! Du hast doch immer grösser werden wollen ! Und jetzt , da du ' s bist , ist es dir wieder nicht recht ? Ich glaube , du bist sehr undankbar und sehr launenhaft . « » Ich lache doch , « erwiderte Kaidôh , » nur über die Grösse meiner Fusszehen , die ich jetzt gar nicht regieren kann . « » Die brauchst du auch nicht zu regieren , « versetzte die Liwûna , » lass dich nur von den Wandwinden treiben . « » Was sind Wandwinde ? « fragte Kaidôh , » ich verstehe nicht , was du unter Wandwinden verstehst . « » Thu doch nicht so , « gab da die Liwûna spitz zurück , » als ob du Alles verstehen möchtest . Ich kenne dich ! Sei still ! Es kommen neue Sterne . « Und die kamen auch näher - es waren lauter Glassterne . Kaidôh brummte : » Sie wird dreist ! « Die Glassterne brummten ebenfalls - nur anders . Es waren nämlich viele hohle Sterne dabei mit Löchern , aus denen seltsame dumpfe Töne in die Weltlüfte drangen . In den hohlen Sternen leuchtete ein grünes Licht , sodass sich die verschnörkelten Formen der Glasgebilde haarscharf vom schwarzen Welthintergrunde abhoben . Manche Sterne ähnelten aufgeblasenen Fröschen , denen die Beine verloren gingen - und andere Sterne starren Tintenfischen . Dazwischen drehten sich helle regelrechte Kreisringe , in denen viele helle Farben schimmerten . Auch schwebten in der Nähe Würfel und Oktaeder , deren Flächen glitzerten , als wären sie mit Phosphor bestrichen . Liwûna sagte leise : » Glaube nicht , dass das Alles Glas ist . Es sieht nur so aus . « Und Kaidôh sah Millionen kleiner Tiere auf den Glassternen hin- und herkrabbeln . Einzelne der Sterne funkelten so stark , dass dem Kaidôh all die Farbenspiele durcheinander gingen . Er konnte oft nicht folgen . Drollig wirkten grosse Ketten , deren Glieder aus vielen vielkantigen blauen Säulen bestanden . Jedoch Kaidôh bemerkte bald , dass seine Augen immer stärker wurden . Er fühlte , dass er nicht blos grösser , sondern auch anders wurde . Leider wusste er nicht , ob er Grund habe , sich über das Anderswerden zu freuen . Liwûna schwebte weitab wie ein grosser grüner Schleierstern . Und nun tauchten smaragdgrüne Balkensterne aus dem Dunkel heraus - die waren ganz mit grünen Wäldern bedeckt , die wie dunkles Moos auf den Balken sassen und wie Smaragde leuchteten . Kaidôh konnte erkennen , dass das grüne Licht unzähligen kleinen Häusern sein Dasein verdankte ; die Häuser - die reinen Glühwürmer - lagen in den Wäldern so friedlich eingebettet - wie junge Katzen in Waschkörben - wenn es dunkelt und das Katzenauge funkelt . Die grössten Balkensterne setzten sich aus sehr vielen Balken zusammen ; die kleineren Balken waren fast alle in rechten Winkeln an die grösseren geleimt . Und die vielen rechten Winkel trugen so viel Berechnetes in sich , dass man glauben mochte , sehr fein ersonnene Weltwerkzeuge vor sich zu haben . Kaidôh dachte in dieser Richtung und meinte dann zu sich selber sprechend : » Wozu ich mir über diese Sterne den Kopf zerbreche ! Man kann sich noch so sehr verändern - Etwas bleibt doch immer in uns : jene Genuss hemmende Denkerei ! Aber sie wird wohl nötig sein - sonst würde man wohl öfters vor purer Seligkeit platzen . « Doch die Gedanken waren bald verscheucht . Raketensterne sausten vorüber - fix wie Kometen - zischend und rauschend . Wie unheimliche Feuerspinnen kamen sie angerannt - in ihren Beinen züngelten zuckende Glutquallen . Bunte Augen sassen den Raketensternen auf den Zehen . Einige Sterne ähnelten