seine Art war . » Meieli , « sagte die Bäurin , » geh und sage ihnen , ich gehe voran , und sie sollten nachkommen und machen , daß sie in der Kirche seien , ehe es verläutet habe , und nicht so hintendrein in die Kirche schießen wie aus einer Büchse . « Und sie wandelte stattlich voraus , den hübschen Buben an der einen Hand , das hübsche Mädchen an der andern ; in des Buben Kappe ein Pfingstnägeli , um dessen Hals ein rotseidenes Halstuch ; das Mädchen unter einem schönen Schaubhütli , ein schönes Meieli im Corset , während in der Mutter stattlichem Brustlatz ein schöner Rosmarinstengel sich wiegte und in ihrem Gesichte wohl erlaubte Mutterfreude . Eine Viertelstunde nachher schossen den gleichen Weg zwei Mädchen mit Gesichtern wie angelaufene Krebse . Plötzlich stand das größere still und fragte : » Hast du das Salzsäckli ? « » Nein , « sagte das andere , » ich habe gedacht , du hättest es . « » Das verfluchte Salzsäckli ! « sagte das erste , » ich wollte , der Meister müßte es unküchelt fresse . Du mußt gehn und es holen . Aber lauf , was du magst , sonst balget die Meisterfrau , wenn wir so hintendrein kommen . « Es ging hier auch wie allenthalben in der Welt , die Meisterjungfere hatte es vergessen , die untergebene Magd mußte die Mühe haben , es zu holen , und das ist eben in der ganzen Welt so : wenn der Obere etwas Dummes macht , so soll der Untergebene daran schuld sein oder es wieder gut machen . Unterdessen war der Meister mit Barten fertig geworden , hatte im Stall sich umgesehen , stund im Schopf , eine Pfeife stopfend und Sinns , auf das Bänkli vor dem Stalle sich zu setzen und hier dem Uli , der noch im Stall war , ans Herz zu greifen . Während er so dastund und stopfte und über das Kapitel sann , sah er ein Wägeli von der Straße ablenken , ein stattlich Roß davor mit schön beschlagenem Geschirr , Leute darauf , große und kleine . Bald erkannte er seine Schwester , die mit seinem Schwager kam und drei Kindern , eines noch an der Brust . Mit herzlichem Gottwillche trat er ihnen entgegen , konnte sich aber nicht enthalten , zu denken , es sei doch ds Tütschels Sach , daß seine Frau heute hätte zKilche gehen müssen . Nachdem mit Mühe das Weib den schweren Weg vom hohen Wägeli auf den Boden gefunden , die Kinder ebenfalls , wurde gefragt : Wo er seine Alte habe ? Es sei alles zKilche , sagte er , aber sie sollten nur hineinkommen , sie werde bald wieder da sein . Er führte sie zum Hause ; doch brachte es der Schwager nicht übers Herz , dem Uli , der das Roß abgenommen hatte , nicht in den Stall nachzugehen , zu sehen , wo er das Roß hinstelle , wie er es abschirre und anbinde , und zu hören , wie Uli es rühme . Das Letztere tat Uli auch . Es war ihm offenbar ein Stein vom Herzen gefallen , denn er hatte des Meisters Absicht wohl gemerket , und daß diese jetzt vereitelt war , machte ihn freundlicher , als er die ganze Woche gewesen . Drinnen hatte der Bauer seinem Meitschi befohlen , ein Kaffee zu machen . Er selbst ging in den Keller , nahm Nidle ab , hieb Käse ab und brachte alles nebst einem tüchtigen Laib Brot herauf und stellte es dem Mädchen zur Verfügung , das sich gar emsig rührte und für ein ganzes Königreich diese Gelegenheit , der Mutter und der Gotte zu zeigen , was es schon verrichten könne , nicht gegeben hätte . Bald war in der Tat die Sache zweg , und die Gotte ermangelte nicht , das Annebäbeli zu rühmen , wie gleitig es sei und wie guten Kaffee es gemacht habe . Einmal ihr Lisabethli wäre das nicht imstande gewesen und sei doch siebenundzwanzig Wochen älter . » Trini , « sagte später der Bauer seiner Schwester , » dPredig ist aber lange nicht aus und du tätest