sagte : » Bonsoir , Elise ; es freut mih , dih z ' seh ! « , und Elisi sagte : » Merci , Trinette ; ich ha glaubt , mi heyg mih ganz vrgesse . « Trinette entschuldigte sich , daß sie noch mit der Näherin zu tun gehabt , die ihr das Mäß zu einem neuen Tschöpli habe nehmen müssen , und sie habe geglaubt , der Mann sei da . Unterdessen musterten die beiden Schwägerinnen einander mit Kenneraugen von oben bis unten , und während Trinette in stolzer Freude , diesmal dr Däche z ' sy , Elisi Erfrischungen anbot , der Köchin und der Stubenmagd Befehle gab , sagte Elisi , es möchte in ein Stübli , sich anders anzuziehen . Es hätte für die Reise das Leydest angezogen , wo es gehabt . Es sei nicht gewohnt , in solchen Kleidern zu sein , und möchte sich auch öppe anziehen , wie es der Brauch sei . Gäb was nun Trinette einwandte , Elisi sei ja so de bon goût angezogen , wie wenn es grad aus dem Weltschland käme , setzte es Elisi doch durch , daß man ihm eine Stube anwies und eine Magd ihm alles nachtrug . Drunten wurde nun auf , getragen allerlei Gutes , die Köchin mußte Strübli machen , und der Johannes sollte Neuenburger holen im Keller , tat aber nur Roquemoore in eine Neuenburgerflasche und sagte für sich : » Was wissen doch die , was Neuenburger ist ! Roquemoore tuts denen zwee Gäuggle wohl . « Endlich erschien Elisi , und diesmal nicht grasgrün , sondern schön himmelblau , mit brodiertem Mänteli , großer Gufe , goldener Uhrenkette , Haften am Kittel wie Zwanziger und Göllerketteli , die es ganz vorniederzogen und deren Blämpel mit Gold ausgelegt waren . Es war eine helle Pracht , wie das funkelte und so neu und schön aussah . Trinette ward ganz grün und gelb vor Neid und war auf dem Punkte , die Strübleni abzusagen . Indessen besaß sie sich doch und rühmte Elisis Pracht , aber stichelte dabei : Wie es gar kommod sei , hoffärtig zu sein , wenn man noch bei Vater und Mutter sei , da möge es alles erleiden . Wenn man aber für alles selbst sorgen müsse und noch Kinder habe , so tue einem das die Nase hintere . Sie hätten Beide noch nichts geerbt , und wenn ihre Eltern nicht so gut gegen sie wären , sie könnten es nicht machen . Wenn man schon grusam viel verdiene , so gehe doch grusam viel darauf so in einer Wirtschaft . Elisi wurde nun ganz zweg , aß und trank nach Herzenslust , rühmte die Strübli und besonders den Neuenburger . Der Vater müsse auch solchen anschaffen , sagte es , er hätte immer nur so Kuttlenrugger , wo man im Weltschland damit den Mäusen vergebe ; man sage ihm Taveller , er komme da von Biel her . Nun packte Elisi auch seinen Kram aus , unter dem feines Guttuch zu einem Tschöpli für Trinette war , über das dieselbe aber gar sehr die Nase rümpfte . Sie sei gar froh darüber , sagte sie , es sei schön warm , und sie hätte schon lange so etwas gemangelt , sie sei voriges Jahr beim Sauerkabiseinmachen schier erfroren im Keller . Freilich machten solches die Mägde , man müsse doch aber auch zuweilen sehen , wie sie es machen . Die Diensten seien heutzutage gar schlecht , sie luegten nur zu sich . Das war die längste Rede , welche diesen Abend Trinette hielt . Da kriegte Elisi doch nach und nach Langeweile . Aus der Nebenstube ertönte Gelächter , der Stoff der Rede ging ihm aus , und es düechte ihns , es sei doch schade , wenn niemand in Frevligen seine himmelblaue Bkleidig sehe als die mißgünstige Trinette und die dumme Stubenmagd , die noch mit keinem einzigen Wort ihre Bewunderung bezeugt hatte . Immer mehr wuchs ihm der Glust wenn die daneben doch auch sehen könnten , wie schön es bkleidet sei ; vielleicht wäre einer darunter , der ihm gefiele , und da könnte sich eine gute Partie machen ungsinnet . Es müsse daheim versauren und komme den Leuten nicht vor die Augen , da sei es doch kein Wunder , daß es noch keine Partie gemacht . Darum wolle es doch , wenn es einmal fort sei , nicht in einem Hinterstübli vrgrauen und sich vor niemand zeigen . Aber Trinette , wie sehr auch Elisi um die Stauden schlug , tat keinen Wank , und wenn es fragte , wer wohl drüben sei , so sagte Trinette , es werden die Säutreiber sein von Lutern oder von Eschlismatt . Aber es düechte Elisi , die Säutreiber von Lutern sollten nicht so mögen lachen , und endlich sagte es , sein Knecht werde wohl auch dort sein ? Trinette sagte , er werde wohl . Da sagte Elisi , es müßte doch gehen und ihm sagen , wann sie morgen fort wollten , es hätte ihm noch nichts befohlen . Trinette aber antwortete , es wolle ihn kommen lassen , man könne ihm hier ja auch befehlen . Aber Elisi wollte hinüber , stund auf , entschuldigte sich , daß es nicht Mühe machen wolle , und tat die Zwischentüre auf . Drinnen saßen an zwei Tischen , einem den Fenstern , einem der Wand nach , viele Männer , fluchend , lachend , rauchend , trinkend , spielend . Es waren aber allerdings nicht Säuhändler von Lutern , sondern alte und junge Frevliger , die an ihrem gewohnten Abendwerk saßen ; denn da war des Wirtshauses wegen alle Tage Sunntig , in der Kirche aber alle Tage Werchtig . Bei ihnen saßen Johannes und Uli , der Letztere vom Erstern zu Gast gehalten mit Tabak und Wein . Langsam kam aus dem dunklen Hintergrunde das himmelblaue Elisi , stüpfte dem Uli auf die Schulter und sagte ihm , sie wollten am Morgen zeitlich fort , er solle machen , daß zu rechter Zeit gefüttert sei . Jenseits dem Tische saß ein lustiger Gerichtsäß , der fragte : Was das für eine schöne Jumpfere , für ein hoffärtig Meitschi sei , ob ers ihm bringen dürfe ? Ein Wort gab das andere . Elisi saß bald auf einem leeren Platz und lebte wohl an den Späßen der Alten und Jungen , sagte aber nicht viel , sondern lachte nur zimperlig und fuhr oft mit dem schönen Schnupftuch manierlich zur Nase , wobei man die Finger , ringe sah , und zog oft an seiner goldenen Kette , wobei man dann eine kleine goldene Uhr sah nach alter Façon , wie man sie wohlfeil beim Uhrenmacher kauft . Elisi saß da gar wohl , mehr als zwei Stunden lang , und hatte seine Schwägerin ganz vergessen . Als endlich niemand mehr viel zu ihm sagte , ging es wieder in die Nebenstube . Da war aber keine Trinette mehr , sondern nur die Stubenmagd , die Tisch deckte und sagte , Trinette sei zu Bette gegangen , sie hätte gar Zahnweh gehabt . Obs öppe öppis angers syg ? fragte Elisi . Sie wisse es nicht , sagte die Stubenmagd ; daneben könnte es wohl sein , wunderlich genug sei sie dafür . Das war Elisi angeholfen , und vielleicht wären die Beiden die ganze Nacht hinter Trinette gewesen , wenn nicht die Köchin mit einem Fluch zur Türe hereingefahren wäre : Ob es aber angebacken sei , daß es die Suppe nicht hole ? Es brännte draußen alles an . Als aufgetragen war , kam Johannes mit Uli und fluchte nicht wenig , als er nur zwei Teller sah ; fluchte über seine Frau , daß sie schon im Nest sei , e selligi Plättere gebe es keine mehr im Kanton , entweder fehle es ihr am Gring oder im Gring ; fluchte über die Stubenmagd , daß die Dolder Gans nicht drei zählen könne oder meine , sie fressen wie dSäu aus einem Trog . Johannes behandelte Uli wie einen alten Kameraden und sagte ihm alle Augenblicke : » Seh suf ! Seh friß ! « Mit Elisi war er nicht halb so freundschaftlich , sondern fragte bloß : » Wotsch ? « , und wenn Elisi Nein sagte , so sagte Johannes : » He nu , so hesch scho gha ! « Daneben spottete er über ihns : Obs nicht bald einen Mann