Herzen . Vom Buche , drin ich Trost suchte , sprang ich dann auf , hing das Jagdrohr über die Schulter und bewehrte mit dem Spieße die Faust . Durch Tannen und Knieholz streifend , schoß ich nach dem Auerhahn und der fliehenden Hirschkuh . Wollte mir nachts der Schlaf nicht gelingen , so konnte ich lange draußen beim Felsen sitzen und war unter finsterm Himmel auf der Suche nach inneren Sternen . Gewölk hat umgebracht Den letzten Sternenfunken ; In rabenschwarze Nacht Ist Fels und Tann versunken . Ich bin ein Erlenstumpf , Dran bleicher Moder glimmert , Ein gärend fauler Sumpf , Wo scheu das Irrlicht flimmert . Unheimlich düstre Welt , Du Tummelplatz für Toren ! Bin gänzlich unbestellt In dich hineingeboren . Sag an , was hast du für Mit deinem bangen Kinde ? Und hast du keine Tür , Wo ich den Ausgang finde ? Gewölk hat umgebracht Den letzten Sternenfunken ; In rabenschwarze Nacht Ist Fels und Tann versunken . Mein Leben schäumend rann , Ein Sturzbach zwischen Steinen . Was ich dabei gewann ? Oh bitter möcht ich weinen ! Einst ward ich schmuck und neu Als Menschlein eingekleidet . Doch alles Fleisch ist Heu , Und horch , die Sense schneidet . Ach wohl , die Jugend reicht Den süßen Taumelbecher . Doch Rausch und Minne weicht , Und Reue weckt den Zecher . Um jeden Bissen Brot Muß hart der Frohner schanzen ; Sonst hockt die hagre Not Ihm auf dem leeren Ranzen . Mach dich nicht gar zu breit , Du Herr im güldnen Hause ! Ohn ' End ist Ewigkeit , Und schmal die letzte Klause . Poch nicht auf Ehr und Zier ! Fortuna hat ' s geliehen . Der Hobler wird auch dir Ein Linnenkleid anziehen , Zum Pfühle untern Kopf Zwo Handvoll Späne schieben ... Nun denke nach , du Tropf , Wie närrisch du ' s getrieben ! Gewölk hat umgebracht Den letzten Sternenfunken ; In rabenschwarze Nacht Ist Fels und Tann versunken . Und wie ich ratlos bang Ins dunkle Rätsel staune , Horch , sanfter Wiegensang , Ein wogend Waldgeraune : » Nur stille , Menschenkind ! Was helfen deine Sorgen ? Die Augen schließe lind ! Derweilen wächst das Morgen . Die Nacht hat ihren Tau , Auf daß der Maien blühe , Und aus dem Wolkengrau Entsprießt die Purpurfrühe . Soll nicht der Sagenstein , Wo wüste Tannen dunkeln , Ein Königspalast sein Und einst entzaubert funkeln ? Zuvor im Puppenkleid , Soll unsere trübe Erden Am Glanz der Ewigkeit Ein Himmelsfalter werden . Und ob die Wolke hüllt Den letzten Sternenfunken , Dein Traum wird noch erfüllt : Du schaust , von Sternen trunken . « Eines Abends im November stieg ich auf den Felsengipfel , die Nacht zu belauschen . Stumm starrten rings die Tannenwipfel , vom bleichen Dämmern beleuchtet , das der Mond durch Wolkendunst über die Berge goß . Feiner Wasserstaub schwebte hernieder und kühlte die heiße Stirn . Es tat wohl , zum bleichen Firmament hinanzustarren . Ich sehnte mich , ein Baum zu sein , allhie Wurzel zu schlagen und grüne Arme gen Himmel zu breiten . In der großen Stille ward jetzo Vogelschrei vernehmbar , Wildgänse schnarrten und kamen geflogen . Ob meinem Haupte sauseten die Fittiche , vorüber zog das dunkle Keilgeschwader . Fern und ferner das Krächzen , und wie der Vögel Raunen von der Öde verschlungen war , schrie mir im Herzen die Sehnsucht auf . Ihr geflügelten Geschwister eilet aus dem Nebellande gen Mittag , wo warm die Sonne blühet . Ich aber bleibe in der Öde hausen , wo mich Sturm und Regen an den Herd bannen und des Schnees Woge begraben wird . Ja , komm geschlichen , kalte Winternacht . Was soll die warme Sonne dem Verdüsterten ? Trost ist es ihm , wenn auch die Welt ein trübes Antlitz macht . Wohl blühet in der Seele heimlich eine Blume , doch nie darf ich sie kosen . Des Traumes Glück allein ist mir vergönnt - ich sinne , seufze in der Nebelnacht . - Hinunter in meine Klause ging ich , stimmte die Harfe und ersann schwermütige Weisen . Bald hatte ich auf ein ander Lied zu lauschen : der Sturm heulte um Felsen und Tannen , rüttelte an Balken und Dachsparren . Tag und Nacht ging es so fort , Nacht und Tag . Als dann die Luft wieder lautlos war , sanken Flocken hernieder , dicht und dichter , und es ging ein Schneetreiben los , daß die weiße Decke an mein Fenster reichte , schließlich gar die ganze Hütte einhüllte und verfinsterte . Wie ich durch den Spalt der Grottendecke wahrnahm , daß kein Schnee mehr fiel , und klarer Frost eingetreten , tat ich behutsam die Tür des Blockhauses auf und grub durch die Hülle einen Schacht . Den ausgeschaufelten Schnee schmolz ich im Kessel , und mit dem heißen Wasser erweiterte ich den Schacht . Machte dann einen Aufstieg , der mich über die glitzernde Fläche lugen ließ . Ein Gefangener war ich nun wohl , hätte beim Ausgehen ja versinken müssen in der weißen Woge . Doch ein Trutz erhub sich in mir , ein keck Gelüsten , dem Vogel gleich zu triumphieren über Erdenleibes Schwere , zu schweben , zu gleiten übers glatte Flockenfeld . Ich bedachte , was mir ein schwedischer Soldat zu Magdeburg erzählt hatte . Daß nämlich die Bewohner der nordischen Berge leichte Brettlein von Mannslänge an die Sohlen riemen und dann wie auf Schlittenkufen über den Schnee gleiten , ohne einzusinken , inmaßen des Körpers Schwere durch die Fläche des Brettes auf eine ebenso große Schneefläche verteilt wird . Ich verfertigte mehrere Schneeschuhe nach verschiedenem Plane und fand , nach tagelangem Erproben im Schnee , ein Paar für meinen Zweck geeignet . Mit der Zeit bekam ich solche Übung , daß ich auf schrägem Schneegefild wie der hurtigste Schlitten abwärts flog . Wollt ich bergan , so ging ich Schritt für Schritt , gestützt auf einen Stab , der über seinem Stachel ein dünnes Querbrett hatte , um Halt auf der Schneedecke zu finden . Dann war ich ein Vogel , flog die Abhänge hinunter und überraschte manches Wild beim Lagern - so schnell war mein Kommen . In einem Zauberreiche deuchte ich mich , wenn ich die eingeschneiten Tannen betrachtete . Die niedergedrückten Zweige trugen zackig geformte Schneeklumpen , an der Wetterseite hingen weiße Mäntel , Mönchskutten mit Kapuzen . Auf dem Knieholz bildete der Schnee wunderliche Tiere , weiße Bären , die auf den Hinterbeinen liefen . Wie Rauhreif kam , war alles Grün und Braun der Bäume versilbert . Jede Fichtennadel ergraut , von seinem Kristall eingepudert . Erneuter Rauhreif machte die Kruste immer dicker , und ich staunte , was doch der harte Winter ein Feinbäcker sein kann , so mit kunstvollstem Zuckergusse die düsteren Bäume zum glitzernden Zauberwalde zu wandeln weiß . Aber auch als Schmiedemeister ließ sich der Winter bestaunen , da er den Bäumen klirrende Rüstungen schmiedete . An der Mittagssonne schmolz der Schnee von den Zweigen , und das Tröpfeln gefror zu Zapfen . Purpurn gleißte der Morgenstrahl darauf , und erhub sich ein Hauch , so klirrten und klimperten die Eiszapfen an den wankenden Wipfeln wie Glas und Glocken . Fegte der Wind über die Berghänge und Talflächen , so wirbelten Schneesäulen empor , wallenden Geistern in weißer Gewandung gleich . Einmal glitzerte ein ganzes Heer solcher Schneewirbel