Orkus steigen , um ganz Italien zu verwirren . Diese schwarze Klippe bedroht Eure Barke ; möge sie nicht daran scheitern ! Das Wiederkommen Cäsars ist Eure Schicksalsstunde . Und Ihr werdet « – er besann sich , ob er ihr die bittere Arznei erspare , fuhr aber mit entschlossener Liebe fort : » wehe Euch , Ihr werdet folgen , wenn Euch Don Cäsar ruft . Ihr werdet dem Teufel gehorchen , wie sie erzählen , daß Euer Vater auf dem Sterbebette sagte : Du rufst , ich komme . « Lucrezia bekreuzte sich . » Teure Herrin ! « Bembo machte eine Bewegung , ihr zu Füßen zu fallen , hielt sich aber zurück , da die wandelnde Angela sich gerade nach ihnen umwandte . » Ich beschwöre dich , Lucrezia « , flüsterte er , sich zu ihr beugend , » sobald diese gefährlichen Stunden kommen und du fühlst , daß du die Herrschaft über dich verlierst , so wirf dich vor dem Herzog nieder und bekenne , daß du sein Verbot übertreten willst , denn sicherlich wird er seinen Untertanen bei Todesstrafe verbieten , mit Cäsar zu zetteln , dessen Erscheinung Italien wie ein Erdbeben erschüttern würde ... Doch ich beschwöre Euch vergeblich , Madonna ! Denn ich weiß , Ihr werdet die Zügel verlieren , Ihr werdet des Herzogs Verbot unter die Füße treten . « » Werde ich ? « fragte Lucrezia , wie abwesend . Doch erschien ihr glaublich , daß sie es tun werde , denn sie kannte ihre Bande . » Herrin « , schluchzte der Venezianer , » wann immer ich erfahre , Cäsar sei aus dem Kerker gebrochen , ich eile auf Windesflügeln nach Ferrara und umklammere Euch , daß Ihr ihm nicht in die Arme stürzet – doch käme ich zu spät , so gedenket meines Rates , sobald Ihr Euch wieder besitzt und besinnet . Schützet und berget Euch vor der Strafe des Herzogs an seinem Herzen . Und habt Ihr menschliche Werkzeuge angewandt , um Euch mit dem Bruder zu verbinden , opfert sie unbedenklich und gebet sie der Rache des Herzogs preis . – Der Herzog liebt Euch ... « » Ich glaube , daß er mich liebt « , sagte Lucrezia , sich wieder erhellend . » Seid dessen gewiß « , beteuerte der Venezianer . » Jüngst an der Tafel nannte er den Namen Cäsars – nicht unabsichtlich – und sprach von einem dunkeln Gerüchte seiner Entweichung . Dabei beobachtete er Euch scharf ... Ihr bliebet ruhig , nur Eure Hand zitterte , die den Becher hielt , daraus Ihr schlürftet . Er betrachtete Euch lange , doch wohlwollend und wie mit der gerechten Erwägung , was Eurer Natur gemäß und welcher Widerstand Euch möglich sei . Gewiß , er wird Euch halten und retten , wenn Euch nicht das Verhängnis gewaltig fortreißt . « Die Herzogin , die wieder völlig heiter war , sagte jetzt mit wunderbarem Leichtsinn : » Ich werde Eure Sorge beherzigen . Aber , Freund , nun genug von mir ! Spendet mir lieber einen Rat für jene dort – « sie blickte nach der wandelnden Angela , » die mir in weit näherer Gefahr zu schweben scheint . Seht hin ! « Ein schreiender Raubvogel erhob sich aus dem Walde und kreiste über den Wiesen . Zugleich rauschte es im Gebüsch , und ein hagerer , in Purpur gekleideter Mann trat auf Angela zu , wandte sich aber , Bembo neben der Herzogin entdeckend , grüßend an diese . » Ihr findet uns , Eminenz « , sagte die Herzogin unbefangen , » wie sich mein liebenswürdiger venezianischer Besuch , den ich schwer missen werde , von mir verabschiedet . « » Ihr verlaßt uns , Bembo ? « sagte der Kardinal leutselig . » Das sollte mir leid tun . Wohin gehet Ihr ? « » Nach