murden , jetzt noch unnützer und geschäftsloser umherschweiften . Die nach Außen und Innen friedlichen Zeiten hatten diese frühere Gewalt auch von selbst ihres Werthes beraubt , denn entlassen waren diese zahllosen Bedienten nicht , und Herr und Diener sahen diese Schwelgerei unbeschäftigter Vasallen als einen nothwendigen Tribut an , den sie der Hoheit ihres Standes brachten . Doch war dieser Brauch , der in die Häuser der meisten Großen den Geist der Unordnung und Zügellosigkeit brachte , hier auch in Grenzen gewiesen , die in Uebereinstimmung standen mit der hohen sittlichen Strenge ihrer Oberhäupter . Geprüfte Personen , an Bildung und Rang über die Dienerschaft erhaben , sorgten in den verschiedenen Abtheilungen dieses weiten Palastes für die Befolgung der strengen Vorschriften , welche diese Schwelger in Ordnung hielten , und waren mit hinreichender Gewalt bekleidet , um ihren Geboten Nachdruck zu geben . So glich das Schloß mehr einem kleinen , wohlgeregelten Staate , worin durch Pflichttreue und Fähigkeiten Erhöhung zu erlangen , und der Dienst im Schlosse , endlich in den Gemächern der herzoglichen Familie , ein Gegenstand war , um den sich der Ehrgeiz der Schloßdienerschaft drehte ; denn grenzenlos war die Verehrung für ihre großmüthigen und erhabenen Herren , durch deren Glanz sie sich selbst über die Klasse ihres Standes erhoben wähnten . Fast theilte England die Meinung der Vasallen . Das Geschlecht der Herzöge von Nottingham hatte durch Jahrhunderte einen seltenen Rang behauptet , in der Geschichte des Vaterlandes sowohl , als in der öffentlichen Meinung , die über Tugend und Karakter entscheidet ; und es war um so höher zu verehren in den unruhigen Zeiten , welche die Inkonsequenz der Beherrscher über dieses so lange den schrecklichsten Parteiungen hingeopferte Land herbeigeführt hatte . War das Schicksal auch nicht , ohne Opfer zu fordern , an ihrer Schwelle vorüber gegangen , das Höchste war ihnen geblieben : eine feste Behauptung edler Gesinnung ! Nicht dem thörichten Wankelmuth zum Raube , der England seit Heinrich dem Achten zum religiösen und politischen Spielball seiner sich stets widersprechenden Könige machte , blieben sie treu ihren Unterthanspflichten , aber bei freier Bewahrung religiöser Ansicht , und zugleich in Milde und Duldung gegen anders Denkende . So wurden sie nie in die unseligen Kriege und Zwistigkeiten verwickelt , die , der Natur und ihren heiligen Gesetzen Hohn sprechend , die Bewohner eines Landes , oft eines Heerdes zu blutiger Verfolgung für einen Glauben bewaffneten , dessen kaum Einer unter Tausenden sich klar bewußt war ! Sie hatten in einer ruhmvollen Reihefolge den Feinden nach Außen sich gegenüber gestellt , die Verläumdung scheiterte an ihren patriotischen Opfern für Englands Beschützung , während an auswärtigen Höfen zu allen Zeiten die oft wiederholten Sendungen geistvoller Männer dieses Hauses achtungsvolle Aufnahme fanden . Zur Zeit der Reformation warb Ortmar , Graf von Derbery , um die Prinzessin von Cleve für Heinrich den Achten . Erleuchtet von dem göttlichen Geiste Luthers , kehrte er aus Deutschland zurück , und von ihm ging für die Familie die Aufklärung aus , welche sie in fester Ueberzeugung ihrem alten Glauben entführte , und von da an zu treuen Anhängern der unter Eduard dem Sechsten beginnenden , unter Elisabeth endlich fest begründeten anglikanischen Kirche machte . Zur Zeit der katholischen Maria vom Hofe verbannt , zu ausgezeichnet , um größeren Verfolgungen ausgesetzt zu sein , entstiegen sie in verdoppeltem Glanze mit Elisabeth ihrer tugendhaften Verborgenheit , und der Vater des eben verstorbenen