bald war Noah jenseits von unserm Milchstraßensystem . Er war also schon recht weit gefahren , und seine Frau wunderte sich schon . Doch Noah fuhr noch weiter - er steuerte auf einen großen Nebelfleck zu , der aus lauter Pilzsternen bestand - aus sehr vielen bunten und mannigfaltig geformten Pilzsternen . Und Noah fuhr mit seiner Barke hinter den Nebelfleck und begann dann plötzlich ein lustiges Liedchen zu pfeifen . Da kamen Noahs sämtliche Anverwandte aufs Deck hinauf und lachten . » Jetzt sind wir endlich so weit ! « rief der alte Noah mit seiner hellen Geisterstimme . Und Noahs Frau fragte ihren Mann : » Na , bist Du jetzt glücklich ? « » Jawohl , « rief der alte Noah , » jetzt bin ich vollkommen glücklich . Hier können wir bleiben - die Pilzsterne sind undurchsichtig - und von dem Milchstraßensystem , in dem sich die alte Erde dreht , werden wir nimmermehr was sehen können . « » Das ist man gut ! « riefen Alle . Und Noah pries sein Glück . Und Noahs Anverwandte lachten - mitsamt seiner Frau . Noah jedoch weinte vor Freude - so groß war sein Glück . Und die Pilzsterne blieben undurchsichtig für alle Ewigkeit . Und Noahs Luftbarke blieb fest verankert . Die Bewohner der Luftbarke sahen woanders hin . Und Noah pries sein Glück tagtäglich hundertmal und konnte sich viele Billionen Jahre gar nicht beruhigen - so sehr freute er sich über die totale Unsichtbarkeit jenes Milchstraßensystems , in dem sich jener » Erde « genannte Stern bewegte . Da kam eines Nachts ein kluger Vogel an der Barke vorbeigeflogen - sah den Noah und sprach redselig : » Noah , das ganze Milchstraßensystem , von dem Du nichts mehr hören und sehen willst , existiert ja gar nicht mehr . Flieg nur um die Ecke Deines Nebelflecks herum - da wirst Du Augen machen . « Noah löste vorsichtig die Anker und fuhr ganz sachte , ohne daß die Schläfer und die Schläferinnen unten in den Kajüten was bemerkten , um die Ecke seines Nebelfleckes rum - und fiel - vor Schreck rücklings aufs Deck . Ein kolossaler Weltdrache füllte die ganze Gegend und glotzte den Noah mit Millionen Augen so eklich an , daß dem Armen ganz plümerant zu Mute wurde . Doch der Drache sagte nach einer Weile höchst gemütlich : » Lieber Noah , ich habe soeben siebenmalsiebenundsiebzig Tausend Milchstraßensysteme verspeist - glaubst Du da , daß ich noch Appetit haben könnte ? « Und der Drache lächelte sehr blöde und flog empor und ließ eine weite Leere hinter sich . » Er hat sich satt gefressen ! « rief der kluge Vogel . Noah sprang auf , drehte rasch seine Barke um und machte , daß er weg kam , und befestigte die Anker wieder an den alten Stellen hinter dem Pilzsternnebelfleck . Niemand auf der Barke erfuhr was von Noahs nächtlicher Fahrt um die Ecke rum . Noah aber pries nicht mehr sein Glück . Es kam dem alten Noah für die Folge sein Leben zeitweise komisch vor , so daß er oftmals lächeln mußte . Und er freute sich nun , daß Niemand auf der Barke sein Lächeln verstand ; die Pilzsterne blieben undurchsichtig . Nebelsterne Sieben Nebelsterne empfanden den Dunst , in dem sie viele Billionen Jahre gelebt hatten , eines Tages als etwas Unerträgliches . Aber der Dunst gehörte zu ihnen ; er war ein Teil ihres Körpers . Der Dunst war die Haut ihres Körpers . Abstreifen konnten sie also ihre Dunsthaut nicht so ohne Weiteres . So was können wohl kriechende Schlangen - aber nicht die Nebelsterne . Die anderen Sternwelten in der Umgegend hatten keine Dunsthaut . Und