Urbino , Eminenz . « » Um wieder zu uns zurückzukehren ? ... Denn uns gehöret Ihr an , und wir können Euch nicht entbehren , ebensowenig als eine andere , die man auch von uns fortsenden will . « Die Fürstin zog das neben ihr stehende Mädchen zu sich auf die Bank nieder und behielt seine Hand in der ihrigen , als nähme sie von Angela Besitz . » Wir bilden hier einen festgeflochtenen , farbigen Kranz « , fuhr er fort , » aus dem es Unrecht wäre , eine Blume zu entfernen , geschweige die süßeste Knospe wegzureißen ! « Lucrezia erhob ihre Augen groß gegen den Kardinal , überlegend , ob jetzt , da Bembo noch als Zeuge hier stehe , nicht der Augenblick gekommen sei , ein längst im Finstern schleichendes Übel an die Helle zu ziehen und durch das darauffallende Tageslicht zu vernichten . Geistesgegenwärtig , wie sie war , besann sie sich nicht lange . » Kardinal « , sagte sie , » wenn Ihr unter der andern uns bald Verlassenden diese hier versteht , so wisset , ich trachte danach , daß sie von uns scheide . Ihr Alter ruft der Vermählung , und hier weiß ich für sie keinen Gemahl , während Graf Contrario , den Ihr kennt und der sie heimzuführen begehrt , alle Eigenschaften besitzt , die ich als die Schülerin Angelas von ihrem Manne fordern darf . So ist mein Wille ; doch werde ich gern noch Eure Meinung darüber in Betracht ziehen . « Bembo wollte sich bescheiden entfernen , wurde aber durch einen Blick Lucrezias festgehalten . Sie kannte das Unberechenbare in der Natur des Kardinals und scheute seine Überraschungen . Dieser schien die Herausforderung in den Worten der Fürstin nicht zu fühlen ; er wählte , während der Venezianer sich neben den Frauen auf eine Rasenböschung niederließ , gelassen ihnen gegenüber einen bequemen Platz im Dunkel einer Kastanie , deren Stamm sich nahe dem Boden teilte , mit den üppigen Ästen den Rasen bedeckend , und begann , indem er mit dem schaukelnden Fuße nach einer flüchtigen Eidechse stieß , mit ruhigen Worten : » Wie ich den Grafen Contrario kenne , taugt er nimmermehr für eine Borgia , denn er ist ein armer Mensch , zusammengesetzt aus peinlichen Tugenden und ewigem Widerspruch , ein Berg rechthaberischer Grundsätze , der die Maus einer knickerischen Rechenkunst gebiert , gänzlich unfähig , eine Frau um ihrer selbst willen mit Größe und Verschwendung zu lieben ! Ich behaupte , seiner Werbung um dieses Schöne , dieses Liebe hier liegt ein grobes Rechenexempel zugrunde . Hier auf diese Tafel will ich es niederschreiben ! « Er zog ein Täfelchen hervor , schrieb mit dem Stift und las zugleich : » Graf Ettore Contrario freit um die hochherzige Angela Borgia , weil er mit dem Fiskus in Ferrara einen von seinem Vater geerbten Prozeß über bedeutende , auf ferraresischem Boden gelegene Ländereien führt , den er aller Wahrscheinlichkeit nach bei den zuständigen ferraresischen Gerichten verlieren würde ohne den Schutz eines höchsten Einflusses , wie der , zum Beispiel , unserer erlauchten Fürstin , für deren einziges Lächeln der verliebte Großrichter Herkules Strozzi Ehre und Seele verkauft . Unsre Herzogin aber und ihr Sklave Herkules wären zu bestechen , wenn der vollkommene Graf die Hand dieser Unschuld begehrt , welche Donna Lucrezia aus Ferrara entfernen will , weil das junge Mädchen aufs zärtlichste und rasendste von dem Kardinal Ippolito geliebt wird , während sie selbst , als echtes Weib , unwissend und hoffnungslos für den größten