ob Sie fest steh ' bleib ' n auf dem , bal mir scharf zum Streit ' n o ' fanga . « » Ich steck ' nicht um , Schuller . Sonst hätt ' ich Ihnen lieber nichts gesagt . « » Und bal i Eahna bitt ' n tat , daß Sie jetzt mit mir zum Haberlschneider gengan ? « - » Ich bin dabei . « » Und nacha san mir zwoa beim Haberlschneider g ' wen , « erzählte der Schuller . » Und da Sylvester hat de G ' schicht akkurat a so vorbracht , wia bei mir , und da Haberlschneider sagt , jetzt glaabt er selm , daß i dös Spiel g ' winn , und daß ' s nimmer ausko . Jetzt werd er schaug ' n , der Herr Baustätter ! « » Paß auf , daß dir net no mal falliert ! « mahnte die Bäuerin . » Da Verdruß waar glei ärger , wia beim erstenmal . « » Wia soll denn dös fallier ' n ? Da Sylvester steht vor , und wissen tuat er ' s g ' nau . Er hat a paar Brief vom Held , und a Büachl hat er , wo der alt ' Pfarrer was nei g ' schrieb ' n hat . « » Warum hat denn da Herr Mang den Zettel net glei b ' halten ? « » Dös hat er net derfen . « - » Aba besser waar ' s g ' wen . « » Na , Alte . Dös vastehst du z ' weni . I will mei Recht . Dös müassens mir geben vor alle Leut ' beim hellicht ' n Tag . Und weil i dös will , derf i selber nix toa , was geg ' n ' s G ' setz is . « » Bal ' s dir no so ' nausgeht , Andrä ! « » Es geht mir scho naus . I hab ' de G ' wißheit in da Hand , und am Samstag kriag ' i mei Recht . Da Sylvester fahrt mit eini ins Bezirksamt . « Er streckte die Arme aus und lachte fröhlich . Und dann unterhielt er sich noch lange mit seinem Sepp über das Soldatenleben . Wie es zu seiner Zeit war , und wie es jetzt anders geworden ist . Neunzehntes Kapitel » Begreifen Sie das nicht ? Es ist doch so einfach ! « sagte der Bezirksamtmann Otteneder und richtete ungeduldige Blicke bald auf Sylvester und bald auf den Schuller . » Ist das so schwer zu begreifen ? « wiederholte er . » Ja , und ich werde es nie verstehen , « sagte Sylvester . » Dann will ich es Ihnen noch einmal sagen , obwohl ich eigentlich keine Zeit habe . Sie sagen mir , daß die Angaben des Pfarrers Held gefälscht sind , das heißt , daß sie nicht von ihm geschrieben wurden . Also was ist jetzt ? Glauben Sie , daß ich meinen Beschluß umstoßen und den Vöst zum Bürgermeister machen soll ? Das geht nicht und ist überhaupt unmöglich . Außerdem , woher wissen Sie , daß ich wegen der Beschuldigungen , die auf dem Zettel standen , die Bestätigung verweigerte ? « » Das steht im Beschluß , « sagte Sylvester . » Nein ; lesen Sie ihn doch genau ! Es heißt : Diese Beschuldigungen liegen weit zurück und sind nicht bewiesen . Also ich habe keinen Wert darauf gelegt . Aber - jetzt hören Sie zu ! - aber der Glaube an diese Behauptungen hat gezeigt , daß der gewählte Bürgermeister der Achtung entbehrt , nicht bei allen , aber bei vielen Gemeindemitgliedern . Und das ist nicht zulässig , denn Autorität und Achtung gehören zusammen . « » Wenn aber jetzt ... « » Einen Augenblick ! Außerdem habe ich hervorgehoben , daß der Glaube an diese Beschuldigungen bereits Auswüchse gezeitigt hat , die wiederum ganz unverträglich sind mit der Stellung eines Bürgermeisters . Es ist sogar