glimmenden Knochengerüsten - und andre wilden Aalen . Sodann prasselten Feuergarben aus den Sternleibern heraus ; blaue und grüne Feuertropfen flogen hinunter und hinauf . Lange gewundene Feuersäulen - Riesenfinger - bogen sich hinüber zu den blauen und grünen Feuertropfen und durchstiessen die , sodass sie wie Ringe auf die roten Feuersäulenfinger hinaufglitten . Kaidôh fuhr oft erschrocken in die Höhe , da ihm das feurige Spinnengebein recht nahe trat . Eine ungeheure wie Quecksilber zitternde Feuerschlange schloss den raschelnden Zug . Der letzten Schlange sassen auch ein paar grüne und blaue Feuerringe auf dem Leibe . Dieser Leib - rotglühendes Eisen - wand sich und zuckte , als läg er in heissen irrsinnigen Fieberkrämpfen . » Wenn man die Welt , « flüsterte Kaidôh , » nicht mehr wiedererkennt - dann ist wirklich Alles anders . Und ich erkenne diese Welt nicht wieder , denn ich habe sie noch nie gesehen . Ich erkenne mich nun auch selber nicht mehr . « » Du wolltest doch , « fiel da lebhaft die Liwûna ein , » unter allen Umständen das Andere . Ich fühlte sogar , dass du das wolltest . Jetzt hast du das Neue und das Andere - und jetzt ist es wiederum nicht recht . Ich werde deine Wünsche bald unbeachtet lassen , denn du willst offenbar noch Etwas , von dem man sich nicht einmal im Traume eine Vorstellung machen kann . Was du sagst und empfindest , ist gar nicht wichtig für dich . Deine Gelüste sind dir selber ein Rätsel . Kaidôh fühlt nur , dass er gar nichts fühlen kann . « » Das mag stimmen ! « brummte der grosse Kaidôh . Aber zum Weiterreden kams nicht . Unter ihnen schwebten schon wieder neue Weltgebilde - die Schalensterne in allen möglichen Muschelformen mit krummen Schnäbeln . In den Tiefen der vielen Schalen blitzte es wie von Brillantensplittern , und bei dem Blitzen bemerkte Kaidôh unter den krausen Rändern der Sterne ein tolles Weltgewürm , das grossen wackelnden Schornsteinen nicht unähnlich schien . Und die Trompeten- und Trichtersterne gesellten sich mit den Schneckensternen auch zu den Weltschalen . Das ward ein mächtiges Blasen und Brummen , Getute und Geschnarre und Gepfeife . Wie Brummkreisel drehten sich die Trichter . Die Schnecken drehten sich ganz langsam - es waren nur die Gehäuse . Und lange Glockenketten schaukelten und wackelten wie fliegende Guirlanden mitten durch , dass die andern Schalen ausbiegen mussten . Das dumpfe Gebrumm der Glocken klang so alt , als stäken lauter längst verfallene Welten in den Glocken . » Hörst du , « sprach Liwûna , » mit den Glockentönen steigt wieder eine alte Zeit in dir herauf . Ja , das Neue macht es nicht . Ich will dich verstehen . Dazu bin ich ja da . « » Aber das Alte , « rief Kaidôh , » ist wieder so furchtbar schmerzhaft . Es lähmt die ganze Lebenskraft . « » Es soll , « gab da leise seine Freundin zurück , » die Freuden dämpfen . Das Alte ist beim Weltgenuss so nötig wie das Gedankenspiel . Ist dir Beider Daseinsrecht nicht klar ? Wenn dir die Erinnerungsschmerzen über den Kopf wachsen , dann musst du allerdings sterben . Das ist schon richtig . Doch mit jedem Tode sterben auch die Erinnerungen . Und ist das nicht auch gut ? Wenn Etwas ganz stirbt - stirbt immer viel Schmerz zu gleicher Zeit mit . Ja - jedes Sterben ist eigentlich nur ein Sterben von Schmerzen . « Kaidôh klatschte in die Hände und lachte , als verstände er auf einmal die ganze Welt von oben bis unten . Und aus den Trichtern , Glocken , Schnecken , Muscheln