Aufstand überhoben , welchen die Ankunft des Krämers mit seinem Wagen im Lager veranlaßte . Ein Krämer , der seine Waaren auf dem Lande ausbietet , war in jenen Tagen ein willkommener Gast . Wer nicht kaufen wollte oder konnte , freute sich doch am Anschauen der Herrlichkeiten , die ausgekramt , aufgestellt und angepriesen wurden . Der wandernde Krämer war zugleich der Neuigkeitsträger , die Zeitung des Landes . Er wußte auch seine Erzählung zu Gelde zu machen . Aber es bedurfte der Erlaubniß der gnädigen Frau , und sie ertheilte sie nur nach einigem Zögern , denn sie meinte , daß die Kaufleute , wie die Pfaffen , mit ihren Waaren die Leute anführten . Indessen ist es auch für einen so unumschränkten Regenten , als Frau von Bredow in ihrem Lager war , mißlich , gegen den allgemeinen Wunsch ihrer Untergebenen anzustreben ; Evchen bat so dringend , Hans Jochem brauchte einen neuen Gurt zu seinem Degen und sie selbst blanke Knöpfe zu einem Etwas , von dem noch viel in unserer Geschichte die Rede sein wird . Zweites Kapitel . Die Beichte . » Das funkelt ja wie Silber , « sprach der Dechant , indem er einen der Knöpfe gegen das Licht hielt . » Wie wird ' s unsern Ritter freuen , wenn sie ihm so an der Seite blitzen . « » Das wäre gar ! Er darf nichts von wissen . Der Knecht soll sie stumpf reiben , daß sie wie die alten Bleiknöpfe aussehen . Die sind bei der Wäsche abgesprungen . Dann merkt er ' s nicht . « » Was merkt er nicht ? « » Daß es in der Wäsche war . « » So weiß er davon nichts ? « » Gott bewahre ! Als er in ' s Bett getragen ward und sich noch sträubte , streiften sie ihm die Büchsen ab . Da kam ich gerade zur rechten Zeit und schnappte sie weg . Wenn er ein bischen Besinnung noch gehabt , hätte er sie in die Kissen gelegt unterm Kopf , wie er immer thut seit der fatalen Geschichte an der Mühle . Wie ein Ungewitter kam er mir doch da nachgeritten , als ob ' s ein Unglück wäre , wenn die Elennshaut einen Tropfen Wasser kostete . « » War es so nöthig ? « » Nöthig ! Seit der Kurfürst Johannes Cicero zur Freite ritt , da ließ meines Götz Frau Mutter seelige sie zum letzten Mal waschen . « » Freilich , wenn das Leder schmutzig war ! « » Man konnte das Braun nicht vom Sattel unterscheiden . « » Nun der Junker ist ein gottesfürchtiger Ritter , und wenn es einmal geschehen ist , und er sie wieder rein und wohl im Stande sieht , wird er sich auch recht freuen . « » Ehrwürdiger Herr , da kennt Ihr meinen Götz nicht . Manchmal ist er ein Brummbär , aber wenn ' s ihm recht in die Quer kommt , kann er auch wolfstoll werden . Wie damals an der Mühle . Er hielt sie in der Hand gepreßt , wie ' nen Plumpsack ; so ritt er zurück und schlug um sich . Meine Eva kriegte doch ' ne Weffe um den Nacken . Acht Tage konnte man ' s sehen . « » Das liebe Kind ! Warum denn die Eva ? « » Die hatte sie ihm ja weggestohlen , als er anfing zu druseln . Sie kitzelte ihm hinter ' m Bart , wie er ' s so gern hat ; derweil reichte mir ' s der Schelm zum Fenster raus . « » Die kleine Eva ! « sagte der Dechant mit nachdenklichem Gesicht . » Nein , ehrwürdiger Herr ! er darf ' s nimmermehr wissen ; sonst gäb ' s wieder eine solche Geschichte . Er schläft . « » Noch ! Seit sechs Tagen ! « » Lieber Gott , nach solchem Gelage ! So kam er auch noch von keinem Landtage zurück . Ich denke immer , wozu sind denn die Landtage ? Und wer muß das Schmausen und Saufen bezahlen ? Das Land doch am Ende . « » Aber vor drei Tagen hörte ich - « » Da hat er sich ein bischen geregt . Nach drei Tagen thut er ' s immer . Dann giebt ihm der Casper ' ne Suppe , und dann