könnt Euch denken , wie dem armen Herrn das Herz schwellen mochte , wenn er eine Schwierigkeit nach der andern sinken sah und , vom alten Könige bedrängt , jede neue Ausflucht mit dem Zorne des Vaters erkaufen mußte . Seine letzte Hülfe war der Herzog von Nottingham . Sie sahen sich , und er , der am besten die verzweiflungsvolle Lage des Prinzen kannte , willigte ein , nach Madrid zu gehen . Als Schwiegersohn des Grafen Bristol konnte seine Reise nicht auffallen , und er war vom Prinzen zu jedem Mittel autorisirt , das diese gefürchtete Verbindung trennen konnte ; ja , im letzten Falle sollte er der Großmuth der Infantin , von welcher der Prinz eine sehr gute Meinung hatte , sein ganzes Verhältniß vertrauen , doch vorher bei dem Herrn Grafen von Bristol Alles erschöpfen , ihn davon abzuschrecken . Diese unglücklichen Ketzer besprachen sich in meiner Gegenwart über das beste Mittel , dem Herrn Gesandten die Vermählung mit einer Katholikin als verderblich fürs Land darzustellen ! Ihr wißt , Hochwürdiger Herr , wie der arme Herzog Madrid nur erreichte , um an einem auf der Reise ausgebrochenen Fieber , worin er aus Eifer für seinen gnädigsten Prinzen sich nicht geschont , zu verscheiden . Als die entsetzliche Nachricht hier eintraf , die der erleuchtete Provinzial Manzori um zwölf Stunden früher an mich gelangen ließ , ohne daß es in meiner Macht stand , den Prinzen vorzubereiten , - denn dies hätte den geheimen Weg verrathen können , auf welchem ich davon in Kenntniß gesetzt worden , befanden sich eben der Herr Herzog von Buckingham bei Seiner Königlichen Hoheit . Den gnädigsten Herrn überwältigte der Schmerz auf das Heftigste , und ich sah ihn in die Arme des Mannes stürzen , den er so lange Jahre vermieden hatte . Ach , Herr , die Hand stützte ihn , die sich einst freventlich gegen ihn erhoben ! Aber der arme erschütterte Herr verrieth in seinem Schmerze , warum der Herr Herzog nach Spanien gereist ; denn in der Verblendung dieses Schmerzes nannte er sich den Mörder seines Freundes . Von diesem Augenblicke an vertrat Buckingham die Stelle des Vertrauten . Er erfuhr aber dennoch nicht den versteckten Anlaß zu dem Widerwillen des Prinzen und ahnte ihn auch nicht . Denn der Herr Herzog sind wohl böswillig und äußerst listig , aber auch oft von großem Leichtsinne besessen , und übersehen leicht die Ursachen , die Andere leiten , wenn Sie selbst nicht in Absichten gehindert sind , deren Erfolg Sie eben mit Eifer betreiben . Genug , er war es , der den Entschluß des Prinzen , nun selbst nach Spanien zu gehen , zuerst aussprach und den gnädigen Herrn dergestalt zu reizen wußte , daß er sich fast mit Gewalt von dem Könige die Erlaubniß nahm . Er versprach dem Prinzen , daß er diese Verbindung stören wolle , indem er unverholen seinen Haß gegen den Grafen von Bristol und dessen Ruhm und Ansehn aussprach ; ferner , wenn sie nach Spanien kämen , solle der Prinz dabei die Freiheit haben , sich als der liebenswürdigste Herr zu betragen , wobei er tausend Mal Ehre und Leben verpfändete , den Prinzen unangefochten durchzubringen . Und Ihr wißt , wie er vollständig sein Wort gelöst hat . - Ja , unterbrach ihn Mazarin , von unwillkürlichem Verdruß ergriffen , weil die Väter Jesu ihn nicht hindern wollten , und den eiteln Thoren unbewußt nach ihrer Genehmigung und ihrem Willen handeln ließen . Sie waren es , die seine Reise beschützten , und die zahllosen Gefahren von seinem und des Prinzen Haupte abwendeten . Doch weiter , weiter , setzte er hinzu , von seinem Unmuthe , wie es schien , selbst überrascht . Die Gräfin , fuhr Porter fort , sollte über die Reise Seiner Königlichen Hoheit getäuscht