so rann auch mein Leben zusammen , und da steht nun das Weib , dem ich es in die Arme legte , da steht es wie die schöne Sünde - aber sie hat mir es vor die Füße geworfen - o Sie können es in Ihren Garten pflanzen in den fettesten Boden , es schlägt nie wieder aus - es ist verbrannt , in der Liebe verbrannt - ha und noch ein Mensch - sagt nicht , er sei schwach - was ist er schwach ? er ist sein Hallunke und sein Henker zugleich , und henkt sich nicht selbst , weil er seines Henkers Hallunke bleiben muß , und seines Hallunken Henker nicht werden will . « Haber sprang hier wild auf und sagte : » Hören Sie auf , ins Teufelsnamen . « » Ha ! ha ! ha ! « lachte ich ganz heiter , » sind Sie so erschrocken ; nun , ich will Ihnen was erzählen - « Godwi bat mich , nicht so heftig zu sein . » Obschon ich Sie verstehe , « sagte er , » so ist die Wirkung davon doch weder gut für Sie noch mich . « » Ich will Ihnen ein Lied singen , das hierher gehört , nur muß ich zuerst erzählen , wo ich es zuerst sang . Ich ward in meinem sechsten Jahre von Hause entfernt , und von meiner Mutter , die es gut meinte , zu einer Anverwandten in die Kost getan , wo sich meine Schwester schon früher befand . Bei dieser Frau lebte ich , Gott möge es sich selbst verzeihen , ein recht elendes Leben . Ihr Mann war ein ausschweifender Mensch , und sie ein eingebildetes , eigensinniges Geschöpf , eine von jenen Weibern , welche Hochteutsch-Sprechen für moralisch halten . Wir sahen sie nur morgens , mittags und abends zu unserm Schrecken . Denn morgens kam sie mit eiskaltem Wasser , stellte uns nackt vor sich , und ließ es uns aus einem Schwamme über den Rücken laufen . Ich habe sie nie lachen sehen , als wenn ich ihr die eiskalten Wasser-Gesichter schnitt ; ob es übrigens gesund war , weiß ich nicht , nur weiß ich , daß ich abends immer großen Hunger hatte , und daß mein erster Witz war , Morgenstund hat kalt Wasser im Mund . Mittags aßen wir unter den Aufmunterungen : Halte dich grad , die Hände auf den Tisch , hänge den Kopf nicht so , wie du wieder den Löffel nimmst ! etc. Nach Tisch mußte ich dem Lieblingshunde , der die Originalität besaß , Nüsse zu fressen , zehn Nüsse schälen , dafür bekam ich eine , die ich mit meiner Schwester teilen durfte ; nun band man mir und meiner Schwester , die in eine Schnürbrust gezwängt war , die Ellenbogen hinten zusammen , und so mußten wir Rücken an Rücken gebunden , um unserer Muhme zum Nachtische einen Spaß zu machen , auswärts stehen , bis wir umfielen ; dann wurde auch gelacht . Den übrigen Tag waren wir bei dem Gesinde oder einem Lehrmeister , der uns , während er dem Kanarienvogel des Bedienten die Augen mit einem glühenden Drahte blendete , und seine Stiefel wichste , die Hauptstädte von Europa auswendig lernen ließ und , wenn wir sie ihm zu früh wußten , uns strafte . Vor die Haustür kam ich nie , und sah oft meine Schwester neidisch an , wenn sie die Magd von den Fräuleins zurückbrachte , zu denen sie in Gesellschaft ging . Die Muhme hielt mich so im Respekt , daß wenn sie mir abends die Hand nicht zu küssen gab , ich nachts im Bette weinte , und meiner Schwester keinen Schlaf gönnte , mit dem Ausrufe , daß ich ein Verbrecher sei . Hinten am Hause war ein kleiner Garten , an dem ein großer Saal war , der voll Ölgemälde hing . Eines , welches das größte war , stellte das Urteil Salomons über die zwei Kinder der Buhlerinnen vor , grade wie der Kriegsknecht das lebendige Kind am Beine hält , und es entzweihauen will ; das andere Kind lag tot und blau an der Erde ; die rechte Mutter reckte ihm die Hände in die Höhe , die falsche saß ruhig am Boden und sah zu ; der Kriegsknecht hatte einen