nur von der Liebe zu seiner dominirenden Würde emporgehoben worden war . Auch in Jericho habe ich unter freiem Himmel wiederholt ganze Nächte durchgewacht . Warum ? Der Unsauberkeit und des Ungeziefers wegen , welches mich aus der Wohnung heraus bis an den verwilderten Garten trieb . Da strahlten mir auch die Sterne ; aber die körperliche Qual ließ auch nur häßliche geistige Bilder zu . Ich sah am Tel ed Dem96 den Chan