aller gefühlvollen Herzen , die Tränen aller Krieger verewigten auf immer sein Andenken . Er blieb bei dem Überfall zu Hochkirch , den 14. Oktober 1758 . Marschall von Schwerin . Die Ehre seines Jahrhunderts und der Schild des Vaterlandes . Er vereinigte alle bürgerlichen und kriegerischen Tugenden . Die Feinde , welche er bekämpfte , konnten ihm ihre Bewunderung nicht versagen . Am 10. April 1741 gewann er die Schlacht bei Mollwitz . Im Jahre 1744 befehligte er die Armee , welche Prag belagerte , und nahm die Festung Ziskaberg . Im Jahre 1756 war er an der Spitze der preußischen Armee , welche durch Schlesien in Böhmen eindrang . Und obgleich das feindliche Heer ihm überlegen war , führte er dennoch einen Angriffskrieg gegen die von Piccolomini befehligten Österreicher . Die Völker , gesichert durch seine Menschlichkeit , verehrten seinen Heldenmut . Die Fahne in der Hand fiel er als Opfer seines Eifers bei Prag am 6. Mai 1757 . Leopold , regierender Fürst von Anhalt-Dessau , einer der vollkommensten Feldherrn ; er zeichnete sich im spanischen Erbfolgekriege aus . Turin war Zeuge seiner Kriegstaten . Er kämpfte dort an der Spitze der Preußen , welche er auch im Kriege 1742 in Oberschlesien anführte . Im Jahre 1745 schlug er die Sachsen bei Kesselsdorf , und bahnte sich den Weg nach Dresden . Sein militärisches Genie und sein Mut werden ihn auf immer unsterblich machen . August Ferdinand , vierter Sohn des Königs Friedrich Wilhelm , war 1757 bei der Einschließung von Prag , und wurde bei einem Ausfall der Feinde verwundet . In der Schlacht bei Breslau , den 22. November desselben Jahres , behauptete er bis zu Ende der Schlacht einen wichtigen Posten . In der Schlacht bei Leuthen erwarb er sich neue Lorbeeren . Ebenso schätzbar durch seine Tugenden , als durch seine Taten . General von Seydlitz zeichnete sich aus von Jugend auf . Er war bei allen Feldzügen des Siebenjährigen Krieges zugegen , und stets mit Ehre und Ruhm . Durch Geschicklichkeit , Unerschrockenheit , vereinigt mit Schnelligkeit und Geistesgegenwart , wurden alle seine Kriegstaten den Feinden verderblich . Lowositz , Kollin , Roßbach , Hochkirch , Zorndorf , Kunersdorf und Freiberg sind ihm Denkmäler des Sieges . Oft wurde er gefährlich verwundet . Die preußische Reiterei verdankt ihm den Grad der Vollkommenheit , welchen der Fremde bewundert . Dieser seltene Mann , alle Gefahren überlebend , verschied im Arme des Friedens . General von Zieten erreichte ein eben so glückliches als ehrenvolles Alter . Er siegte in jedem Gefechte . Sein kriegerischer Scharfblick , vereinigt mit einer heroischen Tapferkeit , sicherten ihm den glücklichen Ausgang jeden Kampfes . Aber was ihn über alles erhob , waren seine Redlichkeit , seine Uneigennützigkeit und seine Verachtung aller derer , welche auf Kosten der unterdrückten Völker sich bereicherten . Der Herzog von Bevern . Er entschied 1756 den Sieg bei Lobositz . Im Jahre 1757 drang er aus Schlesien in Böhmen ein , und seine weisen Maßregeln verschafften ihm bei Reichenberg den Sieg über die Österreicher . In demselben Jahre widerstand er mit 22000 Mann der Daunschen Armee , welche 80000 Mann stark war , und nur nach der mutigsten Gegenwehr unterlag er bei Breslau . 