was es heißt , die Treue brechen und den Eid vergessen . « » Hier steht noch einer , der dies auch nicht kennt « , sagte Schweinsberg , und trat näher zu dem Herzog . » Ich will mit Euch ziehen nach Mömpelgard , wenn Ihr meine Begleitung nicht verschmähet . « Aus den Augen des alten Lichtenstein blitzte ein kriegerisches Feuer : » Nehmt auch mich mit Euch , Herr ! « sagte er . » Meine Knochen taugen freilich nicht mehr viel , aber meine Stimme ist noch vernehmlich im Rat . « Marie sah mit leuchtenden Blicken auf den Geliebten , über die Wangen Georgs von Sturmfeder zog ein glühendes Rot , sein Auge leuchtete vom Mut der Begeisterung . » Herr Herzog ! « sagte er . » Ich habe Euch meinen Beistand angetragen in jener Höhle , als ich nicht wußte , wer Ihr wäret , Ihr habt ihn nicht verschmäht . Meine Stimme gilt nicht viel im Rat , aber könnet Ihr ein Herz brauchen das recht treu für Euch schlägt , ein Auge das für Euch wacht , wenn Ihr schlafet , und einen Arm , der die Feinde von Euch abwehrt , so nehmt mich auf , und lasset mich mit Euch ziehen ! « Alle jene Empfindungen , die ihn zu dem Mann ohne Namen gezogen hatten , loderten in dem Jüngling auf , sein Unglück und die erhabene Art , wie er es trug , vielleicht auch jener aufmunternde Blick der Geliebten , erhöhten diese Flammen zur Begeisterung , und zogen ihn zu den Füßen des Herzogs ohne Land . Der alte Herr von Lichtenstein blickte mit stolzer Freude auf seinen jungen Gast , gerührt sah ihn der Herzog an und bot ihm seine Hand , hob ihn auf von den Knieen , und küßte ihn auf die Stirne . » Wo solche Herzen für uns schlagen « , sagte er , » da haben wir noch feste Burgen und Wälle , und sind noch nicht arm zu nennen . Du bist mir lieb und wert , Georg von Sturmfeder , du wirst mich begleiten , mit Freuden nehme ich deine treuen Dienste an . Marx Stumpf von Schweinsberg , dich brauche ich zu wichtigerem Geschäft als meinen Leib zu decken . Ich werde dir Aufträge geben nach Hohentwiel und der Schweiz ; Eure Begleitung , guter Lichtenstein , kann ich nicht annehmen . Ich ehre Euch wie einen Vater , Ihr habt getreu an mir gehandelt , Ihr habt mir allnächtlich Eure Burg geöffnet ; ich will ' s vergelten . Wenn ich mit Gottes Hülfe wieder ins Land komme , soll Eure Stimme die erste sein in meinem Rat . « Sein Auge fiel auf den Pfeifer von Hardt , der demütig in der Ferne stand : » Komm her , du getreuer Mann ! « rief er ihm zu , und reichte ihm seine Rechte , » du hast dich einst schwer an Uns verschuldet , aber du hast treu abgebüßt , was du gefehlt . « » Ein Leben ist nicht so schnell vergolten « , sagte der Bauer , indem er düster zum Boden blickte , » noch bin ich in Eurer Schuld , aber ich will sie zahlen . « » Gehe heim in deine Hütte , so ist mein Wille ; treibe deine Geschäfte wie zuvor , vielleicht kannst du Uns treue Männer sammeln , wenn Wir wieder ins Land kommen . Und Ihr , Fräulein ! wie kann ich Eure Dienste lohnen ? Seit vielen Nächten habt Ihr den Schlaf geflohen , um mir die Türe zu öffnen und mich zu sichern vor Verrat ! Errötet nicht so , als hättet Ihr eine große Schuld zu gestehen ; jetzt ist es Zeit zu handeln . Alter Herr « , wandte er sich zu Mariens Vater ; » ich erscheine als Brautwerber vor Euch , Ihr werdet den Eidam nicht verschmähen , den ich Euch zuführe ? « » Wie soll ich Eure Reden verstehen , gnädigster Herr « , sagte der Ritter , indem er verwundert auf seine Tochter sah . Der Herzog ergriff Georgs Hand und führte ihn zu jenem . » Dieser liebt Eure Tochter und das Fräulein ist ihm nicht abhold , wie wäre es alter Herr , wenn Ihr ein Pärlein aus ihnen machtet ? Zieht nicht die Stirne so finster zusammen , es ist ein ebenbürtiger Herr , ein tapferer Kämpe , dessen