das ärgerte die Nebelsterne am allermeisten . Und das Herz der Nebelsterne ward verbittert , so daß sie ganz gallig wurden und tückischen Gedanken Raum gaben . Die Nebelsterne wollten den anderen Sternwelten auch so gern eine unbequeme Dunsthaut anhängen . Und was beschlossen da die Bösen ? Sie beschlossen , sich so weit aufzublasen , daß ihr Dunst ihrer gesamten Nachbarschaft zur Empfindung gelangen mußte . Und die Sieben bliesen sich auf . Und der ganzen Nachbarschaft ward unwohl ; die anderen Sternwelten , die so lange so klar die Welt durchleuchtet hatten , verloren ihren Glanz , denn der Dunst der Nebelsterne umzog Alles wie ein feiner Rauch . Da war den sieben Bösen so recht vergnügt zu Mute ; jetzt hatten sie nicht mehr allein unter ihrer Dunsthaut zu leiden . Aber die anderen Sternwelten wurden ergrimmt und wollten den Dunst fortblasen . Und bei dem Fortblasen erregten sie sich alle dermaßen , daß allgemach eine kriegerische Stimmung in jener Weltecke die Oberhand gewann . Und bald zogen die einstmals hellen Sterne gegen die Nebelsterne zu Felde ; mächtige Weltblöcke flogen wie Kugeln von allen Seiten in die sieben bösen Nebelsterne hinein , daß denen die Eingeweide platzten und das Mark verbrannte . Es war ein schauerlicher Krieg . Was aber war die Folge dieses schauerlichen Sternkrieges ? Die Folge war , daß sich die Körper der sieben Nebelsterne bloß noch mächtiger aufbliesen , daß ihre ganze Galle überfloß und in die anderen Sternwelten überging . Und die ganze Wut der sieben Nebelsterne erfüllte bald die ganze große Weltecke , so daß sich die einstmals hellen Sterne schließlich auch gegenseitig bekämpften wie tolle Hunde . Alle schlugen aufeinander los - ganz gleich , wohin es traf - so daß es brannte an allen Ecken . Es war ein rasender Krieg Aller gegen Alle . Wie sie nun so mitten in ihren kriegerischen Aktionen dahinlebten wie die Verrückten , kam doch einigen älteren Sternen die Besinnung wieder , und die sprachen mit gewaltiger kosmischer Stimme ungefähr so : » Haltet ein , Brüder ! So kann das doch nicht fortgehen . Wir gehen ja schließlich dabei sämtlich zu Grunde . Wir müssen Frieden schließen - wie ' s auch sei ! Den Dunst der Nebelsterne werden wir wohl nicht wieder los . Aber wir wollen doch versuchen , auch trotz dieses Dunstes wieder froh zu werden . Jedenfalls sind wir um eine große Weisheit reicher geworden : Wenn uns böse Buben angreifen und belästigen , so sollen wir nicht gleich wütend werden . Mit der Wut richten wir doch nichts aus . Giftigen Dunst bläst man nicht so leicht fort . Man tut besser , sich an den giftigen Dunst zu gewöhnen . Hört auf mit dem Herumwerfen der großen Weltblöcke ! Wenn Ihr nicht aufhört , gehen wir Alle zu Grunde . « Da ging ein leises Murren durch die Weltecke . Aber man sah die Nutzlosigkeit des Kampfes ein und schloß wieder Frieden . Alle Sterne suchten danach ihre Wunden , so gut es ging , wieder zu heilen . Die Nebelsterne hatten am meisten gelitten . Doch auch sie waren mit der großen Friedenserklärung einverstanden ; ihre Dunsthaut verblieb ja in der ganzen Weltecke - das ließ sich nicht mehr ändern . Indessen - die einstmals hellen Sterne gewöhnten sich allmählich an den giftigen , lästigen Dunst und erklärten ihn schließlich für ein höchst interessantes kosmisches Schleiergebilde . Und so beruhigte man sich nach und nach . Und dann wards wieder still in der Weltecke . Das Leben ist eben in jeder Form erträglich ; man darf nur nicht ungeduldig werden . Bloß nicht gleich Krieg führen , wenn böse Buben frech werden ! Die böse Sieben ! Ja ! Ja ! Also - lieber ein bißchen Dunst ertragen ! Das Ertragenkönnen ist viel wertvoller als das Losschlagenkönnen . Die Wunden heilen nicht so schnell . Bilde sich bloß Keiner ein , daß es ein Vergnügen sein könnte , als interessanter Krüppel zu leben ! An giftigen Dunst aber gewöhnt man sich - das ist nicht so schlimm ! » Brüder ! « riefen die Sterne , » wenn wir weiter nichts zu ertragen brauchen als das bißchen Dunst , so können wir immerhin noch ganz glücklich sein . « Die sieben Nebelsterne ärgerten sich natürlich über die friedliche Gesinnung ihrer Nachbarschaft nicht wenig , jedoch dieses Mal half ihnen der Ärger nicht viel - sie hatten mit dem Zusammenflicken ihrer Glieder für die nächsten Jahre vollauf zu tun . Bösewichter müssen Beschäftigung haben - das ist so furchtbar notwendig . O ja ! Diese verfluchten Hallunken ! O trag , so viel Du tragen kannst , Und sei nie ungemütlich ! ! Groß ! Sechstausend Ellen lang und fast ebenso breit ist die große Kröte , auf der mein Palast erbaut wurde . Vor vielen langen Jahren zog ich ein - in den Palast . Und die Kröte wandelt nun mit mir durch die große , große Welt . Ob die Kröte was von mir weiß ? Ach ! Die Kröte ist so groß . Ich bin grausam klein dagegen . Natürlich ist es eine Schildkröte - die Kröte , von der ich so viel spreche . Wenn bloß diese Schildkröte ein wenig schneller gehen wollte . Ich möchte so gerne noch heute ans Ende der Welt gelangen - ans Ende ! Geh schneller , liebe Kröte ! Ich möchte ja endlich mal die Größe der ganzen Welt begreifen - oder verstehen - fassen ! Aber wie soll ich das ? Ich kann ja doch nicht ans Ende kommen , denn es gibt ja kein Ende ! Geh schneller , liebe Kröte ! Sie will natürlich wieder nicht . Was hilft mir da ihre Größe ? Alles wird immer größer - und es hilft uns Alles nichts . Es nützt auch nichts , daß unser Durst immer größer wird ! Den Weltrand werden wir niemals an unsere Lippen setzen können . Ich würde auch den Weltrand zerbeißen . Geh schneller , liebe Kröte ! Nützen zwar tut es nichts - aber mir kommt dann - wenn Du Dich beeilst - wenigstens die Zeit nicht so maßlos groß vor . Ach , du » liebe « Zeit ! Kaum hatte das Nilpferd die Lektüre dieser drei Geschichten beendigt , als sich eine Türe knarrend öffnete und ein zweites Nilpferd aufrecht hereinspazierte . Dasjenige , welches mich gerettet hatte , verließ eilfertig seinen Schaukelstuhl und sagte , während es zögernd auf mich zukam : » Die Herren gestatten wohl , daß ich sie einander vorstelle : Herr König Ramses aus Ägypten - Herr Dichter Scheerbart aus Europa . « Ich verließ meine Ofenbank , verbeugte mich höflich gegen den neuen Ankömmling und stotterte verlegen : » Majestät - entschuldigen ! « Doch das kleine Nilpferd lachte und sagte : » Laß nur das Ceremoniell ! So wie wir jetzt aussehen , paßt es nicht mehr recht für uns . Nenn mich ruhig Du und alter Ramses . Das genügt . Gerne würde ich Dir die Hand schütteln , aber ich habe ja keine . Übrigens nennen sich die ägyptischen Könige , die hier wohnen , King - da es uns so vielen Spaß macht , daß die Engländer noch immer unser Vaterland regieren . Behalte nur Platz - und lege Dir gar keinen Zwang auf . « Da fühlte ich mich aber etwas peinlich berührt , denn ich hielt nun meinen Retter auch für einen ägyptischen King und sprach dem entsprechend . Mein Retter lachte jedoch und sprach : » Ich bin kein King . Ich bin der Pyramideninspektor Riboddi . « Nun machte ich denn doch ein sehr erstauntes Gesicht - und da lachten die Nilpferdchen mit ihren breiten Mäulern so laut , daß es oben in den Gewölben wie Donnergrollen erschallte . » Er wundert sich doch noch ! « rief der Pyramideninspektor dazwischen . Und ich mußte dazu ebenfalls lachen - so wie die beiden alten Ägypter ; das Lachen erschien mir immer die beste Art zu sein - um schnell über eine peinliche Situation hinwegzukommen . Wir setzten uns jetzt alle drei in Schaukelstühle , und der König Ramses sagte gleich ganz offen : » Lieber Scheerbart , Ihren Namen habe ich öfters gehört - aber gelesen habe ich noch nicht eine einzige Zeile von Ihnen . Würden Sie nicht so freundlich sein , mir etwas zum Lesen zu geben , damit ich weiß , wie Sie sind ? Entschuldige , daß ich Dich aus Versehen Sie nannte - aber mir ging plötzlich die Lebensgeschichte eines ägyptischen Priesters durch den Kopf . « Die acht Geschichten , die ich dem ersten Nilpferdchen gegeben hatte , waren von diesem bei Seite gelegt , und es sagte jetzt lächelnd - wobei seine faustgroßen Vorderzähne leuchteten : » Onkelchen , knausere nicht ! Greif in Deine Taschen und hole aus jeder ein neues Manuskript hervor ; ich will auch was Neues haben . Aber wähle nicht erst lange - gib , was Dir zuerst in die Hand kommt . « Und da bekamen die Herren das Folgende . Platzende Kometen Was ist das ? Es wird immer dunkler und so schwül . Blitze zucken , aber es donnert nicht . Jetzt pfeift es oben - so gellend wie Lokomotiven , die Angst haben vorm Tunnel . Und nun fliegen Hagelstücke runter , große Hagelstücke und kleine Hagelstücke . Sie sind nicht rund , sie sind zackig und kantig wie schlecht gehauener Zucker . Aber Zucker ist das nicht - es schmeckt kühl und herzhaft . Und jetzt rauscht es oben in den Wolken . Die Wolken jagen blitzschnell vorbei . Ein Sturm wirbelt durchs Land . Die Bäume brechen ab , die Dachziegel fliegen mit Blumentöpfen , Menschenhüten und flatternden Krähen weit weg - ins freie Feld . Es hagelt dabei und regnet . Der Regen schmeckt so kühl und herzhaft wie die Hagelstücke . Da steckt was Seltsames drinn in diesem Hagel und in diesem Regen . Die Gelehrten fahren mit ihren Galakutschen aufs Rathaus und halten dort lange Reden ; alle Gelehrten haben Hagelstücke in der Hand , einige haben noch Flaschen mit dem neuen Regenwasser . Die Gelehrten reden ausgezeichnet , und währenddem hagelt ' s und regnet ' s draußen immer stärker . Und der Sturm heult - heult . Im Rathause erklären die klugen Gelehrten , daß das kein gewöhnlicher Hagel sei - auch kein gewöhnlicher Regen . Und sie kosten alle von den Hagelstücken und trinken das Regenwasser . Und sie sagen , da sei ein neuer Stoff drinn - im Himmel müsse ein Komet geplatzt sein - es müsse ganz bestimmt ein Komet gewesen sein . Kometensalz ist der neue Stoff . Er wirkt nur so komisch . Wer das neue Salz gekostet hat , dem zieht so was Weiches durch alle Glieder und die Gedanken werden so einfach . Das Kometensalz ist verführerisch wie Alkohol . Das Kometensalz brennt aber nicht hinten im Munde und unten im Leibe , reizt nicht auf - es macht genügsam - still . Die Menschen , die das Salz im Magen haben , können bald ihre Gedanken nicht mehr sammeln . Es ist den Menschen , als ginge Alles fort . Und dann bleiben die Menschen stehen und gehen nicht weiter , ihre