recht blutroten Mantel an , und das ganze Bild war in Lebensgröße und mit grellen Farben gemalt . In diesem Saale war ich meistens , wenn ich allein war , und nährte meine kindische Phantasie an dem Bilde . Da ich einmal von meiner Beherrscherin unschuldig viel böse Worte gelitten hatte , wurde ich weinend zu Bette geschickt ; meine Schwester war noch zu Besuche ; ich konnte nicht im Bette bleiben , und schlich herunter in den Gartensaal , um dort , wie ich oft tat , vor einem kleinen Jesusbilde zu beten , daß er mich bessern möge , denn ich wußte nicht , was ich begangen hatte , und hielt mich doch für einen Verbrecher . Als ich in den Saal trat , überfiel mich eine große Angst ; es waren keine Scheiben in den Fenstern , und Weinlaub über sie gezogen . Der Mond schien herein , und alle die vielen Ölgemälde schienen zu leben durch das Licht , das sich durch das Schwanken des Weinlaubs über sie bewegte . Ich sank in die Knie , es war kalt , und ich war im Hemde ; o ! wie war ich so unglücklich , ich betete laut , und fürchtete mich vor dem Schall meiner Worte . O lieber , lieber Gott , sage mir doch , was habe ich getan - Da trat meine Schwester herein ; sie war zwei Jahre älter als ich , und ging schon allein zu Bette ; sie hatte mich gehört , und sagte zu mir : Ei du ! was machst du da ? Ich umklammerte sie heftig , aber sie verstand mich nicht , da führte ich sie vor das Salomonsbild , und sagte zitternd : Sieh , der auf dem Throne , das ist der liebe Gott ; die Frau , die die Hände ausreckt , das ist unsre Mutter ; die da so sitzt und ruhig ist , das ist die Muhme , und der Mann , der das Kind zerhaut , ist auch die Muhme , und das Kind bin ich , und das tote Kind , ach das bist du - Sie zog mich mit sich die Treppe hinauf , und brachte mich zu Bette . Sie erzählte mir vieles von den Fräulein , die sie besucht hatte , um mich zu trösten , aber ich weinte immerfort . Da stieg die liebe Schwester aus dem Bette auf , und setzte sich zu mir ins Bett , das am Fenster stand , wir umarmten uns , und sahen in den hellen Himmel ; dann sagte meine Schwester : Wir wollen das Lied singen von dem Kinde , dessen Großmutter eine Hexe war , und das Kind vergiftete . Wir sangen dies Lied immer , wenn es uns recht traurig war ; meine Schwester sang die Worte der Mutter , welche das Kind fragt , und ich sang weinend die Worte des Kindes ; in dem Liede lag uns Trost , wir trösteten uns mit der Liebe der Mutter und des Kindes Tod . Mutter : Maria , wo bist du zur Stube gewesen ? Maria , mein einziges Kind ! Kind : Ich bin bei meiner Großmutter gewesen . Ach weh ! Frau Mutter , wie weh ! Mutter : Was hat sie dir dann zu essen gegeben ? Maria , mein einziges Kind ! Kind : Sie hat mir gebackene Fischlein gegeben . Ach weh ! Frau Mutter , wie weh ! Mutter : Wo hat sie dir dann das Fischlein gefangen ? Maria , mein einziges Kind ! Kind : Sie hat es in ihrem Krautgärtlein gefangen . Ach weh ! Frau Mutter , wie weh ! Mutter : Womit hat sie denn das Fischlein gefangen ? Maria , mein einziges Kind ! Kind : Sie hat es mit Stecken und Ruten gefangen . Ach weh ! Frau Mutter , wie weh ! Mutter : Wo ist denn das Übrige vom Fischlein hinkommen ? Maria , mein einziges Kind ! Kind : Sie hats ihrem schwarzbraunen Hündlein gegeben . Ach weh ! Frau Mutter , wie weh ! Mutter : Wo ist denn das schwarzbraune Hündlein hinkommen ? Maria , mein einziges Kind ! Kind : Es ist in tausend Stücke zersprungen . Ach weh ! Frau Mutter , wie weh ! Mutter : Maria , wo soll ich dein Bettlein hinmachen ? Maria , mein einziges Kind ! Kind : Du sollst mirs auf den Kirchhof machen . Ach weh ! Frau Mutter , wie weh ! « » Schrecklich , schrecklich ! « sagte