und barg es wieder in seinem Wamse . Dann begab er sich zu seinem Pferde , zäumte es , schnallte den Mantel , führte es ein wenig gegen die Gasse vorwärts , und bestieg es . Der Krauskopf war mit ihm gegangen , und sah überall zu . Da der Reiter auf dem Pferde saß , richtete er sich auf demselben zurecht , ritt gegen den Wirt , und sagte : » Ich danke Euch , lieber Herr , für die Bewirtung , und wünsche , daß Euch Gott behüte , und alle , die bei Euch sind . « » Ich danke Euch « , antwortete der Wirt , » und wünsche Euch desgleichen , und reitet glücklich . « Der Reiter ritt nun langsam von der Gasse weg , den Krauskopf , und die ihm nachsahen , hinter sich lassend . Er ritt in der Richtung zwischen Morgen und Mitternacht fort . Er ritt wieder eine Lehne hinan , eine Lehne hinab , ein Wäldchen aus , ein Wäldchen ein , der Boden wurde immer unwirtlicher und war endlich mit Wald bedeckt . Der Weg hatte Wurzelgeflechte und Granitsteine , und das Pferd setzte behutsam seine Hufe . Da es Abend geworden war , kam der Reiter auf der Schneide eines langen von Abend gegen Morgen gestreckten Berges an . Derselbe ging mit lauter Wald in ein enges Tal hinab , und unten blitzte ein Wässerlein . Jenseits ging wieder ein noch höherer und mächtigerer Wald empor , und auf seinem Rande ragte ein Steinblock in die Höhe . - Der Reiter hielt ein Weilchen an , und sah auf den Steinblock hin . Dann ritt er in dem Walde , der vor ihm lag , hinunter . Er ritt unter den Ästen der Bäume , die um ihn waren , dahin , und mußte sich vor manchem bücken , welcher zu niedrig war . Nach einer Zeit kam er bei einem roten Kreuze an . Er hielt an dem Kreuze stille , und tat ein kurzes Gebetlein . Dann ritt er wieder weiter . Als es ganz finster geworden war , stieg er vom Pferde , nahm ihm die Zügel über den Hals nach vorwärts , ging vor ihm , und führte es hinter sich her . Von dem Kreuze hatte er noch eine kurze , aber sehr steile Stelle zu dem Wasser hinunter . An dem Wasser verbreitete sich ein Feuergeruch , der Reiter ging auf eine offene Stelle hinaus , auf welcher aus mehreren dunkeln Erhöhungen Feuerzünglein empor gingen , die die nächtlichen Tannen beleuchteten , und aus denen sich ein lichter Rauch über den Wald erhob . Seitwärts dieser Erhöhungen waren mehrere Hütten , aus denen manches Lichtlein glänzte . Der Reiter führte sein Pferd zu einer der Hütten . Als er dort angekommen war , öffnete sich die Tür der Hütte , und ein Mann und ein Weib und zwei Kinder traten heraus . » Seid Ihr da « , sagte der Mann , » wir haben Euch schier nicht mehr erwartet . « » Sei gegrüßt , Mathias « , entgegnete der Reiter , » von Passau kann ich wohl nicht in kürzerer Zeit da sein . « » So bringt nur Euer Pferd herein « , sagte der Mann , und öffnete nicht weit von der Tür ein Tor . » Margaretha , leuchte mit einem Span « , sagte er . Das Weib lief in die Hütte , und kam bald mit einem brennenden Buchenspan zurück . Sie ging mit dem Span durch das Tor ein , der Reiter mit dem Pferde folgte ihr , und hinter ihm gingen der Mann und die Kinder . Sie kamen in einen Stall . Zwei Kühe hingen in einer Ecke dicht bei einander , und für das Pferd hatte man einen freien Platz gemacht . Es wurde dort angebunden , und der Reiter und der Mann befreiten es von Zaum und Sattel . Der Reiter deckte seinen Mantel über dessen Rücken . Die Kinder schauten zu . Dann ging man von dem Stalle durch eine kleine