Glieder werden steif und hart wie Holz , und der erhobene Arm will nicht mehr runter ; die Hand , die den Hut zum Grüßen zog , bleibt mit dem Hute oben in der Luft . Allmählich verhallt der Sturm , und das Wetter wird wieder besser . Beim hellen Sonnenschein merkt man aber erst den Umfang der ganzen Geschichte . Zehn nasse Soldaten auf dem Übungsplatze vor der Kaserne stehen auf einem Beine kerzengerade , doch das andere hochgehobene Bein geht nicht runter . Eine Bäckersfrau stößt dem einen Soldaten in die Seite , und alle Zehn fallen um wie hölzerne Soldaten aus einer Spielschachtel . Die Luft ist wieder still . Und die Menschen lecken an dem Kometensalz , das massenhaft die Erde bedeckt . Die Tiere lecken auch an dem Kometensalz . Und dann bleiben die Menschen und die Tiere nach und nach sämtlich auf der Straße und in den Häusern in seltsamen Stellungen stehen - sitzen - oder - liegen . Den Hunden bleibt das Maul offen . Die Vögel überschlagen sich in der Luft , fallen mit steifen Flügeln auf die Salzhaufen und rühren sich nicht mehr . Ein Leichenzug steht vor einer Kirche und kann nicht weiter . Die Bäume werden ebenfalls starr . Die Trauerbirken und die Trauerweiden verharren in Windstellung - mit weit weggewehten Ästen - als wütete noch immer der große Sturm . Und die Luft ist doch so still . Und die Menschen und Tiere sind auch so still , als wüßten sie gar nichts mehr zu sagen . Ein Schutzmann sitzt auf einer Parkbank unbeweglich mit einem Strolch zusammen - sie sehen sich unablässig an . Ein Regiment dekorierter Nachtwächter befindet sich vor dem Rathause in konstanter Präsentierstellung . Die Kinder sind in der Schule nicht mehr zu hören - so ruhig sind sie . Und im Rathause sitzen die Gelehrten wie Wachspuppen da . Der Bürgermeister , der das Salz nicht anrührte , schleppt sich müde nach Hause , trinkt im Sorgenstuhl vor seinem Schreibtisch ein Glas Wasser und sieht am Ofen seine Frau - sie ist unbeweglich wie ein abgeschiedener Geist . Der Bürgermeister faßt sich an den Kopf und ruft plötzlich angstvoll : » Franziska ! Das ist die neue Zeit . « Aber er kann den Mund nicht mehr zumachen - das Salz hat auch ihn gepackt - es war im Wasserglase . Das furchtbare Kometensalz ist überall ! In der Residenz sitzt der König auf seinem Throne und hält immerfort das Scepter - regiert aber nicht - denn alle seine Untertanen sind so steif wie er selbst . Jedoch keinem der Gelähmten geht das Bewußtsein aus ; das Gehirn arbeitet bloß etwas langsamer . Die Augen behalten ihre Kraft . Die Ohren hören ; es ist nur nicht viel zu hören . Lauter Salzsäulen an allen Ecken und mitten im Wege ! Lebende Salzsäulen ! Sie sitzen , als wenn sie unablässig nachdächten - stehen , als hätten sie was vergessen - liegen , als wären sie dabei , was Feines zu dichten - und rühren kein Glied . Die Oberfläche der ganzen Erde ist ganz starr geworden . Und nach sieben Tagen wird ' s im Himmel abermals finster . Und abermals kommt ein Sturm . Und der Sturm wirbelt die Tiere und Menschen durcheinander wie welke Blätter . Schornsteinfeger fallen von den Dächern ; Arbeiter und Soldaten , Frauen und Kinder rollen in den Gassen wie Tonnen herum , wobei die Glieder abbrechen , ohne zu bluten . Und dann wird ' s wieder still , Und allmählich verändert sich Alles . Langsam fallen die Häuser ein . Die Äste der Bäume fallen ab wie Eiszapfen . Säulen platzen , Denkmäler und Türme brechen krachend entzwei . Und dann sickert