Arm ich selbst versuchte , und jetzt mein treuer Geselle in der Not . « Marie schlug die Augen nieder , auf ihren Wangen wechselte hohe Röte mit Blässe , sie zitterte vor dem Ausspruch des Vaters . Dieser sah sehr ernst auf den jungen Mann : » Georg « , sagte er , » ich habe Freude an Euch gehabt seit der ersten Stunde , daß ich Euch sah ; sie möchte übrigens nicht so groß gewesen sein , hätte ich gewußt , was Euch in mein Haus führte . « Georg wollte sich entschuldigen , der Herzog aber fiel ihm in die Rede : » Ihr vergesset , daß ich es war , der ihn zu Euch schickte mit Brief und Siegel , er kam ja nicht von selbst zu Euch ; doch was besinnet Ihr Euch so lange ? Ich will ihn ausstatten wie meinen Sohn , ich will ihn belohnen mit Gütern , daß Ihr stolz sein sollet auf einen solchen Schwiegersohn . « » Gebt Euch keine Mühe weiter , Herr Herzog « , sagte der junge Mann , gereizt , als der Alte noch immer unschlüssig schien . » Es soll nicht von mir heißen , ich habe mir ein Weib erbettelt und ihrem Vater mich aufdrängen wollen , dazu ist mein Name zu gut . « Er wollte im Unmut das Zimmer verlassen , der Ritter von Lichtenstein aber faßte seine Hand , » Trotzkopf ! « rief er , » wer wird denn gleich so aufbrausen , da , nimm sie , sie sei dein , aber denke nicht daran , sie heimzuführen , solange ein fremdes Banner auf den Türmen von Stuttgart weht . Sei dem Herrn Herzog treu , hilf ihm wieder ins Land zu kommen , und wenn du treulich aushältst : am Tag wo ihr in Stuttgarts Tore einzieht , wo Württemberg seine Fahnen wieder aufpflanzt und seine Farben von den Zinnen wehen , will ich dir mein Töchterlein bringen , und du sollst mir ein lieber Sohn sein ! « » Und an jenem Tag « , sprach der Herzog , » wird das Bräutchen noch viel schöner erröten , wenn die Glocken tönen von dem Turme und die Hochzeit in die Kirche ziehet ! Dann werde ich zum Bräutigam treten , und zum Lohn fordern was mir gebührt . Da guter Junge ! gib ihr den Brautkuß , es ist zu vermuten , daß es nicht der erste ist , herze sie noch einmal , und dann gehörst du mein , bis an den fröhlichen Tag wo wir in Stuttgart einziehen . Lasset uns trinken , ihr Herren , auf die Gesundheit des Brautpaars . « Auf Mariens holden Zügen stieg ein Lächeln auf , und kämpfte mit den Tränen , die noch immer aus den schönen Augen perlten . Sie goß die Becher voll , und kredenzte den ersten dem Herzog mit so dankbaren Blicken , mit so lieblicher Anmut , daß er Georg glücklich pries , und sich gestehen mußte , manch anderer machte um solchen Preis selbst sein Leben wagen . Die Männer ergriffen ihre Becher und erwarteten , daß ihnen der Herzog einen guten Spruch dazu sagen werde nach seiner Weise . Aber Ulerich von Württemberg warf einen langen Abschiedsblick auf das schöne Land , von dem er scheiden mußte , einen Augenblick wollte sich eine Träne in seinem Auge bilden , er wandte sich kräftig ab . » Ich habe hinter mich geworfen « , sagte er , » was mir einst teuer war , ich werde es wiedersehen in besseren Tagen . Doch hier in diesen Herzen besitze ich noch Länder . Beklaget mich nicht , sondern seid getrosten Mutes , wo der Herzog ist und seine Treuen , hie gut Württemberg allewege ! « Dritter Teil I In Schwaben , wo dein Vater Herzog war , Wo ihn und dich ein biederes Volk geliebt , Wo mancher jetzt auf seiner Feste haust , Der unter deinem Banner einst gekämpft , Dort muß von dir noch ein Gedächtnis sein , Dorthin sei unser irrer Pfad gelenkt , Des Schwarzwalds dichter Schatten nehm uns auf . L. Uhland Wohl nie so schwül hat ein Sommer über Württemberg gelegen , als der des Jahres 1519 . Das ganze Land hatte dem Bunde gehuldiget , und meinte es werde jetzt Ruhe haben . Aber jetzt erst zeigten