und weil ich glaubte , Italien , der Freiheit nicht mehr fähig , sei unter eurer Herrschaft am sichersten geborgen : denn eure Herrschaft war gerecht und mild . Ich habe fortgedient , obwohl ich meiner Freunde Boëthius und Symmachus , Blut fließen sah , wie ich glaube , unschuldig Blut : aber sie starben durch offnes Gericht , nicht durch Mord . Ich mußte deinen Vater ehren , auch wo ich ihn nicht loben konnte . Jetzt aber - « » Nun , jetzt aber ? « fragte die Königin stolz . » Jetzt komme ich , von meiner vieljährigen Freundin , ich darf sagen , meiner Schülerin - « » Du darfst es sagen , « sprach Amalaswintha weicher . » Von des großen Theoderich edler Tochter ein einfach schlichtes Wort , ein Ja zu erbitten . Kannst du dies Ja sprechen - ich flehe zu Gott , daß du es könnest - so will ich dir dienen treu wie je , solang es dieses greise Haupt vermag . « » Und kann ich ' s nicht ? « » Und könntest du es nicht , o Königin , « rief der Alte schmerzlich , » o dann Lebewohl dir und meiner letzten Freude an dieser Welt . « » Und was hast du zu fragen ? « » Amalaswintha , du weißt ich war fern an der Nordgrenze des Reichs , als hier der Aufstand losbrach , als jene furchtbare Kunde , jene furchtbare Anklage sich erhob . Ich glaubte nichts - ich flog hierher von Tridentum . - Seit zwei Tagen bin ich hier und keine Stunde vergeht , keinen Goten spreche ich , ohne daß die schwere Klage mir schwerer aufs Herz fällt . Und auch du bist verwandelt , ungleich , unstet , unruhig - und doch will ich ' s nicht glauben . - Ein treues Wort von dir soll all diese Nebel zerstreuen . « » Wozu die vielen Reden , « rief sie , auf die Armlehne des Thrones sich stützend , » sage kurz , was hast du zu fragen ? « » Sprich nur ein schlichtes Ja : bist du schuldlos an dem Tode der drei Herzoge ? « » Und wenn ich es nicht wäre - haben sie nicht reichlich den Tod verdient ? « » Amalaswintha , ich bitte dich : sage ja . « » Du nimmst ja auf einmal großen Anteil an den gotischen Rebellen ! « » Ich beschwöre dich , « rief der Greis auf die Kniee fallend , » Tochter Theoderichs , sage ja , wenn du kannst . « » Steh auf , « sprach sie finster sich abwendend , » du hast kein Recht , so zu fragen . « » Nein , « sagte der Alte ruhig aufstehend , » nein , jetzt nicht mehr . Denn von diesem Augenblick an gehör ' ich der Welt nicht mehr an . « » Cassiodor ! « rief die Königin erschrocken . » Hier ist der Schlüssel zu meinen Gemächern in dieser Königsburg : du findest darin alle Geschenke , die ich von dir und Theoderich erhalten , die Urkunden meiner Würden , die Abzeichen meiner Ämter . Ich gehe . « » Wohin , mein alter Freund , wohin ? « » In das Kloster , das ich gegründet zu Squillacium in Apulien . Fortan werd ' ich , fern den Werken der Könige , nur die Werke Gottes auf Erden verwalten : längst verlangt meine Seele nach Frieden , und jetzt hab ' ich auf Erden nichts mehr , was mir teuer . Noch einen Rat will ich dir scheidend geben : lege das Zepter aus der blutbefleckten Hand : sie kann diesem Reiche nicht mehr Segen , nur Fluch kann sie ihm bringen . Denke an das Heil deiner Seele , Tochter Theoderichs : Gott sei dir gnädig . « Und ehe sie sich von ihrer Bestürzung erholt , war er verschwunden . Sie wollte ihm nacheilen , ihn zurückrufen , aber an dem Vorhang trat ihr Petros , der Gesandte von Byzanz , entgegen . » Königin , « sagte er rasch und leise , » bleib ' und höre mich . Es gilt ein dringendes Wort . Man folgt mir auf dem Fuß . « » Wer folgt dir ? « » Leute , die es nicht so gut meinen mit dir als ich . Täusche dich nicht länger : die Geschicke dieses Reiches erfüllen sich : du hältst sie nicht mehr auf , so rette für