und Stock vom gleichen Stücke wären , was freilich nicht immer der Fall ist , wie es bei Wäschen an den langen Seilen zu sehen . Es ist halt in allen irdischen Dingen gerne Bschiß . Aber das bin ich überzeugt , daß manche Hofdame und manch ander adelich Ding gar keine solche Hemder hat und es ungern hätte , wenn man wüßte , wie manches sie hat und welche . Die Hoffart im Hemde ist die schönste aller Hoffarten ; das reine , feine Hemd über dem Herzen soll dem Mädchen eine tägliche Predigt sein , daß es auch rein bleiben müsse unterm Hemde , denn was da unten werde gesponnen , auch noch so fein , das müsse einmal an die Sonne . Die Mutter hatte es recht böse an selbem Abend und ward daher rumpelrurrig aus dem ff. Anne Mareili war hell nichts für sie und keine Jungfrau kam heim , sie mußte die Sache alleine machen . So Jungfräuleni kommen nicht heim , solange eine Geige geht , solange noch Hoffnung zu einem Schick vorhanden ist ; so Jungfräuleni haben selten Sinn für ihre Pflicht und christlichen Ernst im Leibe , sie haben nichts im Leibe als den Sinn der Mücke , die auch nichts kann als tanzen , und zwar am liebsten um ein Licht , bis die Flügel verbrannt sind . Dann ists mit dem Tanzen aus und ein elend Raxen fängt an , das währet , bis endlich der Tod kömmt . Was dann aber auch an einem solchen Abend , wo sie alles alleine machen muß und am Morgen eine Andere dafür ausfahren kann , eine Mutter abzerrt , man glaubt es nicht , wenn man es nicht gehört hat . Es kömmt ihrer Umgebung wohl , daß sie gewöhnlich alle ihre Vorsätze unterm warmen Federnbette verschläft , sonst wahrhaftig , es würde geschehen , daß man an einem schönen Morgen statt Hammen und Speckseiten lauter Jungfrauen im Kämi könnte hängen sehen und statt der Würste die Geiger . Anne Mareili konnte lange nicht schlafen , es war ihm viel zu heiß in seinem Stübchen , und wenn der Schlaf kommen wollte , so kam die Angst auch , die hörte dann donnern oder regnen . Anne Mareili fuhr auf , steckte die Nase zum Läufterli aus , husch ! war der Schlaf entflohen . Dann kam er leise wieder , drückte leise ihm die Äugelein zu ; plötzlich fuhr Anne Mareili auf und schrie : » Halt , Ätti , halt , Herr Jeses , Herr Jeses , mr falle , lue doch ds Bord ! « Da saß es dann ganz verblüfft im Bette , wenn es merkte , daß kein Bord da war , schämte sich vor sich selbst , huschte unter die Decke , der mitleidige Schlaf erbarmte sich seiner wieder , drückte leise die Augenlider nieder , ein angenehm Schnarchen ließ liebliche Töne hören . Da plötzlich ein lauter Schrei , und bolzgerade stand Anne Mareili im Bette und schrie : » Häb , Ätti , häb , dr tusig Gottswille , häb , häb , lue , der Kohli het Fecke und wott flüge ! « Das lächerete wohl den Schlaf , aber boshaft ist er nicht , er ist der Menschen mildester Freund auf Erden . Alle Abende kömmt er mit Bechern voll süßer Labung und stärket die Menschen zu neuem Tagewerk . Wie eine treue Mutter zum dritten und vierten Male ansetzt , einen heilenden Trank dem kranken Kinde einzuflößen , so tut auch der Schlaf . Nur wo er weiß , daß einem recht not täte , an den Himmel zu sinnen Tag und Nacht , weil gar zu weit er noch von der engen Pforte ist , da kömmt er nicht , da gibt er dem Menschen Zeit zum Sinnen . Aber gar viele Menschen verstehn ihn nicht und sinnen nur an die Welt , deren eben das Herz voll ist . Zum dritten Male aber kam er zu Anne Mareili wieder , nahm aber diesmal süße Bilder mit , ob denen Anne Mareili nicht erschrak , in die mit süßer Wonne es sich versenkte ; denn lieblich wurden