werden , wie man sie schon früher über die Reise des Herrn Herzogs von Nottingham getäuscht , was aber damals leichter möglich gewesen war , da sie eben auf einer Reise nach Schottland sich befand , um ihre Tochter abzuholen . Denn stets war diese edle Dame bereit , dem Prinzen die Freiheit wieder zu geben , und nie würde sie seine Schritte gegen den Willen des Königs genehmigt haben . Seine Königliche Hoheit sandten daher , da ihre baldige Rückkehr erwartet werden durfte , ihr die Bitte entgegen , seine längere Abwesenheit wegen Krankheit des Königs zu entschuldigen und nicht eher Briefe zu senden , als er sie abfordern werde . So war der Gefahr vorgebeugt , daß diese wichtigen Mittheilungen in fremde Hände kämen , zugleich aber auch der armen Dame bei herannahendem Ende jedes Mittel geraubt , ihre Lage kund zu geben und ihre Tochter in Sicherheit zu bringen . Der einzige Schritt , den sie that und thun konnte , den Herzog von Nottingham , unter dessen Namen alle ihre Briefe an den Prinzen gingen , zu unterrichten , brachte ihr die Nachricht seines Todes zurück . So kam es denn , daß die Nachricht von ihrem Ende durch die Beamten ihrer Güter dem allein anwesenden Grafen von Buckingham mitgetheilt ward , welcher sich sogleich beeilte , einen wohl bedeutenden Nachlaß der Schwester in Beschlag zu nehmen . Bei unserer Rückkehr erfuhr ich sofort , was ich Euch über den Tod der Frau Gräfin und die Flucht und das Verschwinden der jungen Lady mitgetheilt habe ; denn der Herr Herzog hatten Ihren alten Kammerdiener zurückgelassen , und Davenack wußte nichts , was ich nicht auch erfuhr . Da der Prinz selbst nicht an die Reise zu der Frau Gräfin denken konnte , indem ihn theils Seine Majestät der König , theils der Herr Herzog nicht aus den Augen verloren , war er im Begriffe mich abzusenden , um die , die er noch am Leben und sich , vermöge seiner Kämpfe um sie , näher gestellt wähnte , zu begrüßen . Denn die arme Dame war so von der Welt vergessen , daß ihr Tod für den Hof nur eine Fortsetzung ihres Lebens war und Niemand davon wissen konnte , da Niemand mit ihr in Verbindung stand . Da kam der Graf von Buckingham , der indessen , wie gewöhnlich , von einem Orte zum andern geschwelgt hatte , zurück und verkündete zuerst dem Herrn Herzoge den Tod der Schwester . Da der Herr Herzog sie seit ihrer Entfernung von London nicht wieder gesehen hatte , war ihm ihr Tod nun auch höchst gleichgültig , und so war es mehr der Zufall , als eine zu lösende Verpflichtung , daß der Herzog Seiner Majestät es anzeigte und nun des Anstandes halber dem Prinzen eine gleiche Meldung machte . Da ich jeden Augenblick etwas der Art erwartete , blieb ich stets in der Nähe Seiner Königlichen Hoheit , und so war ich Zeuge dieser traurigen Scene . Der Prinz blieb starr und bleich wie Marmor vor ihm stehen , dann fuhr er mit der Hand nach dem Herzen und stürzte ohnmächtig zu Boden . Ich verschloß sogleich die Thüren , und wir brachten ihn beide nach langen vergeblichen Bemühungen in ' s Leben zurück ; aber der Wahnsinn , in den der gnädige Herr gerieth , entdeckte Buckingham das ihm lang entzogene Geheimniß . Als der arme Herr anfing sich zu erholen , suchte sein gutes Herz Trost an dem Herzen des Bruders und fiel in die ausschweifendsten Pläne , jetzt noch der Verstorbenen jede Ehre zu erweisen , die er ihrem Leben nicht mehr hatte gewähren können ; namentlich aber wollte er die junge Lady für seine Tochter erklärt haben und dem Könige darüber sogleich seine Bitte vortragen . Der Herr Herzog widersprachen ihm nicht , denn Sie waren doch anscheinend sehr überrascht und wohl ganz ungewiß über die von der Sache zu fassende