ist wahr , der Chirurgus wird ewig mit seiner Brandsalbe nicht fertig . Doch hilft ein gemeines Hausmittel auch wohl ungemeinen Leuten . Man schaffe rohe Kartoffeln herbei ! « Sie schritt nach der Türe , aber wie plötzlich von irgendeinem Gedanken erfaßt , blieb sie stehen , kehrte um , schloß Julien in die Arme , küßte sie auf die Stirne und sprach : » Du bist mein gutes liebes Kind und wirst immer das ganz sein , was du sein sollst ! - Hüte dich nur vor überspannten wahnsinnigen Toren und verschließe dein Gemüt dem bösen Zauber ihrer verlockenden Reden ! « - Damit warf sie noch einen forschenden Blick auf die Prinzessin , die sanft und süß zu schlummern schien , und verließ das Zimmer . Der Chirurgus trat hinein mit einem ungeheuren Pflaster in den Händen , unter vielen Beteuerungen versichernd , daß er schon seit geraumer Zeit gewartet in den Zimmern des gnädigsten Prinzen , da er nicht vermuten können , daß er in dem Schlafgemach der gnädigsten Prinzessin - Er wollte mit dem Pflaster los auf den Prinzen , die Kammerfrau , die ein paar stattliche Kartoffeln auf einer silbernen Schüssel herbeigebracht , vertrat ihm aber den Weg und versicherte , daß für Verletzungen durch Brand geschabte Kartoffeln das allerbeste Mittel wären . » Und ich , « fiel Julia der Kammerfrau ins Wort , indem sie ihr die silberne Schüssel abnahm , » und ich selbst will für Sie , mein Prinzchen , das Pflaster gar fein bereiten . « » Gnädigster Herr , « sprach der Chirurg erschrocken , » bedenken Sie ! - ein Hausmittel für verbrannte Finger eines hohen fürstlichen Herrn ! - Die Kunst - die Kunst soll - muß hier allein helfen ! « Er wollte von neuem auf den Prinzen los , der prallte aber zurück und rief : » Weg da , weg da ! Fräulein Julia soll mir das Pflaster bereiten , die Kunst soll sich zum Zimmer hinausscheren ! « Die Kunst empfahl sich samt ihrem wohlpräparierten Pflaster , indem sie giftige Blicke auf die Kammerfrau warf . Stärker und stärker hörte Julia die Prinzessin atmen , doch wie erstaunte sie , als - ( M. f. f. ) - einschlafen . Hin und her wälzte ich mich auf meinem Lager ; ich versuchte alle nur mögliche Stellungen . Bald streckte ich mich lang aus , bald wickelte ich mich rund zusammen , ließ den Kopf auf den weichen Pfoten ruhen und ringelte den Schweif zierlich um mich herum , so daß er die Augen bedeckte , bald warf ich mich auf die Seite , ließ die Pfoten wegstarren vom Leibe , den Schweif in lebloser Gleichgültigkeit hinabhängen vom Lager . Alles - alles vergebens ! - Wirrer und wirrer wurden Vorstellungen , Gedanken , bis ich endlich in jenes Delirium fiel , das kein Schlaf , sondern ein Kampf zwischen Schlafen und Wachen zu nennen , wie Moritz , Davidson , Nudow , Tiedemann , Wienholt , Reil , Schubert , Kluge und andere physiologische Schriftsteller , die über Schlaf und Traum geschrieben und die ich nicht gelesen , mit Recht behaupten . Die helle Sonne schien in des Meisters Zimmer hinein , als ich aus diesem Delirium , aus diesem Kampf zwischen Schlafen und Wachen , wirklich zum klaren Bewußtsein erwachte . Aber welch ein Bewußtsein , welch ein Erwachen ! - O Katerjüngling , der du dieses liesest , spitze die Ohren und lies aufmerksam , daß dir die Moral nicht entwische ! - Nimm dir zu Herzen , was ich über einen Zustand sage , dessen unnennbare Trostlosigkeit ich dir nur mit schwachen Farben schildern kann . - Nimm dir diesen Zustand , wiederhole ich , zu Herzen und dich selbst möglich in acht , wenn du zum erstenmal in einer Katzburschengesellschaft Katzpunsch genießest . Nippe mäßig und berufe dich , will man das nicht leiden , auf mich und meine Erfahrung , der Kater Murr sei deine Autorität , die jeder , hoff ' ich , anerkennen und gelten lassen wird . Nun also ! - Was zuvörderst mein physisches Befinden betrifft , so fühlte ich mich nicht allein matt und elend , sondern was mir ganz besondere Qualen schuf , war ein gewisser kecker abnormer Anspruch des Magens , der eben seiner Abnormität halber nicht durchzusetzen war und nur einen unnützen Rumor im Innern verursachte , an dem sogar die affizierten Ganglien teilnahmen , die in ewigem physischem Wollen und Nichtvermögen krankhaft zitterten und bebten . - Es war ein heilloser Zustand ! - Aber beinahe noch empfindlicher war die psychische Affektion . Mit der bittern Reue und Zerknirschung eines Gestern halber , das ich doch eigentlich gar nicht für tadelnswert achten konnte , kam eine trostlose Gleichgültigkeit in meine Seele gegen alles irdische Wohl ! - Ich verachtete alle Güter der Erde , alle Gaben der Natur , Weisheit , Verstand , Witz u.s.w. Die größten Philosophen , die geistreichsten Dichter galten mir nicht höher als Lumpenpuppen , sogenannte Hansemänner , und was das ärgste war , auf mich selbst dehnte sich jene Verachtung aus , und ich glaubte zu erkennen , daß ich nichts sei als ein ganz gewöhnlicher miserabler Mausekatz ! - Niederschlagenderes gibt es nicht ! Der Gedanke , daß ich in dem größten Jammer befangen , daß die ganze irdische Erde überhaupt ein Jammertal sei , vernichtete mich in namenlosen Schmerz . - Ich kniff die Augen zu und weinte sehr ! - » Du hast geschwärmt , Murr , und nun ist dir miserabel zumute ? - Ja , ja , so geht ' s ! - Nun schlaf ' nur aus , alter Junge , dann wird ' s besser werden ! « - So rief der Meister mir zu , als ich das Frühstück stehen ließ und einige Schmerzenstöne von mir gab . Der Meister ! - o Gott , er wußte nicht , er kannte nicht meine Leiden ! - er ahnte nicht , wie Burschentum und Katzpunsch wirkt auf ein zartfühlendes Gemüt ! - Es mochte Mittag sein , noch hatte ich mich nicht vom Lager gerührt , als plötzlich , der Himmel weiß , wie er sich hineinzuschleichen gewußt , Bruder Muzius vor mir stand . - Ich klagte ihm meinen unseligen Zustand , statt aber , wie ich gehofft , mich zu bedauern , mich zu trösten , schlug er eine unmäßige Lache auf und rief : » Hoho , Bruder Murr , es ist weiter nichts als die Krisis , der Übergang von unwürdiger philistriger Knabenschaft zum würdigen Burschentum , die dich glauben läßt , daß du krank bist und elend . Du bist das edle Kommerschieren noch nicht gewohnt ! - Aber tu mir den Gefallen und halte das Maul und klage nicht etwa dem Meister dein Leiden . Unser Geschlecht ist überdem schon verrufen genug dieser Scheinkrankheit halber , und der schmähsüchtige Mensch hat ihr einen Namen gegeben , der sich auf uns bezieht , und den ich nicht wiederholen mag . Aber raffe dich auf , nimm dich zusammen , komm mit mir , die frische Luft wird dir wohl tun , und dann mußt du vor allen Dingen Haare auflegen . Komm nur , du wirst schon praktisch erfahren , was das heißt . « Bruder Muzius übte seit der Zeit , als er mich dem Philistertum entrissen , eine unbedingte Herrschaft über mich aus ; ich mußte tun , was er wollte . Mühsam stand ich