unterrichteter Mann , empfing uns mit Höflichkeit und Ehrfurcht am Eingange derselben . Er zeigte mir mit mehr Genauigkeit seine Schätze , als ich mit der Rücksicht auf meine Begleiter , denen nichts neu war , für vereinbarlich hielt . Es waren viele Pflanzen aus fremden Weltteilen da , sowohl im warmen als im kalten Hause . Besonders erfreut war er über seine reiche Sammlung von Ananas , die einen eigenen Platz in einem Gewächshause einnahmen . Nicht weit hinter dem Gewächshause stand eine Gruppe von Linden , welche beinahe so schön und so groß waren wie die in dem Garten des Asperhofes . Auch war der Sand unter ihrem Schattendache so rein gefegt , und um die Ähnlichkeit zu vollenden , liefen auf demselben Finken , Ammern , Schwarzkehlchen und andere Vögel so traulich hin wie auf dem Sande des Rosenhauses . Daß Bänke unter den Linden standen , ist natürlich . Die Linde ist der Baum der Wohnlichkeit . Wo wäre eine Linde in deutschen Landen - und gewiß ist es in andern auch so - , unter der nicht eine Bank stände , oder auf der nicht ein Bild hinge , oder neben welcher sich nicht eine Kapelle befände . Die Schönheit ihres Baues , das Überdach ihres Schattens und das gesellige Summen des Lebens in ihren Zweigen ladet dazu ein . Wir gingen in den Schatten der Linden . » Das ist eigentlich der schönste Platz in dem Sternenhofe , « sagte Mathilde , » und jeder , der den Garten besucht , muß hier ein wenig ruhen , daher sollt Ihr auch so tun . « Mit diesen Worten wies sie auf die Bänke , die fast in einem Bogen unter den Stämmen der Linden standen , und hinter denen sich eine Wand grünen Gebüsches aufbaute . Wir setzten uns nieder . Das Summen , wie es jedes Mal in diesen Bäumen ist , war gleichmäßig über unserm Haupte , das stumme Laufen der Vögel über den reinen Sand war vor unsern Augen , und ihr gelegentlicher Aufflug in die Bäume tönte leicht in unsere Ohren . Nach einiger Zeit bemerkte ich , daß auch mit Unterbrechungen ein leises Rauschen hörbar sei , gleichsam als würde es jetzt von einem leichten Lüftchen hergetragen , jetzt nicht . Ich äußerte mich darüber . » Ihr habt recht gehört , « sagte Mathilde , » wir werden die Sache gleich sehen . « Wir erhoben uns und gingen auf einem schmalen Sandpfade durch die Gebüsche , die sich in geringer Entfernung hinter den Linden befanden . Als wir etwa vierzig oder fünfzig Schritte gegangen waren , öffnete sich das Dickicht , und ein freier Platz empfing uns , der rückwärts mit dichtem Grün geschlossen war . Das Grün bestand aus Efeu , welcher eine Mauer von großen Steinen bekleidete , die an ihren beiden Enden riesenhafte Eichen hatte . In der Mitte der Mauer war eine große Öffnung , oben mit einem Bogen begrenzt , gleichsam wie eine große Nische oder wie eine Tempelwölbung . Im Innern dieser Wölbung , die gleichfalls mit Eppich überzogen war , ruhte eine Gestalt von schneeweißem Marmor - ich habe nie ein so schimmerndes und fast durchsichtiges Weiß des Marmors gesehen , das noch besonders merkwürdig wurde durch das umgebende Grün . Die Gestalt war die eines Mädchens , aber weit über die gewöhnliche Lebensgröße , was aber in der Efeuwand und neben den großen Eichen nicht auffiel . Sie stützte das Haupt mit der einen Hand , den anderen Arm hatte sie um ein Gefäß geschlungen , aus welchem Wasser in ein vor ihr befindliches Becken rann . Aus dem Becken fiel das Wasser in eine in den Sand gemauerte Vertiefung , von welcher es als kleines Bächlein in das Gebüsch lief . Wir standen eine Weile , betrachteten die Gestalt und redeten über