Herzogs genoß mit seinem ganzen Hause alle Auszeichnungen , welche diese erhabene Fürstin für die Belohnung treuer Anhänglichkeit so sinnreich zu erdenken wußte . Gern hätte sie dazu die unmittelbare Mitwirkung des Herzogs an den Regierungsgeschäften gefügt , wäre nicht die Neigung desselben , bei zunehmendem Alter sich auf den Umgang seiner Familie zu beschränken , ihr hinderlich gewesen , worein sie sich jedoch fand , ohne ihm ihre Gnade zu entziehen . Was indessen der Vater ihr versagen gedurft , glaubte sie desto bestimmter von seinem einzigen Sohne fordern zu können , und so ward der junge und schöne Mann an ihren Hof gerufen . In den ernsten und gelehrten Cirkeln , die sie selbst umgaben , legte er , als der erste ihrer Diener , durch Umgang mit den ausgezeichnetsten Personen der damaligen Zeit den Grund zu der hohen Bildung , welche sich so segensreich für seine Familie zeigte . Sie sandte ihn später mit höchst wichtigen Aufträgen an Wilhelm von Oranien und vermählte ihn bei seiner Rückkehr mit einer Gräfin von Burleigh , welche sie als das erste Fräulein ihres Hofes angesehen wissen wollte , und welche in jeder Beziehung diesen Vorzug ihrer Königin verdiente . Sie sah ihren ehemaligen Pagen , wie sie ihn gern nannte , als ihr Werk an und war eitel darauf , die Erziehung eines Mannes vollendet zu haben , wie sie sich oft ausdrückte . Als dem Grafen kurz hintereinander zwei Söhne geboren wurden , äußerte sie lebhaft ihre Freude über das Fortblühen dieses Geschlechts , und machte sich mit einem Geschenke , welches bei ihr selten vorkam , zur Pathin des ersten , und ernannte den zweiten Sohn zum Grafen von Glandford , mit Wiederverleihung einer unter Maria confiscirten Besitzung , welche früher der Familie als freies Witthum der Gräfin Devereux mit der Bestimmung zugefallen war , dem zweiten Sohne der Familie Namen , Rang und Reichthum zu gewähren . Elisabeth freute sich , diese Stiftung auf Wunsch der Oberhäupter der Familie erneuern und sanctioniren zu können , und so zugleich eine Ungerechtigkeit ihrer gehaßten Vorgängerin wieder gut zu machen . Wenige Jahre später sandte sie ihn nach Frankreich an Catharina von Medicis , wo damals Troymorton , ihr ausgezeichneter Gesandter , sich aufhielt . Sie verzögerte seine Zurückberufung um ein Jahr , ihn selbst und den arglistigen Versailler Hof , der eine Vermählung des Herzogs von Anjou mit Elisabeth beabsichtigte , durch tausend kleine Vorspiegelungen hinhaltend , hinter denen sie gern ihre wahren Absichten verhüllte . Der Graf von Derbery fand bei seiner Rückkehr seinen Vater nicht mehr und das Schloß nur von seiner trauernden Gemahlin bewohnt ; er eilte nun mit seinen beiden Söhnen nach London , um zu den Füßen seiner Königin den Lehnseid zu leisten und ihr die hoffnungsvollen Jünglinge vorzustellen , die sich schon in der Wiege ihrer Gunst erfreuten , und welche sie nun augenblicklich zum Aufenthalt an ihrem Hofe bestimmte . Der letzte und sicher nicht erwünschteste Auftrag der Königin bestimmte den Grafen , an Jakob den Sechsten die Nachricht von dem Tode seiner Mutter , der unglücklichen Maria von Schottland , zu überbringen . Wahrscheinlich leitete sie , neben der Rücksicht auf die Persönlichkeit dessen , der Jakob ihren Schmerzensbrief einhändigen und ihren merkwürdigen , allerdings etwas zweifelhaften Zorn gegen die Urheber dieser That bestätigen sollte , hauptsächlich der Wunsch bei dieser Wahl , den Herzog mit Jakob , den sie schon damals in der Stille zu ihrem Nachfolger ersehen hatte , zu befreunden . Durch die Art , wie sie den Herzog dem Könige empfahl , und der ungemeinen Hochachtung vertrauend , welche er