, harr ik wenigstens söben upkreegen . « » Oder söbenuntwintig , « gab der Knecht trocken drein , aber Störtebeker verstand den Spott nicht . » Ik wull , wi eten ierst lebennige Schullen , Vadder , de smeckt doch een barg beter ! « » Dat wull ik ok , « rief Klaus Mewes und blickte nach seinem Ewer hinaus . Er hätte ja die Schollen annehmen können , die Jan-Ohm von der Aue geschickt hätte , meinte Gesa , aber er wehrte ab und sagte , das wäre ja noch schöner , wenn der Fischermann sich die ersten Schollen ins Haus bringen ließe ! Gott solle ihn bewahren : die müsse er selbst aus der See geholt haben , oder sie schmeckten ihm nicht . Er sah seinen Jungen an : » Ne , Störtebeker ? « » Jo , Vadder ! « - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Nachmittag standen die drei am Fenster und knütteten , Klaus , der Schiffer , Kap Horn , der Knecht , und Klaus Störtebeker . Hein Mück der Junge hatte Urlaub genommen : die drei aber klapperten mit den Schegern und fuhren mit den Nadeln in der Luft herum , obgleich Gesa mit der Sabbatschändung uppen Sünndagnomerdag keineswegs einverstanden war und eine Lippe zog . Aber die Netzmacher ließen sich nicht stören . Kap Horn war der Bestmann , der Steuermann , Klaus Mewes ' Knecht . Er hieß eigentlich anders , aber auf Finkenwärder nannten sie ihn allgemein Kap Horn . Viele sagten auch Korl Horn , namentlich die Gören . Er war ein Janmaat alten Schlages , der lange Jahre auf großen Schiffen gefahren hatte , auf hamburgischen und englischen , der im Süd-Atlantik Albatrosse geangelt und bei Grönland Walfische harpuniert hatte und dreißigmal unter der Linie durchgekommen war . Warum er dann noch von der großen Fahrt abgemustert hatte und vom Viermastvollschiff auf den Fischerewer geklettert war , weiß ich nicht : er fuhr aber schon zwölf Jahre bei Klaus Mewes und war schon fast zu einem Finkenwärder geworden , nur in seiner Sprache war noch ein hamburgischer Ton , und er gab noch oft ein englisches Wort drein . Und dann hielt er sich als alt- und weitbefahrener Matrose für etwas Besseres als die anderen Fischerknechte , die doch höchstens einmal holländisch oder dänisch sprechen gehört hatten . Wenn jemand mit Fahrten und Reisen prahlte , dann pflegte er einfach zu fragen : » Kap Horn ? « Und wußte der andere dann nicht einmal , was gemeint war , so spuckte er minnachtig aus ; verneinte er , so drehte er sich um und sagte , mit Bierfahrern verkehre er nicht , bekam er aber ein Ja als Antwort , so fragte er schnell : » Veel mol ? « » Dree oder so . « Dann lachte er und sagte : » An mi kannst nich klingeln , old boy : ik bün soßtein Mol um Kap Horn seilt un nu lot dien Prohlen man een bitten no . « Bei einer solchen Gelegenheit war er auch Kap Horn getauft worden . Nun stand er backbords von seinem Schiffer am Fenster und war bei einer weißen Manillakurre , Klaus Mewes arbeitete an einem Zungensteert , mit dem er nur langsam weiter kommen konnte , und Störtebeker hatte etwas in der Mache , von dem er steif und fest behauptete , daß es eine Bunge werden sollte , ein Reifenkorbnetz für Hechte und Schleie , während Kap Horn auf ein Zwiebelnetz riet und Klaus Mewes es für eine Staatsgardine für den Krähenkäfig hielt . Sie hatten es gleich wichtig . Wie Weberschiffchen flogen die Nadeln hin und her , und auf den Schegern reihte sich Masche an Masche . Dabei aber wurde ausgiebig geklönt , denn niemand hatte uppen Stutz zu mindern und Maschen zu zählen , also besonders aufmerksam zu sein . Einmal frischte Kap Horn sogar ein altes