anders eingerichtet ist ; aber was sie vom Recht sagen , das ist man ebenso . Wenn ich ein Frosch wäre , würde ich mich denn , wenn der Storch auf der Wiese spaziert , aufblähen und vor ihm quaken : Du hast kein Recht mich zu fressen ! So mein ich auch , wenn ich ein Edelmann wäre , und der Kurfürst ginge wüthig durch das Land , um die Edelleute zu fahnden , da würde ich mich auch nicht vor mein Schloß stellen , und in die Trompete stoßen und rufen : Hie Kurfürst , hie bin ich , das ist mein Recht ! I bewahre , ich zöge die Brücke auf und ließe das Gitter nieder , und die Fahne nehme ich ab , und thäte , als wenn ich schliefe , bis er vorüber ist . Es stürmt nicht immer , es regnet nicht immer ; wie sollte denn das Korn wachsen . « » Recht muß aber doch Recht bleiben , « wiederholte Hans Jürgen , der jetzt anfing zu verstehen , was der Knecht gemeint . » I freilich , Junker . Wer der stärkste ist , der ist allemal im Recht . Und wer nun schwächer ist , für den kommt auch die Zeit , muß sich nur ducken und schicken , bis es mal umkippt , denn das thut es schon . Wenn der Gestrenge losschlägt , nun lieber Gott , ' s thut ein bischen weh , aber ich hab ' auch schon gelernt , mich zurecht biegen , und am Ende thut ' s mir auch nicht mehr weh , und nachher weiß ich , thut ' s ihm leid , da räuspert er sich , knipst mit Pflaumenkernen nach mir , fragt , was ich denn grunze ? Na , und wenn ich nun fortgrunze , nämlich was so meine Art ist , und komm ' ihm nicht näher , so kommt er mir näher , und da macht sich ' s denn so , manches Mal hat er mir den Bart gestreichelt , und mich ' nen verfluchten , eigensinnigen Kerl gescholten . Da weiß ich , die Glocke hat Feierabend geschlagen . Da muß ich in den Keller . Vergiß Dich auch nicht , Kasper , sagte er . Ja , ich kann ' s wohl sagen , ich hab ' s recht gut in Ziatz , und wenn ich mir was wünschen thu , da weiß ich schon , nach der Prügelsuppe krieg ' ich ' s. O ich könnte noch viel mehr kriegen , aber ausverschämt muß kein Christenmensch nicht sein . Hätt ' s mir auch jetzt gesagt : Kaspar , willst Du nicht nach Brandenburg reiten auf den Markt , und wenn Dir ein Wamms in die Augen sticht , da hast Du ' nen Gulden , aber sag ' s der Frau nicht . Nu so klug bin ich auch . Wer wird denn plaudern ! Aber da sind die Hosen zwischengekommen ; drum geh ' ich das Wamms quitt . « Die Mauern von Spandow wurden jetzt sichtbar . Der Knecht hielt ein wenig an , weil die künftige Klosterfrau ihren Anzug in Ordnung bringen wollte . Da sprach Kaspar wie vor sich hin : » ' S könnt mit den Edelleuten auch besser gehen , meine ich , wenn sie ' s mit dem Kurfürsten machen thäten , wie ich mit meinem Gestrengen . Eigentlich ist ' s Vieh doch klüger als der Mensch « , brummte er fort . » Keine Maus kriecht in keine Speiskammer , wo sie nicht ein Loch gemacht , da sie wieder raus kann . « Hans Jürgens Gedanken gingen ihren eigenen Weg . Agnes , als sie der Stadt sich näherten , drückte ihrem Vetter die Hand : » Ach Hans Jürgen , weißt Du , vorhin auf dem Weg überkam es mich manchmal recht bang , daß ich in ' s Kloster müßte . Aber nun ist mir wieder ganz wohl und leicht um ' s Herz . Da in den Mauern ist der Friede Gottes . Sag ' ihnen das zu Haus . Und Du , armer Hans Jürgen , Du mußt zurück in die Welt voll Ungerechtigkeit ! Was willst Du da anfangen ? - Ach , wenn Du nicht heirathen thust , dann gehst Du auch mal in ' s Kloster . « Hans