sich überall zu erwerben wußte , war sie dies zu erreichen gewiß . Sie verlangte ausdrücklich , daß seine beiden Söhne ihn begleiten sollten , und berief unterdessen die Herzogin an den Hof . Robert , Graf von Derbery , der älteste Sohn , benutzte eben so , wie Archimbald , Graf von Glandford , diese Gelegenheit zu seiner Entwickelung mit ausgezeichnetem Eifer , und Archimbald , wie zum Diplomaten geboren , begleitete schon in den letzten Jahren der Regierung Elisabeths die Gesandtschaft , die mit Heinrich von Bearn wegen Sendung von Hülfstruppen gegen die Ansprüche Philipps des Zweiten auf die Thronfolge in Frankreich unterhandelte . Sein Benehmen war hier zwar ohne Einfluß , aber so fein und schicklich , daß Elisabeth von ihm Größeres für die Zukunft prophezeite . Zurückgekehrt , lebte er unter der Anleitung seines Oheims Cecil , ganz sich diesem Fache widmend . Er war das Bild der Selbstbeherrschung ! Seine Figur war mittler Größe und ohne Fülle , doch von einer augenscheinlich großen Kraft , die auch jeder seiner Bewegungen die vollkommenste Gewandtheit gab . Dies ließ die Meisten sehr leicht vergessen , daß dem Ausdrücke seines Gesichtes sowohl als seiner Figur jener imponirende , die Hoheit der Seele voraus verkündigende Anstand fehlte , den man vorzüglich später , als sein Name in seinem Vaterlande , wie an fast allen fremden Höfen bekannt ward , oft mit Befremden vermißte . Er beherrschte aufs Vollkommenste seine Muttersprache und außerdem fast alle fremden Sprachen , so wie die Sitten der von ihm besuchten Höfe ihm völlig bequem waren . Die Gabe , ohne allen Anschein der Beobachtung auch das Geringste wahrzunehmen , Alle durch seine Anreden oder Antworten zu befriedigen oder zu beschwichtigen , war ihm vollkommen eigen . Im Streit , in gelehrten oder politischen Unterhandlungen , bei der größten Ueberlegenheit im Wissen , Folgern und Beschließen , wußte er doch stets in die Einkleidung das bescheidene Aufhorchen eines Lernenden zu legen . Man konnte ihm nichts sagen oder mittheilen , was er nicht im Stande gewesen wäre , als längst bekannt und selbst in seinen fernsten Resultaten vorausgesehen , zurückzuweisen . Mit höchster Ruhe vermochte er den längsten Erörterungen zuzuhören , ohne das kleinste Zeichen der Ermüdung oder der Unaufmerksamkeit zu geben , und es stand eben sowohl in seiner Macht , endlich den Beifall daran mit Gründen zu rechtfertigen , als ihm die gefährliche Gewalt zu Gebote stand , in wenigen satyrischen oder kritischen Worten die auch noch so künstlich verflochtenen Gedanken ihres falschen Scheins zu entkleiden , und in ihr Nichts zurückzuführen . Doch konnte man ihm in seinem langen Leben nie nachsagen , daß er an einer guten Sache seinen Hang zur Satyre versucht hätte . Sein Stolz hatte bei dem vollen Bewußtsein seines Ranges und Namens doch jenen freieren Karakter , der sich in ihm mehr als Kosmopolit , denn als Engländer entwickelt hatte , und den zu hegen , er mehr vielleicht noch seinen Eigenschaften , als seinem Namen vergab . Robert , Graf von Derbery , der älteste Bruder und Erbe des herzoglichen Ranges , hatte bei mancher Verschiedenheit an Geist und Bildung den Bruder nicht erreicht . Er hatte von Elisabeth trotz seiner Jugend die Erlaubniß erhalten , den englischen Truppen zu folgen , die in der Normandie bei Dieppe zur Unterstützung des heldenmüthigen Heinrichs von Navarra erschienen , und so seinen heißesten Wunsch erreicht , der ihn mit schwärmerischer Verehrung zu diesem Prinzen zog . An Heinrichs kleinem Hofe , den kein anderer Glanz , als der der Waffen , schmückte , fand er jedoch Menschen , erwärmt von der großen Empfindung