wie am Ufer , wo eine Flotte gestrandet war . Schlosser wollte zwei große Folianten , die er für Dich von der Stadtbibliothek geliehen hat , und die Du schon ein Vierteljahr hast , ohne drin zu lesen . Der Homer lag aufgeschlagen an der Erde , Dein Kanarienvogel hatte ihn nicht geschont , Deine schöne erfundne Reisekarte des Odysseus lag daneben und der Muschelkasten mit dem umgeworfenen Sepianäpfchen und allen Farbenmuscheln drum her , das hat einen braunen Fleck auf Deinen schönen Strohteppich gemacht , ich habe mich bemüht , alles wieder in Ordnung zu bringen . Dein Flageolet , was Du mitnehmen wolltest und vergeblich suchtest , rat , wo ich ' s gefunden habe ? - Im Orangenkübel auf dem Altan war es bis ans Mundstück in die Erde vergraben , Du hofftest wahrscheinlich einen Flageoletbaum da bei Deiner Rückkunft aufkeimen zu sehen , die Liesbet hat den Baum übermäßig begossen , das Instrument ist angequollen , ich hab es an einen kühlen Ort gelegt , damit es gemächlich wieder eintrocknen kann und nicht berstet , was ich aber mit den Noten anfange , die daneben lagen , das weiß ich nicht , ich hab sie einstweilen in die Sonne gelegt , vor menschlichen Augen darfst Du sie nicht mehr sehen lassen , ein sauberes Ansehen erhalten sie nicht wieder . - Dann flattert das blaue Band an Deiner Gitarre , nun schon seitdem Du weg bist , zum großen Gaudium der Schulkinder gegenüber , so lang es ist , zum Fenster hinaus , hat Regen und Sonnenschein ausgehalten und ist sehr abgeblaßt , dabei ist die Gitarre auch nicht geschont worden , ich hab die Liesbet ein wenig vorgenommen , daß sie nicht so gescheut war , das Fenster zuzumachen hinter den dunklen Plänen , sie entschuldigte sich , weil ' s hinter den grünseidnen Vorhängen versteckt war , da doch , so oft die Türe aufgeht , die Fenster vom Zugwind sich bewegen . Dein Riesenschilf am Spiegel ist noch grün , ich hab ihm frisch Wasser geben lassen , Dein Kasten mit Hafer und was sonst noch drein gesäet ist , ist alles durcheinander emporgewachsen , es deucht mir viel Unkraut drunter zu sein , da ich es aber nicht genau unterscheiden kann , so hab ich nicht gewagt , etwas auszureißen ; von Büchern hab ich gefunden auf der Erde den Ossian , die Sacontala , die Frankfurter Chronik , den zweiten Band Hemsterhuis , den ich zu mir genommen habe , weil ich den ersten Band von Dir habe . Im Hemsterhuis lag beifolgender philosophischer Aufsatz , den ich mir zu schenken bitte , wenn Du keinen besondern Wert darauf legst , ich hab mehr dergleichen von Dir , und da Dein Widerwille gegen Philosophie Dich hindert , ihrer zu achten , so möchte ich diese Bruchstücke Deiner Studien wider Willen beisammen bewahren , vielleicht werden sie Dir mit der Zeit interessanter . Siegwart , ein Roman der Vergangenheit , fand ich auf dem Klavier , das Tintenfaß draufliegend , ein Glück , daß es nur wenig Tinte mehr enthielt , doch wirst Du Deine Mondscheinkomposition , über die es seine Flut ergoß , schwerlich mehr entziffern . Es rappelte was in einer kleinen Schachtel auf dem Fensterbrett , ich war neugierig sie aufzumachen , da flogen zwei Schmetterlinge heraus , die Du als Puppen hineingesetzt hattest , ich hab sie mit der Liesbet auf den Altan gejagt , wo sie in den blühenden Bohnen ihren ersten Hunger stillten . Unter Deinem Bett fegte die Liesbet Karl den Zwölften und