Gesetze , die eine zeige sich auf der gottgleichen Höhe im Anfang eines Kunstwerks und neige sich gegen das Ende ; die andre wie ein freier Sonnenstrahl , der vom göttlichen Licht ab sich einen Ruhepunkt auf dem menschlichen Geist gewähre , neige ihr Gleichgewicht vom Ende zum Anfang . Da steige der Geist hinauf aus der Verzweiflung in den heiligen Wahnsinn , insofern der höchste menschliche Erscheinung sei , wo die Seele alle Sprachäußerung übertreffe , und führe der dichtende Gott sie ins Licht ; die sei geblendet dann und ganz getränkt vom Licht , und es erdürre ihre ursprüngliche üppige Fruchtbarkeit vom starken Sonnenlicht ; aber ein so durchgebrannter Boden sei im Auferstehen begriffen , er sei eine Vorbereitung zum Übermenschlichen . Und nur die Poesie verwandle aus einem Leben ins andre , die freie nämlich . - Und es sei Schicksal der schuldlosen Geistesnatur , sich ins Organische zu bilden , im regsam Heroischen , wie im leidenden Verhalten . - Und jedes Kunstwerk sei ein Rhythmus nur , wo die Zäsur einen Moment des Besinnens gebe , des Widerstemmens im Geist , und dann schnell vom Göttlichen dahingerissen , sich zum End schwinge . So offenbare sich der dichtende Gott . Die Zäsur sei eben jener lebendige Schwebepunkt des Menschengeistes , auf dem der göttliche Strahl ruhe . - Die Begeistrung , welche durch Berührung mit dem Strahl entstehe , bewege ihn , bringe ihn ins Schwanken ; und das sei die Poesie , die aus dem Urlicht schöpfe und hinabströme den ganzen Rhythmus in Übermacht über den Geist der Zeit und Natur , der ihm das Sinnliche - den Gegenstand - entgegentrage , wo dann die Begeistrung bei der Berührung des Himmlischen mächtig erwache im Schwebepunkt ( Menschengeist ) , und diesen Augenblick müsse der Dichtergeist festhalten und müsse ganz offen , ohne Hinterhalt seines Charakters sich ihm hingeben - und so begleite diesen Hauptstrahl des göttlichen Dichtens immer noch die eigentümliche Menschennatur des Dichters , bald das tragisch Ermattende , bald das von göttlichem Heroismus angeregte Feuer schonungslos durchzugreifen , wie die ewig noch ungeschriebene Totenwelt , die durch das innere Gesetz des Geistes ihren Umschwung erhalte , bald auch eine träumerisch naive Hingebung an den göttlichen Dichtergeist oder die liebenswürdige Gefaßtheit im Unglück ; - und dies objektiviere die Originalnatur des Dichters mit in das Superlative der heroischen Virtuosität des Göttlichen hinein . - So könnt ich Dir noch Bogen voll schreiben aus dem , was sich St. Clair in den acht Tagen aus den Reden des Hölderlin aufgeschrieben hat in abgebrochnen Sätzen ; denn ich lese dies alles darin , mit dem zusammen , was St. Clair noch mündlich hinzufügte . Einmal sagte Hölderlin , alles sei Rhythmus , das ganze Schicksal des Menschen sei ein himmlischer Rhythmus , wie auch jedes Kunstwerk ein einziger Rhythmus sei , und alles schwinge sich von den Dichterlippen des Gottes , und wo der Menschengeist dem sich füge , das seien die verklärten Schicksale , in denen der Genius sich zeige , und das Dichten sei ein Streiten um die Wahrheit , und bald sei es in plastischem Geist , bald in athletischem , wo das Wort den Körper ( Dichtungsform ) ergreife , bald auch im hesperischen , das sei der Geist der Beobachtungen und erzeuge die Dichterwonnen , wo unter freudiger Sohle