Jürgen sagte nicht Ja und nicht Nein . » Weil Du ' s gern hast , Agnes , will ich zu den Vettern nach Friesack . Aber blos darum . « » Sie werden itzo nicht hochmüthig sein . Das Unglück macht weich . « » Aus Mitleid ! - Ich will gar nicht , daß Einer sich mein erbarmen soll . « » Bringen Eine von Bredow zu den Ursulinerinnen ! « antwortete der Knecht dem Wachthabenden am Thor , denn schon war der Wagen über die Hangebrücke und hielt unter dem finstern Thor . » Marsch ! « rief der Waibel . » Ach , Hans Jürgen , « sagte Agnes ängstlich , als der Wagen wieder sanfter durch die ungepflasterten Gassen fuhr , » wie grimmig sahst Du den Waibel an ; mir war schon angst , er würde Dich in ' s Thorhaus stecken lassen . « » Mich ärgerte sein kurfürstlicher Rock . « » Nimm Dich in Acht , Hans Jürgen , lieber Junge , daß Dir kein Unglück geschieht . ' S ist schon genug über die Familie kommen . « Sie waren wieder aus der Stadt heraus , der Wagen hielt vor der Klosterpforte . Ein banger Augenblick war ' s für Agnes Bredow , ihr Herz pochte , als der Knecht an der Schelle zog . Den Abschied von ihrem Vetter zu beschreiben , ist nicht unser Wille ; auch nicht den Abschied von der Welt . ' S ist überall gut , einen Abschied kurz zu halten , wer nun nachmals will leben für die Welt oder für den Himmel . Auch durfte sie ihr Vetter noch in den Vorhof begleiten , um sie der Priorin zu übergeben . Dort im Sprechzimmer durfte sie die letzten Worte mit ihm wechseln , die letzten Grüße ihren Lieben senden , den letzten Schwesterkuß ihm auf die Stirne drücken . Aber was sie ihm jetzt noch zu sagen hatte , das schien ihr besser gesprochen unter Gottes freiem Himmel , als da , wo die Heiligen an den Wänden auf ihre Worte lauschten . » Vetter , treibt ' s Dich , und Du kannst nicht anders , so zieh Dein Schwert gegen wen es sei , als ehrlicher Mann . Ist ' s Sünde , wird Gott es Dir verzeihen . Aber lieber Hans Jürgen , thu ' s nicht wie der Kasper sagt . Der Kasper , der mag Recht haben , aber vor Schlägen fürchtest Du Dich doch nicht . Wenn ' s auch klug ist , thu ' s nicht so mit dem Kurfürsten , wie er mit dem Vater . Halt ' auf Dich selbst . « Mit einem frohen Blick schlug er sich an die Brust : » Ich dienen , Männerchen machen , ich schweigen und lügen , damit - Agnes , so wahr - « Sie griff den Arm , den er zu einem Gelöbniß in die Höhe hielt : » Schwören sollst Du nicht . Um Gotteswillen schwöre nichts , denn Niemand weiß - aber lieber Hans Jürgen , so gefällst Du mir . So sollte Dich Eva sehen . « Sie wandte sich rasch ab , sie ergriff seine Hand , und mit hastigen Schritten eilte sie der Schwelle und der Thür zu , die jetzt in ihren Angeln knarrte , um hinter ihr - sich auf immer zu verschließen . Neunzehntes Kapitel . Der Ueberfall . Im Anfang war Frau von Bredow sehr traurig gewesen ; aber man kann nicht immer traurig sein . Der Knecht Ruprecht hatte die Kibitze wieder zwitschern gehört im Schilf . » Das ist ein gut Zeichen , gestrenge Frau ! « Er hatte die Tauben gezählt , und es fehlte keine . » Da stirbt im Jahr keiner aus dem Haus . « Und am Abend des Tages , wo Hans Jürgen mit Agnes nach Spandow gefahren , flogen drei Kraniche über die Burg . » Die Kraniche , Gestrenge , mit denen hat ' s was Eigenes . Die wilden Gänse sind dummes Vieh , die bedeuten nur einen strengen Winter ; aber die Kraniche sind kluge Thiere . Sie sehen das Verborgene , und wo ein Mörder ist , dem