mir ein Gefallen , wenn du kücheln wolltest . Meine Alte wird froh sein , wenn sie heimkömmt und das gmacht ist . Es ist Anken im Keller , ich will ihn dir hinaufholen . « » Nein , Johannes , das tue ich nicht , « sagte Trini . » Das manglet sich gar nicht z ' küechle , und dann küchle ich nicht in einer fremden Pfanne und mit fremdem Anken . Ich hätte es auch nicht gern , wenn mir jemand über meine Ankenkübel ginge . « » Du machst dich eigelicher als unsere Frau Pfarreri , « sagte Johannes . » Warum , was hat denn die gemacht ? « fragte Trini . » Ds Pfarrers sind letzthin hier gewesen , und da war meine Alte auch nicht daheim . Sie geht manchmal so lange nicht von Haus , aber allemal , wenn sie fort ist , dünkt mich , es komme jemand . Da habe ich ds Pfarrers gesagt , es sei mir gar leid , meine Alte sei nicht daheim , sonst hätte die ihnen eins küchlen müssen . Ich wisse wohl , Küchleni seien den Herrenleuten seltsam . Oh , sie wolle schon küchlen , sagte ds Pfarrers Frau , ich solle ihr nur Anken geben , das Mehl wolle sie schon finden . Und ist sie nicht gegangen und hat geküchelt , daß man es im ganzen Dorf gschmöckt hat , und hat noch geglaubt , was sie verrichte . Wohl , da hat meine Alte etwas gesagt , als sie heimgekommen ist . So uverschant , meinte sie , sei sie doch nie gewesen , wenn sie schon nie im Welschland gewesen und Gumpernantlis gelernt habe . « Während Trini lachte , ging der Bauer hinaus und sagte Annebäbeli : Es müsse noch mehr Fleisch in den Hafen und ein stattliches Hammeli , und dann solle es der Mutter alles zwegmachen zum Küchlen . Annebäbeli wäre im Zuge gewesen und hätte gerne selbst geküchelt , um zu zeigen , daß es das auch könne . Wer weiß , was Annebäbeli noch unterfangen hätte , wenn nicht glücklicherweise die Mutter dazwischengekommen wäre . Sie kam im Schweiß ihres Angesichts . Sie hatte von weitem das Wägeli vor dem Hause stehen sehen , und alsobald stund vor ihren Augen alles , was sie noch zu tun hatte , um am Mittagessen mit Ehren bestehen zu können . Das trieb zur Eile , und unterwegs dachte sie immer : wenn sie nur daran gedacht haben , noch mehr Fleisch überzutun , wenn ich jetzt schon wollte , so wird es nicht mehr lind ; aber das kommt meinem Mann nicht in Sinn , und Annebäbeli ist einmal noch z ' jungs . Und ehe sie in die Stube kam , sah sie noch über die Häfen , und als sie das hinzugekommene Fleisch und die Hamme sah , war sie ganz verwundert und sagte : Das hätte sie nicht geglaubt , daß das eim zSinn käme . Als drinnen schön gegrüßt worden war , sagte Trini : » Was hättest du gesagt , Eisi , wenn ich es gemacht hätte wie eure Frau Pfarrerin und dir über die Ankenkübel geraten wäre ? Der Johannes hat mich wollen dahinterreisen . « » Ja , das wär mir ganz recht gewesen , « sagte Eisi , » wärest du nur dahintergegangen ! « Aber im Herzen dachte Eisi doch , es sei besser , Trini habe das nicht gemacht , es hätte saure Augen gegeben , und der Johannes sei hie und da noch immer so dumm , wie wo es ihn bekommen . Ds Mannevolk sei gar nicht zu erbrichten . Mit Schwitzen und Essen und Brummen über die Mägde , welche mit ihrem Salzsäcklein gar nicht heimkommen wollten , ging der Mittag vorüber ; der Nachmittag wurde mit anderem zugebracht . Die Kinder handelten mit Küngelenen . Des Johannes Bube verkaufte dem andern eine aschgraue Mähre um drei Batzen . Als derselbe ein schönes ledernes Säckeli hervorzog und die drei Batzen hervorblechen wollte mit fröhlichem Herzen , denn er hatte einen ganzen Batzen abgemärtet und glaubte einen sehr guten Kauf gemacht zu haben , sah es Eisi und fuhr dazwischen und wollte es absolut nicht tun , daß er die