. « » Die beiden Gentlemen , die hinter Euch stehen ? « » Sind Brüder . Mr. Hariman Enters und Mr. Sebulon Enters . « Den » jungen Adler « sah er nicht , weil dieser abseits stand . Er fuhr in seinem Verhör fort : » Wo kommt Ihr her ? « » Aus dem Osten . « » Wo wollt Ihr hin ? « » Nach dem Westen . « » Redet nicht so dumm ! Das ist ja eben der Westen , wo Ihr seid ! Und wenn ich einmal frage , so will ich Namen und Orte wissen , nicht aber alberne Ausdrücke , aus denen man sich nichts nehmen kann ! « Er hatte noch nicht ganz ausgesprochen , so bekam er eine derartige Ohrfeige von mir , daß er sich halb um sich drehte und dann niederstürzte . Hierauf wendete ich mich nach rechts : » Die Ladies wollen verzeihen , daß es hier genau so aus dem Walde schallt , wie hineingesprochen wird ; wir sind ja eben im Walde ! « Und nach links hinüber fügte ich hinzu : » Ich bitte einen der andern Gentlemen , die Unterhaltung mit mir fortzusetzen . Mr. Paper wird wahrscheinlich darauf verzichten . « » Verzichten ? « rief er aus , indem er sich vom Boden aufraffte . » Fällt mir nicht ein ! Ich bin geschlagen worden - geschlagen ! Das erfordert Strafe - sofortige Strafe ! « Er suchte hastig in seinen Taschen herum und brachte zunächst ein Messer hervor , eine sehr elegante , sogenannte Sicherheitsklinge , die er sehr behutsam , um sich ja nicht selbst zu stechen , öffnete . Dann kam ein kleiner , allerliebster Salonrevolver zum Vorschein , den er entsicherte und spannte . Nach diesen großartigen Vorbereitungen wollte er sich von neuem an mich machen . Die Folge wäre eine noch größere Blamage gewesen , zu der es aber nicht kam , denn einer der Gentlemen schob ihn beiseite und sagte : » Steckt diese Waffen wieder ein , Mr. Paper ! Mit gewalttätigen Leuten spricht man anders ! « Er tat mit verbindlichem Lächeln zwei Schritte auf mich zu , machte mir eine noch verbindlichere Verbeugung und begann : » Wir wünschen , uns Euch vorzustellen , Mr. Burton . Ich bin Agent , Agent für alles Mögliche , und heiße Evening . Hier steht Mr. Bell , Simon Bell , Professor der Philosophie . Und da seht Ihr Mr. Edward Summer , der auch Professor ist , nämlich Professor der Klassikal-Philologie . Genügt Euch das ? « Man sah es ihm an , daß er erwartete , mir außerordentlich imponiert zu haben , und ich gestehe auch gern ein , daß diese beiden Professoren bisher meine Hochachtung besaßen ; gesehen hatte ich sie noch nie . Ich war also gern bereit , so höflich wie möglich zu sein und ihnen in jeder Weise entgegenzukommen , zumal diese vier Männer im Verein mit Old Surehand ja das Komitee bildeten , in dessen Hände das Schicksal des geplanten Winnetoudenkmals gegeben war . Ich verbeugte mich also ebenso verbindlich , wie er es getan hatte und antwortete : » Ich fühle mich geehrt , so hervorragende Männer der Wissenschaft kennen zu lernen , und erkläre mich bereit , dies , wenn ich Euch dienen kann , zu beweisen . « » Das ist mir lieb , sehr lieb ! Ich werde Euch sofort Gelegenheit geben , diesen Beweis zu führen . Wir sind nämlich in einer wichtigen Angelegenheit gekommen , diesen Platz hier zu besichtigen . Wir glaubten , Niemand hier zu finden . Eure Gegenwart ist uns störend . « So unendlich höflich , wie er das sagte , so unendlich rücksichtslos war es auch . Ich sah die beiden Professoren an und antwortete nicht sogleich . » Ihr versteht mich doch ? « fragte er . » Gewiß , « erwiderte ich . » Es ist ja deutlich genug . « » Nun ? « » Ihr wünscht , daß wir uns entfernen ? « » Ja . « » Wir alle ? « » Alle ! « » Wie weit ? « » Welch eine Frage ! Ich meine ganz