fliegen sie nach . Ja , es ist noch mehr Absonderliches in ihnen , und wo sie über ein Haus fliegen , das bedeutet große Ehre . « Wo sollte die Ehre herkommen ! Ihr Herr saß noch gefangen , und Jammer im Haus in Hülle und Fülle ; aber die klugen Vögel mußten doch etwas mehr wissen . War ja ein Schreiben des Dechanten eingegangen ; etwas verspätet , denn mit den Gelegenheiten sah es damals schlimm aus , und dunkel lautete es , aber doch tröstlich : sie solle , den Muth nicht verlieren , dem Herrn ihre Wege befehlen , und nebenbei hieß es , auf ihn , den Dechanten , allein vertrauen , denn es lasse sich noch vielleicht Alles zum Guten wenden . Und bald darauf war ein kurfürstlicher Reiter in die Burg gesprengt , und auf den Brief , den er dem Wachtmeister brachte , war die Einlagerung ausgeritten ; stumm und still , wie sie vorhin laut gewesen . Was der Bote sonst für Nachricht gebracht , das erfuhr Keiner . Nun war das Haus leer , und Frau von Bredow allein . Als so aller Lärm plötzlich stumm geworden , war ihr fast bang zu Muthe . Eine Thräne lief über ihre Backe . Da stand all ihr Unglück ihr erst recht vor Augen , ihre zerschlagenen Hoffnungen ; vor ihr lag es so trüb , ach so viel , so Großes , als hätte es vorhin in dem Gewirr keinen Platz gehabt . » Ach , du lieber Gott ! Was soll man anfangen ! « sagte die gute Frau , und wischte mit der Schürze über die Backe . Die Großmagd Anne Susanne blickte sie schlau an : » Gestrenge ! Der Herr ist fort . Da könnten wir ja mal scheuern . « » Scheuern ! « - Es mußte ein wunderbarer Klang sein . Die Thräne war verschwunden , eine helle Röthe zog sich über das eben noch blasse Gesicht der Edelfrau , und sie sah mit einem eigenen , fragenden Blick die kluge Magd an : » Du meinst , Anne Susanne ? « » So recht ordentlich , von , oben bis unten . Die Sonne kommt durch die Wolken . ' S wird ein warmer Tag ; da trocknet ' s balde . « » Da trocknet ' s balde , « wiederholte die Edelfrau . » So ein Tag kommt uns gar nicht wieder , Gestrenge . « » Da hast Du wohl Recht , aber , - « » Der Kaspar ist auch fort . Der läßt ja nicht Besen und Faß ran , wenn der Herr aus ist - « » Hast recht , ist ein unreinlicher Mensch , der Kaspar , aber ' ne treue Seele . « » Ach , Gestrenge , droben die Dielen und die Treppe , wie sieht das aus . Die Tauben , die rein flattern , und die kleinen Käuzchen , die Sperlinge , wenn der Herr sie füttert , und die Katzen ! Werden mit der Hacke d ' ran müssen . Der Besen thut ' s nicht mehr . « » Ob ' s aber auch recht ist , Anne Susanne ! Der Herr - « » I der wird auch froh sein , wenn er ' s nicht merkt . Man kann ja oben nicht mehr ruhig schlafen . Das heckt ja ! « Wenn er ' s nicht merkt ! - Brigitte Bredow ! Ein gebrannt Kind scheut das Feuer , und Du , eine so kluge und fromme Frau ! - Erst eben - und nun steht der Versucher schon wieder vor Dir . Die Sonne schien so hell ihr in ' s Gesicht , als riefe sie : » Ich will schon trocknen , liebe Frau von Bredow ! « Wäre nur ein Geistlicher da gewesen , den sie d ' rum fragen können ! » Der Herr hat ' s auch gar nicht verboten , als er fortging . « » Nicht ? « » I bewahre , Gestrenge . Und wenn er erst all den Schmutz sähe , den die Reiter gemacht ! Das ist wohl gut , daß man das erst fortschafft , damit er nichts merkt . « » Das darf er nicht merken . Da hast Du recht . Ach , mein Götze , wenn Du das wüßtest hier ! « » O , er kommt schon wieder ; er