lügenhaften Fabelwelt . Keiner als er vermochte die buhlerische Üppigkeit der weiblichen Gestalten so wahrhaft darzustellen , indem er von lebenden Modellen die Karnation , von den alten Marmorbildern aber Form und Bildung entnahm . Statt wie sonst in den Kirchen und Klöstern sich an den herrlichen Bildern der alten frommen Meister zu erbauen und sie mit künstlerischer Andacht aufzunehmen in sein Inneres , zeichnete er emsig die Gestalten der lügnerischen Heidengötter nach . Von keiner Gestalt war er aber so ganz und gar durchdrungen , als von einem berühmten Venusbilde , das er stets in Gedanken trug . Das Jahrgehalt , was Zenobio dem Bruder ausgesetzt hatte , blieb einmal länger als gewöhnlich aus , und so kam es , daß Francesko bei seinem wilden Leben , das ihm allen Verdienst schnell hinwegraffte und das er doch nicht lassen wollte , in arge Geldnot geriet . Da gedachte er , daß vor langer Zeit ihm ein Kapuzinerkloster aufgetragen hatte , für einen hohen Preis das Bild der heiligen Rosalia zu malen , und er beschloß , das Werk , das er aus Abscheu gegen alle christliche Heiligen nicht unternehmen wollte , nun schnell zu vollenden , um das Geld zu erhalten . Er gedachte die Heilige nackt und in Form und Bildung des Gesichts jenem Venusbilde gleich darzustellen . Der Entwurf geriet über die Maßen wohl , und die freveligen Jünglinge priesen hoch Franceskos verruchten Einfall , den frommen Mönchen statt der christlichen Heiligen ein heidnisches Götzenbild in die Kirche zu stellen . Aber wie Francesko zu malen begann , siehe , da gestaltete sich alles anders , als er es in Sinn und Gedanken getragen , und ein mächtigerer Geist überwältigte den Geist der schnöden Lüge , der ihn beherrscht hatte . Das Gesicht eines Engels aus dem hohen Himmelreiche fing an , aus düstern Nebeln hervor zu dämmern ; aber als wie von scheuer Angst , das Heilige zu verletzen und dann dem Strafgericht des Herrn zu erliegen , ergriffen , wagte Francesko nicht , das Gesicht zu vollenden , und um den nackt gezeichneten Körper legten in anmutigen Falten sich züchtige Gewänder , ein dunkelrotes Kleid und ein azurblauer Mantel . Die Kapuzinermönche hatten in dem Schreiben an den Maler Francesko nur des Bildes der heiligen Rosalia gedacht , ohne weiter zu bestimmen , ob dabei nicht eine denkwürdige Geschichte ihres Lebens der Vorwurf des Malers sein solle , und ebendaher hatte Francesko auch nur in der Mitte des Blatts die Gestalt der Heiligen entworfen ; aber nun malte er , vom Geiste getrieben , allerlei Figuren rings umher , die sich wunderbarlich zusammenfügten , um das Martyrium der Heiligen darzustellen . Francesko war in sein Bild ganz und gar versunken , oder vielmehr das Bild war selbst der mächtige Geist worden , der ihn mit starken Armen umfaßte und emporhielt über das frevelige Weltleben , das er bisher getrieben . Nicht zu vollenden vermochte er aber das Gesicht der Heiligen , und das wurde ihm zu einer höllischen Qual , die wie mit spitzen Stacheln in sein inneres Gemüt bohrte . Er gedachte nicht mehr des Venusbildes , wohl aber war es ihm , als sähe er den alten Meister Leonardo , der ihn anblickte mit kläglicher Gebärde und ganz ängstlich und schmerzlich sprach : » Ach , ich wollte dir wohl helfen , aber ich darf es nicht , du mußt erst entsagen allem sündhaften Streben und in tiefer Reue und Demut die Fürbitte der Heiligen erflehen , gegen die du gefrevelt hast . « - Die Jünglinge , welche Francesko so lange geflohen , suchten ihn auf in seiner Werkstatt