und Trompeten scholl wieder ein tausendfaches Echo , das ein Weltlachen war , empor in den endlosen Raum . Das Echo hing blos nicht ordentlich zusammen - als wärs ein Echo von Liwûnas Worten . Die Wandwinde bliesen gegen die beiden leichten Riesengeister an , dass sie weiterflogen . Liwûnas Grösse entsprach der des Kaidôh , sodass dieser seine Begleiterin lange anschaute ; eine so grosse Dame hatte er noch nie gesehen . Sie hatte langes pechschwarzes Haar mit einem Rubindiadem , ihr Gesicht war weiss wie Marmor , und aus den schwarzen Augen strömte ein grosser Glanz , der auch die nackten weissen Arme ganz hell machte . Oefters flackerten die grossen Augen , als rasten grosse Sonnen drinn . Die Schatten der beiden Riesengeister gleiten auf der spiegelnden Wand wie zwei fliegende Pfeile dahin . Und rasselnd steigen aus der Höhe abermals Sterne herunter - durchsichtige Mühlenräder sinds ! Sie drehen sich und lassen alle die eine Seite sehen ; die Scheibe ist erst eiförmig - dann rund - und zum Schluss wie am Anfange . Und aus den Radreifen schlagen keilförmige Scheinwerfer raus - blaue , gelbe und orangefarbige - die drehen sich durch den ganzen Himmelsraum , als wärens Speichen von Riesenrädern - farbige Speichen . Und die Speichen drehen sich so schnell , dass Kaidôh dem flirrenden Farbenwirbel nicht mit den Augen folgen kann . Er dreht sich um - und erblickt in der grossen schwarzen Felsenwand , die überall glatt wie ein Spiegel ist - das Spiegelbild der Rädersterne . Im schwarzen Spiegel sind die blauen gelben und orangefarbigen Streifen gedämpft . Kaidôh kann nun Alles von dem bewegten Farbenbilde in sich aufnehmen - die Helligkeit nimmt allmählich immer mehr ab . Und dann wirds wieder stiller in der Spiegelwand - andre Sterne erscheinen - Blattlappengebilde , die an vielen Stellen phosphorescieren - was ganz unheimlich in der schwarzen Spiegelwand wirkt . Liwûna und Kaidôh sprechen über die verschiedenen Arten der Schwärmerei in kurzen abgebrochenen Sätzen . Und nun folgen noch mächtige Wassersterne , deren Wogen nach allen Seiten hoch in die Höhe gespritzt sind - man könnte sie für Zinngebilde halten . Die Wassersterne sind aber nicht alle so wie Zinn - sehr viele sind rot wie Blut - zwei ganz grosse sind wie Gold . Die beiden Riesengeister sprechen gegen die Felsenwand , ohne sich umzudrehen , vom Müdewerden . Dazu haben sie aber keine Zeit , denn jetzt wirds ganz bunt im Felsenspiegel - als schwebten Millionen Laternen durchs grosse All . Kaidôh wird neugierig und wendet endlich den Kopf . » Die Rauschlust kommt immer wieder ! « schreit er wild - denn er sieht jetzt nicht blos die bunten Laternen - er sieht alle Sterne , die bisher vorbeizogen , noch einmal - auf ein Mal . Kaidôh ist abermals noch viel viel grösser geworden - er blickt jetzt in einen gewaltigen Sternwirbel und erkennt Alles . Die Trichtersterne und die Wassersterne - die Raketensterne und alle die andern wirbeln da im Raume herum , als führe ein Sturm durch Sonnenstäubchen . Jetzt kann sich Kaidôh nicht mehr halten , er bewegt seine Zehen und will hinein in das glänzende schauerliche Sternenmeer . Und er kann seine Zehen wieder regieren . Und er stürzt sich in den Sternwirbel - und schreit - und schreit ! ! Seine Brust dehnt sich weit aus , und ihm ist , als gingen all die vielen Millionen Sterne in seinen Leib . Und er lacht wie ein Gott - und schreit - und schreit . Liwûna kann ihm kaum folgen . Und dem Kaidôh ist