die Bibel hervor , und auch - einen Lederhandschuh , der an keiner Dame Hand gehört , mit einem französischen Gedicht darin , dieser Handschuh scheint unter Deinem Kopfkissen gelegen zu haben , ich wüßte nicht , daß Du Dich damit abgibst , französische Gedichte im alten Stil zu machen , der Parfüm des Handschuh ist sehr angenehm und erinnert mich und macht mich immer heller im Kopf , und jeden Augenblick sollte mir einfallen , wo des Handschuh Gegenstück sein mag ; indes sei ruhig über seinen Besitz , ich hab ihn hinter des Kranachs Lukretia geklemmt , da wirst Du ihn finden , wenn Du zurückkommst ; zwei Briefe hab ich auch unter den vielen beschriebenen Papieren gefunden , noch versiegelt , der eine aus Darmstadt , also vom jungen Lichtenberg , der andre aus Wien . Was hast Du denn da für Bekanntschaft ? - Und wie ist ' s möglich , wo Du so selten Briefe empfängst , daß Du nicht neugieriger bist , oder vielmehr so zerstreut . - Die Briefe hab ich auf Deinen Tisch gelegt . Alles ist jetzt hübsch ordentlich , so daß Du fleißig und mit Behagen in Deinen Studien fortfahren kannst . Ich habe mit wahrem Vergnügen Dir Dein Zimmer dargestellt , weil es wie ein optischer Spiegel Deine aparte Art zu sein ausdrückt , weil es Deinen ganzen Charakter zusammenfaßt ; Du trägst allerlei wunderlich Zeug zusammen , um eine Opferflamme dran zu zünden , sie verzehrt sich , ob die Götter davon erbaut sind , das ist mir unbekannt . Karoline Wenn Du Muße findest , so schreib bald wieder . Beilage zum Brief der Günderode ( Ein apokalyptisches Fragment ) 1. Auf hohem Fels im Mittelmeer stand ich , vor mir der Ost , hinter mir der West , und der Wind ruhte auf der See . 2. Die Sonne sank , kaum war sie verhüllt im Niedergang , enthüllte im Aufgang sich das Morgenrot ; Morgen , Mittag , Abend und Nacht jagten in schwindelnder Eile um des Himmels Bogen . 3. Ich sah staunend sie sich drehen , mein Blut , meine Gedanken bewegten sich nicht rascher ; die Zeit , indes sie außer mir nach neuen Gesetzen sich bewegte , ging in mir den gewohnten Gang . 4. Ich wollte ins Morgenrot mich stürzen oder mich tauchen in die Schatten der Nacht , eilend mit ihr dahinströmend , um nicht so langsam zu leben , aber im Schauen versunken ward ich müde und entschlief . 5. Da sah ich ein Meer vor mir , von keinem Ufer umgeben , nicht im Ost , noch Süd , noch West , noch im Nord ; kein Windstoß bewegte die Wellen , aber in ihren Tiefen bewegte sich , wie von innerer Gärung gereizt , die unermeßliche See . 6. Und mancherlei Gestalten stiegen auf aus dem tiefen Meeresschoß , und Nebel stiegen auf und senkten sich in Wolken , und in zuckenden Blitzen berührten sie die gebärenden Wogen . 7. Und immer mannigfaltiger entstiegen der Tiefe Gestalten , mich ergriff Schwindel und Bangheit , meine Gedanken wurden hiehin und dorthin getrieben , wie eine Fackel vom Sturmwind , bis meine Erinnerung erlosch . 8. Als ich wieder erwachte und von mir zu wissen anfing , da besann ich mich nicht , ob ich Jahrhunderte oder Minuten geschlafen , denn in den dumpfen , verworrenen Träumen war mir nichts begegnet , was mich an die Zeit erinnert hatte . 9. Es war dunkel in mir , als habe ich geruht in dieses Meeres Schoß und sei wie andere Gestalten ihm entstiegen . - Ich schien mir ein Tropfen Taues , ich bewegte mich lustig in der Luft hin und wieder und freute mich , und mein Leben war , daß die Sonne sich in mir spiegle und die Sterne mich beschauten . 