und fanden ihn wie einen ohnmächtigen Kranken ausgestreckt auf seinem Lager liegen . Da aber Francesko ihnen seine Not klagte , wie er , als habe ein böser Geist seine Kraft gebrochen , nicht das Bild der heiligen Rosalia fertig zu machen vermöge , da lachten sie alle auf und sprachen : » Ei mein Bruder , wie bist du denn mit einemmal so krank worden ? - Laßt uns dem Äskulap und der freundlichen Hygeia ein Weinopfer bringen , damit jener Schwache dort genese ! « Es wurde Syrakuser Wein gebracht , womit die Jünglinge die Trinkschalen füllten und , vor dem unvollendeten Bilde den heidnischen Göttern Libationen darbringend , ausgossen . Aber als sie dann wacker zu zechen begannen und dem Francesko Wein darboten , da wollte dieser nicht trinken und nicht teilnehmen an dem Gelage der wilden Brüder , unerachtet sie Frau Venus hochleben ließen ! Da sprach einer unter ihnen : » Der törichte Maler da ist wohl wirklich in seinen Gedanken und Gliedmaßen krank , und ich muß nur einen Doktor herbeiholen . « Er warf seinen Mantel um , steckte seinen Stoßdegen an und schritt zur Türe hinaus . Es hatte aber nur wenige Augenblicke gedauert , als er wieder hereintrat und sagte : » Ei seht doch nur , ich bin ja selbst schon der Arzt , der jenen Siechling dort heilen will . « Der Jüngling , der gewiß einem alten Arzt in Gang und Stellung recht ähnlich zu sein begehrte , trippelte mit gekrümmten Knien einher und hatte sein jugendliches Gesicht seltsamlich in Runzeln und Falten verzogen , so daß er anzusehen war wie ein alter , recht häßlicher Mann , und die Jünglinge sehr lachten und riefen : » Ei seht doch , was der Doktor für gelehrte Gesichter zu schneiden vermag ! « Der Doktor näherte sich dem kranken Francesko und sprach mit rauher Stimme und verhöhnendem Ton : » Ei , du armer Geselle , ich muß dich wohl aufrichten aus trübseliger Ohnmacht ! - Ei , du erbärmlicher Geselle , wie siehst du doch so blaß und krank aus , der Frau Venus wirst du so nicht gefallen ! - Kann sein , daß Donna Rosalia sich deiner annehmen wird , wenn du gesundet ! - Du ohnmächtiger Geselle , nippe von meiner Wunderarzenei . Da du Heilige malen willst , wird dich mein Trank wohl zu erkräftigen vermögen , es ist Wein aus dem Keller des heiligen Antonius . « Der angebliche Doktor hatte eine Flasche unter dem Mantel hervorgezogen , die er jetzt öffnete . Es stieg ein seltsamlicher Duft aus der Flasche , der die Jünglinge betäubte , so daß sie , wie von Schläfrigkeit übernommen , in die Sessel sanken und die Augen schlossen . Aber Francesko riß in wilder Wut , verhöhnt zu sein als ein ohnmächtiger Schwächling , die Flasche dem Doktor aus den Händen und trank in vollen Zügen . » Wohl bekomm dir ' s « , rief der Jüngling , der nun wieder sein jugendliches Gesicht und seinen kräftigen Gang angenommen hatte . Dann rief er die andern Jünglinge aus dem Schlafe auf , worin sie versunken , und sie taumelten mit ihm die Treppe hinab . - So wie der Berg Vesuv in wildem Brausen verzehrende Flammen aussprüht , so tobte es jetzt in Feuerströmen heraus aus Franceskos Innern . Alle heidnische Geschichten , die er jemals gemalt , sah er vor Augen , als ob sie lebendig worden , und er rief mit gewaltiger Stimme : » Auch du mußt kommen , meine geliebte Göttin , du mußt leben und mein sein , oder ich weihe mich den unterirdischen Göttern ! « Da erblickte er Frau Venus , dicht vor dem Bilde stehend und ihm freundlich zuwinkend . Er sprang auf von seinem Lager und begann an dem Kopfe der heiligen Rosalia