die Bundesglieder deutlich , daß es nicht die Wiedereinnahme von Reutlingen gewesen sei , was sie zusammenführte . Sie wollten bezahlt sein , sie wollten Entschädigung haben für ihre Mühe . Die einen wollten , man solle Württemberg unter sie teilen , die andern , man solle es an Östreich verkaufen , die dritten wollten es Ulerichs Kindern erhalten - aber unter des Bundes Obervormundschaft . Sie stritten sich um den Besitz des Landes , auf das weder der eine noch der andere gerechte Ansprüche machen konnte . Das Land selbst war in Spaltung und Parteien . Es sollte die Kriegskosten decken , und doch war niemand da , der zahlen wollte . Die Ritterschaft hielt es für eine erwünschte Gelegenheit , sich ganz vom Lande loszusagen , und sich für unabhängig zu erklären . Die Bürger und Bauern waren ausgesogen , ihre Felder waren verwüstet und zertreten , sie sahen nirgends eine Aussicht sich zu erholen ; die Geistlichkeit wollte auch nicht allein bezahlen , und so war alles in Hader und Streit . Es ging auch vielen tief zu Herzen , daß ihr angeborner Fürst so schnöde behandelt worden war ; manchen kam jetzt , da der Herzog fern von dem Lande seiner Väter in Verbannung hauste , Reue und Sehnsucht an . Sie verglichen sein Regiment mit dem jetzigen ; es war nicht besser , wohl aber schlimmer geworden . Aber sie lebten unter zu hartem Zwang , als daß sie ihre Schmerzen hätten offenbaren können . Der Regentschaft des Bundes entging diese Unzufriedenheit des Volkes nicht ; sie mußte , wie sich in alten Berichten findet , » manche seltsame und böse Rede « hören . Sie suchten durch geschärfte Strenge sich Anhänglichkeit zu erwerben ; sie streuten Lügen über den Herzog aus.37 Man gebot den Priestern gegen ihn zu predigen , wer von ihm Gutes rede , soll gefangen werden , wer ihn heimlich unterstütze , soll der Augen beraubt , sogar enthauptet werden . Aber Ulerich hatte noch treue Leute unter dem Landvolk , die ihm auf geheimen Wegen Kunde brachten , wie es in Württemberg stehe . Er saß in seiner Grafschaft Mömpelgard , und harrte dort mit den Männern , die ihm ins Unglück gefolgt waren , auf günstige Gelegenheit in sein Land zu kommen . Er schrieb an viele Fürsten , er beschwor sie ihm zu Hülfe zu kommen ; aber keiner nahm sich seiner sehr tätig an . Er schrieb an die zur neuen Kaiserwahl versammelten Kurfürsten , sie halfen nicht ; das einzige was sie taten , war , dem neuen Kaiser in seiner Kapitulation eine Klausel anzuhängen , die Württemberg und den Herzog betraf - er hat sie nicht geachtet . Als sich der Herzog von aller Welt also verlassen sah , wankte er dennoch nicht , sondern setzte alles daran , sein Land mit eigener Macht wiederzuerobern . Es waren einige Umstände , die für ihn sehr günstig schienen . Der Bund hatte nämlich , als er Kunde bekam , daß sich niemand des Vertriebenen annehmen wolle , seine Völker entlassen . Die meisten Städte und Burgen behielten nur sehr schwache Besatzungen , und selbst in Stuttgart waren nur wenige Fähnlein Knechte gelassen worden . Durch diese Maßregel aber hatte sich der Bund einen Feind erworben , den man geringschätzte , der aber viel zur Änderung der Dinge beitrug - es waren dies die Landsknechte . Diese Menschen aus allen Enden und Orten des Reiches zusammengelaufen , boten gewöhnlich dem ihre Hülfe an , der sie am besten zahlte ; für was und gegen wen sie kämpften war ihnen gleichgültig . Um sie zu halten mußte man ihnen vieles nachsehen , und Raub , Mord , Plünderung , Brandschatzen , führten sie auf ihre eigene Faust aus , um sich zu entschädigen , wenn sie den Sold nicht richtig bekamen . Georg von Frondsberg war der erste gewesen , der sie durch sein Ansehen im Heere , durch tägliche Übungen und unerbittliche