im Sonnenschein . Ein Jauchzen brach aus meiner Seele , und ich spürte , wie voll Göttlichkeit diese Welt für den , der zu schauen weiß . Bei solcher Betrachtung dachte ich oft an meines Vaters Reden vom Himmelreich , wie Gott nicht fern über den Sternen sei , sondern allenthalben bei uns , in uns zugegen . Das Ganze ist Gottes Leib ; Sonne , Mond und Sterne hat er als Augen ; mit dem Lichte , das in alle Gründe flutet , schaut er ; im Finstern spüret er , lauscht , tastet und sinnt . Sein Odem ist die Luft und das Leben aller Kreatur ; göttlich Blut träufelt aus der Wolke ; Bach und Strom sind Allvaters Adern , und in unserm Pulse regt sich der unermüdliche Schöpfer . Freilich tut es uns not , unsere göttliche Erborenheit und Naturam zu spüren . Das erst ist die Erlösung , daß wir uns fühlen als Gottes Kind . Wer aber nicht ahnt , daß sein Wesen im unendlichen Geiste weset , der dünket sich wohl klein , arm und verloren . Eine Hölle leidet er , denn die ist nichts andres , als daß wir uns getrennt und abgestückelt fühlen vom Ewig-Einen . Finde dich heim , seufzende Seele , spüre durch alle Kreatur hindurch den Urgrund , unsern All-Vater . Solche Andacht deuchte mich der wahre Schatz meiner Wohnstätte . Zu deuten wußt ich die Mär von der Abendburg , wie der wüste Stein sich dem Johanniskinde zum strahlenden Schlosse wandelt , und wie es blühet im Felsenherzen von Gold und buntem Edelkristall . Seliger noch ward meine Andacht , als der Frühling mit warmem Hauche den Schnee schmolz , daß die Decke von Tag zu Tag dünner ward , bis im Tal die Matten grüneten , und auf meiner Höhe die Tannen und Felsen vom Schnee frei wurden , der nur noch an Hängen gen Mitternacht lag und schließlich in die kalten Schluchten sich zurückzog . Wenn ich den Oheim besuchte , schimmerten auf grünender Wiese die gelben Schlüsselblumen und wie blaue Flämmchen die Krokusblüten . Erlöst war mein Herz , und wie neugeboren kam ich mir in der Frühe vor , wenn ob den dunkeln Talen der Himmel matt erglänzete , wie aus Opal gebildet - wenn sich dann aus den Waldschluchten weiße Dünste huben und zu einem breiten Gewebe zusammentaten , indessen das dunkelblaue Gewölk ob der fernen Ebene von Feuerbächen durchronnen ward und immer mehr erglühte , bis es sich auftat wie ein Augenlid , und rot das Weltenauge übers Bergreich blitzte . Manchmal hüllte der Nebel die ganze Tiefe unter mir , daß nur die Berggipfel herfürrageten . Die weite , wellige Dunstfläche sahe dann aus wie wogende See , drin Felseninseln schwimmen . Beim Auftauchen der Sonne erglühten die starren Wogen , und die Stirnen der steinernen Riesen badeten im flutenden Tagesstrahl . Freudig regten sich die grünen Wipfel unter mir . Geheimnisvoll kam aus dem Nebel , so alle Täler deckte , das Rauschen der Gießbäche und Brünnlein . Dann flog wohl bei mir eine Berglerche trillernd empor , und wenn sie ins Blaue entschwebete , deuchte sie mich meines Herzens Jauchzen . Was konnte bei solchem Schauen mein alter Gram noch sein ? Zerflattern mußte er wie düstere Traumgesichte , die der Morgen scheucht . Willkommen , Ritter Morgen ! Vor deinem güldnen Haupt Entfliehn die Wölfe Sorgen , So mir den Schlaf geraubt . Der Fels vor meiner Klause Starrt feierlich mich an , Die Wipfel mit Gebrause Wiegt unter mir der Tann . Steingraue Wolkenwogen Verhüllen noch das Tal , Darob der Himmelsbogen Matt leuchtender Opal . Und aus dem Dunstmeer ragen Die Berge drüben steil . Ihr Stirnenglanz will sagen : Ganz oben thront das Heil . Nun