1762 mit einem Korps bei Reichenbach aufgestellt , wurde er in Front und Rücken durch überlegene Macht angegriffen . Er schlug sie zurück und behauptete das Schlachtfeld . General von Platen . Er diente mit Auszeichnung in allen Kriegen , und war bei vielen Schlachten zugegen . Nach der Niederlage bei Kunersdorf sammelte er die zerstreuten Heereshaufen , deckte den Rückzug , blieb während der Nacht auf seinem Posten und ging erst am andern Morgen über die Oder zurück . Im Jahre 1762 wurde er mit einem Korps von dem König abgesendet ; er schlug bei Posen 6000 Russen , machte viele Gefangene und vernichtete ihre Magazine . Er starb 1787 . Rechtsfront Oberstleutnant von Wedell . Mit einem Bataillon Grenadiere , aus zwei Kompanien der Garde und zwei vom Regiment Kronprinz zusammengesetzt , verteidigte er bei Selmitz in Böhmen mehrere Stunden lang , gegen die ganze österreichische Armee , den Übergang über die Elbe . So verschaffte er dem preußischen Heere die nötige Zeit , seine Quartiere zu erreichen . Nach fünf Stunden nötigten ihn die zahlreichen Batterien der Feinde zum Rückzuge . Als Prinz Karl über den Fluß gegangen war , in der Meinung , ein zahlreiches Heer bekämpft zu haben , erfuhr er durch einen Gefangenen , daß ein einziges Bataillon , aber von einem Helden angeführt , diese schöne Verteidigung gemacht habe . Mit demselben Bataillon griff er in der Schlacht bei Soor , am 30. September 1745 , den linken Flügel der Österreicher an , und endigte hier sein Heldenleben . Generalleutnant von Hülsen . Sehr geschätzt durch seine militärischen Talente . Fast in allen Schlachten war er zugegen , oft verwundet , und durch seine Unerschrockenheit stets ausgezeichnet . Im Jahre 1760 in der Schlacht bei Torgau wurde der linke Flügel , bei welchem er sich befand , zurückgetrieben . Er sammelte einige Flüchtlinge . Da aber seine Pferde getötet waren , und sein Alter und seine Wunden ihm nicht erlaubten , zu Fuß sein Korps anzuführen , so setzte er sich auf eine Kanone , und gelangte so , mitten im feindlichen Feuer , zum rechten Flügel . von Tauentzien , General der Infanterie . In allen Feldzügen zugegen ; seine Wunden sind rühmliche Denkmäler seines Mutes . 1760 verteidigte er Breslau gegen Laudon . Er befehligte 1762 die Belagerung von Schweidnitz , und erfreut sich gegenwärtig eines ehrenvollen Alters . von Möllendorf , General der Infanterie , war bei allen Feldzügen von 1740 bis 1778 . Bei Torgau , 1760 , bemächtigte er sich der Anhöhen von Siptitz , und entriß dadurch dem Feinde den Sieg . Im Jahre 1762 , als er auf gleiche Art die Anhöhen von Burkersdorf gewonnen hatte , nötigte dies den Marschall Daun , seine Stellung zu verändern , welches die Belagerung von Schweidnitz erleichterte . Im Winter von 1778 bis 1779 befehligte er bei der in Sachsen stehenden Armee ein besonderes Korps und schlug den Feind bei Brixen . Generalleutnant von Haucharmoi . Aus Frankreich herstammend . Er war während des spanischen Erbfolgekrieges in Italien und Flandern bei dem preußischen Heere zugegen . Im Kriege 1740 zeigte er sich wie ein zweiter Bayard , ohne Furcht und ohne Tadel . In der Schlacht bei Prag , den 6. Mai 1757 , starb er auf dem Bette der Ehren . General von Retzow , Intendant der Armee . 1758 befehligte er ein von der Armee des Königs getrenntes Korps . Er war bei Weißenberg gelagert , wo der rechte Flügel der Daunschen Armee ihm gegenüber stand . Am Tage des unglücklichen Überfalls bei Hochkirch , den 14. Oktober 1758 , besetzte er eine Anhöhe hinter der Armee des Königs , und wurde so durch seine Klugheit und Tapferkeit der Rückzug gedeckt . Er starb einen Monat darauf , als er seinem Vaterlande einen so wichtigen Dienst geleistet hatte . Oberst von Wobersnow , erster Adjutant des Königs . Er zeichnete sich aus durch lebhaftes Ehrgefühl und große militärische Kenntnisse . 