der Dichterklang erschalle , während die Sinne versunken seien in die notwendigen Ideengestaltungen der Geistesgewalt , die in der Zeit sei . - Diese letzte Dichtungsform sei eine hochzeitliche feierliche Vermählungsbegeistrung und bald tauche sie sich in die Nacht und werde im Dunkel hellsehend , bald auch ströme sie im Tageslicht über alles , was dieses beleuchte . - Der gegenüber , als der humanen Zeit , stehe die furchtbare Muse der tragischen Zeit ; - und wer dies nicht verstehe , meinte er , der könne nimmer zum Verständnis der hohen griechischen Kunstwerke kommen , deren Bau ein göttlich organischer sei , der nicht könne aus des Menschen Verstand hervorgehen , sondern der habe sich Undenkbarem geweiht . - Und so habe den Dichter der Gott gebraucht als Pfeil , seinen Rhythmus vom Bogen zu schnellen , und wer dies nicht empfinde und sich dem schmiege , der werde nie weder Geschick noch Athletentugend haben zum Dichter und zu schwach sei ein solcher , als daß er sich fassen könne , weder im Stoff , noch in der Weltansicht der früheren , noch in der späteren Vorstellungsart unsrer Tendenzen , und keine poetischen Formen werden sich ihm offenbaren . Dichter , die sich in gegebene Formen einstudieren , die können auch nur den einmal gegebenen Geist wiederholen , sie setzen sich wie Vögel auf einen Ast des Sprachbaumes und wiegen sich auf dem , nach dem Urrhythmus , der in seiner Wurzel liege , nicht aber fliege ein solcher auf als der Geistesadler , von dem lebendigen Geist der Sprache ausgebrütet . Ich verstehe alles , obschon mir vieles fremd drin ist , was die Dichtkunst belangt , wovon ich keine klare oder auch gar keine Vorstellung habe , aber ich hab besser durch diese Anschauungen des Hölderlin den Geist gefaßt , als durch das , wie mich St. Clair darüber belehrte . - Dir muß dies alles heilig und wichtig sein . - Ach , einem solchen wie Hölderlin , der im labyrinthischen Suchen leidenschaftlich hingerissen ist , dem müssen wir irgendwie begegnen , wenn auch wir das Göttliche verfolgen mit so reinem Heroismus wie er . - Mir sind seine Sprüche wie Orakelsprüche , die er als der Priester des Gottes im Wahnsinn ausruft , und gewiß ist alles Weltleben ihm gegenüber wahnsinnig ; denn es begreift ihn nicht . Und wie ist doch das Geisteswesen jener beschaffen , die nicht wahnsinnig sich deuchten ? - Ist es nicht Wahnsinn auch , aber an dem kein Gott Anteil hat ? - Wahnsinn , merk ich , nennt man das , was keinen Widerhall hat im Geist der andern , aber in mir hat dies alles Widerhall , und ich fühle in noch tieferen Tiefen des Geistes Antwort darauf hallen als bloß im Begriff . Ist ' s doch in meiner Seele wie im Donnergebirg , ein Widerhall weckt den andern , und so wird dies Gesagte vom Wahnsinnigen ewig mir in der Seele widerhallen . Günderode , weil Du schreibst , daß Dir mein Denken und Schreiben und Treiben die Seele ausfülle , so will ich nicht aufhören , wie es auch kommen mag , und einst wird sich Dir alles offenbaren , und ich selber werde dann , wie Hölderlin sagt , mich in den Leib des Dichtergottes verwandeln ; denn wenn ich nur Fassungskraft habe ! - Denn gewiß , Feuer hab ich , - aber in meiner Seele ist es so , daß ich ein Schicksal in mir fühle , das ganz nur Rhythmus des Gottes ist , was er vom Bogen schnellt , und ich auch will mich