10. Ich ließ von den Lüften mich dahin tragen in raschen Zügen , ich gesellte mich zum Abendrot , zu des Regenbogens siebenfarbigen Tropfen , ich reihte mit meinen Gespielen mich um den Mond , wenn er sich bergen wollte , und begleitete seine Bahn . 11. Die Vergangenheit war mir dahin , nur der Gegenwart gehörte ich an , eine Sehnsucht war in mir , die ihr Begehren nicht kannte , ich suchte immer , und was ich fand , war nicht das Gesuchte , und sehnend trieb ich mich umher im Unendlichen . 12. Einst ward ich gewahr , daß alle die Wesen , die dem Meer entstiegen waren , wieder zu ihm zurückkehrten und in wechslenden Formen sich wieder erzeugten . Mich befremdete diese Erscheinung , denn ich hatte von keinem Ende gewußt . Da dachte ich , meine Sehnsucht sei auch , zurückzukehren zu der Quelle des Lebens . 13. Und da ich dies dachte und lebendiger fühlte als all mein Bewußtsein , ward plötzlich mein Gemüt wie mit betäubenden Nebeln umfangen . Aber sie schwanden bald , ich schien mir nicht mehr ich , meine Grenzen konnte ich nicht mehr finden , mein Bewußtsein hatte ich überschritten , es war größer , anders , und doch fühlte ich mich in ihm . 14. Erlöset war ich von den engen Schranken meines Wesens und kein einzelner Tropfen mehr , ich war allem wiedergegeben , und alles gehörte mir mit an , ich dachte und fühlte , wogte im Meer , glänzte in der Sonne , kreiste mit den Sternen ; ich fühlte mich in allem und genoß alles in mir . 15. Drum wer Ohren hat zu hören , der höre ! Es ist nicht zwei , nicht drei , nicht Tausende , es ist eins und alles ; es ist nicht Leib und Geist geschieden , daß das eine der Zeit , das andere der Ewigkeit angehöre , es ist eins , gehört sich selbst und ist Zeit und Ewigkeit zugleich und sichtbar und unsichtbar , bleibend im Wandel , ein unendliches Leben . An die Günderode Wie wir hier leben , das will ich Dir erzählen . Morgens kommen wir alle im Schlafzimmer von Savignys zusammen . Da wird gegalert und als ein bißchen Krieg mit Kopfkissen und Rouleaux geführt , und im Nebenzimmer wird gefrühstückt dabei . Wir nehmen uns zwar sehr in acht , den großen Savigny zu treffen , aber er ist gescheut , wenn ' s Gefecht heiß wird , da zieht er sich zurück . Später zerstreut sich alles . Wir sind auch jetzt schon zweimal geritten , ich bin beidemal heruntergefallen , einmal wie wir bergauf ritten und einmal vor Lachen . Nachmittags gehen wir manchmal in den Wald , und Savigny liest vor , da hab ich meine Not mit dem Zuhören , auf dem Waldrasen hab ich gar zu viel Zerstreuung , alle Augenblick ist ein Kräutchen oder ein Spinnchen oder ein Räupchen oder ein Sandsteinchen , oder ich bohr ein Löchelchen in die Erd und find allerlei da , der Savigny sagt , ich sei hoffärtig und wollt nicht zuhören , er kann ' s nicht leiden , drum setz ich mich hinter seinen Kopf , da merkt er ' s als nicht . Wir gehen auch als auf die Jagd , und ich nehm die kleine Flint , ich schieß aber immer , was Du wohl weißt , wonach ich immer auf die Jagd geh , Hirngespinste aus der Luft , gestern wollte mir der Bostel lehren , nach den Vögelchen zielen , ich schoß , und das Vögelchen fiel herunter , ich dacht gar nicht , daß ich ' s treffen würde , ich war sehr erschrocken , aber der Bostel machte so