habe , am Wollen fehle es nicht . Er wollte an seinem Platz lernen eine Suppe machen und Strümpf plätzen , vielleicht bekäme es dann einen . » Vielleicht nähmte dich Uli , « sagte er , » wenn du ihn fragst , soll er diese Nacht etwa bei dir liegen ? « Mit solchen brüderlichen Späßen würzte Johannes das Mahl . Am folgenden Morgen sah man Uli zuerst , nicht gar viel später erschien Johannes , zu großem Schreck seines Gesindes , zu eigenem großem Zorn . Jedes pflegte seiner Behaglichkeit , im Glauben , der Meister tue es ebenfalls ; der Meister faulenzte , im Glauben , es wüßte jeder Dienst , was er zu tun hätte . Als er nun einmal zur unerwarteten Stunde aufstund , da erfuhr er , was die Faulheit der Meisterleute für Wirkung tut auf die Diensten . Er fluchte sich fast die Zähne aus dem Maul , die Zehen ab den Füßen , aber am andern Morgen lag er wieder bis gegen neune ; was half da das Fluchen ? Was kann in einem Wirtshause alles gehen von morgens fünf bis um neune , wo der Herr Wirt und die Frau Wirtin aufstehen ! Nirgends straft wohl Gott die zeitlichen Sünden schneller und deutlicher als die der Wirte , welche überwirten . Wenn Wirt und Wirtin nicht Ruhe schaffen in ihrem Hause zu rechter Zeit mit Hudeln , mit Spielen oder auch nur Dasitzen und Zusehen , wie Andere hudeln über die Zeit , so haben die Einen einen schweren Kopf und zitternde Glieder am Morgen , die Andern mögen sonst nicht auf , und während dieser Zeit geht ihnen weit mehr zugrunde , als sie am Abend verdient haben , und zum Trinkgeld haben sie den ganzen Tag den schweren Kopf , die faulen Glieder , zum Trinkgeld haben sie ein böses Alter und schlechte Kinder , und was Mancher am Ende seines Lebens davonbringt , ist Bettlerbrot , Spitalsuppe und ein schlechter Strohsack . O wenn mancher Wirt wußte , was ginge , ehe er aufsteht , er würde wohl am Abend früher Feier , abend machen . Johannes donnerte und wetterte , solange er seine verstrupften Diensten sah , welche die Gaststube noch nicht aufgeräumt , die Kühe nicht gemolken , die Pferde nicht gestriegelt hatten , und auf dem Wege zu seinem Lande , das er Uli zeigen wollte , klagte er gar bitterlich über alle seine Diensten , wie sie alle nichts wert seien und wie er hundert Kronen geben wollte um einen guten Knecht . Er wußte noch nicht , daß ein schlechter Meister nie gute Diensten hat , daß die einen unter ihm schlecht werden , die , welche gut bleiben wollen ihm weglaufen müssen . Als sie endlich zurückkamen von ihrem Beschauen , fanden sie das Elisi diesmal ganz in schwefelgelber Montur , das heißt in schwefelgelbem Tschöpli und Fürtuch , betrübt in der Nebenstube , wohin man eben das Frühstück gebracht hatte , zirka um halb zehn Uhr : Strübli von gestern , Anken , Käs , Nidle , Kaffee und schönes weißes Brot . Trinette ließ sich nicht sehen . Es hieß , sie hätte in der Nacht nicht schlafen können und mache jetzt etwas nach . Nachdem man fertig war , sagte ds Elisi noch nichts vom Anspannen . Johannes führte den Uli in seine Keller , und ds Elisi spazierte schön schwefelgelb vor dem Hause auf der Tärasse , im Garten , ums Haus herum , die Handschuhe an den Händen , das Nastuch darin , spazierte hin und her , auf und ab , bis es endlich eilf Uhr schlug . Da winkte es dem Uli und sagte : Sie müßten fort , er solle zwegmachen , es wolle gehn und sich anders an , ziehen ; sobald es fertig sei , müsse er anspannen . Es ging fast eine Stunde , bis ds Elisi grasgrün wieder zum Vorschein kam . Und wer saß da prächtig in schokoladefarbener Seide ( Donna Maria war noch nicht Mode ) , kostbar um und um , hinten Silber und vornen Gold ? Es war Trinette , Trinette , welche die schwefelgelbe