blüht von Purpursonne Das Nebelmeer wie Klee , Und auch mein Gram ward Wonne , Dieweil ich drüber steh . Als Lerche schwebt mein Schauen Hoch ob dem Erdennest Durch selig freie Auen .... O Himmel , halt mich fest ! Doch ob ich auch in den Himmel zu tauchen verstund , fest hielt er mich nicht , und wie die Lerche vom jauchzenden Höhenfluge wieder zur Erde sinkt , so geschah auch mir . Ich sehnete mich nach meiner Gattin und kam mir verwaiset für wie Adam , da ihm der Herr das Paradeis genommen . Auch peinigte mich das Mitleiden mit meinen Landsleuten , die immerfort von der Kriegsfuria Folter litten . Sooft mir Kunde aus den Tälern ward , stöhnte ich vor Grimm , und konnte schon gar nicht zum Oheim hinuntergehen , ohne vor dem zu beben , was ich zu hören bekommen sollte . Die Wachsteinposten berichteten von einer Hungersnot , die seit Pfingsten die Ebene heimsuche . Hagere Bettler in Lumpen hätten nach Schreiberhau herauf gewollt , und da man ihnen den Weg versagen gemußt , kläglich um Speise gebeten . Hätten erzählt , wie das Korn so rar , daß nur noch der Reiche Brot habe . Von Kleien und gemahlenem Moose bereite sich der Arme sein Gebäck und esse gekochte Nesseln nebst anderm wilden Kraute . Dabei höre das Plündern und Plagen durch die Soldateska nimmer auf . Erst sei kursächsische Reiterei in Hirschberg gewesen , und mancher Hausbesitzer habe ein Dutzend Soldaten speisen müssen . Endlich , wie pestartige Seuchen herumschlichen , seien die Sachsen aus Scheu vor Ansteckung abgezogen , nicht ohne Abschiedsgeschenke zu erpressen . Im Juli sei abermals Einquartierung gekommen , diesmal kaiserische , und ihr Oberster habe dem Burgemeister unter Flüchen in Aussicht gestellt , die Stadt für die Aufnahme der Sachsen zu züchtigen . Unbarmherzig plünderte sein Volk die Vorstädte und Dörfer . Als eine mörderische Pest auch diese Einquartierung vertrieben hatte , überrumpelte eine Partei Plünderer das Schildauer Tor . Mit Äxten schlugen sie den Bürgern Türen und Schränke auf und raubten den Kirchen , was noch Wertvolles drin vorhanden . Dabei mußten die Einwohner Mißhandlungen über sich ergehen lassen . Als eine Deputation des Rates beim kaiserlichen Kommissar ob der soldatischen Greueltaten Klage führte , kam der trutzige Bescheid : » Ihr seid ja selber schuld ; was habt ihr die Tore nicht besser verwahrt ? Wart ' , ich werde euch eine Sicherheitswache senden . « Nun hatten die Hirschberger ihre liebe Not , die Sicherheitswache abzuwenden , denn solche Salvegarden waren allenthalben im Kriege Plagegeister , nicht minder schlimm denn der Feind . Nach und nach hatte sich in der Stadt auch lüderlich Gesindel eingefunden , das eine Rotte bildete , mehrerlei Unfug trieb und sogar eine Hochzeit auf Kosten der Stadt feierte , von den Bürgern Zehrung und Bier erpressend . Etzlers unterirdisch Weingewölbe räumten die Mausköpfe aus , soffen sich voll und erschlugen ein paar Bürgersleute . Schließlich wurden sie vertrieben , nicht ohne blutigen Kampf . Als zu Friedland kaiserisch Hauptquartier war , kam ein Kommando , Hirschberg solle all seine Geschütze und Glocken ausliefern . Die Stadt verlor drei Mörser und eine Kirchenglocke . So ward das Reich von Höllengeistern gepeitscht ; bis in unsere abgeschiedenen Täler drang das Seufzen der Verzweiflung . Für die Schreiberhauer kam eine Gewissensnot hinzu . Unser Prädikant hatte das Zeitliche gesegnet , und obwohl seitdem aus Giersdorf der evangelische Geistliche kam , die Neugeborenen zu taufen , die Toten zu