sie . Eustach und ich kosteten auch mittelst einer alabasternen Schale , die in einer Vertiefung des Efeus stand , von dem frischen Wasser , welches sich aus dem Gefäße ergoß . Hierauf gingen wir hinter der Eppichwand Über eine Steintreppe empor und erstiegen einen kleinen Hügel , auf welchem sich wieder Sitze befanden , die von verschiedenen Gebüschen beschattet waren . Gegen das Haus zu aber gewährten sie die Aussicht . Wir mußten uns hier wieder ein wenig setzen . Zwischen den Eichen , gleichsam wie in einem grünen , knorrigen Rahmen , erschien das Haus . Mit seinem hohen , steilen Dache von altertümlichen Ziegeln und mit seinen breiten und hochgeführten Rauchfängen glich es einer Burg , zwar nicht einer Burg aus den Ritterzeiten , aber doch aus den Jahren , in denen man noch den Harnisch trug , aber schon die weichen Locken der Perücke auf ihn herabfallen ließ . Die Schwere einer solchen Erscheinung sprach sich auch in dem ganzen Bauwerke aus . Zu beiden Seiten des Schlosses sah man die Landschaft und hinten das liebliche Blau der Gebirge . Die dunkeln Gestalten der Linden , unter denen wir gesessen waren , befanden sich weiter links und störten die Aussicht nicht . » Man hat sehr mit Unrecht in neuerer Zeit die Mauern dieses Schlosses mit der weißgrauen Tünche überzogen , « sagte mein Gastfreund , » wahrscheinlich um es freundlicher zu machen , welche Absicht man sehr gerne zu Ende des vorigen Jahrhunderts an den Tag legte . Wenn man die großen Steine , aus denen die Hauptmauern errichtet sind , nicht bestrichen hätte , so würde das natürliche Grau derselben mit dem Rostbraun des Daches und dem Grün der Bäume einen sehr zusammenstimmenden Eindruck gemacht haben . Jetzt aber steht das Schloß da wie eine alte Frau , die weiß gekleidet ist . Ich würde den Versuch machen , wenn das Schloß mein Eigentum wäre , ob man nicht mit Wasser und Bürsten und zuletzt auf trockenem Wege mit einem feinen Meißel die Tünche beseitigen könnte . Alle Jahre eine mäßige Summe darauf verwendet , würde jährlich die Aussicht , des widrigen Anblickes erledigt zu werden , angenehm vermehren . « » Wir können ja den Versuch nahe an der Erde machen und aus der Arbeit einen ungefähren Kostenanschlag verfertigen « , sagte Mathilde ; » denn ich gestehe gerne zu , daß mich auch der Anblick dieser Farbe nicht erfreut , besonders , da die Außenseite der Mauern ganz von Steinen ist , die mit feinen Fugen an einander stoßen , und man also bei Erbauung des Hauses auf keine andere Farbe als die der Steine gerechnet hat . Jetzt ist das Schloß von innen viel natürlicher und , wenn auch nicht an eine Kunstzeit erinnernd , doch in seiner Art zusammen stimmender als von außen . « » Das Grau der Mauer mit den grauen Steinsimsen der Fenster , die nicht ungeschickt gegliedert sind , mit der Höhe und Breite der Fenster , deren Verhältnis zu den festen Zwischenräumen ein richtiges ist , würde , glaube ich , dem Hause ein schöneres Ansehen geben , als man jetzt ahnt « , sagte Eustach . Mir fielen bei dieser Äußerung die Worte ein , welche mein Gastfreund einmal zu mir gesagt hatte , daß alte Geräte in neuen Häusern nicht gut stehen . Ich erinnerte mich , daß in dem Saale und in den alt eingerichteten Gemächern dieses Schlosses die hohen Fenster , die breiten Räume zwischen ihnen und die eigentümlich gestalteten Zimmerdecken den Geräten sehr zum Vorteile gereichten , was in Zimmern der neuen Art gewiß nicht der Fall gewesen wäre . Als wir so sprachen , kamen Natalie und Gustav , die bei der Nymphe des Brunnens