Ansicht . Doch beruhigten Sie Seine Königliche Hoheit durch die Zusicherung jeder Mitwirkung , die in ihren Kräften stände ; auch unterstützte ein zweiter Anfall , den der Prinz bekam , und dem eine gänzliche Abspannung folgte , das Bemühen des Herzogs , vor allen Dingen Zeit zu gewinnen . Die Aerzte wurden nun gerufen , der König benachrichtigt , und obgleich der Herzog Alles that , um müßige Personen zu entfernen , erscholl doch bald das ganze alte Schloß von der traurigen Nachricht dieses gefährlichen Erkrankens . - Und was , fragte Mazarin weiter , was hörtest Du von der jungen Lady , die so schnell verschwunden , und deren Sicherheit durch den Grafen Buckingham so arg bedroht schien . - Davenack , sprach Porter , hat mir darüber , was er von dem Kammerdiener des Grafen herausholen konnte , erzählt . Nachdem nämlich der Herr Graf die Anzeige von dem Tode seiner Schwester erhalten hatte , glaubte er in Abwesenheit des Herrn Herzogs , der am selben Tage London mit Seiner Königlichen Hoheit verlassen hatte , dahin abgehn zu müssen , nicht undeutlich die Hoffnung verrathend , irgend einen Nachlaß zu finden , der ihn für diese langweilige Reise entschädigen könne . Er hatte dieselbe auch so lange verzögert , daß er die Schwester im Sarge fand . Eines Abends , als er im Buckingham - Park noch bis zur Nacht schwelgend an der Tafel saß , meldete ihm sein Kammerdiener , es hätten sich vermummte Gestalten nach dem Paradezimmer , worin die Leiche der Frau Gräfin stand , geschlichen . Immer schien er die Ahnung irgend eines Geheimnisses zu haben . Daher gebietet er sogleich mehreren Dienern , ihm zu folgen , und findet die junge Lady an dem Sarge ihrer Mutter ; er entreißt ihr den Schleier , der sie umhüllt , und die Aehnlichkeit mit seiner Schwester , die sich nun ihm zeigt , verwirrt ihn so , daß er einen Geist zu sehen glaubt . Feuergeschrei giebt ihr Gelegenheit , mit Gersem zu entfliehn . Das Feuer leitete den Grafen nach einem vorher übersehenen Theile des Hauses ; er fand eine halb verbrannte Frau ; Mistreß Hanna war es . In den Flammen , welche die von ihr im Schlaf umgestoßene Kerze entzündet hatte , erwacht und von Außen eingeschlossen , hatte sie ein Fenster aufgerissen , wodurch das Feuer nur mehr um sich griff , bis die Thür verbrannt einstürzte und Hülfe von Außen kam . Kaum war die Gefahr vorüber , so vermißte der Graf die Flüchtlinge . Schloß , Garten und endlich die angrenzenden Gehöfte wurden durchsucht ; ein Hirtenknabe verrieth die Fliehenden , die , um schneller zu entkommen , Pferde in einer Meierei genommen hatten . Die Schönheit des Fräuleins , das Geheimnißvolle ihrer Auffindung und Flucht , Alles bringt den Herrn Grafen in Wuth , er selbst setzt sich mit mehreren Dienern zu Pferde und bald hat er sie erreicht . Gersem setzt sich zur Wehre ; ein Hieb über den Kopf streckt ihn nieder und giebt das sterbende Fräulein in die Gewalt des Grafen . Da ihr Leben entflohn zu sein scheint , kehrt er zur Nacht in eine Hütte ein , um Wiederbelebungsversuche zu machen , während der schwer verwundete Gersem nach dem Schlosse voran gesendet wird . Aus jener Hütte nun ist das Fräulein aufs Neue durch ein Fenster entflohn , und ob nun der Herr Graf durch das bereits Geschehene etwas die Lust verloren hatte oder die Unglückliche wirklich bald in Sicherheit kam , genug der Herr Graf kehrte nach mehreren Versuchen , sie aufzufinden , unverrichteter Sache zum Schlosse zurück . Er fand hier viel zu thun , das Feuer brannte noch ; Gersem und Mistreß Hanna waren sterbend . Er schickte nach einem Arzt , dem er empfahl , das Schloß nur nach der Genesung Beider zu verlassen ; allen Hausgenossen