Taugenichts der Erde entflammt ist . Ohne innern Kampf wird der mäßig tapfere Graf sich nicht entschließen , zwischen diese lodernden Feuer zu greifen . Aber es ist möglich , daß seine Habsucht stärker ist als seine Feigheit . Beurteilt Ihr ihn anders , Herzogin ? « Lucrezia wunderte sich über dies freche Bekenntnis und diese verwegene Bloßlegung der Tatsachen , die ihrer eigenen Wertung der Dinge und Personen nicht allzu fernlag , welche aber nicht gelten durfte , weil sie es nicht wollte . Ehe sie indessen antworten konnte , ergriff Ippolito , der sich nach einer von Angela aus leichten Grashalmen zusammengefügten Kette gebückt hatte , die eben ihren zitternden Händen entglitten war , wiederum das Wort : » Wie diese Ringe , verkettet sich Absicht mit Absicht , um Euch zu kuppeln , Angela Borgia ; aber wie ich Euch kenne und liebe , werdet Ihr diese Kette zerreißen , wie ich dieses nichtige Geflecht ! Denn « , flüsterte er heiß , » Angela ließe sich eher von einem Dämon in die Hölle ziehen , wenn er sie liebte , als daß sie sich dazu darböte , die Summe eines Rechenexempels zu werden ! – So rede ich , wie redet Ihr , Schwägerin ? « Er wandte sich mit einem Antlitz , das drohte und trauerte , gegen Lucrezia . Sie antwortete fest : » Ich aber vermähle diese mit dem Grafen Contrario . Berechnend ist er – zugestanden – wie es das Leben erfordert , doch nicht unadelig . Diese aber wird er behüten , besser als ich es vermöchte . Und was wollt denn Ihr mit Angela , Kardinal ? – Euer Weib kann sie nicht werden , solange Ihr den Purpur tragt , und den werdet Ihr nicht verschleudern wollen einem Mädchen zuliebe ! « » Wer weiß , Fürstin ! « entgegnete er wegwerfend . » Euer Bruder vertauschte ihn gegen ein Herzogtum , und ich achte diese für ein neidenswerteres Gut ! Auch ist mir minder darum bange , daß sie sich Eurem Günstling , dem Contrario , zuwende , sie wird es nicht über sich bringen – sie versuche es nur , es wird nicht gehen ! Selbst nicht , um sich vor mir zu retten ! ... Denn sie gibt mir innerlich recht und findet sein Bildnis getroffen ! Das Dreihellergesicht ist ihr ein Ekel . Dieser tugendsame Graf also kümmert mich nicht . Eine andere Marter peinigt mich und dreht sich Tag und Nacht mit mir , wie das Rad des Ixion . – Höre mich , Mädchen ! « Angela hielt seinen fieberscharfen Blick mit erstaunten , aber mutigen Augen aus . » Weigerst du dich meiner Liebe , so verbiete ich dir auch die jenes andern , bei seinem und deinem Leben ! – Wie du wild errötest ! ... Ich hasse den , welchen du in deinem Herzen verbirgst ! Reiße ihn heraus ! ... er beschmutzt den edlen Schrein ... ich kann es nicht ertragen ! ... Erinnere dich , wer du bist , und wende dich mit Verachtung von dem , der dich in den Armen der Coramba , oder wie sonst die Dirne seines heutigen Tages heißt , beschimpft und vergißt ! – Gehorche , oder es wächst Unheil ! « Mitten in dieser erhitzten Szene betrat ein Page den verlorenen Schattenplatz und bat die Herrschaften , in den Park zurückzukehren . Der versammelte Hof harre der Herzogin , und der Herzog wünsche , in seinem Kabinette den venezianischen Herrn zu beurlauben , dann aber die Eminenz zu sprechen . Den Großrichter habe er eben zu seiner Hoheit gerufen und Don Giulio auf später bescheiden müssen . 