zurückgeblieben waren , die Steintreppe zu uns empor . Die Angesichter waren sanft gerötet , die dunkeln Augen blickten heiter in das Freie , und die beiden jugendlichen Gestalten stellten sich mit einer anmutigen Bewegung hinter uns . Von diesem Hügel der Eichenaussicht gingen wir weiter in den Garten zurück , und gelangten endlich in das Gemisch von Ahornen , Buchen , Eichen , Tannen und anderen Bäumen , welches wie ein Wäldchen den Garten schloß . Wir gingen in den Schatten ein , und die Freudenäußerungen und das Geschmetter der Vögel war kaum irgendwo größer als hier . Wir besuchten Stellen , wo man der Natur nachgeholfen hatte , um diese Abteilung noch angenehmer zu machen , und Gustav zeigte mir Bänke , Tischchen und andere Plätze , wo er mit Natalien gesessen war , wo sie gelernt , wo sie als Kinder gespielt hatten . Wir gingen an den wunderbar von Licht und Schatten gesprenkelten Stämmen dahin , wir gingen über die dunkeln und die leuchtenden Stellen der Sandwege , wir gingen an reichen grünenden Büschen , an Ruhebänken und sogar an einer Quelle vorbei , und kamen durch Wendungen , die ich nicht bemerkt hatte , an einer Stelle wieder in den freien Garten zurück , die an der entgegengesetzten Seite von der lag , bei welcher wir das Wäldchen betreten hatten . Wir ließen jetzt die zwei großen Eichen links , eben so die Linden , und gingen auf einem anderen Wege in das Schloß zurück . Das Mittagessen wurde an dem äußerst schönen Grün des Hügels unmittelbar vor dem Hause unter einem Dache von Linnen eingenommen . Am Nachmittage besprachen sich Mathilde und Eustach vorläufig über das , was in Hinsicht der Beschädigungen geschehen könnte , welche die neuen Geräte in den Südzimmern sowie die Fußböden und zum Teile auch die alten Geräte in den Westzimmern in der Zeit erlitten hatten . Gegen Abend wurden der Meierhof und die Wirtschaftsgebäude besucht . So wie Mathilde in dem Rosenhause um den weiblichen Anteil des Hauswesens sich bekümmert , alles , was dahin einschlug , besehen und Anleitungen zu Verbesserungen gegeben hatte : so tat es mein Gastfreund in dem Sternenhofe mit allem , was auf die äußere Verwaltung des Besitzes Bezug hatte , worin er mehr Erfahrung zu haben schien als Mathilde . Er ging in alle Räume , besah die Tiere und ihre Verpflegung , und besah die Anstalten zur Bewahrung oder Umgestaltung der Wirtschaftserzeugnisse . War mir dieses Verhältnis schon in dem Rosenhause ersichtlich gewesen , so war es hier noch mehr der Fall . In den Handlungen meines Gastfreundes und in dem kleinen Teile , den ich von seinen Gesprächen mit Mathilde über häusliche Dinge hörte , zeigte er sich als ein Mann , der mit der Bewirtschaftung eines großen Besitzes vertraut ist , und die Pflichten , die ihm in dieser Hinsicht zufallen , mit Eifer , mit Umsicht und mit einem Blicke über das Ganze erfüllt , ohne eben deshalb die Grenzen zu berühren , innerhalb welcher die Geschäfte einer Frau liegen . Das geschah so natürlich , als müßte es so sein , und als wäre es nicht anders möglich . Von dem Meierhofe gingen wir in die Wiesen und auf die Felder , welche zu der Besitzung gehörten . Wir gingen endlich über die Grenzen des Besitztumes hinaus , gingen über den Boden anderer Menschen , die wir zum Teile arbeitend auf den Feldern trafen , und mit denen wir redeten . Wir gelangten endlich auf eine Anhöhe , die eine große Umsicht gewährte . Wir blieben hier stehen . Das erste , auf das wir blickten , war das Schloß mit seinem grünen Hügel und im Schoße seiner umgürtenden Ahorne und des