zu malen , weil er nun der Frau Venus reizendes Angesicht ganz getreulich abzukonterfeien gedachte . Es war ihm so , als könne der feste Wille nicht gebieten der Hand , denn immer glitt der Pinsel ab von den Nebeln , in denen der Kopf der heiligen Rosalia eingehüllt war , und strich unwillkürlich an den Häuptern der barbarischen Männer , von denen sie umgeben . Und doch kam das himmlische Antlitz der Heiligen immer sichtbarlicher zum Vorschein und blickte den Francesko plötzlich mit solchen lebendig strahlenden Augen an , daß er , wie von einem herabfahrenden Blitze tödlich getroffen , zu Boden stürzte . Als er wieder nur etwas weniges seiner Sinnen mächtig worden , richtete er sich mühsam in die Höhe , er wagte jedoch nicht , nach dem Bilde , das ihm so schrecklich worden , hinzublicken , sondern schlich mit gesenktem Haupte nach dem Tische , auf dem des Doktors Weinflasche stand , aus der er einen tüchtigen Zug tat . Da war Francesko wieder ganz erkräftigt , er schaute nach seinem Bilde , es stand , bis auf den letzten Pinselstrich vollendet , vor ihm , und nicht das Antlitz der heiligen Rosalia , sondern das geliebte Venusbild lachte ihn mit üppigem Liebesblicke an . In demselben Augenblick wurde Francesko von wilden freveligen Trieben entzündet . Er heulte vor wahnsinniger Begier , er gedachte des heidnischen Bildhauers Pygmalion , dessen Geschichte er gemalt , und flehte so wie er zur Frau Venus , daß sie seinem Bilde Leben einhauchen möge . Bald war es ihm auch , als finge das Bild an sich zu regen , doch als er es in seine Arme fassen wollte , sah er wohl , daß es tote Leinewand geblieben . Dann zerraufte er sein Haar und gebärdete sich wie einer , der von dem Satan besessen . Schon zwei Tage und zwei Nächte hatte es Francesko so getrieben ; am dritten Tag , als er wie eine erstarrte Bildsäule vor dem Bilde stand , ging die Türe seines Gemachs auf , und es rauschte hinter ihm wie mit weiblichen Gewändern . Er drehte sich um und erblickte ein Weib , das er für das Original seines Bildes erkannte . Es wären ihm schier die Sinne vergangen , als er das Bild , welches er aus seinen innersten Gedanken nach einem Marmorbilde erschaffen , nun lebendig vor sich in aller nur erdenklichen Schönheit erblickte , und es wandelte ihn beinahe ein Grausen an , wenn er das Gemälde ansah , das nun wie eine getreuliche Abspiegelung des fremden Weibes erschien . Es geschah ihm dasjenige , was die wunderbarliche Erscheinung eines Geistes zu bewirken pflegt , die Zunge war ihm gebunden , und er fiel lautlos vor der Fremden auf die Kniee und hob die Hände wie anbetend zu ihr empor . Das fremde Weib richtete ihn aber lächelnd auf und sagte ihm , daß sie ihn schon damals , als er in der Malerschule des alten Leonardo da Vinci gewesen , als ein kleines Mädchen oftmals gesehen und eine unsägliche Liebe zu ihm gefaßt habe . Eltern und Verwandte habe sie nun verlassen und sei allein nach Rom gewandert , um ihn wiederzufinden , da eine in ihrem Innern ertönende Stimme ihr gesagt habe , daß er sie sehr liebe und sie aus lauter Sehnsucht und Begierde abkonterfeit habe , was denn , wie sie jetzt sehe , auch wirklich wahr sei . Francesko merkte nun , daß ein geheimnisvolles Seelenverständnis mit dem fremden Weibe obgewaltet und daß dieses Verständnis das wunderbare Bild und seine wahnsinnige Liebe zu demselben geschaffen hatte . Er umarmte das Weib voll inbrünstiger Liebe und wollte sie sogleich nach der Kirche führen , damit ein Priester sie durch das heilige