waren die geblieben ? - Ist das Fexierspiel im Himmel ein schönes Spiel , ei dann nehm ich mir ' s heraus , und meint der liebe Himmel , er hat mich , eh er sich ' s versieht , bin ich ihm entwischt . - Und eine Philosophie schaffe ich mir gegen ihn an , die es ihm wett mache ! Ich bin krank gewesen bloß von der Gottphilosophie , die mir Günderödchen wollte eintrichtern , das regte mir die Galle auf und machte mir so fürchterlich Schwindel , dagegen ist nun nichts gut als ein Kräutchen am Weg gebrochen ! - Oder am nächsten Bach oder auf der Wiese , wo alle Tag die Herde weidet , pflück ich ' s nicht , so frißt ' s der nächste Hammel ab ! - Und damit dreh ich dem Gott den Rücken und fress ' mein Futterkraut , ich kann so nicht in die närrische Art mich finden vom Gastmahl im Evangelium , wo der eine , der kein hochzeitlich Kleid an hatte , zur Tür hinauspromoviert wurde ! Und doch , weil einmal ein paar gute Schelmen etwas Besseres zu tun hatten als bei Tische zu sitzen und zu schlemmen , wird der Herr des Gastmahls aufsässig und ladet die Krüppel und Bettler ein , die kommen zu Scharen herangehinkt und gehockt und getrampelt . Sie hatten die besten Seiten ihrer Lumpen nach außen gehängt , der Herr des Gastmahls war damit zufrieden . Sie räuspern sich , sie husten , sie nießen in die Suppe wie solcher Leute Brauch ; der Herr des Gastmahls läßt es sich gefallen ! - Sie genießen sie , knöpfen sich den Bauch auf , sie schwemmen mit köstlichen Weinen die Bissen hinab ! - Der Herr hat seinen Wohlgefallen daran . Der Weinstrom begräbt unter seiner Woge den gastlichen Anstand . Der Herr des Gastmahls streicht sich den Bart und geht so ganz fidel mit diesen Fleetzen um , aus Trotz gegen die , welche sein Gastmahl nicht wollten annehmen ; der eine hatte einen Acker , der andere einen neuen Backtrog , der dritte eine Frau im Handel . In meinen Lernbüchern aus dem Kloster , wo wir alle Sonntag mußten eine Betrachtung über das Evangelium aufschreiben , was vorgelesen worden war , steht folgende Bemerkung : » Ich bin recht froh , daß die armen Schlucker sind bei dem Herrn zu Tisch gewesen , aber warum konnte er doch so böse sein gegen die , welche lieber ein anderes Geschäft taten , als bei ihm zu Gaste essen , vielleicht weil sie sahen , daß er den zur Tür hinauswarf , der ihm nicht gefiel , wollten sie nichts mehr mit ihm zu schaffen haben ! Ich hätte mich auch gefürchtet , bei einem so strengen Gastgeber zu essen . « - Unsre Reisenacht hat mich ganz glücklich gemacht , obschon sie die Gegend mit ihrem Mantel zudeckte . Außer ein paar Strohhütten , die vor Weinlaub nicht aus den Augen sehen konnten , war nichts am Wege , ein plaudernder Bach , dessen Mundart ich noch nicht verstehe , war unser Begleiter im engen Tal bis ins Schlangenbad hinein , von wo aus ich Dich grüße , in der Hoffnung auf vier bis sechs himmlische Wochen ! - In denen die Muse des Vielschreibens mich umtanzt . - Du hattest mir Gedichte wollen abschreiben , Deine Liebesliedchen ! - Schicke sie mir , damit ich sie entziffern kann . Bettine Liebe Bettine ! Du bist ein närrisches Mädchen , nun bist Du in Deinem letzten Brief wieder lustig , und wir waren grade sehr traurig wegen Dir . Sophie weint oft tagelang , sie glaubt , sie werde mich durch Dich verlieren . Nun waren wir schon entschlossen , in ein paar Tagen nach Trages zu reisen , damit Du sie dort sehen könnest , und nun gehst Du