Haber . Ich fing aber lustig an Ça ira zu singen , weil ich selbst weinte , und mir im Ça ira von jeher alle Adern freudig schwollen , denn ich liebe solche heftige Übergänge . Haber wurde ganz wütend , und schrie , ich müßte der größte Teufel sein . » Nein , « sagte ich , » lieber Haber , sehen Sie dort an der Türe die alte Großmutter stehen , mit der Giftschale in der Hand , wie ihr die Augen aus der Pelzmütze herausstieren ; und dort sehen Sie die Mutter , die weinend im Stuhle sitzt , und der kleinen Maria , die vor ihr steht , und sie liebkoset mit wehe ! ach wehe ! Frau Mutter ; wie sie dem einzigen Kinde das weiße Totenhemdlein anzieht ; und hier sitze ich mit meiner Schwester « - ich setzte mich auf die Erde , und nahm ein Küssen in die Arme - » ach meine liebe Schwester , wie geht es mir so traurig « - hier sprang ich auf , es riß mich wie mit den Haaren in die Höhe - es war mir als hielt ich sie lebendig in den Armen , und ach ! sie ist doch tot . Godwi sagte : » Sie übertreiben es « ; ich lachte , und ging munter zu Bette . Haber fürchtete sich vor mir , er mußte mit mir in derselben Stube schlafen und ich ihm vorher feierlich beteuern , keine Nacht keine solche Streiche mehr zu machen . Aber fröhlich war ich doch wohl nicht - Fünfzehntes Kapitel Haber stellte im Bette noch viele Betrachtungen an , und versicherte mich seiner Freundschaft ; dann sagte er : » Obschon ich noch nicht ganz von der Idee kommen kann , Sie für etwas böse zu halten , so halte ich Sie doch nicht mehr für platt . Sie haben ohnstreitig eine gewisse Macht über die Gemüter , doch sollten Sie sich mehr applizieren , und nicht so vom Beispiele hinreißen lassen . « » Ich danke Ihnen , und bin eben im Begriffe , mich zu applizieren , nämlich abzuschlafen ; das Beispiel tut bei mir , wie Sie sagten , leider alles , also schlafen Sie wohl . « Ich versuchte hin und her , und Haber schnarchte schon ; aber sein Beispiel , so stark es auch war , nützte nichts , und er hatte Unrecht ; ich kam immer auf den Gedanken , ich müsse mich erst auf die Applikation applizieren , und so kam ich nicht zum Schlafe . Es war eine helle Nacht , und nicht sehr kühl , meine gereizte Stimmung ward mir nun selbst zur Betrachtung ; alles was sie abends so kaudisch umfaßte , beschäftigte mich nun einzeln . Ich fühlte , daß ich auch mehr genossen als andere , und gab mich zufrieden über die Leiden . In solchen Gedanken schlummerte ich ein , und erwachte dann wieder . Ich bemerkte Lichtstrahlen , die durch den Fensterladen fielen , und kleidete mich deswegen an , machte das Fenster auf , aber es war Mondschein und um drei Uhr . Meine Aussicht war sehr reizend , das Fenster ging in den Garten , eine gebildete Wildnis , und mitten unter den träumenden grünen Bäumen stieg eine hohe weiße Marmorgruppe zum Himmel . Ich erkannte bald , es müsse Violettens Denkmal sein , denn ich bemerkte über dem Ganzen einen gehobenen Arm mit einer Lyra . Der Mond stand hinter der Lyra , und es war mir , als ströme ein mildes leuchtendes Lied durch ihre Saiten . Ich stand , und suchte neugierig das Bild in der Dunkelheit zu enträtseln , aber es war zu unbestimmt , es war mir wie ein Wort , das man fühlt , und nicht sagen kann . Meine durch das Wachen überreizte Augen wurden durch das stete forschende Blicken auf das mondglänzende Bild noch unbestimmender , und bald schien mir der ganze Garten durcheinander zu wallen . Ich lehnte , am Fenster sitzend , den Kopf auf den Arm , blickte mit sinkenden Augen hinaus , und der Eindruck der Aussicht verlor bald so sehr die Gewißheit einer Aussicht , daß ich nichts mehr vom Garten , noch von mir wußte , und es war mir , als