Pracht nicht sehen wollte und auf das grasgrüne Elisi gewartet hatte , um ihm zu zeigen , daß es dann auch noch Kleider hätte , wenn es sich zeigen wolle und wenn es schon noch nicht geerbt hätte und nicht mehr daheim sei . Ds Elisi wurde noch einmal so grün , als es die vor ihm sitzende Herrlichkeit sah , und brachte seinen Mund gar nicht auf zu einem Bonjour und der Frage nach dem Zahnweh . Hingegen Trinette tat wohl etwas schmächtig , war übrigens die Freundlichkeit selbst , wollte Elisi nötigen , heute ( so grasgrün ) noch dazubleiben . Als alle Bitten umsonst waren , erhielt die Stubenmagd Befehl , schleunig den Tisch zu decken und aufzutragen , gäb wie Elisi wehrte , weil sie erst dischiniert hätten . Es war ein stattlich Essen da , das Beste , was das Haus vermochte , allein es schmeckte heute dem grasgrünen Elisi nicht halb so gut als gestern dem himmelblauen ; sobald es Trinette ansah , stockte ihm der Bissen im Halse , selbst dem Johannes sein Neuenburger hatte heute einen ganz andern Geschmack als gestern . Es hatte keine Ruhe , bis angespannt war . Als endlich angespannt , alles eingepackt war , ds Elisi im Sitz saß , wollte Uli vorauf , aber Johannes tat es nicht . Er solle doch nicht ein Narr sein , sagte er , sie werden da innen einander nicht beißen , nicht kräbeln , hingegen draußen regne es und sei unlustig . Sie sollten sich nur gut zusammenlassen , so hätten sie nicht kalt ; man sei ja dafür auf der Welt , für einander zu helfen . Uli mochte wollen oder nicht , er mußte hinein , und ds Elisi ruckte weg , drückte sich in eine Ecke und ließ sich nicht hervor , bis sie weit außer Frevligen waren . Endlich hob es den Kopf auf und sagte , es sei froh , daß sie auf dem Heimweg seien ; ds Bruders seien wüste Leute , er sei ein Grobian , ein Unflat , Trinette ein böses Mönsch , e halbe Narr . Die werden schön für den Hag hinaus husen . Sie könnten Beide wohl brauchen , aber nichts verdienen ; was das Maul wolle , müsse gefressen , was den Augen gefalle , gekauft sein . Für die ledig zu bleiben , die es nur für einen Narren zu halten begehrten , dazu sei es nicht dumm genug , und sollte es einen von der Gasse nehmen , so wollte es heiraten , nur daß die keinen Kreuzer von ihm bekämen . Wenn einst Vater und Mutter gestorben seien und es noch keinen Mann hätte , so wüßte es wohl , wie es ihm ginge ; die würden es eingänterlen , bis es murbe genug zum Erben wäre . Aber es sei ihnen noch zu schlimm und wolle dem Trini sein schokelaseidenes Tschöpli eintreiben . Eins , das hunderttausend Pfund erben könne , lasse so das Spiel nicht mit sich treiben . Auf den Reichtum brauche es nicht zu sehen , es vermöchte einen Mann zu erhalten , daß sie Beide gut haben könnten . Aber hübsch müßte er sein und frein , es wolle Freude an ihm haben können . Die Alten scheue es nicht , wenn es wüst tue , so könne es bei ihnen alles zwängen . Wenn es nume afe einer wollte , noch heute wollte es die Sache richtig machen , nume ihnen zTrutz . Nit , es hätte bereits gar Manchen haben können und sie alle abgewiesen , sie hätten ihm nicht gefallen . Aber jetzt meine die Göhle , es wolle gar Keinen und es dürfe sich niemand mehr an ihns lassen . Wenn es vornen anfangen könnte , so machte es es ganz anders ; es nähme den Erstbesten , so riskierte es wenigstens nicht , daß es für den Hag hinaus käme . So redete ds Elisi aus seinem ingrimmigen Herzen und rückte immer mehr aus seiner Ecke hervor und sagte : » Uli , du mußt nit so schüch sy ! « Kurz , aus lauter Täubi wurde ds Elisi unter dem Fußsack recht zärtlich ; bloß den Kopf hielt es , solange es Tag war , in angemessener Entfernung . An dem Städtchen ließ es vorbeilenken