seine Mienen , ein Lächeln schwebte über ihnen , dem süßen Dufte gleich , der aus den Blumen steigt . Der schönste Tag brach an , es merkte ihn nicht , goldene Sonnenstrahlen gwunderten übers holde Mädchen hin , sie weckten es nicht , sie glänzten in seine Träume hinein , zauberten den süßesten Tag herauf , den es je erlebt . Aber wie die schönsten Tage gewöhnlich mit Gedonner enden , so fuhr in seinen schönsten Traum auch die Stimme der Mutter : » Seh wennd doch mit willst , so steh auf , das ist doch afe kei Manier , im Bett liege , bis man fort will , und alles a mih z ' la ! « Da tat Anne Mareili einen Satz wie ein Roß in der Schlacht , wenn ihm eine Bombe oder sonst etwas auf den Kopf fährt , stand mitten im Stübchen , wußte aber lange nicht , wo es war , bis es den Tag vor den Fenstern sah und die Kleider rings auf Tisch und Stühlen . » Herr Jeses , Mutter , hab ' ich mich verschlafen « , sagte es , » und doch so früh auf wollen ! Zürn doch recht nicht , ich bin gleich zweg . « Mit dem Dorngrütbauer war nicht zu spaßen , und wenn einer ein streng Regiment führt , so tut er alles eher als warten , das wußte Anne Mareili und hexete sich zweg , man wußte nicht wie , aber als es fertig war , rann ihm der helle Schweiß von der Stirne . Es kam ihm wohl , daß sein Gesicht das Schwitzen erleiden mochte , was bekanntlich nicht alle Gesichter vermögen , und daß es sich schicken konnte , ohne eben zu pfuschen , was eben wieder gar Wenige können . Das Letztere ist eine Eigenschaft , welche von Jugend auf erlernt werden sollte , und besonders von den Meitscheni , es fehlt aber gewöhnlich der Lehrmeister dazu . Ferner kam ihm wohl , daß es den Kaffee brühheiß trinken konnte , was aber eine Unart ist , welche bekanntlich fast alle Tochter von ihren Müttern lernen können , denn schon war der Vater fertig , nahm die Geißel und ging ; das hieß so viel als : Ich fahre , wer mit will , kann zusehen . Krieg macht flätig , der Friede lässig . Anne Mareili war getrüllet und hatte daher etwas von einem Soldaten an sich , der auch zweg sein muß und nichts vergessen darf , wenn die Trommel geht oder es heißt , der Feind sei da . Darum trüllet man die Soldaten im Frieden , und wenn getrüllet wird , so ist das eben nur Trüllen und nicht Kriegen . Freilich geschieht es oft , daß Trüllen für die Hauptsache angesehen wird und ein Trüllmeister für ein Hauptkerl , besonders wenn er similorige Epauletten hat und allfällig noch schreiben kann und Kolonne machen , auf dem Papier nämlich , im Kriege ist dann aber all nichts und ds Trüllen ist vergessen . Hat man doch schon oft während dem Trüllen von einem Tag zum andern Tag alles vergessen , was man befohlen hat oder was befohlen worden ; wie sollte man dann nicht alles vergessen haben , wenn der Krieg kömmt , wirket doch kaum was so eigen auf das Gedächtnis , als wenn es blitzt , als wenn es kracht . Und wenn das Hauptquartier mit dem schlechtesten Beispiel vorangeht , was darf man dann vom gemeinen Soldaten fordern ? Die Haupttrüll ist aber immer die fürs tägliche Leben , wo Vater und Mutter die Trüllmeister sind ; die ist nicht bloß gut fürs Gvätterle , die ist zu allen Dingen nutz ; wer aber diese Trüll nicht empfangen hat , ist ein Lädi fürs Leben , ein Meisterlos , ein Zaaggi : soll er laufen , so hat er die Strumpfbändel vernistet , soll er schießen , so hat er kein Pulver , oder hat er gar das Unglück , in die Regierig zu kommen , so macht er die Weibel tubetänzig , die Schreiber ds Teufels , die Geschäfte zu einer verhürschete Strange ; dabei wird es