begrenzenden Gartenwaldes . Dann gingen wir auf andere Punkte über . Man zeigte und nannte mir die einzelnen Häuser , die zerstreut in der Landschaft lagen und durch die Linien von Obstbäumen , die hier überall durch das Land gingen , wie durch grüne Ketten zusammenhingen . Dann kam man auf die entfernteren Ortschaften , deren Türme hier zu erblicken waren . In diesem Stoffe konnte ich schon mehr mitreden , da mir die meisten Orte bekannt waren . Als wir aber mit unsern Augen in die Gebirge gelangten , war ich fast der Bewandertste . Ich geriet nach und nach in das Reden , da man mich um verschiedene Punkte fragte , und sah , daß ich Antwort zu geben wußte . Ich nannte die Berge , deren Spitzen erkennbar hervortraten , ich nannte auch Teile von ihnen , ich bezeichnete die Täler , deren Windungen zu verfolgen waren , zeigte die Schneefelder , bemerkte die Einsattlungen , durch welche Berge oder ganze Gebirgszüge zusammenhingen oder getrennt waren , und suchte die Richtungen zu verdeutlichen , in denen bekannte Gebirgsortschaften lagen oder bekannte Menschenstämme wohnten . Natalie stand neben mir , hörte sehr aufmerksam zu , und fragte sogar um einiges . Als die Sonne untergegangen war und die sanfte Glut von den Gipfeln der Hochgebirge sich verlor , gingen wir in das Schloß zurück . Das Abendessen wurde in dem Speisezimmer eingenommen . So brachten wir mehrere Tage in freundlichem Umgange und in heiteren , mitunter belehrenden Gesprächen hin . Endlich rüsteten wir uns zur Abreise . Am frühesten Morgen war der Wagen bespannt . Mathilde und Natalie waren aufgestanden , um uns Lebewohl zu sagen . Mein Gastfreund nahm Abschied von Mathilde und Natalie , Eustach und Gustav verabschiedeten sich , und ich glaubte auch einige Worte des Dankes für die gütige Aufnahme an Mathilde richten zu müssen . Sie gab eine freundliche Antwort und lud mich ein , bald wieder zu kommen . Selbst zu Natalie sagte ich ein Wort des Abschiedes , das sie leise erwiderte . Wie sie so vor mir stand , begriff ich wieder , wie ich bei ihrem ersten Anblicke auf den Gedanken gekommen war , daß der Mensch doch der höchste Gegenstand für die Zeichnungskunst sei , so süß gehen ihre reinen Augen und so lieb und hold gehen ihre Züge in die Seele des Betrachters . Wir stiegen in den Wagen , fuhren den grünen Rasenhügel hinab , wendeten unsern Weg gegen Norden , und kamen spät in der Nacht im Rosenhause an . Mein Bleiben war nun in diesem Hause nicht mehr lange ; denn ich hatte keine Zeit mehr zu verlieren . Ich packte meine Sachen ein , bezeichnete die Kisten und Koffer , welchen Weg sie zu nehmen hätten , besuchte alle , von denen ich glaubte , Abschied nehmen zu müssen , dankte meinem Gastfreunde für alle Güte und Freundlichkeit , leistete das Versprechen , wieder zu kommen , und wanderte eines Tages über den Rosenhügel hinunter . Da es zu einer Zeit geschah , in welcher Gustav frei war , begleitete er und Eustach mich eine Stunde Weges . Zweiter Band 1. Die Erweiterung Ich ging an den Ort , wo ich meine Arbeiten abgebrochen hatte . Die Leute , welche von meiner Absicht wieder zu kommen unterrichtet waren , hatten mich schon lange erwartet . Der alte Kaspar , welcher mein treuester Begleiter auf meinen Gebirgswanderungen war und meistens in einem Ledersacke die wenigen Lebensmittel trug , welche wir für einen Tag brauchten , hatte schon mehrere Male in dem Ahornwirtshause um mich gefragt , und war gewöhnlich , wie mir die Wirtin sage , ehe er eintrat , ein wenig auf der Gasse stehen geblieben und hatte auf die