aber ward über das Geschehene , bei Verlust des Dienstes , das strengste Geheimniß anbefohlen . Sodann reisete er ab , ich denke , ein wenig verlegen , wie der Herr Herzog die Sache beurtheilen werden , da dieselben oft in Bezug auf die Handlungen Anderer kritischer sind , als nach ihren eignen zu erwarten stände . Der Herr Graf hatte übrigens gewünscht , dem Herrn Herzog Nachricht über die junge Lady zu geben , über deren Zusammenhang mit der verstorbenen Dame er nicht ohne Verdacht geblieben war . Bei Gersems angehender Besserung versuchte ein Abgesandter des Herrn Grafen ihn auszuforschen ; aber Gersem war ganz unerbittlich . Auf die Frage , wer sie sei , hat Gersem geantwortet , daß er es nicht wisse ; auf die Frage , wo sie sei , hat der Schmerz , den er geäußert , nur zu sehr bestätigt , daß er sie selbst verloren habe , und das Einzige , was er nicht verborgen , war sein früherer Entschluß , die Lady nach London zu bringen . Dessen ungeachtet ist es gelungen , den Aufenthaltsort der jungen Dame auszuforschen , denn der Herr Graf wünschten sie wieder in Verwahr zu nehmen , und ließen daher von Alois und seinen Leuten die Gegend ausspähen , da zu erwarten stand , daß diese junge und zarte Dame nicht sehr weit vorgedrungen sein könne , ohne Schutz und Hülfe in der Nachbarschaft zu finden , was ihre Entdeckung erleichtern mußte . Dies bestätigte sich auch bald . In der Gegend von Cheffield stieß nämlich Alois in Bettlertracht auf eine glänzende Cavalcade von Herren und Damen , in deren Mitte die junge Lady Maria , die Alois sogleich wieder erkannte . Es waren Damen und Herren aus Godwie-Castle , und der junge Herzog von Nottingham an der Spitze des Zuges . Eingang in das Schloß zu gewinnen , war zwar leicht , da jedem Bedürftigen Nahrung gereicht wird , aber die junge Dame von dort zu entführen , schien unmöglich , da sie im Schooß der Familie von allem , was die Etikette und die Sicherheit erfordert , umgeben lebt , und der Graf haben nunmehr das Weitere bis zur Ankunft des Herrn Herzogs aufgeschoben . - Mazarin hatte mehrere Male , während der Alte , ohne einzuhalten , seine Berichte mit der aufs Neue bestätigten Devotion gegen die Befehle des Ordens ihm vortrug , auf einer kleinen Tafel neben sich einige Worte notirt , während sein scharfes Auge , dann wieder halb gesenkt , keinen Zug , keine Bewegung des verführten Greises verabsäumte . Auch gehörte die Mimik des Alten sehr wesentlich zu seinen Worten . Obwol zu dem blassen , dürftigen Ausdruck , der in seinen Zügen herrschend war , zurückgekehrt , und ohne den Blick beim Sprechen aufzuschlagen , hatte er eine Art , mit der seitwärts am Leibe niederhängenden Hand hinterwärts ganz wenig und blitzschnell in die Luft zu haschen ; und diese Bewegung war , von einem Lächeln um den Mund begleitet , so bitter und verächtlich , daß es die innere Verdammung der Sache andeutete , wenn auch die Worte seines Mundes nie über die devote Sprache des demüthigen Dieners sich erhoben . Mazarin sah so vor seinen Augen die Personen bezeichnen , gegen die der Privathaß des Alten den Eifer unterstützte , zu dem er im Bunde des Ordens verpflichtet war . Wenn er auch im Ganzen einen solchen Verrath innerer Meinungen tadeln mußte , als eine mangelhafte Ausbildung an einem Schüler der heiligen und strengen Väter , deren erste Regel die vollkommene Beherrschung des Aeußern war , so glaubte er sie doch weniger in diesem Falle rügen zu dürfen . Die Zeit hatte hier längst jeden Verdacht entkräftet , da der Greis mit dem vollständigsten Verrathe seines Prinzen zugleich eine Sorgfalt und aufopfernde Liebe für denselben verband , von der er zu viele Beweise