ein dunkler Staub auf die Erde hernieder . Der dunkle Staub bedeckt Alles - auch die Wasser und die Meere . Ein andrer Komet muß wohl geplatzt sein . Der bestaubte Erdball dreht sich weiter . Das harte Rot Ich stehe auf einem schwarzen Berge - und ringsum ist Alles schwarz - das ganze Land und das ganze Meer - schwarz ! Und der Himmel ist gleichfalls schwarz . Und nun gehen überall am Horizonte in gleichen Abständen rote Sonnen auf - dunkelrote Sonnen ! Aber das Land bleibt dennoch schwarz - das Meer und der Himmel desgleichen . Über mir gehen auch viele rote Sterne auf - dunkelrote Sterne ! Und die roten Sonnen steigen gleichmäßig höher . Aber nur die Sonnen und Sterne sind rot . Ihr rotes Licht leuchtet nicht - es ist nur für sie - nicht für uns ! Alles , was nicht Sonne und nicht Stern ist , bleibt schwarz . Es wird niemals anders sein . Freunde Sie winken und grüßen und lachen mich so lustig an , daß ich ganz heiter werde . Sie reichen mir auch die Hände und bewegen so zierlich die weißen Finger . Ich würde wohl mit denen da drüben gut auskommen - doch sie sind ja so fern - sie stecken alle in den Wolken - und die Wolken sind hoch . Wenn ' s doch regnen möchte ! Dann müssen sie ja runterkommen ! Es regnet aber nicht . Der Weg zur Schlachtbank Rede eines Ochsen » Ich bin ein großes Tier und ein gutes Tier . Ich weiß , wohin man mich führt . Und ich habe auch nichts dagegen . Ich bin der wahre Wohltäter der Menschheit . Ihr gehört mein Herz - ihr gehören auch meine Nieren und meine Schinken - und meine Knochen mit dem herrlichen Mark ! Daß man mich nicht so ehrt wie andere Wohltäter , macht mir nichts aus . Auf Dank hab ' ich nie gerechnet . Daß man mich aber noch schlägt mit dem Ochsenziemer - halte ich für gemein . Muß ich auch noch zum Märtyrer werden ? Wozu ? « Als nun die beiden Herren mit Lesen fertig waren , ergriff ich zuerst das Wort , da es mich immer ärgert , wenn ich in Gegenwart Andrer bloß zuhören soll . » Wenn ich , « sagte ich mit scharfer Betonung jeder Silbe zum Pyramideninspektor , » die Erde bloß für eine große Erziehungsanstalt halten soll , so komm ' ich mir dabei auch nicht sehr geistreich vor . « » Dazu , « versetzte der alte Ramses , » hast Du auch gar keine Veranlassung . « Ich wollte sofort erwidern , wurde aber durch ein merkwürdiges Gebimmel daran verhindert ; die Luft in dem schwarzen Felsensaal schien plötzlich zu Musik zu werden ; unsichtbare kleine und größere Glocken klangen bimmelnd und brummend durcheinander - höchst melodisch - aber höchst merkwürdig . » Das sind unsre unsichtbaren Diener ! « sagte der Pyramideninspektor . Und dann vernahmen wir eine helle Knabenstimme , die laut aus den Gewölben oben zu uns hinunter rief : » Kommen Sie nur schnell , meine Herren ! Das Abendbrot ist fertig - kommen Sie - kommen Sie - sonst werden die Kartoffeln kalt . « Danach verstummten die Glocken . Und wir erhoben uns aus unseren Schaukelstühlen . Ich war recht ärgerlich und meinte brummig : » Diese Erinnerung an das Abendbrot macht mich nicht grade sehr heiter , denn schön ist es wohl nicht , daß wir unser Leben durch Essen und Trinken erhalten müssen . Und daß Sie , meine Herren , das auch noch müssen , imponiert mir ganz und gar nicht . « Ramses fragte mich höflich : » Sag mal , rauchst du vielleicht gerne ? « Ich bejahte die Frage , und der Pyramideninspektor meinte drauf ganz trocken : » Dann können wir ' s ja so einrichten , daß Du Deine Mahlzeiten