wäre ich das alles zugleich und läge in einem gelinden Traume . Da der Mond aber etwas gesunken war , und tief unter der Lyra stand , sah ich schöne runde , glänzende Hüften und zierliche Füße und sinkendes Gewand . Ich sah mit vieler Liebe nach den kernichten Hüften , und den netten feinen Füßen , und ärgerte mich mit vieler Aufrichtigkeit , daß ich den Busen nicht sehen konnte . Der Arm mit der Lyra lockte mich nicht , denn eine Leiergestalt ist sehr tonlos ; aber solche weibliche , sanft und fest gewundene Formen können mir alle Saiten im Busen erklingen machen . Ich ärgerte mich über den gehobenen Arm mit seiner Leier , und sagte im gierigen Unmute meiner Lust : » Der kalte Genius , da hängt das göttliche nackte Leben an ihm , und er hebt die Leier stets gen Himmel ; ha , wie wollte ich sie an die Erde werfen - da liege du alte Leier ! - und das Weib wollte ich heraufziehen mit liebender Wut ; in die Arme wollte ich sie nehmen wie ein Kind ; der Mond sollte trunken durch die niederfließenden Locken blicken , als sei er freigegeben ; stand er doch hinter den Saiten der Lyra , wie hinter einem Kerkerfenster ; und opfern wollte ich sie emporgehoben , wie der Priester opfert ; die ganze Natur würde niederknieen und ans Herz schlagen , wie das Volk , und hätte sie gesprochen , wie der Göttliche sprach - Nimm hin , das ist mein Leib - o wie sollte sie unter meinen glühenden Küssen in mich selbst zerrinnen , und ich in sie . « Ich konnte nun nicht mehr länger auf der Stube bleiben , der ganze Garten schien mir wie lebendig und in wunderlichen fantastischen Wesen der Nacht begriffen . Es war mir , als sähe ich auf den Markusplatz in Venedig in der Karneval , alles strömte durcheinander , und die einzelnen Farben , die unter verschiedenen Gestalten immer wiederkamen , flossen zusammen ; Schatten und Licht rannen in spielender Beweglichkeit durcheinander , und kaum verfolgte ich eine Gestalt , so war sie zu hundert andern geworden . Oben über allem hervorragend , wie die künstlich gewundenen Strahlen eines ungeheueren Springbrunnens , wie wundersam spielende Flammen eines weißen reinen Feuers zum Himmel , drang das Bild Violettens zum Himmel über alle das dunkle Gewirre empor , die Apotheose eines verlornen Kindes , die wohl auch einstens da unten mit Schmerz im Herzen , und wilder Lust in den Gliedern , herumwandelte , aus der verwirreten Freude die Grundlage aller Freude in einem Einzelnen zu entwirren - um zu leben - das ist schrecklich , und ich mußte nun hinunter , den armen Kindern Trost zuzusprechen , die vielleicht noch da wandelten . Ich stieg das Fenster hinab an dem Rebengeländer , welches die Mauer bekleidete , aber unten verliert sich alle der Reiz , der nur bei der Ansicht von oben herab mit von oben herabkömmt . Nun stand ich zwischen den Bäumen , die sich bewegt hatten , da ich nur ihre Gipfel sah ; sie wurzelten fest im Boden , alles war wieder von mir getrennt , und ich war allein und einsam . Ich setzte mich auf die Stufen des Bildes und war ruhig . Sechzehntes Kapitel Ich mochte das Bild nicht ansehen - warum ? das weiß ich nicht , vielleicht des Inhalts wegen - und dachte : Was soll diese liebliche traurige Verirrung auf Erden , was hat so eine arme Violette getan ? Warum sind die Dichter verstoßen von der Gesellschaft ? bis sie die Gesellschaft mit ihrem Gesange zwingen , sie zu ernähren - warum sind die Dichterinnen mit dem Leibe verstoßen ? bis sie Aspasien werden . - Da singt so ein armes Völkchen , weil es nur sein bißchen Kehle hat und von allem andern weniger - da liebt so ein armes Völkchen , weil sein Leib mächtiger ist als die Moral , - ist denn keine Welt für die armen