aschgraue Mähre bezahle : Sie hätten ja deren Küngeli mehr als genug , sie hätten des Jahres Junge , es wisse kein Mensch wie oft , und er solle ihm nicht ds Hergetts sein und einen Kreuzer abnehmen , das hätte ja keine Gattig . Das Bübli , das aufrecht und ehrlich gehandelt hatte und von Küngeliverehren nichts wußte ( denn es hatte den Vater auch nie Kühe und Pferde verehren sehen , sondern verkaufen ) , machte ein sehr verblüfftes Gesicht , und das Weinen war ihm nahe . Trini nahm des Buben Partie , wollte es lange nicht tun und sagte : Gehandelt sei gehandelt , und es wäre uverschant , wenn sein Bub das Küngeli umsonst nähmte . Als aber Eisi standhaft blieb ( ging es doch nicht über seine Kasse aus ) , gab endlich Trini nach unter dem Beding , wenn sie ihm versprechen wollten , bald zu ihnen zu kommen , so könne ihr Bub die aschgraue Mähre nehmen ; er müsse aber dann dem Johannesli einen hasengrauen Bock geben , ein Fotzelküngeli , sie hätten deren Böcke zwei , die plagten einander nur . Als das Johannesli hörte , vergaß er das Weinen , und der hasengraue Fotzelbock kam ihm so lange im Traum vor , bis er ihn wirklich in Händen hatte . Auf dem Wege aus dem Garten nach den Pflanzplätzen waren Trini und Eisi zufällig zu diesem Handel gekommen . Eisi machte diesen Spaziergang diesmal nicht ganz so freudig wie sonst . Die Erdflöhe waren hinter dem Flachs gewesen , und das Werch war etwas ungleich . Trini rühmte aber alles gar sehr , während Eisi es ausmachte . Trini dachte freilich bei sich , während es rühmte : zur Zeit , wo es daheim gewesen wäre , hätten sie viel schönere Sachen gehabt als jetzt , und Kabislöcher , wie es sie daheim habe , seien hier auch keine . Als es den Flachs sah , dachte es bei sich : Gottlob , der ist noch viel schlechter als der meine ! Indessen sagte es dieses nicht , sondern : Es sei gar schade , daß die Erdflöhe so viel geschändet hätten ; es wäre sonst der schönste Flachs , den es in diesem Jahre noch gesehen ; der seine sei viel leider . Aber Eisi sagte , das würde kaum möglich sein . Gar schöne Rübli bewegten Trini etwas zum Neid , und es rühmte dieselben besonders und sagte : Bei ihnen herum hätte es nie solche gesehen , und wenn es von dieser Art Samen bekommen könnte , so wollte es dafür zahlen , so viel man wollte ; aber es wüßte nirgends welchen zu bekommen . Eisi mußte sagen , es wolle ihm schon geben , der nichts kosten solle . Trini sagte , es wolle gerne zahlen , aber Eisi sagte : Was es doch denke ! Bei sich dachte es : es werde es niemand merken , wenn es schon andern Samen dareinmische . Endlich ließ sich Trini bewegen , vom Bezahlen abzustehen ; dagegen versprach es , es wolle , wenn sie zu ihnen kämen , Eisi Bohnen geben , wie es sicher auch noch nie gehabt . Die Kifel würden über einen halben Schuh lang , seien breit wie ein Daumen und doch so zart , daß sie einem im Maul ganz vergingen wie Zucker . Eisi dankte gar schön , dachte aber bei sich : da werde wohl etwas abzumärten sein ; es könnte nicht begreifen , wie Trini zu Bohnen käme , von denen es noch nichts gehört . Unterdessen war Johannes mit dem Schwager im Stall gewesen und hatte ihm alle Herrlichkeit gezeigt . Es war mehr als ein Pferd herausgenommen worden , und Johannes hatte gesagt , er hätte so und so viel lösen können , aber er gebe es nicht , es müsse ihm wenigstens zwei Dublone mehr gelten . Dann war der Schwager ringsum gegangen , hatte es billig gerühmt , sich aber nicht enthalten können , so mit einigen Winken zu verstehen zu geben , daß er auch Augen im Kopfe habe . Etwas mehr Kuttlen würden ihm nichts schaden , sagte er ; wenn das Zeichen etwas kleiner wäre , so würde es ihm