bei der Zäsur , wo er mir ins eigne widerstrebende Urteil mein göttlich Werden gibt , schnell losreißen und in seinem Rhythmus in die Himmel mich schwingen . Denn wie vermöcht ich sonst es ? - Nimmer ! Ich fiel zur Erde wie alles Schicksallose . - Und Du , Günderode , so adelig wie Du bist in Deinen poetischen Schwingungen ! Klirrt da nicht die Sehne des Bogens des Dichtergottes ? Und lässet die Schauer uns fühlen auch in diesen leisen träumentappenden Liedern : Drum laß mich , wie mich der Moment geboren , In ew ' gen Kreisen drehen sich die Horen , Die Sterne wandlen ohne festen Stand . Sagst Du nicht dasselbe hier ? - Klingt nicht so der Widerhall aus der Öde in Hölderlins Seele ? - Ach , ich weiß nicht zu fassen , wie man dies Höchste nicht heilig scheuen sollte , dies Gewaltige , und wenn auch kein Echo in unseren Begriff es übertrage , doch wissen wir , daß der entfesselte Geist über Leiden , die so mit Götterhand ihm auferlegt waren , im Triumph in die Hallen des Lichts sich schwinge , aber wir ! - Wissen wir Ungeprüften , ob je uns Hellung werde ? - Jetzt weiß ich ' s , ich werd ihm noch viel müssen nachgehen , doch genug zwischen uns davon ; eine Erscheinung ist er in meinen Sinnen , und in mein Denken strömt es Licht . - Anhang Gedichte der Günderode I Darthula nach Ossian Nathos schiffet durch den Sturm der Wogen , Ardan , Althos , seine Brüder mit , Caibars , Erins König , Zorn zu meiden , In geheimnisvolle Schatten kleiden Dunkle Wolken ihren fliehnden Schritt . Wer ? o Nathos ! ist an deiner Seite ! Traurig seufzt im Wind ihr braunes Haar , Lieblich ist sie , wie der Geist der Lüfte , Eingehüllt in leichte Nebeldüfte ; Schön vor allen Collas Tochter war . Ach Darthula ! Deine irren Segel Eilen nicht dem wald ' gen Etha zu . Seine Berge heben nicht die Rücken , Und die seeumwogten Küsten bücken Turas Felsen schon dem Meere zu . Wo verweiltet ihr , des Südes Winde ? Schwelltet Nathos ' weiße Segel nicht ? Trugt ihn nicht zum heimatlichen Strande ? Lange blieb er in dem fremden Lande Und der Tag der Rückkehr glänzt ihm nicht . Schön , o König Ethas ! warst du in der Fremde Wie des Morgens Strahl dem Angesicht . Deine Locken , gleich dem Raben , düster , Deine Stimme wie des Schilfs Geflüster , Wenn der Mittagswind sich leise wiegt . Deine Seele glich der Sonne Scheiden , Doch im Kampfe warst du fürchterlich . Brausend wie die ungestümen Wogen , Wenn vom Nord die stürm ' schen Winde zogen , Stürztest du auf Caibars Krieger dich . Auf Selamas grau bemoosten Mauern Sah dich Collas Tochter , und sie sprach : » Warum eilst du so zum Kampf der Speere ! Zahlreich sind des düstern Caibars Heere , Ach ! und meiner Liebe Furcht ist wach . Freuen wollt ich dein mich , deiner Siege , Aber Caibars Liebe läßt mich nicht . « So sprachst du . Jetzt haben dich die Wogen Mädchen ! und die Stürme dich betrogen , Nacht umringt dein schönes Angesicht . Aber schweiget noch ein wenig , Winde ! Überbraust Darthulas Stimme nicht ! Fürst von Etha , sind dies Usnoths Hallen ? Jene Ströme , die von Felsen fallen , Sind es Ethas blaue Ströme nicht ? Hier empöret Erin seine Berge , Ethas Felsenströme brüllen nicht . Dennoch ruh hier an des Ufers Hügel , Denn mein Schwert umgibt wie Blitzes Flügel Dich , du Liebliche , du schönes Licht . Nathos : sagt das braungelockte Mädchen , Niemand hat Darthula außer dich , Denn die Freunde sind mir früh gefallen , Laß um sie noch meine Klage schallen , Hör der Trauer Stimme , höre mich . Abend ward einst , in der Wehmut Schatten Bargen meines Landes Ebnen sich , Über hoher Wälder Wipfel schritten Einzle Lüfte , die aus Wolken glitten , Da umgaben Trauerschatten mich . Die Gestalten meiner Freunde gingen Traurig , Geistern gleich , an mir dahin . Da kam Colla mit gesenktem Schwerte , Seinen Blick geheftet an die Erde , Brennend glühte noch die Schlacht darin . » Collas letzte einz ' ge Hoffnung , « sprach er ; » Braungelocktes Mädchen ! Truthil fiel . Siegreich kehrt dir nicht der Bruder wieder , Zu Selama naht Erins Gebieter , Mit ihm Tausende im Schlachtgewühl . « » Ist des Kampfes Sohn gefallen ? « seufzt ich ! » Hat der lange Schlaf sein Aug verhüllt ? O ! so schütze mich der Jagden Bogen , Glücklich oftmals meine Pfeile flogen , Tödlich für das dunkelbraune Wild . « Freud umstrahlt den Greisen . Ja Darthula ! Deine Seele brennt in Truthils Glut , Geh , ergreif das Schwert vergangner Schlachten ! Also Colla : seine Worte fachten Höher noch in mir des Kampfes Mut . Wehmutsvoll verging die Nacht ; am Morgen Schimmerte im Stahl der Schlachten ich . - Caibar saß zum Mahl in Lonas Wüste , Als Selamas Waffenklang ihn grüßte ; Seine Führer rief er da zum Krieg . Warum soll ich , Nathos ! dir erzählen Von des Kampfes schwankendem Geschick ? Ach ! Umsonst bedeckt von meinem Schilde , Sank der Vater mir im Schlachtgefilde , Und in heißen Tränen schwamm mein Blick . Treulos zeigte da des Mädchens Busen Caibar mein zerrissenes Gewand ; Freundlich naht er , sprach der Liebe Worte , Führte mich zu meiner Väter Pforte , Aber Trauer meine Stirn umwand . Da erschienst du , Nathos ! meinen Augen , Freundlich wie ein abendlich Gestirn . Caibar schwand vor deines Stahles Sprühen Wie der Nachtgeist vor des Morgens Glühen , Doch es wölbte Trauer deine Stirn ? Meine Seele glänzte in Gefahren , Eh ich dich , du schönes Licht ! gesehn . Aber unsre Segel sind betrogen , Wolken kommen gegen dich gezogen . Und du wirst in ihrer Nacht vergehn . Oskar weilet noch an Selmas Küste ! Oskar schiffe durch das dunkle Meer ! O daß Winde deine Segel schwellten ! Zittern würden dann Temoras Helden , Friede wäre um Darthula her . Wo wird Nathos deinen Frieden finden ? Wo Darthula ! wo ist für dich Ruh ? Geister der Gefallnen ! sprach Darthula : Truthil ! Colla ! Führer von Selama ! Winkt ihr mir aus euren Wolken zu ! Nathos ! Reiche mir das Schwert der Tapfern , Vater ! Ich will deiner würdig sein , In des Stahles Treffen werd ich gehen , Nimmer Caibars düstre Hallen sehen , Nein ! Ihr Geister meiner Liebe ! Nein ! Freude glänzt in Nathos bei den Worten , Die das schöngelockte Mädchen sprach : Caibar , meine Stärke kehret wieder ! Komm mit Tausenden , Erins Gebieter ! Komm zum Kampfe ! Meine Kraft ist wach ! Ja , er kömmt mit Tausenden ! rief Ardan ; Schreckbar tönet ihrer Schwerter Schall . - Laß zehntausend Schwerter sich empören : Usnoth soll von Nathos ' Flucht nicht hören , Ardan : sag ihm , rühmlich war mein Fall . Winde ! Warum brausen eure Flügel ? Wogen ! Warum rauscht ihr so dahin ? Wellen ! Stürme ! Denkt ihr mich zu halten ? Nein , ihr könnt ' s nicht , stürmische Gewalten , Meine Seele läßt mich nicht entfliehn . Wenn des Herbstes Schatten wieder kehren , Mädchen ! Und du bist in Sicherheit , Dann versammle um dich Ethas Schönen , Laß für Nathos deine Harfe tönen , Meinem Ruhme sei dein Lied geweiht . - Nathos blieb gestützt auf seinem Speere ; Schaurig pfiff der Nachtwind um ihn her , Aber bei des Morgens erstem Strahle , Drang er vorwärts mit gezücktem Stahle , Mit dem Führer eilt Darthula her . Komm zum Zweikampf ! ruft er , Fürst Temoras ! Für Selamas Mädchen ! - Caibar spricht : Stolzer , du entflohst mir mit der Schönen , Wähnst du , Caibar kämpft mit Usnoths Söhnen ? Nein , er kämpft mit Unberühmten nicht . In des königlichen Nathos Augen Glänzen Tränen ; und er wendet sich Zu den Brüdern , ihre Speere fliegen Rachedürstend und gewiß zu siegen , Erins Reihn verwirren schwankend sich . Da ergrimmet Caibars finstre Seele , Und er winket , tausend Speere fliehn , Usnoths Söhne sinken wie drei Eichen , Die zur Erde ihre Wipfel neigen , Wenn des Nordens Stürme sie umziehn . Gestern sah sie noch der Wandrer blühen , Ihre stolze Schönheit freute ihn , Heute beugte sie der Sturm der Wüste , Sie , die gestern noch die Sonne grüßte . Sprachlos starret Collas Tochter hin . Höhnend naht ihr Caibar : » Mädchen sahst du Nathos ' Land , in fernes Blau gehüllt ? Oder Fingals dunkelbraune Hügel ? Ha ! Entrannst du auch des Sturmes Flügel , Über Selma hätte meine Schlacht gebrüllt . « Caibar sprach ' s. Da rauscht ein Pfeil , getroffen Sinkt sie , und ihr Schild stürzt vor sie hin . Wie des Schnees Säule sank sie nieder , Über Ethas schlummernden Gebieter Spreiten sich die dunklen Locken hin . Da versammelten die hundert Barden Caibars um Darthulas Grabmal sich , Ihre Harfen rauschten um den Hügel , Und es schwang sich des Gesanges Flügel , Für der Mädchen Erins Schönste ! dich ! Trauer schreitet an Selamas Strömen , Schweigen wohnet in den Hallen nun . Collas Tochter sank zum Schlafe nieder , O wann grüßest du den Morgen wieder ? Schöngelockte ! Wirst du lange ruhn ? Weit entfernet ist dein Morgen , nimmer Stehst du mehr in deiner Schönheit auf ; Ach , die Sonne tritt nicht an dein Bette , Spricht : » Erwach aus deiner Ruhestätte ! Collas schöne Tochter ! Steig herauf ! « Junges Grün entkeimet schon dem Hügel , Frühlingslüfte fliegen drüber her . Sonne , birg in Wolken deinen Schimmer ! Denn sie schläft , der Frauen erste ! Nimmer Kehret sie in ihrer Schönheit mehr . II Don Juan Es ist der Festtag nun erschienen , Geschmücket ist die ganze Stadt . Und die Balkone alle grünen , In Blumen blüht der Fürstin Pfad . Da kommt sie , schön in Gold und Seide Im königlichen Prunkgeschmeide An ihres Neuvermählten Seite . Erstaunet siehet sie die Menge Und preiset ihre Schönheit hoch ! Doch einer , einer im Gedränge Fühlt tiefer ihre Schönheit noch . Er möcht in ihrem Blick vergehen , Da er sie einmal erst gesehen , Und fühlt im Herzen tiefe Wehen . Sein Blick folgt ihr zum Hochzeitstanze Durch all der Tänzer bunte Reih ' n , Erstirbet bald in ihrem Glanze , Lebt auf im milden Augenschein . So wird er seines Schauens Beute , Und seiner Augen süße Weide Bringt bald dem Herzen bittres Leiden . So hat er Monde sich verzehret In seines eignen Herzens Glut ; Hat Töne seinem Schmerz verwehret , Gestählt in der Entsagung Mut ; Dann könnt er vor ' gen Mut verachten Und leben nur im tiefen