3. Kapitel Drittes Kapitel Im Schatten der herrlichsten Bäume wandelte die kleine Gesellschaft , die Frauen voran , der Kardinal mit Bembo harmlos plaudernd , gegen die Mitte des Parkes , wo sie den in gerader Linie dem Schlosse zulaufenden Zypressengang betraten . Dieses , ein schlichtes Gebäude von nur mäßigen Verhältnissen , erhob sich auf dem Grunde eines schwülen , bleiernen Julihimmels . Eben wurde ein neuer , befestigter Seitenpavillon angebaut , von dem die hölzernen Gerüste der Maurer noch nicht entfernt worden waren . Zu der hellen , kleinen Fassade stieg eine breite Doppeltreppe empor , und der in den Parkanlagen sich ergehende Hofstaat erblickte oben auf der Rampe den unermüdlichen Herzog , wie er , seinen müßigen Hof auf sich warten lassend , den Neubau besichtigte und , von den Werkleuten zurückgehalten , mit ihnen eifrig die Arbeit besprach . Im Schatten der Hauptallee wandelte langsam die Herzogin , welche jetzt auf den Arm des Kardinals sich stützte , den rechts und links vom Wege gesammelten Hof begrüßend und nach sich ziehend . Vor die beiden trat ein wohlgebildeter , mittelgroßer Mann und bemühte sich mehr noch um den Kardinal , dem er besonders ergeben schien , als um die Herzogin , so gütig sie ihm zunickte . » Man sieht , Messer Ludovico , daß Ihr aus dem Strahlenkreise der Musen kommt , so licht ist Euer Antlitz ! « sagte sie . » Diesmal ist es eher der geistreiche Umgang meines morgenländischen Freundes , der mich erheitert « , versetzte Ariost , » und , wie immer , Eure beseligende Gegenwart . « Er stellte seinen Begleiter , der , ein fein erzogener Mann , die Arme auf orientalische Weise über der Brust kreuzend , sich ernst verneigte , der Herzogin vor . Der persische Teppichhändler Ben Emin war in Ferrara die Mode des Tages . In Venedig vorübergehend niedergelassen , wo er in der Merceria die herrlichste Ware auslegte , hatte er einen Flug nach Ferrara getan , um dem prachtliebenden Hofe seine kostbaren Gewirke zu verkaufen und in Wahrheit nicht minder , um Ariosto kennenzulernen , aus dessen Heldengedicht – die ersten Gesänge hatten vor kurzem die Presse verlassen – er sein höheres Italienisch erlernte und überhaupt den mannigfaltigsten Genuß schöpfte ; denn Ben Emin war ein Kenner , wußte seine großen persischen Dichter auswendig und liebte besonders die Moral im Prachtgeschmeide der Dichtung . » Es ist eine ganz eigentümliche Lust , Erlauchteste « , begann Ariost , » mit einem gebildeten Manne aus einer fremden Nation umzugehen , die Verschiedenheiten von Gebrauch und Sitte zu belächeln und sich an dem lieben , allgemeinen Menschenantlitz zu erfreuen , das aus den größten Unterschieden immer wieder sieghaft hervorbricht . Doch immerhin groß und wunderbar sind diese . So , zum Beispiel « , scherzte er , » scheint es ein überall verbreiteter Zug zu sein , daß der Mann schenkt , wo er das Weib bewundert . Nicht so mein Perser ! Ben Emin denkt anders . Er ist zwar der größte Verehrer unserer Ferraresinnen und verfolgt die raschen Bewegungen ihrer schlanken , seine Ware prüfenden Finger mit aufmerksamen und leuchtenden Augen ; aber meint Ihr , daß er der ihn am schönsten Anlächelnden ein › Behaltet , Sonne ! ‹ oder › Nehmet , mein Stern ! ‹ zuflüstere ? Nein ! Vielmehr nennt er unglaubliche Preise , so daß sich der süßeste Mund zum Schmollen verzieht . So grausam ist Ben Emin ! « Die Neckerei erregte die Heiterkeit der Höflinge ; Ben Emin aber , der unter seiner Mütze von schwarzem Lammfell mit klugen Augen blickte , wendete sich würdevoll an die Herzogin : » Wunder Italiens ! Vollkommenste der Frauen ! « sprach er in gutem Italienisch , » ich erwähle dich zur Richterin . Da ich Ferrara erreichte , warf ich mich dir zu Füßen , meinen schönsten Teppich vor dir ausbreitend und dich anflehend , ihn als dein Eigentum zu betreten . Du hattest die Gnade , meinen Wunsch zu erfüllen . Wäre es nun nicht eine Verkennung und Beleidigung deiner Einzigkeit , wäre es nicht eigentlicher Hochverrat , wenn ich mit undankbarem Herzen nach und neben dir andere und Geringere beschenken würde ? Nicht davon zu reden , daß , was einer Fürstin gegenüber gerechte Huldigung ist , die Tugend einer niedriger Gebornen in Verruf bringen könnte . Solches aber sei ferne von Ben Emin ! « Die Hofleute beglückwünschten den Perser zu seiner Rede und gestanden sich heimlich , daß der schlaue Kaufmann Ben Emin in Ferrara nicht der Gefoppte sei . Da die Schwüle des Hochsommertages wuchs und sich in den dichten Zypressenhecken verfing , suchte die Herzogin mit Ariost und dem Perser das große Boskett in der Tiefe des Parkes auf , wo ein Ring hoher Ulmen seine Kronen wiegte und zu einer luftigen Wölbung zusammenschloß . Hier stand in der Mitte auf einem verwitterten Marmor ein eherner Cupido , der sich mit zerrissenen Flügeln und verschütteten Pfeilen in Fesseln wand . Dies Bild sagte in der wunderbar freien Sprache des Jahrhunderts , daß für die verheiratete Lucrezia die Zeit der Leidenschaft vorüber sei , und hier in der Runde auf den Steinbänken pflegte die Gemahlin Herzog Alfonsos im Sommer hofzuhalten . Währenddessen haschte in der verlassenen Hauptallee ein Jüngling einen anderen , der ihm in das Gebüsch zu entschlüpfen suchte . Beides waren Jugendgestalten voller Kraft und Anmut , von vollkommenem Wuchs und geschmeidigen Gliedern – zwei Könige des Lebens . » Halt ich dich endlich , Julius ! « rief der eine und legte seinem Gefangenen den Arm um den Nacken . » Ich denke , wir sind beide zum Herzog befohlen und wandeln nun diese kurze Lebensstrecke zusammen ! « Er wies auf den grünen Gang mit dem Schloß am Ende . » Sie ist lang , Herkules « , seufzte Don Giulio , » und gewährt dir Raum zu einer rednerischen Leistung ; doch ich leide mein Schicksal . « » Mein Freund « , begann Strozzi , » ich werde nicht predigen , teils weil ich von der Eitelkeit solcher Zusprüche im allgemeinen und ihrer Vergeblichkeit dir gegenüber insbesondere überzeugt , teils weil ich zum Herzog gerufen bin , ich fürchte , um mit ihm das jüngste Ärgernis zu betrachten , das du in deinem Pratello gegeben hast , wovon ihm der umständliche Bericht des Polizeihauptmanns Zoppo vorliegt : Tumult , Blasphemie , Entführung , Blut , Gewalttat , mehrere Tote ! « » Oh , so stand es nicht im Programm . Es war ein klassisches Bacchusfest beabsichtigt . Du hättest nur die Coramba mit ihren wilden Reizen als Ariadne sehen sollen ! Trage ich vielleicht die Schuld , daß die Krönung der Ariadne durch den Mißverstand meiner Bauern in den Raub der Sabinerinnen und in zentaurischen Mord und Totschlag ausartete ? « » Kein Wort mehr davon , Giulio ! Dein ruchloser Leichtsinn könnte das treuste , das angeborne Wohlwollen erschöpfen , und ich hätte mich längst mit Ekel von dir abgewendet , so lieb du mir bist , du schönes Laster , hättest du nur die Hälfte deiner Taten gefrevelt ; aber das Ganze übersteigt derart die Schranke , daß ich dich als eine Sondergestalt betrachte , welche jeden menschlichen