Sakrament der Ehe auf ewig binde . Dafür schien sich das Weib aber zu entsetzen , und sie sprach : » Ei , mein geliebter Francesko , bist du denn nicht ein wackrer Künstler , der sich nicht fesseln läßt von den Banden der christlichen Kirche ? Bist du nicht mit Leib und Seele dem freudigen frischen Altertum und seinen dem Leben freundlichen Göttern zugewandt ? Was geht unser Bündnis die traurigen Priester an , die in düstern Hallen ihr Leben in hoffnungsloser Klage verjammern ? Laß uns heiter und hell das Fest unserer Liebe feiern . « Francesko wurde von diesen Reden des Weibes verführt , und so geschah es , daß er mit den von sündigem , freveligem Leichtsinn befangenen Jünglingen , die sich seine Freunde nannten , noch an demselben Abende sein Hochzeitsfest mit dem fremden Weibe nach heidnischen Gebräuchen beging . Es fand sich , daß das Weib eine Kiste mit Kleinodien und barem Gelde mitgebracht hatte , und Francesko lebte mit ihr , in sündlichen Genüssen schwelgend und seiner Kunst entsagend , lange Zeit hindurch . Das Weib fühlte sich schwanger und blühte nun erst immer herrlicher und herrlicher in leuchtender Schönheit auf , sie schien ganz und gar das erweckte Venusbild , und Francesko vermochte kaum , die üppige Lust seines Lebens zu ertragen . Ein dumpfes angstvolles Stöhnen weckte in einer Nacht den Francesko aus dem Schlafe ; als er erschrocken aufsprang und mit der Leuchte in der Hand nach seinem Weibe sah , hatte sie ihm ein Knäblein geboren . Schnell mußten die Diener eilen , um Wehmutter und Arzt herbeizurufen . Francesko nahm das Kind von dem Schoße der Mutter , aber in demselben Augenblick stieß das Weib einen entsetzlichen , durchdringenden Schrei aus und krümmte sich , wie von gewaltigen Fäusten gepackt , zusammen . Die Wehmutter kam mit ihrer Dienerin , ihr folgte der Arzt ; als sie nun aber dem Weibe Hilfe leisten wollten , schauderten sie entsetzt zurück , denn das Weib war zum Tode erstarrt , Hals und Brust durch blaue , garstige Flecke verunstaltet , und statt des jungen schönen Gesichts erblickten sie ein gräßlich verzerrtes runzliges Gesicht mit offnen herausstarrenden Augen . Auf das Geschrei , das die beiden Weiber erhoben , liefen die Nachbarsleute hinzu , man hatte von jeher von dem fremden Weibe allerlei Seltsames gesprochen ; die üppige Lebensart , die sie mit Francesko führte , war allen ein Greuel gewesen , und es stand daran , daß man ihr sündhaftes Beisammensein ohne priesterliche Einsegnung den geistlichen Gerichten anzeigen wollte . Nun , als sie die gräßlich entstellte Tote sahen , war es allen gewiß , daß sie im Bündnis mit dem Teufel gelebt , der sich jetzt ihrer bemächtigt habe . Ihre Schönheit war nur ein lügnerisches Trugbild verdammter Zauberei gewesen . Alle Leute , die gekommen , flohen erschreckt von dannen , keiner mochte die Tote anrühren . Francesko wußte nun wohl , mit wem er es zu tun gehabt hatte , und es bemächtigte sich seiner eine entsetzliche Angst . Alle seine Frevel standen ihm vor Augen , und das Strafgericht des Herrn begann schon hier auf Erden , da die Flammen der Hölle in seinem Innern aufloderten . Des andern Tages kam ein Abgeordneter des geistlichen Gerichts mit den Häschern und wollte den Francesko verhaften , da erwachte aber sein Mut und stolzer Sinn , er ergriff seinen Stoßdegen , machte sich Platz und entrann . Eine gute Strecke von Rom fand er eine Höhle , in die er sich ermüdet und ermattet verbarg . Ohne sich dessen deutlich bewußt zu sein , hatte er das neugeborne