so , als setzten alle Sterne noch mehr Grösse an ihn ab - immer mehr - immer mehr ! Jetzt endlich fühlt er Welten in sich - Welten ! Und er bewegt die Zehen - und schiesst durch den Wirbel - und kreischt auf - in verrückter Seligkeit - und - und - weiss nichts mehr von sich . Liwûna folgt ihm mit gesenktem Haupt und führt ihn hinaus aus dem Sternwirbel in eine kühlere Weltgegend . Und langsam wird alles anders . Und mir ist so , als wenn ich langsam erwache - aus wirren wüsten Träumen , und ich frage leise : » War ich Kaidôh ? « Liwûna - das ungeheure Riesenweib neben mir - lächelte und nickte - und sprach sanft : » Du bist immer noch Kaidôh ! « Und ich bebte , als hätte sie mir was Furchtbares gesagt . Wir schwebten wieder im stillen Raume - aber die Sterne waren nicht rund - sie waren alle feine kleine Striche - nur wenige dickere Striche - nur wenige dickere Striche sah ich . Kühle Lüfte wehten um meine Stirn - und ich wurde wieder ruhiger . Die feinen kleinen Striche - waren wie Blut - und der ganze Himmel schwarz - wie die Felsenrand - die weit hinter mir liegt . Ich suche was mit der linken Hand . Liwûna lächelt und sagt : » Du suchst wieder was ! « » Ich suche ! « sage ich . » Ich will noch mehr - noch Grösseres ! « fahre ich fort . Und Liwûna bittet ihren Kaidôh , weiter zu fliegen . Er fliegt weiter . Und wieder neue , wieder andre Wunderwelten thun sich vor ihm auf ; die sind aber etwas kleiner - denn Kaidôh ist im Sternenwirbel noch mehr gewachsen - ins Ungeheuerliche hineingewachsen . Dem Kaidôh ist so , als wäre er in ein grosses Schneegestöber geraten . Es sind aber nicht Schneeflocken , die ihn jetzt umschweben - es sind grosse Sternwolken aus Schnee- und Eisgestirnen . Kaidôh bemerkt , dass faltige dunkelviolette Sammetkleider seinen riesigen Körper umflattern . Liwûnas Gewänder sind wie Goldschaum und flattern ebenfalls . Die Schneesternlüfte sind so kühl und beruhigend - und Kaidôh bedarf der kühlen Ruhe - ihm ist noch immer so , als tobten grosse Sternscharen durch seine Adern - und durch alle seine Knochen . Wie kleine weisse Federn schweben die Sterne dem unermesslichen Kaidôh um Kopf und Brust . » Das sind , « sagt Liwûna , » sehr leichte Welten , denn sie sind alle sehr alt . Die Sterne fliegen zuweilen wie ein grosser Vogelschwarm in die Höhe , und dann kommt es dem Kaidôh so vor , als flögen ihm rasende Eisklumpen an der Nase und an den Ohren vorüber . Seine Augen sind aber so scharf , dass er die verschiedenen Formen der Schneesterne , wenn sie weiter weg sind , wohl unterscheiden kann ; er sieht auch viele Tiere auf den Sternen . In den Schneesternen glänzt viel blankes Eis , und die Eissterne sind an den Krystallspitzen meist mit Schnee umzogen , als wären sie verschimmelt . Die Sterne haben viele turmartige Auswüchse und Zacken und Zinnen und alle nur denkbaren Formen , die aber gewöhnlich regelmässig sind wie die Krystalle . Alle Schneesterne und auch die Eissterne verstehen es ausgezeichnet , dem grossen Kaidôh auszubiegen , sodass er garnicht mit den Sternen in Berührung kommt . Der Schnee verbreitet ein mattes schweres Dämmerlicht . Kaidôh hat immerfort das Gefühl , etwas vergessen zu haben - und dieses Gefühl macht ihn immer erregter , sodass er ganz heftig wird . Liwûna lacht dazu und fragt spöttisch : » Was suchst du denn ? « » Ich weiss es eben nicht ! « giebt Kaidôh zur Antwort . Da fliegt die grosse Liwûna an ihren Kaidôh ganz nahe heran und flüstert mit