dich was zu retten ist : ich wiederhole meinen Vorschlag . « » Welchen Vorschlag ? « » Den von gestern . « » Den der Schande , des Verrats ! Niemals ! Ich werde diese Beleidigung deinem Herrn , dem Kaiser , melden und ihn bitten , dich abzurufen . Mit dir verhandle ich nicht mehr . « » Königin , es ist nicht mehr Zeit , dich zu schonen . Der nächste Gesandte Justinians heißt Belisar und kommt mit einem Heere . « » Unmöglich ! « rief die verlassene Fürstin . » Ich nehme meine Bitte zurück . « » Zu spät . Belisars Flotte liegt schon bei Sizilien . Den Vorschlag , den ich dir gestern als meinen Gedanken mitteilte , hast du als solchen verworfen . Vernimm : nicht ich , der Kaiser Justinian selbst ist es , der ihn ausspricht als letztes Zeichen seiner Huld . « » Justinian , mein Freund , mein Schützer , will mich und mein Reich verderben ! « rief Amalaswintha , der es schrecklich tagte . » Nicht dich verderben , dich erretten ! Wiedergewinnen will er dies Italien , die Wiege des Römischen Reichs : dieser unnatürliche , unmögliche Staat der Goten , er ist gerichtet und verloren . Trenne dich von dem sinkenden Fahrzeug . Justinian reicht dir die Freundeshand , die Kaiserin bietet dir ein Asyl an ihrem Herzen , wenn du Neapolis , Rom , Ravenna und alle Festungen in Belisars Hände lieferst und geschehen läßt , daß die Goten entwaffnet über die Alpen geführt werden . « » Elender , soll ich mein Volk verraten , wie ihr mich ? Zu spät erkenne ich eure Tücke ! Eure Hilfe rief ich an und ihr wollt mich verderben . « » Nicht dich , nur die Barbaren . « » Diese Barbaren sind mein Volk , sind meine einzigen Freunde : ich erkenne es jetzt , und ich stehe zu ihnen in Tod und Leben . « » Aber sie steh ' n nicht mehr zu dir . « » Verwegner ! fort aus meinen Augen , fort von meinem Hof . « » Du willst nicht hören ? Merke wohl , o Königin , nur unter jener Bedingung bürg ' ich für dein Leben . « » Für mein Leben bürgt mein Volk in Waffen . « » Schwerlich . Zum letztenmal frag ' ich dich « » Schweig . Ich liefere die Krone nicht ohne Kampf an Justinian . « » Wohlan , « sagte Petros zu sich selbst , » so muß es ein andrer tun . - Tretet ein , ihr Freunde , « rief er hinaus . - Aber aus dem Vorhang trat langsam mit gekreuzten Armen Cethegus . » Wo ist Gothelindis ? wo Theodahad ? « flüsterte Petros . Seine Bestürzung entging der Fürstin nicht . » Ich ließ sie vor dem Palast . Die beiden Weiber hassen sich zu grimmig . Ihre Leidenschaft würde alles verderben . « » Du bist mein guter Engel nicht , Präfekt von Rom , « sprach Amalaswintha finster und von ihm zurückweichend . » Diesmal vielleicht doch , « flüsterte Cethegus , auf sie zuschreitend . » Du hast die Vorschläge von Byzanz verworfen ? Das erwartete ich von dir . Entlaß den falschen Griechen . « Auf einen Wink der Königin trat Petros in ein Seitengemach . » Was bringst du mir , Cethegus ! Ich traue dir nicht mehr ! « » Du hast , statt mir zu trauen , dem Kaiser vertraut und du siehst den Erfolg . « » Ich sehe ihn , « sagte sie schmerzlich . » Königin , ich habe dich nie belogen und getäuscht darin : ich liebe Italien und Rom mehr als deine Goten : Du wirst dich erinnern , ich habe dir dies niemals verhehlt . « » Ich weiß es und kann es nicht tadeln . « » Am liebsten säh ' ich Italien frei . Muß es dienen , so dien ' es nicht dem tyrannischen Byzanz , sondern euch , der milden Hand der Goten . Das war von je mein Gedanke , das ist er noch heute . Um Byzanz abzuhalten , will ich dein Reich erhalten : aber offen sag ' ich dir , du , deine Herrschaft läßt sich nicht mehr stützen . Rufst du zum Kampfe gegen Byzanz , so werden dir die Goten nicht mehr folgen , die Italier