großen Lärm von meinem scharfen Blick , und die andern lobten mich alle , daß ich so gut ziele , daß ich meine Reue über diesen ersten Mord nicht merken ließ . Ich nahm das Vögelchen in die Hand , wo es vollends erkaltete , in der Nachtstille hab ich ' s begraben unter dem Fenster von Deiner Schlafkammer und nicht ohne schwere Nachgedanken ; wahrlich , ich hab es nicht mit Willen getan , aber doch mit Leichtsinn . Was liegt am Vogel , alle Jäger schießen ihn ja ! - Aber ich nicht , ich hätt es niemals getan , aus dem Laub , in seiner heiteren Lebenszeit den Vogel herunterzuschießen , den Gott mit der Freiheit des Flugs begabt hat . Gott schenkt ihm die Flügel , und ich schieß ihn herunter , o nein , das stimmt nicht ! Eben kommt Dein Brief an , Deinen Kamm und die Kette hast Du wohl erhalten ? Ich hab sie an Mienchen geschickt in einer kleinen Schachtel , Clemens hat einen kleinen Brief beigeschlossen an Deine Schwester und ein paar Zeilen an Dich ; mein Zimmer gefällt mir wohl in seiner Unordnung , und ich gefall mir also auch wohl , da Du meinst , es stelle meinen Charakter vollkommen dar . Am liebsten ist mir , daß Du zur rechten Zeit kamst , um die Schmetterlinge zu befreien . Du kommst immer zur rechten Zeit , um meine Dummheiten gutzumachen . Den philosophischen Aufsatz , wie Du ihn zu nennen beliebst , schenk ich Dir , ich nenne ihn einen steifstelligen , verschnippelten , buchsbaumernen Zwerg , ein fataler grüner Würgengel von superklugem Gewälsch , ohne Sprach , ohne Musik , es sei denn das hölzerne Gelächter ; dem gleicht ' s ganz im Ton und Inhalt ; mach mich nicht närrisch , - ich will nichts mehr davon wissen . Dein apokalyptisch Fragment macht mich auch schwindlen ; bin ich zu unreif , oder was ist es , daß ich so fiebrig werd , und daß Deine Phantasien mich schmerzlich kränken . » Meine Gedanken wurden hierhin und dorthin getrieben wie eine Fackel vom Sturmwind , bis meine Erinnerung erlosch . « Warum schreibst Du mir so was ? - das sind mir bittere Gedanken ! Es macht mich unzufrieden und voll Bangigkeit , daß Du Deinen Geist in eine Unbewußtheit hineinversetzest . Ich weiß nicht , wie ich immer empfinde , als sei alles Leben inner mir und nichts außer mir , Du aber suchest in höheren Regionen nach Antwort auf Deine Sehnsucht , willst » mit Deinen Gespielinnen den Mond umwallen « , wo ich keine Möglichkeit mir denken kann mitzutanzen , willst » erlöst sein von den engen Schranken Deines Wesens « , und mein ganz Glück ist doch , daß Gott Dich in Deiner Eigentümlichkeit geschaffen hat ; - und dann sagst Du noch so was Trauriges : » Ich schien mir nicht mehr Ich und doch mehr als sonst Ich . « Meinst Du , damit wär mir gedient ? - » Meine Grenzen konnte ich nicht mehr finden , mein Bewußtsein hatte sie überschritten , es war anders . « Mit dem allen ist mein Urteil gesprochen , mich quält Eifersucht , mir scheint Dein Denken außer den Kreisen zu schweifen , wo ich Dir begegne . Du bist herablassend , daß Du vor mir solche Dinge aussprichst , die ich nicht nachempfinden kann und auch nicht mag , weil sie unsern engen Lebenskreis überschreiten , in dem allein mir nur lieb denken ist . Straf mich nun mit Worten , wie Du willst , daß ich so dumm bin , aber der Eifersucht Brand tobt in mir , wenn Du mir nicht am Boden bleibst , wo auch ich bin . In diesem Fragment lese ich , daß