auf einmal ins Schlangenbad . Sophie ist sehr traurig darüber , sie weiß nun gar nicht , wie sie zu Dir gelangen soll , ich bitte Dich , schreibe bald , ob es vielleicht gar nicht möglich ist , dann gehe ich grade nach Marburg , doch ohne Sophie , die auch dahin zieht ; wann , wissen wir noch nicht . Ich bitte Dich herzlich , werde nicht wieder ängstlich , beim Lichte besehen war die Langeweile in Frankfurt viel dran schuld . Arnim ist jetzt in England , wohin ich ihm nicht schreiben kann . Meine Büste erhältst Du in einigen Wochen ; du wirst sie finden , wenn Du von Schlangenbad zurückkehrst , vielleicht besuche ich Dich dort von Marburg aus . Um alles in der Welt willen verliebe Dich in niemand , den ich nicht kenne . Die Männer sind außer mir , Arnim und Wrangel nichts wert und Savigny , der aber einen starken Naturfehler hat , daß er Dich nicht versteht , kann auch noch hinzugezählt werden , der ist aber mehr vortrefflich , als daß er mir ' s wert wäre , folgert sich daraus . Schreibe der lieben Sophie , antworte auf ihren lieben Brief ! - Dein Clemens . - Du fragst nach meinen Liebesliedern , närrisch Kind , nicht alle Seufzer lassen sich in Worten aussprechen , und daß Du sie mit seufzen solltest , - ach nein , das macht mich zu wehmütig , viel lieber lasse Dich mit ihnen anhauchen , an die der Schmelz der Poesie in reinen Kristallen sich anlegt . Von den Mauern Widerklang - Ach ! - Im Herzen frägt es bang : Ist es ihre Stimme ? Und vergebens sucht mein Blick , Kehret mir ein Ton zurück ? Ist ' s nur meine Stimme ? - Auf der Mauer höherm Rand Sind die Blicke hingebannt , Doch ich seh nur Sterne ; Und in hoher Himmelssee Ich die Sterne küssen seh , Wären ' s unsre Sterne ! Nacht ist voller Lug und Trug , Nimmer sehen wir genug In den schwarzen Augen ; Heiß ist Liebe , Nacht ist kühl , Ach , ich seh ihr viel zu viel In die schwarzen Augen . Sonne wollt nicht untergehn , Blieb am Berg neugierig stehn ; Kam die Nacht gegangen . Stille Nacht , in deinem Schoß Liegt der Menschen höchstes Los , Mütterlich umfangen . Willst du mir Trost verleihen , Laß mich aus deinen Augen Der Liebe Schwärmereien , Minutenwahrheit saugen . Laß um des Lichtes Quelle Die trunkne Fliege schwirren , Laß , wird es ihr zu helle , Sie in die Flamme irren . Du sahst im Nektarkelche Die heitre Psyche sterben , Wenn ich noch länger schwelge , Läßt du mich auch verderben ? Aus deines Herzens Raume Möcht ich nur einmal trinken Und dann zum kühnsten Traume Im Götterrausche sinken . Du bist die Zaubervase , Die meinen Geist umhüllet , Und im Champagnerglase Ist schon mein Los erfüllet . - Dies letzte kleine Gedicht , liebe Bettine , entstand , weil unsre Sophie ( denn so muß ich sie nennen , die auf Deine Gunst meines Glückes Los gesetzt hat ) einen kleinen Schmetterling retten wollte , der , nachdem er seine Flügel am Licht verbrannt hatte , in ihrem Champagnerglas versank . - Ach Kind ! Diese Gedichte sind wie die kleinen Johanniswürmchen , die leuchtend hin und wider fahren . Nun sing ich Dir hier noch ein Liedchen , was aus den Saiten meiner Gitarre entschlüpfte , als ich gestern abend im Mondenschein mit Sophie am Fenster lag , nachdem ich Deinen lieben Brief ihr vorgelesen hatte und sie recht tief bewegt war von dem Glück , was Du ihr im Rosenbusch unter Deinem Fenster prophezeist . - Sieh dort auf dem Wiesengrunde Tanzen jetzt ein Elfchen munter Unterm Rosenbusch