Tür in die Stube . In der Stube stand ein hoher Pflock , der mehrere eiserne Schleifen hatte . In zweien dieser Schleifen staken brennende Buchenspäne . Die Frau steckte ihren Span in eine dritte Schleife . Der Reiter setzte sich auf einen hölzernen Stuhl . Die Frau deckte ein Linnen auf einen Tisch von weichem Holze und stellte dann eine Schüssel mit Suppe auf den Tisch . Der Reiter , der Mann , die Frau und die Kinder aßen von der Suppe . Dann sagte der Mann : » Ich werde Euch Euer Pferd besorgen , da Ihr müde sein mögt . « » Wir werden es beide besorgen « , antwortete der Reiter . Der Mann nahm einen Span , ging dem Reiter voran in den Stall , und dieser folgte ihm . In dem Stalle gab der Reiter dem Pferde von dem Futter , das schon vorgerichtet war . Dann ging man wieder in die Stube . Als dieses so oft geschehen war , als sich nötig zeigte , bis das Pferd seine völlige Pflege erhalten hatte , sagte der Mann : » Jetzt begeben wir uns zur Ruhe , und ruhet Euch recht gut . « » Ihr auch « , sagte der Reiter . Die Frau brachte die Kinder in ein Seitenkämmerlein der Stube , und der Mann folgte der Frau und den Kindern . Der Reiter schnallte sein Schwert ab , nahm seine Haube von dem Kopfe , löschte die Späne aus , legte sich angekleidet auf ein Bett , das in einer Ecke der Stube stand , legte sein Schwert neben sich , und bereitete sich zum Schlummer . Als des andern Tages die Sonne über den Wald empor ging , stand der Reiter wieder mit seiner Haube auf dem Kopfe und mit dem Schwerte an der Lende vor der Hütte . Es war ein Stückchen Feld und Wiese um diese wie um die anderen Hütten . Die schwarzen Erhöhungen , welche Kohlenmeiler waren , brannten und rauchten wie gestern . Aus der Hütte kam die Frau mit den Kindern , die heute morgens schöner angekleidet waren , und sagte : » Kommt zur Suppe , lieber Herr . « Der Reiter ging in die Stube , und alle zusammen verzehrten eine Schüssel voll warmer Milch mit Roggenbrot . Der Reiter ging dann in den Stall , und vollendete die Morgenpflege seines Pferdes . Als dieses vorüber war , sagte er : » Weil heute Sonntag ist , soll das Pferd ruhen . Ich werde in den Wald hinauf und zu dem Fels der drei Sessel gehen . Ich habe ihn gestern von dem Rande des breiten Berges aus betrachtet . Am Nachmittage werde ich wieder zurückkehren . Du , Mathias , besorge die Mittagpflege des Pferdes , wie du schon weißt . « » Ich werde es betreuen , wie das schöne milchweiße Pferd in Plan , welches Ihr gehabt habt « , sagte der Mann . » Das weiße Pferd wäre mir zu dem , was ich jetzt vorhabe , doch zu schwach « , entgegnete der Reiter . » So steckt doch wenigstens ein Stück Brod zu Euch « , sagte die Frau . Der Reiter nahm das dargereichte Stück Brod , und barg es in seinem Wamse . Dann ging er gegen das Wasser , welches in der Nähe der Hütte vorüber floß . Die Bewohner der Hütte begleiteten ihn bis an das Wasser . » Euer Mihelbach fließt recht schön an deiner Hütte vorüber « , sagte der Reiter . » Ja « , erwiderte der Mann , » zuweilen aber nicht oft auch in dieselbe hinein . « » Nun gehabe dich wohl , Mathias , und Ihr auch , Frau , mit Euern Kindlein « , sagte der Reiter . » Gehabt Euch wohl , junger Herr « , antwortete der Mann . » Erhitzt Euch nicht zu sehr , und kommt gesund wieder zurück « , sagte die Frau . » Es wird schon so geschehen « , erwiderte der Reiter . Dann ging er auf dem flachen Holzstege über das Wasser , die andern gingen gegen die Hütte zurück . Jenseits des Wassers ging er in dem Walde empor . Der Himmel war ganz blau , und man konnte die Waldglocken von Rindern und manchen Schrei eines Vogels hören . Der Reiter wich zuweilen von dem Pfade ab und ging auf eine Waldblöße hinaus . Auf einer solchen Waldblöße , auf welcher kurzes Gras und kleine weiße Blümchen waren , und an deren Rande große Ahorne standen , lag , als die Ahorne endeten , ein sehr großer Stein , fast so groß als ein Haus , als wäre er von Menschenhänden hingelegt worden , und an dem Steine stand eine ungemein hohe Tanne . Der Reiter kniete an der Tanne nieder , und verrichtete ein Gebet . Als er gebetet hatte , stand er wieder auf , und ging am Rande der Blöße weiter . Er kam wieder zu Ahornen , unter denen abermals Steine lagen , aber kleine , als wären sie zum Sitzen hergelegt worden . Der Reiter versuchte die Steine als Sitze , und sie taugten . Da er wieder aufgestanden war , und weiter gehen wollte , hörte er plötzlich Stimmen . Es war ein Gesang so klar und schmetternd wie von Lerchen . Es waren aber nicht Lerchenstimmen , sondern Menschenstimmen , Mädchenstimmen . Sie sangen jenes Lied ohne Worte , in welchem im Walde und in Bergen das Herz sich in allerlei Schwingungen der Stimme , im Stürzen und Heben derselben , im Wandeln und Bleiben ausspricht . Es waren zwei Stimmen , die im Vereine und in Verschlingungen klangen . Sie erklangen , hoben sich , senkten sich , trugen sich , trennten sich , neckten sich , schmollten und jubelten . Es war die Lust und Freude , die sie tönten . Der Gesang schien näher zu kommen . Mit einem Male traten zwei Gestalten aus den Tannen hervor , und standen am Rande derselben Blöße wie der Reiter und in nicht großer Entfernung von ihm . Sie hielten sich mit zwei Armen die Nacken umschlungen , die anderen zwei Arme hatten sie frei . Es waren junge Mädchen mit bloßen Köpfen , von deren jedem zwei Zöpfe niedergingen . An den Armen war weißes Linnen , von den Brustlatzen , die rot waren , fiel der starkfaltige schwarze Rock hinab . Eines der Mädchen trug wilde rote Rosen , neben einander stehend , um das Haupt . Das andere hatte keine Zierde . Da sie auf die Wiese getreten waren , und den Mann sahen , hörte ihr Gesang auf . Sie blieben stehen , sahen auf ihn hin , und er stand gleichfalls , und sah auf sie . Dann begann er langsam gegen sie hin zu gehen . Sogleich trat das Mädchen , welches keine Rosen hatte , in den Wald zurück , das andere blieb stehen . Der Reiter ging zu demselben hin . Da er bei ihm angekommen war , sagte er : » Was stehst du mit deinen Rosen hier da ? « » Ich stehe hier in meiner Heimat da « , antwortete das Mädchen ; » stehst du auch in derselben , daß du frägst , oder kamst du wo anders her ? « » Ich komme anders wo her « , sagte der Reiter . » Wie kannst du dann fragen ? « entgegnete das Mädchen . » Weil ich es wissen möchte « , antwortete der Reiter . » Und wenn ich wissen möchte , was du willst « , sagte das Mädchen . » So würde ich es dir vielleicht sagen « , antwortete der Reiter . » Und ich würde dir vielleicht sagen , warum ich mit den Rosen hier stehe « , entgegnete das Mädchen . » Nun , warum stehst du da ? « fragte der Reiter . » Sage zuerst , was du willst « , erwiderte das Mädchen . » Ich weiß nicht , warum ich es nicht sagen sollte « , erwiderte der Reiter , » ich suche mein Glück . « » Dein Glück ? hast du