selbstverständlich nicht nur zehn oder zwanzig oder fünfzig Schritte ! Ihr sollt fort von hier , vollständig weg , weg , weg ! « » Wünschen das auch die Herren Professoren ? « Die Herren bejahten diese Frage sehr energisch , und der Agent fügte noch überdies erklärend hinzu : » Ihr scheint ein übermäßig gewalttätiger Mann zu sein . Unsere Angelegenheit aber ist eine so zarte , feine und diskrete , daß Ihr ganz gewiß an keine Stelle paßt , an der wir uns befinden . « » Das sehe ich ein , Mr. Evening ; ja wirklich , das sehe ich ein . Wir werden diesen Platz also verlassen . « » Nicht nur zum Scheine ? « » Nein . « » Und wann ? « » Sofort . Ich bitte nur um so viel Zeit , als wir nötig haben , das Zelt abzubrechen und die Pferde zu satteln . « » Die sei Euch gern gewährt . Ich sehe , Ihr seid vernünftiger , als wir dachten ! « Ich wendete mich mit meiner Frau nach dem Zelte und bat die beiden Enters , uns zu helfen . » Wie schade ! Jammerschade ! « klagte das Herzle leise . » Diese uns so heilige Stätte in dieser Weise verlassen zu müssen ! « Ich sah ihr an , das Weinen stand ihr nahe . » Sei ruhig , Schatz ! « bat ich . » Wir kommen auf dem Rückweg wieder her , und gewiß in anderer Weise und in anderer Begleitung ! « » Aber muß es denn sein ? Müssen wir denn weichen ? Grad diesen Menschen weichen ? Haben wir nicht ein viel , viel größeres Recht , hier zu sein , als sie ? Ist es nicht vielleicht eine Schwäche von dir ? « » Im Gegenteil , ein Sieg . « » Da möchte ich dich fast bitten , mir dies zu beweisen ! « » Ist gar nicht nötig , du wirst es ganz von selbst einsehen , und zwar noch ehe wir gehen . Wir liefern hier unser erstes , bedeutendes Avantgardegefecht für unser Ideal . Du wirst den Sieg bald sehen , vielleicht auch hören ! Ich bitte , dich mit dem Einpacken so viel wie möglich zu beeilen ! « Mit diesem Einpacken ging es bedeutend schneller , als wir dachten . Die Herren vom Komitee hatten die Güte , uns einige von ihren Hands18 zur Hilfe zu stellen , so daß wir grad fertig und zum Aufbruch bereit waren , als Aschta , die Mutter und Aschta , die Tochter mit Pappermann aus dem Walde zurückkehrten . Sie kamen Hand in Hand , er in der Mitte , auf beiden Seiten von Mutter und Tochter geführt . Sein altes , liebes Gesicht strahlte im Ausdruck einer tiefen , reinen , heiligen Freude . Als er die Maultiere bepackt sah , uns bei den Pferden stehend und den » jungen Adler « sogar schon im Sattel sitzend , rief er verwundert aus : » Was ist das ? Wollt ihr etwa fort ? « » Ja , fort , « antwortete ich . » Steigt auf ! « » Unmöglich ! Ich habe versprochen , zu bleiben ! « » So bleibt ! Wort muß man halten ! Ich aber habe versprochen , den Nugget-tsil zu verlassen , und zwar sofort . « » Wem ? « » Den Gentlemen da . « Ich deutete dabei auf die Herren vom Komitee . » Wir sind ihnen zu gewalttätig ! « fügte Hariman Enters hinzu , um seinem Aerger Luft zu machen . » Nicht zart , nicht fein , nicht diskret genug ! « vervollständigte Sebulon Enters . » Sie meinen , daß Mr. Burton an keine Stelle paßt , an der sie sich befinden ! « » Das ist eine Lüge , eine ganz unverschämte , flegelhafte Lüge ! « brauste Pappermann auf . » Mr. Burton ist ein Gentleman , wie es hier unter uns wohl keinen - « » Still ! « unterbrach ich ihn . » Wem habt Ihr versprochen , hier zu bleiben ? « » Diesen beiden Ladies . « » Wie lange hier zu bleiben . « » Das wurde nicht gesagt . Gewiß aber war gemeint , bis wenigstens morgen . Wir haben uns so viel zu erzählen . Müßt Ihr wirklich fort , wirklich ? « » Ja , unbedingt ! Ihr könnt ja hier bleiben und morgen