hinunter , Der die Blätter niederstreut . Elfchen spielen Lotto heut , Schreiben auf die Blätter Nummern , Ja , du darfst nur kühnlich schlummern , Denn dein Glück kommt dir im Schlummer . Du gewinnst die beste Nummer : Eine Braut wirst du im Schlummer , Drum erwachst du ohne Kummer , Hochzeit , Hochzeit , hohe Zeit . - Sieh , wie scheint der Mond so weit , Und die Frösche und die Unken Singen bei Johannisfunken Ihre Metten ganz betrunken . Brünstig glühn Johannisfunken , Sternlein kühl am Himmel prunken , Und das Irrlicht hüpft betrunken , Wo du gingst , ein Jungfräulein . Auf dem Acker glüht ein Schein , Wo beim Drachen eingetruhet Kaltes Gold , das rot erglutet , Fiel dein Kränzlein unvermutet In des Drachen Gruft hinunter , Und der Drache ist gebunden , Und der Schatz ist dir gefunden : Gold und Silber , Edelstein , Und drei Rosen , die sind dein . Diese kleinen Gedichte oder poetischen Mücken , die einen umschwirren in heiteren Stunden , summen einem im Geist , bis man sie mit dem Reim totschlägt und in den Busen eines Freundes einsargt , damit sie doch da anständig begraben sein mögen ! - Deiner Treue von jeher hab ich diese Spur heiterer und beglückender Stunden nun ganz unbefangen hingegeben ; keinem andern Menschen könnt ich das . O wie sehr fühl ich in diesem Augenblick , was Du mir bist ! - Ach lasse darum diese Gedichte einen Wert für Dich haben , weil Du der Lebensbaum bist , der in seine frische Rinde sie von der Bruderhand sich eingraben läßt ; lasse es mit Dir verwachsen das Gefühl , daß glückliche Zeiten auch mich begrüßten , und wenn böse Zeiten kommen , so lasse mich in Deines Herzens Schrein die Schätze der Erinnerung finden . In dieser Empfindung einer stillen Nacht , wo ich die Schätze der Freundschaft und Treue , die nur in geliebten Menschen aufbewahrt sind , überzählte , hab ich auch nachfolgendes Gedicht an Dich gemacht : Laß Dich , mein Kind , den Tadel nicht verführen , Vertrau , wenn Du ihn hast , dem guten Sinn Und sprich : Nur weil ich nicht unsterblich bin , Will die Versöhnung liebend mir gebühren . Denn Gottes Hand , sie kann uns plötzlich rühren , Und stürb der Freund mir unversöhnet hin , So würde scharfer Tadel den Gewinn , Daß Liebe ich gegeben , mir entführen . Bis dahin suche Trost in dem Sprichworte , Daß Rom nicht ist in einem Tag gebauet , Daß alle alles auch zugleich nicht können , Daß vor dem Morgen erst der Himmel grauet , Daß trunken bunt Aurora pflegt zu brennen , Bevor der Gott tritt aus der Sonnenpforte . Schreib , befriedige uns , beglücke und pflege unser Glück , ersehnt , verlangt von Deinem treuen Bruder Clemens Schmerzlich ist ' s mir immer , wenn Du Deiner Klostertage erwähnst und nie Dich bemühen magst , sie ein bißchen zu ordnen , da Du selbst noch Material dazu hast ! - Wär ' s denn nicht höchst intressant , einen kleinen Katechismus Deiner religiösen Begriffe zu geben ? An Clemens Endlich komme ich dazu , laut zu sagen , was ich heimlich oft dachte . Du siehst im Zauberspiegel die Bettine , wie sie sein könnte , aber nicht ist ! - Ich staune an , was Du von mir glaubst und erwartest , ich wundre mich und begreife nicht , vor was und wem Du mich warnst ! - Die Günderode schreibt , Du habest Dir die Aufgabe gemacht , mich durch eine Wiedergeburt Deines Geistes als Ideal zu bilden . - Ach , ich bin recht erschrocken davor ! - Und möchte mich vor Dir verbergen , daß Du ja nicht dazu kommest ! - Du bittest mich , mich nicht zu verlieben ; ach , Clemens , wenn Du mich nicht idealisieren willst , dann will ich Dir das gern versprechen ! Mein Herz ist nicht leicht bestechlich , und verliebe ich mich einmal wirklich , so werd ich Dich nicht zum Vertrauten machen , aus Furcht , daß es Dir mißfallen könnte . Hier im Schlangenbad hab ich mit dem Herzog von Gotha viel zu kämpfen , der mir alle Tage von Sophie spricht , er nennt sie seine Erate und gibt mir beiliegenden Streckvers für sie . Ihr werdet es in der Überfülle Eures Glückes nicht achten ! - Warum hat er ' s auch gereimt und geleimt ? Was man in der Prosa zu sagen sich gedrungen fühlt , geht tiefer . - Ich schwelge hier , es gefällt mir alles ; am liebsten ist mir der Morgen , wo man nur Bauern begegnet , und der Abend , wo die Lichter in den Hüttchen brennen , man sieht da das ganze Familienleben hellerleuchtet . - Da geh ich oft abends spät noch mit dem Vogt hinab den Talweg , und da durch ein kleines Fensterchen sehe ich die armen Leute sitzen und emsig spinnen und wirken , so fern von allem Bedürfnis im Reichtum des Fleißes , der Andacht und des Vertrauens ! Eine so kleine Stube deucht mir so voll von dem Gefühl ihres innern Wertes dieser Menschen , die ihr schwer errungenes Abendbrot gerne teilen mit dem ärmeren Gast . - Wenn ich mir nun denke , daß Ihr beide ein solches Haus bewohntet , und daß Euch da die Einsamkeit nicht drücken sollte , und Ihr backtet da Euer Ambrosiabrot , um es andern mitzuteilen , so habe ich Euer Glück begriffen und schreibe davon der Günderode . Die Günderode mit der sanften Würde ihres dichterischen Standpunktes unter den Menschen schreibt wieder wie folgt : » Wer liebt den Clemens nicht ? So wie er einem entgegentritt ; wer durchschaut alle Menschen , wer geht so tief in dem Auffinden ihrer Innerlichkeit , und was könnte man ihm sagen , was er nicht schärfer und wahrer aufgefaßt hätte ? Alle Menschen berührt kaum sein Hauch , und sie atmen , als wenn sie aufblühen wollten in edlere Begriffe und schönere Handlungen . « - So schreibt die Günderode ; das lautet ganz schön zum Ansatz eines Posaunenstückes Deines Ruhmes , der aus dem Nebel der Zeit golden aufsteigen und einen schönen Tag verbreiten werde . » Aber « , fährt die Günderode fort : » so scharf dieser Clemens und so nahe er fremden Menschen in ihrem eignen Bewußtsein tritt , so sehr heben ihn seine Launen aus dem Sattel über sich selbst , die ihm den Begriff seines Amtsgeschäftes ganz verdüstern , und ich kann es gar nicht leiden , wenn er davon so klein und unbürgerlich denkt . - Wie dieser Dekrete ausfertigt und jener auf den Rednerstuhl tritt , so ist der Clemens dazu bestimmt durch sein Leben , das sich in die Begeisterung des Witzes , der Philosophie , des Eifers und der Experimentenlust verzweigt , die Menschen zu wecken und in der dunklen Kammer eine Kerze anzuzünden , manches Neue alt und manches Alte neu zu machen , und daß er nicht wie die meisten gebildeten Menschen gegen das Leben , gegen Geschäfte , Künste , ja gegen Vergnügungen nur mit einer Art von Selbstverteidigung zu Werke geht und lebt , wie man einen Pack Zeitungen liest , nur damit man sie los werde , - das macht ihm viel Ehre . Nur bisweilen überfällt ihn eine seltsame Blödsinnigkeit , daß ihm die Tage unnütz vorkommen und meint , es wäre nichts und käme zu nichts , weil das , was durch ihn entstanden , nicht wie