ihm am Reden nicht fehlen , von wegen je mehr einer zaagget und hürschet , desto mehr redet er gewöhnlich und manchmal sogar schön . Anne Mareili war gut getrüllet , absonderlich vom Vater , der für niemand Nachsicht und Geduld hatte ; wer mit ihm fahren wollte , mußte zweg sein ; war er fertig , so saß er auf , und saß er oben , so sagte er » Hü ! « , und wer nicht fertig war , konnte nachspringen oder daheim bleiben . Bei ihm hätte noch manches Ding , Frau oder Tochter , das Schicken gelernt und das Springen . Es war daher fertig , wunderbar schnell ( oh , was die Meitscheni sich schicken können , wenns sein muß nämlich , man glaubt es nicht ) ; es hatte weder das Nastuch vergessen noch die Brasselets zu den Myten , welche es freilich erst auf dem Wege von der Küche zum Wägeli anzog ; aber als der Vater absaß , hatte es schon den Fuß auf dem Tritt , und in diesem Fall war er doch nicht Hungs genug , zu sagen » Hü ! « ; er wartete dann , bis man wirklich niedersaß . Die Mutter trappete , trotzdem daß sie daheim bleiben mußte , nach bis zum Wägeli ; sie hoffte auf ein freundlich Abschiedswort von ihrem Alten . » Daß ihr mir dann heute fertig werdet mit Werchziehen « , sagte dieser , » und spreitet es dann sogleich auf dem Moosacker , daß es aber gemacht sei , wenn ich heimkomme . Hü , Kohli ! « Und nachdem er ein paar Male ausgeschlagen , zottelte endlich Kohli taubsüchtig seines Weges . » Er ist u blybt e Wüeste « , brummte die Mutter und ging zur Küche ; aber ob sie den Kohli meine oder ihren Alten , darüber erklärte sie sich nicht näher . Ein wunderschöner Morgen wars , als vom Dorngrüt weg Vater und Tochter fuhren , einem verhängnisvollen Tage entgegen . Hell schien die Sonne , kohl war die Luft , in üppiger Mannigfaltigkeit glänzte die in reichem Taue perlende Erde , und nach und nach ward auch der Kohli heiterer und trabte munter von hinnen . Es hat was Eigenes und wirkt auch eigens ein auf unser Gemüt , unserem Glück entgegenzutraben in frischem , hellem Morgenwinde . Mancher Fähnrich hat dies erfahren , der in den ersten Morgenstrahlen mit fröhlichem Trompetenklang seiner ersten Heldentat entgegenritt . Des Feindes Feldmarschall wollte er zusammenhauen in Mitte der Armee , wollte der Erste sein auf dem Mauerkranze , der Erste auf der feuersprühenden Batterie , und wie immer enger und enger das Herz sich zusammenzog , je näher die Stunde der Tat anrückte , wird er ebenfalls erfahren haben . Das Gleiche hat mancher Schütze erfahren , der lange von Bechern , Stutzern und Goldbarren geträumt , an schönem Morgen dem ersten Schießet entgegenfuhr in grünem Kleide , im Jubel der Gefährten . Wie er auf den Platz der Ehre kam , da dutterte ihm das Herz , es zwirrte ihm vor den Augen , so klein war die Scheibe , so weit der Stand ! Gerne hätte er das Schießen aufgeschoben , aber es rennt von dannen die Zeit ; dann trinkt man sich Mut ins Herz , will mit Vierunddreißiger den Schlotter aus den Armen treiben , und doch zittert der Stutzer in der Hand ; ob man den Zweck von oben oder von unten zu nehmen habe , weiß man nicht mehr , und aus dem Stutzer fährt der Schuß , man weiß nicht wie und nicht wohin . Allweg nicht in den Zweck , oft nicht einmal in die Scheibe . Was eines Mädchens Herz bewegt , wenn es bald , bald am Ziele ist , welches es mit ganzer Seele erfaßt hat , kann man sich denken . Aber wie es schlägt , wenn es einer Hölle entronnen und dem Himmel entgegenfährt , bald , bald ihn erreicht , das kann nur der recht sich denken , der auch einmal vom Höllentor weg noch gen Himmel