des nächsten Tages wieder die staffelartigen Erhebungen hinab , und gelangten in später Nacht in das Rosenhaus . Ich mahnte in ein paar Tagen darauf den Gärtner an unsern verabredeten Gang nach Ingheim . Er freute sich über meine Achtsamkeit , wie er es nannte , und an einem freundlichen Nachmittage gingen wir in das Schloß hinüber . Wir sagten die Ursache unseres Besuches und wurden mit Zuvorkommenheit aufgenommen . Wir gingen sogleich in das Gewächshaus , und es war in Wirklichkeit eine sehr schöne und zu ansehnlicher Größe ausgebildete Pflanze , zu der mich der Gärtner Simon geführt hatte . Ich kannte nicht genau , wie weit sich diese Pflanzen überhaupt entwickeln , und welche Größe sie zu erreichen vermögen ; aber eine größere habe ich nirgends gesehen . Daß man sie in Ingheim nicht viel achte , erkannte ich ebenfalls ; denn der Winkel des Gewächshauses , in welchem sie in freiem Boden stand , war der vernachlässigteste , es lagen Blumenstäbe , Bastbänder , welke Blätter und dergleichen dort , und man hatte ihn mit Gestellen , auf welchen andere Pflanzen standen , verstellt , daß sein Anblick den Augen entzogen werde . Man konnte den grünen Arm dieser Pflanze wohl an der Decke des Hauses hingehen sehen , ich hatte aber dort hinauf bei meiner ersten Anwesenheit nicht geschaut . Mein Begleiter erkannte jetzt , daß es ein Cereus peruvianus sei , und erklärte mir seine Merkmale . Sonst aber konnten wir keine Kaktus in Ingheim entdecken . Nach mancher Aufmerksamkeit , die uns in dem Schlosse noch zu Teil wurde , begaben wir uns gegen Abend wieder auf den Rückweg , und ich tröstete meinen alten Begleiter mit den Worten , daß ich glaube , daß es nicht schwer sein werde , diese Pflanze in das Rosenhaus zu bringen . Dort würde sie die Sammlung ergänzen und zieren , während sie in Ingheim allein ist . Auch wird man wohl einem Wunsche meines Gastfreundes willfährig sein , und ich werde die Sache schon zu fördern trachten . Nach kurzer Zeit traten wir unsern Weg zum Besuche in dem Sternenhofe an . Dieses Mal fuhr außer Eustach auch Gustav mit . Die Grauschimmel wurden vor einen größeren Wagen gespannt , als wir in den Hochlanden gehabt hatten , und wir fuhren mit ihnen über den Hügel hinab . Es war sehr früh am Morgen , noch lange vor Sonnenaufgang . Wir fuhren auf der Hauptstraße gegen Rohrberg zu , und fuhren endlich auf der Anhöhe an dem Alizwalde empor . Da die Pferde langsam den Weg hinan gingen , sagte mein Gastfreund : » Es ist möglich , daß Ihr im vorigen Jahre an dieser Stelle Mathilden und Natalien gesehen habt . Sie erzählten mir , als sie zum Besuche der Rosenblüte zu mir kamen , und ich ihnen von Euch , von Eurer Anwesenheit bei mir und von Eurer an dem Morgen ihrer Ankunft erfolgten Abreise sagte , daß sie einem Fußreisenden auf der Alizhöhe begegnet seien , der dem ungefähr gleich gesehen habe , den ich ihnen beschrieben . « Plötzlich war es mir ganz klar , daß wirklich Mathilde und Natalie die zwei Frauen gewesen waren , welchen ich an jenem Morgen an dieser Stelle begegnet bin . Mir waren jetzt deutlich dieselben Reisehüte vor Augen , die sie auch dieses Mal aufgehabt hatten , ich sah die Züge Nataliens wieder , und auch der Wagen und die braunen Pferde kamen mir in die Erinnerung . Darum also war mir Natalie immer als schon einmal gesehen vorgeschwebt . Ich hatte ja sogar damals gedacht , daß das menschliche Angesicht etwa der edelste Gegenstand für die Zeichnungskunst sein dürfte , und hatte sie als unbeholfner