ein beschriebener Bogen Papier vor ihm liegt . « - Ach , Clemens , es ist gut , daß sie über Dich und nicht an Dich schreibt , denn Dir selber hättest Du das alles nicht sagen lassen und Dein Verwerfen ihres Mißbegriffs von Dir will ich gar nicht hören müssen . Das fügte sie noch hinzu , daß der Lebensbalsam , den Du für andre hast , einem feinen geistigen Öl in einem verschloßnen Gefäß gleich ist . Nur mäßig verbreitet , erquickt und belebt es , ganz geöffnet betäubt , tötet es und verzehrt sich selbst , oft habe Dein Witz einen in die Ecke geworfen , wo er das Aufstehen vergessen ! - Von Jung Stilling , dessen Bekanntschaft die Günderode in Heidelberg machte , schreibt sie : » Der Mann hat meine ganze Aufmerksamkeit gefesselt , er hat etwas Liebes , man sieht , daß sein Leben aus einem Guß ist , daß sich von seiner Jugend bis ins Alter eine grade Linie zieht und er mehr die Umstände bestimmt hat , als sich von ihnen bestimmen lassen ; selbst seine breite Eitelkeit , mit der er unaufhörlich Fürsten und Prinzen bei den Haaren herbeizieht , indem er sich ihre Namen von seiner Frau soufflieren läßt , hat etwas Treuherziges und beleidigt nicht . « - Liebster Clemente , ein wahrhafter Zug nur aus meiner Seele gebe Dir Licht über mein Zurückhalten gegen Deine Verbindung mit Sophie ! - Du schwebst also immer noch im Irrtum , als könne es mich unglücklich machen ? - Hab ich Dir das gesagt ? - Nein ! - Meine Krankheit , ein Gallenfieber - hat wahrhaftig keine Beziehung zu Dir ! - Die Günderode hatte mich geplagt mit Philosophie ; ich mußte ihr Schelling vorlesen , - das hat mich krank gemacht . Ach , ich war so brennend verlangend nach frischer Luft , daß die ganze Welt um mich vor Begierde zitterte wie die Gegenstände in der Nähe des Feuers ; so kam Bewußtlosigkeit , und als ich wieder zu mir kam , da war das erste , daß sie ein Gelübde tat , mich nie wieder Philosophie studieren zu lassen , - ich hatte im Fieber fortwährend davon phantasiert . Was willst Du nun ? - Wär es Deine Verbindung gewesen , die mir zwar auch Sorge machte , aber doch nicht so viel wie die verdammte Philosophie , so würde ich von der phantasiert haben , das war aber gar nicht . - Und sei jetzt ruhig über beides , denn keines kümmert mich mehr ! - Und sag nicht , Du willst um meinetwillen jetzt nicht heiraten und willst lieber mit Deiner Sophie zusammen unglücklich sein ! - Ich würde Dir gleich hierher schreiben : » Du sollst sie heiraten ! « wenn ich nicht fürchten müßte , Du glaubtest am Ende gar , Du habest sie nur um meinetwillen geheiratet . Nein , so was muß man tun aus sich , für sich und wegen sich , aber keinem andern zu Gefallen weder lassen noch tun . - Ich begreif kein Philistergesetz , aber daß ein Baum wurzle im geeigneten Boden seiner Nahrung , das begreife ich , und mögen seine Äste recht schlank in die Weite sich strecken , daß die Sonne ihn früh vergolde und der Wind mit ihm plaudere , und daß kein häßlicher Irrtum Dich um die Wahrheit Deines Glückes betrüge . Es ist heut so trüb , so trüb wie nirgend in der Welt , man möchte sich vor lauter Trübsinn verlieben . Die Nebel nehmen hier die seltsamsten Gestalten an , und der Regen fällt zuweilen auf kleine Stellen , nicht tropfenweis ' , sondern aus einem Guß herab . Diese Trübheit macht mir Deutlichkeit und Klarheit so lieb , so reizend sonst auch öfters Dunkelheit , Verworrenheit und Undeutlichkeit erscheinen