dreht er sich wieder um und schläft noch ein paar Tage . Morgen wird er wohl aufwachen . ' S ist Alles in der Ordnung . Vetter Peter Melchior , wie lange saßen sie ' s letzte Mal in Berlin ? « » Grad ' acht Tage , Muhme . « » Nun ja , dann ist schon Alles recht . « » Der Götz hat wie ein guter Edelmann Allen Bescheid gethan , bis auf Einem . Dem Marschall that ' s ordentlich leid , daß er den Holzendorf nicht auch noch austrank . Es war so ein schöner Landtag gewesen . « » Man hört viel Rühmens davon , « warf der Dechant hin . » Einmal muß doch aber der gute Herr von Bredow aufwachen ! « » Dann liegen sie vor seinem Bett , als wenn er sie ausgezogen hätte , und er soll nicht merken , daß sie gewaschen sind . Ich lasse sie leicht durch die Asche ziehen und auf die Knie ein bischen Feuerheerdsroth . « » Base , was hilft dann die Wäsche , wenn Ihr sie wieder schmutzig macht ! « lachte der Junker auf , und auch der Ernst , in welchen der Geistliche sein Gesicht gezwungen hatte , löste sich etwas . Die Edelfrau schien zum ersten Male um eine Antwort verlegen : » Ei was , - sie sind aber doch gewaschen . « Es war ein eigenes Gesicht , mit welchem der Geistliche und die Edelfrau am Saume des Waldes auf und abgingen . Wer sie jetzt beobachtete , hätte eine Veränderung in Beider Mienen bemerkt . Der Dechant blickte ernst , mit geschlossenen Lippen , vor sich nieder , während die Edelfrau mit etwas verlegenen Blicken ihn zuweilen ansah . » Und es trieb wirklich meine Frau von Bredow noch nicht zur Beichte ? « sagte er den Kopf schüttelnd , doch nicht in unfreundlichem Tone . » Hier im Walde ? « » Auch der Wald ist Kirche , wenn das Herz drängt eine Schuld zu bekennen . « » Hochwürdiger Herr , aber sie mußten doch gewaschen werden . Das Leder war versessen und braun durch und durch , daß es eine Schande war , und nicht wie ein christlicher Ritter gehen soll . Im Kriege , nun ja , da thut ' s nichts . Aber Ihr wißt ja , was er auf das alte Lederstück hält , er läßt ' s nicht los . Er wäre damit zu Hof geritten . « » Herr Gottfried reitet ja nicht mehr zu Hofe . « » Aber zu Kindelbier , zu den Landtagen . Ja zum hochwürdigsten Bischof ritt er , mir zur Schande Mariä Lichtmeß , auf den Dom nach Brandenburg in den Büchsen , und wie er beim Heimreiten dreimal vom Prallstein aufsteigen mußte und dreimal runter fiel - « » Ist dem von Kerkow auch begegnet . Auch Wilkin Stechow . Der Bischof hat herrschaftlich auftischen lassen . « » Aber die Weiber haben nicht über sie gelacht ; sie trugen reines Zeug am Leibe . Daß mein Gottfried vom Prallstein fiel , thut ihm auch keine Schande , und dem Bischof thut ' s Ehre ; aber die Weibsen , die schnippischen von Brandenburg , haben sich zugezischelt : ob ' s denn in Hohen-Ziatz kein Wasser gebe ! Das ging auf mich , das ist meine Schande . Das konnt ' ich als ehrliche Frau nicht dulden . Mit Gutem giebt er sie ja nicht . Ihr wißt warum . Ist denn Waschen eine Sünde ? « » An und für sich betrachtet , ist Reinlichkeit sogar eine Tugend , aber jede Tugend kann durch Uebermaß zur Sünde werden . Zum Exempel wenn man am Sonntag wäscht und die Messe darüber versäumt . « » Heut ist ' s ja zu Ende . « » Oder die irdische Reinigung für wichtiger hält , als die der unsterblichen Seele . Wie meine Frau von Bredow treffend bemerkte , hat der Herr das Wasser geschaffen zum Waschen , und gleichwie der Mensch durch ' s Wasser muß , d. h. durch die Taufe , zum ewigen Heil , so mag aller Creatur das Waschen zu ihrem zeitlichen dienen . Ja , es ist nichts Schlimmes dabei , so der Mensch die Geschöpfe , die ihm