leuchtenden Augen : » Ich weiss , was du suchst - du suchst das Weib , das dein Weib sein kann . « Kaidôh zittert , ballt die Faust und schlägt der Liwûna ins Gesicht . Doch der Schlag geht natürlich wieder durch , ohne zu schaden . Und die Liwûna lacht , dass es durch die ganze Frostwelt schallt . Danach spricht sie milde : » Die Wut gegen Andre beruht immer auf einer Wut gegen uns selbst . Du bist wütend , weil du nicht weisst , was du willst . Du weisst eben nicht , was du suchst . Warum fragst du mich also nicht ? Warum musst du gleich deine Wut an mir auslassen ? Wüte doch gegen dich selbst ! « Ich schäme mich , denn die Worte trafen . Ich sage weich : » Verzeih mir ! Führe mich weiter durch das Labyrinth deiner Weisheit . Ich folge geduldig und werde mich schon noch zurechtfinden . « » Das wirst du ! « sagt Liwûna . Und wir verlassen die Sternwelten , in denen so viel Schnee ist , schweben in einen finsteren Raum und bleiben Seite an Seite . Kaidôh hat eine merkwürdige Empfindung , als ob die Liwûna ohne jede Unterbrechung auf ihn einspräche , ihm die Rätsel aller Welten erklärte - doch in einer Sprache , die ihm vollkommen fremd ist . Er horcht eifrig in die Finsternis hinein und möchte verstehen , was er da in seltsamen Lauten hört - doch ihm wird Alles immer unklarer ; nur das Unklare wird ihm klar . Und das schmerzt so , dass er aufstöhnt . Er möchte so gerne lachen über das Alles - vermag aber nicht zu lachen . Nur Liwûna scheint neben ihm zu lachen - das nützt ihm leider Nichts . Die Finsternis ist so schwarz , dass Nichts zu sehen ist - kein Stern - Nichts . Liwûna sagt leise : » Du willst grössere Welten sehen - suchst du die ? Willst du selbst grösser werden ? « Kaidôh wacht auf - wie aus einem hässlichen Traume und ruft » Ja ! Ja ! « Doch er hat nicht das Gefühl , dass Liwûna das Richtige getroffen habe - er fühlt nur , dass er in der Finsternis noch grösser wird - und sieht in der Ferne ein schwaches Licht - das rasch heller und heller wird . Neuen Sternwelten kommen sie auch in der Finsternis näher . Da wird Kaidôh grässlich heftig und so begehrlich - so gierig . Ganz andre Sternwelten leben in dem neuen Licht - die sind die grössten - das Licht in der Ferne wird heller - da kommt aus der Finsternis ein Riesenleib hervor - und dieser Riesenleib besteht aus vielen Millionen bunter Sterne . Der Riese hat Augen über den ganzen Leib und einen Kopf , der aus dunkelgrünen lodernden Flammenwelten besteht - Arme und Beine sind unzählig und wie flüssiges zitterndes Gold - auf dem Perlen herumschwimmen ; diese Perlen rollen auf den goldenen Gliedern in ewiger Unruhe . Kaidôh hemmt seinen Flug und starrt den Sternriesen an - das ist das grösste Weltwesen , das er jemals sah . Kaidôhs Augen rollen so wild wie die Perlen - wie die blauen und roten Augen auf dem Rumpf des gewaltigen Sternriesen . » Wir wollen , « spricht Liwûna , » über den Sternriesen hinüberfliegen . Der Weg ist weit . Folge mir ! « Und Liwûna fliegt rauschend voran . Kaidôh kriegt einen Schreck , als sähe er plötzlich in ein Jenseits . Liwûnas Rücken gleicht ungeheuren Gebirgsmassen , die mit Schnee und Eis bedeckt sind ; Millionen von Schneesternen schleppt sie auf ihrem Rücken mit ; die goldenen Gewänder sind kaum zu sehen ; die schwarzen Haarmassen ihres Hauptes flattern oben , und sie wendet oben ihren Kopf zurück , und Kaidôh erschrickt nochmals - das riesige Gesicht ist braun , und hellblaue Augen strahlen wie zwei