fuhr . Aber je näher man dem Himmel kommt , desto mehr will es einem schwindeln , desto mehr ängstigt die Kluft , welche noch zwischen uns und dem Gestade liegt , desto mehr fällt uns ein , was uns am glücklichen Landen hindern könnte . Wenn der Kornet in die Schlacht reitet , so ist es Gott und er , welche die Sache ausmachen , und steht der Schütze im Schießstand , so ist zwischen seinem Stutzer und der Scheibe nichts als ein bißchen Luft . Ehedem kam noch manchmal der Zeiger dazwischen , jetzt ist dem auch abgeholfen . Wie viel schwerer hats ein Mädchen , neben dem ein zwängischer Vater sitzt mit apartigem Kopf , und das auf Gschaui zu einem jungen Burschen fährt , wo Vater und Mutter und Geschwister sind und wahrscheinlich alle mit apartigen Köpfen , und diese Köpfe alle haben etwas zu sagen , können sich stellen zwischen ihns und sein Ziel ! Der Vater sprach nicht viel , er dachte seinem Ladenhandel nach ; die Tochter sprach in dem Maße noch weniger , als ein Herzhandel das Herz mehr angreift als ein Ladenhandel . Manchmal schien ihr der Kohli so langsam zu gehen , daß ihr ein » Hü , Hü « nach dem andern auf die Zunge kam , und manchmal schien ihr , als kriege derselbe Flügel und müsse sie rufen : » O Ätti , Ätti , häb , häb ! « Auf einmal hielt der Ätti wirklich still . » Herr Jemer , wo sy mr ? « rief Anne Mareili , welches plötzlich die Angst ankam , sie seien schon an Ort und Stelle . » ZHerrlige « , sagte der Vater , gab dem Stallknecht das Leitseil und sagte ihm : » Spann aus , und das Roß bleibt über Mittag hier . « Jetzt wußte Anne Mareili , daß es absteigen solle und daß Liebiwyl in der Nähe sein müsse . Dem Rosse nach ging der Vater in den Stall , und Anne Mareili stund zwischen Wägeli und Wirtshaus , wußte nicht was machen , und als das Stubenmeitli ihns hineinkommen hieß , sagte es , es wolle dem Vater warten , es wisse nicht , was der im Sinn habe . Der hatte im Sinn hineinzugehen , wie es sich erzeigte , und Anne Mareili folgte ihm . Drinnen kannte ihn der Wirt , tat erfreut , ihn zu sehen , und frug , was ihn Apartes einmal in ihre Gegend bringe , wo man ihn sonst nicht zu sehen pflege . Der Dorngrütbauer tat vertraulich und sagte , er hätte noch etwas an Holz und Laden nötig und gedacht , er wolle hier durchkommen , er ( der Wirt ) könne ihm vielleicht raten , wo er es am besten und wohlfeilsten finde . » Mit dem Holz ist es bös « , sagte dieser , » es geht alles fort , wir können ihm nachsehen und bald unser eigenes nicht mehr sägen lassen . Die Sager sägen auf den Kauf hin , und uns Bauern lassen sie warten , bis die Würmer im Holze sind , und gäb wie wir bitten und fluchen , so zäpfeln sie uns nur aus . Dürre Laden oder Holz sind rar , öppe hie und da noch ein Bäumchen bei einem Bauer , aber nicht oft , vielleicht hat der Sager im Taubloch noch etwas . « » Ists wyt ? « fragte der Dorngrütbauer . » O nein , keine Viertelstunde , da zvorderst im Graben « , antwortete der Wirt . » Es ist mir gesagt worden , der Bauer zu Liebiwyl hätte immer Vorrat « , sagte der Dorngrüter . » Das ist « , antwortete der Wirt , » der hat immer , aber nicht auf den Kauf hin , nur hie und da gibt er jemand zGfallen . Kennt Ihr ihn ? « » Nein « , sagte der Bauer . » Sein Sohn wurde an der Brunst zu Aufbegehrige geprügelt und blieb liegen , unsere Leute fanden ihn und brachten ihn heim ; der hat gesagt , wenn wir etwas mangelten , so sollten wir nur kommen , wenns der Ätti hätt , so müeßte mrs ha . Aber ich weiß , wie das ist , zGfalle geben ! Märten darf man nicht , und wenn man