zu Raufereien gekommen . Sehen Sie , deshalb habe ich die Bestätigung verweigert , und das steht im Beschlusse . « - » Derf i jetzt amal reden ? « fragte der Schuller . » Ja . Ich hab ' Sie überhaupt noch immer angehört . « » Sie sag ' n , daß der g ' fälschte Zett ' l für Eahna koa Bedeutung net g ' habt hat . Da muaß i Eahna scho sag ' n , Herr Bezirksamtmann , Sie reden heut ' anderst , als wia beim erstenmal . Wia ' r i dös erstmal herin g ' wen bi , da hab ' i Eahna g ' fragt , warum Sie mi abg ' setzt hamm . Und Sie hamm g ' sagt , weg ' n de bekannt ' n Tatsachen , weil i Ärgernis geb ' n hab ' , weil i mein Vata mißhandelt hab ' . Dös hamm Sie ausdrücklich g ' sagt . « » Sie waren damals so erregt , daß Sie mich nicht verstanden haben . « » Na , na ! I hab ' Eahna guat vastand ' n. Weg ' n de bekannt ' n Tatsachen hamm Sie g ' sagt , und da Flori is dabei g ' wen . Der ko ' s beweisen . « » Sie tun so , als ob ich etwas ableugnen wollte . Ich brauche Ihre Zeugen nicht . Was ich gesagt habe , das vertrete ich schon . « » Sie sag ' n aba jetzt , daß dös koa Bedeutung g ' habt hätt ' ! « » Es war nicht maßgebend , sage ich . Natürlich habe ich von dieser Beschuldigung gesprochen , weil sie beim Akt liegt . « » Dös war aba d ' Hauptsach ' . Sie hamm no zu mir g ' sagt , i derf den Zett ' l gar it anzweifeln . « » Im Beschlusse steht ganz deutlich , warum ich Ihre Wahl umgestoßen habe . Sie müssen jetzt nicht mit Geschichten daherkommen . « » Weil ' s wahr is . Weg ' n de bekannt ' n Tatsachen , hamm Sie g ' sagt , und weil i Ärgernis geb ' n hab ' . « » Das habe ich geglaubt , und Ihre Mitbürger glaubten es auch . Sie haben die Leute nicht ruhig widerlegt , sondern haben geschimpft und gerauft . Und wer das tut , wird nicht Bürgermeister . Punktum ! « » I will ja gar koana sei ; net g ' schenkt . « » Was wollen Sie dann überhaupt von mir ? « » Mei Ehr ' will i hamm ! « » Hab ich sie Ihnen genommen ? « » Jawohl , dös hamm Sie ! « » Sie regen sich auf , Schuller ! « sagte Sylvester . » Das hilft nichts . Herr Bezirksamtmann , erlauben Sie noch eine Bemerkung ! Der ganze Streit ist doch damit angegangen , daß der Herr Pfarrer den Zettel hergezeigt hat ! « » Ja , und ? « » Und wenn jetzt bewiesen wird , daß der Zettel gefälscht ist , und daß die Beschuldigung erfunden ist , dann muß doch alles rückgängig gemacht werden ! « » Was soll man rückgängig machen ? « » Ich meine , die Verleumdung muß widerrufen werden . « » Von wem ? « » Vom Herrn Pfarrer , weil er sie verbreitet hat . « » Gut ! Verlangen Sie das von ihm ! « » Der Schuller meint , Sie sollen es ihm amtlich befehlen . « » Wie soll ich denn das machen ? « » Er hat Sie doch getäuscht ! « » Angenommen , er hätte mir die Unwahrheit gesagt , warum soll ich ihn zum Widerruf zwingen ? Das tut doch immer der Beleidigte ! « » Wenn er Ihnen amtlich eine Fälschung vorgelegt hat ! « » Es ist haarsträubend ! « sagte Otteneder . » Sie reden immer , als wenn gerichtlich eine Fälschung festgestellt wäre . Das ist doch bloß Ihre Behauptung ! Was fange ich damit an ? Wenn ich sie weiter gebe , verklagt der Pfarrer mich . Das darf ich