Mädchen da , die lebendiger sind als die Pflicht , was haben die Kinder getan , und wer will das Fleisch strafen , daß es in üppigem Leben den engen Rock des Staates zersprengt , und hervortritt natürlich an die Sonne und die Liebe . Wo ich so ein armes Kind sehe , treten mir die Tränen in die Augen , und ich fluche , daß nicht Platz genug ist in der Ehre für das Leben . O nennt sie nicht unverschämt , die nicht zugegen waren , als die Erbärmlichkeit siegte , und den Thron bestieg in Purpur der Scham . Sie sind nicht größer als die Scham , aber die Scham ist viel zu klein für sie . Ich dachte mit einiger Bosheit an die Ehe , die nur in die Breite geht , und sich so breitmacht , die Fläche des Staates zu begründen , daß alles , was die Liebe nur in der Eile empfindet , und nicht in der Weile , in die Höhe muß , weil leider im Staate die Höhe allein noch nicht bevölkert ist . Die Ehe kam mir vor wie eine unendliche Fläche mit dem tiefsten Haß gegen alles Streben in die Höhe . Und der Stand der freien Weiber kam mir vor wie eine senkrechte Linie zum Himmel , die nirgends fest stehen kann , weil die Ehe keine Höhe duldet . Die arme senkrechte Linie muß daher immer tanzen , wie einer , dem der Fußboden glühend gemacht wird , und kaum richtet sie sich in die Höhe , so muß sie fallen . Zum rechten Winkel bringt sie es selten - immer findet man sie in kleinen schiefen Winkeln und immer zum Fallen bereitet . Das Elend der Kinder war mir nun deutlich , wie ihre Freude , sie müssen stets an den brennenden Boden fallen , und ihre kleine Freude liegt in ihrer Bestimmung , aufrecht in den Himmel zu dringen , und man soll ihnen nicht länger Vorwürfe machen , daß sie sich unterstützen lassen , in die Höhe zu kommen , die ihr Element ist , da die Ehe den ganzen Boden gemietet hat , für ihr monopolisches Einerlei . O wäre eine Fläche auf der Erde , wo die Liebe nicht zünftig wäre , und läge sie hinter der bürgerlichen Welt und ihren Gewässern , und wären alle die verlornen Kinder dort , könnte ich sie dann nicht abbilden in ihren verschiedenen Graden von Streben nach dem Himmel , wie die Strahlen einer aufgehenden Sonne - [ nach ] langer Nacht . Und die kalte Zone der Ehe würde erwärmt werden , und erleuchtet - wir werden gesund sein , wenn wir unsere Organisation nicht mehr fühlen , wir werden einen Staat haben , wenn sich die Gesetze selbst aufheben , wir werden eine Liebe haben , wenn wir keine Ehe mehr kennen . Bis dahin seien die Tiere des Waldes gepriesen , wegen ihrer Gesundheit , bis dahin seien die Freiheitsschmerzen edler Seelen geehret , bis dahin dulde man mein Bild der aufgehenden Sonne für die verlornen Mädchen . Denn ich will ewig glauben , daß sich die Liebe in sie geflüchtet hat , in dieser Zeit der Ehe , wie alles Gute sich in die Poesie flüchtete zur Zeit der Barbarei , und sie stehen jetzt noch da , wie einst die romantische Poesie dastand . So hatte ich gedacht , auf den Marmorstufen sitzend , den Kopf mit geschlossenen Augen in die Hand gelehnt . Ich fühlte den kühlen Tau auf meinen Händen , stand auf und öffnete die Augen . Der Mond zerschmolz in das Licht des Morgens , und es war mir , da ich in die freudige Welt hineinblickte , als lächelte sie meiner Träume , und ich wäre aufgestanden wie eine Blume , die in dem Bach ihr Bild nur sieht , und tiefer den Himmel . Als ich auf die andere Seite des Bildes trat , lag die Röte des Morgens am Himmel . Der Erde gehört dies Rot und nicht der Sonne . Bald drangen die ersten Strahlen meiner siegenden Kolonie zum Himmel , und küßten alle Tränen des Taues von der Erde ; sind doch Tränen ihr einziges eignes Gedeihen ! Ich wendete mich nun zum Bilde , und