Mensch , der im Zurechtlegen aller Eindrücke geschickter ist als in dem der menschlichen , doch wieder aus meiner Vorstellungskraft verloren . Ich sagte zu meinem Gastfreunde , daß er durch seine Bemerkung meinem Gedächtnisse zu Hilfe gekommen sei , daß ich jetzt alles klar wisse , und daß mir auf dieser Anhöhe Mathilde und Natalie begegnet seien , und daß ich ihnen , da der Wagen langsam den Berg hinab fuhr , nachgesehen habe . » Ich habe es mir gleich so gedacht « , erwiderte er . Aber auch etwas anderes fiel mir ein , und machte , daß mein Angesicht errötete . Also hatte mein Gastfreund von mir mit den Frauen gesprochen und mich sogar beschrieben . Er hatte also einen Anteil an mir genommen . Das freute mich von diesem Manne sehr . Als wir auf der Höhe des Berges angekommen waren , ließ mein Gastfreund an einer Stelle , wo das Seitengebüsch des Weges eine Durchsicht erlaubte , halten , stand im Wagen auf und bat mich , das gleiche zu tun . Er sagte , daß man an dieser Stelle das Stück des Alizwaldes , das zu dem Asperhofe gehöre , übersehen könne . Er wies mir mit dem Zeigefinger an den Farbunterschieden des Waldes , die durch die Mischung der Buchen und Tannen , durch Licht und Schatten und durch andere Merkmale hervorgebracht wurden , die Grenzen dieses Besitztumes nach . Als ich dies genugsam verstanden und ihm auch mit dem Finger ungefähr die Stellen des Waldes gezeigt hatte , an denen ich schon gewesen war , setzten wir uns wieder nieder und fuhren weiter . Es war bei dieser Gelegenheit das erste Mal gewesen , daß ich aus seinem Munde den Namen Asperhof gehört habe , mit dem er sein Besitztum bezeichnete . Nach kurzer Fahrt trennten wir uns von der nach Osten gehenden Hauptstraße und schlugen einen gewöhnlichen Verbindungsweg nach Süden ein . Wir fuhren also dem Hochgebirge näher . Am Mittage blieben wir eine ziemlich lange Zeit zur Erquickung und zum Ausruhen der Pferde , auf deren Pflege mein Gastfreund sehr sah , in einem einzeln stehenden Gasthofe , und es war schon am Abende in tiefer Dämmerung , als mir mein Gastfreund die Umrisse des Sternenhofes zeigte . Ich war schon zweimal in der Gegend gewesen , erinnerte mich sogar im allgemeinen auf das Gebäude , und wußte genau , daß am Fuße des Hügels , auf welchem es stand , sehr schöne Ahorne wuchsen . Ich hatte aber nie Ursache gehabt , mich weiter um diese Gegenstände zu kümmern . Wir kamen bei Sternenscheine zu den mir bekannten Ahornen , fuhren einen Hügel empor , legten einen Torweg zurück , und hielten in einem Hofe . In demselben standen vier große Bäume , an deren eigentümlichen gegen den dunkeln Nachthimmel gehaltenen Bildungen ich erkannte , daß es Ahorne seien . In ihrer Mitte plätscherte ein Brunnen . Auf das Rollen des Wagens unter dem hallenden Torwege kamen Diener mit Lichtern herbei , uns aus dem Wagen zu helfen . Gleich darauf erschien auch Mathilde und Natalie in dem Hofe , um uns zu begrüßen . Sie geleiteten uns die Treppe hinan in einen Vorsaal , in welchem die Begrüßungen im allgemeinen wiederholt wurden , und von wo aus man uns unsere Zimmer anwies . Das meinige war ein großes , freundliches Gemach , in welchem bereits auf dem Tische zwei Kerzen brannten . Ich legte , da der Diener die Tür hinter sich geschlossen hatte , meinen Hut auf den Tisch , und das nächste , was ich tat , war , daß ich mehrere Male schnell in dem Zimmer auf und nieder ging , um die durch das Fahren ersteiften Glieder wieder ein wenig einzurichten . Als dieses