doch nicht ! « » Dös derfen Sie net ? « » Nein ! Ich werde mich hüten . « » Aba geg ' n mi , da hamm Sie scho derfen ? Da hamm Eahna Sie net g ' hüat ! « » Schreien Sie mich nicht so an ! « » Da hat ' s koan Beweis braucht , gel ? Da hamm S ' all ' s weiter geb ' n derfen ? Jetzt is anderst , weil der Fälscher koa Bauer is ! « » Was erlauben Sie sich denn ? « » Ja so ! Sie san ja a Herr Beamter ! Da müaßt i eigentli Respekt ham vor Eahna ! Aba da feit ' s weit ! Und i gab ' mi net her zu dem , was Sie to hamm . Gengan S ' zua , Herr Mang ! Mir hamm nix mehr verlor ' n da herin . « » Schuller ! « Aber der war schon zur Türe hinaus , und Sylvester stand allein vor dem erzürnten Bezirksamtmann . » Was haben Sie sich eigentlich hineinzumischen ? « herrschte ihn Otteneder an . » Sie könnten was Besseres tun , als diesen rabiaten Menschen aufreizen . « » Ich weiß , daß ihm Unrecht geschehen ist . « » Sie sind schnell fertig mit dem Wort ! Wie Sie im Handumdrehen eine Fälschung entdecken wollen , das ist ein starkes Stück . Nehmen Sie sich in acht ! « » Ich fürchte mich nicht . « » Nur nicht zu heldenhaft ! Sie könnten sich die Finger einmal bös verbrennen . « Sylvester verbeugte sich höflich und wandte sich zum Gehen . Da sagte der Bezirksamtmann noch : » Richten Sie dem Vöst aus , daß ich ihn nicht belangen werde wegen seines Benehmens . Ich denke mir , er war nicht zurechnungsfähig . « Im Stiegenhause wartete der Schuller . » Ist es Ihnen recht , wenn wir ins Amtsgericht gehen ? « fragte Sylvester . » Was toa ? « » Sie müssen Ihr Recht suchen . « » Na , Herr Mang , dös suach ' i nimmer . I fahr ' hoam . « » Aber warum ? « » Weil all ' s umsunst is . De hamm ' s Recht so guat vasteckt , daß ' s i meiner Lebtag ' net find ' . Und wenn i ' s g ' funden hätt ' , nehman s ' ma ' s weg unter da Hand . « » Sie müssen nicht gleich die Hoffnung aufgeben ! « » Glei ! I hab ' s net glei aufgeben . Sie wissen dös net . I hab ' mi ei ' g ' spreizt mit Händ ' und Füaß ' , und zwinga muaß i ' s , hab ' i g ' moant , und nacha - ah was ! « Er nahm den Hut ab und wischte sich mit dem Ärmel über die Stirne . » Es muß gehen , « ermunterte Sylvester . » Sie san no jung und mögen ' s net glaab ' n , daß ma mit ' n Recht nachgeb ' n muaß . Aba es is do a so . Mir fahr ' n hoam , Herr Sylvester . « Ostersonntag . Man läutete mit allen Glocken , und das Hochamt war zu Ende . Die jungen Burschen eilten zuerst aus der Kirche und standen in Gruppen beieinander . Es gab noch etwas zu sehen , wenn die Mädeln in hochbepackten Körben das Geweihte heimtrugen . Da lagen obenauf die buntgefärbten Eier , daneben saftige Schinken , Brot , Fleisch und Salz , und wer ein übriges tun wollte , setzte auf die schmackhaften Dinge ein schneeweißes Osterlamm aus Zuckerteig . Die Burschen musterten die Körbe und ihre Trägerinnen , und sagten jeder etwas Lustiges . Die älteren Leute schritten langsam durch den Friedhof ; die Männer sahen über die Mauer weg auf die Felder , deren Saatfurchen sich in langen Reihen die Hügel hinaufzogen . Unter den Letzten kamen die Honoratioren von Erlbach . Der Lehrer , der Schulgehilfe , der