1757 in der Schlacht bei Prag , als er den preußischen linken Flügel sammelte , um solchen aufs neue gegen den Feind zu führen , wurde er verwundet . Er war bei allen Feldzügen gegen die Russen . Die Schlacht bei Kai wurde wider seinen Willen geliefert ; die Preußen verloren sie , und er fiel als Held . Linksfront von Wunsch , General der Infanterie . Er trat in Dienst 1756 als Offizier bei einem Freikorps , und erhob sich zu höheren Graden durch sein Genie und seine militärischen Talente . Im kleinen Krieg waren alle seine Unternehmungen glücklich und erwarben ihm allgemeine Achtung . 1759 schlug er mit einem kleinen Korps bei Torgau die weit überlegenen Feinde . Im nämlichen Jahre , nahe bei Düben , schlug er das Vordertreffen der Feinde . Ein gefangener General , Fahnen und Kanonen waren die Denkmäler seines Sieges . Er starb 1788. von Saldern , Generalleutnant . In allen Feldzügen zugegen . In taktischen Kenntnissen hochberühmt . Gleichermaßen geschätzt wegen seiner Tapferkeit und seiner Biederkeit . Er zeichnete sich aus bei der Torgauer Schlacht . Starb im Jahre 1785. von Prittwitz , General der Kavallerie . Er diente sowohl unter den Dragonern , als Husaren , und zeichnete sich aus durch seine Tapferkeit in mehreren Schlachten , wo er zugegen war . Dieses erwarb ihm die besondere Achtung des Königs , der ihm das Regiment Gensdarmes erteilte , das er noch jetzt befehligt , und sich immer schätzbarer macht durch seinen Eifer und seine Tätigkeit . von Kleist , General der Husaren . Erwarb sich im Siebenjährigen Kriege hohen Ruhm . Geschickt in allen Gewandtheiten des kleinen Krieges , war er auch zu großen Unternehmungen sehr geeignet , deren Erfolg seine Talente dem Feinde furchtbar machten . Stets geliebt von den Truppen , die er befehligte , machte er durch seine Taten seinen Namen unsterblich . Im sechsunddreißigsten Jahre seines Alters , 1767 , endigte er seine Laufbahn . von Dieskau , Generalleutnant der Artillerie , diente von Jugend auf und erwarb sich die höchste Achtung seines Korps , welches er während des Siebenjährigen Krieges als Chef befehligte . Er war tätig , wachsam , arbeitsam . Bei allen Belagerungen zugegen . Auch in den Schlachten , bei welchen er war , leistete er wichtige Dienste . Er starb in einem hohen Alter . von Ingersleben , Generalmajor . Von einer geprüften Tapferkeit hat er die stärksten Beweise gegeben . In der Schlacht bei Prag , 1757 , wurde er mit Wunden bedeckt , deren indes keine tödlich war . In demselben Jahre aber verlor er sein Leben in der Schlacht bei Breslau , am 22. November , wo er als Held focht . von Henkel , Generalleutnant . Graf von Henkel , Adjutant des Prinzen Heinrich von Preußen während der Feldzüge von 1757 und 1758 , zeichnete sich aus in den Schlachten bei Prag und Roßbach . Im Winter 1757 und 1758 unterstützte er den General von Tauentzien beim Überfall von Horneburg . In der Schlacht bei Torgau , im Jahre 1760 , an der Spitze des Regiments Prinz von Preußen , gab er neue Beweise seiner Tapferkeit . Rückfront von Goltz , Adjutant des Königs . Er wurde 1756 nach Preußen gesendet , um den Marschall Lehwald , welcher die Armee gegen die Russen befehligte , mit seinem Rat zu unterstützen . Ein umfassender , tiefblickender Geist , mit militärischen Kenntnissen vereint , würde seinen Namen verherrlicht haben , wenn sein alle Gefahren verachtender Mut in der Schlacht bei Jägerndorf ihn nicht dem Vaterland entrissen hätte . von Blumenthal , Major im Regiment Prinz Heinrich . Sein heller Geist , sein rechtliches Gemüt , führten ihn Hand in Hand der Vollkommenheit entgegen , als er bei Verteidigung eines Postens bei Ostritz in der Lausitz getötet wurde , am 31. September 1756. von Reder , Chef eines Kavallerieregiments . Als Kommandeur des Kürassierregiments Schmettau durchbrach er die österreichische Infanterie , und nahm ein ganzes Regiment gefangen . Am 29. Oktober 1762 , in der Schlacht bei Freiberg in Sachsen , erwarb er sich