ziemlich gelungen war , trat ich an eines der offenen Fenster , um herum zu schauen . Es war aber nicht viel zu sehen . Die Nacht war schon zu weit vorgerückt , und die Lichter im Zimmer machten die Luft draußen noch finsterer . Ich sah nur so viel , daß meine Fenster ins Freie gingen . Nach und nach begränzten sich vor meinen Augen die dunkeln Gestalten der am Fuße des Hügels stehenden Ahorne , dann kamen Flecken von dunkler und fahler Farbe , wahrscheinlich Abwechslung von Feld und Wald , weiter war nichts zu unterscheiden als der glänzende Himmel darüber , der von unzähligen Sternen , aber nicht von dem geringsten Stückchen Mond beleuchtet war . Nach einer Zeit kam Gustav und holte mich zu dem Abendessen ab . Er hatte eine große Freude , daß ich in dem Sternenhofe sei . Ich ordnete aus meinem Reisesacke , der heraufgeschafft worden war , ein wenig meine Kleider , und folgte dann Gustav in das Speisezimmer . Dasselbe war fast wie das in dem Rosenhause . Mathilde saß wie dort in einem Ehrenstuhle oben an , ihr zur Rechten mein Gastfreund und Natalie , ihr zur Linken ich , Eustach und Gustav . Auch hier besorgte eine Haushälterin und eine Magd den Tisch . Der Hergang bei dem Speisen war der nämliche wie an jenen Abenden bei meinem Gastfreunde , an denen wir alle beisammen gewesen waren . Um von der Reise ausruhen zu können , trennte man sich bald und suchte seine Zimmer . Ich entschlief unter Unruhe , sank aber nach und nach in festeren Schlummer , und erwachte , da die Sonne schon aufgegangen war . Jetzt war es Zeit , herum zu schauen . Ich kleidete mich so schnell und so sorgfältig an , als ich konnte , ging an ein Fenster , öffnete es und sah hinaus . Ein ganz gleicher , sehr schön grüner Rasen , der durch keine Blumengebüsche oder dergleichen unterbrochen war , sondern nur den weißen Sandweg enthielt , breitete sich über die gedehnte Dachung des Hügels , auf der das Gebäude stand , hinab . Auf dem Sandwege aber gingen Natalie und Gustav herauf . Ich sah in die schönen , jugendlichen Angesichter , sie aber konnten mich nicht sehen , weil sie ihre Augen nicht erhaben . Sie schienen in traulichem Gespräche begriffen zu sein , und bei ihrer Annäherung - an dem Gange , an der Haltung , an den großen dunklen Augen , an den Zügen der Angesichter sah ich wieder recht deutlich , daß sie Geschwister seien . Ich sah auf sie , so lange ich sie erblicken konnte , bis sie endlich der dunkle Torweg aufgenommen hatte . Jetzt war die Gegend sehr leer . Ich blickte kaum auf sie . Allgemach entwickelten sich aber wieder freundlich Felder , Wäldchen und Wiesen im Gemisch , ich erblickte Meierhofe rings herumgestreut , hie und da erglänzte ein weißer Kirchturm in der Ferne , und die Straße zog einen lichten Streifen durch das Grün . Den Schluß machte das Hochgebirge , so klar , daß man an dem untern Teile seiner Wand die Talwindungen , an dem obern die Gestaltung der Kanten und Flächen und die Schneetafeln wahrnehmen konnte . Sehr groß und schön waren die Ahorne , die unten am Hügel standen , deshalb mochten sie schon früher bei meinen Reisen durch diese Gegend meine Aufmerksamkeit erregt haben . Von ihnen zogen sich Erlenreihen fort , die den Lauf der Bäche anzeigten . Das Haus mußte weitläufig sein ; denn die Wand , in der sich meine Fenster befanden , und die ich hinausgebeugt übersehen konnte , war sehr groß . Sie war glatt mit vorspringenden steinernen Fenstersimsen , und hatte eine grauweißliche Farbe , mit der sie offenbar erst