Maßstab verspottet . Deshalb bin ich entschlossen , statt dich von neuem in Fesseln legen zu lassen , beim Herzoge deine Verbannung aus Ferrara von wenigstens einem Jahre zu beantragen . Das verkünde ich dir . Du magst in den venezianischen Kriegsdienst zurückkehren , den du nie hättest verlassen sollen . « » Ob ich nach Venedig zurückgehe « , versehe Don Giulio , » wer lebt , der erfährt ' s ! « Und es wetterleuchtete über seine junge Stirn . » Doch ich bitte dich , mache mich Menschlichen nicht zum Unmenschen ! Ich bin kein sittliches Ungeheuer – nicht einmal deine Donna Lucrezia ist es , deren farblose Augen dich bannen , daß du ihr sinnlos zustreben mußt ! Die deine Einteilungen und Fächer zerstört und deine Göttin Gerechtigkeit stürzt und überwindet ! Auch sie ist nicht der Dämon , vor dem du erbebst . « » Daß ich die Gesetzlose lieben muß , ist Schicksal « , sagte der Richter mit einem peinvollen Lächeln . » Doch daß ich ihr zulieb das Gesetz vergessen , das heilige Recht verletzen sollte , erscheint mir unmöglich ! « Und er seufzte , schmerzlich fühlend , daß er nicht minder als sein genußsüchtiger Freund an einem giftigen Schlangenbisse dahinsieche . » Ich sage dir ja « , tröstete Don Giulio , ungeduldig bewegt von dem Schmerzensausdruck , » du übertreibst dir das Weib ins Große . Das Weib , das dich entsetzt und bestrickt , ist nicht jene Lucrezia , die dort unten lustwandelt . Du erstaunst , und deine Augen befragen mich ! Nun ja , ich nehme sie natürlicher . Wo sie herstammt und wie sie aufwuchs , das wissen wir . Es scheint dir wunderbar , Prätor , daß sie die Frevel ihrer Vergangenheit verwindet ohne Gericht und Sühne . Siehst du nicht , daß es nur der Rettungsgürtel ihres vom Vater ererbten Leichtsinnes ist , der sie oben hält ? Und daß sie nun über der tödlichen Tiefe hell und sorglos dem Porte der Tugend zukämpft , hältst du für dämonische Größe . Ich sage dir : Mit Ausnahme der Anmut , die sie füllt bis in die Fingerspitzen , ist sie ein gewöhnliches , rasch bedachtes Weib ! Ein ganz gewöhnliches Weib ! Glaube mir , ein menschliches Weib ! « endete der Jüngling mit einem übermütigen Gelächter . Sie waren am Fuße des Schlosses angelangt und betraten das Freie , wo sich unter einem bleiernen Himmel in stumpfer Helle der Neptunusbrunnen erhob . Dieser stand , an das Fundament des Mittelbaues gelehnt , in dem Halbrund , das die beiden zur Schloßterrasse ansteigenden Freitreppen bildeten , und rauschte und plätscherte in der Schwüle , genährt von den Wasserstrahlen , welche das Gesinde des Meergottes aus Urnen und Muscheln in die Riesenschale herabgoß . Der Richter wollte die nächste Treppe hinaufeilen , denn er wußte sich vom Herzog erwartet . Da wandte sich Don Giulio , dessen Arm ihn umfaßt hielt , rasch wieder gegen den dunkeln Park zurück und zog den widerstrebenden Freund mit sich . Er hatte noch nicht ausgeredet . Seltsam verschlangen sich auf dem hellen Kiesgrund zu ihren Füßen zwei ringende , kurze Schatten . Strozzi sah den grotesken Kampf und lachte : » Siehe , wie du mich zwingst ! « » Mein Bruder also schickt mich nach Venedig « , sagte der erste , während sie noch einmal den endlosen Baumgang betraten , » derselbe Bruder , der mich unlängst aus politischen Gründen von Venedig zurückberief ! « » Hättest du die Geringschätzung in dem Lächeln seiner Mundwinkel gesehen , als er die Meldung deines augenblicklichen Gehorsams