gegeben , um nicht von ihm als ein völlig geprüfter und bewährter Diener zum Theilnehmer an den wichtigsten Beziehungen seines Lebens gemacht zu werden . Auch hüteten sich die klugen Väter sehr wohl , den Alten auf Proben des Gehorsams zu setzen , die gegen die scheinbare Treue , welche sich Porter in der persönlichen Behütung des Prinzen vorbehalten hatte , stritten , fürchtend , der Gehorsam desselben könne sich dort zu ihrem Nachtheil zeigen , da seine oft erregten Gewissensskrupel schon jetzt der Gesellschaft des Prinzen zuzurechnen waren , dessen reiner , gerechter und tugendhafter Sinn auf die sophistischen Lehren und Grundsätze , welche Porter erzogen hatten , bedenklich einwirkte . Im Gegentheil wußte man ihm sein schweres Amt stets aus dem Gesichtspunkt einer aufopfernden Liebe für den Prinzen darzustellen ; derselbe solle geschützt werden gegen Feinde des Thrones , er solle dadurch dem Einfluß der heiligen Väter erhalten werden , die bei ihrer großen Liebe zu dem hoffnungsvollen Prinzen ihn aus der schrecklichen Gefangenschaft der Ketzerei dereinst zu erlösen hofften . Weiter reichten die wohl erwogenen Fähigkeiten Porters nicht ; hierzu hatte er aber die den geringeren Ständen oft in hohem Grade eigene Beobachtungsgabe , und seine Meldungen haben bewiesen , daß er weder etwas Wesentliches übersah , noch über die Mittel , sich in Kenntniß zu setzen , verlegen war . Er war so im Mittelpunkt des Hofes eine unschätzbare Person geworden , die man dabei mit nichts weiter zu nähren hatte , als mit den fanatischen Mitteln der heiligen Kirche und der gleich großen Furcht , welche die vornehmen und mächtigen Ordensbrüder ihm einzuflößen wußten . Sein natürlicher Hang zur Intrigue , der , von Jugend auf in ihm entwickelt , jetzt der einzige Reiz seines öden , von allen wärmeren Beziehungen des Lebens völlig entblößten Daseins ausmachte , unterhielt diese Absichten . Vorerst , sprach Mazarin mit der Kälte des Obern , welcher den befohlenen Bericht angehört , wirst Du mir jetzt zu hinterbringen wissen , was Buckingham über das heut Erfahrene beschließt , ob er den Aufenthalt der Lady kennt , und was er ihr zugedacht ? Zweitens , setzte er hinzu , indem ein etwas rötherer Glanz um seine Züge spielte und einer jener stechenden Blicke hervor brach , wodurch er zuweilen sein Herz erleichterte , zweitens will ich jeden Boten , jeden Brief , den Buckingham oder Membrocke in dieser Zeit absendet , vorher gesehn haben . Devenant wird dies als eine kleine vorläufige Begrüßung ansehn , setzte er hinzu , einen schweren grünseidnen Beutel Porter darreichend . Solltest Du , mein ehrlicher Freund , für den solche Dinge keinen Werth haben , solltest Du nicht Auslagen gemacht haben ? Der Orden würde es verweigern , Deine Rechnungen zu sehen , da Du aber an der Kasse heiliger Zwecke Deinen Antheil hast , so nimm dies vorläufig ; Du darfst solche elende Mittel nicht schonen . - Porter nahm mit völlig gleichgültiger Miene eine ähnliche Summe , indem er mit Stolz hinzusetzte : Bemerkt wohl , nicht in meinem Interesse empfange ich dieses elende Mittel , wie Ihr mit Recht sagt . Ohne zu antworten , wandte ihm Mazarin den Rücken . Er hatte Erfahrungen genug gemacht über die Wirksamkeit dieser Mittel , und hatte nie ermangelt , die Empfänglichkeit dafür in seinen Werkzeugen zu unterhalten , wenn es auch bei Porter nur zu den Nebenwirkungen diente , die nicht ausbleiben durften . Dieser hatte die Befehle für seine nächsten Dienste mit aller Unterwürfigkeit empfangen und sich dann auf demselben geheimen Wege entfernt , der ihn sicher hierher geführt , während Mazarin sich den Händen Benvilles übergab , um