Matrosendöntje von St. Pauli auf und begann zu singen : » In England geiht dat lustig her , dor bot se Scheepen grot un swor , een bannig Deert von Angetüm dat sall jo de Gretj Astern sien ! Lang is dat Deert twee dütsche Mil , hoch annerthalf von Deck to Kiel ! Soß Masten , hoch bit an den Moon , acht Dog brukt een , um roptogohn ... « Weiter kam er aber nicht , denn Gesa , die nach dem Graben gewesen war und die Enten gefüttert hatte , trat in die Dönß und untersagte ihm den Hymnus mit den Worten : » Sünndogs ward ne sungen , Korl ! « Gesa , die ihren Jungen stets Klaus nannte und von seinem gräßlichen Seeräubernamen nichts wissen wollte , gab auch Kap Horn nicht seinen Spitznamen , sondern nannte ihn ehrbar Korl und meinte ihm wunder was für einen Gefallen damit zu tun . Janmaat verdeffendierte sich aber : » Wenn ik arbein sall , mutt ik ok singen , Gesa . « » Arbein schall ? Keen seggt di dat ? Pack dien Kurr man getrost tohoop un mok man Fierobend un les man mol inne Bibel , « priesterte sie , und als Klaus Mewes herzlich lachte , fuhr sie erregter fort : » Ji dree sündt jo woll ne , sünd woll rein mall worden , stillt jo uppen Sünndag vört Finster hin un knütt ! Weet ji ok , keen sünndogs arbeit ? « » Uns Herr Pastur ! « sagte Klaus . » Ne , de Bedelmann ! För uns Lüd is de Week dor ! « Klaus erwiderte gelassen , es müsse aber sein , denn es sei Tauwetter , und das Eis könne jede Tide abtreiben , so daß sie fahren müßten , er wolle und wolle die beiden Kurren bis dahin aber fertig haben , denn in der Fischerei unterbliebe das Knütten doch wieder . Und er müsse seine Bunge auch klar haben , verteidigte Störtebeker sich , denn sein Vater solle sie ihm noch einstellen . Was sie wohl meine , die ganzen Gräben säßen voller Hechte . Dann sollten sie mit ihrem Kram nach der Küche oder nach dem Boden oder nach dem Ewer gehen , fing Gesa wieder an , die sich über sie ärgerte . Sie sollten sich doch nicht von den Leuten sehen lassen , denn am Deich sprächen sie sicherlich wieder davon und hielten sich darüber auf . » Lot jüm , Mudder « , erwiderte Klaus sorglos , » ik bliew doch hier , mag to giern sehn , wenn welk uppen Diek langs goht un mi inne Finstern kiekt . « Und er füllte die Nadel , die leer geworden war , und knüttete weiter . Gesa aber ging kopfschüttelnd aus der Stube und machte sich in der Küche zu schaffen , von wo sie über die Bauerndächer und Obstbäume nach ihrer Heimat sehen konnte , nach den blaugrauen Bergen der Geest . Sie konnte die Fischer nicht verstehen ! Sie war auch keine Fischerfrau geworden und fühlte wieder mit bitterem Schmerz , daß aus ihr niemals eine werden konnte . Immer noch graute ihr vor dem Wasser , und alle Schiffahrt war ihr fremd und unverständlich . Sie konnte sich nicht helfen . Das eine ließ sich nicht abschütteln und das andre nicht lernen . Klaus rüstete mit Gewalt zur Fahrt : sie sah ihre böse Zeit kommen , sie hörte schon den Regen gegen die Fenster schlagen und den Wind an der Tür saugen und wußte nicht , wie sie es wieder ertragen sollte , ihren Mann auf See zu wissen . Sie liebte ihn tief und heiß und lag in seinen Armen wie im Sonnenschein , aber seine Fahrten machten sie bange , und sie wünschte im Herzen nichts sehnlicher , als daß er kein Seefischer wäre , sondern Bauer oder Handwerker oder sonst etwas anderes an Land . Könnte er nicht etwas anderes beschicken , könnte er nicht sein Fahrzeug verkaufen , wie andere Fischer es getan hatten ? Aber Klaus Mewes - und das tun ? Sie mußte doch lächeln über den