wohl anstehen , und wenn es die Ohren etwas näher beieinander hätte , so glaube er , er würde lösen , was er wollte . Von da waren sie zu den Kühen gekommen . Johannes erzählte , wie lange jede trage und wie viel Milch jede gebe und was die und jene ihn gekostet und wie bsunderbar glücklich mit dieser und jener er gewesen . Unterdessen waren des Schwagers Blicke durch einen jungen schönen Schwarzkleb gefesselt worden . Von diesem zog er , wie im Vergeß , die genaueste Erkundigung ein und frug endlich um den Preis desselben . Johannes sagte , der sei ihm eigentlich gar nicht feil , und wenn er ihm nicht so und so viel gelte , so gebe er ihn nicht fort . Der Schwager sagte , das sei viel zu viel . Es sei wohl ein braves Rind , aber er hätte noch viel brävere gesehen ; es sei wohl schwer im Kopf und habe kein schönes viereckiges Uter , aber es kalbere ihm gar anständig . Es gingen ihm zur selben Zeit gerade zwei Kühe gust , und da müsse er etwas Frisches einstellen , das Milch gebe , sonst gäbte es Lärm im Hause . Sie märteten lange miteinander , märteten bis an einen Neuentaler Unterschied , aber da wollte Keiner mehr nachgeben und der Handel zerschlug sich . Hingegen bestellte der Schwager das Kalb davon , wenn es ein Kuhkalb sein sollte , und Johannes versprach , das sollte er nicht zu teuer haben , sondern ungefähr so , wie es Kauf und Lauf sei . So war der Nachmittag vergangen , und Trini suchte den Mann , um ihn an die Abreise zu mahnen . Man redete ein , wie früh es sei , und sie sollten noch in die Stube kommen . Als Eisi immer nötlicher pressierte , verstund man sich dazu . Drinnen stund wieder die stattliche Kaffeekanne , eine mächtige Ankenballe , Küchli , schön weißes Brot , Honigwaben , Kirschmus , Käse , Hamme und süßer Zieger . Trini schlug fast die Hände über dem Kopf zusammen und fragte : Was Eisi doch auch sinne ; sie hätten ja erst zu Mittag gegessen , es düechs , es möchte es noch mit dem Finger erlängen und könnte es machen bis morndrist zAbe . Wenn sie zu ihnen kämten , so könnte es ihnen einmal nicht so aufwarten ; es wüßte nicht , wo es dasselbe nehmen sollte . Aber Eisi sagte , es wolle ihns nur ausführen , denn das Aufwarten hätte es bei ihm gelernt ; wenn man bei ihnen wäre , so käme man ja den ganzen Tag nicht vom Essen weg . Nachdem sich in der Tat noch hie und da ein Plätzchen für ein Küchli oder eine Ankenschnitte gefunden , nachdem die Kaffeekanne der Weinflasche Platz gemacht , auch dieser trotz vielem Weigern zugesprochen und noch Gesundheit gemacht worden war , bestieg man das schon lange bereitstehende Wägeli . Trini mußte dreimal ansetzen und Johannes den Sitz auf der andern Seite halten , ehe es oben war ; dann wurden die Kinder aufgepackt , aus deren Säcken noch Stücke Brot sahen , und endlich stieg der Schwager nach . Wohin der eigentlich sollte , begriff niemand , bis er mitten in die Andern hineinplumpte . Es war fast , als ob ein Kindlifresser da hinaufgefahren ; denn hinter seiner breiten Gestalt verschwanden die Kindlein , nur hie und da streckten sich Ärmchen hervor , die fast aussahen , als ob sie direkt aus seinem Bauche kämen . Es gab viel Wegräumens , und später wurde zu Nacht gegessen , als sonst der Brauch war . Während demselben sagte Johannes : » Mutter , du mußt uns die Laterne rüsten ; Uli und ich müssen diese Nacht dem Kleb wachen , es gibt ein Kalb , ehe es Morgen ist . « Uli sagte , ds Michels Hans hätte ihm versprochen , diese Nacht wachen zu helfen , und wenn es bös gehen sollte , so sei es immer noch früh genug , den Meister zu wecken . Der Meister aber sagte , er solle dem Hans nur absagen ; er hätte nicht gerne , wenn man fremde