nicht vertrauen . « » Und warum nicht ? Was trennt mich von den Italiern und von meinem Volk ? « » Deine eignen Taten . Zwei unselige Dokumente , in der Hand des Kaisers Justinian . Du selbst hast zuerst seine Waffen ins Land gerufen , eine Leibwache von Byzanz ! « Amalaswintha erbleichte : » Du weißt - « » Leider nicht nur ich , sondern meine Freunde , die Verschworenen in den Katakomben : Petros hat ihnen den Brief mitgeteilt : sie fluchen dir . « » So bleiben mir meine Goten . « » Nicht mehr . Nicht bloß der ganze Anhang der Balten steht dir nach dem Leben : - die Verschworenen von Rom haben im Zorn über dich beschlossen , sowie der Kampf entbrennt , aller Welt kund zu tun , daß dein Name an ihrer Spitze stand gegen die Goten , gegen dein Volk . Jenes Blatt mit deinem Namen ist nicht mehr in meiner Hand , es liegt im Archiv der Verschwörung . « » Ungetreuer ! « » Wie konnte ich wissen , daß du hinter meinem Rücken mit Byzanz verkehrst und dadurch meine Freunde dir verfeindest ? Du siehst : Byzanz , Goten , Italier , alles steht gegen dich . Beginnt nun der Kampf gegen Byzanz unter deiner Führung , so wird Uneinigkeit Italier und Barbaren spalten , niemand dir gehorchen , und dies Reich hilflos vor Belisar erliegen . Amalaswintha , es gilt ein Opfer : ich fordere es von dir im Namen Italiens , deines und meines Volkes . « » Welches Opfer ? ich bringe jedes . « » Das höchste : deine Krone . Übergib sie einem Mann , der Goten und Italier gegen Byzanz zu vereinen vermag und rette dein Volk und meines . « Amalaswintha sah ihn forschend an : es kämpfte und rang in ihrer Brust : » Meine Krone ! Sie war mir sehr teuer . « » Ich habe Amalaswinthen stets jedes höchsten Opfers fähig gehalten . « » Darf ich , kann ich deinem Rate trauen ! « » Wenn der dir süß wäre , dürftest du zweifeln . Wenn ich deinem Stolze schmeichelte , dürftest du mißtrauen : aber ich rate dir die bittre Arznei der Entsagung . Ich wende mich an deinen Edelsinn , an deinen Opfermut : laß mich nicht zuschanden werden . « » Dein letzter Rat war ein Verbrechen , « sagte Amalaswintha schaudernd . » Ich hielt deinen Thron durch jedes Mittel , solang er zu halten war , solang er Italien nützte : jetzt schadet er Italien , und ich verlange , daß du dein Volk mehr liebst als dein Zepter . « » Bei Gott ! Du irrst darin nicht : für mein Volk hab ' ich mich nicht gescheut , fremdes Leben zu opfern « - sie verweilte gern bei diesem Gedanken , der ihr Gewissen beschwichtigte - , » ich werde mich nicht weigern , jetzt - aber wer soll mein Nachfolger werden ? « » Dein Erbe , dem die Krone gebührt , der letzte der Amaler . « » Wie ? Theodahad , der Schwächling ? « » Er ist kein Held , das ist wahr . Aber die Helden werden ihm gehorchen , dem Neffen Theoderichs , wenn du ihn einsetzest . Und bedenke noch eins : seine römische Bildung hat ihm die Römer gewonnen : ihm werden sie beistehen : einen König nach des alten Hildebrand , nach Tejas Herzen würden sie hassen und fürchten . « » Und mit Recht , « sagte die Regentin sinnend : » aber Gothelindis Königin ! « Da trat Cethegus ihr näher und sah ihr scharf ins Auge : » So klein ist Amalaswintha nicht , daß sie kläglicher Weiberfeindlichkeit gedenkt , wo es edler Entschlüsse bedarf . Du erschienst mir von jeher größer als dein Geschlecht . Beweis ' es jetzt . Entscheide dich ! « » Nicht jetzt , « sprach Amalaswintha , » meine Stirne glüht , und verwirrend pocht mein Herz . Laß mir diese Nacht , mich zu fassen . Du hast mir Entsagung zugetraut : ich danke dir . Morgen die Entscheidung . « Viertes Buch . Theodahad . » Nachbarn zu haben schien Theodahad eine Art von Unglück . « Prokop , Gotenkrieg