Du nur im Vorübergehen mit mir bist , ich aber wollte immer mit Dir sein , jetzt und immer , und ungemischt mit andern ; erst hast Du geweint im Traum um mich , und nachher im Wachen vergißt Du alles Dasein mit mir , ich kann mir nichts denken als nur ein Leben , wie es gerad dicht vor mir liegt , mit Dir auf der Gartentreppe oder am Ofen , ich kann keine Fragmente schreiben , ich kann nur an Dich schreiben , aber innerlich weite Wege , große Aussicht , aber nicht dem Mond nachlaufen und im Tau vergehen und im Regenbogen verschwimmen . Zeit und Ewigkeit , das ist mir alles so weitläufig , da fürcht ich Dich aus den Augen zu verlieren , was ist mir » Ein unendliches Leben bleibend im Wandel « , jeder Augenblick , den ich leb ' , ist ganz Dein , und ich kann ' s auch gar nicht ändern , daß meine Sinne nur bloß auf Dich gerichtet sind , Du wirfst mich aus der Wiege , die Du auf dem großen Ozean schwimmend vor Dir hergetrieben hast , hinaus in die Wellen , weil Du in die Sonne fahren willst , unter die Sterne und im Meer zerrinnen . - Mir ist schwindelig , taumelig . - So ist einem , der vom Feuer verzehrt wird und kann doch kein Wasser dulden , das es lösche . Du verstehst mich nicht , und wenn Du noch so klug bist und alles verstehst , das Kind in Deine Brust geboren , das verstehst Du nicht . - Ich weiß wohl , wie mir ' s gehen wird mein ganzes Leben , ich weiß es wohl . Leb wohl . Bettine Heut haben wir den 19. Mai , am 7. Mai hat ' s zum erstenmal gedonnert in diesem Jahr , das wird gerad gewesen sein , wo Du das verdammte apokalyptische Fieber hattest . Noch vierzehn Tag bleiben wir , alles blüht , ein Abhang voll Kirschbäume , so dunkelrote Stämmchen , so jung wie unsereins , ich geh alle Morgen früh hinaus und such die Raupennester dort ab ; soviel ich hinanreichen kann , bieg ich die Zweige herab und brech die boshaften Raupennester heraus , sie sollen sich freuen dies Jahr , die Bäume , und nicht mit kahlen Häuptern dastehen vor dem Herbst . - Ich tu ' s auch , weil ich mich gegen Dich zusammennehmen will , hast Du Deine Regenbogenkränzchen und Deine Mondkoterien , wo Du übers Bewußtsein hinausspazierst und das Heimkehren vergißt , mit Deiner Haiden , mit Deiner Nees , mit Deiner Lotte Serviere Reigen im Sternennebel tanzest , so hab ich meine einsame Unterredungen mit den jungen Erbskeimen und mit den Mirabellen und Reineclauden und Kirschbäumen in der Blüte , und gestern war ich mit dem Gingerich drauß am Goldweiher , da haben wir eine Hütte gemacht von Moos , da haben die zwei jungen Wiedertäufer geholfen , der mit dem braunroten Bart , der so stolz drauf ist ; der schöne Hans und der blonde Georg ; sie ließen beide ihre Pflüge stehen und kamen heran , mir zu helfen , und schnitten mir Tannenäste herunter , und alles , was ich Loses an mir hatte , damit hab ich die Äste festgebunden , mit meiner hellblauen Schärpe und mit dem rosa Halstuch , wovon Du die andre Hälfte hast , hab ich sie zusammengeknüpft , und am Nachmittag kam der Savigny heraus und legte sich in die Hütte , sehr vergnügt , und ich las vor , Gedichte vom Bruder Anton , eine Wasserreise nach den verschiedenen Sauerbrünnchen und ein Gedicht auf Euphrosyne Maximiliane und eine philosophische Abhandlung von einem gläsernen Esel , der auf einer blumenreichen Wiese sich sattgefressen hatte , und dem die seltensten