Knechte unnötigerweise und ungefragt brauche . Michel habe morgen Hans nötig , und man erfahre es alle Tage , was ein Knecht , der nicht geschlafen habe , wert sei . Uli meinte , so könnte ja sein Nebenknecht wachen helfen . Diesmal sei er lieber von Anfang an selbst dabei , sagte der Meister . Es sei das letztemal bös gegangen , er möchte diesmal davor sein . Uli mußte den Meister haben . Drittes Kapitel Eine Kinderlehre während der Nacht Nachdem sie draußen im Stalle die Laterne aufgehängt hatten , den Pferden über Nacht gegeben , streute der Meister selbst dem Kleb noch , der unruhig hin-und hertrappete und in seiner Unruhe nicht liegen konnte , und sagte : Es gehe wohl noch eine Stunde oder zwei ; sie wollten hinaus auf das Bänkli sitzen und noch ein Pfeifchen rauchen , der Kleb werde sich schon künden , wenn es Zeit sei . Es war eine lauwarme Nacht , halb dem Frühling , halb dem Sommer angehörend . Wenige Sterne glitzerten im blauen Himmelsmeer , ein helles Jauchzen , ein fernes Fahren unter , brach zuweilen die stille Nacht . » Hast du dich nun ausbesonnen , Uli ? « fragte der Meister , als sie auf dem Bänklein vor dem Stalle saßen . Es sei ihm noch so nebeneinander , sagte Uli , doch nicht in einem bösen Ton . Alles annehmen , das wolle er nicht , aber zuletzt sei es ihm graglich , zu bleiben . Er hatte halt auch schon den allgemein angenommenen Grundsatz , daß man es nie zeigen dürfe , wenn einem an etwas gelegen sei , indem sonst der Gegner Vorteil daraus ziehe . Daher die merkwürdige Ruhe und Kaltblütigkeit , die Diplomaten an Bauern bewundern müßten . Es ist aber in seiner Ausdehnung und Anwendung ein heilloser Grundsatz , der unsäglich viel Böses stiftet , unzählige Menschen auseinanderbringt , sie gegenseitig als Feinde gegenüberstellt und wiederum Kaltblütigkeit da erzeuget , wo heiliger Eifer brennen sollte , und aus der Kaltblütigkeit eine Gleichgültigkeit macht , welche jedem Freund des Guten unwillkürlich Gänsehaut den ganzen Rücken aufschnadern läßt . Glücklicherweise war der Meister auch kaltblütig und nahm die Sache nicht so übel , sondern sagte , ihm seis auch gerade so . Er hätte nichts wider Uli , aber so dabeisein wolle er auch nicht . Es nähmte ihn wunder , wer gefehlt hätte und ob er in seinem Hause nichts mehr sagen dürfe , wenn er nicht eine ganze Woche kein gutes Wort hören und ein Gesicht sehen wolle , mit dem man ganz Amerika vergiften könnte ? Er könne nicht helfen , sagte Uli . Sauersehn sei seine Freundlichkeit , und wenn er ein apartig Gesicht gemacht habe , so sei es nicht seinetwegen gewesen , er hätte apartig über ihn nicht zu klagen und über niemand sonst . Aber er sei halt auch ein armes Knechtlein und sollte nirgends sein und keine Freude haben ; er sollte nur auf der Welt sein , um bös zu haben , und wenn er einmal sein Elend vergessen wolle und sich lustig machen , so käme alles auf ihn los und suche ihn untern zu drücken . Wer ihn ins Unglück sprengen könne , der tue es . Da könne man nicht immer süß dareinsehen . Er sollte doch sehen , daß er ihn nicht begehre ins Unglück zu sprengen , ds Gunteräri , sagte der Meister . Wenn ihn jemand ins Unglück sprenge , so sei er es selbst . Wenn ein Bursche sich mit schlechten Mädchen abgebe , so sei er sein eigener Unglücksstifter und niemand anders . Er wisse wohl , es tröste sich jeder damit , es treffe ihn nicht , sondern einen Andern ; aber einen treffe es immer , und wenn einer auch siebenmal entronnen sei und ein Anderer statt seiner im Lätsch geblieben , so gebe es ihn zum achten Male , er solle nur darauf zählen . Aber solang er nicht darin sei , lache er alle aus und sage allen wüst , die ihn