einen betrügen kann , so spart mans nicht . « » Habt nicht Kummer « , sagte der Wirt , » wenn Euch der Sohn dies gesagt hat , so findet Ihr dort , was Ihr wollt , und wie nirgends wohlfeil und gut . Sie hätten sich nicht dafür , wie unkommod es ihnen wäre , nicht zu halten , was der Sohn gesagt . Das sind noch apartige Leute , wenn alle so wären , so könnte unsereiner noch sein in der Welt . Ich nehme ihnen fast alle Kälber ab , und öppe was billig ist , nehmen sie gerne , aber mehr als etwas wert war , mußte ich nie zahlen und erhielt die Sache recht , und wenn sie etwas kaufen , so zahlen sie , was billig ist , und plagen einen nicht mit Märten , daß es einem düecht , man mochte ihnen fünf Finger Usgwicht geben . Öppe ungsorget darf man Schweine von ihnen kaufen auf Gewicht , man wird nie Steinkrätten voll Kieselsteine in den Därmen finden . Mit denen ist noch z ' handeln , aber sonst ist mit den Bauern fast nichts mehr zu machen , sie glauben bald keinem Wirt mehr etwas . Nüt für unguet z ' ha ! Es werden die Bauern öppe auch alle Tage witziger , und sie müssens , wenn sie die Haut unter den Ohren behalten wollen und es ihnen nicht gehen soll wie den Hasen , die immer rarer werden , je mehr Jäger es gibt . « » Sind die Leute reich ? « » Ja « , antwortete der Wirt , » das sind noch Bauern , wie ehedem gewesen , haben noch Würze hängen nicht zu oberst in den Ästen und müssen nicht wie so Viele jetzt , wenn sie drei Dublonen mangeln , um Geld aus und um Milch , wenn sie ein Kaffee machen müssen ungsinnet . « » Ho « , sagte der Dorngrütbauer , » es wird doch dere noch mehr geben , welche einen Tropf Milch übrig haben und einen Kreuzer Geld , und mügli wärs , daß dWirte auch noch oft froh darüber sind , wenn sie Geld bei Bauern finden oder eine Kuh , und manchmal zwei , dings haben können . « » Es gibt auch beider Gattig « , sagte einlenkend der Wirt , » aber wenn ich raten kann , so geht dorthin , reuig werdet Ihr nicht werden . « » Allweg « , sagte der Bauer , » will ich zuerst zur Säge , liegt beides an einem Wege ? « » Nein « , sagte der Wirt , » dort bei jenem Haus mit dem roten Dache gehen sie voneinander , und Ihr mußt wieder zurück bis dort , um von der Säge nach Liebiwyl zu kommen . « Als nun Vater und Tochter zum neuen Dache kamen , sagte der Vater zu Anne Mareili : » Geh du afe ! Wenn sie etwa nicht daheim sind , so kann man sie rufen , damit ich nicht lange warten muß , von wegen , noch heute wollen wir heim und es ist weit . « Somit ging er links und ließ Anne Mareili stehen . Das wäre gerne in den Boden gekrochen , wenn ein Loch dagewesen wäre , bis der Vater wiederkam , aber dastehen durfte es nicht , es mußte rechts , wie schwer es ihm auch ward . Was man gewöhnlich schüchtern nennt , war Anne Mareili nicht ; es wußte , daß es des Dorngrütbauern Tochter war , und konnte Rede stehen und an ein Haus klopfen , ohne rot zu werden und dumm zu tun . Aber es gibt eine Schüchternheit , eine innere möchte man sie nennen , die man nicht sieht , an die man daher meist nicht glauben will . Sie ist etwas Unnennbares , halb Bescheidenheit , die fürchtet , jemand zu stören , ihm lästig zu sein , halb Scheu , sich selbst mit einer fremden Persönlichkeit in Berührung zu bringen , ein inneres Widerstreben , sich selbst einem fremden Auge zu öffnen , vor fremden Ohren auszusprechen , was das Herz bewegt , auf der Seele sich abspiegelt . Diese Schüchternheit trägt mancher Mann zu Grabe , sie wohnt in manchem Weibe , umschleiert , als dessen bestes Ich ; ihr eigentliches Haus aber ist das