rauchend einnimmst . In diesem Falle müßtest Du aber vorher ein elektrisches Bad nehmen . Zeit wäre noch dazu , denn unser Luftknabe behauptet regelmäßig , daß das Abendbrot fertig sei , wenn ' s noch zwei Stunden hin sind . « Ich erklärte mich selbstverständlich sehr gerne bereit , sofort ein elektrisches Bad zu nehmen . » Es ist aber recht schmerzhaft ! « erklärte der alte Ramses . Ich aber war neugierig und versetzte kühl : » Das tut nichts . « Und danach gingen wir durch einen schnurgraden erleuchteten Felsengang , in dessen schwarzen glatten Wänden unsre Gestalten sich deutlich widerspiegelten , zum Badezimmer . Das Badezimmer hatte sehr viele vierkantige Säulen , die auch schwarz waren , aber nicht spiegelten . Jede Säule war von der nächsten oder der Wand nur zwei Meter entfernt . Sehr viele gelbe und weiße Metallgeräte standen umher , deren Bedeutung ich nicht verstand ; dieselbe hatte auch kein Interesse für mich . Ich wurde hier dem Oberpriester Lapapi vorgestellt , der sich natürlich auch in der Gestalt eines Nilpferdes zeigte und ebenso wie die beiden andern einen blauen Flanellrock trug . Die Herren baten mich , ihnen während des Bades doch was zu lesen zu geben . Und während ich nun mit einer Kühnheit , die mich selber überraschte , ins Bad stieg , lasen die drei Herren : Das neue Leben Architektonische Apokalypse Langsam dreht sich der alte Erdball um die alte Sonne , die nicht mehr glüht und strahlt wie einst . Dunkelviolett scheint die alte Sonne , so daß es nie mehr Tag wird - auf Erden niemals mehr . Stille Nacht ist überall . Es ist sehr sehr still . Der Himmel ist schwarz wie schwarzer Sammet . Die Sterne aber funkeln so hell wie sonst - wohl noch heller , da sie größer sind . Goldene Sterne sind ' s ! Der Erdball ist ganz weiß - ganz mit weißem Schnee umhüllt - mit leuchtendem Schnee ! Sternklare Winternacht auf den Höhen und im Tal ! Die tote Erde dreht sich immer langsamer . Doch im sammetschwarzen Himmel wird ' s lebendig . Die großen Erzengel kommen . Mit riesig großen weißen Flügeln flattern sie eiligst herbei . Es rauscht durch den Himmel . Es wird so laut , so voll Trubel die Luft , als wenn viele Millionen großer Völkerscharen zu neuem Leben erwachen . Aber es kommen nur die Erzengel . Es sind ihrer zwölf . Sie sind so schrecklich groß . Sechs umflattern die eine Hälfte der Erdkugel und sechs die andre , so daß man von beiden kaum mehr was sieht . Die Engel beugen langsam , Flügel schlagend , die Köpfe herunter . Ihre Füße schweben hoch über den beiden Polen der Erde . Die zwölf Köpfe bilden bald mit ihren flatternden blonden Locken um des Erdballs Mitte einen prächtigen Haarring . Zunächst nimmt jeder Erzengel den großen Dom , den er im Arme trug , in beide Hände und setzt ihn auf ein hohes Schneegebirge . Danach ziehen alle Zwölf ihre dicken Pelzhandschuhe aus und greifen geschwinde mit ihren zarten Fingern in ihren weltmeergroßen Rucksack . Aus ihrem Rucksack holen die Engel viele hundert neue , blitzblank glänzende Paläste hervor . Und mit den Palästen schmücken sie den großen Schneeball , der sich Erde nennt , daß er bunt wird und mächtig funkelt ; die Augen der Erzengel leuchten dabei , als wenn sie für artige Kinder Spielzeug auskramten . Nachdem die Rucksäcke geleert sind , flattern die Engel wieder empor und schweben munter plaudernd in mäßiger Entfernung auf und ab in schönen großen Kreisbogen . Die Erde sieht bunt aus , als wäre sie mit