davor warnen ; und wenn er einmal darin sei , so sollen alle daran schuld sein , und er sage wiederum allen wüst , daß sie ihm nicht davor gewesen seien . » Aber gell , Uli , « sagte der Meister , » es ist dir diese Woche schon angst genug gewesen , es hätte dich im Lätsch . Ich habe wohl gesehen , wie du vor jedem Weibervolk geflohen bist und hinter allen Zäunen Anne Lisi gesehen hast . Und deine Angst hast du dann uns und unser Vieh entgelten lassen , nach Art so vieler Diensten , die allen Zorn und alles Ungerade , das ihnen über den Weg läuft , an den Meisterleuten oder an ihren Sachen , an Kühen oder Kacheln , auslassen . Deine Angst war in dieser Woche dein Böshaben , und an der war niemand schuld als du . Du hättest es ohne die Angst so gut haben können als wir selbst . Nein , Uli , du mußt von deinem Lumpenleben lassen , du machst dich unglücklich , und solchen Ärger wie diese Woche will ich deinetwegen nicht mehr haben . « Er hätte noch nichts Schlechts gemacht , sagte Uli . He , das nehme ihn doch wunder , sagte der Meister ; ob Vollsein etwas Bravs sei , und was er mit Anne Lisi getrieben habe , werde auch nicht das Sauberste gewesen sein und wohl auch im siebenten Gebot vernamset . Oh , es seien noch viel schlechtere Leute als er , sagte Uli , und es gebe viele Bauren , mit denen er sich dann noch lange nicht zusammenzählen lasse . Da habe er nichts darwider , antwortete der Meister , aber ein schlechter Mensch mache den andern nicht gut , und wenn schon mancher Bauer ein Trunkenbold sei oder gar ein Schelm , so sei es deswegen um nichts bräver , wenn Uli ein Hudel sei und noch anderes mehr . Es werde doch wohl erlaubt sein , eine Freude zu haben , sagte Uli ; » wer möchte dabeisein , wenn man keine Freude mehr haben dürfte ? « » Aber , Uli , was ist das für eine Freude , wenn man darauf eine ganze Woche nirgends sein darf , es einem nirgends wohl ist ? Was ist das für eine Freude , die einem für das ganze Leben elend und unglücklich machen kann ? Solche Freuden sind des Teufels Lockvögel . Ja freilich kannst du dich freuen , es darf jeder Mensch Freude haben , aber an guten und erlaubten Dingen . Das ist eben ein Zeichen , ob ein Mensch gut oder schlecht ist , je nachdem er an guten oder schlechten Dingen seine Freude hat . « » Ja , du hast gut krähen , « sagte Uli , » du hast den schönsten Hof weit und breit , hast die Ställe voll schöner Ware , den Spycher voll Sachen , eine gute Frau , von den besten eine , schöne Kinder ; du kannst dich wohl freuen , du hast Sachen , woran du Freude haben kannst ; wenn ich sie hätte , es käme mir auch kein Sinn ans Hudeln , an Anne Lisi . Aber was habe ich ? Ich bin ein armes Bürschli , habe keinen Menschen auf der Welt , ders gut mit mir meint ; der Vater ist gestorben , die Mutter auch , und von den Schwestern sieht jedes für sich . Böshaben ist mein Teil in der Welt ; werde ich krank , so will mich niemand haben , und sterbe ich , so tut man mich untern wie einen Hund und kein Mensch pläret mir nach . Oh , daß man unsereinen nicht zTod schlägt , wenn wir auf die Welt kommen ! « Und damit fing der große , starke Uli an gar bitterlich zu weinen . » Nit , nit , Uli , « sagte der Meister , » du bist gar nicht so bös daran , wenn du es nur glauben wolltest . Laß dein wüstes Leben sein , so kannst du noch ein Mann werden . Es hat Mancher nicht mehr gehabt als du und hat jetzt Haus und Hof und Ställ voll War . « Ja , sagte Uli , solches geschehe nicht mehr , und dann müsse man mehr Glück haben dazu , als er habe . » Das ist eine dumme Red , « sagte der Meister ; » wie kann einer von Glück reden , wenn er alles fortwirft und vertut , was ihm