vielen Fenster , welche von der hölzernen Zimmerung des Hauses auf die Ahorne hinausschauten , empor geblickt , um zu sehen , ob nicht aus einem derselben mein Haupt hervor rage . Jetzt saß er wieder bei mir an dem langen Fichtentische unter den grünen Bäumen , und die andern , denen er Botschaft getan hatte , fanden sich ein . Ich war sehr erfreut , und es rührte mein Herz , als ich sah , daß diese Leute mit Vergnügen mein Wiederkommen ansahen und sich schon auf die Fortsetzung der Arbeit freuten . Ich ging sehr rüstig daran , gleichsam als ob mich mein Gewissen drängte , das , was ich durch die längere Abwesenheit versäumt hatte , einzubringen . Ich arbeitete fleißiger und tätiger als in allen früheren Zeiten , wir durchforschten die Bergwände längs ihrer Einlagerungen in die Talsohlen und in ihren verschiedenen Höhepunkten , die uns zugänglich waren , oder die wir uns durch unsere Hämmer und Meißel zugänglich machten . Wir gingen die Täler entlang und spähten nach Spuren ihrer Zusammensetzungen , und wir begleiteten die Wasser , die in den Tiefen gingen , und untersuchten die Gebilde , welche von ihnen aus entlegenen Stellen hergetragen und immer weiter und weiter geschoben wurden . Der Hauptsammelplatz für uns blieb das Ahornhaus , und wenn wir auch oft länger von demselben abwesend waren und in anderen Gebirgswirtshäusern oder bei Holzknechten oder auf einer Alpe oder gar im Freien übernachteten , so kamen wir in Zwischenräumen doch immer wieder in das Ahornhaus zurück , wir wurden dort als Eingebürgerte betrachtet , meine Leute fanden ihre Schlafstellen im Heu , ich hatte mein beständiges wohleingerichtetes Zimmer , und hatte ein Gelaß , in welches ich meine gesammelten Gegenstände konnte bringen lassen . Oft , wenn ich von dem Arbeiten ermüdet war , oder wenn ich glaubte , in dem Einsammeln meiner Gegenstände genug getan zu haben , saß ich auf der Spitze eines Felsens und schaute sehnsüchtig in die Landschaftsgebilde , welche mich umgaben , oder blickte in einen der Seen nieder , wie sie unser Gebirge mehrere hat , oder betrachtete die dunkle Tiefe einer Schlucht , oder suchte mir in den Moränen eines Gletschers einen Steinbock aus und saß in der Einsamkeit und schaute auf die blaue oder grüne oder schillernde Farbe des Eises . Wenn ich wieder talwärts kam und unter meinen Leuten war , die sich zusammenfanden , war es mir , als sei mir alles wieder klarer und natürlicher . Von einem Jägersmanne , welcher aber mehr ein Herumstreicher war , als daß er an einem Platze durch lange Zeit als ein mit dem Bezirke und mit dem Wildstande vertrauter Jäger gedient hätte , ließ ich mir eine Zither über die Gebirge herüber bringen . Er kannte , eben weil er nirgends lange blieb und an allen Orten schon gedient hatte , das ganze Gebirge genau , und wußte , wo die besten und schönsten Zithern gemacht würden . Er konnte dies darum auch am besten beurteilen , weil er der fertigste und berühmteste Zitherspieler war , den es im Gebirge gab . Er brachte mir eine sehr schöne Zither , deren Griffbrett von rabenschwarzem Holze war , in welchem sich aus Perlenmutter und Elfenbein eingelegte Verzierungen befanden , und auf welchem die Stege von reinem , glänzenden Silber gemacht waren . Die Bretter , sagte mein Bote , könnten von keiner singreicheren Tanne sein ; sie ist von dem Meister gesucht und in guten Zeichen und Jahren eingebracht worden . Die Füßlein der Zither waren elfenbeinerne Kugeln . Und in der Tat , wenn der Jägersmann auf ihr spielte , so meinte ich nie einen süßeren Ton auf