untergeben sind , dazu zwingt . Er mag die Pferde und Schafe durch die Schwemme treiben , denn von selbst gehen sie nicht , auch seine Kinder bürsten und begießen , auch wenn die Kleinen sich sträuben und schreien . Auch ist nichts natürlicher , als daß eine gute Hausfrau das Kleidungsstück , auf welches ihr Eheherr so viel giebt , einmal gereinigt wünscht , selbst , wenn er es nicht wünscht . Es ist sogar löblich ; ja zugeben möchte ich , daß sie als Hausfrau ein Recht hätte , es in die Wäsche zu thun gegen den eigentlichen Willen des Mannes , ich meine , wenn er das Verbot nicht bestimmt ausgesprochen hätte . Aber in diesem Falle hatte er es gethan . Nicht wahr , er jagte es Euch damals an der Färbermühle ab , und war sehr zornig ? « » Das wohl , ehrwürdiger Herr , aber - « » Ihr unternahmt es dennoch : einmal gegen seinen Willen , wohl wissend , wie sehr es ihn kränken mußt , welchen Werth er darauf legte , daß Niemand ihm das Kleid berühre . Ihr nahmt es auch gegen seinen Willen , mit einer Hinterlist , die sogar an einen Diebstahl erinnert , während er schläft oder seiner Sinne nicht mächtig ; ja mehr noch : die eigene Tochter habt Ihr verleitet mitzuspielen , sie mußte , während sie dem Vater schmeichelte , ihm hinterrücks das Kleidungsstück entwenden . Ei , ei ! welche Saat in das unschuldige Herz eines Kindes gestreut ! Das alles zusammen genommen , erwäge meine Tochter und antworte sich dann selbst , ob das nicht gegen das Gesetz ist , das den Mann über die Frau setzte , nicht gegen die christliche Moral , die keine Arglist will , Summa , ob es nicht eine Sünde ist ? « Der Dechant war stehen geblieben . Auch die Edelfrau war stehen geblieben . » Ja , ehrwürdiger Herr , sie mußten aber doch gewaschen werden . « » Warum ? « » Warum ! Ja , ich will nicht sagen , darum , weil sie schmutzig waren . Denn meinethalben hätten sie ' s bleiben mögen bis an den jüngsten Tag , wenn er ein so eigensinniger Narr ist . Aber konnt ich ' s mir denn selbst vergeben , wenn er mir länger zum Gespött so rum ging ! Seine Ehre ist ja auch meine , seiner Kinder Ehre . Ein Hauswesen ohne Ordnung ist kein Hauswesen . Ja , nur der Kinder wegen ! Es war meine Pflicht als Mutter . Es ging nicht anders , Herr Dechant . Aus purer guter Absicht hab ich ' s gethan . « » Darum also . « Die Edelfrau wußte nicht , wie sie den Blick verstehen sollte . » Die großen Herren in Friesack , wenn sie einmal in die Zauche kommen , oder wir kommen mal alle Jubeljahr zu ihnen , ach man muß sich ja in der Seele schämen ! Wir sind doch ein Blut , aber wie sehen sie uns über die Achseln an ! Nun ja , lieber Gott , wir haben kein Schloß Friesack , wo sie mit Hellebarden stehen an der Treppe und das Herz Einem manchmal ordentlich puckert , wenn man auf die Teppiche tritt . Schnäbelschuhe , das schickt sich nicht für unsereins . Der alte Herr Bodo mit seinem weißen Haar , der ist schon freundlich . Aber die jungen Herren , wenn sie so dastehen , die Hände zur Seite in den Pluder gesteckt und uns ansehen , es fehlte ihnen nur noch ein Rauchstück im Maule , wie der Menschenfresser aus der neuen Welt , von dem sie erzählen thun . Siebzig Ellen Tuch hat der älteste darin stecken , der zweite sechzig , und so geht ' s runter , nicht aus Brandenburg , feines holländisches , geschlitzt ist ' s , und mit bunter Seide gefüttert ; wenn sie galloppiren , glitzert ' s in der Sonne wie Wolken von Morgenroth , und mein Götz dagegen in dem alten Leder ! « » Wenn Ihr es ihm vernünftig vorhieltet , was sagte er dazu ? « » Er sagt , um solche Hosen sollte man mal den Beinharnisch