Knäblein in den Mantel gewickelt und mit sich genommen . Voll wilden Ingrimms wollte er das von dem teuflischen Weibe ihm geborne Kind an den Steinen zerschmettern , aber indem er es in die Höhe hob , stieß es klägliche bittende Töne aus , und es wandelte ihn tiefes Mitleid an , er legte das Knäblein auf weiches Moos und tröpfelte ihm den Saft einer Pommeranze ein , die er bei sich getragen . Francesko hatte , gleich einem büßenden Einsiedler , mehrere Wochen in der Höhle zugebracht und , sich abwendend von dem sündlichen Frevel , in dem er gelebt , inbrünstig zu den Heiligen gebetet . Aber vor allen andern rief er die von ihm schwer beleidigte Rosalia an , daß sie vor dem Throne des Herrn seine Fürsprecherin sein möge . Eines Abends lag Francesko , in der Wildnis betend , auf den Knien und schaute in die Sonne , welche sich tauchte in das Meer , das in Westen seine roten Flammenwellen emporschlug . Aber sowie die Flammen verblaßten im grauen Abendnebel , gewahrte Francesko in den Lüften einen leuchtenden Rosenschimmer , der sich bald zu gestalten begann . Von Engeln umgeben sah Francesko die heilige Rosalia , wie sie auf einer Wolke kniete , und ein sanftes Säuseln und Rauschen sprach die Worte : » Herr , vergib dem Menschen , der in seiner Schwachheit und Ohnmacht nicht zu widerstehen vermochte den Lockungen des Satans . « Da zuckten Blitze durch den Rosenschimmer , und ein dumpfer Donner ging dröhnend durch das Gewölbe des Himmels : » Welcher sündige Mensch hat gleich diesem gefrevelt ! Nicht Gnade , nicht Ruhe im Grabe soll er finden , solange der Stamm , den sein Verbrechen erzeugte , fortwuchert in freveliger Sünde ! « - - Francesko sank nieder in den Staub , denn er wußte wohl , daß nun sein Urteil gesprochen und ein entsetzliches Verhängnis ihn trostlos umhertreiben werde . Er floh , ohne des Knäbleins in der Höhle zu gedenken , von dannen und lebte , da er nicht mehr zu malen vermochte , im tiefen , jammervollen Elend . Manchmal kam es ihm in den Sinn , als müsse er zur Glorie der christlichen Religion herrliche Gemälde ausführen , und er dachte große Stücke in der Zeichnung und Färbung aus , die die heiligen Geschichten der Jungfrau und der heiligen Rosalia darstellen sollten ; aber wie konnte er solche Malerei beginnen , da er keinen Skudo besaß , um Leinwand und Farben zu kaufen , und nur von dürftigen Almosen , an den Kirchentüren gespendet , sein qualvolles Leben durchbrachte ? Da begab es sich , daß , als er einst in einer Kirche , die leere Wand anstarrend , in Gedanken malte , zwei in Schleier gehüllte Frauen auf ihn zutraten , von denen eine mit holder Engelsstimme sprach : » In dem fernen Preußen ist der Jungfrau Maria , da , wo die Engel des Herrn ihr Bildnis auf einen Lindenbaum niedersetzten , eine Kirche erbaut worden , die noch des Schmuckes der Malerei entbehrt . Ziehe hin , die Ausübung deiner Kunst sei dir heilige Andacht , und deine zerrissene Seele wird gelabt werden mit himmlischem Trost . « - Als Francesko aufblickte zu den Frauen , gewahrte er , wie sie in sanftleuchtenden Strahlen zerflossen und ein Lilien- und Rosenduft die Kirche durchströmte . Nun wußte Francesko , wer die Frauen waren , und wollte den andern Morgen seine Pilgerfahrt beginnen . Aber noch am Abende desselben Tages fand ihn nach vielem Mühen ein Diener Zenobios auf , der ihm ein zweijähriges Gehalt auszahlte und ihn einlud an den Hof seines Herrn . Doch nur eine geringe Summe behielt Francesko , das übrige teilte er aus an die Armen