in neuerer Zeit übertüncht worden war . Hinter dem Hause mußte vielleicht ein Garten oder ein Wäldchen sein , weil ich Vogelgesang herüber hörte . Auch war es mir zuweilen , als vernähme ich das Rauschen des Hofbrunnens . Der Tag war heiter . Ich harrte nun der Dinge , die kommen sollten . Ein Diener rief mich zu dem Frühmahle . Es war zu derselben Zeit wie im Rosenhause . Als ich in das Speisezimmer getreten war , sagte mir Mathilde , daß es sehr lieb von mir sei , daß ich ihre Freunde und ihren Sohn in den Sternenhof begleitet habe , sie werde sich bemühen , daß es mir in demselben gefalle , wozu ihr ihr Freund , der mir den Asperhof anziehend mache , beistehen müsse . Ich antwortete , daß ich mich auf die Reise in den Sternenhof sehr gefreut habe , und daß ich mich freue , in demselben zu sein . Von einer Bedeutung sei es nicht , daß mir eine Rücksicht zu Teil werde , ich bitte nur , daß man , wenn ich etwas fehle , es nachsehe . Nach mir trat Eustach ein . Mathilde begrüßte auch ihn noch einmal . Gustav , der schon zugegen wer , gesellte sich zu mir . Die Frauen waren häuslich und schön , aber minder einfach als in dem Rosenhause gekleidet . Meinen Gastfreund sah ich zum ersten Male in ganz anderen Kleidern als auf seiner Besitzung und auf dem Besuche zu Ingheim . Er war schwarz mit einem Fracke , der einen etwas weiteren und bequemeren Schnitt hatte als gewöhnlich , und sogar einen leichten Biberhut trug er in der Hand . Nach dem Frühmahle sagte Mathilde , sie wolle mir ihre Wohnung zeigen . Die andern gingen mit . Wir traten aus dem Speisezimmer in einen Vorsaal . Am Ende desselben wurden zwei Flügeltüren aufgetan , und ich sah in eine Reihe von Zimmern , welche nach der ganzen Länge des Hauses hinlaufen mußte . Als wir eingetreten waren , sah ich , daß in den Zimmern alles mit der größten Reinheit , Schönheit und Zusammenstimmung geordnet war . Die Türen standen offen , so daß man durch alle Zimmer sehen konnte . Die Geräte waren passend , die Wände waren mit zahlreichen Gemälden geziert , es standen Glaskästen mit Büchern , es waren musikalische Geräte da , und auf Gestellen , die an den rechten Orten angebracht waren , befanden sich Blumen . Durch die Fenster sah die nähere Landschaft und die ferneren Gebirge herein . Es zeigte sich , daß diese Zimmer ein schöner Spaziergang seien , der unter dem Dache und zwischen den Wänden hinführte . Man konnte sie entlang schreiten , von angenehmen Gegenständen umgeben sein , und die Kälte oder das Ungestüm des Wetters oder Winters nicht empfinden , während man doch Feld und Wald und Berg erblickte . Selbst im Sommer konnte es Vergnügen gewähren , hier bei offenen Fenstern gleichsam halb im Freien und halb in der Kunst zu wandeln . Da ich meinen Blick mehr auf das einzelne richtete , fielen mir die Geräte besonders auf . Sie waren neu und nach sehr schönen Gedanken gebildet . Sie schickten sich so in ihre Plätze , daß sie gewissermaßen nicht von außen gekommen , sondern zugleich mit diesen Räumen entstanden zu sein schienen . Es waren an ihnen sehr viele Holzarten vermischt , das erkannte ich sehr bald , es waren Holzarten , die man sonst nicht gerne zu Geräten nimmt , aber sie schienen mir so zu stimmen , wie in der Natur die sehr verschiedenen Geschöpfe stimmen . Ich machte in dieser Hinsicht eine Bemerkung gegen meinen Gastfreund , und er antwortete : » Ihr habt einmal gefragt , ob Gegenstände , die wir in unserem Schreinerhause neu gemacht haben , in meinem Hause