I. 3. Erstes Kapitel . Am andern Morgen verkündete ein Manifest dem staunenden Ravenna , daß die Tochter Theoderichs zugunsten ihres Vetters Theodahad auf die Krone verzichtet und daß dieser , der letzte Mannessproß der Amelungen , den Thron bestiegen habe . Italier und Goten wurden aufgefordert , dem neuen Herrscher den Eid der Treue zu schwören . So hatte Cethegus richtig gerechnet . Das Gewissen der unseligen Frau fühlte sich durch manche Torheit , ja durch blut ' ge Schuld schwer belastet . edle Naturen suchen Erleichterung und Buße in Opfer und Entsagung : durch ihrer Tochter und Cassiodors Anklagen war ihr Herz mächtig bewegt worden und der Präfekt hatte sie in günstiger Stimmung für seinen Rat gefunden . Weil er so bitter war , befolgte sie ihn : ja sie hatte , um ihr Volk zu retten und ihre Schuld zu sühnen , sich noch weitere Demütigungen vorgesteckt . Ohne Schwierigkeit vollzog sich der Thronwechsel . Die Italier zu Ravenna waren zu einer Erhebung keineswegs vorbereitet und wurden von Cethegus auf gelegenere Zeit vertröstet . Auch war der neue König als Freund römischer Bildung bei ihnen bekannt und beliebt . Die Goten freilich schienen sich nicht ohne weiteres den Tausch gefallen lassen zu wollen . Fürst Theodahad war allerdings ein Mann - das empfahl ihn gegenüber Amalaswinthen - und ein Amaler : das wog schwer zu seinen Gunsten gegenüber jedem andern Bewerber um die Krone . Aber im übrigen war er im Volke der Goten keineswegs hoch angesehen . Unkriegerisch und feige , verweichlicht an Leib und Seele hatte er keine der Eigenschaften , welche die Germanen von ihren Königen forderten . Nur Eine Leidenschaft erfüllte seine Seele : Habsucht , unersättliche Goldgier . Reich begütert in Tuscien lebte er mit allen seinen Nachbarn in ewigen Prozessen : mit List und Gewalt und dem Schwergewicht seiner königlichen Geburt wußte er seinen Grundbesitz nach allen Seiten auszudehnen und die Ländereien weit in der Runde an sich zu reißen : » denn « - sagt ein Zeitgenosse - » Nachbarn zu haben schien dem Theodahad eine Art von Unglück . « Dabei war seine schwache Seele vollständig abhängig von der bösartigen , aber kräftigen Natur seines Weibes . Einen solchen König sahen denn die Tüchtigsten unter den Goten nicht gern auf dem Throne Theoderichs . Und kaum war das Manifest Amalaswinthens bekannt geworden , als Graf Teja , der kurz zuvor mit Hildebad in Ravenna angekommen war , diesen sowie den alten Waffenmeister und den Grafen Witichis zu sich beschied und sie aufforderte , die Unzufriedenheit des Volkes zu steigern , zu leiten und einen Würdigern an Theodahads Stelle zu setzen . » Ihr wißt , « schloß er seine Worte , » wie günstig die Stimmung im Volke . Seit jener Bundesnacht im Merkuriustempel haben wir unablässig geschürt unter den Goten , und Großes ist schon gelungen : des edeln Athalarich Aufschwung , der Sieg am Epiphaniasfeste , das Zurückholen Amalaswinthens , wir haben es bewirkt . Jetzt winkt die günstige Gelegenheit . Soll an des Weibes Stelle treten ein Mann , der schwächer als ein Weib ? Haben wir keinen Würdigern mehr als Theodahad im Volk der Goten ? « » Recht hat er , beim Donner und Strahl , « rief Hildebad . » Fort mit diesen verwelkten Amalern ! Einen Heldenkönig hebt auf den Schild und schlagt los nach allen Seiten . Fort mit dem Amaler ! « » Nein , « sagte Witichis , ruhig vor sich hinblickend , » noch nicht ! Vielleicht , daß es noch einmal so kommen muß : aber nicht früher darf es geschehen als es muß . Der Anhang der Amaler ist groß im Volk : nur mit Gewalt würde Theodahad den Reichtum , Gothelindis die Macht der Krone sich entwinden lassen sie würden stark genug sein , wenn