schnallen . Aber wie oft kommt es noch ! Fehden soll ' s ja nicht mehr geben ! Wir verbauerten ganz , sagen die von Friesack . Das soll man von leiblichen Vettern sich sagen lassen , und hat ein christlich Herz im Leibe . Weil wir nicht reich sind ! « » Es ist gewiß ein löblich Streben , vor den Blutsfreunden in Ehren zu bestehen . « » Ach , Herr Dechant , wer auf sich hält vom Adel , der schafft sich Pluderhosen an . Und wenn wir nach Berlin reiten , die Bürgersleute schon , was prunkt das in Tuch und Seide , und wie sehen sie uns an ! Wir haben nicht viel , aber ehrlich und adelig sein , das ist unsere Schuldigkeit . Und verlange ich denn , daß mein Herr Pluderhosen anlegen soll ! Ich weiß ja , was das kostet . Unvernünftig bin ich nicht . Nur was zur Ordnung gehört . Weiß ich nicht so gut wie Jeder , was sie von uns im Schloß zu Köln denken . Mein Götz liegt nicht auf der Landstraße . Seit wir Mann und Weib sind , ein einzig Mal hat er mit Adam Kracht Einen von Magdeburg geworfen . Seitdem nimmer mehr . Ich halte nichts davon , und wenn ' s auch nicht so streng verboten wäre . Was kostet das Halten von Rüstzeug , die Knechte und Pferde , und unsicher bleibt ' s immer , und wie oft lohnt es denn , wenn sie wochenlang in der Haide lungern und fangen solchen Schelm von Krämer . Die andern schlagen ihre Waaren dafür auf , man muß ' s doppelt bezahlen , wenn man ' s braucht . Ich kenne das , wer nicht hören will , mag fühlen . Die Itzenplitz sind wieder wie toll draußen und könnten so gut leben . Seine kurfürstlichen Gnaden haben neulich zu Spandow gesagt , sie könnten ' s jedem Edelmann anriechen , wer im Graben liegt . Darum sehen sie Jeden mißtrauisch an , der in Leder geht , und nun gar in solchem Leder ! Da kommen wir in schlechten Leumund , ohne Schuld , und können nichts dafür . Bei den heiligen eilftausend Jungfrauen , Herr Dechant , man muß auf sich halten und wenn ' s der Mann nicht thut , muß die Frau . Es ging nicht anders . « Der Dechant schlug die Hände zusammen und in väterlichem Tone sprach er : » Meine liebe Frau von Bredow , wer wollte denn daran zweifeln , daß es nicht anders ging . Ihr thatet es für Eure Kinder , Eure Sippschaft und Euren Gatten . Ihr waret es ihnen sogar schuldig . Ein Edelmann muß vor den Menschen , von denen die Ehre ausgeht , in Ehren bleiben . Wohlverstanden , vor den Menschen , denn der Herr im Himmel sieht durch jedes schmutzige Kleidungsstück auf den reinen Körper und durch den Körper auf die Seele . Aber die Menschen urtheilen nach dem Schein . Wäret Ihr auf einer wüsten Insel , und der Waschteufel hätte Euch geplagt , die Kleider Eures Mannes zu stehlen , um sie zu reiben und zu spülen ; da wäret Ihr im Unrecht , Ihr hättet es gethan nur um Eurem Waschkitzel zu fröhnen , wie es Weiber Art ist . Hier aber ist es ganz etwas anderes . Hier hattet Ihr Rücksicht zu nehmen auf Nachbarn , Blutsfreunde und das Ansehen der Familie , ja mehr noch auf den jungen Kurfürsten und seine Räthe , welche in dem vernachlässigten rohen Anzuge ein Zeichen roher Gesinnung erblicken . Ihr setzet den , der Euer Herr sein soll , der Gefahr aus , mißliebig vom Hofe betrachtet zu werden , ja daß er beim nächsten Anlaß gefahndet , gerichtet , vielleicht gar verurtheilt werde . Denn Niemand weiß , wozu in diesen schlimmen Zeiten kleine Dinge führen . Sichtlich wollte der Herr , darf man sagen , durch Eure schwache Hand das Haupt Eurer Familie retten , Schmach , vielleicht Blutschuld von ihr abwenden . Sichtbar wird da eine Kette von Fügungen , die wir recht betrachten müssen : daß der gottesfürchtige