vorhanden seien , worauf ich geantwortet habe , daß nichts von Bedeutung in demselben sei , daß sich aber einige gesammelt in einem anderen Orte befinden , in den ich Euch , wenn Ihr Lust zu solchen Dingen hättet , geleiten würde . Diese Zimmer hier sind der andere Ort , und Ihr seht die neuen Geräte , die in unserem Schreinerhause verfertigt worden sind . « » Es ist aber zu bewundern , wie sehr sie in ihren Abwechslungen und Gestalten hieher passen « , sagte ich . » Als wir einmal den Plan gefaßt hatten , die Zimmer Mathildens nach und nach mit neuen Geräten zu bestellen , « erwiderte er , » so wurde die ganze Reihe dieser Zimmer im Grund- und Aufrisse aufgenommen , die Farben bestimmt , welche die Wände der einzelnen Zimmer haben sollten , und diese Farben gleich in die Zeichnungen getragen . Hierauf wurde zur Bestimmung der Größe , der Gestalt und der Farbe , mithin der Hölzer der einzelnen Geräte geschritten . Die Farbezeichnungen derselben wurden verfertigt und mit den Zeichnungen der Zimmer verglichen . Die Gestalten der Geräte sind nach der Art entworfen worden , die wir vom Altertume lernten , wie ich Euch einmal sagte , aber so , daß wir nicht das Altertum geradezu nachahmten , sondern selbstständige Gegenstände für die jetzige Zeit verfertigten mit Spuren des Lernens an vergangenen Zeiten . Wir sind nach und nach zu dieser Ansicht gekommen , da wir sahen , daß die neuen Geräte nicht schön sind , und daß die alten in neue Räume zu wohnlicher Zusammenstimmung nicht paßten . Wir haben uns selber gewundert , als die Sachen nach vielerlei Versuchen , Zeichnungen und Entwürfen fertig waren , wie schön sie seien . In der Kunst , wenn man bei so kleinen Dingen von Kunst reden kann , ist eben so wenig ein Sprung möglich als in der Natur . Wer plötzlich etwas so Neues erfinden wollte , daß weder den Teilen noch der Gestaltung nach ein Ähnliches da gewesen ist , der würde so töricht sein wie der , der fordern würde , daß aus den vorhandenen Tieren und Pflanzen sich plötzlich neue , nicht dagewesene entwickeln . Nur daß in der Schöpfung die Allmählichkeit immer rein und weise ist ; in der Kunst aber , die der Freiheit des Menschen anheim gegeben ist , oft Zerrissenheit , oft Stillstand , oft Rückschritt erscheint . Was die Hölzer anbelangt , so sind da fast alle und die schönsten Blätter verwendet worden , die wir aus den Knollen der Erlen geschnitten haben , die in unserer Sumpfwiese gewachsen sind . Ihr könnt sie dann betrachten . Wir haben uns aber auch bemüht , Hölzer aus unserer ganzen Gegend zu sammeln , die uns schön schienen , und haben nach und nach mehr zusammengebracht , als wir anfänglich glaubten . Da ist der schneeige glatte Bergahorn , der Ringelahorn , die Blätter der Knollen von dunkeln Ahorn - alles aus den Alizgründen - , dann die Birke von den Wänden und Klippen der Aliz , der Wachholder von der dürren , schiefen Haidefiäche , die Esche , die Eberesche , die Eibe , die Ulme , selbst Knorren von der Tanne , der Haselstrauch , der Kreuzdorn , die Schlehe und viele andere Gesträuche , die an Festigkeit und Zartheit wetteifern , dann aus unseren Gärten der Wallnußbaum , die Pflaume , der Pfirsich , der Birnbaum , die Rose . Eustach hat die Blätter der Hölzer alle gemalt und zur Vergleichung zusammengestellt , er kann Euch die Zeichnung einmal im Asperhofe zeigen und die vielen Arten noch angeben , die ich hier nicht genannt habe . In der Holzsammlung müssen sie ja auch vorhanden sein . « Ich betrachtete die