nachkommen ! « » Was ? Euch allein lassen , Euch und Mrs. Burton ? Da wäre ich ja der größte Halunke , den es gibt ! Nein , nein ! Ich reite mit ! Ich bitte die Ladies , mir mein Wort zurückzugeben ! Sie werden es tun , gewiß , gewiß ! Denn ich verspreche ihnen , daß wir uns bald , sehr bald wiedersehen ! « Er küßte ihnen in bärenhafter , aber um so rührender Zartheit die Hände und ging zu seinem auch schon gesattelten Maultiere . Da richtete sich die Mutter hoch auf und fragte mit lauter , gebieterischer Stimme über den Platz hinweg : » Was ist hier geschehen ? Ich will es wissen , ich , das Weib Wakons , des Unbestechlichen , der sich weigerte , Mitglied dieses Komitees zu sein ! Wer sagt es mir , wer ? « » Der wird es dir sagen , der da kommt , « antwortete ihre Tochter , indem sie auf den » jungen Adler « deutete , der sein Pferd in tänzelndem Schritte nach der Stelle trieb , wo Beide standen . Als er sie erreicht hatte , rief er mit weithin vernehmbarer Stimme : » Ich bin ein Winnetou vom Stamme der Apatschen . Ich kehre aus den Wohnorten der Bleichgesichter heim zur Stätte meiner Ahnen . Man nennt mich den jungen Adler - - - « » Der junge Adler - - der junge Adler - - der junge Adler ! « raunte es von Mund zu Mund . Man kannte diesen Namen , obgleich sein Träger noch so jung an Jahren war . Er fuhr fort : » Ich erkläre hiermit im Namen aller Winnetous vom Stamme der Apatschen , daß dieses Komitee nicht würdig ist , die große Frage , vor deren Lösung wir hier stehen , zu entscheiden ! Der Schlag in das Gesicht war wohl verdient , war die einzig richtige Antwort , die es gab ! Nicht nur Antonius Paper , sondern das ganze Komitee hat ihn erhalten . Ich habe gesprochen . Howgh ! « Er nahm sein Pferd vorn hoch , um den Platz zu verlassen . » Auch du willst fort ? « fragte die Mutter . » Auch ich ? Vor allen Dingen ich ! Doch sehen wir uns wieder , « antwortete er . » Wann und wo ? « fragte die Tochter . » Am Mount Winnetou . « Diese beiden Fragen und Antworten wurden nicht in englischer Sprache , sondern im Apatsche ausgesprochen Die Mutter fügte in leiserem Tone hinzu : » Du bist ein Liebling Wakons , meines Gatten . Du wirst auch ihn am Mount Winnetou sehen . Kommst du vielleicht schon vor den Tagen der Ausstellung zu Tatellah-Satah ? « » Ich hoffe es . « » So sag ihm , daß Aschta , das Weib Wakons und zugleich die Tochter des größten Medizinmannes der Seneca , im Kampfe gegen den Unverstand mit allen Frauen der roten Rasse an seiner Seite steht . « » Ich danke dir in seinem Namen . Wie kommt es , daß ihr trotzdem mit dem Komitee dieses Unverstandes reitet ? « » Der Zufall führte uns mit ihnen zusammen . Sie hingen sich an uns , obgleich wir das nicht wünschten . Sie wollen erfahren , was wir in unserm Campmeeting am Mount Winnetou beraten und beschließen werden . Wir teilen es ihnen nicht mit . Wir übergeben dir unsern Freund und Retter und bitten dich , über ihn zu wachen . Wer ist das Bleichgesicht , welches sich mit seiner Squaw bei dir befindet ? « » Hat Pappermann es euch nicht gesagt ? « » Nein . Wir fragten ihn , aber er schwieg . Doch scheint er diese Beiden sehr , sehr hochzuachten . « Ich hielt so nahe bei ihnen auf dem Pferde , daß ich diese Worte hörte . Die Mutter glaubte , von mir , dem Weißen , nicht verstanden zu werden . Der » junge Adler « warf einen fragenden Blick herüber . Er hätte den beiden Frauen gar so gern gesagt , wer ich war . Ich gab ihm mit den Augenlidern die Erlaubnis dazu . Da trieb er sein Pferd noch einen Schritt weiter an sie heran und sprach : » Wenn dieser Weiße und seine