und machte sich auf nach dem fernen Preußen . Der Weg führte ihn über Rom , und er kam in das nicht ferne davon gelegene Kapuzinerkloster , für welches er die heilige Rosalia gemalt hatte . Er sah auch das Bild in den Altar eingefugt , doch bemerkte er bei näherer Betrachtung , daß es nur ein Kopie seines Gemäldes war . Das Original hatten , wie er erfuhr , die Mönche nicht behalten mögen , wegen der sonderbaren Gerüchte , die man von dem entflohenen Maler verbreitete , aus dessen Nachlaß sie das Bild bekommen , sondern dasselbe nach genommener Kopie an das Kapuzinerkloster in B. verkauft . Nach beschwerlicher Pilgerfahrt langte Francesko in dem Kloster der heiligen Linde in Ostpreußen an und erfüllte den Befehl , den ihm die heilige Jungfrau selbst gegeben . Er malte die Kirche so wunderbarlich aus , daß er wohl einsah , wie der Geist der Gnade in ihm zu wirken beginne . Trost des Himmels floß in seine Seele . Es begab sich , daß der Graf Filippo S. auf der Jagd in einer abgelegenen wilden Gegend von einem bösen Unwetter überfallen wurde . Der Sturm heulte durch die Klüfte , der Regen goß in Strömen herab , als solle in einer neuen Sündflut Mensch und Tier untergehen ; da fand Graf Filippo eine Höhle , in die er sich samt seinem Pferde , das er mühsam hineinzog , rettete . Schwarzes Gewölk hatte sich über den ganzen Horizont gelegt , daher war es , zumal in der Höhle , so finster , daß Graf Filippo nichts unterscheiden und nicht entdecken konnte , was dicht neben ihm so raschle und rausche . Er war voll Bangigkeit , daß wohl ein wildes Tier in der Höhle verborgen sein könne , und zog sein Schwert , um jeden Angriff abzuwehren . Als aber das Unwetter vorüber und die Sonnenstrahlen in die Höhle fielen , gewahrte er zu seinem Erstaunen , daß neben ihm auf einem Blätterlager ein nacktes Knäblein lag und ihn mit hellen funkelnden Augen anschaute . Neben ihm stand ein Becher von Elfenbein , in dem der Graf Filippo noch einige Tropfen duftenden Weines fand , die das Knäblein begierig einsog . Der Graf ließ sein Horn ertönen , nach und nach sammelten sich seine Leute , die hierhin , dorthin geflüchtet waren , und man wartete auf des Grafen Befehl , ob sich nicht derjenige , der das Kind in die Höhle gelegt , einfinden würde , es abzuholen . Als nun aber die Nacht einzubrechen begann , da sprach der Graf Filippo : » Ich kann das Knäblein nicht hilflos liegen lassen , sondern will es mit mir nehmen , und daß ich dies getan , überall bekannt machen lassen , damit es die Eltern oder sonst einer , der es in die Höhle legte , von mir abfordern kann . « Es geschah so ; aber Wochen , Monate und Jahre vergingen , ohne daß sich jemand gemeldet hätte . Der Graf hatte dem Fündling in heiliger Taufe den Namen Francesko geben lassen . Der Knabe wuchs heran und wurde an Gestalt und Geist ein wunderbarer Jüngling , den der Graf seiner seltenen Gaben wegen wie seinen Sohn liebte und ihm , da er kinderlos war , sein ganzes Vermögen zuzuwenden gedachte . Schon fünfundzwanzig Jahre war Francesko alt worden , als der Graf Filippo in törichter Liebe zu einem armen bildschönen Fräulein entbrannte und sie heiratete , unerachtet sie blutjung , er aber schon sehr hoch in Jahren war . Francesko wurde alsbald von sündhafter Begier nach dem Besitze der Gräfin erfaßt , und unerachtet sie gar fromm und tugendhaft war und nicht die geschworene Treue verletzen wollte , gelang es ihm doch endlich nach hartem Kampfe , sie durch teuflische Künste zu verstricken , so daß sie sich