einem menschlichen Geräte gehört zu haben . Selbst was Mathilde und Natalie in dem Rosenhause gespielt hatten , war nicht so gewesen ; ich hatte weit und breit nichts gehört , was an die Handhabung der Zither durch diesen Jägersmann erinnerte . Ich ließ ihn gerne in meiner Gegenwart auf meiner Zither spielen , weil ihm keine so klang wie diese , und weil er sagte , sie müsse eingespielt werden . Er wurde mein Lehrer im Zitherspiele , und ich nahm mir vor , da ich sah , daß er meine Zither allen anderen vorzog , ihm , wenn ich Ursache hätte , mit unseren Lehrstunden zufrieden zu sein , eine gleiche zu kaufen . Er hatte nämlich erzählt , daß der Meister mehrere aus dem gleichen Holze wie die meinige und in gleicher Art gefertigt habe . Da sie nun ziemlich teuer gewesen war , so schloß ich , daß der Meister die gleichen nicht so schnell werde verkaufen können , und daß noch eine werde übrig sein , wenn ich meinem Lehrer zu dem gewöhnlichen Lohne , den ich ihm in Geld zugedacht habe , noch dieses Geschenk würde hinzufügen wollen . Ich begann in demselben Sommer auch , mir eine Sammlung von Marmoren anzulegen . Die Stücke , die ich gelegentlich fand , oder die ich mir erwarb , wurden zu kleinen Körpern geschliffen , gleichsam dicken Tafeln , die auf ihren Flächen die Art des Marmors zeigten . Wenn ich größere Stücke fand , so bestimmte ich sie außer dem , daß ich die gleiche Art in Tafeln in die Sammlung tat , zu allerlei Gegenständen , zu kleinen Dingen des Gebrauches auf Schreibtischen , Schreinen , Waschtischen , oder zu Teilen von Geräten oder zu Geräten selbst . Ich hoffte meinem Vater und meiner Mutter eine große Freude zu machen , wenn ich nach und nach als Nebengewinn meiner Arbeiten eine Zierde in ihr Haus oder gar in den Garten brächte ; denn ich sann auch darauf , aus einem Blocke , wenn ich einen fände , der groß genug wäre , ein Wasserbecken machen zu lassen . Im Lautertale fand ich einmal Roland , den Bruder Eustachs . Er hatte in einer alten Kirche gezeichnet , und war jetzt damit beschäftigt , im Gasthause des Lautertales diese Zeichnungen und einige andere , welche er in der Nähe entworfen hatte , mehr in das Reine zu bringen . Es befand sich nämlich nicht weit von Lautertal ein einsamer Hof oder eigentlich mehr ein festes , steinernes schloßartiges Haus , welches einmal einer Familie gehört hatte , die durch Handel mit Gebirgserzeugnissen und durch immer ausgedehnteren Verkehr in viele Gegenden der Erde wohlhabend und durch Entartung ihrer Nachkommen , durch den Leichtsinn derselben und durch Verschwendung wieder arm geworden war . Einer dieses Geschlechtes hatte das große steinerne Haus gebaut . Es gehörte jetzt einem fremden Herrn aus der Stadt , welcher es seiner Lage und seiner Seltenheiten willen gekauft hatte und es zuweilen besuchte . In dem Hause waren schöne Bauwerke , schöne Steinarbeiten und schöne Arbeiten aus Holz , teils in Zimmerdecken , Türen und Fußböden , teils in Geräten . Die Holzarbeit mußte einmal im Gebirge viel blühender gewesen sein als jetzt . Von diesen Gegenständen durfte nichts aus dem Hause gebracht werden , auch wurde von ihnen nichts verkauft . Roland hatte die Erlaubnis erhalten zu zeichnen , was ihm als zeichnungswürdig erscheinen würde . Dieses Zweckes halber hielt er sich im Lautertalwirtshause auf . Ich besuchte mit ihm öfter das Haus , und wir gerieten in mannigfache Gespräche , namentlich wenn wir abends , nachdem wir beide unser Tagewerk getan hatten , an dem Wirtstische in der großen Stube zusammen kamen . Ich fand in