mag ; - drum hab ich ' s auch gewagt , durch meine Deutlichkeit diesmal die Verworrenheit in Dir aus dem Dunkel ins Klare zu bringen . Ich küsse Dich , lieber Clemens , und drücke Dich an mein Herz ; sei gut und gegen mich besonders und traue mir mehr wie Dir , das heißt in gewissen Dingen . - Du mußt wissen , daß ich schon eine Weile im Mondschein schreibe , weil mein Licht ausging . Der Mond schwimmt zwischen dem Gewölk , und die grauen Berge drüben sonnen sich in seinem Schein , ich wollte sagen : monden sich , und begleiten sich gegenseitig mit Schatten , und die kleinen Quellen ruschlen so leise wie Gespenster . - Leonhardi ist hier , er stählt sich mit Stahlbädern ! Was wird dann erst werden , wenn diese Kur gelingt ! - Bettine Marburg Liebe Bettine ! Ich bin seit wenigen Tagen wieder hier . Meinen Brief , in dem ich Dir sage , daß ich Sophien nicht heirate , hast Du wohl erhalten ? Ich hoffe auf Antwort ; - unterdessen muß ich Dich um alles in der Welt bitten , Dich nicht phantastischer Schwermut zu übergeben , der alles Schöne und Wahre endlich in uns erliegt . Ich habe Dich so oft gebeten , Du solltest Deine Empfindungen und Phantasien mehr von Dir trennen und sie allein für sich in irgendeiner Form niederschreiben , sie zur Poesie erheben , wie die Kirche von dem Dorf , der Wald vom Felde stets getrennt sein muß , wenn etwas gedeihen soll . Dann fordere ich weiter auch , nie wieder an meiner Liebe zu zweifeln , noch zu glauben , daß ich je ohne Deine Liebe leben möchte . - Wenn Du Dich nicht zu Sophien neigen kannst , so ist dies nur , weil Du sie ganz verkennst ; es ist nicht jene Sophie mehr , die mich nicht verstand , es ist ein unschuldiges , liebes , treues , göttliches Weib . Liebes Kind , sei glücklich ! Es tut mir leid , daß Du mir nie schreibst , es freue Dich , meine Büste zu erhalten , in ungefähr drei Wochen wird sie Dir Tieck zusenden , es ist die beste Büste , die er gemacht , ein wahres Kunstwerk ! - Sie ist Dir zulieb gearbeitet , halte sie lieb und schone sie ! Ich werde wohl in einiger Zeit zu Dir kommen , wenn Du mir schreibst , wann Du wieder in Frankfurt sein willst . Da ich von Weimar wegging , ist Sophie auf einige Zeit nach Dresden gegangen , um sich zu zerstreuen . Ein Brief des Herzogs von Gotha an Sophie , worin er über Theater schwindelt und nur davon spricht , Sophiens und mein Dichtertalent der Bühne zu widmen , bewog mich folgendes zu schreiben , wozu mein Aufenthalt in Lauchstädt mir Gelegenheit gab ; ich habe mit dem trefflichen Tieck dort viel über Theater verkehrt . - Diese Truppe , von Goethe auf eine Stufe gebracht , wo sie jedem gefällt und eigentlich imponiert , war der Gegenstand der galanten Konversation an table d ' hôte , und da alle Laufgräben der Fadheit , Unwahrheit und Gemeinheit mit Wetter- und Theatergesprächen eröffnet werden , so ist es doch noch wunderbarer , wenn man in öffentlichen Blättern verkündigt , wie dieser oder jener mit Beifall aufgetreten und bis auf ein gewisses Schnarren mit hinreichendem Gebrülle das schwer zu befriedigende , sehr gebildete Publikum zu München , Mannheim , Stuttgart usw. ganz entzückt hat ; alles dergleichen kommt mir viel erstaunlicher als Zeitungsartikel vor , als irgend die einsamen Wetterbeobachtungen eines neben seinem Barometer studierenden Landpredigers im Reichsanzeiger oder sonst in einem Provinzialblatt . Es kann sein , man will dadurch einer