Schmachten , Die Anmutsvolle zu betrachten . Mit Philipp war , an heil ' ger Stätte , Am Tag der Seelen fromm geweiht , Sein Hof versammelt zum Gebete , Das Seelen aus der Qual befreit ; Da flehen Juans heiße Blicke : Daß sie ihn einmal nur beglücke ! Erzwingen will er ' s vom Geschicke . Sie senkt das Haupt mit stillen Sinnen Und hebt es dann zum Himmel auf ; Da flammt in ihm ein kühn Beginnen , Er steigt voll Mut zum Altar auf . Laut will er seinen Schmerz ihr nennen , Und seines Herzens heißes Brennen In heil ' ger Gegenwart bekennen . Laut spricht er : Priester ! Lasset schweigen Für Tote die Gebete all . Für mich laßt heiße Bitten steigen ; Denn größer ist der Liebe Qual , Von der ich wen ' ger kann genesen , Als jene unglücksel ' gen Wesen Zur Qual des Feuers auserlesen . Und staunend siehet ihn die Menge So schön verklärt in Liebesmut . » Wo ist , im festlichen Gepränge , « Denkt manche still , » die solche Glut Und solches Wort hat jetzt gemeinet ? « Sie ist ' s , die heimlich Tränen weinet , Die Juans heiße Liebe meinet . War ' s Mitleid , ist es Lieb gewesen , Was diese Tränen ihr erpreßt ? Vom Gram kann Liebe nicht genesen , Wenn Zweifelmut sie nicht verläßt . Er kann sich Friede nicht erjagen ; Denn nimmer darf ' s die Lippe wagen , Der Liebe Schmerz ihr mehr zu klagen . Nur einen Tag will er erblicken , Der trüb ihm nicht vorüberflieht , Nur eine Stunde voll Entzücken , Wo süße Liebe ihm erblüht , Nur einen Tag der Nacht erwecken , Es mag ihn dann , mit ihren Schrecken Auf ewig Todesnacht bedecken . Es liebt die Königin die Bühne , Erschien oft selbst im bunten Spiel . Daß er dem kleinsten Wunsche diene Ist jetzt nur seines Lebens Ziel . Er läßt ihr ein Theater bauen , Dort will die reizendste der Frauen Er noch in neuer Anmut schauen . Der Hof sich einst zum Spiel vereinet , Die Königin in Schäfertracht Mit holder Anmut nur erscheinet , Den Blumenkranz in Lockennacht . Und Juans Seele sieht verwegen Mit ungestümem wildem Regen Dem kommenden Moment entgegen . Er winkt , und Flamm und Dampf erfüllen Entsetzlich jetzt das Schauspielhaus ; Der Liebe Glück will er verhüllen In Dampf und Nacht und Schreck und Graus ; Er jauchzet , daß es ihm gelungen , Des Schicksals Macht hat er bezwungen , Der Liebe süßen Lohn errungen . Gekommen ist die schöne Stunde ; Er trägt sie durch des Feuers Wut , Raubt manchen Kuß dem schönen Munde , Weckt ihres Busens tiefste Glut . Möcht sterben jetzt in ihren Armen , Möcht alles geben ihr ! - Verarmen , Zu anderm Leben nie erwarmen . Die eilenden Minuten fliehen , Er merket die Gefahren nicht Und fühlt nur ihre Wange glühen ; Doch sie , sie träumet länger nicht , Sie reißt sich von ihm los mit Beben , Er sieht sie durch die Hallen schweben - Verhaucht ist der Minute Leben . Mit sehnsuchtsvollem , krankem Herzen Eilt Juan durch die Hallen hin . In Wonne , Gram und süße Schmerzen Versinket ganz sein irrer Sinn , Er wirft sich auf sein Lager nieder , Und holde Träume zeigen wieder Ihm ihr geliebtes , holdes Bild . Die Sonne steiget auf und nieder ; Doch Abend bleibt ' s in seiner Brust . Es sank der Tag ihm , kehrt nicht wieder , Und sie , nur sie ist ihm bewußt , Und ewig , ewig ist gefangen Sein Geist im quälenden Verlangen Sie wachend , träumend anzuschaun . Und da , erwacht aus seinem Schlummer , Ist ' s ihm , als stieg