daher auf von meinem Lager , dehnte mich , so gut es bei den erschlafften Gliedern gehen wollte , und folgte dem treuen Bruder aufs Dach . Wir spazierten einigemal auf und nieder , und in der Tat , mir wurde etwas wohler , frischer zumute . Dann führte mich Bruder Muzius hinter den Schornstein , und hier mußte ich , wollte ich mich auch dagegen sträuben , zwei , drei Schnäpschen reine Heringslake nehmen . Dies waren die Haare , die ich , nach Muzius ' Ausdruck , auflegen sollte . - O , wunderbarer als wunderbar war die drastische Wirkung dieses Mittels ! Was soll ich sagen ? - Des Magens abnorme Ansprüche schwiegen , der Rumor war gestillt , das Gangliensystem beruhigt , das Leben wieder schön , ich schätzte das irdische Wohl , die Wissenschaft , die Weisheit , den Verstand , den Witz u.s. , ich war mir selbst wiedergegeben , ich war wieder der herrliche , höchst exzellente Kater Murr ! - O Natur , Natur ! Kann es denn geschehen , daß ein paar Tropfen , die der leichtsinnige Kater genießt in unzähmbarer freier Willkür , Rebellion zu erwecken vermögen gegen dich , gegen das wohltätige Prinzip , das du mit mütterlicher Liebe in seine Brust gepflanzt hast , und nach dem er überzeugt sein muß , daß die Welt mit ihren Freuden , als da sind Bratfische , Hühnerknochen , Milchbrei etc. , die beste sei und er das Allerbeste in dieser Welt , da ihre Freuden nur für ihn und seinethalber geschaffen sind ? - Aber - ein philosophischer Kater erkennt das , es ist tiefe Weisheit darin - jener trostlose ungeheure Jammer ist nur das Gegengewicht , das die zum Forttreiben in der Bedingung des Seins nötige Reaktion bewirkt , und so ist derselbe ( der Jammer nämlich ) in dem Gedanken des ewigen Weltalls begründet ! - Legt Haare auf , Katerjünglinge ! und tröstet euch dann mit diesem philosophischen Erfahrungssatz eures gelehrten , scharfsinnigen Standesgenossen . Es genügt zu sagen , daß ich nun manche Zeit hindurch ein frisches frohes Burschenleben führte auf den Dächern ringsumher , in Kompagnie mit Muzius und andern kreuzbraven , biderben fidelen Jungen , weißen , gelben und bunten . Ich komme zu einer wichtigern Begebenheit meines Lebens , die nicht ohne Folgen blieb . Als ich nämlich einmal bei dem Anbruch der Nacht , im Schimmer des hellen Mondscheins , mit dem Bruder Muzius zu einer Kneiperei , die die Burschen angeordnet , gehen wollte , begegnete mir jener schwarz , grau , gelbe Verräter , der mir meine Miesmies geraubt . Wohl konnt ' es sein , daß ich bei dem Anblick des verhaßten Nebenbuhlers , dem ich noch dazu schändlicherweise unterliegen müssen , etwas stutzte . Er ging indessen hart an mir vorbei , ohne mich zu grüßen , und es wollte mich bedünken , als lächle er mich verhöhnend an , im Gefühl der Übermacht , die er über mich gewonnen . Ich dachte an die verlorne Miesmies , an die erhaltenen Prügel , das Blut kochte mir in den Adern ! Muzius bemerkte meine Aufwallung , und da ich ihm mitteilte , was ich bemerkt zu haben glaubte , so sprach er : » Du hast recht , Bruder Murr . Der Kerl schnitt solch ein schiefes Gesicht und trat dabei so keck auf : am Ende wollte er dich wirklich tuschieren . - Nun , das wollen wir bald erfahren . Irre ich nicht , so hat der bunte Philister hier in der Nähe eine neue Liebschaft angesponnen , er schleicht alle Abende hier auf diesem Dache umher . Warten wir ein wenig , vielleicht kommt der Monsieur bald zurück , und da kann sich ja wohl das übrige bald finden . « In der Tat dauerte es nicht lange , so kam der Bunte wieder trotzig zurück und maß schon von weitem mich mit verächtlichen Blicken . Ich trat ihm herzhaft und keck entgegen , wir gingen so hart aneinander vorüber , daß unsere Schweife sich unsanft berührten . Sogleich blieb ich stehen , drehte mich um und sprach mit fester Stimme : » Mau ! « - Er blieb ebenfalls stehen , drehte sich um und erwiderte trotzig : » Mau ! « - Dann ging ein jeder seinen Weg . » Das war Tusch , « rief Muzius ganz zornig aus , » ich werde den bunten trotzigen Kerl morgen koramieren . « Muzius begab sich den andern Morgen zu ihm hin und fragte ihn in meinem Namen , ob er meinen Schweif berührt . Er ließ mir erwidern , er hätte meinen Schweif berührt . Darauf ich , habe er meinen Schweif berührt , so müsse ich das für Tusch nehmen . Darauf er , ich könne es nehmen , wie ich wollte . Darauf ich , ich nehme es für Tusch . Darauf er , ich sei gar nicht imstande zu beurteilen , was Tusch sei . Darauf ich , ich wisse das sehr gut und besser als er . Darauf er , ich sei nicht der Mann dazu , daß er mich tuschieren solle . Darauf ich nochmals , ich nehme es aber für Tusch . Darauf er , ich sei ein dummer Junge . Darauf ich , um mich in Avantage zu setzen , wenn ich ein dummer Junge sei , so sei er ein niederträchtiger Spitz ! - Dann kam die Ausforderung . ( Randglosse des Herausgebers . O Murr , mein Kater ! Entweder hat sich der Ehrenpunkt seit Shakespeares Zeit nicht geändert , oder ich ertappe dich auf einer schriftstellerischen Lüge . Das heißt , auf einer Lüge , die dazu dienen soll , der Begebenheit , die du erzählst , mehr Glanz und Feuer zu geben ! - Ist die Art , wie es zum Duell mit dem bunten Pensionär kam , nicht die rein ausgesprochene Parodie von Probsteins siebenmal zurückgeschobener Lüge in » Wie es euch gefällt « ? Finde ich nicht in deinem angeblichen Duellprozeß die ganze Stufenleiter von dem höflichen Bescheid , dem feinen Stich , der groben Erwiderung , der beherzten Abfertigung bis zum trotzigen Widerspruch , und kann es dich wohl einigermaßen retten , daß du anstatt mit der bedingten offenbaren Lüge mit ein paar Schimpfreden schließest ? - Murr ! mein Kater ! die Rezensenten werden über dich herfallen , aber bewiesen hast du doch wenigstens , daß du den Shakespeare mit Verstand und Nutzen gelesen , und das entschuldigt vieles . ) Aufrichtig gestanden , fuhr es mir doch etwas in die Glieder , als ich die Ausforderung erhielt , die auf den Kratz lautete . Ich dachte daran , wie übel mich der bunte Veräter zugerichtet hatte , als , von Eifersucht und Rache getrieben , ich ihn angriff , und wünschte wenigstens die Avantage , zu der mir Freund Muzius verholfen , hinweg . Muzius mochte gewahren , daß ich beim Lesen des blutfordernden Handbilletts erblaßte , und überhaupt meine Seelenstimmung bemerken . » Bruder Murr , « sprach er , » mir scheint , als ob dir das erste Duell , das du bestehen sollst , etwas in die Glieder führe ? « - Keinen Anstand nahm ich , dem Freunde mein ganzes Herz zu öffnen , ihm zu sagen , was meinen Mut erschütterte . » O mein Bruder , « sprach Muzius , » o mein geliebter Bruder Murr ! Du vergissest , daß damals , als der übermütige Frevler dich ausprügelte auf schnöde Weise , du noch ein blutjunger Neuling und kein wackrer , tüchtiger Bursche warst wie jetzt . Auch war dein Kampf