und bestimmte einen unbedeutenden Ort zum Füttern . Uli ward es bei dem allem wunderlich zumut ; indessen vergaß er nicht , daß seines Meisters Tochter neben ihm sitze , machte von ihrem Gerede keine besondere Anwendung auf sich und von allem Näherrücken keinen Gebrauch , trotz der Aufforderung , nicht so schüch zu sein . Diesmal bannisierte ds Elisi Uli nicht zu einem aparten Schoppen nebenaus , sondern ließ gleich eine Halbe für sie Beide bringen und dann etwas auf einem Teller , und dann schien ihm dieser Wein noch nicht gut genug , sondern es befahl vom mehbessern und dem Kohli noch ein Immi , ließ sich da zBoden wohl sein und sorgte dafür , daß es dem Uli und dem Kohli nicht übler sei . Der Erstere mußte Hammeschnittli essen , bis er zuletzt glaubte , selbst eine Hamme zu sein . Als sie wieder fortfuhren , irrte der Sonnenschein , die Tagesheiteri nicht mehr , und ds Elisi wurde auch oberhalb des Fußsackes zärtlich , lehnte sich an Uli an und redete allerlei , bis es endlich sagte : Es gelüste ihns , ihm ein Müntschi zu geben , ob er etwas dawider hätte ? Seit dem Weltschland hätte es keine mehr gegeben , es müsse doch probieren , ob es das noch könne . Im Weltschland hätte man beim Pfänderspiel ihm immer gesagt , es könne das Keins so gut wie es . Was sollte Uli dagegen haben ? Ds Elisi küßte ihn nun nach Herzenslust ab , und er gab wohl hie und da ein Müntschi wieder , aber ziemlich kaltblütig . Dem Elisi waren sie wirklich auch wohl kalt , und es meinte , dem Vreneli würde er wärmere geben und ungeheißen . Uli wollte von Vreneli nichts wissen und sagte , dem hätte er noch keine gegeben , er wußte nicht , wie dazu kommen . Elisi meinte , das sei doch kurios ; es seien nur Müntscheni und täten eim doch so wohl , man wurde es niemand glauben , wenn man es nicht selbst erfahren täte . Und es , eine reiche Tochter , hätte so manches Jahr keine er , halten , daß es ganz vergessen gehabt , wie wohl sie eim täten . Aber das müß ihm künftig nicht mehr so gehen , » gäll , Uli ? « Als Uli antworten wollte , tat der Kohli einen Satz , daß sie Beide hoch auffuhren , wollte in einen Acker hinaus , daß Uli mit beiden Händen wehren mußte . Endlich wieder gerade auf der Straße , war er so ertaubet , daß Uli aus Leibeskräften ihn halten mußte . Da war es mit dem Küssen aus und Elisi froh , daß es mit ganzen Gliedern heimkam . Zwanzigstes Kapitel Uli kriegt Gedanken und wird stark im Rechnen So lief die Fahrt glücklich und unschuldig ab , aber nicht ohne Folgen . Es stieg Uli nach und nach doch zu Haupt , daß er da leicht zu einer reichen Frau kommen , glücklich werden könne . Denn so unsinnig es ist , so ist doch im gemeinen Sprachgebrauch Glücklichwerden und Reichwerden gleich , bedeutend . Man hört ja so oft : » Der kann wohl , der ist glücklich gewesen im Heiraten und hat mehr als zehntausend Pfund erwybet . Freilich ist seine Frau ein Laschi und er hat viel mit ihr , aber was macht das , wenn man Geld hat ? Das Geld ist doch die Hauptsache . « Von dieser allgemeinen und doch so unbegründeten Ansicht war Uli nicht frei , wollte er ja doch auch reich , ein Mann werden . Wenn er an Elisi Äußerungen dachte , die freilich im Nebel und im Regen getan waren , so kam es ihm immer wahrscheinlicher vor , daß es ihn nehmen würde , wenn er es recht begehrte . Der Bruder hatte ihn so freundschaftlich behandelt , so viel Zutrauen ihm gezeigt , daß er meinte , der würde wirklich nicht sehr darwider sein . Wenn es einer sein müßte , so wäre er ihm lieber als mancher Andere . Den Eltern , dachte er , wäre es wohl im Anfang nicht recht , und sie wurden wüst tun ; aber wenn einmal Elisi es erzwängt hätte , die Sache geschehen , so machte es ihm keinen Kummer , ihnen lieb zu werden . Der Gedanke , einmal auf der Glungge Bauer zu sein und so ganz frei schalten zu können , tat ihm gar unendlich wohl . In zwanzig Jahren , rechnete er manchmal aus , wollte er gut noch einmal so reich sein , der ganzen Gegend wolle er zeigen , was das Bauren könne . Es stieg ein Plan nach dem andern vor ihm auf , wie er es anfangen , was er alles vornehmen wolle , was der Pfarrer sagen werde , wenn er mit der reichen Tochter die Hochzeit angebe , was die Leute in seiner Heimat sagen werden , wenn er einmal mit eigenem Roß und Wagen daherkomme und es heiße , der Uli hätte sechs Roß im Stall und zehn Kühe von den schönsten ! Freilich , wenn er dann das Elisi schlärplen sah , so gab es ihm einen Tolgg in seine Rechnung . Er sah wohl , daß es für die Haushaltung nichts , daneben wunderlich und bräuchig und mit allem unzufrieden sei . Das Letztere würde bessern , dachte er , wenn es einen Mann hätte . Er vermöge dann Diensten zu haben , es gehe sonst , wenn die Frau nichts mache ; bei solchem Reichtum möge es wohl etwas erleiden . Es sei bei einer jeden etwas zu scheuen , er hätte noch von Keiner gehört , die gewesen sei , daß man nicht noch etwas anderes gewünscht . Reich , reich , das sei doch immer die Hauptsache . Und doch , wenn er Elisi sah , so wollte es ihm erleiden . Das verschienene Tirggeli , Hämpfeli kam ihm gar zu unappetitlich vor . Wenn es ihn mit seinen feuchtkalten Händen anrührte , so schauderte es ihn , es war ihm , als müsse er den Fleck abwischen , den es berührt . Wenn er es erst reden hörte , so zimperlig und doch so dumm , so wollte es ihn aus der Stube treiben , und er mußte für sich denken ; » Nein , bei dieser haltest du es nicht aus ; bei jedem Wort , das sie sagt , müßtest du dich ja schämen . « Aber wenn er dann von Elisi weg war , so sah er wieder den schönen Hof , hörte das Geld klingen , sah sich im Ansehen , und es kam ihm vor , als sei Elisi doch so wüst nicht , und nach und nach wollte es ihn dünken , als sei es wirklich gescheuter , als man glaube , und wenn es Liebe zu einem hätte und man vernünftig mit ihm rede , so wäre noch etwas mit ihm zu machen und bei einem rechten Mann könnte es noch eine recht vernünftige Frau abgeben . Das alles ging nur in Ulis Kopf vor , allein es ist nichts so rein gesponnen , es kömmt doch endlich an die Sonnen . Die Reise hatte Elisi und Uli vertraulicher gemacht , es war ein anderer Ton , in dem sie zueinander redeten , und mit den eigenen Augen eines gewissen Einverständnisses blickte ihn ds Elisi an . Uli freilich suchte die Augen zu meiden , besonders wenn sie in Vrenelis Gesichtskreis waren . Denn so wie Elisis Reichtum ihn alle Tage heftiger lockte , so schien ihm Vreneli alle Tage hübscher und anschlägiger . Am besten , dachte er oft , würde es gehen , wenn Vreneli bei ihnen bleiben und die Haushaltung machen wurde . Mehr als früher zog Elisi Uli nach , und wenn es an einem Sonntagnachmittag einen Augenblick alleine mit ihm in der Stube war , so ruhte es nicht , bis es ans Küssen kam . Es wäre für sein Leben gerne wieder einmal mit ihm ausgefahren , allein es wußte nicht wohin , und an die Märkte kamen Vater oder Mutter mit . Indessen , hätte Uli Böses im Sinne gehabt und auf schlechtem Wege zu einer Heirat kommen wollen , wie man deren Beispiele von Schlechtern , als Uli war , viele hat , Elisi hätte Gelegenheit genug dazu gegeben und in sich nichts getragen , das ihns davor geschützt . » Uli , bis nit so schüch ! « hatte es vielleicht noch gesagt . Aber Uli war brav , begehrte nichts Böses , mied solche Gelegenheiten , ging der Anlässigkeit von Elisi recht oft aus dem