für Recht und begeistert von dem Gedanken der guten Sache : Zu siegen oder zu sterben ! Ihm ward die Wohlthat , die erste Idee , die ihn ausschließlich erfaßte , für eine große und erhabene ansehen zu dürfen , für die er das Leben mit allen seinen Gütern einsetzte , und sich in diesem Brennpunkt aller Kräfte , noch vor den Jahren , zum Manne zu zeitigen . Bald nachher war England durch den Tod seiner großen Beherrscherin in die tiefste und gerechteste Trauer versenkt . Elisabeth starb am vierundzwanzigsten Mai 1603 , und nachdem Jakob der Sechste von Schottland als Jakob der Erste den Thron von England bestiegen , hielten die Großen , die ihm durch frühere Verhältnisse näher getreten waren , es für nöthig , am Hofe zu erscheinen , und die Familie des Herzogs von Nottingham zeigte sich für einige Zeit in London . Zwar war Jakob umlagert von den schottischen Großen , denen er sich verpflichtet hatte , und die jetzt Hülfe forderten und fanden ; aber er war dennoch gerecht gegen seine neuen Unterthanen . Mit Erstaunen sah man Cecil , den Sohn des Grafen von Burleigh , seinen wichtigen Posten ruhig weiter behaupten , ohne seines Einflusses auf den Tod der unglücklichen Königin Maria weiter zu gedenken ; und während Jakob eben so eilig die Essex , Howards und Devereux aus ihrer Verbannung rief , gab er seinen Prinzen die Weisung , die Söhne der Gräfin Nottingham zu ihrem Umgange zu wählen . Nicht leicht ward ein Befehl des Königs mit mehr Lust erfüllt , als dieser . Die jungen Prinzen hatten schon in Schottland bei der damaligen Sendung des Herzogs , nach dem Tode der Königin Maria , wo die Jünglinge ihn begleiteten , mit den Grafen Freundschaft geschlossen . Obgleich Beide jünger , als die Grafen , glich sich doch dies leichter aus durch die angeborne Würde der Königssöhne . Seltsam aber und doch bei der Prüfung der Karaktere sehr natürlich , schlossen sich , wie magnetisch angezogen , die am innigsten aneinander , die durch das Alter sich ferner standen . Heinrich , Prinz von Wales , hing sich mit Enthusiasmus an den Grafen von Glandford , während Carl , der jüngere Bruder , sich nicht mehr von seinem geliebten Robert zu trennen vermochte . Jakob sah die jungen Leute , unter denen er sich stets gefiel , so viel , wie möglich , um sich , doch der Wunsch , seinen geliebten Georg Villers ihnen zuzugesellen , blieb unerfüllt . Ohne sich auszusprechen , schien es eine stillschweigende Verabredung , ihn bei aller Höflichkeit , die sie dem Lieblinge des Königs schuldig zu sein glaubten , auf eine feine Weise von sich entfernt zu halten . Der König war seltsam genug , dies für Geringschätzung gegen seinen , wenn auch alten , doch nicht sehr ausgezeichneten Namen zu nehmen , ließ häufig wohl verständliche Winke darüber fallen und sagte endlich , als er seinen Liebling zum Herzog von Buckingham erhoben hatte : Nun werden meine stolzen Prinzen und ihre Grafen den Villers schon leiden mögen . Leicht hätte er beobachten können , wie wenig er seinen Zweck erreicht hatte , wären nicht Veränderungen in den Verhältnissen der jungen Leute selbst entstanden . Der Herzog von Nottingham wünschte seinen ältesten Sohn zu vermählen , und zwar mit der einzigen Tochter des Heinrich von Digby , Grafen von Bristol . Lange Freundschaft verband die Häupter der Familien , und allerdings schien es für den jungen Grafen eine leichte Wahl , da die junge Gräfin so eben in dem vollen Glanze einer erhabenen Schönheit bei Hofe erschienen war ; und abgesehen davon , daß ihrer ein fürstlicher Reichthum harrte , schien ihr Geist von ungewöhnlicher Bildung , und ihr Karakter an Festigkeit und Würde fast ihrem