nicht zum Siege , doch zum Kampf . Kampf aber unter den Söhnen eines Volks ist schrecklich , nur die Notwendigkeit kann ihn rechtfertigen . Die ist noch nicht da . Theodahad mag sich bewähren : er ist schwach , so wird er sich leiten lassen . Hat er sich unfähig erwiesen , so ist ' s noch immer Zeit . « » Wer weiß , ob dann noch Zeit ist , « warnte Teja . » Was rätst du , Alter ? « fragte Hildebad , auf welchen die Gründe des Grafen Witichis nicht ohne Wirkung blieben . » Brüder , « sagte der Waffenmeister , seinen langen Bart streichend , » ihr habt die Wahl , darum die Qual . Mir sind beide erspart : ich bin gebunden . Die alten Gefolgen des großen Königs haben einen Eid getan , solang sein Haus lebt , keinem Fremden die Gotenkrone zuzuwenden . « » Welch törichter Eid ! « rief Hildebad . » Ich bin alt und nenn ' ihn nicht töricht . Ich weiß , welcher Segen auf der festen , heiligen Ordnung des Erbgangs ruht . Und die Amaler sind Söhne der Götter , « schloß er geheimnisvoll . » Ein schöner Göttersohn , Theodahad ! « lachte Hildebad . » Schweig , « rief zornig der Alte , » das begreift ihr nicht mehr , ihr neuen Menschen . Ihr wollt alles fassen und verstehen mit eurem kläglichen Verstand . Das Rätsel , das Geheimnis , das Wunder , der Zauber , der im Blute liegt - dafür habt ihr den Sinn verloren . Darum schweig ' ich von solchen Dingen zu euch . Aber ihr macht mich nicht mehr anders mit meinen bald hundert Jahren . Tut ihr , was ihr wollt , ich tue , was ich muß . « » Nun , « sprach Graf Teja nachgebend , » auf euer Haupt die Schuld . Aber wenn dieser letzte Amaler dahin ... « - » Dann ist das Gefolge seines Schwures frei . « » Vielleicht , « schloß Witichis , » ist es ein Glück , daß auch uns dein Eid die Wahl erspart : denn gewiß wollen wir keinen Herrscher , den du nicht anerkennen könntest . Gehen wir denn , das Volk zu beschwichtigen und tragen wir diesen König solang er zu tragen ist . « » Aber keine Stunde länger , « sagte Teja und ging zürnend hinaus . Zweites Kapitel . Am nämlichen Tage noch wurden Theodahad und Gothelindis mit der alten Krone der Gotenkönige gekrönt . Ein reiches Festmahl , besucht von allen römischen und gotischen Großen des Hofes und der Stadt , belebte den weiten Palast Theoderichs und den sonst so stillen Garten , den wir als den Schauplatz von Athalarichs und Kamillas Liebe kennengelernt . Bis tief in die Nacht währte das lärmende Gelage . Der neue König , kein Freund der Becher und barbarischer Festfreuden , hatte sich frühe zurückgezogen . Gothelindis dagegen sonnte sich gern in dem Glanz ihrer jungen Herrlichkeit : stolz prangte sie auf ihrem Purpursitz , die goldne Zackenkrone im dunkeln Haar . Sie schien ganz Ohr für die lauten Jubelrufe , die ihren und ihres Gatten Namen feierten . Und doch hatte ihr Herz dabei nur Eine Freude : den Gedanken , daß dieser Jubel hinunterdringen müsse bis in die Königsgruft , wo Amalaswintha , die verhaßte , besiegte Feindin , am Sarkophage ihres Sohnes trauerte . Unter der Menge von jenen Gästen , die immer fröhlich sind , wenn sie bei vollen Bechern sitzen , war doch auch so manches ernstere Gesicht zu bemerken : mancher Römer , der auf dem leeren Thron da oben lieber den Kaiser gesehen hätte : so mancher Gote , der in der gefährlichen Lage des Reiches einem König wie Theodahad nicht ohne Sorge huldigen konnte . Zu letzteren zählte Witichis , dessen Gedanken nicht unter dem kranzgeschmückten Säulendach der Trinkhalle zu weilen schienen . Unberührt stand die goldne Schale vor ihm und auf den lauten Zuruf Hildebads , der ihm gegenüber saß , achtete er kaum . Endlich - schon leuchteten längst im Saale die Lampen und am