neuen Ruhm . von Marwitz , Quartiermeister bei der Armee des Königs . Erwarb sich große Verdienste in allen Kriegen , war bei allen Schlachten zugegen und zeichnete sich aus bei mehreren Vorfällen . Er starb 1759 im sechsunddreißigsten Jahre seines Alters . Vielleicht wären sein Wert und seine Verdienste vergessen , wenn dieses Denkmal sein Andenken nicht aufbewahrte . De-Quede , Adjutant beim Prinzen von Preußen , Bruder des Königs , Major im Regiment Prinz Heinrich . Seine richtige Urteilskraft , sein fester Charakter , seine Unerschrockenheit ließen wünschen , er möchte auf lange Zeit dem Staate nützlich werden . Aber 1757 , in der Schlacht bei Prag , wurden ihm durch eine Kanonenkugel beide Füße weggeschossen . Er lebte noch einige Stunden , und unter den heftigsten Schmerzen verleugnete sich sein Heldenmut nicht , bis zum letzten Hauch . von Platen , Adjutant des Marschalls von Schwerin . Er vereinigte alle Eigenschaften , welche Hoffnung gaben , er würde diesen großen Mann ersetzen . Er fiel ihm zur Seite am 6. Mai 1757 . So die Namen der achtundzwanzig , die die Wahl des Prinzen traf , eine Wahl hinsichtlich deren dieser selbst empfand , daß sie parteiisch getroffen sei . Weshalb er auch der schon vorzitierten , von den » preußischen Helden « sprechenden Widmung noch folgende Zeilen hinzufügte : Leurs noms gravés sur le marbre Par les mains de l ' amité , Sont le choix d ' une estime particulière Qui ne porte aucun préjudice A tout ceux qui comme eux Ont bien merité de la patrie Et participent à l ' estime publique . Kein Präjudiz also gegen alle diejenigen , die außerdem noch an der » estime publique « teilgenommen haben . Diese Worte rücksichtsvoller Verwahrung sind ganz im Geiste des Prinzen Heinrich gesprochen . Er gibt seine Meinung und gibt sie zum Teil ( diplomatisch genug ) ausschließlich dadurch , daß er schweigt , aber selbst dies Schweigen erscheint ihm noch wieder zu verletzend , und er fügt ein milderndes » ohne Präjudiz « hinzu . Dies bezieht sich auf das Fehlen besonders dreier Namen : von Winterfeldt , von Fouqué und von Wedell . Auf der einen Seitenfront befindet sich zwar ein » Wedell « , doch ist dies ein älterer General desselben Namens , der schon 1745 bei Soor fiel , nicht der Wedell , der als Liebling und Vertrauensmann des Königs abgeschickt wurde , um gegen die anrückenden Russen den Grafen Dohna im Kommando zu ersetzen , und der tags darauf , trotz all seiner Tapferkeit , bei Kay geschlagen wurde . Dieser fehlt , wie vor allem , um es zu wiederholen , Winterfeldt 56 fehlt , wogegen alle diejenigen , die bei der einen oder anderen Gelegenheit von der Ungnade des Königs betroffen wurden , ziemlich sicher sein dürfen , an diesem Obelisken ihr Konto in Balance gebracht zu sehen . So der Herzog von Bevern , von der Marwitz , Oberst von Wobersnow , Prinz August Wilhelm selbst . Eine jede dieser Medailloninschriften ist von Bedeutung und kann uns , solange der » kritische Kommentar « , den der frondierende Prinz zu dem großen Geschichtsbuche seines Bruders geschrieben haben soll , ein Geheimnis bleibt , als Fingerzeig und kurzer Abriß dessen gelten , was in jenem » Kommentar « an Ansichten niedergelegt wurde . Der Obelisk richtet sich in seiner Kritik in erster Reihe gegen den König , aber an manchen Stellen , und zwar gleichzeitig ausgesprochener Anerkennung unerachtet , doch auch gegen den einen oder anderen der berühmtesten Generale . So scheint ihm beispielsweise der schon damals im Volke lebende Glaube , daß » Schwerin mit der Fahne « die Prager Schlacht entschieden habe , vielleicht im Gefühl dessen , was er selbst geleistet hatte , nicht angenehm gewesen zu sein , weshalb er , nachdem er die früheren Taten Schwerins mit großer Wärme des Ausdrucks aufgezählt hat , in ziemlich nüchterner Weise schließt : » Un drapeau à la main il fut la victime de son zèle devant Pragne le 6 de Mai 1757 « . Er rühmt nur den » Eifer « , weiter nichts . Die schönsten Worte richten sich unzweifelhaft an Zieten , weshalb ich nicht umhin kann , sie hier noch einmal , und zwar in ihrer originalen Fassung zu wiederholen : Toutes les fois qu ' il combattit , il triompha . Son coup d ' oel militaire joint A sa valeur héroïque Decidoit du succès des combats ; Mais ce qui le distinguait encore plus Ce furent son intégrité , son desintéressement Et son mépris pour tous ceux Qui s ' enrichissaient aux dépens Des peuples opprimés . Innigkeit und wahre Verehrung spricht aus jeder Zeile . Der alte Husar ist auch hier Sieger geblieben . Zwischen Boberowwald und Huwenowsee Der Rheinsberger Hof von 1786-1802 Zwischen Boberowwald und Huwenowsee oder Der Rheinsberger Hof von 1786 – 1802 Bis 1786 war der Aufenthalt des Prinzen Heinrich in Rheinsberg ein vielfach unterbrochener : Kriege , Reisen und diplomatische Missionen hielten ihn jahreslang fern . Erst von 1786 ab gehörte er dem » stillen Schloß am Boberowwalde « mit einer Art von Ausschließlichkeit an . Das beinah völlige Sichfernhalten von der Welt , das nun eintrat , war nur zu kleinerem Teile des Prinzen freie Wahl . Den großen König , seinen Bruder , hatte er nie geliebt , aber doch respektiert , und erst nach dem Tode desselben war ein Wesen oder auch Unwesen in den Regierungskreisen eingerissen , das ihm eine Beteiligung daran ( die wie Gutheißung ausgesehen hätte ) zur Unmöglichkeit machte . Hierzu kam , daß man auch andererseits , will also sagen auf seiten des Hofes , ohne ihn fertig werden zu können glaubte . Man erbat seinen Rat nicht mehr und so gab er ihn auch nicht mehr . Mit höchster Mißbilligung sah er auf den Einfluß der Rietz und ihres Anhangs . » In dieser Spelunke ist alles infame « sprach er laut vor sich hin , als er eines Tages an dem Palais der ( späteren ) Gräfin Lichtenau vorüberkam . Das entschied . Ein Prinz , der , bei sonst großer Zurückhaltung , über die Favoritin ein solches Wort äußern konnte , gehörte nicht mehr an den Hof und sprach dadurch seine eigene Verbannung aus . Die Verstimmung des Prinzen war eine so tiefe , daß ihm Rheinsberg nicht mehr fern und abgelegen genug erschien , weshalb denn auch der Wunsch immer lebendiger in ihm wurde , seiner Tage Rest in Frankreich zu verbringen . Schon 1784 hatte er sich schweren Herzens von Paris getrennt und dem Herzoge von Nivernois die Worte zugerufen : » Ich verlasse nun das Land , nach dem ich mich ein halbes Leben lang gesehnt habe und an das ich , während der zweiten Hälfte meines Lebens , mit so viel Liebe zurückdenken werde , daß ich fast wünschen möchte , ich hätte es nicht gesehen . « Nach diesem Lande seiner Sehnsucht zog es ihn jetzt mit verdoppelter Kraft , aber die Götter waren seinem Vorhaben nicht hold , und es schien , daß er dem engen Kreise verbleiben sollte , dem er seit fast vierzig Jahren , wenn auch mit mancher Unterbrechung , angehört hatte . 