es schien zu leben ; das rote Licht strahlte dem Genius um Haupt und Herz , goß Leben und Blut durch das Ganze , und spielte dem nackten Mädchen um den Busen und den geheimnisreichen Schoß . Die Sonne wollte schneller in die Höhe , und jeder Strahl wollte das Denkmal der Schwester dem schamroten Lichte der Erde entreißen . Vor mir war das Bild gleichsam geboren . Ich sah es in der Nacht wie in Liebe und Traum , im Mondlichte wie mit dem Begehren , erschaffen zu werden , in des Morgens Dämmerung wie in der Ahndung des Künstlers , mehr und mehr in den Begriff tretend , und ich stand vor ihm und sah , wie es hervordrang mehr und mehr in die Wirklichkeit , und endlich zum vollendeten Werke ward im Glanz der Sonne , getrennt von dem Schöpfer , der nur ein Gebärer ist , für sich selbst , mit allen Rechten seiner Gattung . Als es so vor mir stand , wie aus der Finsternis erstiegen , wie erblühet , gestaltet und frei , drang es heftig auf mich ein , und forderte von mir , was es war ; es begehrte mit Gewalt , daß ich es erkenne , und ich fühlte mit Freude in meiner Brust , daß ich es erkannte , und daß es und ich in der Dunkelheit sein Begehren war , und daß sein Erlangen mit dem Lichte kam , in mir und in ihm . Anfangs hatte ich nur den Totaleindruck seiner Eigentümlichkeit und so rein , als seine Vortrefflichkeit ihn geben mußte - Wollust , Jugend , Freiheit , Liebe und Poesie im Siege des Wahnsinns den Göttern geopfert . Da ich aber von seinem Ausdruck durchdrungen war , da ich es in mich aufgenommen hatte mit seinem Willen , da ich es liebte , forschte ich nun freundlich nach seiner Entstehung - wie ist dir ? hatte ich zuerst gefragt ; nun fragte ich : wie war dir , und wie ist dir so geworden ? und es war , als sagte es : Begreife die Bilder an den Seiten des schweren Würfels , von dem ich zum Himmel schwebe , und du wirst mein Leben erkennen , das ein schwerer Würfel war - doch mußte ich mit ihm um Glück spielen , bis der Gott das Glück fesselte . Ich selbst von der obern Seite des Würfels schwebend bin der Gewinnst . Die Liebe führt den spielenden Wahn zu den Göttern . Die untere Seite des Würfels ist meine Geburt ; der Würfel war falsch , diese Seite mußte die Eins enthalten , aber sie enthält eine falsche Drei , ach ! und nur so konnte der Würfel stehen , daß mein Sieg oben wohne . Ich betrachtete die Reliefs der vier Seiten des Piedestals welche allegorisch Violettens Geschichte enthielten . Das erste , wie sich das Kind zum Genusse entscheidet . Das zweite , wie sich ihr die Jungfräulichkeit nicht anpassen will . Das dritte , wie sie der Genuß besiegt , ihr den Gürtel löset und von dem Schoße um die Augen legt . Das vierte , wie die Liebe sie besiegt , und sie in der Umarmung ihres Genius die Poesie nur noch im Wahnsinne erringt . Die Gruppe auf dem Würfel aber , ihre Apotheose selbst , ihr Tod im Wahnsinne . Über ihr schwebte der Genius , an seine Brust drängt sich der fliegende Schwan , in der einen Hand hebt er die Lyra empor , und schauet selbst zu dem Himmel . Das Mädchen steigt nackt , halb ringend , halb schwebend und mit Schwere kämpfend , aus dem Gewande , das in schönen großen Falten auf den Würfel sinkt . Ihr Kopf ist auf den Busen sinkend und tot ; der Genius hat die eine Hand in ihre Locken geschlungen , um sie heraufzuziehen ; das Mädchen umklammert mit der Rechten seine Hüfte mit Liebe und Arbeit , und hebt die Linke matt und welk nach der Lyra , was man an den willenlos sinkenden Fingern dieser Hand erkennt . Die beiden Vorderseiten der Figuren sind aneinander gelehnt , so daß man von jeder Seite eine Figur ganz und eine halb sieht . Des Mädchens Brust ruht an dem Schwane , der die Mitte des Bildes erfüllt , und die beiden Figuren verbindet . Von der Seite des Genius sieht man den Unterleib Violettens , um den sich das Gewand noch gierig anschmiegt ; ihren Busen und den schmerzlich liebenden Zug ihres Gesichts , den der Tod nicht ganz besiegt und der Wahnsinn wie ein letzter heftiger Reiz noch einmal ins Leben zu wecken scheint , sieht man von der einen Seite genug , damit das Bild seinem Sinne genüge ; denn der ganze schöne Leib Violettens ist durch den einen schwebenden Fuß und den Zug der Hand des Genius in ihren Haaren auf ihrem andern , schwer an die Erde gebannten Fuße gewendet . Überhaupt ist es fein von dem Bildhauer gedacht , daß er die ganze Seite des Mädchens , mit deren Arm sie den Genius umklammert , sinkend und schwer gebildet und sie zum Anlehnen der Verbindung gebraucht hat , so wie er die andere , mit deren Hand sie nach der Lyra strebt , und deren Fuß sie hebt , ganz frei und in gelindem Schweben hielt . Von dieser Seite ist das Bild anzusehen . In der Mitte des Bildes , wo sich die Hand in die Locken windet , stirbt seine Wollust und Liebe , die mit dem Mädchen heraufdrang und löst sich sein Stolz und seine Hoheit , die vom Haupte des schwebenden Genius niederwallet , und erschließt sich gleichsam eine Wunde , die dem ganzen Einheit giebt , und in der sich beide schön durchdringen , und schön ist es , wie der Schwan sich an diese Wunde schmiegt , und den Schmerz des Anblicks lindert . Wenn ich sagen wollte , wo man das Bild im Leben fände , so würde ich sagen : Gehst du in liebeheischenden Frühlingstagen abends durch wunderbare kunstreiche Gärten , und suchst Liebe in der Dämmerung traulicher Lauben , und trittst du in eine , wo ein Weib so ganz ergeben in Schlaf oder Lust auf weichem Moose ruht , und trittst du hin , bebend in kühnem Rausche und banger Unerfahrenheit , stehst zitternd vor ihr ; sie erwacht nicht ; ein dünnes , formensaugendes Gewand bedeckt sie ; der Busen hebt es nicht , und blickt durch das Gewand , wie deine eigene Lust durch deine bange Unerfahrenheit ; du wendest deine Augen hin zum Haupte , und glaubst das Bild der Würde selbst zu sehen ; dein Entschluß wankt , du sinkest nieder , küssest die schöne Hand , die auf der linken Brust gelinde zu ruhen scheint , und fühlest im Kuß der Hand des Busens ergebenden Widerstand , und wenn sich dann in allen deinen Gliedern das Leben regt , und alle Natur ein Bündnis schließt in deines Herzens Mitte gegen die Tyrannei der Furcht , der Sitte , und der Unerfahrenheit , und wenn du dann mit kühner Hand das Tuch , das dich so von der Liebe trennen will , verachtend , schüchtern , doch gelinde von den Füßen aufwärtsziehst , und immer höher in Seligkeit die lustbetränten Augen gleiten , und wenn das geschürzte Gewand das würdevolle Haupt schon längst bedeckt , den Busen du befreien willst , um hinzugehn in aller Freiheit in die Lust , wenn dann die schöne holde Brust - - - - - mit einer offenen Wunde blutgen Lippen zu dir spricht , was dir des Hauptes Würde nicht , und nicht des Schoßes heimliches Vertrauen sagte , wenn alle deine Lust in diese Wunde wie in ihr Grab dann sinkt , und hülfesuchend das Gewand du von dem ganzen schönen Leibe niederziehst , und von der schmerzenvollen Wunde aufwärtsblickst , hin nach dem Haupte , Gebet zu holen , und nieder über des süßen Leibes Zaubereien , mit dem Traume der irdischen Wonne deinen Schmerz zu lindern , wie in der Erinnerung des schönen Lebens die Trauer um den Tod sich mildert , und wenn du ewig zu der Wunde wieder hin mußt , bis endlich alles das in ihr zusammenrinnt , und Lust und Schmerz und Hoheit aus der Wunde blühen - so hast du voll des