Himmel die Sterne - stand er auf und ging hinaus in das grüne Dunkel des Gartens . Langsam wandelte er durch die Taxusgänge dahin : sein Auge hing an den funkelnden Sternen . Sein Herz war daheim bei seinem Weibe , bei seinem Knaben , die er monatelang nicht mehr gesehen . So führte ihn sein sinnendes Wandeln an den Venustempel bei der Meeresbucht , die wir kennen . Er sah hinaus nach der flimmernden See - da blitzte etwas dicht vor seinen Füßen im schwachen Mondlicht : es war eine Rüstung , daneben die kleine , gotische Harfe : ein Mann lag vor ihm im weichen Grase , und ein bleiches Antlitz hob sich ihm entgegen . » Du hier , Teja ? Du warst nicht beim Fest . « » Nein , ich war bei den Toten . « » Auch mein Herz weiß nichts von diesen Festen : es war daheim bei Weib und Kind , « sagte Witichis , sich zu ihm niedersetzend . » Bei Weib und Kind , « wiederholte Teja seufzend . » Viele fragten nach dir , Teja . « » Nach mir ! Soll ich sitzen neben Cethegus , der mir die Ehre nahm , und neben Theodahad , der mir mein Erbe nahm ? « » Dein Erbe nahm ? « » Wenigstens besitzt er ' s. Und über den Ort , wo meine Wiege stand , ging seine Pflugschar . « Und schweigend sah er lange vor sich hin . » Dein Harfenspiel - es schweigt ? Man rühmt dich unsres Volkes besten Harfenschläger und Sänger ! « » Wie Gelimer , der letzte König der Vandalen , seines Volkes bester Harfenschläger war . - - Aber mich würden sie nicht im Triumph einführen nach Byzanz ! « » Du singst nicht oft mehr ? « » Fast niemals mehr . Aber mir ist , die Tage kommen , da ich wieder singen werde . « » Tage der Freude ? « » Tage der höchsten , der letzten Trauer . « Lange schwiegen beide . » Mein Teja , « hob endlich Witichis an , » in allen Nöten von Krieg und Frieden hab ' ich dich erfunden treu , wie mein Schwert . Und obwohl du soviel jünger als ich und nicht leicht der Ältere sich dem Jüngling verbindet , kann ich dich meinen besten Herzensfreund nennen . Und ich weiß , daß auch dein Herz mehr an mir hängt als an deinen Jugendgenossen . « Teja drückte ihm die Hand : » Du verstehst mich und ehrest meine Art , auch wo du sie nicht verstehst . Die andern - ! und doch : den einen hab ' ich sehr lieb . « » Wen ? « » Den alle lieb haben . « » Totila ! « » Ich hab ' ihn lieb wie die Nacht den Morgenstern . Aber er ist so hell : er kann ' s nicht fassen , daß andre dunkel sind und bleiben müssen . « » Bleiben müssen ! Warum ? Du weißt , Neugier ist meine Sache nicht . Und wenn ich dich in dieser ernsten Stunde bitte : lüfte den Schleier , der über dir und deiner finstern Trauer liegt , so bitt ' ich ' s nur , weil ich dir helfen möchte . Und weil des Freundes Auge oft besser sieht als das eigene . « » Helfen ? Mir helfen ? Kannst du die Toten wieder auferwecken ? Mein Schmerz ist unwiderruflich wie die Vergangenheit . Und wer einmal gleich mir den unbarmherzigen Rädergang des Schicksals verspürt hat , wie es , blind und taub für das Zarte und Hohe , mit eherner grundloser Gewalt alles vor sich niedertritt , ja , wie es das Edle , weil es zart ist , leichter und lieber zermalmt , als das Gemeine , wer erkannt hat , daß eine dumpfe Notwendigkeit , welche Toren die weise Vorsehung Gottes nennen , die Welt und das Leben der Menschen beherrscht , der ist hinaus über Hilfe und Trost : er hört ewig , wenn er es einmal erlauscht , mit dem leisen Gehör der Verzweiflung den immer gleichen Taktschlag des fühllosen Rades im Mittelpunkt der Welt , das gleichgültig mit jeder Bewegung Leben zeugt und Leben tötet . Wer das einmal empfunden und erlebt , der entsagt einmal und für immer und allem : nichts wird ihn mehr erschrecken . Aber freilich - die Kunst des