hat ein so fromm Gemüth , wenn er nicht bös ist . « » Anne Susanne ! Wenn er nun wieder käme ! « » I , er wird doch nicht , Gestrenge ! Wen sie in Berlin einsperren , den lassen sie sobald nicht los . « Frau von Bredow sah den Himmel an , und die Sonne und die Besen und Eimer , welche die hurtige Anne Susanne , schon aus den Winkeln geholt , dann rührte sie sich selbst und sprach : » Na ! « Die Sonne hatte seit lange nicht so froh herabgeschienen auf Burg Hohen-Ziatz . Wie sich das regte und bewegte , wie der Ziehbrunnen auf- und abging . Der träge Brunnen gab zu wenig Wasser ! Wozu waren die Gräben und Teiche . Wer Arme und Beine hatte , und aus dem Dorfe wurden ihrer auch dazu geholt , mußte schöpfen , tragen . Da war unsere Frau von Bredow wieder sie selbst . Wo war sie nicht , wo nicht ihr Aug ' ! Wie flog die dumme wendische Magd mit ihrem Eimer zur Thür hinaus , als sie ihn ausschütten wollte in der Halle . Man fängt wohl von unten an , wenn man ein Haus baut , , von oben . Die Treppen hinauf kamen sie in einer langen Reihe mit den Eimern , Besen , Bürsten und Hacken , Mägde und Knechte . Was ward gekratzt , geschabt , gebürstet , mit Füßen und Händen . Dann erst durfte das Wasser fließen . Es war ein schöner Anblick , als die Eimer sich entluden auf die dürstenden Dielen . Zeit und Wasser hält Niemand auf ; wer sie nutzen will , muß den Augenblick ergreifen . Nun waren sie schon bis an den Treppen zur Halle , die rüstigen Frauen , und man mußte sich freuen , daß es in Burg Ziatz nicht wie anderwärts ging , wo sie eifrig anfangen , und nachher müde werden ; man glaubt , sie thun ' s nur um Gotteswillen . Nein , hier hielt ' s die Edelfrau nicht unter sich , mit anzugreifen ; » wo es die Mägde ihr nicht recht thaten « , sagte sie . Mancher hätte glauben können , ich weiß nicht , ob mit Unrecht , sie thät ' s aus Herzenslust , wie sie die Röcke bis zum Knie aufgeschürzt , mit dem Schrubber hin und her fuhr , als wie ein Reiter im Getümmel der Schlacht mit der Lanze . » Na nu runter ! « hieß es , und die Mägde ließen sich ' s nicht zweimal sagen . Das war ein Wasserfall ! Nur schade , daß grade Einer rauf kam . » Ach unser Junker ! « rief die Anne Susanne . » Hans Jürgen ! Ungeschick ! Wo kommt der her ? « Hans Jürgen lief nicht fort , aber das Wasser , dachte Frau von Bredow , als sie auf der obersten Stufe in solcher Arbeit war , daß sie nicht viel von dem hörte , was Hans Jürgen auf der untersten sprach . Was konnte er ihr auch sagen ? Von ihrem lieben Kind , das er nach Spandow gebracht . Bären sind nicht unterwegs ; und wer einmal in Spandow ist , ist sicher , das mochte Frau von Bredow auch denken , als sie rief : Platz da ! und gar nicht sah , wie der Junker auf etwas zeigte , was draußen kam . Selber sehen konnte es der arme Junge nicht , denn er mußte sich die nassen Haare aus dem Gesicht streifen , und sah dann auch noch nicht , denn das Wasser hatte es mit ihm gut gemeint . Etwas mußte die Edelfrau doch gehört haben , vielleicht war ' s das Jagdhorn draußen , als sie auf den Besen gestützt , einen Augenblick Athem schöpfte . » Wer wird ' s sein ? « sagte sie . » Base , ' s ist Einer - « » Nein , ' s sind zwei , « unterbrach sie ihn , als ein Paar schöne , schlanke Jagdhunde wie zwei Blitze hereinschossen . » Der sagt , er wär ' der Kurfürst , aber ich glaub ' s nicht . « Ein feiner Ritter , im grünen Jägerkleid , das Hifthorn an der Seite , blieb , von dem Anblick , wie es schien , etwas überrascht , an der Schwelle stehen . Wenn der Herr schon überrascht war , war es die Frau ! - Im Anfang stand sie , wie der Roland in Brandenburg ; nur machte der nicht den Mund auf , noch sieht er mit seinen steinernen Augen so stier auf einen Gegenstand , noch wird er roth und blaß , wie uns ' re Frau von Bredow . Zuerst sank ihr der Besen aus der Hand , dann schien ' s , als wolle sie die Hände falten , dann fuhren sie beide auf den Rücken , um das Bund oder die Nestel zu lösen , welche ihre aufgeschürzten Röcke festhielten , was ihr aber in der Bestürzung und Hast eben so wenig gelang , als weiland ihrem Neffen Hans Jochem die Lösung des Hosenbundes , welchen der Krämer ihm angezaubert . Dann fuhr sie in die Haare , die allerdings nicht mehr ganz in Ordnung waren , aber bei dem Verfahren , das sie einschlug , auch nicht besser wurden . » So schlage doch - « , entglitt es ihren Lippen , aber ebenso schnell verschluckten diese wieder eine Lästerung , welche bei einer so frommen Frau unmöglich aus dem Herzen kam . Wie hätte sie auch noch im selben Athem die heilige Katharina , die heilige Barbara und Ursula anrufen dürfen . Das haben wenigstens die Mägde gehört . » ' S ist ja der Kurfürst ! « Und dann flogen zwei . Zuerst Hans Jürgen , aber nicht freiwillig , wie der Vogel durch die Luft , er flog wie die Kugel aus dem Rohr oder der Kegel vom Ball des Spielers . Dann die Edelfrau . Hans Jürgen turkelte seitwärts , sie stürzte geradezu auf die Knie . » Allerdurchlauchtigster Herr Markgraf und gnädigster Herr Kurfürst , Gnade ! - Die abscheulichen Mädel ' plantschten so sehr - aber mein Mann ist unschuldig . - Wir sind Alle unschuldig . - Man kann ' s ihnen noch so oft sagen , sie thun ' s doch . Und gerade heute ! - ' S ist zu viel , weiß Gott , ' s ist zu viel auf ein Mal . « » Daß ich zur ungelegenen Stunde hier eintrete , « sagte lächelnd der hohe Gast . Darin theilte Kurfürst Joachim der Erste , den Frau von Bredow ihr Lebelang hoch in Ehren , ja nächst dem lieben Gott am höchsten hielt , auf einen Augenblick das Schicksal mit dem verachteten armen Hans Jürgen . Sie hatte in ihrer Angst und Eifer auch nicht gehört , was er sagte , sonst würde sie nicht fortgefahren haben : » Was zu viel ist , Durchlaucht , ist zu viel - und die Ehre dazu ! - Keinem kleinen Kinde nicht hat mein Mann den Finger gekrümmt , so lammfromm ist er - das ist , mit Respect zu sagen , ein schlechter Mensch , der das ihm nachsagt - und der gnädige Kurfürst kann selbst in alle Winkel und Ecken « - wahrscheinlich hatte sie schließen wollen : » die Nase stecken , « als sich plötzlich ihr Mund von neuem Schrecken schloß . » Darum kam ich nicht , « fiel Joachim rasch ein und hielt ihr , wie schon vorhin , die Hand entgegen , sie aufzuheben : » Ich komme als Gast , aber es thut mir leid , daß ich ungelegen komme . « » Ungelegen ? « rief sie . » Unser Haus steht unserm Markgrafen allezeit offen . Wer das von uns sagen thäte , daß unser Landesherr in das Haus eines Bredow ungelegen käme - aber die Sonne schien nun mal so warm - und da grade mein Herr - aber wenn ich nur ' nen kleinen Wink gehabt , da hätte ich ja die Anne Susanne - es mußte aber doch auch grade heute Alles kommen , wie ein Donnerwetter , wenn die Sonne - « Daß ihre Zunge mit ihren Gedanken durchging und alle Zügel rissen , wer verargt ' s der armen Frau ! Wer fordert von der besten