er aus der Gruft , So fremd und tot ; und aller Kummer , Der mit ihm schlief , erwacht und ruft : » O weine ! Sie ist dir verloren , Die deine Liebe hat erkoren , Ein Abgrund trennet sie und dich ! « Er rafft sich auf mit trüber Seele Und eilt des Schlosses Gärten zu ; Da sieht er , bei des Mondes Helle , Ein Mädchen auf ihn eilen zu . Sie reicht ein Blatt ihm und verschwindet , Eh er zu fragen Worte findet , Er bricht die Siegel auf und liest : » Entfliehe ! Wenn dies Blatt gelesen Du hast , und rette so dich mir . Mir ist , als sei ich einst gewesen , Die Gegenwart erstirbt in mir , Und lebend ist nur jene Stunde , Sie spricht mir mit so süßem Munde , Von dir , von dir , und stets von dir . « Er liest das Blatt mit leisem Beben und liebt ' s und drückt es an sein Herz . Gewaltsam teilet sich sein Leben In große Wonne - tiefen Schmerz . Sollt er die Teuerste nun meiden ? Kann sie dies Trauern ihm bereiten ! Soll er sie nimmer wieder sehn ? Er geht nun , wie sie ihm geboten ; Da trifft ein Mörderdolch die Brust . Doch steigt er freudig zu den Toten , Denn der Erinnrung süße Lust Ruft ihm herauf die schönste Stunde . Er hänget noch an ihrem Munde - Entschlummert sanft in ihrem Arm . Zweiter Teil Wenn dich eine höhere Vorstellung durchdringt von einer Menschennatur , so zweifle nicht , daß dies die wahre sei ; denn alle sind geboren zum Ideal , und wo du es ahnst , da kannst du es auch in ihm zur Erscheinung bringen ; denn er hat gewiß die Anlage dazu . Wer das Ideal leugnet in sich , der könnte es auch nicht verstehen in andern , selbst wenn es vollkommen ausgesprochen wär . - Wer das Ideal erkannte in andern , dem blüht es auf , selbst wenn jener es nicht in sich ahnt . Die Günderode im Jahr 4 Mahomets Traum in der Wüste Bei des Mittags Brand , Wo der Wüste Sand Kein kühlend Lüftchen erlabet , Wo heiß , vom Samum nur geküsset , Ein grauer Fels die Wolken grüßet , Da sinket müd der Seher hin . Vom trügenden Schein Will der Dinge Sein Sein Geist , betrachtend hier , trennen . Der Zukunft Geist will er beschwören , Des eignen Herzens Stimme hören , Und folgen seiner Eingebung . Hier flieht die Gottheit , Die der Wahn ihm leiht , Der eitle Schimmer zerstiebet . Und ihn , auf den die Völker sehen , Den Siegespalmen nur umwehen , Umkreist der Sorgen dunkle Nacht . Des Sehers Traum Durchflieget den Raum Und all die künftigen Zeiten , Bald kostet er , in trunknem Wahne , Die Seligkeit gelungner Plane , Dann sieht er seinen Untergang . Entsetzen und Wut , Mit wechselnder Flut , Kämpfen im innersten Leben , » Von Zweifeln « , ruft er , » nur umgeben ! Verhauchet der Entschluß sein Leben ! Eh Reu ihn und Mißlingen straft . Der Gottheit Macht , Zerreiße die Nacht Des Schicksals vor meinen Blicken ! Sie lasse mich die Zukunft sehen , Ob meine Fahnen siegreich wehen , Ob mein Gesetz die Welt regiert ! « Er spricht ' s ; da bebt Die Erde , es hebt Die See sich auf zu den Wolken , Flammen entlodern den Felsenklüften , Die Luft , erfüllt von Schwefeldüften , Läßt träg die müden Schwingen ruhn . Im wilden Tanz Umschlinget der Kranz Der irren Sterne die Himmel ; Das Meer erbraust in seinen Gründen , Und in der Erde tiefsten Schlünden Streiten die Elemente sich . Und der Eintracht Band , Das mächtig umwand Die Kräfte , es schien gelöset . Der Luft entsinkt der Wolken Schleier , Und aus dem Abgrund steigt das Feuer Und zehret alles Ird ' sche auf . Mit trüberer Flut Steigt erst die Glut , Doch brennt sie sich stets reiner , Bis hell ein Lichtmeer ihr entsteiget , Das lodernd zu den Sternen reichet Und rein und hell und strahlend wallt . Der Seher erwacht Wie aus Grabesnacht , Und staunend fühlt er sich leben , Erwachend aus dem Tod der Schrecken , Harrt zagend er , ob nun erwecken Ein Gott der Wesen Kette wird . Von Sternen herab Zum Seher hinab Ertönt nun eine Stimme : » Verkörpert hast du hier gesehen , Was allen Dingen wird geschehen , Die Weltgeschichte sahst du hier . Es treibet die Kraft , Sie wirket und schafft In unaufhaltsamem Regen ; Was unrein ist , das wird verzehret , Das Reine nur , der Lichtstoff , währet Und fließt dem ew ' gen Urlicht zu . « Jetzt sinket die Nacht , Und glänzend ertagt Der Morgen in seiner Seele . » Nichts ! « ruft er , » soll mich mehr bezwingen : Das Licht nur werde ! sei mein Ringen , Dann wird mein Tun unsterblich sein ! « An die Günderode Frankfurt Günderödchen , der Clemens läßt Dich tausendmal grüßen . Ich muß es zuerst schreiben , denn er steht hinter mir und zwingt mich dazu , er spricht von einem Dompfaffen oder Blutfinken , der in Dich verliebt sei , und er sei so anmutig dumm , daß er Dir prophezeit , Du werdest ihm nicht widerstehen ; denn die Dummheit sei Deine Schwäche , Du fallest drüber her wie ein Raubvogel über ein neugeboren Gänschen , und er hab Dich mehrmals sehen lauern und schweben mit gierigem Blick über Dummheitsphänomenen , und die würdest Du Dir auch nie haben abjagen lassen , und Du seist gewiß im Rheingau auf der Jagd danach , während hier die merkwürdigsten Exemplare Dir in die Hände laufen würden und auch mehrere für ein Geringes an Geld zu sehen sind . Alleweil hat er den Hut genommen , um zu dem Puppenspiel Plätze zu bestellen , er will die Pauline hineinführen , um ihr augenscheinlich zu machen , wie es in ihrem Magen aussieht . Denn sie habe ein Puppenspiel im Leib und wenn sie mit ihm spricht , so antwortet er dem Pantalon , dem Skaramutsch , dem Hanswurst , der Colombine usw. - und sooft sie was sagt , so oft antwortet er einer andern Person vom Puppenspiel und so passend , daß das Puppentheater , nämlich der Pauline Magen , am meisten vom Lachen erschüttert wird . Er ist unerschöpflich an Witz , und alles läuft ihm nach . Daß Du nicht hier bist , hat ihn merklich betroffen , er wollt , ich könnt Dich bewegen zu kommen , aber Du wirst die Gärten des Dionysos nicht verlassen , wo Du jeden Morgen reife Beeren kostest , die der Gott Dir zum Fenster hinanreicht , um hier auf der schmutzigen Mess die Bären tanzen zu sehen . Hätt der Clemens nicht hier auf mich gewartet , so hätt ich mögen mit Dir im Rheingau bleiben , der Franz hätt ' s wohl erlaubt , ich hab mehrmals dran gedacht ; wie schön wär ' s gewesen , da wären wir herumgeschweift - überall - wo andre Menschen nicht hinkommen - oft ist ein klein verborgen Plätzchen , das niemand kennt , das Schönste von der Welt . - Ich sag Dir , wir hätten Quellchen entdeckt , tief im Gras und Gestein und einsame Hüttchen im Wald und vielleicht auch Höhlen - ich durchforschel gar zu gern die Natur Schritt vor Schritt . Ich dächt , wir sähen uns auch einstweilen um nach einem Ort , wo wir unsre Hütten bauen wollen - Du auf