begraben und die Paare zu trauen , war doch keine rechte Seelsorge vorhanden . Endlich ward dem Giersdorfer verboten , sein Amtieren über seine Gemeinde hinaus zu erstrecken . Wie denn überhaupt der evangelische Glaube im Lande vom Kaiser und seinen jesuitischen Helfern drangsaliert ward . Wegen meines Gesanges zur Harfe hatten mich die Schreiberhauer wiederholt zu Feierlichkeiten geladen , die ich durch Lieder verschönern sollte . So war ich zu einem Begräbnisse gegangen , und als der Giersdorfer Prädikant , nachdem wir lange gewartet , nicht erschien , baten mich die Trauernden , ein Gebet zu sprechen , da ich eines Seelsorgers Sohn und ein halbstudierter Mann . Auf diese Weise kam ich zu meiner ersten Predigt , und die Leute waren erbaut . Da nun die Gemeinde sahe , daß kein rechter Prädikant zu erlangen , drang sie in mich , jeden Sonntag zu predigen . Ich sagte zu und sprach , wie es mir ums Herze war . Der Kirche indessen fremd geworden , sahe ich für das schönste Gotteshaus den freien Himmel an . Proponierete also der Gemeinde , bei , gutem Wetter nicht zwischen Mauern , sondern im Waldesdom der Andacht zu pflegen . Kanzel und Altar war ein Felsen , statt der Kirchenbänke dienten Moos und Beerengestäude , als Glocken summten die vom Wind geschwungenen Fichten . Nur die Orgel war von Menschenhand - meine Harfe - sie gab im Walde guten Klang . In meinen Predigten tat ich kund , woher das Elend teutschen Landes komme , und wie es zu heilen sei durch die Wahrheit . » Die Konfessionen hadern miteinander , jede wähnt , ihre Pfaffen besäßen in den Glaubensartikeln einen Pakt , durch den der Herrgott verbunden sei , den Schäflein die Himmelsweide aufzutun . Dabei gehet es den Parteien keineswegs bloß um geistlich Gut , irdischer Reichtum ist hauptsächlich der Zankapfel . Die evangelischen Fürsten haben der Papistenkirche die Güter genommen , und nun möchte kaiserliche Majestät die Hand darauf legen . Hin und her gezerrt wird das arme Volk von den Confessionibus . In Strömen fleußt Menschenblut , die Saaten werden zerstampft , die Scheuern niedergebrannt , jeder blühende Gau wandelt sich zur Wüste , und zur Hölle das liebe Vaterland , wo Menschenbestien als Teufel hausen . Woher aber das Streiten um den Glauben , aus dem allerdings dieser unselige Krieg herfürgewachsen ? Gibt es denn keine Instanz , wo die Hadernden zum Frieden gelangen können ? Ist denn nichts Höheres ausfindig zu machen als die Konfession ? Ja , das Höhere lebt ! In allen Menschenkindern lebt es ! Der eine gemeinsame Urquell ist es , dem jede Kreatur entquillt ! Er allein , der Ewige , Eine , Unteilbare sei unsere Konfession ! Lasset uns nicht geringer sein denn diese frommen Waldbäume ! Nadeln und Zweige der Tanne spüren , daß sie demselben Stamme , derselben Wurzel angehörig sind . Doch wehe , die argen Pfaffen predigen einen andern Gott als den Allwesenden , darinnen wir leben , weben und sind . Schwatzen dem törichten Volke vor , Gott sei ferne der Welt , hoch über den Sternen , durch eine Kluft geschieden von seinen Geschöpfen . Ja , wer das gläubet , ist von Gotte hinweggewandt , denn Gott lässet sich spüren nur im Zuge nach dem Einen , das seine Geschöpfe mit ihm verbindet . Wer solch Heimweh nach der Ewigkeit vermisset , ist fürwahr eine rechte Waise und irret höllenwärts . Die Hölle ist nämlich die Abkehr von Gotte . Diese Abkehr wird von den papistischen Pharisäern befördert , und auch die Evangelischen muß ich anklagen , dieweilen sie den fernen Gott lehren