Herr Gottfried sich in einen Zustand versetzen mußte , wo er nicht mehr Herr seines Willens war , daß er hinauf getragen ward , als meine Frau von Bredow gegenwärtig war , daß sie über den Gang kommen mußte , grad ' als sie ihn entkleideten , daß der Allmächtige gerade auf das bewußte Kleidungsstück ihr Auge lenkte , dergestalt , daß sie es rasch aufgriff , bevor der mit dem Willen seines Herrn vertraute Diener es merkte und in Verwahr brachte . Und die große Herbstwäsche mußte zur selbigen Zeit sein . Das sind Alles Winke von oben wie eine Kette in einander gefügt , die uns irrenden Menschenkindern Zuversicht und Trost in unseren Zweifeln gewähren müssen . « » Es war also keine Sünde ! « » Sagte ich das , meine Freundin ! Aber sintemal jedes Ding zwei Seiten hat , und alles Irdische dem Wechsel unterworfen ist , also sind es auch unsere Handlungen und Pflichten , und wir von der Vorsehung angewiesen , auch die andere Seite in ' s Auge zu fassen , ehe wir urtheilen . « » Sie trocknen aber schon . Hans Jürgen steht bei der Leine Wacht , « sagte die Frau von Bredow , die wirklich nicht wußte , was sie sagen sollte . - » Was soll ' s nun aber , Herr Dechant ! « » Nur uns erinnern , meine Freundin , daß wenn wir Jemand etwas verstecken sehen , ehe wir ihn darum verdammen , uns zu bedenken , ob wir nicht selbst etwas Anderes versteckt halten , erinnern , daß die Sünde uns Sterbliche von allen Seiten anschleicht , und daß , was auf dieser Betrug scheint , auf jener Fügung in Gottes Willen ist ; daß diese Fügung uns aber als letztes Ziel vor Augen schweben muß bei allen unsern Wegen , und daß , wenn wir mit allen den Kräften , so der Herr uns gab , in guter Absicht auf das Ziel losgehen , eine christliche Frau noch nicht zu denken braucht , daß wir auf des Teufels Buckel dahin reiten . « Das war nun wohl der Frau von Bredow verständlich , aber wo es hinaus sollte , doch noch nicht ganz . Ihre Frage verrieth es : » Wenn ' s Sünde war , ich meine , das von der Seite , soll ich ' s denn meinem Götz sagen ? « Der Dechant faßte vertraulich ihre Hand und klopfte mit seiner darauf ! » Ich meine , wir bleiben vorläufig auf der anderen Seite stehen . « » Aber mit Küchenroth soll ich sie nicht wieder bestreichen ? « » Wenn das die Täusch - ich wollte sagen den stillen Glauben unseres Herrn Gottfried länger erhält , warum nicht . « » Doch die Eva - das Kind , mein ' ich - ob die den Vater - « » Sie wird doch nichts ausplaudern ! Wenn meine Freundin es ihrem kindlichen Sinne nur recht vorstellt - « » Was ? « » Ei nun , « - der Dechant hatte den Arm der Edelfrau in den seinigen gelegt , um sie nach dem Lager zurückzuführen , wo es laut wurde - » das wird meine Frau von Bredow am besten wissen , wie man den Sinn eines Kindes über kleine Bedenklichkeiten hinüberführt zu seiner höheren Pflicht gegen die Eltern , ich meine zumal gegen die Mutter . « Drittes Kapitel . Die Waschbank . Auch die Sonne hat ihre Flecken , auch die beste Haushaltung ihre Mängel , und was wir glauben , daß es ganz in der Richte sei , mag unmerklich wo einen kleinen Stoß bekommen haben , und der Bau wird schief . Frau Brigitte Bredow meinte , es sei Alles in Ordnung , weil sie Alles geordnet und Jeden auf seinen Platz gestellt . Aber sie hatte sich darin verrechnet , daß auch der wachsamste Wächter einmal einschlafen kann und daß der beste Mensch ein Mensch bleibt . Und wer giebt denn einem Gebietiger , ob er über ein Königreich das Regiment hat oder über eine große Herbstwäsche , das Recht , daß er nur gute und tüchtige Leute unter sich habe . Die Welt ist bunt ; wir