den Flügeln der kostbarsten Schmetterlinge , erfrorenen Paradiesvögeln und gleißenden Diamanten bestreut . Und die Paläste werden hell . Millionen Lampen werden überall drinnen angesteckt ; durch die bunten Glasfenster der hohen Dome und all die vielen Schlösser strömt gedämpftes Licht tausendfarbig in die violette Schneenacht hinaus . Die violette Sonne wird noch dunkler . Die fernen goldenen Sterne verlieren auch viel von ihrem Glanz . Der sammetschwarze Himmel rahmt die sanft aufglühende Erde ringsum prächtig ein . Und die großen Glocken der Dome läuten alle . Ein Sehnsuchtsschauer durchrieselt die weiten Schneegefilde ; durch die nagende Schwermut des kalten Erdballs ringt sich ein neues Leben durch - das ewige Leben ! Die Toten stehen auf . Überall hebt sich die Schneedecke . Und all die Menschen , die einst auf der Erde lebten und starben , steigen aus ihren Gräbern heraus , schütteln sich den Schnee ab und sehen sich erstaunt an . Als sie merken , daß sie auferstanden sind , fallen sie sich gegenseitig um den Hals und sind sehr gerührt . Ja ! Ja ! Wer hätte nicht gern ein neues Leben begonnen ! Die Erde dreht sich schneller . Doch dieser große ernste Augenblick ähnelt einem großen drolligen Maskenfest , denn alle Menschen haben Kleider an , die denen gleichen , welche sie zu ihren Lebzeiten am häufigsten trugen . Die Bettler gehen neben den Königen , die Priester neben den Kriegern , die Handwerker neben den Gelehrten - in all den vielen Trachten all der vielen Zeiten . Vom Fellschurz bis zum gebügelten Oberhemd ist alles da . Die Auferstandenen steigen die goldenen Stufen zu den Schlössern und Domen empor . Es wimmelt man so ! Alle Sprachen der Erde wirbeln durcheinander , daß es mächtig durch den ganzen Himmel brummt und die Glocken nicht mehr zu hören sind . Oben aber vor den Türen der Schlösser und Dome stehen viele tausend Engel , die nicht größer als die Menschen sind , in zarten hellgrünen , hellblauen und hellroten Gewändern und warten . Feierliche Begrüßung ! Händedrücken und Wangengestreichel ! Kopfnicken und Armgewackel ! Viel Gelächter ! Und viel lächelnde Behaglichkeit ! Die großen Burgen , die aus reinen Riesendiamanten bestehen , sprühen ihren Farbenbrand so festlich in die Dämmerung . Und die andern Edelsteine der weiten Säulenhallen glänzen mit den reinen Riesendiamanten um die Wette . Und die kostbaren Steingewächse , die aus den Domen aufstreben , sind auch so wunderbar . Die Smaragdkuppeln einzelner Schlösser werden von innen erleuchtet und werfen in den schwarzen Sanimethimmel weite grüne Lichtkegel , die sich langsam bewegen . Die Saphirtürme ragen höher empor als die anderen Türme . Und das stille Licht , das überall durch die tausendfarbigen Glasfenster hinausströmt , das schimmert so heilig-bunt und verheißungsvoll . Ungeheure Palastgebirge sind mit riesigen Opalbogen umgittert . Wenn das Auge von Pol zu Pol schweift , so wird es verzückt bei all der Glanzglut . Der Bauzauber ist so gewaltig , daß man sich verwundert fragt , wie es kommt , daß die auferstandenen Menschen nicht einfach toll werden . Aber - so entsetzlich es auch ist , so wahr ist es : die meisten Menschen denken bloß an das gute Abendbrot , das ihnen nach ihrer Meinung in den Domen und Palästen von eifrigen Dienern vorgesetzt werden wird . Wie verblüfft sind da die Auferstandenen , als sie im Innern all der vielen Glanzburgen gar kein Abendbrot finden ! Männlein und Weiblein sehen sich