das verloren ? « sagte das Mädchen , » oder suchst du ein anderes Glück , als man zu Hause hat ? « » Ja « , antwortete der Reiter , » ich gehe nach einem großen Schicksale , das dem rechten Manne ziemt . « » Kennst du dieses Schicksal schon , und weißt du , wo es liegt ? « fragte das Mädchen . » Nein « , sagte der Reiter , » das wäre ja nichts Rechtes , wenn man schon wüßte , wo das Glück liegt , und nur hingehen dürfte , es aufzuheben . Ich werde mir mein Geschick erst machen . « » Und bis du der rechte Mann , wie du sagst ? « fragte das Mädchen . » Ob ich der rechte Mann bin « , antwortete der Reiter , » siehe , das weiß ich noch nicht ; aber ich will in der Welt das Ganze tun , was ich nur immer tun kann . « » Dann bist du vielleicht der Rechte « , erwiderte das Mädchen , » bei uns , sagt der Vater , tun sie immer weniger , als sie können . Du mußt aber ausführen , was du sagst , nicht bloß es sagen . Dann weiß ich aber doch noch nicht , ob du ein Schicksal machen kannst . Ich weiß auch nicht , ob du ein Schicksal machst , wenn du in unserem Walde auf der Wiese stehst . « » Ich darf da stehen « , sagte der Reiter , » denn heute ist Sonntag , der Ruhetag für Menschen und Tiere , wenn es nicht eine Not und Notwendigkeit anders heischt . Mein Pferd habe ich eingestellt . Ich bin in den Wald herauf gegangen , zu beten . Und für den übrigen Tag will ich versuchen , ob ich nicht zu dem Steine der drei Sessel hinauf gelangen kann . « » Das kannst du « , sagte das Mädchen , » es geht ein Pfad hinauf , den du immer wieder leicht findest , wenn du ihn einmal verlierst . Weil aber der Stein von dem Grunde , der um ihn herum ist , wie eine gerade Mauer aufsteigt , so haben sie Stämme zusammen gezimmert , haben dieselben an ihn gelehnt , und durch Hölzer eine Treppe gemacht , daß man auf seine Höhe gelangen kann . Du mußt aber oben sorgsam sein , daß dein Haupt nicht irre wird ; denn du stehst in der Luft allein über allen Wipfeln . « » Bist du schon oben gestanden ? « fragte der Reiter . » Ich werde doch , da ich so nahe bin « , antwortete das Mädchen . » Nun « , sagte der Reiter , » wenn du schon oben gestanden bist , so werde auch ich oben stehen . « » Und wenn du heute von den drei Sesseln herunter kommst « , sagte das Mädchen , » dann reitest du morgen nach deinem Geschicke weiter ? « » Ich werde weiter reiten « , sagte er ; » warum hast du die Rosen ? « » Muß ich antworten , wenn ich gefragt werde ? « sagte das Mädchen . » Wenn die Eltern fragen , mußt du antworten « , entgegnete der Reiter , » wenn jemand anderer artig fragt , sollst du , und wenn du es versprochen hast , mußt du antworten . « » So will ich dir so viel sagen , als du gesagt hast « , antwortete das Mädchen , » ich trage die Rosen , weil ich will . « » Und warum willst du denn ? « fragte der Reiter . » Für den Willen gibt es keine Ursache « , sagte das Mädchen . » Wenn man vernünftig ist , gibt es für den Willen immer eine Ursache « , erwiderte der Reiter . » Das ist nicht wahr « , sagte das Mädchen , » denn es gibt auch Eingebungen . « » Trägst du die Rosen aus Eingebung ? « fragte der Reiter . » Das weiß ich nicht « , entgegnete das Mädchen , » aber wenn du mir mehr von dir sagst , so sage ich dir auch mehr . « » Ich kann dir nicht viel sagen « , antwortete der Reiter , » ich habe eine Mutter , die in Baiern wohnt , mein Vater ist gestorben , und ich reite jetzt in die Welt , um meine