nach einem höchst bewegten Tage sein Lager und den Schlaf zu suchen , wenn er dem willig erscheinen möchte , vor dessen Seele das Leben gerade nur so viel Werth und Bedeutung hat , als er durch eignen Willen hinein legt . Diese Ansicht macht allerdings die Sorge für den kommenden Tag zu einer Aufgabe unserer Willkür , jenen Frieden , jene Ruhe fern haltend , welche willig nur den erreichen , dem die Ueberzeugung von der eignen Kraftbegrenzung zum freudigen Vertrauen wird auf eine höhere , überall ausreichende Kraft . Es würde schwer sein , in das Chaos der Gedanken , welche in Buckingham wogten , einzudringen ; er fühlte jedoch die Nothwendigkeit eines zu fassenden Entschlusses , weil das wiederkehrende Bewußtsein des Prinzen sogleich entscheidende Anforderungen hervorrufen konnte , denen irgend eine Richtung zu geben , er alsdann gerüstet sein mußte . Die Ueberzeugung erbitterte ihn , daß ihm ein so wichtiges Geheimniß entzogen ward , daß seine heimlichen Spione eine so große Begebenheit in seinem nächsten Interesse übersehen konnten , daß der Prinz , den er so lange als einen unmündigen Knaben aus Gnade geduldet und geschont hatte , ebenso seine Schwester , die als unbrauchbar von ihm verachtet und vergessen war , daß Beide ihn so zu täuschen vermocht , ihm das entzogen hatten , was seinem Ehrgeiz aufs Höchste geschmeichelt und ihn zum Meister alles Glanzes erhoben haben würde . Dies Mittel , Bristol mitten in seinen Operationen tödtlich zu treffen und die Familie dessen auf die höchste Stufe zu heben , welchen dieser unerschütterliche Mann stets mit der verdienten Nichtachtung behandelt hatte ; dies Ereigniß endlich , welches er selbst herbeizurufen bemüht gewesen war , ehe die Erhebung des Prinzen zum Thronerben ihn an der Möglichkeit hatte verzweifeln lassen , welches nun ohne seinen Willen , seinen Schutz dennoch geschehen ; dies alles und die hieraus hervorgehende beschämende Ueberzeugung , daß seine Macht nicht überall ausreiche , brachte in ihm einen Groll , eine Wuth hervor , die jeder andern Rücksicht vorherrschen wollte . Daß dies Gefühl gemäßigter in ihm geworden wäre , hätte seine Schwester noch gelebt , und wäre das noch zu erringen gewesen , was ihm so große Befriedigung verhieß , scheint uns allerdings wahrscheinlich . Ihr Tod aber machte den Prinzen wieder zu einem freien Eigenthum des Staates , und er sah voraus , daß diese versäumten Vortheile , wenn sie bekannt würden , ihn in den Augen seiner Feinde mehr lächerlich , als beneidenswerth machen würden . Er mußte sich mit Zähneknirschen gestehen , daß er dem Prinzen bei der Reise nach Spanien als Werkzeug von Plänen gedient , die ihm so nahe lagen , und worüber ihm dennoch das Vertrauen entzogen ward , während er wähnte , den Prinzen zu dieser Reise in dem Interesse seiner Pläne gegen Bristol benutzt zu haben . Für so viele Demüthigungen und so vielen möglich gewesenen Vortheil schien ihm eine königliche Nichte ein trauriger Ersatz . Sie war ihm in seinen bis jetzt verfolgten Plänen sogar lästig und hinderlich , und alle Kränkungen , welche sein stolzes Herz durch die Urheber ihres Daseins empfangen zu haben glaubte , vereinigten sich in Widerwillen gegen dies unschuldige Wesen , das zu opfern , ihm nur eine sehr geringe Befriedigung der Rache für so viele ihm zugefügte Unbilden schien . Zwar mußte er sich sagen , daß die Erklärung ihres rechtmäßigen Daseins vor der Welt , in Spanien nur vollenden mußte , was er begonnen , aber diese Sache war für ihn abgemacht ; denn Spanien hatte bereits Noten überreicht , die nicht nur jede Täuschung über etwaige freundschaftliche Verbindungen oder nähere Verhältnisse aufhoben , sondern sogar auf offene Feindschaft deuteten ; ja , er wollte diesen Bruch , den er , über Bristol triumphirend , sich allein zuzuschreiben trachtete , nicht scheinbar der Bekanntwerdung einer allerdings unter allen Umständen beleidigenden und trennenden Veranlassung beigemessen wissen . Man sollte sagen : Buckingham habe diese Verbindung nicht gewollt , also hat er sie getrennt . Ebenso wenig paßte die Lautwerdung dieser geheimen Verbindung zu den neueren Absichten Buckinghams , die er angeknüpft , um das große Werk einer Vermählung des Prinzen nicht allein dem Grafen Bristol zu entreißen , sondern sich selbst anzueignen . Er hatte die unbesonnene Reise des Prinzen nach Spanien durch Frankreich geleitet , und indem er den Hof Ludwigs des Dreizehnten durch die natürlichen Vorzüge des Prinzen gewinnen ließ , und der Prinz die aufblühende Schönheit der Prinzessin Henriette , der reizenden Tochter Heinrichs des Vierten , kennen lernte , wußte er Richelieu für eine Verbindung Beider zu stimmen , ihm den Prinzen schon jetzt liebend zu schildern und , was seinen Besuch in Spanien betraf , der wahren Absicht die Lüge unterzuschieben , daß es dabei auf Henriettens Besitz abgesehen gewesen sei . Richelieu hatte für den Augenblick kein Bedenken , zu thun , als ob er Buckingham Alles glaube . Diese Verbindung war ihm gelegen . Was ihr entgegen stand , kannte Richelieu besser , als Buckingham . Er war jedoch weit entfernt , diese Schwierigkeit hervor zu heben , die er im Gegentheil sehr bemüht gewesen war Buckingham verbergen zu helfen , zumal da deren Kenntniß damals , wo die Schwester des Herzogs noch am Leben war , nur zu gewiß in den Plänen desselben eine Diversion gemacht hätte . Richelieu war daher entschlossen , erst dann den Herzog die Entdeckung machen zu lassen , wenn er weit genug die Sache betrieben haben würde , um dann aus Stolz sie fortsetzen und nothgedrungen selbst die Hindernisse entfernen zu müssen . Wenn jedoch der Herzog von Buckingham seinen Stolz darein setzte , als eine mächtige diplomatische Person dazustehn , war sein Karakter doch zu sehr die Beute aller Leidenschaften , um eine solche Stellung mit Consequenz und Ueberlegenheit durchführen zu können , und der Leichtsinn und der Uebermuth seines ganzen Wesens verstrickte ihn oft zur selben Zeit , wo er das ernsteste Ziel verfolgen wollte , in tausend Nebendinge , die es dem Zufall anheim gaben , was aus der Hauptsache werden sollte . Daß dessen ungeachtet ihm so viel gelungen , stand er nicht an , seinen Talenten beizumessen , wie sehr es auch nur seinen geschickteren Emissären oder der Furcht vor seiner zügellosen Rachsucht zuzuschreiben war . Auf gleiche Weise wußte er dieser mit Frankreich angeknüpften Verbindung auch dies Mal eine Beimischung einer Thorheit zu geben , die allein hinreichend war , über seine Person die tödtlichsten Gefahren zu bringen , und ihn völlig untauglich machen mußte , die Rolle des Unterhändlers , wonach sein ganzer Ehrgeiz trachtete , weiter durchzuführen . Anna von Oesterreich , die Gemahlin Ludwig des Dreizehnten , lebte an dem Hofe ihres Gemahls wie eine Verstoßene . Dreizehn Jahre lang war eine der schönsten und geistvollsten Frauen , die jemals einen Thron geziert , der Gegenstand eines unüberwindlichen Widerwillens ihres Gemahls gewesen . Jung und von stolzer Gemüthsart , ertrug sie ihr hartes Loos nur mit tiefstem Verdruß , und wußte ihren Wandel nicht vor dem Vorwurf zu bewahren , daß sie ihr Loos verdient habe . Wie konnte Buckingham einer Frau , deren sonderbare Verhältnisse kein Geheimniß waren , und deren bezaubernde Schönheit ihn augenblicklich zum Thoren machte , gegenüber