der freveligen Lust überließ , und er seinen Wohltäter mit schwarzem Undank und Verrat lohnte . Die beiden Kinder , Graf Pietro und Gräfin Angiola , die der greise Filippo in vollem Entzücken der Vaterfreude an sein Herz drückte , waren die Früchte des Frevels , der ihm sowie der Welt auf ewig verborgen blieb . Von innerm Geiste getrieben , trat ich zu meinem Bruder Zenobio und sprach : » Ich habe dem Throne entsagt , und selbst dann , wenn du kinderlos vor mir sterben solltest , will ich ein armer Maler bleiben und mein Leben in stiller Andacht , die Kunst übend , hinbringen . Doch nicht fremdem Staat soll unser Ländlein anheim fallen . Jener Francesko , den der Graf Filippo S. erzogen , ist mein Sohn . Ich war es , der auf wilder Flucht ihn in der Höhle zurückließ , wo ihn der Graf fand . Auf dem elfenbeinernen Becher , der bei ihm stand , ist unser Wappen geschnitzt , doch noch mehr als das schützt des Jünglings Bildung , die ihn als aus unserer Familie abstammend getreulich bezeichnet , vor jedem Irrtum . Nimm , mein Bruder Zenobio , den Jüngling als deinen Sohn auf , und er sei dein Nachfolger ! « - Zenobios Zweifel , ob der Jüngling Francesko in rechtmäßiger Ehe erzeugt sei , wurden durch die von dem Papst sanktionierte Adoptionsurkunde , die ich auswirkte , gehoben , und so geschah es , daß meines Sohnes sündhaftes , ehebrecherisches Leben endete und er bald in rechtmäßiger Ehe einen Sohn erzeugte , den er Paolo Francesko nannte . - Gewuchert hat der verbrecherische Stamm auf verbrecherische Weise . Doch kann meines Sohnes Reue nicht seine Frevel sühnen ? Ich stand vor ihm wie das Strafgericht des Herrn , denn sein Innerstes lag vor mir offen und klar , und was der Welt verborgen , das sagte mir der Geist , der mächtig und mächtiger wird in mir und mich emporhebt über den brausenden Wellen des Lebens , daß ich hinabzuschauen vermag in die Tiefe , ohne daß dieser Blick mich hinabzieht zum Tode . Franceskos Entfernung brachte der Gräfin S. den Tod , denn nun erst erwachte sie zum Bewußtsein der Sünde , und nicht überstehen konnte sie den Kampf der Liebe zum Verbrecher und der Reue über das , was sie begangen . Graf Filippo wurde neunzig Jahr alt , dann starb er als ein kindischer Greis . Sein vermeintlicher Sohn Pietro zog mit seiner Schwester Angiola an den Hof Franceskos , der dem Zenobio gefolgt war . Durch glänzende Feste wurde Paolo Franceskos Verlobung mit Vittoria , Fürstin von M. , gefeiert , als aber Pietro die Braut in voller Schönheit erblickte , wurde er in heftiger Liebe entzündet , und ohne der Gefahr zu achten , bewarb er sich um Vittorias Gunst . Doch Paolo Franceskos Blicken entging Pietros Bestreben , da er selbst in seine Schwester Angiola heftig entbrannt war , die all sein Bemühen kalt zurückwies . Vittoria entfernte sich von dem Hofe , um , wie sie vorgab , noch vor ihrer Heirat in stiller Einsamkeit ein heiliges Gelübde zu erfüllen . Erst nach Ablauf eines Jahres kehrte sie zurück , die Hochzeit sollte vor sich gehen , und gleich nach derselben wollte Graf Pietro mit seiner Schwester Angiola nach seiner Vaterstadt zurückkehren . Paolo Franceskos Liebe zur Angiola war durch ihr stetes , standhaftes Widerstreben immer mehr entflammt worden und artete jetzt aus in die wütende Begier des wilden Tieres , die er nur durch den Gedanken des Genusses zu bezähmen vermochte . - So geschah es , daß er durch den schändlichsten Verrat am Hochzeitstage , ehe er in die Brautkammer ging , Angiola in ihrem Schlafzimmer überfiel