Herz der Jungfrau , aber um so fester umschleiert sie es , je bedeutsamer der Moment ist , dem sie mit Bewußtsein entgegengeht . Anne Mareili , von der Liebe Angst und Weh gedrängt , hatte Resli in sein Herz schauen lassen , sich gegeben , wie es war , ohne viel Umstände und Komplimente . Es hatte Resli so viel als das Leben gerettet , dieses Bewußtsein war der Schlüssel zu seinem Herzen gewesen . Aber jetzt sollte es alleine zu einem Hause gehen , wo es nie gewesen , sollte dort anklopfen , mußte vielleicht lange erklären , wer es sei ; was Resli von ihm gesagt , das wußte es nicht , und ob es ihnen recht anständig sei , ebenfalls nicht , was es sagen sollte und wie sich benehmen , wußte es darum auch nicht . Vielleicht konnte es gar ans unrechte Haus gelangen und zum Gspött werden oder niemand zu Hause treffen als einen bösen Hund , ungefähr einen wie ihren roten Mutz , was sollte es dann machen ? So schritt es schwer und ängstlich zwischen hohen Lebhägen ein enges Gäßchen entlang ; da hörte es hinter dem Hag rechts erst eine Sense durchs Gras fahren , dann sagen : » Höre du , heute kommen sie nicht , sie wären da . « Darauf sagte eine andere Stimme , und die kam ihm gar wunderbar bekannt vor : » Das ist nicht gesagt , kommen können sie immer noch , es ist weit . « » Zähl darauf « , sagte wieder die erste Stimme , » sie kommen nicht , sie haben dich nur abschüsselen wollen , um ds Wüestist nicht alles z ' machen . Warum hätte dir sonst der Alte so nahglußet ? Du bist dr Narr im Spiel , und z ' wette wär , daß sie gestern vrkündet worden . « » Selb nit « , sagte die andere Stimme , » das hätt ds Meitschi nit ta und mr Bscheid gmacht . « » Ah bah , verlaß dich doch auf kein Meitschi « , sagte die erste Stimme , » wenns a Notknopf kömmt , so sind sie alle gleich , und gäb wie sie vorher gränne , wenns heißt , jetzt müsse es sein , sie wollten zum Pfarrer , das Hochzeit anzugeben , so hat man noch Keiner ein sauber Fürtuch vorbinden müssen , sie hat es noch immer selbst getan . « » Nimm nicht alle in einen Klapf « , sagte die andere Stimme , » es gibt mancher Gattig Mädchen , so wie vieler Gattig Buben , du ließest dich auch nicht mit jedem zusammenzählen . Zähl darauf , meins wäre nicht gegangen und hätte mir Bscheid machen lassen . « » Es muß dann ein Apartes sein « , lautete die Antwort . » Wie ists eins ? Es nähmte mich doch wunder , es zu sehen . « » Ich kann es dir so recht nicht sagen « , wurde geantwortet , » du mußt warten , bis du es siehst , und dann wird es dir sicherlich gefallen . Es ist groß , fast wie die Mutter , und doch kein Bohnenstecken , hat eine schöne Haut , sufer , nit kührot , aber auch nicht wie ein ausgewaschener Fürfuß , läng Züpfe , dunkle Augen und bsungerbar schöne Zähne ; wenn es den Mund auftut , so düechts einem , man sehe das Gätterli zum Paradies , und noch ganz funkelnagelneu , und bsunderbar fründlig chas de dryluege , daß es eim düecht , es schmelz alles i eim . Sonst gwöhnli macht es ein ernsthaft Gesicht , fast wie wenn es einem etwas befehlen wollte , und Häng hets , man sieht ihnen ds Werche an und ds Wäsche , wies am e Meitschi wohl asteyht . « » Und taubs hast du es auch schon gesehen ? « wurde gefragt . » Taubs habe ich es zu Aufbegehrige gemacht , aber wie ich es erkannte , war es wieder verschwunden . « » So nimm dich in acht und spring nicht so zsämefüeßlige hinein « , sagte die erste Stimme , » ich für meinen Teil heirate kein Mädchen , wenn ich es nicht taubs gesehen , so taubs , als es nur immer werderi könnte . Und wenn ich nicht