müssen sie nehmen wie sie ist . Zwischen Riesen und Zwergen ist die Auswahl , und die Krummen und Lahmen , die Tauben und Blinden gehören auch dazu . Der Meister über eine große Arbeit zeigt sich darin , daß er Jeden hinstellt , wo er hingehört und Jeden zu nutzen weiß nach seiner Kraft und nach seiner Schwäche . Hans Jürgen ist zu nichts gut ! Darum hatte man ihn hingestellt auf die äußersten Sandhügel am Fließ , wo der Wind am schärfsten wehte . Da sollte er Acht haben . Worauf ? - Wie hatten alle den armen Hans Jürgen ausgelacht und ihm den Rücken gedreht ! Der arme Hans Jürgen ! Er hatte doch schon sechszehn Sommer hinter sich , ach nein , er zählte nach Wintern und war eines Edelmannes Sohn , eines Edelmannes , so gut als Einer in den Marken zwischen Elbe und Oder , und doch sagten die Leute auf Hohen-Ziatz , er sei zu nichts gut , und hier mußte er Wache stehen vor einem Stück alten Leders , das wie ein Galgenmann zwischen zwei Kiefern hing . Fünf Fuß war er hoch und noch einen Zoll darüber , stark genug , eine junge Buche mit den Wurzeln auszureißen ; auf das Fohlen in der Koppel könnte er sich werfen und wenn die Frau es gebot , ritt er drei Meilen ohne Sattel , um zur Sippschaft eine Botschaft zu tragen . Sein Auge war wie der Luchs , sein Bolzen traf den Vogel im Fliegen , und über Hecken und Gräben setzte er ohne Anlauf , und doch wollten sie ihn nicht ritterlich aufziehen , wie seines Standes war . Der alte Herr Gottfried sagte zwar wenn er brummig war , mit den Rittern sei es aus ; wozu sich die Sporen verdienen , da es keine Sporen mehr gebe . Aber warum ließ er Hans Jürgens Vetter , den Hans Jochem , der war nicht schlechter und nicht besser von Geburt , reiten lehren , und tanzen in Brandenburg und nahm ihn auch zum Ringelrennen mit , wo es eines gab ; ja zu einem Tournier nach Meissen hatte der alte Herr ihn ein Mal geschickt mit seinem Verwandtten , dem edlen Herrn von Lindenberg , daß er sich dort umschauen solle , was gute Sitte sei . Hans Jürgen war eine Waise ; aber Hans Jochem war ja auch ohne Vater und Mutter . Herr Gottfried und sein Eheweib hatten beide Kinder , ihre Vettern , zu sich genommen in ihr Haus und versprachen sie als ihre Söhne aufzuziehen . War es darum , daß Hans Jochem von der Mutter noch eine fette Erbschaft liegen hatte , die ward verwaltet beim Dom zu Havelberg , und Hans Jürgen war blutarm ? Die Edelfrau hatte doch gesagt , als sie die Waisen in ' s Schloß nahm , sie sollten sein , da der Herrgott ihr und ihrem Gottfried keine Söhne geschenkt , als ihre eigenen Söhne , und viel Liebes und Gutes hatte sie noch gesprochen über die armen Kindlein , denen der Herr erst die Mütter genommen und dann die Väter . Die Edelfrau war eine wackere Frau , und was sie sprach , das meinte sie ; aber Worte sind Wind , wenn die Thaten nicht darauf folgen , und der Sinn des Menschen ist wandelbar . Hans Jochem hatte ein glatt Gesicht und ein paar muntere Augen , er wußte es Allen recht zu machen , und sie lachten und waren ihm gut ; aber Hans Jürgen - man weiß nicht , wie man mit ihm dran ist , sagten , die nichts Schlimmes sagen wollten . Böses wußte man nicht von ihm , aber warum that er nichts Gutes ? Andere hätten fragen mögen , aber warum that er nicht , was gut war , daß es die Leute sahen ? Er ist tückisch , sagten Einige , denn er thut das Maul nicht auf . Aber wenn er es aufthat , ließen ihn die Anderen nicht zu Worte kommen . Er kann nichts Gescheidtes vorbringen . Er hatte ja nicht Zeit dazu ; sein Mundwerk ging langsam , und wenn er anfangen wollte , setzte ein Anderer fort , was