Sachen genauer . Die Erlenblätter , von denen mir mein Gastfreund im vorigen Jahre gesagt hatte , daß sie an einem anderen Orte verwendet worden seien , waren in der Tat außerordentlich , so feurig und fast erhaben , auch ungemein groß , alles andere Holz , wie zart , wie schön in der Zusammenstellung , daß man gar nicht ahnen sollte , daß dies in unseren Wäldern ist . Und die Gestalten der Geräte , wie leicht , wie fein , wie anschmiegend , sie waren ganz anders , als die jetzt verfertigt werden , und waren doch neu und für unsere Zeit passend . Ich erkannte , welch ein Wert in den Zeichnungen liege , die Eustach habe . Ich dachte an meinen Vater , der solche Dinge so liebt . Ach wenn er nur hier wäre , daß er sie sehen könnte . Mir war , als gingen mir neue Kenntnisse auf . Ich wagte einen Blick auf Natalie , ich wendete ihn aber schnell wieder weg ; sie stand so in Gedanken , daß ich glaube , daß sie errötete , als ich sie anblickte . Mathilde sagte zu Eustach : » Es ist im Verlaufe der Zeit , ohne daß eine absichtliche Störung vorgekommen wäre , manches hier anders geworden und nicht mehr so schön als anfangs . Wir werden es einmal , wenn Ihr Zeit habt und herüber kommen wollt , ansehen , Ihr könnt die Fehler erkennen und Mittel zur Abhilfe an die Hand geben . « Wir gingen nun weiter . Durch eine geöffnete Tür gelangten wir in Zimmer , welche in einer anderen Richtung des Hauses lagen . Die durchwanderten hatten nach Süd gesehen , diese sahen nach West . Es war ein großer Saal und zwei Seitengemächer . Waren die früheren Zimmer lieb und wohnlich gewesen , so waren diese wahrhaft prachtvoll . Der Saal war mit Marmor gepflastert , die Zimmer hatten altertümliche Wandbekleidung , altertümliche Fenstervorhänge und altertümliche Geräte , der Fußboden des Saales enthielt die schönsten , seltensten und zahlreichsten Gattungen unsers Marmors , nach einer Zeichnung eingelegt , und so geglättet , daß er alle Dinge spiegelte . Es war der ernsteste und feurigste Teppich . Wir mußten hier auch Filzschuhe anlegen . Auf diesem Spiegelboden standen die schönsten und wohlerhaltensten alten Schreine und andere Einrichtungsstücke . Es waren hier die größten versammelt . In den zwei anstoßenden Gemächern standen auf feurig farbigen Holzteppichen die kleineren , zarteren und feineren . Waren gleich die altertümlichen Geräte nicht schöner als die bei meinem Gastfreunde - ich glaube , schönere wird es kaum geben- , so zeigte sich hier eine Zusammenstimmung , als müßten die , welche diese Dinge ursprünglich hatten herrichten lassen , in ihren einstigen Trachten bei den Türen hereingehen . Es ergriff einen ein Gefühl eines Bedeutungsvollen . » Die Marmore « , sagte mein Gastfreund , » sind aller Orten erworben , geschliffen , geglättet und nach einer altertümlichen Zeichnung vieler Kirchenfenster eingesetzt worden . « » Aber daß Ihr die Geräte so zusammen gefunden haßt , daß sie wie ein Einziges stimmen , ist zu verwundern « , sagte ich . » Also empfindet Ihr , daß sie stimmen ? « erwiderte er . » Seht , das ist mir lieb , daß Ihr das sagt . Ihr seid ein Beobachter , der nicht von der Sucht nach Altem befangen ist , wie uns unsere Gegner vorwerfen . Ihr empfangt also das Gefühl von den Gegenständen , und tragt es nicht in dieselben hinein , wie auch unsere Gegner von uns sagen . Die Sache aber ist nur so : als man die Nichtigkeit und Leere der letztvergangenen Zeiten erkannte , und wieder auf das Alte zurück wies , und es nicht mehr als