Postexpeditor und der Stationskommandant mit seiner Frau . Sie redeten von dem Verlaufe des Hochamtes , und Herr Stegmüller fragte , ob man nichts gemerkt habe , daß die Schallmaier Zenzi beim Kyrie eleison viel zu spät eingesetzt habe . Er könne ihr das nicht abgewöhnen , denn sie habe eigentlich kein gutes Musikgehör . Die Frau Kommandant sagte , sie habe es wohl bemerkt , und sie glaube auch , daß es dem Herrn Pfarrer aufgefallen sei , denn er habe seinen Kopf umgedreht und zum Chor hinaufgeschaut . Und schad ' sei es , sagte der Hilfslehrer , daß der Herr Mang nicht mitgesungen habe . Im vorigen Jahr ' habe es so schön geklungen , das Solo beim Agnus Dei . Er selber habe es lang ' nicht so gut herausgebracht . Das ließ die Frau Kommandant nicht gelten , und ihr Mann stimmte bei , daß der Herr Hilfslehrer ebenfalls eine ausgezeichnete Stimme habe . Aber warum der Herr Mang weggeblieben sei ? » Ich weiß ' s net , « antwortete Stegmüller . » Gestern abend is er zu mir kommen und hat g ' sagt , er wär ' net aufg ' legt zum Singen . « » Geht ' s seiner Mutter wieder schlechter ? « » Nein , die erholt sich recht gut . « » Vielleicht mag er nicht , weil er geg ' n den Herrn Pfarrer was hat , « meinte die Frau Kommandant . » Er war gestern mit ' n Schuller in Nußbach . « » Gestern ? « Stegmüller blieb stehen . » Von dem hat er mir nichts g ' sagt . « » Mein Mann hat ' s erfahren , gelt , Karl ? « » Ja ; er war im Bezirksamt , von meine Leut ' hat ' n einer g ' sehen . « » So , so ? « » Es g ' fallt mir eigentlich nicht , daß er Partei nimmt , « sagte der Kommandant . » G ' rad jetzt , weil er aus ' treten is , schaut ' s a bissel sonderbar aus . « Seine Frau stieß ihn an . » Du , da grüßt dich ein Soldat ! « Der Schuller-Sepp stand bei den Burschen und machte Front vor dem militärischen Vorgesetzten und Rührt euch , als dieser abwinkte . Und er machte es so stramm , wie man ' s lernt beim zwölften Regiment . » Ein ordentlicher Bursch ! « sagte der Kommandant . » Er macht sich gut beim Militär . Was is ? Geh ' n wir zum Frühschopp ' n. Zu Ehren des Festes ? « Stegmüller und der Hilfslehrer waren einverstanden , und die Frau Kommandant sagte , sie gehe mit , aber sie müsse gleich wieder heim zum Kochen . Die Wirtsstube war nicht so voll wie sonst an den Festtagen ; denn Bauer und Knecht trachteten heim , um das Geweihte zu essen . Zwei Tische waren mit Gästen besetzt , und sie grüßten alle freundlich , als die Honoratioren an ihnen vorbei ins Nebenzimmer gingen . Neben dem Ofen saß noch ein Mann allein . Er hatte die Arme verschränkt auf den Tisch gelegt und sah nicht auf . Der Kommandant bemerkte ihn . » Is das net der Schuller ? « fragte er und schaute noch einmal aus dem Nebenzimmer zurück . » Ich glaub ' , er war ' s , « antwortete Stegmüller . Als die Kellnerin kam , fragte der Kommandant wieder . » Gelt , der Schuller sitzt draußen ? « » Ja , er is scho seit a paar Stund ' da und red ' t und deut ' nix . « » Er kommt sonst net oft zu Euch ? « » Scho seit a paar Monat is er nimmer rei ' ganga . Heut ' is er unter da Kirch ' daher kemma . Und jetzt trinkt er oa Halbe nach