Blumen durch den Bauch schimmern und ihn so verschönen , daß er die Bewunderung aller Laubfrösche ist , die alle auf ihn hinaufhüpfen und sich vergebens abmühen , in diesem schönen Blumenlabyrinth herumzuhüpfen , so müssen sie sich ' s vergehen lassen , weil der gläserne Bauch es umschließt , und dann die Moral ist von dieser wunderbaren Fabel : » Streben nach unmöglichen Genüssen hilft zu nichts und verdirbt die Zeit « , denn einmal hatte Gott schon früher diese schöne Blumenweide zur Verschönerung des Esels bestimmt und nicht zur Schwelgerei der Frösche , und zweitens war der vornehme Esel auch zu ganz was anderem bestimmt als zum Belustigungsort gemeiner Frösche , denn als ihn zwei verständige Philosophen und Gelehrte aus der an schönen Naturseltenheiten reichen Stadt Frankfurt begegneten , so führten beide diesen wunderschönen Esel an einem grünseidnen Band durch die Stadt . Am Gallentor , wo sie einpassierten , präsentierte die Stadtwache das Gewehr vor ihm , und auf dem Roßmarkt ( also grade vor Deinem Stift ) versammelten sich alle Bürger und begleiteten ihn mit Siegsgeschrei auf den Römer , allwo der Herr Bürgermeister mit allen Ratsherren versammelt war , und die Herren von der ersten Bank wie auch von der zweiten und dritten stimmten alle ein in das Lob der Wunder Gottes , als sie in dem Bauch des Esels die schönen Tulipanen , Levkoien , Narzissen , Hyazinthen , Schwertlilien , Kaiserkronen und vor allem die schönen Rosen herumflorieren sahen . Als sie dessen sattsam sich erfreut hatten , so ließ der Herr Bürgermeister fortfahren in den angefangenen Ratschlägen und den gläsernen Blumenesel einstweilen auf einem erhabenen Platz aufstellen ; wie nun der Rat vollendet war , welcher wegen wichtigen Angelegenheiten etwas lange gedauert hatte , und man den Esel in die Raritätskammer führen wollte , so hatte dieser unterdessen seine Notdurft verrichtet , und es war keine einzige Blume in seinem Bauch geblieben , sondern war alles zu Mist geworden , und der Bauch des Esels sah nicht anders aus als eine schmutzige , ranzige Ölflasche . Die Stadtmusikanten , welche auf Befehl des Rates herbeigekommen waren , um diese schöne Naturseltenheit Gottes mit Trommeln und Pfeifen durch die löbliche freie Reichsstadt zu geleiten , wurden zum großen Leidwesen der Gassenbuben verabschiedet , die aus Rache den armen Esel mit Steinen warfen , daß sein gläserner Bauch in tausend Stücken ging und er elendiglich sich auf dem Scherbelhaufen vom Dippenmarkt am Pfarreisen zum Verscheiden hinlegte , wo er unter dem Gespött und boshaftem Zwicken seiner langen Ohren mit lautem Gestöhn den Geist aufgab . Die Moral und große weise Lehre von dieser Fabel ist : Brüste dich nicht vor deinem Ende ; wenn das falsche Glück dir den Bauch voll der schönsten Blumen stopft , so zwingt dich oft die Notdurft , alles , worauf Du einst so stolz sein konntest , als stinkenden Mist wieder von dir zu geben , und jene , so dir früher schmeichelten um deiner seltnen Gaben willen , sind dann gerade die , welche dich am unbarmherzigsten verfolgen . Hättest du , Esel , dich nicht von ein paar überspannten , hochtrabenden Gelehrten verführen lassen , deine Blumenschönheit in der Stadt Frankfurt als eine bewundernswürdige Seltenheit zu zeigen , sondern wärst du ruhig in deinen Stall gewandert , so konntest du ruhig deine Verdauung