Alter vorausgeeilt zu sein . Sie war der Mittelpunkt aller Träume und Wünsche , aller Intriguen und Huldigungen , während sie selbst mit stolzer Kälte Alle von sich entfernt hielt , und den Herzog von Buckingham blos aus Rücksicht für den König , den Grafen von Derbery aus Gehorsam gegen ihre Eltern zu dulden schien . Doch war leicht wahrzunehmen , wie Robert nur die Rücksicht beobachtete , die ihm die Verhältnisse beider Familien abnöthigten , während er mit glühendem Angesicht einem andern Sterne sich zugewendet hatte , der zur selben Zeit den Hof verherrlichte . Der König hatte die Mutter , den Bruder und die Schwester seines übermüthigen Lieblings in den Grafenstand erhoben , und auch ihnen den Namen Buckingham verliehen . Die neue Gräfin erschien mit ihren Kindern am Hofe , dem Könige zu danken und ihre Tochter der Königin vorzustellen . Die Gräfin war eine schöne , würdevolle Frau , aus einer vornehmen , schottischen Familie , durch eigenen Werth und ausgezeichnete Verbindungen zu einer bedeutenden Stellung berufen . Ihr zur Seite stand das Fräulein von Villers , ihre einzige Tochter , in einer so vollendeten idealischen Schönheit , so abweichend von allem , was man vor ihr darunter verstanden hatte , daß Jakob selbst , höchst unempfänglich für weibliche Reize , lachend sich die Hände vor ihr rieb , und höchst verlegen um einen Ausdruck , oft wiederholte , daß seine hochselige Mutter auch von großer Schönheit gewesen , nicht zum Frommen und Seegen ihres armen Landes . Gott sei ihr gnädig ! fügte er stets hinzu . Dies indirekte Lob gab zu verstehn , daß er die Gräfin zu einem ähnlichen Anspruch auf Schönheit berechtigt glaube . Gewiß war es , daß nicht allein der König , der seine Mutter nur nach einem Bilde aus ihrer ersten Jugendzeit kannte , sondern auch Alle , die der unglücklichen Fürstin damals persönlich näher getreten waren , die auffallendste Aehnlichkeit der jungen Gräfin mit jener durch ganz Europa berühmten Schönheit fanden . Man flüsterte , daß , als die junge Gräfin zuerst an dem Hofe der Königin erschien , und zwar wegen ihres kurz vorher verstorbenen Vaters in tiefer Trauer , der Graf von Burleigh gegen die Regeln der Etikette einige Schritte vor dem König vorausgeeilt und , als sie , dadurch erschreckt , die großen melancholischen Augen zu ihm aufgeschlagen , von einem jähen Schwindel befallen worden sei , der ihn genöthigt , Whitehall sogleich zu verlassen . Schrecken war fast auch die erste Empfindung , womit sein Neffe Robert die Gräfin ansah ; aber es war das Erschrecken , welches das unentweihte Herz erschüttert , wo die Liebe zuerst ihren Zauber verbreitete . Eine Sekunde schien ihn verwandelt zu haben . Zum ernsten Nachdenken über sich von Jugend auf gewöhnt , begriff er den Taumel nicht , in dem sich selbst wieder zu finden alle Bemühungen fruchtlos schienen ! Der erste Seufzer entstieg dieser lebenskräftigen Brust , voll Sehnsucht suchte er den Freund , aber beiden Prinzen hatte ihr hoher Rang an der Seite der höchsten Schönheit einen Platz verschafft , und Buckingham stand mit übermüthigem Lächeln und blickte auf den Triumph , den unbewußt die Schwester ihm erringen half . Der Platz neben der jungen Gräfin von Bristol blieb unberührt von Robert von Derbery . Er war und blieb im Saale , der diesen Zauber in sich schloß , aber er war unfähig zu einem Worte , ja , er sah die Gräfin kaum , die seltsam bleich und verändert den kühnen Annäherungen Buckinghams ein so hingebendes zerstreutes Wesen entgegensetzte , daß er weiter , wie je , gekommen zu sein schien und doch unzufriedener , als sonst , aus ihrer Nähe schied . Als Robert von Derbery den