Plunder und Trödel ansah , sondern Schönes darin suchte : da geschahen freilich törichte Dinge . Man sammelte wieder Altes und nur Altes . Statt der neuen Mode mit neuen Gegenständen kam die neueste mit alten Gegenständen . Man raffte Schreine , Betschemel , Tische und dergleichen zusammen , weil sie alt waren , nicht weil sie schön waren , und stellte sie auf . Da standen nun Dinge beisammen , die in ihren Zeiten weit von einander ablagen , es konnte nicht fehlen , daß ein Widerwärtiges herauskam , und daß die Feinde des Alten , wenn sie Gefühl hatten , sich abwenden mußten . Nichts aber kann so wenig passen als alte Dinge von sehr verschiedenen Zeiten . Die Voreltern legten so sehr einen eigentümlichen Geist in ihre Dinge - es war der Geist ihres Gemütes und ihres allgemeinen Gefühlslebens - , daß sie diesem Geiste sogar den Zweck opferten . Man bringt Linnen , Kleider und dergleichen in neue Geräte zweckmäßiger unter als in alte . Man kann daher alte Geräte von ziemlich gleicher Zeit , aber verschiedenem Zwecke ohne große Störung des Geistes der Traulichkeit und Innigkeit , der in ihnen wohnt , zusammenstellen , während von unseren Geräten , die keinen Geist , aber einen Zweck haben , sogleich ein Widersinniges ausgeht , wenn man Dinge verschiedenen Gebrauches in dasselbe Zimmer tut , wie etwa den Schreibtisch , den Waschtisch , den Bücherschrein und das Bett . Die größte Wirkung erzielt man freilich , wenn man alte Geräte aus derselben und guten Zeit , die also denselben Geist haben , und auch Geräte des nämlichen Zweckes in ein Zimmer bringt . Da spricht nun in der Wirklichkeit etwas ganz anderes als bei unseren neuen Dingen . « » Und das scheint mir hier der Fall zu sein « , sagte ich . » Es ist nicht alles alt « , erwiderte er . » Viele Dinge sind so unwiederbringlich verloren gegangen , daß es fast unmöglich ist , eine ganze Wohnung mit Gegenständen aus derselben Zeit einzurichten , daß kein notwendiges Stück fehlt . Wir haben daher lieber solche Stücke im alten Sinne neu gemacht , als alte Stücke von einer ganz anderen Zeit zugemischt . Damit aber niemand irre geführt werde , ist an jedem solchen altneuen Stücke ein Silberplättchen eingefügt , auf welchem die Tatsache in Buchstaben eingegraben ist . « Er zeigte mir nun jene Gegenstände , welche in dem Schreinerhause als Ergänzung hinzugemacht worden sind . Trotzdem war bei mir der Eindruck immer derselbe , und ich hatte beständig und beständig den Gedanken an meinen Vater in dem Haupte . Man führte mich auch zu den alten , schweren , mit Gold und Silber durchwirkten Fenstervorhängen und zeigte mir dieselben als ächt , so auch die ledernen , mit Farben und Metallverzierungen versehenen Belege der Zimmerwände . Nur hat man da in dem Leder nachhelfen und ihm Nahrung geben müssen . Als ich diese ernsten und feierlichen Gemächer genugsam betrachtet hatte , öffnete Mathilde das schwere Schloß der Ausgangstür , und wir kamen in mehrere unbedeutende Räume , die nach Norden sahen , worunter auch der allgemeine Eintrittssaal und das Speisezimmer waren . Von da gelangten wir in den Flügel , dessen Fenster die Morgensonne hatten . Hier waren die Wohnzimmer Mathildens und Nataliens . Jede hatte ein größeres und ein kleineres Gemach . Sie waren einfach mit neuen Geräten eingerichtet und drückten durch Dinge unmittelbaren Gebrauches die Bewohntheit aus , ohne daß ich die vielen Spielereien sah , mit denen gerne , zwar nicht bei meinen Eltern , aber an anderen Orten unserer Stadt