ihm einen sehr feurigen Mann von starken Entschlüssen und von heftigem Begehren , sei es , daß ein Gegenstand der Kunst sein Hetz erfüllte , oder daß er sonst etwas in den Bereich seines Wesens zu ziehen strebte . Er verließ diese Stätte früher als ich . Ehe mich meine Geschäfte aus der Gegend führten , fand ich noch etwas , das mich meines Vaters willen sehr freute . Kaspar hatte öfters meinen und Rolands Gesprächen zugehört und mitunter sogar in die Zeichnungen geblickt . Einmal sagte er mir , daß , wenn ich an alten Dingen so ein Vergnügen hätte , er mir etwas zeigen könne , das sehr alt und sehr merkwürdig wäre . Es gehöre einem Holzknechte , der ein Haus , einen Garten und ein kleines Feldwesen habe , das von seinem Weibe und seinen heranwachsenden Kindern besorgt werde . Wir gingen einmal auf meine Anregung in das Haus hinauf , das jenseits eines Waldarmes mitten in einer trockenen Wiese nicht weit von kleinen Feldern und hart an einem großen vereinzelten Steinblocke lag , wie sie sich losgerissen oft im Innern von fruchtbaren Gründen befinden . Das alte Werk , welches ich hier traf , war die Vertäfelung von zwei Fensterpfeilern , ungefähr halbmanneshoch . Es war offenbar der Rest einer viel größeren Vertäfelung , welche in der angegebenen Höhe auf dem Fußboden längs der ganzen Wände eines Zimmers herum gelaufen war . Hier bestanden nur mehr die Verkleidungen von zwei Fensterpfeilern ; aber sie waren vollkommen ganz . Halberhabne Gestalten von Engeln und Knaben , mit Laubwerk umgeben , standen auf einem Sockel und trugen zarte Simse . Der Besitzer des Häuschens hatte die zwei Verkleidungen in seiner Prunkstube so aufgestellt , daß sie mit der unverzierten Höhlung gegen die Stube schauten . In diese Höhlung hatte er geschnitzte und bemalte Heiligenbilder aus neuerer Zeit gestellt . Vermutlich war das Werk einmal in dem steinernen Hause gewesen , und war dort weggekommen , da etwa Nachfolger Veränderungen machten und Gegenstände verschleuderten . Der Besitzer des Wiesenhauses sagte uns , daß sein Großvater die Dinge in einer Versteigerung der Hagermühle gekauft habe , die wegen Verschwendung des Müllers war eingeleitet worden . Meine Nachfragen um die Ergänzungen zu diesen Verkleidungen waren vergeblich , und durch Vermittlung Kaspars erkaufte ich von dem Besitzer die übergebliebenen Reste . Ich ließ Kisten machen , legte die gefugten Teile auseinander , packte sie selber ein , und sendete sie unterdessen in das Ahornhaus zu meinen anderen Dingen . Ich blieb wirklich in jenem Herbste sehr lange im Gebirge . Es lag nicht nur der Schnee schon auf den Bergen , sondern er deckte auch bereits das ganze Land , und man fuhr schon in Schlitten statt in Wägen , als ich von dem Ahornhause Abschied nahm . Ich hatte alle meine Sachen gepackt , und hatte sie voraus gesendet , weil ich im künftigen Jahre nicht mehr in diesem freundlichen Hause , sondern irgend wo anders meinen Aufenthalt würde aufschlagen müssen . Ich sagte allen meinen Leuten Lebewohl , und ging auf der glattgefrorenen Bahn neben dem rauschenden Flusse , der schon Stücke Ufereis ansetzte , in die ebneren Länder hinaus . Mein Weg führte mich in seinem Verlaufe auf Anhöhen dahin , von welchen ich im Norden die Gegend des Rosenhauses und im Süden die des Sternenhofes erblicken konnte . In dem weißen Gewande , welches sich über die Gefilde breitete , und welches von den dunkeln Bändern der Wälder geschnitten war , konnte ich kaum die Hügelgestaltungen erkennen , innerhalb welcher das Haus meines Freundes liegen mußte , noch weniger konnte ich die Umgebungen des Sternenhofes unterscheiden , da ich nie im Winter in dieser Gegend gewesen war . Das aber wußte ich mit Gewißheit , in welcher Richtung das Haus liegen müsse , an dem im vergangenen Sommer so viele Rosen geblüht haben , und in welcher das Schloß , hinter dem die alten Linden standen und die Quelle floß , an der die weibliche Gestalt aus weißem Marmor Wache hielt . Die wohltuenden Fäden , die mich nach beiden Richtungen zogen , wurden von dem stärkeren Bande aufgehoben , das mich zu den lieben , teuren Meinigen führte . Als ich das flache Land erreicht hatte und an dem Orte eingetroffen war , in welchem mich meine Kisten erwarten sollten , übergab ich dieselben , die ich unverletzt vorfand , meinem Frächter zur Beförderung an den Strom und empfahl sie ihm , besonders die mit den Altertümern , auf das angelegentlichste . Am anderen Tage reiste ich in einem Wagen nach . Am Strome ließ ich die Kisten sorgfältig in ein Schiff bringen , und fuhr am nächsten Morgen mit dem nämlichen Schiffe meiner Vaterstadt zu . Ich langte glücklich dort an , ließ meine Habseligkeiten in unser Haus schaffen , packte zuerst die Kiste mit den Altertümern aus , und war beruhigt , als die Holzschnitzereien unversehrt daraus hervor gingen . Die Freude meines Vaters war außerordentlich , die Mutter freute sich des Vaters willen , und die Schwester , deren glänzende Augen bald auf mich , bald auf den Vater schauten , zeigte , daß sie mit mir zufrieden sei . Dieses ließ mir manches vergessen , das beinahe wie eine Sorge in meinem Herzen war . Ich befand mich wieder bei meinen Angehörigen , die mit allen Kräften ihrer Seele an meinem Wohle Anteil nahmen , und dies erfüllte mich mit Ruhe und einer süßen Empfindung , die mir in der letzten Zeit beinahe fremd geworden war . Ich sah am anderen Tage , als ich in das Speisezimmer ging , den Vater , wie er vor den Verkleidungen stand und sie betrachtete . Bald neigte er sich näher zu ihnen , bald kniete er nieder und befühlte manches mit der Hand , oder untersuchte es genauer mit den Augen . Mir klopfte das Hetz vor Freude , und die weißen Haare , welche unter den dunkeln immer häufiger auf seinem Haupte zum Vorschein kamen , erschienen mir doppelt ehrwürdig , und die leichte Falte der Sorge auf seiner Stirne , die in der Arbeit für uns auf diesem Sitze seiner Gedanken entstanden war , während ich meiner Freude nachgehen und die Welt und die Menschen genießen konnte , und während meine Schwester wie eine prachtvolle Rose erblühen durfte , erfüllte mich beinahe mit einer Andacht . Die Mutter kam dazu , er zeigte ihr manches , er erklärte ihr die Stellungen der Gestalten , die Führung und die Schwingung der Stengel und der Blätter und die Einteilung des Ganzen . Die Mutter verstand diese Dinge durch die langjährige Übung viel besser als ich , und ich sah jetzt , daß ich dem Vater etwas weit Schöneres gebracht habe , als ich wußte . Ich nahm mir vor , im nächsten Frühlinge viel genauer nach den zu diesen Verkleidungen noch gehörenden Teilen zu forschen ; ich hatte früher nur im allgemeinen gefragt , jetzt wollte ich aber auf das sorgfältigste in der ganzen Gegend suchen . Nachdem wir noch eine Weile über das Werk geredet hatten , führte mich die Mutter durch alle meine Zimmer und zeigte mir , was man während meiner Abwesenheit getan habe , um mir den Winteraufenthalt recht angenehm zu machen . Die Schwester kam dazu , und da die Mutter fortgegangen war , schlang sie beide Arme um meinen Hals , küßte mich , und sagte