1787 machten politische Konstellationen die Übersiedlung nicht möglich , 1788 im Juni ging er wirklich und trat auch wegen Ankaufs eines in der Nähe von Paris gelegenen Grundbesitzes in Unterhandlungen ein , aber ehe sie zum Abschluß gelangen konnten , zogen die Wetter der Revolution immer drohender herauf , und der Prinz , der sich nach Ruhe sehnte , kehrte schweren Herzens in seine Rheinsberger Einsiedelei zurück . Von da ab gehörte er derselben ganz . Meine Aufgabe wird in folgendem darin bestehen , den Prinzen in diesem seinem Stilleben zu schildern , und mit einiger Bestimmtheit festzustellen , in welcher Art und welcher Genossenschaft er das letzte Jahrzehnt seines Lebens verbrachte . Diese meine Aufgabe war insoweit schwierig , als gedruckte Mitteilungen aus jener Epoche so gut wie gar nicht vorliegen , aber ich genoß dafür des Vorzuges , Personen zu begegnen , die jene letzten Prinz-Heinrich-Tage teils noch miterleben durften oder doch von eben diesen Tagen wie von etwas Jüngstgeschehenem hatten sprechen hören . Es bezieht sich dies namentlich auf die Mitteilungen über den Major von Kaphengst und den Grafen und die Gräfin La Roche-Aymon . Die Rheinsberger Kirche hat zwei Glocken aus dem Jahre 1780 . Die kleinere bedeutet wenig , desto mehr die größere , darauf wir folgende Namen verzeichnet finden : Prince Frédéric Henri Louis de Prusse , frère du Roi . Major de Kaphengst . Baron Frédéric de Wreich . Baron Louis de Wreich . Baron de Kniphausen . Baron de Knesebeck . de Tauentzien . Alle diese waren Kavaliere des Prinzen . Rechnen wir hier zu den Bibliothekar und Vorleser des Prinzen , erst Francheville , dann Toussaint , danach die Mitglieder einer französischen Schauspielertruppe samt einer deutsch-italienischen Kapelle , schließlich aber eine Anzahl Kammerdiener , Lakaien und Leibhusaren , so haben wir alles beisammen , woraus sich 1780 der Rheinsberger Hof zusammensetzte . Die vorgenannten Kavaliere wohnten im Kavalierhause , die Lakaien und Kammerdiener im Schloß , endlich die Künstler aller Art in der Stadt zur Miete . Einen zweiten sicheren Anhaltepunkt , ebenso zuverlässig wie die Glockeninschrift , geben uns die » dernières dispositions « des Prinzen , aus denen wir ersehen , daß um 1802 der Hofmarschall Graf Röder , der Adjutant Graf La Roche-Aymon , der Kammerrat Lebeauld und der Baurat Herr Steinert die Umgebung des Prinzen bildeten . Major von Kaphengst , Baron Knesebeck und Tauenzien lebten noch ; unter allen Umständen aber gewinnen wir , wenn wir die bestimmt verbürgten Namen von 1780 und 1802 zusammentun , einen Überblick über die Mehrzahl der Persönlichkeiten , die während der letzten zwanzig Jahre die Träger und Repräsentanten des Rheinsberger Hoflebens waren . Über jeden der Genannten werde ich einige Worte zu sagen , über Kaphengst und La Roche-Aymon aber mich ausführlicher zu verbreiten haben . Ehe wir indes zu diesen Personalien übergehen , versuche ich es zuvor in allgemeinen Zügen festzustellen , unter welcher Benutzung der Zeit die Rheinsberger Tage verflossen . Der Vormittag gehörte der Arbeit , während der Nachmittag der Gesellschaft , dem Diner , der Lektüre , 57 dem Schauspiel und der Musik gewidmet war . Nur gelegentlich fanden Ausflüge statt , und noch seltener waren Feste , für die der Prinz , in früheren Jahren , eine entschiedene Vorliebe gehegt hatte . Wenden wir uns zunächst dem Vormittage zu , der Arbeitszeit des Prinzen . Da er ( unähnlich seinem großen Bruder , mit dem er übrigens die Antipathie gegen die Jagd gemein hatte ) von der Landwirtschaft eine niedrigste Meinung hegte , zugleich auch offen aussprach , daß das Säen und Ernten zwar sehr wichtig , aber Sache jedes Bauern sei , so nahm ihm die Verwaltung seiner Besitzungen , die er seinen Pächtern und Inspektoren überließ , nichts von seiner Zeit . Er konnte dieselbe vielmehr ungestört seinen Studien widmen . Unter diesen stand das Studium der Kriegswissenschaften und der schönen Literatur , soweit sie Frankreich betraf , obenan . Er las mit nie sich abschwächender Vorliebe die Werke der französischen Philosophen , schwärmte für Voltaire und schrieb selber Verse , von denen mit satirischem Anfluge bemerkt worden ist , » daß sie