mit dem Bunten kein ordentliches Duell nach Regel und Recht , ja nicht einmal ein Renkontre zu nennen , sondern nichts weiter als eine philistermäßige Balgerei , die unanständig ist für jeden Katzbursch . Merk ' dir ' s , Bruder Murr , daß der auf unsre besondre Gaben neidische Mensch uns die Neigung vorwirft , uns auf ehrwidrige beschimpfende Weise zu prügeln , und fällt unter seinem Geschlecht dergleichen vor , dies mit dem Schimpf- und Spottnamen : Katzbalgerei bezeichnet . Schon darum wird und muß ein ordentlicher Kater , der Ehre im Leibe hat und auf gute Sitten hält , jedes böse Renkontre der Art vermeiden ; er beschämt den Menschen , der unter gewissen Umständen sehr geneigt ist , zu prügeln und geprügelt zu werden . - Also , geliebter Bruder , laß alle Furcht und Scheu fahren , bewahre dein tapfres Herz und sei überzeugt , daß du im ordentlichen Duell genugsame Rache für alle erfahrne Unbill nehmen und den bunten Gecken dermaßen zerkratzen kannst , daß er das dumme Liebeln und alberne Daherstolzieren wohl auf einige Zeit lassen wird . - Doch halt ! - Eben will mich bedünken , daß nach dem , was zwischen euch vorgefallen , der Zweikampf auf den Kratz keinen genügenden Ausschlag geben kann , daß ihr euch vielmehr auf entscheidendere Weise , nämlich auf den Biß , schlagen müßt . - Wir wollen die Meinung der Burschen hören ! « - Muzius trug in einer sehr wohlgesetzten Rede den Fall , der sich mit mir und dem Bunten ereignet , der Burschenversammlung vor . Alle stimmten dem Redner bei , und ich ließ daher dem Bunten durch Muzius sagen , ich nehme die Ausforderung zwar an , könnte und würde bei der Schwere der erlittenen Beschimpfung mich aber nicht anders schlagen , als auf den Biß . Der Bunte wollte zwar Einwendungen machen , vorschützen , er habe stumpfe Zähne u.s.w. ; da aber Muzius ihm nach seiner ernsten und festen Weise erklärte , daß hier nur durchaus von dem entscheidenderen Duell auf den Biß die Rede sein könne , und daß , wenn er dies nicht eingehen wolle , er den niederträchtigen Spitz auf sich sitzen lassen müßte , entschloß er sich zu diesem Duell auf den Biß . - Die Nacht , in der der Zweikampf vor sich gehen sollte , kam heran . Ich stellte mich auf dem Dache des Hauses , das an der Grenze des Reviers lag , mit Muzius um die bestimmte Stunde ein . Auch mein Gegner kam bald mit einem stattlichen Kater , der beinahe bunter gefleckt war und noch viel trotzigere , keckere Züge im Antlitz trug als er selbst . Er war , wie wir vermuten konnten , sein Sekundant ; beide hatten verschiedene Feldzüge als Kameraden zusammen gemacht und befanden sich auch beide bei der Eroberung des Speichers , die dem Bunten den Orden des gebrannten Specks erwarb . Außerdem hatte sich , wie ich nachher erfuhr , auf des um-und vorsichtigen Muzius Anlaß eine kleine lichtgraue Katze eingefunden , die sich ganz außerordentlich auf Chirurgie verstehen und die schlimmsten , gefährlichsten Wunden zweckmäßig behandeln und in kurzer Zeit heilen sollte . - Es wurde noch verabredet , daß der Zweikampf in drei Sprüngen stattfinden , und falls bei dem dritten Sprunge noch nichts Entscheidendes geschehen , weiter beschlossen werden sollte , ob das Duell in neuen Sprüngen fortzusetzen , oder die Sache als abgemacht anzusehen . Die Sekundanten maßen die Schritte aus , und wir setzten uns gegenüber in Positur . Der Sitte gemäß erhoben die Sekundanten ein Zetergeschrei , und wir sprangen aufeinander los . Im Augenblick hatte mein Gegner , indem ich ihn fassen wollte , mein rechtes Ohr gepackt , das er dermaßen zerbiß , daß ich wider Willen laut aufschrie . » Auseinander ! « rief Muzius . Der Bunte ließ ab , wir gingen in die Position zurück . Neuer Zeter der Sekundanten , zweiter Sprung . Nun glaubte ich meinen Gegner besser zu fassen , aber der Verräter duckte sich und biß mir in die linke Pfote , daß das Blut in dicken Tropfen hervorquoll . - » Auseinander ! « rief Muzius zum zweitenmal . » Eigentlich , « sprach der Sekundant meines Gegners , sich zu mir wendend , » eigentlich ist nun die Sache ausgemacht , da Sie , mein Bester , durch die bedeutende Wunde an der Pfote hors de combat gesetzt sind . « Doch Zorn , tiefer Ingrimm ließen mich keinen Schmerz fühlen , und ich entgegnete , daß es sich bei dem dritten Sprunge finden würde , inwiefern es mir an Kraft gebräche und die Sache als abgemacht anzusehen . » Nun , « sprach der Sekundant mit höhnischem Lachen , » nun , wenn Sie denn durchaus von der Pfote Ihres Ihnen überlegenen Gegners fallen wollen , so geschehe Ihr Wille ! « - Doch Muzius klopfte mir auf die Schulter und rief : » Brav , brav , mein Bruder Murr , ein echter Bursche achtet solch einen Ritz nicht ! - Halt dich tapfer ! « Zum drittenmal Zeter der Sekundanten , dritter Sprung ! - Meiner Wut ungeachtet hatte ich die List meines Gegners gemerkt , der immer etwas seitwärts sprang , weshalb ich ihn fehlte , während er mich mit Sicherheit packte . - Diesmal nahm ich mich in acht , sprang auch seitwärts , und als er mich zu fassen glaubte , hatte ich ihn schon dermaßen in den Hals gebissen , daß er nicht schreien , nur stöhnen konnte . » Auseinander ! « rief jetzt der Sekundant meines Gegners . Ich sprang sogleich zurück , der Bunte sank aber ohnmächtig nieder , indem das Blut reichlich aus der tiefen Wunde hervorquoll . Die hellgraue Katze eilte sogleich auf ihn zu und bediente sich , um vor dem Verbande das Blut einigermaßen zu stillen , eines Hausmittels , das , wie Muzius versicherte , ihr stets zu Gebote stand , da sie es immer bei sich führte . Sie goß nämlich sofort eine Flüssigkeit in die Wunde und besprengte überhaupt den Ohnmächtigen ganz und gar damit , die ich ihres scharfen beizenden Geruchs halber für stark und drastisch wirkend halten mußte . Thedensche Arkebusade war es nicht , auch nicht Eau de Cologne . - Muzius drückte mich feurig an seine Brust und sprach : » Bruder Murr , du hast deine Ehrensache ausgefochten wie ein Kater , dem das Herz auf dem rechten Flecke sitzt . - Murr , du wirst dich erheben zur Krone des Burschentums , du wirst keinen Makel dulden und stets bei der Hand sein , wenn es darauf ankommt , unsre Ehre zu erhalten . « - Der Sekundant meines Gegners , der so lange dem hellgrauen Chirurgus beigestanden , trat nun trotzig auf und behauptete , daß ich im dritten Gange gegen den Komment gefochten . Da setzte sich aber Bruder Muzius in Positur und erklärte mit funkelnden Augen und hervorgestreckten Krallen , daß der , der solches behaupte , es mit ihm zu tun habe , und daß die Sache gleich auf der Stelle ausgemacht werden könne . Der Sekundant hielt es für geraten , nichts weiter darauf zu erwidern , sondern packte stillschweigend den wunden Freund , der was weniges zu sich selbst gekommen , auf den Rücken und marschierte mit ihm ab durch die Dachluke . - - Der aschgraue Chirurgus fragte an , ob er meiner Wunden halber mich auch etwa mit seinem Hausmittel bedienen solle . Ich lehnte das aber ab , so sehr mich auch Ohr und Pfote schmerzten , sondern machte mich im Hochgefühl des errungenen Sieges , der gestillten Rache für Miesmies ' Entführung und erhaltene Prügel auf den Weg nach Hause . Für dich , o Katerjüngling , habe ich mit gutem Bedacht die Geschichte meines ersten Zweikampfs so umständlich aufgeschrieben . Außerdem daß dich diese merkwürdige Geschichte über den Ehrenpunkt belehrt ganz und gar , so kannst du auch noch manche für das Leben höchst nötige und nützliche Moral daraus schöpfen . Wie z.B. daß Mut und Tapferkeit gar nichts ausrichten gegen Finten , und daß daher das genaue Studium der Finten unerläßlich ist , um nicht zu Boden getreten zu werden , sondern sich aufrecht zu erhalten . » Chi no se ajuta , se nega , « sagt Brighella in Gozzis » glücklichem Bettler « , und der Mann hat recht , vollkommen recht . - Sieh das ein , Katerjüngling , und verachte keinesweges Finten , denn in ihnen liegt , wie im reichen Schacht , die wahre Lebensweisheit verborgen . - Als ich herabkam , fand ich des Meisters Tür verschlossen und mußte daher mit der Strohmatte , die davor lag , als Nachtlager vorliebnehmen . Die Wunden hatten mir einen starken Blutverlust verursacht , und mir wurde in der Tat etwas ohnmächtig zumute . Ich fühlte mich sanft fortgetragen . Es war mein guter Meister , der ( ich mochte wohl , ohne es zu wissen , etwas gewinselt haben ) mich vor der Tür gehört , aufgemacht und meine Wunden bemerkt hatte . » Armer Murr , « rief er , » was haben sie mit dir gemacht ? das hat tüchtige Bisse gegeben - nun , ich hoffe , du wirst deinen Gegnern nichts geschenkt haben ! « - » Meister , « dacht ' ich , » wenn du wüßtest ! « und aufs neue fühlte ich mich von dem Gedanken des vollständig erfochtenen Sieges , der Ehre , die ich mir gewonnen , gar mächtig erhoben . - Der gute Meister legte mich auf mein Lager , holte aus dem Schrank eine kleine Büchse , in der Salbe befindlich , hervor , bereitete zwei Pflaster und legte sie mir auf Ohr und Pfote . Ruhig und geduldig ließ ich alles geschehen und stieß nur ein kleines leises Mrrr ! aus , als der erste Verband mich etwas schmerzen wollte . - » Du bist , « sprach der Meister , » ein kluger Kater , Murr ! du verkennst nicht , wie andre knurrige Wildfänge deines Geschlechts , die gute Absicht deines Herrn . Halt dich nur ruhig , und wenn es Zeit ist , daß du die Wunde an der Pfote heil leckst , so wirst du schon selbst den Verband lösen . Was aber das wunde Ohr betrifft , so kannst du nichts dafür tun , armer Geselle , und mußt das Pflaster leiden . « Ich versprach das dem Meister und reichte zum Zeichen meiner Zufriedenheit und Dankbarkeit für seine Hilfe ihm meine gesunde Pfote hin , die er wie gewöhnlich nahm und leise schüttelte , ohne sie im mindesten zu drücken . - Der Meister verstand mit gebildeten Katern umzugehen . Bald spürte ich die wohltätige Wirkung der Pflaster und war froh , daß ich des kleinen aschgrauen Chirurgus fatales Hausmittel nicht angenommen . Muzius , der mich besuchte , fand mich heiter und kräftig . Bald war ich imstande ihm zu folgen zur Burschenkneiperei . Man kann denken , mit welchem unbeschreiblichen Jubel ich empfangen wurde . Allen war ich doppelt lieb geworden . Von nun an führte ich ein köstliches