der andern . « » Der muß was B ' sonderes haben , « sagte der Kommandant . » Also prost , Herr Lehrer , aufs Wohlsein ! « » Wo gehst denn hi , Sepp ? « fragte die Schullerin . » Auf Webling umi . « » Geh , bleib do und geh zu unsern Wirt abi ! « - » Warum nacha ? « » Du tatst mir an G ' fall ' n. Da Vata hockt drunt scho seit in der Fruah . Dös woaß i net , so lang ' ma verheirat ' san . « » Wenn ' s d ' moanst , geh ' n i halt abi . Aba daß du gar a so ängstli bist ? « » Jetz ' is fünfi auf ' n Abend . Und seit in der Fruah hockt er drunt ' . « » Es freut ' n halt amal . « » Na , weg ' n da Freud ' tuat er ' s net . Du woaßt , wia ' r a gestern hoam kemma is . Koa Wort g ' redt , und heut ' is er furt in aller Fruah . I hab ' g ' moant , er geht vors Dorf außi und schaugt drauß ' d umanand . Derweil sagt ma d ' Zwerger Marie , daß er beim Wirt hockt . - Und jetzt hon i gar koa Ruah nimmer . « » Desweg ' n brauchst net z ' woana , Muatta ! « » Is ja wahr ! Weil er dös no gar nia to hat ! Jetzt trinkt er g ' wiß in d ' Wuat eini , und es kunnt eahm was g ' schehg ' n. Net amal zum G ' weicht ' n is er kemma . « » I geh jetzt abi . Bal i dabei bin , feit si nix . « » Aba g ' wiß ! Und schaug ' , daß er bald mit dir hoamgeht ! « Sepp machte sich auf den Weg ins Wirtshaus . Als er ins Gastzimmer eintrat , schlug ihm dichter Tabakrauch entgegen , und er schaute sich um , ob er in dem dichten Gedränge nicht den Vater sehen könne . An jedem Tisch wurde er angehalten . » Ah , da Sepp ! Grüaß di Good ! Hamm s ' di außa lass ' n auf Urlaub ? Da geh her ! Trink amal ! « » Suachst g ' wiß dein Vata ? « fragte der alte Weiß Flori . » Dort hint ' hockt a beim Ofa . « Sepp sah hin . Da saß der Schuller noch am nämlichen Platze wie in der Frühe . Den Hut hatte er ins Genick geschoben , und er stierte mit gläsernen Augen vor sich hin . Es waren viele Leute an seinem Tisch . Der Kloiber , der Zwerger und andere . Auch der Haberlschneider saß dort . Sepp reichte seinem Vater die Hand über den Tisch hinüber . » Grüaß Good , Vata ! « » Was ? Ah , du bischt ' s ! Bischt du aa do ? « » Freili . I hon amal schaug ' n woll ' n , wia ' s dir geht . « » Was ? « » Wia ' s dir geht , hon i schaug ' n woll ' n. « » Ja , mir geht ' s guat . G ' rad luschtig bin i ! Da , sauf aus ! Herrgottsakrament ! « Er schlug mit der Faust auf den Tisch . » Kellnerin ! No a Halbe ! Heut ' geh ' n i net hoam . « Er rückte den Hut in die Stirne und sang mit heiserer Stimme : » A frische Maß Bier Hat an Fam ' , an weißen , Und heunt ' geh ' ma net hoam , Bis s ' uns außi schmeißen . « Dann legte er sich mit verschränkten Armen weit in den Tisch hinein . Der Haberlschneider gab Sepp einen Wink . » Schaug ' , daß d ' n hoam bringst ! « » Is scho recht . « Der Schuller stierte nach der Stelle , wo Sepp gestanden hatte . » Wo is denn da Sepp hi ' kemma ? Is er scho wieda furt ? « » I bin scho da , Vata . « » Na , sauf ' amal ! Herrgottsakrament ! « » Moanst it , mir gengan hoam ? « » Was ? « » Besser waar ' s , wenn mir hoam gengan . « » Mir ? I geh net hoam . « » D ' Muatta is in der Angst , weil ' s d ' it beim Essen g ' wen