Lebenslaufbahn zu beginnen . « » So will ich dir auch etwas sagen « , erwiderte das Mädchen . » Meine Eltern haben von hier weiter oben ein Haus . Wir würden es erreichen , wenn wir hier in den Wald gingen , wo ich mit meiner Gespanin herausgetreten bin , wenn wir in dem Walde nach aufwärts gingen , bis wir ein Wasser rauschen hörten , und wenn wir dann zu dem Wasser gingen , und demselben immer entgegen , dann würden endlich Wiesen und Felder kommen , und in ihnen das Haus . An dem Hause ist ein Garten , wo die Sonnenseite ist , und in dem Garten stehen viele Blumen . Und an der Hinterseite des Hauses geht ein Riegel gegen die Tannen , auf welchem viele Waldrosen stehen , und diese nehme ich oft . « » Hast du die Rosen heute aus Eingebung genommen ? Sie sind mir ein Zeichen , daß meine Fahrt gelingen wird « , sagte der Reiter . » Ich habe einen Metallring , in welchen die Rosenstiele passen « , sagte das Mädchen , » habe heute Rosen genommen , habe sie in den Ring gesteckt , und den Ring auf das Haupt getan . « » Weil wir noch mehr sprechen werden « , sagte der Reiter , » so gehen wir ein wenig an dem Waldsaume hin , woher du mich kommen gesehen hast . Da werden wir Steine finden , welche zu Sitzen taugen . Auf dieselben können wir uns setzen , und dort sprechen . « » Ich weiß es nicht , ob ich noch mehreres mit dir sprechen werde « , antwortete das Mädchen , » aber ich gehe mit dir zu den Steinen , und setze mich ein wenig zu dir . Ich kenne die Steine , ich selber habe die Sitze machen lassen . Im Sommer ist es am Vormittage dort sehr heiß , am Nachmittage aber schattig . Im Herbste ist es vormittags lieblich und mild . « Sie wandelten nun in der Richtung an dem Saume des Waldes hin , in welcher der Reiter zu den Mädchen hergekommen war . Sie hatten bald jene Steine erreicht , an denen der Reiter versucht hatte , ob sie zu Sitzen tauglich wären . Er blieb stehen , und harrte , bis das Mädchen sich gesetzt hatte . Es setzte sich auf einen glatten Stein . Der Reiter setzte sich zu ihrer Linken auf einen , der etwas niederer war , so daß nun sein Angesicht mit dem ihrigen fast in gleicher Höhe war . Das Schwert ragte zu seiner Linken in die niederen Steine hinab . Sie sprachen nun nichts . Nach einer Weile sagte der Reiter : » So rede etwas . « » So rede du etwas « , antwortete sie , » du hast gesagt , daß du mit mir noch sprechen willst . « » Ich weiß jetzt nicht mehr , was ich sagen wollte « , entgegnete er . » Nun , ich auch nicht « , sagte sie . Nach einer Zeit sagte der Reiter : » Es ist wahr , was du gesprochen hast , daß an Vormittagen die Sonne sehr mild auf diese Steine scheint . « Sie antwortete nicht . Nach einer Weile sagte sie : » Trägst du immer diese häßliche Haube auf deinem Haupte ? « » Nein , nur wenn ich sie brauche « , sagte er , » sie ist sehr leicht herab zu nehmen . « Bei diesen Worten nahm er die Lederhaube samt ihrem Anhange von seinem Haupte , und eine Fülle schöner blonder Haare rollte auf seinen Nacken herab . Die Haube legte er in das Gras . » Ach , was Ihr für schöne Haare habt ! « sagte das Mädchen . » Und was du für rote Wangen hast « , erwiderte er . » Und wie blau Eure Augen sind « , sagte sie . » Und wie braun und groß die deinen « , antwortete er . » Und wie Ihr freundlich sprecht « , sagte sie . » Und wie du lieblich bist « , antwortete er . » Sagt , wie könnt Ihr nur die Fülle dieser Haare in der ledernen