die Zimmer der Frauen angefüllt sind . In jeder der zwei Wohnungen sah ich eine der Zithern , die in dem Rosenhause gewesen waren . Bei Natalien herrschten besonders Blumen vor . Es standen Gestelle herum , auf welche sie von dem Garten herauf gebracht worden waren , um hier zu verblühen . Auch standen größere Pflanzen , namentlich solche , welche schöne Blätter oder einen schönen Bau hatten , in einem Halbkreise und in Gruppen auf dem Fußboden . In einem Vorsaale , der den Eintritt zu diesen Wohnungen bildete , befand sich ein Klavier . Die Zimmer im zweiten Stockwerke des Hauses waren geblieben , wie sie früher gewesen waren . Sie sahen so aus , wie sie gerne in weitläufigen alten Schlössern auszusehen pflegen . Sie waren mit Geräten vieler Zeiten , die meistens ohne Geschmack waren , mit Spielereien vergangener Geschlechter , mit einigen Waffen , und mit Bildern , namentlich Bildnissen , die nach der Laune des Tages gemacht waren , angefüllt . Namentlich waren an den Wänden der Gänge Abbildungen aufgehängt von großen Fischen , die man einmal gefangen , nebst beigefügter Beschreibung , von Hirschen , die man geschossen , von Federwild , von Wildschweinen und dergleichen . Auch Lieblingshunde fehlten nicht . In diesem Stockwerke waren nach Süden die Gastzimmer , und der Flügel derselben war geordnet worden . Hier befand sich auch mein Zimmer nebst dem Gustavs . Nach der Besichtigung der Zimmer gingen wir in das Freie . Die breite Haupttreppe aus rotem Marmor führte in den Hof hinab . Derselbe zeigte , wie groß das Gebäude sei . Er war von vier ganz gleichen , langen Flügeln umschlossen . In seiner Mitte war ein Becken von grauem Marmor , in welches sich aus einer Verschlingung von Wassergöttinnen vier Strahlen ergossen . Um das Becken standen vier Ahorne , welche gewiß nicht kleiner waren als die , welche den Schloßhügel säumten . Auf dem Sandplatze unter den Ahornen waren Ruhebänke ebenfalls aus grauem Marmor . Von diesem Sandplatze liefen Sandwege wie Strahlen auseinander . Der übrige Raum war gleichförmiger Rasen , nur daß an den Mauern des Hauses eine Pflasterung von glatten Steinen herum führte . Von dem Hofe gingen wir bei dem großen Tore hinaus . Ich wendete mich , da wir draußen waren , unwillkürlich um , um das Gebäude zu betrachten . Über dem Tore war ein ziemlich umfangreiches steinernes Schild mit sieben Sternen . Sonst sah ich nichts , als was ich bei meinem Morgenausblicke aus dem Fenster schon gesehen hatte . Wir gingen auf einem Sandwege des grünen Rasens , wir umgingen das Haus , und gelangten hinter demselben in den Garten . Hier sah ich , was ich mir schon früher gedacht hatte , daß das Gebäude , welches man wohl ein Schloß nennen mußte , nur aus den vier großen Flügeln bestehe , welche ein vollkommenes Viereck bildeten . Die Wirtschaftsgebäude standen ziemlich weit entfernt in dem Tale . Der Garten begann mit Blumen , Obst und Gemüse , zeigte aber , daß er in der Entfernung mit etwas endigen müsse , das wie ein Laubwald aussah . Alles war rein und schön gehalten . Der Garten war auch hier mit gefiederten Bewohnern bevölkert , und man hatte ähnliche Vorrichtungen wie im Asperhofe . Die Bäume standen daher auch vortrefflich und gesund . Rosen zeigten sich ebenfalls viele , nur nicht in so besonderen Gruppierungen wie bei meinem Gastfreunde . Die Gewächshäuser des Gartens waren ausgedehnt und weit größer und sorgfältiger gepflegt als auf dem Asperhofe . Der Gärtner , ein junger und , wie es schien ,