Gedanken . Bis Blankenese müßte es gewiß zu hören sein , sein Lachen , wenn sie davon spräche , daß er an Land bleiben solle . Da saß sie nun in ihrem Glück , um das die ganze , arme Heide sie beneidete , war eine große Seefischerfrau mit Haus und Hof und Deich , der jede Reise die Hundertmarkscheine auf den Tisch flogen , und war doch nur ein armes Weib voll Unruhe und Bangigkeit , die immer und überall Wetter und Wolken aufsteigen sah und ihres Lebens nicht froh werden konnte . Wie manchen Tag sehnte sie sich schon nach der stillen , einsamen Geest zurück , wo sie nichts von Schiffen und von Seefahrt gewußt hatte , wie manchen Tag , wenn die Elbe in Gischt und Schaum einherging ! Wie manche Nacht ließ der Wind sie nicht einschlafen , wie manches Mal jagten die Blitze sie aus dem Bett , wie oft erschreckten sie die Stimmen der geängstigten Schiffahrt im Nebel ! Und immer allein zu sein ! Der Mann war auf See , der Junge auf der Elbe ! Mit den Finkenwärder Frauen aber hatte sie wenig Verkehr und Freundschaft , weil sie fühlte , daß sie als Butenländerin nicht ganz für voll angesehen wurde . Wie wichtig sie es in der Dönß hatten ! Als wenn sie sie gar nicht vermißten ! Wie sie lachten , Klaus Mewes am lautesten ! Dieses Lachen hatte es ihr angetan , als er um sie geworben hatte , denn so hatte sie noch niemals jemand lachen gehört ! Das hatte sie in seine Arme gedrängt , hatte sie von der Geest in die Marsch gelockt , von dem Heidehof in das Fischerhaus , und hatte sie nicht an die Not und Schwere des Seefischerlebens denken lassen . Vergessen wares gewesen , was sie gehört und gelesen hatte von Sturm und Untergang : wo einer so lachen konnte , da konnte weder Unglück noch Gefahr sein , hatte sie gemeint , als Klaus sie freite . Er lachte noch just so wie damals , er hatte es noch nicht verlernt , aber sie konnte es jetzt nicht mehr ohne Schmerz hören , es schnitt ihr ins Herz , wenn sie an das Finkenwärder Elend , an die Witwen und Waisen , an all die Tränen und unruhigen Stunden dachte , es kam ihr wie ein Frevel , wie eine Sünde vor . Daß er so verwegen war , machte ihr das Herz noch schwerer , und eine trübe Ahnung früher Witwenschaft hing ewig wie ein dunkles Gewölk über ihrem Leben . Wie laut sie erzählten , die beiden Seefischer ! Gewiß von nichts anderem als von Fahrt und See , und die durstige Seele des Jungen trank es . Der war schon der See verfallen , war dem Deich und ihr schon verfremdet und wurde es von Tag zu Tag mehr . Es war ja schon ausgemacht , daß er den Sommer mit an Bord solle : all ihr Bitten war bisher vergeblich gewesen . Es war ein Herzleid , ein hartes Leid ! An sie und ihre Heide dachte kein einziger , niemand bekümmerte sich darum . Wie lange Zeit war sie nicht mehr zu ihren Eltern gekommen , die ihren Enkel kaum kannten ! Klaus lachte , wenn sie davon sprach , sie solle gern hingehen und alle grüßen , aber was er auf der Geest beschicken solle ? Er könne auch so weit nicht laufen . Den Jungen bekam sie nur mit halber Gewalt dazu , daß er mitging . Seitdem er wußte , daß sein Vater sich nichts aus der Geest machte , trug auch er kein Verlangen danach . Dort sei für einen Seefischer nichts zu lernen , echote er , dort gäbe es ja nur Heide und Sand und Steine und weiter gar nichts . Schließlich aber ging Gesa doch nach der Stube zurück , weil ihr zu kalt wurde , suchte ihr Strickzeug her und setzte sich neben den weißen Kachelofen . » Kiek mol an , Mudder knütt ok , Vadder « , rief der Junge lustig . » kiek mol an , Kap Horn , un uns