Squaw nicht erfahren sollen , was ihr jetzt mit mir redet , so müßt ihr leiser sprechen . « » Warum . « » Er versteht die Sprache der Apatschen . « Sie erschrak . » So hat er uns ja schon verstanden ! « hauchte sie schnell und verlegen . » Allerdings , und zwar jedes Wort . Aber du hast nicht nötig , zu erschrecken . Er ist ein Freund Winnetous , und er ist auch der deinige , der Eurige . Er will nicht , daß man jetzt schon seinen Namen erfährt ; aber wenn ihr mir versprecht , verschwiegen zu sein , so darf ich ihn euch nennen . « » Wir werden verschwiegen sein ! « » Nun wohl , es ist Old Shatterhand . « » Old Shat - - - ! « Sie konnte den Namen vor Ueberraschung nicht ganz aussprechen . Sie erbleichte für einen Augenblick . Dann rötete sich unter der zurückkehrenden Blutwelle ihr Gesicht um so mehr . » Ist das wahr ? - Ist das wahr ? « » Ja , es ist wahr ; er ist es , « versicherte der » junge Adler « . » Der beste , der wahrste , der treueste Freund und Bruder unseres Winnetou ! Zum ersten Male im Leben sehe ich ihn ! O könnte ich - - könnte ich - - ! « Sie sprach auch diesen Satz nicht ganz aus . Sie schlug die Hände zusammen und schaute wie hilflos zu mir empor . Ihre Tochter aber trat zu mir heran und küßte , ehe ich es verhindern konnte , meinen Steigbügelriemen . Ebenso schnell zog sie auch den Rocksaum meines Herzle an die Lippen . » Und das ist seine Squaw - - - seine Squaw ! « fuhr die Mutter fort . » O , hätte ich doch nicht versprochen , zu schweigen ! Ich würde vor Freude jubeln , jubeln , jubeln ! « Da schwang das Herzle sich vom Pferde , umarmte sie , küßte sie auf Mund und Wangen und sagte in englischer Sprache : » Ich verstehe nicht , was Ihr sprecht , aber ich lese es aus Euren Augen und von Euren Lippen . Ich liebe euch beide ! Ich begrüße euch ! Wir sehen uns wieder , bald , bald ! Jetzt aber müssen wir fort ! « Sie gab der Tochter denselben dreifachen Kuß wie der Mutter und stieg dann wieder auf das Pferd . Ich reichte den beiden lieben , schönen Indianerinnen die Hand und sagte : » Wakon , der unermüdliche Forscher und Finder , steht hoch in meinem Geiste und noch höher in meiner Seele ; denn es ist die Seele seiner Nation , nach der er sucht . Ich freue mich , gehört zu haben , daß ich ihn am Mount Winnetou sehen werde . Und ich bin stolz darauf , schon heut seiner Squaw und seiner Tochter begegnet zu sein . Am meisten aber beglückt es mich , zu wissen , daß wir Verbündete sind . Das Andenken Winnetous gehört in die Herzen unserer Männer und Frauen , in die Seelen unserer Völker , nicht aber auf die kahlen , windigen Höhen prahlerischer Oeffentlichkeit . Ich bitte , zu verschweigen , daß ihr mich hier getroffen habt . Wir sehen uns wieder ! Zur rechten Zeit an der richtigen Stelle ! « Wir ritten fort , mit höflichem Gruß für die Frauen , doch ohne einen Blick für die Männer . Es ging langsam dieselben Steilungen hinab , die wir heraufgekommen waren . Unten sahen wir die Pferde derer stehen , die uns vertrieben hatten ; sie kümmerten uns nicht . Dann , als der Weg eben wurde und wir aus dem Wald herauskamen , konnten wir eine größere Schnelligkeit entwickeln und unsern Ritt beeilen . Denn nun wir einmal den Nugget-tsil verlassen hatten , galt es , unser nächstes Ziel , den Deklil-to19 , so bald wie möglich zu gewinnen , weil der größte Teil der Strecke zwischen hier und dort aus feindlichem Land bestand . Die alten , blutrünstigen Zeiten waren ja , Gott sei Dank , vorüber , aber der Haß , der damals regierte , war noch nicht tot ; der lebt heute noch . Das war sehr deutlich aus den Briefen zu ersehen , die ich von To-kei-chun , dem Häuptling der Raeurroh-Comantschen , und von Tangua , dem ältesten Häuptling der Kiowa , erhalten hatte . Unser Weg führte durch das Gebiet dieser beiden Stämme , und ich war mir sehr wohl bewußt , daß ich , wenn auch keinen wirklichen Leichtsinn , aber doch gewiß ein Wagnis beging , indem ich mit meiner Frau , die den doch immerhin möglichen Gefahren nicht gewachsen sein konnte , grad diese schlimme Gegend durchquerte . Ich hatte kein ganz gutes Gewissen , hütete mich aber , ihr dies zu sagen . Sie hatte keine Ahnung von diesen meinen Gedanken . Sie war ganz unbefangen . Ja , noch mehr , sie war sogar sehr heiter . Während wir auf ebenem Boden im köstlichen Galopp nebeneinander dahinflogen , warf sie mir von der Seite her zuweilen einen heimlich sein sollenden Blick zu , den ich aber doch wohl bemerkte . Ich verstand diese Blicke . Sie kann kein Unrecht ertragen , auch dann , wenn dieses Unrecht nicht in einer Tat , sondern nur in einem Gedanken besteht . Es muß heraus . Sie muß es bekennen . Eher läßt es ihr keine Ruhe . Sie hatte jetzt so Etwas , was sie loswerden wollte . Daher ihre Blicke . Endlich , als sie wieder einmal so forschend herüberschaute , sah ich ihr voll in das Gesicht und forderte sie lachend auf : » Na also , heraus damit ! « » Womit ? « fragte sie . » Mit dem Geständnis ! « » Geständnis ? Was sollte ich wohl zu gestehen haben ? « » Irgend Etwas . « » Aber was ? « » Das hoffe ich , von dir zu erfahren ! « » So ? Höre , was hältst du wohl von einer Ehe , in welcher die arme , unglückliche Frau ihren Mann nie ansehen darf , weil er bei jedem Blick , den sie auf ihn richtet , glaubt , sie habe ihm ein Geständnis zu machen ? « » Meine Meinung lautet dahin , daß diese arme , unglückliche Frau sehr glücklich verheiratet ist , denn sie hat einen Mann , der sie kennt und durchschaut ! « » Hm ! Der aber trotzdem nicht weiß , was sie ihm bekennen und gestehen soll , denn er sagt immer nur : Ich hoffe , es von dir zu erfahren ! Leider ist es in diesem jetzigen , einen , einzigen Falle endlich , endlich einmal richtig , daß ich dir Abbitte zu leisten habe . Ich war nicht einig mit dir . Wenn auch nur im Stillen , aber doch . « » Nicht einig ? Inwiefern ? « » Ich wäre so gern da oben geblieben . Ich wollte nicht weichen . Ich hielt es wirklich für eine Schwäche von dir , ihnen Platz zu machen . « » Und aber nun ? « » Ja , aber nun ! Du hattest Recht ! Wären wir geblieben , so hätte es nur Gehässigkeiten gegeben , herüber und hinüber . Also eher eine Niederlage als einen Sieg . Auch an eine ruhige Durchsicht der ausgegrabenen Manuskripte wäre nicht zu denken gewesen . Hier aber sind wir frei , ohne Zank und Streit und Bitterkeit , und - - das erste , große Avantgarde-Gefecht , von dem du sprachst , ist gewonnen . « » Das siehst du ein ? « » Aber gern , sehr gern ! Diese ältere Aschta , die Frau Wakons , hat mir imponiert . Sie ist ein Charakter , eine groß angelegte Frau . Kein einziges von all den Komiteemitgliedern reicht geistig an sie heran . Die ist wahrlich nicht nach dem Mount Winnetou unterwegs , um dort Suffragettenreden zu halten ! Die weiß , was sie will ! Aber sie sagt es nicht ; das imponiert mir ganz besonders ! Indem du dich vertreiben ließest , hast du dir in ihr eine Helferin gewonnen , die nicht zu unterschätzen ist . « » Ja , « lachte ich fröhlich , » es wird eine Amazonenschlacht zwischen ihr und dem Komitee ! Ich bin außerordentlich gespannt auf die Entwickelung , der wir nicht etwa nur als Zuschauer entgegengehen , sondern an der wir als Mitwirkende sehr eng