lebhaft an die Verse seines Bruders erinnert hätten . « Übrigens wurden seine dichterischen Versuche von seinen französischen Vorlesern entfehlert , erst von Francheville , dann von Toussaint . Neben diesen poetischen Versuchen war es eine sehr ausgedehnte Korrespondenz , was seine Zeit in Anspruch nahm , und neben dieser Korrespondenz wiederum die Niederschreibung seiner Memoiren . Von diesen ist wenig zur Kenntnis der Welt gelangt . Seine Kritik des Siebenjährigen Krieges , oder mit anderen Worten des Königs selbst , ruht , wenn sie nicht vernichtet ist , wie manche vermuten , uneröffnet und zunächst unzugänglich in unseren Archiven . Andere seiner Arbeiten haben es verschmäht , unter dem Namen ihres erlauchten Verfassers in die Welt zu treten und sollen sich ( wenigstens teilweis ) in den militärischen Schriften wiederfinden , die zwischen 1802 und 1804 vom Grafen La Roche-Aymon , dem letzten Adjutanten des Prinzen , veröffentlicht wurden . Ein besonderes Interesse , das mag schon hier eine Stelle finden , nahm er an den Kriegs- und Siegeszügen Moreaus , welchen letzteren er über Bonaparte stellte , wobei freilich nicht vergessen werden darf , daß der Prinz 1802 bereits starb , also früher als die großen napoleonischen Schlachten , die so viele Staaten zertrümmerten , geschlagen wurden . Er erlebte nur Marengo noch . Seine Gegner haben nichtsdestoweniger aus dieser Vorliebe für Moreau den Schluß ziehen wollen , daß der Prinz nur ein Pedant und trotz aller seiner Korrektheit oder vielleicht auch um dieser willen , nicht imstande gewesen sei , das wirkliche Genie zu begreifen . Die Nachmittagsstunden gehörten zunächst dem Diner . Man aß zur Winterzeit im Schloß , während des Sommers aber , sooft es das Wetter erlaubte , im Freundschaftstempel oder auf der Remusinsel . Der Prinz war persönlich außerordentlich mäßig , und eine gebackene Speise wie sie sein Bruder liebte : Maccaroni , Knoblauchsaft und Parmesankäse hätte ihn einfach getötet . Wie er die Frauen nicht liebte , so auch nicht den Wein , aber er war billig denkend genug , seinen Privatgeschmack nicht zum allgemeinen Gesetz zu machen , und seine Küche wie sein Keller ließen niemanden darben . Die Unterhaltung , wenngleich innerhalb gewisser Formen verbleibend , wie sie die Gegenwart eines Prinzen und noch dazu eines solchen erheischte , war doch innerlich vollkommen frei . Von Krieg und Kriegführung wurde selten gesprochen ; es schien als etwas zum Metier Gehöriges verpönt . Er war sehr eitel , und stilvolle Huldigungen , auch solche , die dem » siegreichen Feldherrn « galten , nahm er gern entgegen , aber er war andererseits viel zu vornehm , um das Gespräch auf seine Taten und Siege hinzulenken . Daß er Unterhaltungen der Art vermieden wünschte , sprach sich schon darin aus , daß niemand in Dienstkleidung ( Uniform ) erscheinen durfte ; Hof- oder Gesellschaftskleid war Vorschrift . Das Gespräch drehte sich um Fragen der Kunst und Wissenschaft , um philosophische Kontroversen und Dinge der Politik . Über letztere sprach er mit großer Freimütigkeit , mißbilligte beispielsweise den endlich zu dem Frieden von Basel führenden Krieg Preußens gegen Frankreich und zeigte bis zuletzt gewisse Sympathien mit der französischen Revolution . Ob diese Sympathien ( so bemerkt Heinrich von Bülow ) in wirklicher Vorliebe für freie Staatsverfassungen wurzelten oder nur ein Resultat der Anschauung waren , » daß alles Französische gut sei , auch eine französische Revolution « mag dahingestellt bleiben . In ähnlich offener Weise nahm er Partei für die Polen , und dieselbe Teilung , zu deren Vollziehung er als gehorsamer Diener seines Königs am Hofe Katharinas mitgewirkt