will se wat seggen ! « Da mußte sie wider Willen doch mitlachen . » Wat sä de Pastur denn Godes , Klaus ? « fragte der Knecht . » hett he ok beet , dat dat Is bald doldrift un wi no See seilen könnt ? « » Jo , dat segg man « , sagte Klaus und riß grimmig an seiner Kurre . » ik wull , dor keum mol Westenwind achter ! « Er blickte über die Schallen , auf denen die Fleek , das dicke Eis , schon seit Fastelabend lag . Bis an den Nienstedter Fall , bis in die Mitte der Elbe stand es noch , zwar schwärzlich und mürbe , aber es hing doch noch zusammen . Dagegen war das Fahrwasser drüben schon fast frei von Eis , dort trieben nur noch große und kleine Schollen . Dort segelten denn auch schon die Fischerfahrzeuge vom Audeich , dem anderen Ende des Eilandes , dort kreuzten schon die Dreuchewer und Jalken , dort fischten schon die Altenwerder Jollen nach Stinten und Sturen und die Hamburger Smietnettfischer nach Butten , während das Neßgeschwader , das aus dreißig Ewern , neun Kuttern , sieben Wattjollen , einigen fünfzig Elbjollen und Booten bestand , noch im Eise festsaß und nicht mitkonnte . Die Auer und Blankeneser kamen schon mit den ersten lebendigen Schollen die Elbe herauf , einige hatten schon große Reisen nach der Weser gemacht : Klaus Mewes aber und seine Nachbarn saßen noch fest . Wenn der Eisbrecher binnen Wasser genug gehabt hätte , wäre ihnen längst geholfen gewesen , aber der große Beißer konnte nur eben den Rand ein wenig glatt fressen . Klaus Mewes sah , daß zwei große Kutter von einem kleinen Schlepper von Blankenese heraufbugsiert wurden , die sicherlich den Bünn voller Schollen hatten , und kam sehr in Fahrt . Seine Gedanken zertrümmerten das Eis und brachen sich einen Weg nach dem offenen Wasser . » Kap Horn , wat meenst dorto , wenn wi sülben Isbreker speelt ? « rief er . » Wat seggst du , Klaus ? Du wullt een Isbreker utgeben ? « fragte der alte Janmaat , der gerade mit brausendem Monsun in den Segeln zwischen dem Kap der guten Hoffnung und Singapur schipperte und deshalb nicht zugehört hatte . » Wi wöt di bi Isbrekers « , warf Störtebeker laut dazwischen , » swarten Kaffe schallst du hebben ! « Klaus aber hatte seinen Plan schon unter Segeln . » Wi möt allemann bi « , rief er . » Hütz mitte Mütz , Lüttfischers un Seefischers , Schippers un Lüd ! Wi stekt uns beiden Kurrlienens ut un spannt uns alltohoop vör un denn teht wi an ! Schallst mol sehn , wo gau wi denn not Fohrwoter raf kommt ! « » Jä ! « » Wat jä ? Meenst , wat wi ne soveel Hölpslüd uppen Hümpel kriegt ? « fragte der Schiffer . » Ik hilp ok mit « , versicherte der Junge wichtig , » ik kann wat tehn , Vadder ! « » Du bliwst hier , Klaus « , kam es aber mit Gegenwind vom Ofen her . » meenst du , wat du dor ünnert Is kommen schallst ! « An Hilfsleuten würde es wohl nicht fehlen , gab der Knecht zu , aber wer würde sein Fahrzeug zum Eisbrecher machen wollen ? Das sei der Knoten ! Der am weitesten im Eis stecke , erwiderte Klaus . Er selbst ! Er wolle es wagen , sein Ewer sei einer der stärksten und könne es am besten ab , er wolle gleich am andern Morgen alles klar machen , und Kap Horn solle dann den Deich abklopfen und es aussingen , daß die Eisbrecherei mit Hochwasser anfangen solle . » Denn könt wi offermorgen all up de Schullen dol , Mudder ! « » Huroh , offermorgen geiht no See ! « rief der Junge , warf die Bunge hin und machte , daß er hinauskam . In voller Fahrt lief er den Deich entlang , daß die Enten im Graben ein lautes Gequark anstimmten und sich erst nach und nach von dem