und , ohne daß sie zur Besinnung kam , denn Opiate hatte sie beim Hochzeitmahl bekommen , seine frevelige Lust befriedigte . Als Angiola durch die verruchte Tat dem Tode nahe gebracht wurde , da gestand der von Gewissensbissen gefolterte Paolo Francesko ein , was er begangen . Im ersten Aufbrausen des Zorns wollte Pietro den Verräter niederstoßen , aber gelähmt sank sein Arm nieder , da er daran dachte , daß seine Rache der Tat vorangegangen . Die kleine Giazinta , Fürstin von B. , allgemein für die Tochter der Schwester Vittorias geltend , war die Frucht des geheimen Verständnisses , das Pietro mit Paolo Franceskos Braut unterhalten hatte . Pietro ging mit Angiola nach Deutschland , wo sie einen Sohn gebar , den man Franz nannte und sorgfältig erziehen ließ . Die schuldlose Angiola tröstete sich endlich über den entsetzlichen Frevel und blühte wieder auf in gar herrlicher Anmut und Schönheit . So kam es , daß der Fürst Theodor von W. eine gar heftige Liebe zu ihr faßte , die sie aus tiefer Seele erwiderte . Sie wurde in kurzer Zeit seine Gemahlin , und Graf Pietro vermählte sich zu gleicher Zeit mit einem teutschen Fräulein , mit der er eine Tochter erzeugte , so wie Angiola dem Fürsten zwei Söhne gebar . Wohl konnte sich die fromme Angiola ganz rein im Gewissen fühlen , und doch versank sie oft in düsteres Nachdenken , wenn ihr wie ein böser Traum Paolo Franceskos verruchte Tat in den Sinn kam , ja es war ihr oft so zumute , als sei selbst die bewußtlos begangene Sünde strafbar und würde gerächt werden an ihr und ihren Nachkommen . Selbst die Beichte und vollständige Absolution konnte sie nicht beruhigen . Wie eine himmlische Eingebung kam ihr nach langer Qual der Gedanke , daß sie alles ihrem Gemahl entdecken müsse . Unerachtet sie wohl sich des schweren Kampfes versah , den ihr das Geständnis des von dem Bösewicht Paolo Francesko verübten Frevels kosten würde , so gelobte sie sich doch feierlich , den schweren Schritt zu wagen , und sie hielt , was sie gelobt hatte . Mit Entsetzen vernahm Fürst Theodor die verruchte Tat , sein Inneres wurde heftig erschüttert , und der tiefe Ingrimm schien selbst der schuldlosen Gemahlin bedrohlich zu werden . So geschah es , daß sie einige Monate auf einem entfernten Schloß zubrachte ; während der Zeit bekämpfte der Fürst die bittern Empfindungen , die ihn quälten , und es kam so weit , daß er nicht allein versöhnt der Gemahlin die Hand bot , sondern auch , ohne daß sie es wußte , für Franzens Erziehung sorgte . Nach dem Tode des Fürsten und seiner Gemahlin wußte nur Graf Pietro und der junge Fürst Alexander von W. um das Geheimnis von Franzens Geburt . Keiner der Nachkömmlinge des Malers wurde jenem Francesko , den Graf Filippo erzog , so ganz und gar ähnlich an Geist und Bildung als dieser Franz . Ein wunderbarer Jüngling , vom höheren Geiste belebt , feurig und rasch in Gedanken und Tat . Mag des Vaters , mag des Ahnherrn Sünde nicht auf ihm lasten , mag er widerstehen den bösen Verlockungen des Satans . Ehe Fürst Theodor starb , reiseten seine beiden Söhne Alexander und Johann nach dem schönen Welschland , doch nicht sowohl offenbare Uneinigkeit als verschiedene Neigung , verschiedenes Streben war die Ursache , daß die beiden Brüder sich in Rom trennten . Alexander kam an Paolo Franceskos Hof und faßte solche Liebe zu Paolos jüngster mit Vittoria erzeugten Tochter , daß er sich ihr zu vermählen gedachte . Fürst Theodor wies indessen mit einem Abscheu , der dem Fürsten Alexander unerklärlich