er sagen wollte , aber nicht wie er es wollte , und wenn er ein ernstes Gesicht machte , lachten sie aus vollem Halse . Ihm fehlen die Gedanken , sagte der Dechant . Sie ließen ihn ja nichts denken , dachte Hans Jürgen . Glatt war sein Gesicht nicht und munter seine Augen auch nicht ; es lag darin ein Ausdruck , ich weiß nicht wie , aber die Leute sagten , das ist ein verdrossener Bursch oder er ist schläfrig . Wenn Hans Jürgen das Bild lange im Fließ sah , wurde das Gesicht allmälig ein anderes , und es tropfte etwas in ' s Wasser . Aber nur auf einen Augenblick , denn gleich darauf war es ganz roth , und ärgerlich wischte er mit dem Ellenbogen über die Augen : » ' S ist gut , daß das Keiner gesehen hat , « murmelte er und warf sich in die Brust . Aufgerichtet ging er , den Hals weit aus den Schultern , am Fließe auf und ab und dachte wieder : » wenn ich auf einem gerüsteten Pferde säße , wir wollten doch sehen , ob ich nicht auch ein Ritter würde . « Aber wenn das laute Gelächter von drüben herschallte , war ' s , als fuhr er wieder zusammen . Die andern spielten Plumpsack mit den nassen Tüchern , sie neckten , haschten und warfen sich , wie lustige Kinder thun , denen jede Arbeit zum Spiele wird . Wer allein ist , hascht und neckt sich nur mit seinen Grillen und bösen Gedanken . Nicht , daß er Stund aus Stund ein bei dem Leder Schildwacht hätte stehen müssen , und keinen Fuß breit fortgedurft , aber er gehörte doch nicht zu den anderen . Wäre er zu ihnen getreten , sie hätten ihn nicht fortgewiesen , aber er wäre immer an der Reihe gewesen beim Suchen und Haschen , und wenn die Knechte die großen Decken spannten und loosten , wer in die Luft fliegen sollte , so wußte er , das Loos hätte ihn getroffen . Er wußte auch , daß die Andern dachten , er sei muckisch , er halte nicht zu ihnen , weil er was für sich sein wollte . » Und das will ich auch , « brach ein verstohlener Gedanke unwillkürlich aus seiner Brust , » laßt mich nur älter werden und größer , « und dabei stieß er den kurzen Jagdspieß so fest vor sich , daß er mit dem stumpfen Ende in dem Boden wurzelte . Es war ganz still geworden , die Abendluft wehte drüben durch die Elsenbrüche ihm recht erquicklich auf das heiße Gesicht . Von dem fernen Kloster Lehnin klang die Abendmette . Er schüttelte den Kopf : » Nein , ein Mönch will ich nicht werden . « - » Auch so Einer nicht , « setzte er nach einer Weile hinzu , als er den Krämerwagen in das Lager einbiegen sah . Wie schon über den Gedanken unwillig , wandte er ihm rasch den Rücken . Der Wind , der zwischen den Hügeln sich fing , fuhr ihm entgegen , und er empfand einen heftigen Schlag in ' s Gesicht . Hans Jürgen hob zornroth den Arm - aber es war kein Lebendiger , der es sich erfrecht , auf ihn zu schlagen , kein Mensch , kein Arm , den er wieder schlagen konnte , es war das Stück Wäsche , davor er Schildwacht stand . Aufgeschwellt von der Luft , schwenkte es hin und her , und die willenlosen nassen Beinriemen waren ' s , die ihm um die Ohren peitschten . Es zuckte ihm durch die Finger , er war wieder hochroth , aber jetzt war es Scham wie Zorn und schon hob er die Hand auf nach dem verdrießlichen widerwärtigen Leder : » Mag der alte Herr Götze , « dachte oder kochte es in ihm , » auf dem bloßen Sattel reiten , ich will nicht länger Fahnenwache stehen vor seinen Büchsen ! « Die schöne , feingegerbte Elennshaut , so sauber gewaschen , geklopft , gerieben und gebürstet , war in Gefahr , in den Sand geworfen zu werden , wenn nicht ein Schrei ihm in ' s Ohr geklungen hätte . Ein durchdringender , feiner Schrei