grünköpfigen Wart beruhigen ließen : Wat , wat hebbt ji eegentlich , dat , dat is de Jung doch , jo bloß ! So schnatterte der Wart . » Du kummst ober noch ne mit « , wollte Klaus gerade sagen , aber er kam gar nicht mehr dazu . Der Junge war schon um die Huk , er hörte auch nicht mehr , daß Gesa laut ans Fenster klopfte und ihn zurückrufen wollte . » Wat will he ? All Bescheed seggen ? « fragte Kap Horn lachend , aber sein Schiffer lachte noch lauter und sagte : » De ? Ne , de will no den Schoster hin un sien Seestebeln holen . Wenn de klor sünd , schall he jo mit an Burd , un he will woll all gliek de ierste Reis giern mit . « » Dor hest du ok wat scheunes mokt , Klaus « , sagte Gesa kopfschüttelnd , » dat du em de Stebeln anmeten loten hest ! He löppt elken Dag söbenmol hin und kött an ! De Schoster seggt , he kann em all gor ne mihr hinholen . « » Jä - du liebe Zeit « , erwiderte er , » endlich will de Bur de Koh betohlt hebben , un de Jung will toletzt ok mol sien Stebeln hebben . De Schoster kanns ok jo man klor moken , denn hett he jo wedder sien geruhigen Nachten . « » Un denn ? « » Denn nehm ik den Jungen mit no See , Mudder , dat weeß du jo , dor is jo all genog ober snackt worden « , sagte er sicher . Sie war aufgestanden und erwiderte mit erregter , heiserer Stimme : » Un ik segg di soveel , Klaus Mees , du kriegst den Jungen ne mit no See . Wenn he noher grot is un ut de Schol , denn nimm em in Gotts Nomen hin , denn will ik nix mihr ober em to seggen hebben , ober so lang hürt he mi , mien Mudderrecht lot ik mi ne nehmen ! Is genog , wat ik em soveel uppe Elw loten mütt : no See schall he noch ne ! « » Geef di , Gesa « , beschwichtigte Klaus gelassen , während Kap Horn , der zu dem Streit nichts sagen wollte , heimlich aus der Tür ging und mal über den Westerdeich guckte . » De Jung kummt düssen Sommer mit no See , dat is so gewiß as de Heben . He schall bitieds seefast wardn ! « » Ik lied dat ne un lied dat ne ! « beharrte sie leidenschaftlich . » Du hest een reinen Vogel mit dien Jungen , weeß dat ? Keen een van de Seefischers nimmt son lütten Boitel all mit an Burd , de kum een Büx mit Verstand drägen kann . « Er machte geruhig seine Maschen . » De hebbt ok ne son Jungen as ik « , sagte er . » lot mi man , Gesa . Ik bün een rechten Fischermann un will een rechten Fischerjungen ut em moken , un ut di will ik ok wat rechts moken , Diern ! Weeß , wat dat is ? « Sie gab keine Antwort . » Een rechte Fischerfroo , Gesa ! Weeß du wat , Diern ? Du geihst ok mit no See , man to , denn wardt ierst moi ! Kiek di mien Fischeree mol mit eegen Ogen an ! « Sie schüttelte starr den Kopf : » Dat kann ik ne , Klaus ! Wenn ik dat kunn , denn harr ik dat vullicht all lang dohn , ober ik kannt ne ! « » Dat kummt uppen Verseuk an « , erwiderte er . » goh man mol mit , un du schallst mol sehn : buten ist een barg beter as binnen ! « » Klaus , gläuf mi dat doch to : ik kann dat ne , ik ward seekrank un starf di all vör Angst . Mi groot to dull vört Woter ! « » Jo , du büst een grote Bangbüx « , schalt er , dann aber tat ihm sein herber Ton leid , und er tröstete : » Ober dat schall sik woll noch all geben , mien Diern , paß man up , du wadst noch een gode Fischerfroo , de Banghaftigkeit gift sik mit de Johren . « » Ne , de gift sik ne , dat weet ik « , sagte sie tonlos und ging aus der Stube , weil ihr die Tränen kommen wollten . Da blieb der große Seefischer allein bei seinen Kurren , aber er ließ sich den klaren Sinn auch durch die Stille nicht verwirren und ging