beteiligt sind . Wir hörten , daß Kiktahan Schonka ein unerbittlicher Feind von Wakon ist . Ich vermute , daß Wakon an der Spitze der jungen Sioux ebenso nach dem Mount Winnetou kommen wird , wie Kiktahan Schonka die alten Sioux nach dem dunklen Wasser führt . Zwei feindliche Richtungen desselben Stammes , die auf fremdem Gebiete aufeinanderplatzen ! Wie kurzsichtig ! Grad hieran ging die Rasse zugrunde ! Dem muß gesteuert werden ! Also du bist wieder einverstanden mit mir ? « » Vollständig . Wo lagern wir heute abend ? « » An der Nordgabel des Red River . Morgen kommen wir an die Salzgabel desselben Flusses , an welcher damals das Dorf der Kiowas lag . Das ist jetzt nicht mehr der Fall . Wir werden aber trotzdem die Stelle vermeiden , um unser möglichstes zu tun , Niemanden zu begegnen . « Es geschah , wie ich gesagt hatte . Wir erreichten gegen Abend die Nordgabel des roten Flusses und machten an ihrem Wasser Lager . Sehr interessant war , was wir während unseres Gespräches da von Pappermann erfuhren . Er hatte nämlich während seiner Unterhaltung mit den beiden Aschtas aus einigen Äußerungen der Mutter geschlossen , daß der Kassierer Antonius Paper bemüht gewesen war , sich um die Hand der Tochter bewerben zu dürfen . Man hatte ihn rundweg abgewiesen , und nun benutzte er jede Gelegenheit , hierfür in seiner ihm eigenen Weise Rache zu nehmen . Als der Alte dies erzählte , beobachtete ich den » jungen Adler « . Er tat , als ob er es gar nicht höre . Er sagte kein Wort und bewegte keinen Zug seines Gesichtes . Aber grad diese Unbeweglichkeit sprach deutlicher , als lauter Zorn hätte sprechen können . Noch ehe wir uns an diesem Abend schlafen legten , beschrieb ich meinen Gefährten den Weg , den ich damals , um Sander zu verfolgen , von dem Dorfe der Kiowa aus gemacht hatte . Von da aus nach dem Rio Pecos und von dort hinauf nach dem » dunklen Wasser « . Es gab von der Stelle aus , an der wir uns heut befanden , einen direkteren , einen näheren Weg . Schlugen wir diesen ein , so konnten wir uns sofort von hier aus nach West wenden , ohne erst nach der Salzgabel des Red River zu reiten . Ich hatte damals nur darum nicht den kürzeren , sondern den weiteren Weg gemacht , weil er von Sander , den ich verfolgte , eingeschlagen worden war . Ich stellte es nun jetzt meinen Begleitern anheim , sich eine von beiden Routen zu wählen . Sie waren so klug , sich für die kürzere zu entscheiden , und so kam es , daß wir eher in die Nähe des Zieles gelangten , als sie anderen Falles von uns erreicht worden wäre . Die Gegend durch welche wir zuletzt ritten , war öd und wasserlos . Kein Baum , kein Strauch , kein Grashalm erfreute das Auge . Es gab nur Stein und Felsen , weiter nichts . Das Gelände war bisher ziemlich eben gewesen , begann aber nun , langsam zu steigen . Es war schon Mittag . Wir hielten aber nicht an , um zu essen oder auszuruhen , denn es fehlte das Wasser , auf das wir erst später , wenn wir höher hinaufkamen , rechnen durften . Da sahen wir einen Reiter , weit vor uns draußen , der hinter einer kleinen Anhöhe verborgen gewesen war und nun langsam hervorkam , um uns entgegen zu reiten . Er hatte uns von diesem seinem Versteck aus beobachtet . Warum blieb er nicht verborgen ? Warum kam er schon jetzt hervor ? Er konnte uns ja noch gar nicht genau erkennen . Ein erfahrener Krieger hätte gewartet , bis er uns in größerer Nähe hatte . Lag der Grund etwa nur darin , daß die alten Zeiten der Gefahr vorüber waren und man darum überhaupt nicht mehr so vorsichtig zu sein brauchte wie früher ? Es war ein Indianer . Er lenkte