empfing ! Ich stand daneben . Er hatte dich Papst Julius zu Gefallen zurückrufen müssen ; aber es war nur zum Schein : er erwartete , du würdest ihn verstehn und ihm nicht gehorchen . « Eine zornige Macht leuchtete jetzt aus den sanften Augen Don Giulios . Noch war er nicht so verweichlicht , daß es ihn nicht empört hätte , sich mißachtet zu sehen ; doch verbarg er seinen Unwillen unter einem Lächeln . » Zu klug für mich ! Und dann , du weißt , ich bin kein Feldherr , nicht einmal ein Soldat « , sagte er . » Ich liebe Blutvergießen nicht ... « » Und vergießest so viel , daß es dir von den Händen träufelt und deine Fußstapfen füllt ! « » Nur wenn ein Lästiger mein Vergnügen stört ! « erwiderte der Erste frevelmütig . » Aber was du sagst , Herkules ! Ihr schickt mich wieder nach Venedig ! Halb bin ich es zufrieden , halb schmerzt es mich – halb bin ich hier gebunden , halb streb ich fort – mir selbst ein Rätsel ! « ... » Das die dunkellockige Angela löst ! Du suchst und fliehst sie ! « » Keineswegs « , sagte Don Giulio , » sie ist mir gleichgültig . Aber seit jenem Einzug vor zwei Jahren – du warst ja dabei und nahmst dich prächtig aus als ernsthafter Träger einer goldenen Baldachinstange ... da hast du es selbst gehört , wie sie mich vor allem Volke bedroht und gerichtet hat ... seit jenem Tage bin ich nicht mehr derselbe ! Meine Sinne taumeln , und wie ein Rasender suche , wechsle ich Mund und Becher und habe nur einen Wunsch , daß jene , die sich feindselig und kalt von mir abwendet , mir noch einmal ihr hell flammendes Antlitz zukehre und mich noch einmal bedrohe – noch stärker als das erste Mal ... Doch ich rede Unsinn . Sendet mich nach Venedig ! « Er schöpfte Atem . » Auch ist es gut für ihn und mich « , fuhr er fort , » wenn ich dem Bruder Kardinal eine Weile aus den Augen komme . Er liebte mich einst , und jetzt beginnt er mich zu hassen auf eine unmenschliche Weise . Urteile selbst ! Neulich hält er mich fest und raunt mir mit drohender Stimme ins Ohr : › Julius , ich verbiete dir das Antlitz Angelas ! Ich verbiete dir ihre Augen ! Ich verbiete dir ihren Atem ! Bei deinem Leben ! ‹ « » Ich weiß « , antwortete der Richter , » der Ungerechte liebt die Ärmste wütend . Und sündig wie die Welt und allmächtig , wie er auf diesem Ferrara heißenden sündigsten Flecke derselben ist , würde sie dem Geier schon längst ohne Erbarmen zum Raube gefallen sein , wenn nicht ... « » Und du schneidest nicht dazwischen , Großrichter ? Du Liebhaber und Diener der Gerechtigkeit ! Rette das Mädchen ! Damit wollte ich dich betrauen , mein Herkules , bevor ich nach Venedig gehe . Ich kann es nicht , denn ich würde ihr Unglück bringen « ... er schwieg und träumte – » wie sie mir ! Bei jener Herausforderung des Kardinals – du weißt , ich bin ein Genießender , aber kein Feigling ! – wallte mein Blut , und ich hätte ihm sein wahnsinniges Verbot ins Angesicht zurückgeschleudert , hätte es sich um eine meiner Schönen gehandelt – aber ich überlegte mir « , er deckte die Augen sinnend mit der Hand , » daß ich das Mädchen nicht liebe , und daß ich bei der Art meines Bruders schweres Unheil auf sie herabzöge , wenn ich mich schützend neben sie stellte . Und sie würde es nicht dulden – sie will es nicht . Sie verachtet mich , sie richtet mich – und ruft Unheil auf mich herab : – › Oh , schade ! ‹ « – Dann fuhr er im Zorne der Erinnerung fort : » Der Kardinal mag sein Netz über sie