nicht von seinem Kurs ab . Kap Horn kam herein und nahm seine Arbeit schweigend auf . » De Jung kummt doch mit no See « , ließ Klaus Mewes sich vernehmen . Dann blickte er nach seinem Ewer und wartete auf Kap Horns Meinung , die auch bald an den Tag kam . » Klaus , ik will di mol wat seggen : ik kunn dien Vadder sien : as du geborn weurst , do krüz ik all bi Kap Horn rum un greep Albatrossen ! De Mudder hett noch een Recht op den Jungen ! « » Och wat ! « fiel Klaus ihm barsch ins Wort , » ik hebb dat eenmol seggt un dorbi bliwt dat : he kummt mit an Burd ! Bi de Dierns geiht dat no de Mudder , ober bi de Jungens geiht dat no den Vadder ! Sien Mudder seh jo up leewst , wenn he Schoster oder Snieder wardn dä un keen anner Woter to sehn kreeg as dat innen Teeputt . Un wenn wi blieben schulln , Kap Horn , denn mokt se ok een Schoster oder Snieder ut em . Ober man keen Bang , Klaus Mees kann ne blieben ! « Der alte Knecht erhob warnend die Hand . » Dat hett dien Vadder ok vullicht dacht oder seggt , Klaus Mees , un he is doch ne wedderkommen mit sien Eber ! « Aber Klaus Mewes , der seinen Ewer für den besten von der Elbe hielt und sich für den besten Fischermann , blieb dabei , daß er nicht bleiben könne . Das war sein Wort von jeher gewesen , und seine gewisse , sturmgewohnte , sonnenfreudige Seele hielt daran fest : » Ik kann ne blieben , un ik bliew ok ne ! « Störtebeker ließ sich auch wieder sehen , er nahm seine Bunge und fing wieder an zu knütten , aber er machte ein Gesicht wie ein Fischer , der nichts gefangen hat , und ließ die Unterlippe vorstehen , als wenn ein Schock Hühner darauf sitzen sollte . Der Knecht sah ihn belustigt von der Seite an und stichelte : » Na , Klaus Störtebeker , großer Seeräuber , wat sä de Schoster ? Hett he de Söbenmilenstebeln noch nich klor ? « Da brach es bei dem Jungen los wie bei einer Stintflage , und er ballerte wie ein Großer : » Ik gläuf , de Knappen is verrückt oder splienig ! Dat is oberhaupt keen Schoster , gläuf ik , de kan gorne schostern un gor keen Stebeln moken ! Dat is een Leisegänger , Vadder ... « Schiffer und Knecht konnten sich nicht mehr vor Lachen helfen , aber der Junge fuhr in seinen Schmähungen fort . » Jedesmol , wenn ik komm , seggt he : morgen ; ober he kummt ne wieter as he is , de Tüffel . « » Wat schöt de Stebeln denn all , Störtebeker ? « fragte Klaus ernsthaft . » Ik will doch mit no See , Vadder , un du hest doch seggt , wenn de Stebeln klor würn , denn schull ik mit « , antwortete der Junge zuversichtlich . » Büst du denn ok nich mehr bang ? « fragte nun Kap Horn lauernd . » No See dröft blot welk , de nich bang sünd . « » Ne , Kap Horn , bang bün ik ne « , erwiderte der Junge treuherzig . » Vörn dode Mus woll nich , Störtebeker , un vörn brodten Gnurrhohn ok woll nich , ober wenn di een lütten Rottenbieter inne Meut kummt , denn neihst ut , wat kannst , un schreest : Mudder , Mudder , Mudder ! « » Lögen , Lögen , Lögen ! « stritt Störtebeker und peekte ihn mit der hölzernen Knüttnadel . » Ik bün vör keen Hund bang un vör gor nix ! « » Wenn du ober op See keen Land mehr sehn kannst , denn geiht dat Bölken doch los ? « » Ne , schreen do ik gewiß ne . « » Denn wardst du ober seekrank ! « » Ne , Kap Horn , ik ward ne seekrank ! « Das klang gerade so , als wenn sein Vater sagte : ik bliew ne ! Und Klaus Mewes sah seinen Jungen an und dachte : was soll in dem wohl anders stecken als ein Fahrensmann ? Dann sagte er , und es klang wie ein Gelübde : » Man still , Störtebeker , du kummst to Sommer mit