Haube unterbringen ? « fragte das Mädchen . » Das mache ich so « , antwortete der Reiter , » ich fasse die Haare , halte sie mit einer Hand , und setze den Helm mit der andern darauf . « Bei diesen Worten griff er nach dem Lederhelme , faßte mit seiner Linken die Haare , hielt sie auf dem Haupte , und setzte mit der Rechten den Helm darauf . » Ach , das ist schön « , sagte sie . » Nun sind sie bedeckt « , antwortete er . » Ja , legt nur die Haube wieder weg « , sagte sie . Er nahm den Helm von dem Haupte , und legte ihn wieder an seine vorige Stelle , und die Haare flossen wieder herab . » Wenn Ihr wollt in den Kampf gehen « , fuhr das Mädchen fort , » wie werdet Ihr dann die Feinde schrecken können , wenn Ihr so freundlich blickt ? « » Wer sagte dir denn , daß ich in den Kampf gehen werde ? « fragte der Reiter . » Ich weiß es « , antwortete das Mädchen . » Nun , in meinem Geschicke werden wohl Kämpfe sein « , sagte der Reiter . » Der Kampf ist eine Ehre « , antwortete das Mädchen . » Wenn er nicht Raub und Gewalt ist , ehret der Kampf « , sagte der Reiter , » wenn man gegen feindselige Menschen den Vater , die Mutter , den Bruder , die Schwester , den Nachbar und das Volk verteidigt , ehret er noch mehr , und muß mit dem ganzen Leben geführt werden . Dazu muß man sich vorbereiten . « » Ihr habt eines vergessen , das man noch verteidigen muß « , sagte sie . » Was ? « fragte er . » Sein Weib « , antwortete sie . » Ich habe kein Weib , und habe darauf nicht gedacht « , erwiderte er ; » aber wenn man schon das ganze Volk verteidigt , so verteidigt man sein Weib mit . « » Nein , dasselbe muß man am meisten verteidigen « , sagte das Mädchen . » Nun , so verteidigt man es am meisten « , entgegnete der Reiter . » Und wie werdet Ihr dann blicken , daß der Feind weniger Herz hat ? « fragte sie wieder . » Das weiß ich nicht « , antwortete er ; » aber ich werde blicken , wie mir ' s ist , und das wird der Feind verstehen . Dich blicke ich freundlich an , weil ich freundlich gegen dich bin . « » Und da Ihr sagt , daß man sich zur Verteidigung vorbereiten muß , so habt Ihr Euch vorbereitet ? « fragte das Mädchen . » Weil ich will ein Reiter sein « , antwortete er , » so habe ich gelernt , ein Pferd zu pflegen , und darauf zu reiten ; ich habe mich im Angriff und im Schutz geübt , werde im Kriege lernen , und werde einsehen , wie man eine Schar von andern anzuführen hat . « » Wollt Ihr ein Anführer werden ? « fragte sie . » Wenn es sein kann , ja « , antwortete er . » Habt Ihr ein schönes Pferd ? « fragte das Mädchen . » Es ist nicht ein schönes , es ist nicht ein häßliches « , erwiderte der Reiter , » aber unter den guten ist es eines der besten . Es ist gesund und stark , witzig und treu . Ich liebe es , und es liebt mich wieder , und folgt mir . « » Was hat es denn für eine Farbe ? « fragte das Mädchen . » Es ist ein eisengraues Pferd « , entgegnete der Reiter . » Und warum tragt Ihr denn nicht eine Kopfzier , wie die andern hohen Männer ? « fragte das Mädchen . » Ich bin kein hoher Mann « , antwortete der Reiter , » und die Haube ist mir sehr wert . Sieh her , sie ist von der Haut des Elentieres , das weit von hier lebt . Ein Schwerthieb geht nicht durch . « Bei diesen Worten hatte er den Helm aufgehoben , und ihn dem Mädchen gezeigt . Das Mädchen sah ihn an , und befühlte sein weiches Leder mit den Fingern . » Und ist es denn nicht sehr heiß , wenn Ihr