stehen , ohne sich jeden Versuch zu erlauben , den die freche Zügellosigkeit eines verwöhnten Wüstlings ersinnen mag , das Herz und Gewissen eines leidenschaftlichen Weibes zu bethören . Daß Richelieu auch dies kannte , war gewiß , da er jede Verbindung der unglücklichen Königin wußte , ja , leitete ; aber er hatte , durch die Launen des Herzogs begünstigt , hier einen Wächter gefunden , wie ihn Buckingham sich nicht träumen ließ , und der ihn deßhalb um so sicherer durchschaute und umstrickte . Mazarin , dessen unschönes Aeußere jeden Verdacht der Art von ihm zu entfernen schien , hatte durch den langsamen Zauber der Gewöhnung , durch einen vielseitig gebildeten Geist , durch ein sanftes , von kleinen Launen und Eigenheiten pikant gemachtes Wesen , und vor Allem durch den dargelegten Ausdruck einer anbetenden unglücklichen Leidenschaft für die Königin , endlich das eitle und stolze Herz dieser leidenschaftlichen Frau erweicht . So stark gefesselt , und stets noch mehr sie unterjochend durch seine scharfen und launenhaften Sonderbarkeiten , die zu ertragen er sie gewöhnte , blieb er , wenn auch in Wahrheit mit italienischer Wärme sich hingezogen fühlend , doch stets Beherrscher dieser Empfindung , um sie den Umständen und äußern Verhältnissen unterzuordnen . So war ihm der mächtige Einfluß gesichert , der ihm aus dieser Empfindung für die Zukunft erwuchs . Aber er besaß , bei aller Ruhe , womit er unter den Augen und mit der Beistimmung Richelieus diese Verbindung zu seinen Absichten zu lenken wußte , doch einen Grad von Eitelkeit , der sich bei unschönen Männern um so heftiger zeigt , als sie gezwungen sind , dieselbe eben um der ihnen verweigerten äußern Vorzüge willen zu verbergen . Er fühlte sich innerlich unsäglich geschmeichelt , dieser schönen geistreichen und hochfahrenden Königin eine Leidenschaft eingeflößt zu haben , durch die ihr ganzer Karakter aus den Fugen trat und zum willenlosen Spiel seines Willens ward . Die Gefahr eines Verlustes der so errungenen Gewalt für unmöglich zu halten , war vielleicht die größte Täuschung dieses klaren Geistes , und es konnte nur der feinen Phantasmagorie seiner erwähnten Eitelkeit gelingen , ihn darüber sicher zu stellen . Wie mußte er daher Buckingham ansehen , der , ohne in ihm seinen Gegner zu ahnen , ihn fast überrennend , mit der rücksichtslosesten Zuversichtlichkeit und dem ganzen Ungestüm des schönen Mannes dem Ziele zustürmte , welches er für einen Andern fast nicht erreichbar wähnte . Noch war Buckinghams Besuch zu kurz gewesen , noch trieb die zärtliche Frau , Mazarins Eifersucht in ihrer tödtlichen Stärke ahnend , nur Spott mit seiner tollen Leidenschaft ; aber schon gefiel sich ihre Eitelkeit in der Bewunderung des wegen seiner Schönheit und Galanterie berühmten Mannes . Mazarin sah sie mit ihm die kleinen Künste treiben , die ihn freilich nur verführen sollten , um ihn zu verspotten , aber geweckt aus seiner wohlgefälligen Sicherheit , ließ er sich nicht mehr täuschen , und fand sich zum ersten Male durch das mächtigste Gefühl in seinen politischen Ansichten und Beschlüssen gestört . Richelieu durchschaute ihn sogleich und ertheilte ihm in der Stille nur noch eine bedingte Wirksamkeit in den Angelegenheiten , welche die Höfe von Frankreich und England nach Buckinghams Absichten näher verbinden sollten . Doch war es Buckingham bei seiner Rückkehr vorbehalten , den Gegner zu erkennen und zugleich die ans Fabelhafte grenzende Leidenschaft der Königin für diesen fast häßlichen , ernsten und abgemessenen Sonderling . Seine Wuth darüber kam nur dem Verlangen gleich , diesen ihm so unwürdig scheinenden Günstling zu stürzen ,