angfähr dazu käme , so ließe ich nicht nach , bis ich es selbst so taubs gemacht hätte , daß es eim düechti , es möchte einen ungschabt fresse . « » Warum das ? « wurde gefragt , » du bist immer der seltsam Christeli . « » Ja lue « , sagte derselbe , » ich will wissen , wie sie dreinsehen und was sie tun , wenn sie taub sind , und warum sie es werden . « Ich will dir etwas sagen , es weiß es kein Mensch noch . Einmal hatte ich auch im Sinne zu heiraten , das war ein Meitschi wie aus Seide und Sammet gemacht und ordlig wie ein Lebkuchen , von dem hätte man glauben sollen , es könnte kein Wässerchen trüben , keine andern Augen machen als süße und nie anders reden als wie durch ein Pfeifenröhrchen . Es het mih düecht , es schryß mih e ganze Tag bi de Haare bis am Abend , daß ich bei ihm war . Da kam ich einmal an einen Ort , wo getanzt wurde ; es war noch nicht da , ich wartete , es kam nicht , aus Langeweile nahm ich ein Meitschi , hatte drei mit ihm und zahlte darauf ihm eine Halbe . Während wir sie tranken , kam mein Mädchen herein , ob es draußen mir aufgepaßt , weiß ich nicht . Aber Augen machte es mir , daß es mir schien , es strecke sie armlang zum Kopf aus und jedes hätte fünf Krallen wie ein Lämmergeier . Mit mir wollte es nichts zu tun haben , schoß im Saal herum wie ein Wespi an einem Fenster , zahlte mir zTrotz ihrer Jungfrau Wein und Essen , schoß dann heim wie bsessen . Ich auf und nach , nicht weit von ihrem Hause holte ich es ein , unterzog mich , wollte bestens mich versprechen , aber wohl , ich erfuhr , was ein ertaubet Meitschi kann ! Es machte mir ein noch zehnmal ärger Gesicht als vorhin , die Nase tat sich auf , die Augen wurden wie Pflugsrädli , und aus dem weitgeöffneten Munde fuhr eine Stimme , so dick wie ein Weberbaum , und sagte mir so wüst , wie ich mein Lebtag es nie gehört . Schyßhung war das Manierlichste . Als ich das Mädchen so sah , so ungattlig tun , und Augen machen , ärger als ein ertaubeter Stier , und reden wie ein halb , voller Weltsch , da entfiel es mir plötzlich , statt der Liebe hatte ich ein Abschüchen . Lieber e taubi Katz als so eine , dachte ich , machte mich davon , so streng ich konnte , und die Angst , es sei hinter mir und begehre mein , verließ mich nicht , bis ich daheim im Bette lag . » Da war mir , als hätte mich jemand aus dem Wasser gezogen oder als wäre ein schwer Fuhrwerk über mich gegangen und unerwartet erwache ich statt tot unversehrt , und ich tat einen teuern Eid , nie mehr zu heiraten oder wenigstens nicht , bis ich das Mädchen so taub als möglich gemacht und erfahren , ob was es ertaube und wie . Da tätschelt man die Mädchen nur , däselet ihnen , und wenn sie im Geringsten die Miene verziehen , so fragt man hundertmal : Was hest , was hest ? und macht den Kratzfuß um sie wie ein Hund um heiße Milch . Wenn eine schon wollte , sie könnte nicht wüst tun , und so geht es , bis man sie hat . Nun meint man , man habe sie und ds Fangen sei nicht mehr nötig , geht gradane , und wie man so gradane tut , tut das Mädchen auch , wie es gewohnt ist , läßt seine Hornlein hervor , von wegen , es braucht sich vor niemand in acht zu nehmen . Wenn nun jedes so auf einmal ganz natürlich tut , fällt jedes aus den Wolken und niemand mehr zerteilt die Wetter mit Däselen hinten und vornen , das Heulen geht an und das Zähneklappern und jedes klagt , es sei bschisse worden . Das Weib klagt , der Mann täte nicht nach Schuldigkeit flattieren und tätscheln , der Mann schüttelt sich und sagt , es grus ihm , so was hätte er nie erlebt , es werde