die langen Haare in der Haube tragt ? « fragte sie . » Es ist heißer , als wenn die Haare kurz sind « , antwortete er , » aber Hitze und Kälte muß dem Manne gleich sein . Bei allen alten Völkern hat man lange Haare geliebt , und sie schützen auch gegen Hiebe . « » Sind Eure andern Kleider ebenfalls von der Haut dieses Tieres ? « fragte das Mädchen . » Der Panzer ; das übrige ist geringer « , antwortete der Reiter . » Sie haben sonst auch Schienen , ich habe das Leder . « » Ihr habt Euer Schwert in den Wald mitgenommen « , sagte das Mädchen . » Ich habe es immer bei mir « , entgegnete der Reiter , » außer wenn ich zu Hause in sicherer Kammer schlafe . Schwert ist zugleich Schwert und Schild . « » Ist es schön ? « fragte das Mädchen . » Siehe « , sagte der Reiter . Er wendete die Scheide gegen sich , zog das Schwert daraus hervor , und reichte es ihr dar . Sie nahm es so , daß einen Teil der bloßen Klinge sie hielt , den andern er . » Ach , welche Zeichen ! « rief sie aus . » Das ist Sankt Peter mit der Kette « , sagte er , » wir haben ihn zu unserm Schutzheiligen , weil wir aus Rom stammen . Was du um ihn herum siehst , das ist Zierat . « » Und was ist denn das andere ? « fragte das Mädchen . » Das ist auch Zierat « , entgegnete der Reiter . » Das Bild ist ein schönes Bild « , sagte sie . » Es muß schön gemacht sein « , antwortete er , » und das Schwert muß gegen Hiebe und Gewalt gut gestärkt sein . Das wirst du nicht erkennen . « » Nein « , sagte sie . Er nahm die Scheide , hielt sie , und steckte das Schwert wieder in dieselbe . » Und nun , Mädchen , wie heißest du denn ? « fragte er . » Bertha « , antwortete sie , » und wie heißt denn Ihr ? « » Witiko « , entgegnete er , » und wie alt bist du denn ? « » Sechzehn Jahre « , sagte sie , » und wie alt seid denn Ihr ? « » Zwanzig « , erwiderte er , » ich bin neun Jahre nach der Zeit geboren worden , da der Herzog Swatopluk von Böhmen erschlagen worden ist . « » Ich habe mir gedacht , daß Ihr sehr jung seid « , entgegnete sie . » Und lebst du im Walde , Bertha ? « fragte er . » Im Walde und auch anderswo « , antwortete sie ; » ich habe Euch ja schon gesagt , daß wir weiter aufwärts von hier ein Haus haben . Dann ist noch das Häuschen des Vaters meiner Singgespanin , sonst ist nichts . « » Habt Ihr eine Kirche ? « fragte er . » Sie steht fünf Stunden von hier in der Freiung « , antwortete sie , » wenn man dann hundert Schritte von unserm Hause abwärts geht , und noch eine halbe Stunde zur Mihel zu gehen hätte , wo die Köhler sind , steht ein dunkelrotes hohes Hüttlein aus Holz , und in dem Hüttlein ist die heilige Mutter mit dem Jesuskinde aus Holz . Der Bischof hat sie geweiht . Vor dem Hüttlein stehen kleine Bänklein , daran man knieen und beten kann . Wir beten da . Hinter dem Hüttlein stehen Ebereschenbäume , und Ebereschenbäume gehen bis zu unserem Hause . Jetzt sagt mir aber auch etwas von Euch . « » Mein Geschlecht ist dunkel « , antwortete er , » es ist aber nicht immer so gewesen . « » Und wo werdet Ihr dann hingehen , wenn Ihr morgen von hier fortreitet ? « fragte sie . » In das Land Böhmen « , antwortete er . » In das Land Böhmen ? « fragte sie , » warum geht Ihr denn nicht zu dem neuen Könige Konrad oder zu unserem Herzoge Heinrich ? « » Das ist so « , entgegnete er : » im Mittage des Landes Böhmen haben meine Vorfahren im Walde gelebt . In alten Zeiten vor vielen hundert Jahren , da es