Geschichte der Kunst vorarbeiten , gleich einer Weltgeschichte aus Armeebulletins , doch dergleichen soll mit vieler Teilnahme und großem Nutzen gelesen werden . - Mir auch scheint es eine äußerst wichtige Sache ums Theater zu sein , mit der man es über die Maßen gern recht ernsthaft meinen möchte . Ich selbst gedenke meiner frommen Wünsche , die sich bei meinem schweren Leiden im Parterre , wo ich doch wohl , seit der Vetter von Lissabon Hering in den Kaffee getaucht , fünfundzwanzigmal gesessen haben mag , entwickelt haben , ich würde diese Wünsche veröffentlichen , wenn nicht alles dieses wie Spreu in der Luft verflöge vor Ludwig Tieck , der allein beauftragt ist , der Mimik ein Licht aufzustecken , da er das größte mimische Talent ist , was jemals die Bühne nicht betreten . Dieser Dichter , der als darstellender Künstler die Bühne zu einer Ehre gebracht haben würde , deren sich wenige diesseit oder jenseit der Lampen träumen , ist kein Schauspieler geworden , worüber Thalia und Melpomene mit inniger Beschämung trauern sollten , denn er hat den innersten Beruf und ein Talent zur Bühne , wie es sich alle Jahrhunderte einmal hinaufverirrt . - Seine einzelne Äußerungen müssen einen zum Nachdenken erwecken , sie sind im Zusammenhang mit vielen trefflichen andern Kunst- und Lebensansichten und haben mich so erhoben und begeistert zur Bühne , der ich gern darum mein Talent widmen werde , wenn ich welches habe ; - ich glaube aber auch , daß man so wenig in der Kunst und der Geschichte als in der Natur plötzlich wirken könne . Der Bedingungen zu einer Vollendetheit auf irgendeinem Punkte des Daseins sind unendliche ; es kann wohl ein Mensch vortrefflich sein , er kann gelungen sein , daß ihm aber alles gelinge , besonders in einer Sache , die , wie die dramatische Kunst , nur mit allgemeiner Weltkrankheit erkrankt und mit allgemeiner Weltgenesung genesen kann , wäre eine beinah rasende Zumutung . Selbst einem so außerordentlich von dem Schöpfer geliebten Menschen , als Goethe ist , konnte das nicht gelingen , - denn es wäre eine ebenso gesegnete Vereinigung aller geistigen , physischen und historischen Weltkräfte nötig , um mittelbar durch einen Menschen der Bühne aufzuhelfen , als sie nötig war , um einen so großen reinstrebenden Menschen , als Goethe war , aufzustellen ! - In keiner Kunstgattung sind aber die Bedingungen ihrer Vollendung so unendlich als in der dramatischen . Nur auf dem äußersten Gipfel ihrer historischen , moralischen und künstlerischen Größe kann eine Nation ein vortreffliches Theater haben , dies ist zu beweisen ! - Aber von dem Bedürfnis desselben ist man entfernt in einer Zeit , wo man mit peinigenden Mängeln überzufrieden stolziert und das Theater ohne alle Kunstheiligung in den Kreis der menus plaisirs hinabgesunken ist . Als in der menschlichen Gesellschaft die Unschuld verloren ging , trat die Sitte als Vermittlerin auf , als Zucht und Treue entwichen , ließen sie die Höflichkeit und Savoir faire als Geschäftsträger zurück . Als die Würde sich von dem Verdienst trennte , ließ es sich mit der Etikette ein , da die Völker nur große Haufen eigennütziger Bürger wurden , entstanden die stehenden Heere , und die Ehe als zwingendes Gesetz zeigt , daß die Liebe sich nicht immer sehr ehrbar betragen haben mag ! - Alle diese vermittelnden Selbstvertreter aber sind ehrwürdig , wenngleich nicht unmittelbar göttlich und heilig , denn sie sind Fußstapfen , Träger , Telegraphen , Hieroglyphen entflohener Götter von der Erde , und an sie knüpft sich die Hoffnung , die Erweckung besserer Zukunft und alles Strebens . Sie stehen zwar stumm , starr und tot wie Memnonssäulen in den Wüsten der Geschichte , aber jede Morgenröte legt ihren Strahl erinnernd an ihre Stirne und läßt sie mahnend tönen . Für die Kunst aber ist immer nach ihrem Untergang ein solcher wohltätiger , wenngleich armer , doch allein würdiger Träger jene ihre ernste , strenge , rechte , oft pedantische Periode gewesen , die wir Schule nennen . Wenn die freie genialische Produktion das sterbliche Kind der Unsterblichkeit , seinen schönen blühenden Leib , dem Scheiterhaufen des ewigen Geschickes hingegeben , dann sammeln fromme und gerechte Menschen das bloß Rechte , Notwendige und Gesetzliche , ich möchte sagen Mathematische aus ihrem Andenken und stellen uns das Gerippe des Untergegangenen in seiner gesetzlichen Schönheit vor Augen , das , mit Verstand drapiert , oft lange noch herrlicher und bewundrungswürdiger , ja würdiger ist , als wir es sind , die es nicht verstehen . Manche Völker haben nur der Schule zu verdanken , daß sie noch eine Ahnung der Künste besitzen , und ich halte es für eine Weisheit , Bescheidenheit und Mäßigung Goethes , auf seiner Stelle für das Theater die Schule in Deutschland aufgestellt zu haben , die seinen Bemühungen dauerndern Wert geben wird , als wenn er alle Genialität auf dieser Bühne zu einer Zeit losgelassen hätte , wo nichts als eine Tierhetze daraus werden konnte . Es ist nicht Not in der Kunst , das Vortreffliche anzuschaffen , es ist Not , das Schlechte , Falsche , Verkehrte abzuschaffen , denn alles Vortreffliche erblühet aus dem Rechten und Wahren . - Die Freiheit ist die Blüte des Gesetzes , der Tod aller darstellenden Kunst aber ist die Eitelkeit und Selbstgefälligkeit , und ich werde mir es niemals nehmen lassen , daß einst die strenge , grausam scheinende bürgerliche Verachtung der Schauspieler ein Hausmittel der Geschichte war , vortreffliche Künstler zu haben . Um auf die Bühne berufen zu sein , dazu gehört ein Schatz von Talent und Unschuld , der die ganze Welt mit ihrer Ehre gewissermaßen wie ein Schiff in den Grund bohrt , um über den Lampen auf der Zauberinsel der Fata Morgana zu landen . Jetzt aber gleicht das Theater einem Strande , dessen Bewohner aus gestrandeten Schiffern bestehn , die sich ganz wohl befinden ; ist hie und da ein Robinson drunter , den wir gern ansehen , so spielen seine Gehilfen doch die Affen zu schlecht , indem sie aus Eitelkeit sich ihre Menschlichkeit immer merken lassen , als daß man nicht lieber den Campeschen Robinson läse , als ihm zusähe . - Die große Trauer und Angst aber , die mich bisher immer im Parterre , besonders wenn die Helden und Biedermänner , die ersten Liebhaber männlichen und weiblichen Geschlechts in ihrem durch ganz Deutschland hergebrachten edelmütigen , ekelhaften , eitlen , heuchlerischen , mit Empfindung eingesalbten Ton die Tränen und Seufzer des unschuldigen Publikums erwürgen und erjammern , geht mehr aus einem allgemeinen Entsetzen über dies Geschick der Kunst als aus Unwille über die Schauspieler hervor , die sich unendlich quälen und allen möglichen Lohn und Dank verdienen ; denn wie sollten sie es besser machen , als man es machen kann ? Die Leute wollen es nicht besser und ein Schelm gibt mehr als