Burschenleben und übersah es gern , daß ich dabei die besten Haare aus dem Pelze verlor . - Doch gibt es hienieden ein Glück , das von Dauer sein sollte ? Lauert bei jeder Freude , die man genießt , nicht schon der - ( Mak . Bl . ) - hohen und steilen Hügel , im flachen Lande hätte er für einen Berg gegolten , belegen . Ein breiter , bequemer , von duftendem Gebüsch eingeschlossener Weg , an dessen beiden Seiten häufig angebrachte steinerne Sitze und Lauben die gastliche Sorge für die wandernden Pilger bewiesen , führte hinauf . Oben angekommen , gewahrte man erst die Größe und Pracht des Gebäudes , das man in der Ferne nur für eine einzeln dastehende Kirche gehalten . Wappen , Bischofsmütze , Krummstab und Kreuz , über dem Tor in Stein gehauen , zeigten , daß sonst hier eine bischöfliche Residenz gewesen , und die Inschrift : » Benedictus , qui venit in nomine domini « lud fromme Gäste ein zum Eintritt . Aber jeder , der eingetreten , blieb wohl unwillkürlich stehen , überrascht , erfaßt von dem Anblick der Kirche , die mit ihrer prächtigen , im Stil des Palladio erbauten Façade , mit ihren beiden hohen luftigen Türmen in der Mitte stand als Hauptgebäude , an das sich von beiden Seiten Flügel anschlossen . In dem Hauptgebäude befanden sich noch die Zimmer des Abts , in den Seitenflügeln dagegen die Wohnungen der Mönche , das Refektorium , andere Versammlungssäle , sowie auch Zimmer zur Aufnahme einkehrender Fremden . Unfern dem Kloster lagen die Wirtschaftsgebäude , die Meierei , das Haus des Amtmanns ; tiefer im Tal umflocht aber das schöne Dorf Kanzheim den Hügel mit der Abtei wie ein bunter üppiger Kranz . Dieses Tal breitete sich aus bis an den Fuß des fernen Gebirges . Zahlreiche Herden weideten in den von spiegelhellen Bächen durchschnittenen Wiesengründen , fröhlich zogen die Landleute aus den Dörfern , die hin und wieder verstreut lagen , durch die reichen Kornfelder , jubelnder Gesang der Vögel scholl aus den anmutigen Gebüschen , sehnsüchtiger Hörnerschall rief herüber aus der fernen dunklen Waldung , beschwingt mit weißen Segeln , glitten schwer beladene Kähne auf dem breiten Fluß , der das Tal durchströmte , schnell vorüber , und man vernahm die frohen Grüße der Schiffer . Überall üppige Fülle , reichlich gespendeter Segen der Natur , überall reges , ewig forttreibendes Leben . Die Aussicht in die lachende Landschaft vom Hügel herab , aus den Fenstern der Abtei , erhob das Gemüt und erfüllte es zugleich mit innigem Wohlbehagen . Mocht ' es sein , daß man dem innern Schmuck der Kirche , der edlen , grandiosen Grundanlage unerachtet , bei dem vielen bunten , vergoldeten Schnitzwerk und der kleinlichen Bilderei mit Recht den Vorwurf der Überladung , des mönchischen Ungeschmacks machen könnte , so fiel dafür der reine Stil , in dem die Zimmer des Abts gebaut und verziert waren , desto mehr ins Auge . Aus dem Chor der Kirche trat man unmittelbar in einen geräumigen Saal , der zur Versammlung der Geistlichen und zugleich zur Aufbewahrung der Instrumente und Musikalien diente . Aus diesem Saal führte ein langer Korridor , der eine jonische Säulenstellung bildete , in die Gemächer des Abts . Seidene Tapeten , auserlesene Gemälde der besten Meister aus verschiedenen Schulen , Büsten , Statüen großer Männer der Kirche , Teppiche , zierlich ausgelegte Fußböden , kostbares Gerät , alles deutete hier auf den Reichtum des wohldotierten Klosters .