bist . « » Um mi braucht gar neamd an Angst hamm . Durchaus gar net . I verdirb no lang it , bal ' s aa hoaßt , daß i der Allerschlechter bi vo ganz Erlbach . « Er schaute den Kloiber , der ihm gegenübersaß , starr an und schrie wieder : » Um mi braucht neamd an Angst ham . I verdirb no lang ' it . « » Dös behaupt ' ja koa Mensch net , « beschwichtigte ihn der Haberlschneider . » Behaupt ' st du dös net ? Aba , da gibt ' s g ' rad g ' nua , de dös behaupt ' n. I kenn s ' alle mitanand , de Haderlump ' n. Da verdirbt scho an anderner , aber i net . « » I hab ' g ' sagt , daß d ' Muatta in der Angst is , « fiel Sepp ein . » Zu was denn ? De braucht aa koan Angst net hamm . « » Sie sagt , weil ' s d ' net amal zum G ' weicht ' n kemma bischt . « » I mag nix , was da Baustätter weicht . Der ko überhaupt nix weicha , der mit sein ' g ' fälscht ' n Papier ! « » Schmeißt ' s ' n halt außi , bal er b ' suff ' n is ! « schrie eine grobe Stimme vom nächsten Tische herüber . Es war der Hierangl . Er stand halb von seinem Platze auf und schrie wieder : » Koa B ' suffener g ' hört da net rei ' ! « Der Haberlschneider stellte sich vor ihn hin . » Du bist staad , gelt ? « sagte er ruhig . » Weg ' n dir ? Auf di pass ' i gar it auf . « » Bal ' s d ' an Streit o ' fangst , hast as z ' erscht mit mir z ' toa ! « Der Lochmann zog den Hierangl auf seinen Stuhl zurück . » Laß ' s guat sei ! « mahnte er . » Was brauch ' n denn mir den b ' suffena Kerl da herin ? An anderner wurd ' scho lang außi g ' schmissen . « Die letzten Worte knurrte der Hierangl vor sich hin ; dann war er still . » Was geit ' s ? « fragte der Schuller . » Wer will mi außi schmeiss ' n ? « » Es is nix g ' wen , Vata . « » Bin i vielleicht oan z ' schlecht zum Dableib ' n ? « » Dös sagt neamd . « » I bi scho da Allerschlechtest vo ganz Erlbach . A jeder derf mi veracht ' n. « » Was is , Schuller ? « mahnte der Haberlschneider . » I geh ' jetzt . Kimmst d ' net mit ? « » Was ? « » Ob ' s d ' it mitgehst ? I hätt ' mit dir was z ' red ' n. « » Du ? Möcht ' st d ' wieder sag ' n , i soll aufs Bezirksamt eini ? Aba i geh net . Vo mir aus bringan s ' lauter g ' fälschte Papier ' daher ! « » Geh mit ! « » Na , sag i. Und ins Bezirksamt geh i nimma . Z ' erscht muaß da Pfarra ins Zuchthaus ! Und da Hierangl dazua ! « » Da g ' hörst scho du nei , du ganz Schlechter ! « Der Hierangl schrie es herüber , und diesmal erkannte der Schuller die Stimme . Er fuhr auf , daß der Tisch wankte und die Gläser umfielen . » Bist du da ? Du ! « Er wollte zur Bank hinaus , aber Sepp hielt ihn fest . » Laß mi aus ! « keuchte der Schuller . » Auslass ' n tua mi ! « » Na , Vata ! Bleib ! « » Auslass ' ! « » Hau ' eahm oane nei ! Er hat ' s sein Vater ' n g ' rad a so g ' macht ! « schrie der Hierangl . » Herrgott ! Herrgott ! Auslass ' n tua mi ! « Der Schuller rang wütend mit Sepp . Der Tisch fiel um , alle sprangen auf . Von den anderen Tischen stürzten die Leute heran . Abmahnende Rufe , gellendes Schreien und Schimpfen , ein ohrenbetäubender Lärm . Und alles übertönte die kreischende Stimme des Schuller . » Laß mi aus ! « Sepp hielt ihn am rechten