und für seinen Stellvertreter ihren Papst von Papier ausgeben . Nicht also , liebe Seele , traue nicht denen , so dir vorspiegeln wollen , ihnen habe der ferne Gott seinen heiligen Geist eingehauchet , oder das Bibelbuch habe ein für allemal die Offenbarung in sich geschluckt . Hoffe nicht , vom Pfaffen Gnade zu erlangen und die ewige Seligkeit . Babel schreit : Hier ist die Kirche , hie Christus , laufet all herzu ! Wenn aber dann die Wahrheit in Gestalt eines Redlichen nahen will , geschieht ein Geschrei : Meidet , ihr Schäflein , diesen schwarzen Teufelsbock ! Er sei verflucht , Feuer her ! - Ach diese Gleisner ! Dieselben sind es , so den Heiland ans Kreuz geschlagen haben . Hochmütig blähen sie sich auf und setzen eine Würde auf die Nase : Wir sind Herrgotts Amtsleute , und alles Volk soll uns gehorsamen ! Die auf Sankt Petri Stuhle sitzen , nicht minder die andern Schriftgelehrten , tun als besäßen sie des Himmelreiches Schlüssel , vergeben Sünden um Geld , schändlichen Handel treiben sie damit . Jesus war arm auf Erden und hatte nicht , wo er sein Haupt hinlegte ; sie aber wollen an seiner Statt reich und fett sein . Zur Botmäßigkeit beugen sie die Nacken ihrer Gläubigen , heischen den Mammon und häufen ihn derart , daß es dann nicht verwunderlich , wenn beutegierige Herren sich darüber hermachen . Da hab ich hingewiesen , woher das ganze Elend kommt . Wir Schreiberhauer wollen nun die Glaubensfehler meiden , die übers teutsche Vaterland den Ruin gebracht . Keinen Götzen wollen wir verehren , vielmehr den Vater unser , so in uns waltet . Wir haben ja alle einen Odem und sind aus einer Seele erboren . Die reine Gottheit ist überall gegenwärtig , an allen Orten und Enden , wohin du sinnen magst , auch mitten in der Erde , in Stein und Felsen . Drum laufet nicht zur Mauerkirche , wo der Pfaffe herrscht ; sondern unter freiem Himmel , wo euch das Herz aufgeht , ist Gottes Tempel . Kein Pfaffe soll sich zwischen ihn und unsere Seele drängen . Beten wir ihn an in der Wahrheit , die uns die Bäume predigen und die Berge , die Murmelbächlein und die wehenden Lüfte . Gott lächelt aus jedem Stern und jeder Blume , sein Himmel erschleußt sich dem Menschenherzen , wenn es ihn spürt , wie er schöpft und wirkt , wie er heilt , erleuchtet und durchfriedet . Das Paradeis , so dem verschlossen , der sich von Gotte verirrt , stehet offen allen , die sich zu ihm wenden , nur einzugehen brauchen wir . Gedenket der Mär , die in euren Spinnstuben von der Abendburg geraunet wird . Der öde Felsen droben , so sagt man , sei ein heimlich Schloß , verwunschen vom bösen Geiste . Wer aber die Kraft Magiae besitzt , kann den Felsen zur strahlenden Königsburg wandeln . Ich deute euch diese Mär , die mitnichten ein dummes Gemare . Eine Abendburg ist die ganze Welt , der Himmel mit den Sternen , die Erde mit ihren Gewächsen und Tieren , mit uns Menschenkindern , mit Bergen und Gewässern , mit Meer und Luft . Verwunschen und verstört ist die Welt durch den schlimmen Wahn , sie sei von Gotte verlassen und dem Teufel zum Tummelplatz überliefert . Wer so gläubet , dem freilich macht sie ein trüb Gesicht , dem grauen Steine gleich . Wachet auf , ihr Augen , und schauet mit dem magischen Blick , so wandelt sich die Welt zum Gottesleib , drinnen seine Kraft und Herrlichkeit sich auswirkt allerorten , von Ewigkeit zu Ewigkeit . Wer also die unendliche Abendburg entzaubert , dem blühet innen der verheißene Schatz . Es ist die gewisse Zuversicht , daß jedes Menschenkind in sich