Prinzen nach seinen Zimmern begleitet hatte und das Gefolge bis auf ihn entlassen war , blickten die Jünglinge zuerst sich an , und stumm und heftig sanken sie einander in die Arme ! Da fühlte Carl heiße Thränen an seinen Wangen , erschrocken richtete er den Freund in die Höhe und sah fragend in das glühende schöne Gesicht seines Robert . Stumm blickten sie sich eng umschlossen an , und leise öffnete der Graf die Lippen . Das Geständniß , was seine vom Himmelsglanz der Liebe strahlenden Augen verkündigten , sollte ihnen entgleiten , als Carl zum Tode erbleichend sich aus seinen Armen riß und mit fürchterlicher Heftigkeit abwehrend , die Hand nach ihm ausstreckend , ihm fast mit Entsetzen zurief : Schweig ! Um Gottes willen , schweig ! Kein Wort ! Beim Himmel und der Erde , kein Wort ! - Starr blieben sie so stehn , alles Leben schien von Beiden gewichen , bis Robert , über den Zustand Carls von zärtlicher Angst ergriffen , seine kalten Hände faßte und an seinem glühenden Gesicht , an seinem treuen Herzen sie zu erwärmen strebte . Doch Carl lag jetzt still und wortlos an des Freundes Brust , seine Augen waren tief zu Boden gesenkt ; doch Beide , von Gefühlen überwältigt , sprachen kein Wort , bis schüchtern Porter , der Kammerdiener des Prinzen , die Thüre öffnete . Der Prinz kannte dies demüthige Zeichen , womit der treue Diener oft die langen Nachtwachen des Prinzen zu unterbrechen suchte ; er folgte auch dies Mal sanft , wie ein geduldiges Kind . Ohne einen Blick auf Robert zu wenden , drückte er ihm die Hand , und mit kaum vernehmlicher Stimme sagte er ihm : Bleib mir getreu ! Bis in den Tod ! rief der Graf und beugte ehrfurchtsvoll sein Knie , indem er die geliebte Hand an seine Lippen drückte . Der Prinz entrieß sie ihm , preßte sie mit Heftigkeit an seine Augen und war verschwunden . So lange der Hof Zeit behielt , war man damit beschäftigt , die beiden schönsten Damen des Hofes , die Gräfinnen von Bristol und von Buckingham , zu vermählen . Am nächsten hierzu schienen wieder die jungen Grafen von Drebery , der Herzog von Buckingham und noch einige minder wichtige Herren des Hafes . Aber wie dies einzurichten war , blieb ein weites Feld für die verschiedensten Muthmaßungen . Buckingham bewarb sich mit größter Zuversicht um die Gräfin von Bristol , und Niemand wagte an seinem Gelingen zu zweifeln , besonders da sein mächtigster Rival , Robert , Graf von Derbery , seit dem Erscheinen der Gräfin von Buckingham verloren schien für die übrige Welt . Ohne sich ihr bestimmt zu nähern , schien er doch in ihrer Nähe nur Luft und Nahrung einzuathmen . Ein Wort aus ihrem holden Munde , ein Blick aus ihren himmlischen Augen , die stets so ernst und freudlos umherschauten , schien Kraft und Leben in ihm hervorzurufen ; und wandte sie sich von ihm , brach er zusammen , als ob sie alle Kraft mit sich hinweg geführt . Er war so kindlich , so ohne Arg seinen Gefühlen hingegeben , daß er keine Ahnung davon hatte , wie kein Wesen bei Hofe lebe , das dies Gefühl nicht längst erkannt . Er sah weder die ernsten Blicke des Grafen von Bristol , noch hörte er die sanften Mahnungen seines geliebten Vaters . Seine Mutter berührte vergeblich mit zarter Frauenart die früheren Wünsche der Familie in Hinsicht seiner Vermählung . Mit sanftem Lächeln hörte er sie ruhig an , er verweigerte nicht , er gewährte nicht . Er schaute so rührend freundlich und doch so tief traurig in ihre Augen , daß ihr das Mutterherz zu brechen drohte , und wenn er sie verließ , wußte sie nicht , ob er sie nur gehört habe . Schon oft waren die Freunde zusammen getreten , sie hatten es gewagt , sich das Scheitern ihrer