Riesensonnen unter Augenbrauen , die endlosen Wäldern gleichen . Kaidôh will seine Fusszehen bewegen - das geht aber nicht - er schwebt ohne jegliche Körperbewegung der Liwûna nach . Und nach einer langen Zeit , in ders immerwährend höher geht , blickt er hinab und sieht unter sich das grüne Flammenhaupt des Sternriesen - unzählige grüne Schlangensonnen winden sich da durch einander , und grüne Flammen schlagen heraus und brennen . Kaidôh hebt den Blick und bebt - Welten öffnen sich vor seinem Blick - Welten - wie sie nie ein Sterblicher geschaut hat . Liwûna schwebt neben Kaidôh . Und die Augen der Beiden schweifen trunken nach allen Seiten . Zwölf grosse Sternriesen ragen da im weiten grossen Halbkreise hoch auf in den weiten grossen Raum . Auf einer Bank , die auch einen Halbkreis bildet , sitzen die Sternriesen und bewegen sich nicht . Und die Bank besteht aus unzähligen Brillantsternen - deren gleissende Farbenfeuer durch glitzernden Funkenregen durchsprühen und durchflackern - deren gleissende Farbenfeuer in langen Flammenkegeln tief aufglühen wie bunte Sammetblüten - deren gleissende Farbenfeuer mit heissem Strahlenglanz brennen . Kaidôh wundert sich , dass sein Auge nicht erblindet ; sein Auge ist wiederum anders geworden . Und es sind so viele Brillantsonnen ; die Rücklehne der Bank ist so hoch , dass sie oben fast endlos erscheint - eine im Halbkreise gebogene Riesenwand aus lauter Sonnen , die ungeheure sich langsam drehende Diamanten sind . Und der Halbkreis ist so gross , dass die Wand nach allen Richtungen so weit entfernt erscheint . Ein Weltenrand ! Hoch oben bilden die blauen , roten und grünen und die andersfarbigen Farbenkegel ein bewegliches Dach ; die bunten Kegel schieben und drängen sich durch- und über- und untereinander . Und die funkelnden Diamanten flimmern immerzu , denn die Sterne stehen nicht still . Das flackert . Das glüht . Das brennt . Und auf der grossen Bank sitzen die Sternriesen - und die bewegen sich nicht . » Dass sie sich nicht bewegen , « sagt die Liwûna , » kommt uns bloss so vor . Sie brauchen zu jeder Bewegung viele Tausend Sternjahre , und daher glauben wir , sie seien ohne Bewegung - wie totes Volk . Das ist natürlich ein grosser Irrtum ! Wir dürfen nicht vergessen , dass alle Glieder der Sternriesen aus unzählbaren Sternen bestehen - lauter Sonnen sind - lauter grosse Sonnen mit vielen Millionen Monden . Die Sterne haben alle möglichen und denkbaren Formen - die können wir aber nicht mehr unterscheiden - die Entfernungen sind in dieser Gegend auch für grosse Riesen so entsetzlich gross . « Liwûna sagt noch mehr , Kaidôh starrt mit offenem Munde die zwölf Riesen an . Er kann die grossen Gestalten gar nicht überschauen ; wo ihnen der Kopf sitzt , weiss er nicht . Der Hauptteil des Rumpfes ist gross und breit und als solcher wohl zu erkennen . Aber jeder Rumpf sieht anders als der nächste aus ; die meisten scheinen aus goldenen und silbernen Wolken zusammengesetzt zu sein . Es gehen aber überall so viele blaue und grüne Adern durch , und es sind überall so viele perlbunte und stechende Augen , dass Kaidôh nicht weiss , wie er die einzelnen Teile der Riesenkörper nennen soll . Die Gliedmassen ähneln wilden Korallengewächsen , und Flammenäste stehen dazwischen - und grüne Pyramiden sitzen oben auf steilen Schulterbergen - neben schwarzen Hörnern und glühenden Haaren und Kugelgewächsen und Würfelketten mit bunten Bändern und langen goldenen Schlangenarmen . Die Zwölf sind furchtbare Ungeheuer , in denen Milliarden tollster Sonnen brennen . Und diese wilden Weltgestalten sitzen da zum Scheine so still , als wären sie versteinert . Kaidôh starrt die Sternriesen an mit gierigen Augen ; er möchte die zwölf Grossen festhalten und nicht mehr vergessen ; er ärgert sich , dass er nicht unzählige Augen hat wie die zwölf Grossen . » Ob sie auch Kleider haben ? « fragt er leise . Doch Liwûna hört nicht , sie bittet ihn , sich einmal umzudrehen . Kaidôh thut es und schaut in einen dunklen Raum , in dem unzählige eckige Sterne funkeln , die stellenweise ganz dicht zusammen stehen - aus Sternwolken . » Die Stemwolken , « bemerkt die Liwûna , » sind auch Sternriesen - die kommen langsam näher . « Kaidôh zieht den Kopf ein , als fürchte er sich vor den grossen Weltgestalten . Er kommt sich so klein vor wie ein Wurm , obgleich er weiss , dass er viele Tausend Schneesterne auf seinem Rücken trägt wie die Liwûna . Er wendet sich wieder zur Diamantenbank und sucht die karminroten Streifen an den Riesenkörpern zu zählen und findet sehr viele , sie sitzen immer neben helllila eiförmigen Flecken . Er glaubt , das seien besondere Sinne und lässt das Zählen . Seine Gedanken verwirren sich , und er bittet die Liwûna , ihn weiter zu führen . » Führe mich weiter , « sagt er , » durch das grosse Labyrinth deiner Weisheit - ich finde mich da nicht zurecht . « Liwûna bedeutet ihm , dass sie gradeaus unter der Bank durchmüssten , oben hinüber ginge es nicht . Und Zähne klappernd schwebt Kaidôh dahin . Und nach langer Zeit nähern sie sich den unteren Gliedmassen der Riesen und sausen dann an ihnen vorbei unter die Bank . Kaidôh fliegt mit gekrümmtem Rücken - wagt kaum um sich zu blicken . Unter den grellsten Brillantsternen , die dicht unter der Bank wie gläserne Maschinen rasseln und rumoren , sieht Kaidôh nach unten und entdeckt in der Tiefe grosse halbkugelförmige Hügel . Die Halbkugeln haben Farbenringe am unteren Rande , um die Mitte sitzen Sterne in Zickzacklinien drauf ; als wären Perlen draufgestickt - so wirkt es . Kaidôh will wissen , was das ist . Liwûna sagt : » Das sind die Schlafmützen der grossen Riesen . Die Schlafmützen fliegen bei jeder Ratssitzung unter die Diamantenbank . Es sind sehr viele Schlafmützen - nicht etwa zwölf . « » Ist das , « fragt Kaidôh , » auch wirklich wahr ? « » Jawohl , « erwidert seine Führerin , » glaubst du etwa die Riesen hätten den Schlaf nicht auch mal nötig ? du weisst wohl garnicht , wie wichtig der Schlaf ist . « Kaidôh wagt nicht weiter zu sprechen . Und nach langer Zeit kommen sie auf der Rückseite der Bank wieder ins Freie - in eine wunderbare duftende frische Luft . Die beiden sind in einem drolligen Walde . Sie fliegen durch ein buntes Gewirr von gewaltigen Aesten . Und jeder Ast besteht wieder aus unzähligen Sternen , die sämtlich Linsenform zu haben scheinen . In der Tiefe ballen sich grosse Nebelhaufen zusammen , die lilafarbig leuchten . Kaidôh weiss nicht , ob die Nebel ebenfalls aus Sternen bestehen . Und beim Nachdenken wird ihm so anders zu Mute - er muss lachen - und er fragt lachend : » Du , sind das wirklich Bäume ? « Liwûna giebt ihm zur Antwort : » Ja , ja - das werden wohl Bäume sein . Du kannst die Bäume auch für Riesen halten und die Riesen für Bäume . Mit deinem Wortschatz wirst du hier nicht viel ausrichten . Verstehen kannst du diese grossen Weltgestalten doch nicht - und wenn du noch viel mehr guten