Hausfrau , die immer auf dem Fleck ist , daß sie es auch da noch sei , wenn der vornehme Herr , mit dem Stern auf der Brust , im Augenblick eintritt , wo ihre Arme im Waschfaß stecken ; und von dem vornehmen Gönner , hängt ihres Gatten , ihres Sohnes Schicksal ab ; Sie wäscht vielleicht nur , damit ihr Mann sich gut präsentiren soll ; vom ersten Eindruck hängt Alles ab . Und dies war ihr Fürst , und sein Richtschwert hing noch über dem Haupt ihres Mannes . Wo Alles in Unordnung war , wer fordert , daß unserer Frau von Bredow Gedanken in Ordnung sein sollten ? Kurfürst Joachim forderte es nicht : » Ich kenne meine Getreuen , ihr Fürst kommt ihnen nie ungelegen , aber die Stunde doch vielleicht , meine liebe Frau von Bredow , « lächelte er . » Ach gnädigster Herr ! Der Fuß , der Fuß ! Das Wasser ! - ' s ist aber reines Grabenwasser . « Einer der kleinen Wasserbäche , die von den Treppen über den gestampften Boden rieselten , netzte allerdings die Sohlen seiner Stiefeln , aber indem der Fürst es bemerkte , sah er auch , daß die würdige Frau selbst schon im Feuchten kniete , und mit einer ritterlichen Bewegung hob er sie , ehe sie sich dessen versah , auf . » Es thut mir leid , daß ich die würdige Frau meines lieben und getreuen Vasallen in so löblicher Verrichtung stören mußte . Nun ist es ein Mal , so und man muß sich darinfinden . Das Wetter ist schön , und der Hausherr reitet mit mir in seinem Walde umher , derweil die gute Hausfrau das Haus zur Nothdurft beschickt . Ein verirrter Waidmann fordert nicht viel , ein einfach Lager für die Nacht , und ein freundlich Gesicht zum Willkomm . « Weniger konnte der Landesherr freilich nicht fordern , wo er bei einem Vasallen eintritt . Aber auch die Nacht wollte er bleiben ! Das war noch mehr als zuviel . Ihr ehrliches Gesicht verbarg nicht den neuen Schreck . » Das ganze Haus ist ja naß ! « » Ein trocken Kämmerlein findet sich doch wohl ; und wo nicht , ein Stall , ein Schuppen . Der müde Jäger schläft auch ungewiegt unter Gottes Himmelsdach . Wo ist Herr Gottfried ? « Da sah die Edelfrau , die Hände im Schooße faltend , ihn groß an : » Gnädiger Herr , spottet unser nicht . Ihr wißt am besten , wo er ist . Seit vier Tagen ist er nicht in sein Haus kommen , « und sie hielt den Arm vor die Augen . » So hat der da mich doch nicht belogen , « sagte der Fürst , auf Hans Jürgen blickend . Hans Jürgen stand aufrecht mit einer Miene , die man wieder verdrossen nennen mochte . Der Frau von Bredow dämmerte eine Ueberzeugung . Des Fürsten Angesicht bringt Gnade . Wen er richten will , schickt er seine Schergen , sie klopfen mit geharnischter Faust an ' s Thor ; er tritt nicht selbst über die Schwelle des Verurtheilten ! Ihre Kniee wankten auf ' s Neue zu einem Fußfall ; Joachim kam dem zuvor : » So hab ' ich meine Boten übereilt mit ihrer guten Kunde ; doch davon nichts mehr , das sind vergessene Dinge , die ganz vergessen und vergeben zu machen meine Sorge sein laßt . « » Götz ist unschuldig ! « jauchzte es auf . » Ich sagt ' es gleich . « » Und ein Ehrenmann ! Frei seit drei Tagen , die Schuldigen sind gestraft . « Frei ! jubelte ihr Herz . Sie wollte auf den Fürsten zustürzen , seinen Arm ergreifen , seine Hand an ihre Lippen drücken , sie wollte reden , sie wollte niederstürzen . Das Herz rührte sich ihr im Leibe , aber sie fühlte , es passe alles nicht . Aber da standen die Mägde , die ungeschliffenen Mägde , mit ihren Eimern , ihren Besen , mit offenen Mäulern , und gafften den Fürsten an , wie ein großes Thier . Und viel fehlte nicht , so hätten sie auch ihn vorhin mit den Eimern begossen . Wer hätte das gut gemacht ! Die Burg hätte ja müssen geschleift werden , in Grund und Boden ! Da stand Hans Jürgen auch wie ein Kegel und rührte sich nicht . Nun wußte sie , was zu thun . Sie riß ihn vor : » Das ist Dein gnädiger Kurfürst . Auf die Knie , und dank ihm , wie Deine Schuldigkeit , daß er - « Sie wußte doch eigentlich nicht , was er danken sollte . » Ich knie vor keinem Menschen nicht , « sprach Hans Jürgen und blieb aufrecht stehen . » Der wird nicht niederfallen , « sagte der Fürst , » dafür steh ich Euch . Gehört der trotzige Gesell zu Euch ? « Nun hatte er ' s doch gehört ! Die Edelfrau sah auf den Junker , wie etwa ein Tausendkünstler ängstlich auf ein Haus oder einen Thurm , das er auf der Schaubühne aufgerichtet hat , und auf sein Commandowort soll es zusammenstürzen . Hans Jürgen stand wirklich nicht mehr ganz sicher , und es hätte nur eines leisen Druckes bedurft , so wäre er niedergestürzt . Aber die Edelfrau verdarb es . » Gnädigster Herr , rechnet uns das nicht an , wir haben Leides genug in unserer Familie . Er gehört nicht zu uns ; unsers Vetters Kind ist er , eine Waise , aber Gott allein weiß , warum das . Von mir hat er ' s nicht , und von meinem Gottfried auch nicht . Wir hatten einen besseren , aber dem ist das Bein gebrochen . Der würde gleich knieen . Dieser ist auch ein guter Junge , aber macht uns viel Herzeleid ; seine Dummheit und sein Trotz bringt uns in ' s Verderben . « Da trat plötzlich Hans Jürgen einen Schritt vor und sah dem Kurfürsten recht dreist und dumm , aber grad in ' s Gesicht . » Herr Kurfürst , daß mir ' s Gott verzeih , ich kann ' s nicht . Aber wenn ich meine Blutsfreunde in ' s Verderben bringe , dann will ich ' s doch . Warum soll ich denn niederknien ? Wer was übertreten hat , der soll ' s , wer was bitten thut , der mag ' s. Ich hab ' nichts übertreten , ich mag nichts bitten . Herr Götze , mein Ohm hat nichts Böses gethan , die Base hat auch nichts gethan ; hier hat Keiner was gethan . Ihr seid ein großer Herr , Ihr seid der Kurfürst , was ich denke , das hab ' ich draußen gesagt , wo ich noch nicht wußte , wer Ihr wart , und Ihr habt ' s gehört , wo Ihr noch nicht wußtet , wer ich war . War das nicht recht , nu da hab ' ich ' s gethan . Es thut mir gar nicht leid , denn was mir im Herzen saß , mußte raus . Ihr seid Herr im Land , und könnt befehlen , wir müssen gehorchen . Wenn Ihr befehlt : knie nieder , so thu ich ' s darum ; aber von freien Stücken , Gott straf mich , ich thu ' s nicht , und nun erst gar nicht . « Nun mußte er ihn doch auf der Stelle nach Spandow schicken und hängen lassen ! - Gegen das erstere hätte sie vielleicht nicht viel einzuwenden gehabt . Aber Joachim faßte ihn leicht beim Arm , und schob ihn bei Seite , aus der Wasserpfütze , darin er mit den Füßen , da er nicht ruhig stand , spritzte und umher näßte . » Ein ungeschickter Bub ist ' s , das sehe ich nun , Frau von Bredow , und hier ein ungebetener Gast , gleich mir . Wir stören die Ordnung . Darum muß man uns die Thür weisen , und da unsre Wirthin zu freundlich ist , will ich ihr Amt verwalten . « Damit führte er den Hans Jürgen freundlich zur Thür hinaus . Was weiter an dem Tag in der Burg Hohen-Ziatz vorgefallen , das kann noch ein Anderer beschreiben