hatte , hielt er nichtsdestoweniger weder für ein Meisterstück der Politik noch für eine Handlung der Gerechtigkeit . Mit besonderer Vorliebe wurden metaphysische Sätze beleuchtet und diskutiert , und alle jene wohlbekannten Fragen , auf deren Lösung die Welt seitdem verzichtet hat , wurden unter Aufwand von Geist und Gelehrsamkeit und mit Zitaten pro und contra immer wieder und wieder durchgekämpft . Dem Diner folgte , wenn auch nicht täglich , so doch so oft wie möglich , Theater oder Konzert . Über die Stücke , die zur Aufführung kamen , habe ich nichts Bestimmtes erfahren können , aber es scheint fast , als ob Voltaire , wie den Kreis der Anschauungen und Unterhaltungen , so auch die Bühne beherrscht habe . Gleicherweise wie die Namen der Stücke , sind auch die der Künstler , die darin mitwirkten , bis auf wenige verschollen ; Blainville , der Liebling des Prinzen , Demoiselle Toussaint , eine Tochter oder Schwester des Vorlesers , Demoiselle Aurore , vor allem aber Suin de Boutemars , sind die einzigen , die sich durch das eine oder andere Ereignis im Gedächtnis der Stadt Rheinsberg erhalten haben . Wir haben bis hierher den Durchschnittstag des Rheinsberger Hoflebens beschrieben ; was ihn unterbrach , waren Besuche , die kamen , oder Ausflüge , die gemacht wurden . Noch seltener , wie schon hervorgehoben , waren Festlichkeiten . Aber auch dieser Ausnahme ist Erwähnung zu tun . Auf Besuch kamen Prinz Ferdinand , Prinzeß Amalie , vor allem Prinz Louis Ferdinand , der die besondere Freude seines Oheims und zugleich die Hoffnung desselben war . An diese fürstlichen Besuche schloß sich der Besuch derer , die früher in dienstlichen Beziehungen zum Prinzen gestanden hatten , Namen , auf die wir weiterhin zurückkommen werden . Die Ausflüge gingen näher und weiter . Der Winteraufenthalt in Berlin ( im Prinz Heinrichschen Palais , der jetzigen Universität ) ward immer mehr abgekürzt , aber die Tagesfahrten und kleinen Reisen blieben bis zuletzt . Der alte Zieten in Wustrau , Frau von Arnstedt in Hoppenrade , Prinz Ferdinand in seinem Ruppiner Palais ( bis 1787 , wo es niederbrannte ) wurden besucht ; besonders aber galten diese Ausflüge dem Grafen Wreech auf Tamsel und dem Major von Kaphengst auf Meseberg . Die Festlichkeiten , um auch das zu wiederholen , verminderten sich im Laufe der Zeit ; aber sie fanden doch wenigstens noch statt . Der Jahrestag der Freiberger Schlacht ward alljährlich gefeiert und am 6. Mai 1787 gab der Prinz zur Erinnerung an die Bataille bei Prag allen noch lebenden Offizieren und Gemeinen des an jenem Tage von ihm geführten Regiments Itzenplitz ein glänzendes Fest . Er war zu dieser Feier doppelt berechtigt , einmal durch die Tat selbst , andererseits und in gesteigertem Maße dadurch , daß sich die Neuzeit ( der große König war seit kaum Jahresfrist tot ) das Ansehen gab , solche Taten vergessen zu dürfen . Der Prinz kommandierte vor Prag den rechten Flügel und stellte sich im entscheidenden Moment an die Spitze des vorgenannten berühmten Regiments . Plötzlich stutzten die Grenadiere vor einem allzu tief scheinenden Graben , Prinz Heinrich aber warf sich ohne Zögern hinein ; die Kleinheit seiner Person steigerte nur noch die Größe der Aufopferung und natürlich auch die Wirkung . Alles folgte ihm nach und schlug den Feind . Offiziere und Gemeine saßen nun dreißig Jahre später an der Festtafel ihres Führers und die begeisterten Lebehochs , die man ausbrachte , klangen laut genug , um bis ans Ohr des königlichen Neffen zu dringen . So war denn das Festmahl neben einer pietätsvollen Huldigung gegen die Heimgegangenen , vor allem auch eine berechtigte Demonstration gegen Lebende . Gleichfalls