an Burd ! « Der Junge freilich hatte für die Feierlichkeit keinen Sinn und ließ ein enttäuschtes : » Och , to Sommer ierst ! « fallen , das den Knecht zu der Bemerkung veranlaßte , es wäre jetzt noch zu kalt auf See . » Un dien Stebeln sünd ok jo noch ne klor « , gab Klaus zu bedenken , und Kap Horn kam noch einmal mit der bitterbösen Seekrankheit an den Wind . Sie knütteten fleißig weiter ; als es aber Flut geworden war und das Eis aufstand , die Ewer sich erhoben und das Wasser auf das Bollwerk stieg , hielt Störtebeker es nicht mehr aus , er ließ die Bunge liegen und nahm französischen Abschied . » Neem schallt no to ? « fragte sein Vater , aber er erwiderte hingeworfen , er wolle füttern , - und weg war er . » Dat keum jo bannig zaghaft rut « , sagte der Knecht und sah ihm nach . » wenn de man nix anners in de Lur hett . « Klaus dachte dasselbe , denn sonst pflegte Störtebeker die Fütterung seiner Krähe und seiner Kaninchen mit dem von seiner Mutter gelernten Spruch einzuleiten : Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes ! Als eine ganze Zeit vergangen war , legte Klaus Mewes den Scheger beiseite und ging binnendeichs . Wie er sich schon gedacht hatte , war von Störtebeker nichts zu erblicken . Die Kaninchen machten Männchen , als er den Deckel des Kobens lüftete , und ließen ihre Nasen in der Luft tanzen . Kluß aber , die alte Nebelkrähe , die er selbst einmal auf See gegriffen hatte , saß unbeweglich auf ihrer Stange und wagte nicht mehr als ein halbes Auge an seine Gegenwart . Er rief halblaut , damit Gesa ihn nicht hören sollte , aber er bekam keine Antwort . Dann ging er in das Schauer und guckte nach den Stichlingsnetzen , die neben dem Hühnerwiem hingen ; sie waren alle drei am Nagel : fischen gegangen war der Junge also nicht . Er machte den Warbel vor und blickte über Wischen , Stegel und Binnendeich , aber da rührte sich nichts als Hannis Holsts gelber Kater , der um einen Mäusebraten verlegen war und die Stubben überholte . Tiefes Schweigen lag über den dunkeln Gräben , und in den kahlen Wipfeln der Eschen und Erlen saß das nächtliche Grauen , das die See nicht hat , sondern nur das Land , und das den Seefischer darum einigermaßen bedrückte , als er sich nun aufmachte , seinen Jungen zu suchen . Er dachte aber nicht nach Weiberart an das Wasser , und daß er hineingefallen sein könnte ; übrigens wußte er jaauch , daß Störtebeker schwimmen konnte und nicht in einen Graben fiel , ohne wieder herauszuklettern . Aber er wollte wissen , wo er abgeblieben war . So ging er über die Wurt nach dem Deich zurück und guckte mit seinen scharfen Augen über das Eis , er lief über die Blöschen nach dem Ewer , die Waken und Löcher umgehend ; nichts war zu sehen als im Fahrwasser die Lichter , die gelben , grünen und roten , nichts zu hören als das raschelnde , alte Reet auf den Kneienblicken und das Krachen der zusammenbrechenden Sickberge in der Weite . Sollte der Junge wieder in der Kombüse sitzen , wie er es schon mehrmals gemacht hatte , um sich an die Ewerluft zu gewöhnen ? Klaus Mewes turnte auf das Deck und stieg in die stille , dunkle Kajüte hinab , die ihm nun beinahe fremd vorkommen wollte , so tot erschien sie ihm ohne das sonst ständig brennende Licht . Wo mochte der Junge sein ? Wieder an Deck , horchte er von neuem , aber er vernahm nur das Tuten eines Dampfers , der dwars von der Nienstedter Kirche fuhr . Seine Flagge auf der Besan regte sich leicht im Abendwind , als er hinaufsah . Da schoß ihm jäh der Gedanke durch den Kopf : wenn ik