abwarten und jeden Tag in der Blumenzeit aufs neue deinen Bauch mit lieblichen , würzigen Speisen füllen , und dein Ruhm würde auch nicht ausgeblieben sein , denn man würde zu dir hinausgekommen sein ins Feld , um dich zu bewundern . Die dritte Moral ist die , daß doch ein hochweiser Rat es sich zur warnenden Lehre nehme , alles , womit ein Esel in seinem Bauche prahlt , ja nicht hoch anzuschlagen , da es nach kurzer Zeit doch immer zu Mist werden muß . - Den Savigny und alle hat die Geschichte des Anton höchlich amüsiert , es wurde noch viel gelacht und zuletzt unter Gesang beim Untergehen der Sonne nach Hause gewandert . Ich wollte zwar früher zurückkommen , und mein Gewissen mahnt mich auch , nicht alles , was ich dort angefangen , solang aus den Augen zu lassen ; aber es schleicht ein Tag nach dem andern so anmutig vorüber , und der Savigny ist so anmutig und kindisch , daß wir ihn nicht verlassen können , alle Augenblick hat eins ihm ein Geheimnis anzuvertrauen , der führt ihn in den Wald , der andre in die Laube , und die Gundel muß sich ' s gefallen lassen , und Gescheitsein ist gar nicht Mode , der Clemens hat ihm schon ein paar Wände mit abenteuerlichen Figuren vollgemalt , und Verse und Gedichte werden mit schwarzer Farbe an alle Wände groß geschrieben . Der Clemens hat Wieland , Herder , Goethe und die Prinzessin Amalie grau in grau gemalt und den Dir bekannten Vers dazu . - Heut muß ich aufhören , ich schick Dir eine Schachtel mit dem großen Maiblumenstrauß , schmücke Deinen Hausaltar und verrichte eine Andacht für mich , es ist meine liebste Blum . Geh in Dich und frag Dich , wer Dir am nächsten steht von allen Menschen ; und frag Dich recht deutlich , wer sich am liebsten an Dein Herz schmiegt ohne große Anforderungen an ein hyperboräisches Glück , und da wirst Du sagen müssen , daß ich ' s bin , die allein das Recht hat , Dir nahzustehen , und wenn Du das nicht einsiehst , so ist der Schade mein , aber Dein auch . Bettine Beilage zum Brief der Bettine Der Aufsatz , der im Hemsterhuis lag Es sind aber drei Dinge , aus diesen entspringt der Mensch , nicht nur ein Teil oder eine Erscheinung von ihm , sondern er selber mit allen Erscheinungen in ihm , und sein Same und Keim liegt in diesen drei Dingen , diese aber sind die Elemente , aus welchen die ganze erschaffne Natur sich in dem Menschen wieder bildet . Das erste ist der Glaube , aus diesem entspringt der gewisse Teil des Menschen , nämlich der Leib oder das Kleid des Geistes ; der Gedanke ; dieser ist die Geburt und sichtliche Erscheinung des Geistes und eine Befestigung seines Daseins . Der Glaube aber ist Befestigung , und ohne diesen schwebt alles und gewinnt keine Gestalt und verfliegt in tausend Auswegen , die die erschaffende Natur noch nicht unter sich gebracht hat , so wie der Natur Eigenschaft aber ist , den ewigen Stoff , die Zeit zu bearbeiten , so ist jener ihre Eigenschaft , die Gestalt von sich abzustoßen und nicht anzunehmen , bis sie von der Natur in seligem Kampf besiegt ist . Der Glaube aber ist die Erscheinung Gottes in der Zeit , der Glaube ist Gewißheit und Ewigkeit . Die Erscheinung Gottes ist immer ewig , in jedem Augenblick , und so ist der Mensch ewig , denn sein Sein ist Gottes Erscheinung . Gott aber ist alles , das das Gute ist als Gegensatz gegen nichts , das das Böse ist . Daher ist auch