Arm , den andern hatte der Haberlschneider untergefaßt . Der Wirt drängte sich durch . » Dös geht net ! Der muaß außi ! « » Tua dei Hand weg ! « schrie der Haberlschneider . » Er geht scho selm . Sei g ' scheit , Schuller ! « Der wehrte sich schwächer und ging ein paar Schritte vorwärts . Da höhnte der Hierangl noch einmal . » Gel , Lump ! Geht ' s dir aa net besser , wia dein Vata ! « Sepp wandte sich zornig gegen ihn . Und ein Ruck , und der Schuller war frei und packte einen Bierkrug . Der Hierangl wich erschrocken zurück . Es war zu spät . » Hund ! Da ! Und da ! « So wuchtig schlug ihm der Schuller auf den ungedeckten Kopf , daß der Krug in Scherben ging . Der Hierangl wankte und fiel schwer zu Boden . Sepp riß seinen Vater zurück . Einen Augenblick war es still , dann erhob sich lautes Schreien . » Er hat ' n umbracht ! Herrgott , wia ' r a bluat ' ! Wassa ! Schnell a Wassa ! Holt ' s an Schandarm ! Er hat ' n umbracht ! « Der Haberlschneider wehrte ab . » Helft ' s an Hierangl ! Und laaft oana zum Bader ! Und du führst dein Vata hoam , Sepp ! « » Holt ' s an Schandarm ! Net außi lass ' n ! « Der Schuller schaute finster vor sich hin ; die Haare hingen ihm wirr in die Stirne herein , und sein Gesicht war verfärbt . » Laßt ' s mi geh ' ! « murmelte er . » I brenn ' net durch . « Er war nüchtern geworden . Als er ins Freie kam , blieb er stehen . An seiner rechten Hand rieselte Blut herunter ; er hatte sich an den Scherben verletzt . » Du bluat ' st ja , Vata ! Hat er dir aa was to ? « » Na ! Und halt ' n brauchst d ' mi net ! « Er ging mit schwankenden Schritten vorwärts ; Sepp blieb ihm dicht an der Seite . Ein paar Buben liefen ihnen voraus und raunten den Leuten zu : » Da Schuller hat an Hierangl umbracht ! « Und wo der Schuller an einem Hause vorüberkam , versteckten sich Weiber und Kinder hinter der Türe und sahen ihm mit scheuen Blicken nach . » Sei Hand is no bluati davo , « sagte die Weßbrunnerin . So lief das Gerücht vor ihnen her , die Gasse hinunter , wie fressendes Feuer . Und es drang in den Schullerhof , wo die Bäuerin noch immer mit angsterfülltem Herzen wartete . Da hörte sie die Botschaft und eilte auf die Straße hinaus . Und wie sie die zwei von weitem kommen sah , wußte sie , daß ein Unglück geschehen war . » Jess ' , Maria und Joseph ! Was hast to ? « Der Schuller ging schweigend an ihr vorbei in seinen Hof . Noch spät in der Nacht brannte die Lampe im Zimmer des Herrn Kommandanten Hermann . Er hatte einen großen Bogen Papier vor sich und trocknete sorgfältig die Schrift mit dem Löschblatte . » So , der Bericht is fertig , « sagte er . » Wieviel Seiten sind ' s worden ? « fragte seine Frau , die ihm gegenüber saß und strickte . » Sechs a halb ' . « » Du hast kein ' Feiertag das ganze Jahr , « seufzte sie . » Das war wieder ein schönes Ostern ! « » Leider , daß so was vorkommen is . Da kann ma nix mach ' n. « Er hielt das Schreiben gegen die Lampe und wandte in behaglicher Anerkennung seiner Arbeit die Blätter um . Die Seiten waren von oben bis unten beschrieben , und eine Zeile stand schnurgerade unter der anderen . Wo ein neuer Abschnitt begann , war