Hoffnungen zu gestehen , sie liebten beide den bezauberten Jüngling väterlich , und ein zartes Mitleiden mit seinem Zustande , den die wunderbar anziehende Erscheinung selbst bei den ältesten Männern zu rechtfertigen schien , nahm ihrem Unwillen seine Schärfe . Die junge Gräfin von Bristol blieb dagegen Allen undurchdringlich . Mit derselben Würde erschien sie jeden Tag in dem ausgesuchtesten Schmucke , mit der Behauptung einer völlig gleichen Laune , bei Hofe . Sie war besonnen und geistreich , ohne Heiterkeit oder Witz zu besitzen ; sie war prächtig , und ihre Stirn und der hohe , kalte Blick ihrer Augen wie zu einem Diadem geschaffen . Die blühende Fülle der Jugend , die sie vom Lande mitgebracht , und die ihrer Schönheit fast hinderlich war , hatte in der Stadt und von den endlosen Lustbarkeiten , denen sie wie einer Pflicht sich willig unterzog , gelitten , ihren Wangen war das glühende Licht entschwunden und ihrer Taille der volle Umfang ; sie war nur noch schöner dadurch , und Buckingham schwur tausend Mal , sie überstrahle seine Schwester , wie die Sonne den Mond ! Wenige nur theilten diese Meinung . Man kaufte sich mit der Anerkennung ihrer seltenen Schönheit los , um sich an der Gräfin von Buckingham mit allen Entzückungen der Liebe und Bewunderung zu sättigen . Aber man frug sich , warum diese himmlischen Wangen so bleich sahen , warum diese tiefen seelenvollen Augen so melankolisch blickten , dieser süße Mund so selten lächelte , da doch aus diesem Lächeln der Wohllaut eines innern Himmels hervor zu brechen schien . Ihre hohe vollkommene Gestalt , ihre Bewegungen , das einfachste Wort , was von ihren Lippen mit sanftem Tone drang , es schien so ganz anders , wie alles Uebrige ; und wenn die holdeste Demuth wie bittend aus ihr sprach , schien sie die Königin aller Gedanken , die Beherrscherin der Gefühle und Meinungen . Sie war der Liebling der Königin . Der König lächelte bei ihrem Erscheinen und sah ihr durch die langen Reihen nach . Man vermuthete , er hätte sie gern angeredet , hätte er je verstanden , einer Frau sich zu nähern ; aber er freute sich unter seltsamen Bewegungen des Gesichts und der Hände , wenn man sie rühmte , und rief oft , sein inneres Vergnügen dem Liebling zuwendend : Stenie macht mir immer Freude ! Sie gleicht ihm , setzte er hinzu ; doch schnell sich besinnend sagte er : Nein , nein , sie gleicht einer Andern ! Er meinte damit unfehlbar das Bild seiner Mutter , vor welches er den Herzog von Buckingham geführt hatte , in der Absicht etwas zu sagen , aber sein geheimer und großer Stolz hielt ihn doch ab , diese Aehnlichkeit auszusprechen , und so schwieg der ganze Hof . Um diese Zeit fing Heinrich , Prinz von Wales , an zu kränkeln . Graf Archimbald verließ sein Lager nicht ; Carl , der seinen Bruder zärtlich liebte , erschien nicht mehr bei Hofe , und Robert , von Freund und Bruder verlassen , kannte keinen andern Platz , als den an der Seite der jungen Gräfin . Für alle übrige Beobachtung verloren , gewahrte er doch mit dem klaren Blick der Liebe ihre zunehmende Schwermuth , unter der sie fast zu erliegen schien , und das ängstlich sorgsame Betragen der alten Gräfin , die mit den holdesten Worten mütterlicher Liebe die offenbar Leidende zu erhalten bemüht war . Da trat der Augenblick ein , der England seiner stolzesten Hoffnungen beraubte . Heinrich , Prinz von Wales , endete sein schönes , viel versprechendes Leben in den Armen seines verzweifelnden Bruders . Robert hatte in dieser schrecklichen Nacht zu den Füßen seines Carls gewacht , der in halbem Wahnsinne das Leben seines Bruders erhalten wissen wollte . Männlich fest , obwohl