werfen , obwohl ich es grausam und abscheulich finde , abscheulich und hassenswert , wie diese ganze Welt , wenn ich nicht trunken bin oder einen Frauenmund küsse . « » Beruhige dich « , sagte der Großrichter ernst , » es wird ihr nichts geschehen , davon bin ich überzeugt ; keine Falte des Gewandes darf ihr verschoben werden , denn sie wird beschützt – von Lucrezia Borgia . « » Gut so ! Ich überlasse sie dieser Heiligen « , spottete der Este ; » ich aber will mich in einen Myrtenschatten an eine frische Quelle setzen und darin meinen Wein kühlen ... Wenn nicht der andere Bruder , Ferrante , durch die Büsche bricht , sich neben mir ins Gras wirft und mir mit seinen Verschwörungen und hochverräterischen Einflüsterungen das Ohr vergiftet , wo ich dann die Wahl habe , ob ich ihn für einen Narren oder Bösewicht oder für beides halten soll . Neulich lud er mich brüderlich ein , den Herzog , wie er sich ausdrückte , aus der Mitte zu schaffen ; doch sei überzeugt , hätte ich nur halbwegs hingehorcht , der Arge wäre zur selben Stunde an mir zum Verräter geworden . Auf diese Fährte aber folge ich ihm nicht , sondern schließe ihm den Mund , denn ich verehre den Herzog und hasse die Felonie . Aber sage mir , Strozzi , hältst du Don Ferrante eines bösen Streiches für fähig um der Krone willen ? « » Es sind Tücken ohne Folge und Frucht « , antwortete der Richter , » wenn nicht ungewöhnliche Lagen oder unerwartete Erschütterungen die Drachensaat verhängnisvoll zeitigen . « » Macht das unter euch aus , ihr Raubtiere « , lachte der leichtherzige Julius , » und wenn ich aus Venedig zurückkehre , will ich sehen , welche Leichen auf der Hofbühne von Ferrara herumliegen . Lebe wohl , Anbeter der Gerechtigkeit , und eile dich ! Der Herzog wartet . « Er umarmte den Freund und ließ ihn dann mit solchem Ungestüm fahren , daß jener taumelte . Strozzi suchte mit schnellen Schritten die Villa und Julius schlenderte ihm gelassen nach . Da er den Neptunusbrunnen erreichte , badete er sich , der Kühle bedürftig , das Antlitz , und ließ den aus der Steinbrust eines Meerweibes springenden Wasserstrahl gegen seine durch die vertobte Nacht entkräftete Stirn fahren . Da , während er sich das Haupt mit seinem Tuche trocknete , wurde er eines müden Strolches gewahr , der unbeweglich auf einer Steinbank im schmalen Schatten des Mauerrunds lagerte und , den Kopf auf den Ellbogen gestützt , ihn unter dem Filz hervor mit unverwandten Augen beobachtete . Jetzt sprang er rasch auf die Füße und verneigte sich mit der Begrüßung : » Ich verehre Euch , Don Giulio ! « » Bleib ! « bedeutete ihn der leutselige Este , » aber rücke ! Es ist Raum für zwei . Ich habe Lust zu schlummern ; du bewachst mich ! « Der Bravo zeigte lächelnd die weißen Zähne und lüftete den Dolch , der ihm am Gurt hing , ein wenig in der Scheide . » Du bist von den Leuten des Kardinals ? « sagte Don Giulio . » Wie heißest du ? « – Der Kardinal war als der Besitzer und Ernährer einer stattlichen Bande bekannt . » Ich nenne mich Kratzkralle « , antwortete der andere untertänig . » Aber dein christlicher Name ? « » Vergessen . Er war auch ein bißchen stinkend geworden . « » Den neuen hat dir wohl dein Kardinal gegeben ? Und wie nennen sich die andern vom Gesinde ? « » Sie heißen , mit Erlaubnis Eurer Herrlichkeit , Dornbart , Zähnefletscher , Drachenblut , Eberzahn , Grimmrot und Firlefanz . Mit mir unser sieben – wohlgezählt . Wir sind