alles in dem Menschen , der die Erscheinung Gottes ist ; daher begreift er einzig in sich Gott und den Glauben an ihn , weil sein Sein der Glaube ist , sein Wesen aber Gott . Was also der Mensch erblickt mit seinen Augen außer sich , das ist Gottes Blick in ihm , was er aber hört mit seinen Ohren außer sich , das ist Gottes Stimme in ihm , was er aber fühlt mit seinem ganzen Leib und Geist außer sich , das ist Gottes Berührung , der Funke der Begeisterung in ihm , was aber in ihm ist , das erschafft und bildet aus ihm , was aber erschaffen und außer ihm ist , das spricht ihn an und bildet sich wieder in ihn hinein , in ihm aber liegt auch die Zeit , und es ist das Werk des Erschaffens nichts anders als die Zeit umwandlen in die Ewigkeit , wer aber die Zeit nicht umwandelt in die Ewigkeit oder die Ewigkeit herabziehet in die Zeit , der wirkt Böses , denn alles , was ein Ende nimmt , das ist böse . Die Ewigkeit in die Zeit herabziehen aber heißt , wenn die Zeit der Ewigkeit mächtig wird , wenn die Nichtigkeit mächtiger wird als die Gewalt des Schaffens , wenn der Stoff des Meisters sich bemeistert , der ihn behandelt . Böse ist also der Selbstmord , denn der Willen der Vernichtung ist zeitlich , und der Gedanke geht in sich selbst zugrund , weil er ein Kleid der Zeitlichkeit ist , nicht aber eine sichtbare Erscheinung des ewigen Geistes , und hier lehnt sich der Stoff - die Zeit , gegen seinen Meister ( das Schicksal der Ewigkeit ) auf . Wenn man aber sagt , der Mensch ist im Guten geboren , so ist dieses wahr , weil er im Glauben geboren ist ; wenn man aber sagt , er hat das Böse nicht , sondern er zieht es nur an , so ist dieses nicht wahr , denn er hat die Kraft , das Böse von sich zu stoßen , nicht aber es an sich zu ziehen , denn das Böse ist die Zeit , und sie dient zur Nahrung für das Göttliche und Ewige , die Zeit aber frißt die Ewigkeit und den Geist , der ewig sein soll , wenn er sich nicht ihrer bemächtigt und sich zur Nahrung nimmt ; denn das ist das Böse , daß das Zeitliche , Irdische das ewige Himmlische verschlingt , das Gute aber ist , wenn das ewige Himmlische das Irdische in sich umwandelt und alles zu Gott in ihm macht . Gott aber hat das Zeitliche nicht in sich , denn sein Sein ist die Umwandlung des Zeitlichen ins Himmlische , weil er aber ist , so ist die Ewigkeit . Die Vernunft aber ist eine Säule , festgepflanzt in dem Menschen , sie ist aber ewig und also eine Stütze des Himmels , und wie sie eingegraben ist in uns und mit uns eins ist , so geht ihr Haupt in die Wolken , und in ihrer Wurzel liegt die Zeit , aber wie sich aus dem Stoff der Geist entwickelt , so entwickelt sich die Ewigkeit aus dieser Zeit und steigt in der Vernunft zur Ewigkeit , und der Mensch wird durch die Vernunft aus einem Irdischen ein Himmlisches . An die Bettine Frankfurt Melonen , Ananas , Feigen , Trauben und Pfirsich und die Fülle südlicher Blüten , die eben in Eurem Hause sorglich verpackt werden , haben mir Lust gemacht , Dir das Violen- und Narzissensträußchen ( Wandel und Treue ) beizulegen , ich hätte mich gern selbst mit hineingelegt . Der Heliotrop mit den Nelken und Jasmin zusammen ist ein aparter Strauß vom Gontard für Dich , er trug mir auf , es Dir zu melden . Es ist mir jetzt recht traurig , da Du fort bist . - Das Schicksal frönt Deiner Zerstreutheit , bei Euch auch ist ein