Wege , wollte viel lieber Elisi verdienen als verfuhren . Er arbeitete um so emsiger , ließ sich alles besonders angelegen sein und wollte sich das Lob erwerben : wenn er schon jetzt nicht reich sei , so könne es ihm bei solcher Anstelligkeit nicht fehlen , es zu werden . Das , glaubte er , werde so viel bei den Eltern ziehen als viele tausend Pfund . Er dachte nicht an das Schreckenswort : Ume dr Knecht ! Nun aber hatten die Nebendiensten auch Augen im Kopf , und weit eher , als Uli noch an etwas gedacht , hatten sie Elisis zutäppisches Wesen bemerkt und Uli damit aufgezogen . Sie schrieben immer mehr seine Tätigkeit der Absicht zu , Tochtermann zu werden . Die Veränderung seit der Reise blieb ihnen nicht verborgen . Sie ersannen allerlei Märlein über die Vorginge auf derselben , stichelten Uli ins Angesicht und verleumdeten hinter seinem Rücken . Alle Zumutungen , die er machte , deuteten sie , als ob er sich nur auf ihre Kosten wert machen wolle , nahmen sie daher böse auf , stellten sich ungebärdig und dachten , dem wollten sies vrha . Sie paßten Elisi und Uli auf , wo sie nur konnten , suchten ihr zufällig oder absichtlich Beisammensein zu stören oder zu belauschen , allerhand Schabernack ihnen zu machen , und hätten gar gerne irgend ein grobes Ärgernis aufgedeckt , aber dazu gab Uli keine Gelegenheit . Noch ging die Wage bei ihm auf und ab . Es erleidete ihm manchmal Elisi und das Dasein in der Glungge , daß er gerne hundert Stunden da dänne gewesen wäre . Das Mädchen aber ward immer verliebter , kramete Uli bei jeder Gelegenheit , verehrte ihm mehr , als er annehmen wollte , tat so narrochtig mit ihm , daß es endlich selbst den Eltern auffiel . Joggeli muckelte : Da hatte man es jetzt , da könne man sehen , was Uli eigentlich im Schilde führe , dem wolle er aber einen Strich durch die Rechnung machen . Indessen tat er nichts ; insgeheim hätte er es seinem Sohn , der ihn so oft bschummelte , gönnen mögen , wenn Elisi einen dummen Streich gemacht und hätte heiraten müssen . Die Mutter nahm das mehr zu Herzen und sprach Elisi zu : Es sollte doch mit Uli nicht so narrochtig tun und auch denken , was die Leute sagen und wie sie es auf die Trommel nehmen werden . Es schicke sich doch wahrhaftig nicht für ein reiches Meitschi , mit einem Knecht zu tun wie mit einem Schatz . Nit , sie hätte nichts wider Uli , aber er sei doch immer nur der Knecht , und es werde doch keinen Knecht wollen . Dann plärete ds Elisi und sagte : Es sei alles nicht recht , was es mache , man hätte in Gottsname immer mit ihm zu balgen ; bald halte man ihm vor , es sei zu hochmütig , bald , es mache sich zu gemein . Wenn es mit einem Knecht ein freundlich Wort rede , so mache man ihm einen Lärm , einen ärgern könnte man ihm nicht machen , wenn es schwanger wäre . Aber man gönne ihm in Gottsnamen keine Freude und alles sei nur auf ihm . Es wäre ihm am wöhlsten , wenn es bald sterben könnte . Und Elisi plärete dabei immer heftiger , bis es keinen Atem mehr hatte , die Mutter in aller Eile das Göllert auftun mußte und wirklich glaubte , das Elisi wolle sterben . Dann schwieg die gute Mutter wieder , denn sie wollte wirklich nicht , daß ds Elisi sterbe . Sie klagte nur zuweilen Vreneli , sie wisse nicht , was sie da machen solle . Tue sie wüst , so wär ds Elisi imstand , etwas Ungeschicktes zu machen ; lasse sie es gehen und geschehe dann wirklich auch etwas Ungeschicktes , so werde sie an allem schuld sein sollen und man werde sagen , warum sie nicht zu rechter Zeit dazu getan . Aber einmal jetzt wüßte sie nichts zu machen . Über den Uli könne sie nicht klagen , er führe sich vernünftig auf und sie glaube , es sei ihm eher zuwider