den Gott heget , mag er auch nur wie ein Körnlein keimen . Der Erlöser in uns lebt und wächst heran zu Schöpfers Ebenbilde . Die Geheiligten lobsingen miteinander und sind auf einmal in der Stadt des ewigen Lichtes . Da lächelt sie nun , unsere Heimat , und alles Heimweh ist selig gestillt . Friede mit uns allen ! « Also ging von der Abendburg ein gülden Schimmern aus . Der Traum vom Lichtreiche , der mir beim Sagenstein gekommen war , teilte sich durch mein Wort den Schreiberhauern mit und ward eine Schwarmgeisterei . » Bauen wir die neue Burg Zion ! « hieß es - » auf daß erfüllet werde , was der Psalmist gesprochen : Ihr seid Götter und allzumal Kinder des Höchsten . « - Wohl gut ! Doch was sich leicht ersinnen läßt in der Bergeinsamkeit und ungestört seine phantastischen Ranken und Wunderblüten treibt , - ach welch ander Wesen entfaltet es , übertragen auf den harten Acker der Wirklichkeit , wo es gedeihen soll auf unfruchtbaren Steinen , zwischen widerwärtigen Dornen ... Das sollt ich nun erfahren . Anno 34 war ' s , an einem Sonntage des Märzen , und ich hatte abermals vom Lichtreiche gepredigt . Warm schien die Sonne in den Waldwinkel , obwohl zwischen den Felsen am Bache noch dicker Schnee lag . Als nach dem Amen die Gemeinde schwieg , ging Windesharfen durch den Tann , die Erlenzweige wiegten ihre rostroten Blütenkätzlein , und der angeschwollene Bach orgelte einen dumpfen Choral . Da erscholl eines Mannes Zuruf von fern , und zwischen den Baumstämmen tauchte einer von denen auf , so beim Wachstein unser Bergdörfel vor feindlichem Volk behüteten . Auf einem Pferde aber saß ein Mägdlein in herrschaftlicher Tracht , und es folgte ein Trupp Leute . » Schauet doch ! « raunete man ; » ist das nicht unser adlig Fräulein ? Ei freilich , die junge Schaffgotschin ! Mit Maiwalds Karle kommt sie zu uns . Und da sind ja auch die Knäblein des gnädigen Herrn ! Und der Kemnitzer Rentmeister . « Den Ankömmlingen öffnete man eine Gasse und neigte sich vor der jungen Herrschaft . Als ein rechtes Prinzeßlein anzuschauen war Anna Elisabeth , Hans Ulrichs zwölfjährig Töchterlein , schön , zart wie die Mutter selig . Unter den vier blondlockigen Knaben hatte einer schon etwas vom hohen Wuchse seines Vaters . Der kleinste mochte sieben Lenze zählen . Zuerst vermeinete ich , es werde nun auch der Freiherr kommen . Doch nein . Und es schloß nun die Menge den Kreis um unsere Gäste . Das Pferd ward vor mir angehalten , und die junge Schaffgotschin sprach mit traurigem Lächeln : » Grüß euch , ihr Leute ! Ihr wisset , wir sind eures Grundherrn Kinder . Stehet uns nun bei , bitt euch ! Unser Vater - ach , unser Vater ... « Nicht weiter konnte sie und brach in Tränen aus , das Tüchel vor dem Angesicht . Weiber küßten ihres Gewandes Saum , und männiglich murmelte bestürzt : » Was hat ' s denn mit dem gnädigen Herrn ? « » Gute Leute ! « nahm der Rentmeister das Wort und zog den Hut vom ergrauenden Haupte - » eine Heimsuchung hat die edeln Schaffgotsche betroffen ; unser gnädiger Herr ward auf Befehl des Kaisers verhaftet ... « - » Mein Gott ! « rief alles entsetzt . » Verhaftet ? Auf Befehl des Kaisers ? Was tat denn unser Herr ? « » Die Verhaftung ist geschehen durch den General Colloredo ... « - » Da haben wir ' s ! « rief ich aus , » Italiener und Spaniolen erwürgen unser Volk . « - » Die Pfaffen sein schuld ! « meinte der Bauer Dreßler . » Die Jesuiter ! « schrien andere . Der Rentmeister fuhr fort : » Im Ohlauer Schlosse war ' s - da quartierte unser Herr . Wollte grade ausreiten , die Feldwachen zu besichtigen . Da ziehet klingenden Spiels Colloredosches Fußvolk auf und besetzt sogleich die Schloßpforten . Unseres Herrn Kammerdiener kommt hereingestürzt : Flugs machet fort , Herr ! Doch ihm auf den Fersen sind Colloredos Offiziere , die Degen entblößt . Einer weiset den Haftbefehl vor : Im Namen des Kaisers ! Herr Feldmarschall Colloredo gebeut , daß wir Ihro Gnaden nach Glatz transportieren , ohne Verzug , lebendig oder tot . - Unser Herr , zuerst starr und sprachlos , schäumte nun wie ein wilder Eber : Lebendig oder tot ? Ich will euch zeigen , wer den andern töten wird . - Und stürmte zur Ecke , wo die Standarten lehneten , und wo sein Degen hängen sollte . Doch der Degen fehlte , ein Schelm hatte ihn entwendet , und den Wehrlosen packten die Offiziere ... « - » Mein Gott ! « jammerten die Schreiberhauer , und es weineten die jungen Schaffgotsche . Dreßler rief : » Unser Herr ist halt ein Evangelischer , das ist sein Verbrechen ! « Der Bericht aber lautete des weitern : » Noch gleichen Tages waren alle Schriftstücke unseres Herrn von den Obersten genommen und versiegelt , und bei anbrechender Dunkelheit fuhr die Karrete mit dem Gefangenen zur Glatzer Feste . Hinterher ging das Gerücht , Herr Schaffgotsch habe benebst dem Herzog Wallenstein und dessen Schwager Tercky Hochverrat am Hause Habsburg begangen , nämlich den untergebenen Obersten befohlen , dem Wiener Hofe nicht Order zu parieren , dieweilen der Generalissimus mit Wien uneins sei und als Führer der Armada über der kaiserischen Regierung stehen müsse . « Da alles betreten schwieg , nahm Dreßler das Wort : » Wie dem auch sei - an unserm gnädigen Herrn ist kein Falsch . « - Dann sprach wieder der Rentmeister : » Ein gut Gewissen muß unser Herr haben , sintemalen er sein Eigentum , ja seine Kinder , ohne Schutz mitten unter Colloredoschem Volke gelassen hat . Das ist nach Lage der Dinge nun freilich schlimm . Es dräuet den Schaffgotschischen Besitzungen , und in puncto religionis auch den Kindern Gefahr von seiten der Jesuiter , so ja den Kaiser beherrschen . Stellet doch der Kardinal Dietrichstein allbereits das Ansinnen , es sollen evangelische Diener hinfürder den jungen Schaffgotschen fern bleiben ... « - » Hoho ! « murreten die Schreiberhauer . - » Man will unsere Herrschaft ausrauben « , nahm ich das Wort . » Raunet man doch , es bestehe bei Hofe das tägliche Brot aus konfiszierten Güteln . Da wird ihnen das Maul wässern nach dem Reichtum der Schaffgotsche . Ich möchte die hochgeborenen Kinder nicht bekümmern ; jedoch , Herr Rentmeister , sowie ihr lieben Schreiberhauer , man muß der Gefahr ins Auge schauen . Der Papismus recket seine Hand übers Gebirge , will uns Gut und Glauben nehmen . Da gilt es , fest und treu zueinander zu halten . Drum wollen wir unserm Grundherrn beistehen , so gut es unserm schwachen Vermögen gelingt . Nicht also , ihr Leute ? « - » Wir stehen bei ! « riefen sie . » Ich selber bin ein armer Eremit der Iserwildnis ... « - » Unser Prädikant ist er ! « rief man dazwischen . » Einen Buschprediger heißen sie mich . Ohne kirchliche Bestallung predige ich unsern Schreiberhauern , weil sie , geistlich verwaiset , mein Wort nicht ungern vernehmen und mein Saitenspiel . Ich suche ewiges Heil , suche den Frieden für unser armes Vaterland und bin unserm gnädigen Herrn Hans Ulrich ergeben . Seine Kinder haben eine Zuflucht bei uns , und ihre Feinde werden wir zurückscheuchen ... « Dreßler , der reckenhafte Bauer