Lächelns hat er auch vergessen auf immerdar . « » Mir schaudert . Gott bewahre mich vor solchem Wahn ! Wie kamst du so jung zu so fürchterlicher Weisheit ? « » Freund , mit deinen Gedanken allein ergrübelst du die Wahrheit nicht , erleben mußt du sie . Und nur , wenn du des Mannes Leben kennst , begreifst du , was er denkt und wie er denkt . Und auf daß ich dir nicht länger erscheine wie ein irrer Träumer , wie ein Weichling , der sich gern in seinen Schmerzen wiegt - und damit ich dein Vertrauen und deine schöne Freundschaft ehre , vernimm - , höre ein kleines Stück meines Grams . Das größere , das unendlich größere behalt ' ich noch für mich , « sagte er schmerzlich , die Hand auf die Brust drückend - » es kömmt wohl noch die Stunde auch für dies . Vernimm heute nur , wie über meinem Haupte der Stern des Unheils schon leuchtete , da ich gezeugt ward . - Und von all den tausend Sternen da oben bleibt nur dieser Stern getreu . Du warst dabei - du erinnerst dich - wie der falsche Präfekt mich laut vor allen einen Bastard schalt und mir den Zweikampf weigerte : - ich mußte es dulden : ich bin noch Schlimmeres als ein Bastard . - - Mein Vater , Tagila , war ein tüchtiger Kriegsheld , aber kein Adaling , gemeinfrei und arm . Er liebte , schon seit der Bart ihm sproßte , Gisa seines Vaterbruders Tochter . Sie lebten draußen , weit an der äußersten Ostgrenze des Reichs , an dem kalten Ister , wo man stets im Kampfe liegt mit den Gepiden und den wilden räuberischen Sarmaten und wenig Zeit hat , an die Kirche zu denken und die wechselnden Gebote , die ihre Konzilien erlassen . Lange konnte mein Vater seine Gisa nicht heimführen : er hatte nichts als Helm und Speer und konnte ihrem Mundwalt den Malschatz nicht zahlen und einem Weibe keinen Herd bereiten . Endlich lachte ihm das Glück . Im Krieg gegen einen Sarmatenkönig eroberte er dessen festen Schatzturm an der Alutha : und die reichen Schätze , welche die Sarmaten seit Jahrhunderten zusammengeplündert und hier aufgehäuft , wurden seine Beute . Zum Lohn seiner Tat ernannte ihn Theoderich zum Grafen und rief ihn nach Italien . Mein Vater nahm seine Schätze und Gisa , jetzt sein Weib , mit sich über die Alpen und kaufte sich weite schöne Güter in Tuscien zwischen Florentia und Luca . Aber nicht lange währte sein Glück . Kaum war ich geboren , da verklagte ein Elender , ein feiger Schurke , meine Eltern wegen Blutschande beim Bischof von Florentia . Sie waren katholisch - nicht Arianer - und Geschwisterkinder : ihre Ehe war nichtig nach dem Recht der Kirche und die Kirche gebot ihnen , sich zu trennen . Mein Vater drückte sein Weib an die Brust und lachte des Gebots . Aber der geheime Ankläger ruhte nicht - « - » Wer war der Neiding ? « » O wenn ich es wüßte , ich wollte ihn erreichen und thronte er in allen Schrecken des Vesuvius ! Er ruhte nicht . Unablässig bedrängten die Priester meine arme Mutter und wollten ihre Seele mit Gewissensbissen schrecken . Umsonst : sie hielt sich an ihren Gott und ihren Gatten und trotzte dem Bischof und seinen Sendboten . Und mein Vater , wenn er einen der Pfaffen in seinem Gehöfte traf , begrüßte ihn , daß er nicht wiederkam . Aber wer kann mit denen kämpfen , die im Namen Gottes sprechen ! Eine letzte Frist ward den Ungehorsamen gesteckt : hätten sie sich bis dahin nicht getrennt , so sollten sie dem Bann verfallen und ihr Hab und Gut der Kirche . Entsetzt eilte jetzt mein Vater an den Hof des Königs , Aufhebung des grausamen Spruches zu erflehen . Aber die Satzung des Konzils sprach zu klar und Theoderich konnte es nicht wagen , das Recht der katholischen Kirche zu kränken . Als mein Vater zurückkehrte von Ravenna ,