in die Hände kömmt ? Ich habe noch kein Geldstück gesehen , das nicht aus der Hand wollte , wenn man es fortgab . Aber das ist eben der Fehler , daß du den Glauben nicht hast , daß du noch ein Mann werden könntest . Du hast den Glauben , du seiest arm und bleibest arm und an dir sei nichts gelegen , und darum bleibst du auch arm . Hättest du einen andern Glauben , so würde es auch anders gehen . Denn es kommt noch immer alles auf den Glauben an . « » Aber um tusig Gottswillen , Meister , « sagte Uli , » wie sollte ich auch reich werden ? Wie geringen Lohn habe ich ! Wie viel Kleider brauche ich ! Dazu habe ich noch Schulden ! Was hilft da husen ? Und sollt ich dann kein Freudeli haben ? « » Aber dr tusig Gottswillen , wo soll das mit dir hin , wenn du jetzt schon Schulden hast , bei gesundem Leib , und hast für niemand zu sorgen ? So mußt du einen Fötzel geben , und dann mag dich niemand mehr ; du verdienst immer weniger und hättest doch immer mehr nötig . Nein , Uli , sinn doch ein wenig nach , so kann das nicht mehr gehen . Jetzt ists noch Zeit , und ich sage es dir aufrichtig , es wäre schade um dich . « » Es trägt nichts ab ; was hilft mir das , wenn ich schinde und mir nichts mehr gönne ? Ich bringe es doch zu nichts ; so ein arm Bürschli , wie ich bin , bleibt ein arm Bürschli , « sagte Uli . » Sieh doch , was der Kleb macht , « sagte der Meister . Und als Uli mit dem Bescheid kam , er verdrehe sich noch , das Kalb komme noch nicht gleich , sagte der Meister : » Ich denke mein Lebtag daran , wie unser Pfarrer uns das Dienen ausgelegt hat in der Unterweisung und wie er die Sache so deutlich gemacht hat ; man hat ihm müssen glauben , und es ist Mancher glücklich geworden , der ihm geglaubt hat . Er hat gesagt : Alle Menschen empfingen von Gott zwei große Kapitale , die man zinsbar zu machen habe , nämlich Kräfte und Zeit . Durch gute Anwendung derselben müßten wir das zeitliche und ewige Leben gewinnen . Nun hätte Mancher nichts , woran er seine Kräfte üben , seine Zeit nützlich und abträglich gebrauchen könnte ; er verleihe daher seine Kräfte seine Zeit jemandem , der zu viel Arbeit , aber zu wenig Zeit und Kräfte habe , um einen bestimmten Lohn ; das heiße Dienen . Nun sei das eine gar unglückliche Sache , daß die meisten Diensten dieses Dienen als ein Unglück betrachten und ihre Meisterleute als ihre Feinde oder wenigstens als ihre Unterdrücker , daß sie es als einen Vorteil betrachteten , im Dienst so wenig als möglich zu machen , so viel Zeit als möglich verklappern , verlaufen , verschlafen zu können , daß sie untreu würden , denn sie entzögen auf diese Weise dem Meister das , was sie verliehen , verkauft hätten , die Zeit . Wie aber jede Untreue sich selbst strafe , so führe auch diese Untreue gar fürchterliche Folgen mit sich , denn so , wie man untreu sei gegen den Meister , sei man auch untreu an sich . Es gebe jede Ausübung unvermerkt eine Gewohnheit , welcher man nicht mehr loswerde . Wenn so ein Jungfräuli oder ein Knechtlein jahrelang so wenig als möglich getan , so langsam als möglich an einer Sache gemacht , allemal gebrummt hätte , wenn man ihm etwas zugemutet , entweder auf- und davon , gemacht hätte , unbekümmert wie es komme , oder darob geklappert , daß ihm das Gras unter den Füßen gewachsen sei , zu nichts Sorge getragen , so viel als möglich gschändet , nie Angst gehabt , sondern für alles gleichgültig gewesen sei , so gebe das erstlich eine Gewohnheit , und die könne es später nicht mehr ablegen . Zu allen Meistern bringe es diese Gewohnheit mit , und wenn es am Ende für sich selbst sei , heirate , wer müsse diese Gewohnheiten , diese Trägheit , Schläfrigkeit