vom Schmerz und der langen Pflege geisterbleich , stand Archimbald in diesem Sturme . Er bereitete Jakob auf den Augenblick vor , er rief die Königin an das Sterbebette seines königlichen Freundes , und als Heinrichs letzter Seufzer sanft seinen edlen Geist entfesselte , sank er an seinem Lager nieder , verhüllte sein Gesicht in die kalte geliebte Hand und stand bald auf , Andere zu unterstützen . Den unglücklichen Carl trug man leblos von der Leiche seines Bruders . Sein zerstörender Schmerz zog den Jammer der königlichen Eltern von ihrem Verluste zu ihrem jetzt einzigen Sohne , den sie in ähnlicher Gefahr wähnten . Doch Carl hatte sich erholt , er riß sich von seinem Lager auf , als seine königlichen Eltern eintraten , er sank von Thränen überströmt zu ihren Füßen , und als sie ihn laut jammernd segneten , rief er gepreßt , als ob ihm das Leben mit diesen Worten entströmte : Ja , ich weihe mich zu dem fürchterlich erkauften Range Eures einzigen Sohnes ! Hier sank sein Kopf auf den Boden , und nur der Angstruf Jakobs : Rettet meinen Sohn , rettet meinen letzten Prinzen ! - Er stirbt ! - riß ihn vom Boden empor und gab ihm Kraft , so lange zu stehen , bis der Arzt das bekümmerte Paar entfernte , dem Prinzen Ruhe empfehlend . Ohne Widerstand ließ sich Carl auf sein Lager zurückführen , er schien die Lippen öffnen zu wollen , aber vergeblich , er schloß sie wieder . So lag er halb träumend , halb wachend eine qualvolle lange Nacht ; so öffnete er die Augen , unruhig suchend erreichte sein Blick den Grafen von Derbery , der an seinem Lager mit zärtlicher Angst ihn hütete . Er winkte ihn näher und wies mit einer Bewegung die Uebrigen an , zurück zu treten . Lange blickte er den Liebling an , prüfend , denkend , und endlich sagte er ihm leise einige Worte , die ihn bald darauf aus dem Krankenzimmer führten . Doch wer den jungen Grafen durch die Vorsäle gehen sah , bleich wie der Tod , mit geisterstieren Augen , weder Grußerwiedernd , noch gebend , der glaubte , der Tod habe mit riesiger Kraft auch diese blühende Jünglingsgestalt ergriffen . Der nunmehrige Prinz von Wales , der nachmals so unglückliche Carl der Erste , hatte sich bald erholt ; er fühlte , daß er um seiner Eltern willen seinem Schmerze gebieten mußte . Zwar schien Jugend und Heiterkeit von ihm gewichen , aber er stand wie ein Mann nunmehr dem Könige , seinem Vater , zur Seite . Das Einzige , was seine innere Erweichung verrieth , war seine erhöhte Liebe zu den Eltern , zu den Freunden . Niemals schien seine Seele inniger an Robert zu hängen , als jetzt ; aber der Graf blieb Allen ein Räthsel . Nachdem die tiefste Trauer vorüber war , bat er den Grafen von Bristol feierlich um die Hand seiner Tochter . Zurückgekehrt zu der festen Ruhe und Sicherheit , die ihn früher über Alle erhoben , schien die Zeit seiner Leidenschaftlichkeit vorüber . Er bat den Grafen um eine Unterredung mit seiner Tochter . Zu ihren Füßen und mit heißen Thränen hatte er lange zu ihr gesprochen ; er brachte den entzückten Eltern ihr Jawort , und blieb von dem Augenblicke der aufmerksamste und freundlichste Verlobte der stolzen , so schnell versöhnten Gräfin . In wenigen Stunden eilten die Väter zum Könige , um seine Erlaubniß bittend . Verlegen und erstaunt rief Jakob : Meine Lords , was thut Ihr , ich glaubte , Stenie wollte Eure Gräfin heirathen ! Der Herzog hatte sich nicht erklärt , und als dies Jakob hörte , ward er heiter , gab sein Wort , rühmte die Verlobten und überließ sich seiner ganzen Gutmüthigkeit . So einfach die Sache sich gelöst , so wunderlich lauteten doch manche nicht zu verhehlende Nebenumstände . Robert hatte an seinem