Willen - und wenn du noch tausendmal mehr Worte hättest . Gieb dir keine unnütze Mühe - mit Worten begreift man die Welt doch nicht . Wir wollen uns nichts vorflunkern . Sieh dir lieber die Formen der einzelnen Sterne an , aus denen sich diese sogenannten Aeste zusammensetzen . Die silbernen Aeste sind ganz mit Muschel- und Schneckensternen gefüllt . « Und Kaidôh sieht sich alles genau an , und dabei schweben sie nach und nach aus dem Astgewirre raus und in eine tiefere Gegend hinein . Da schiessen sie durch flockige Nebelmassen hinunter und erblicken plötzlich unter sich einen Sternriesen , der lang ausgestreckt daliegt und zu schlafen scheint . Der Riese schläft auch wirklich , er besteht aus lauter Kugelsonnen , die fortwährend ihre Farbe verändern . Ein flirrendes Farbengewirr ! Es kann ganz schwach machen . Es huscht oft noch ein Schattenspiel durch das Opalgeflitter . Wie ein grosses Segelschiff , das strandete , liegt der grosse Riese da . Was Segeln ähnt , schwankt immer auf und nieder . Liwûna macht darauf aufmerksam , dass die Segel aus lauter Blattwelten bestehen , und dann flüstert sie geheimnisvoll : » Lieber Kaidôh , dies ist ein ganz junger Riese , der noch sehr klein ist ; er wird grade gewiegt . Die Wiege sehen wir nicht , denn sie ist viel zu gross . Aber siehst du da drüben den grossen roten Ball herniederschweben ? Siehst du , dass da viele Millionen roter Sonnen drinn sind ? Siehst du das ? « Kaidôh bejaht die Frage , und Liwûna fährt fort : » Das ist ein Blutstropfen von der Mutter des Riesen - die Mutter muss sich geschnitten haben - dort drüben die grossen Sternwolken gehören zum Leibe der Mutter . Doch stelle dir das Mütterliche ja nicht so einfach vor - ich will mich bloss kurz fassen . Na - diese Gesellschaft ist dir doch gross genug - nicht wahr , mein kleiner Kaidôh ? « Kaidôh bejaht auch diese Frage , schüttelt seinen violetten Sammtmantel , dass viele tausend Schneesterne rausfallen , und versucht , seine Zehen zu bewegen . Es gelingt ihm - und pfeilschnell gehts weiter - aber es geht ihm immer noch nicht schnell genug . Das Riesenland ist zu umfangreich . Nun sieht er unter sich ein langes , langes , goldenes Rohr - es besteht natürlich auch aus echten Sternen - aus lauter glitzernden , kantigen Sternen . Und er will wissen , was das ist . » Das ist , « versetzt die Liwûna hastig , » die grosse Sturmmaschine . Wenn wir rasch an die Spitze des Rohrs gelangen , so können wir von der Sturmwolke gefasst werden - dann würden wir sehr schnell weiter kommen - was dir wohl sehr angenehm sein dürfte . « Kaidôh nennt das Rohr eine Sternkanone . Sie schauen vorn an der Spitze in das Rohr hinein . Indessen da giebts gleich einen donnernden Knall , und in einer brennenden Wolke sausen sie dahin , dass dem Kaidôh Hören und Sehen vergeht . Als ihm die Besinnung wiederkehrt , sieht er um sich alle Lüfte voll Wolken , und die Wolken jagen sich wie die Windhunde - es blitzt und donnert ohne Pausen - der Sturm heult und pfeift und knurrt und kreischt auf - Liwûnas goldene Gewänder flattern und rauschen und knallen und knirschen . Und dazu kracht es in einem zu , als gingen in jedem Augenblick viele tausend Welten platzend entzwei . » Das sind , « erklärte die Liwûna , » die anderen Schüsse der Sturmmaschine . Durch diese Maschine wird die Luft der ganzen Gegend verbessert . Die Maschine gehört zu den berühmtesten Erfindungen des Sternriesenreichs . « Und sie fliegen in Wirbelwinden