sein Pferd langsamen Schrittes auf uns zu . Dann hielt er an , um uns an sich kommen zu lassen . Er war keineswegs von hoher , breiter , sehniger Gestalt , sondern eher klein als groß zu nennen . Seine Kleidung bestand aus buntem Pueblostoff . Unter dem aus Agavefasern geflochtenen Hut floß das dunkle Haar lang auf den Rücken hernieder . Im Gürtel trug er ein Messer , am Riemen ein leichtes Gewehr . Sein Pferd war kein gewöhnlicher Gaul , und die Haltung des Reiters durfte als selbstbewußt , ja , ich möchte sagen , als indianisch-edel bezeichnet werden . Das Gesicht , ganz selbstverständlich vollständig bartlos , wollte mir bekannt erscheinen ; nur wußte ich nicht gleich , warum , woher und wohin . Er hatte weichere Linien und eine hellere , wärmere Farbe , als Indianer gewöhnlich zu haben pflegen . Und der Blick seines milden , ernsten , offenen Auges , welches fast an Winnetous Schwester Nscho-tschi erinnerte - ah , da kam es mir , da wußte ich es mit einem Male , wo und wann ich diesen Indianer gesehen hatte ! Und in demselben Augenblick wurde ich auch von ihm erkannt . Ich war zufällig am Ende unseres kleinen Trupps geritten . Darum traf mich sein Auge zu allerletzt . Es vergrößerte sich unter dem Eindruck der Ueberraschung , der Freude . Die Wangen röteten sich zusehends , fast wie bei einem jungen Mädchen , dem von dem erregten Pulse das Blut in das Gesicht getrieben wird . Er wollte das zwar verbergen , brachte es aber nicht fertig , während er es aber mir ganz gewiß nicht ansehen konnte , daß ich mich seiner erinnerte . Ich konnte mich beherrschen er aber nicht ; ich war ja ein Mann ; er aber war keiner . Und nun wußte ich auch , warum er so gegen alle männliche Vorsicht nicht versteckt geblieben , sondern auf uns zugeritten war ! Er sah fast verlegen aus und vergaß , uns anzureden . Darum ergriff Pappermann , der an unserer Spitze ritt , das Wort . Er hielt sein Pferd an und sagte : » Wir grüßen unsern roten Bruder . Ist das der richtige Weg nach dem Pa-wikonte ? « Der Gefragte antwortete : » Ich gehöre zu dem Stamme der Kiowa . Pa-wikonte aber ist ein Siouxwort , doch kenne ich es . Ja , dieser Weg ist der richtige nach dem See . Wollen meine Brüder hin ? « » Ja . « » So warne ich sie . « » Warum . « » Pa-wikonte heißt Wasser des Todes . Reitet ihr hin , so kann der See allerdings sehr leicht zu einem Wasser des Todes für euch werden . « Pappermann hatte in seinem indianisch-englisch-spanischen Kauderwelsch gefragt ; die Antwort war ihm in einem ziemlich guten Englisch geworden . Die Stimme des Kiowa klang wie die Stimme einer Frau , die sich bemüht , tief wie ein Mann zu sprechen . » Warum drohst du uns mit dem Tode ? « erkundigte sich der alte Jäger . » Ich drohe nicht , sondern ich warne , « erwiderte der Rote . » Beides ist gleich , wenn wir nur den Grund erfahren ! « » Gründe , wie dieser , sind nicht billig . Man teilt sie nur den besten Freunden mit . « » Wir sind deine Freunde ! « » Das sagst wohl du ; ich aber kenne dich nicht . « » So wisse , wer wir sind : Ich heiße Maksch Pappermann und bin schon vierzig Jahre lang als Westläufer bekannt . Da sind zwei Gentlemen , die Hariman und Sebulon Enters heißen . Der dritte Gentleman dort hinten ist Mr. Burton , und die Lady hier ist Mrs. Burton , seine Frau . Und unser roter Bruder da an meiner Seite ist ein Sohn der Apatschen und wird der junge Adler genannt . « Der Kiowa sah uns in der Reihenfolge , in der wir nacheinander aufgezählt wurden , mit scharfem , forschendem Auge an . Nur bei mir ließ er den Blick sinken . Bei meiner Frau war es , als ob er sie