Strenge , einigermaßen im Zaum hielt ; er hatte sie in regelmäßige Rotten und Fähnlein eingeteilt , er hatte ihnen bestimmte Hauptleute gegeben , er hatte sie gelehrt , geordnet in Reihen und Gliedern zu fechten . Sie zeigten aber jetzt , daß sie aus einer guten Schule kamen ; denn als sie vom Bunde entlassen waren , liefen sie nicht wie früher , zerstreut durch das Land , um Dienste zu suchen , sondern rotteten sich zusammen , richteten zwölf Fähnlein auf , erwählten aus ihrer Mitte Hauptleute38 , und selbst einen Obersten in der Person des langen Peters . Sie waren schwürig auf den Bund , nährten sich von Raub und Brandschatzen im Land , und führten Krieg auf eigene Rechnung . Die Anarchie war in Württemberg so groß , daß ihnen niemand die Spitze bot . Der Bund hatte sich an Streitkräften entblößt , und war zu sehr mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt , als daß er das arme Land von dieser Bande befreit hätte ; die Ritterschaft war uneinig , sie saßen auf den Schlössern und sahen ruhig diesem Treiben zu ; die Besatzung der Städte war zu gering , um ihnen mit Kraft Einhalt zu tun , und Bürger und Bauern sahen sogar diesen Haufen gerne , wenn seine Forderungen nur nicht allzu groß waren , denn die Landsknechte schimpften weidlich auf den Bund , dem niemand hold war ; ja es ging sogar die Sage , diese Kriegsmänner seien nicht abgeneigt , dem Herzog wieder zu seinem Land zu verhelfen . Es war ein schöner Morgen in der Mitte Augusts , als sich diese Leute in einem Wiesentale gelagert hatten , das der Grenze von Baden zunächst gelegen war . Die riesigen , schwarzen Tannen und Föhren , die das Tal auf drei Seiten einschlossen , gehörten noch dem Schwarzwald an , und das Flüßchen , das durch das Tal eilte , war die Würm . Halb überschattet vom Wald , halb in den Weidenbüschen des Tales versteckt , lag das kleine Heer in wunderlichen Gruppen und pflegte der Ruhe . In der Entfernung von zweihundert Schritten sah man Posten aufgestellt , deren blitzende Lanzen oder rotglühende Lunden schon von weitem Furcht einjagten . In der Mitte des Tales im Schatten einer Eiche saßen fünf Männer um einen ausgespannten Mantel , den sie als Tisch gebrauchten , um ein Spiel auf ihm zu spielen , das heute noch den Namen Landsknecht führt . Diese Männer zeichneten sich vor ihren übrigen Genossen durch breite , rote Binden aus , die sie über die Schulter und Brust herabhängen hatten , sonst aber hatte ihre Bekleidung auch das zerrissene und morsche Aussehen , wie das der übrigen Soldateska . Einige hatten Sturmhauben auf , andere große Filzhüte mit eisernen Bändern beschlagen , dazu Lederkoller , welche von Regen , Staub und Biwaks alle mögliche Schattierungen erhalten hatten . Bei näherem Blick erkannte man übrigens noch zwei Dinge , durch welche sie sich von ihren Kameraden unterschieden . Sie führten nämlich keine Donnerbüchsen oder Spieße , wie sie die Landsknechte gewöhnlich trugen , sondern Raufdegen von ungemeiner Länge und Breite . Auch hatten sie , wie es damals die Edelleute und Anführer trugen , auf ihren Hüten und Sturmhauben , bunte , wallende Federbüsche aus Hahnenschwänzen , um sich ein ritterliches Ansehen zu geben . Die fünf Männer schienen große Geschicklichkeit im Spiel zu besitzen , vorzüglich aber einer , der sich mit dem Rücken an die Eiche lehnte . Es war dies ein langer wohlbeleibter Mann . Er hatte einen Hut auf , dessen Rand sich wie ein bedeutender Mühlstein um den Kopf zog ; der Hut war mit einer Goldtresse besetzt , auf der Stirnseite war er mit dem goldenen Bild des heiligen Petrus geschmückt , aus welchem zwei ungeheure rote Hahnenfedern hervorragten . Dieser Mann mußte weit in der Welt herumgekommen sein , denn er konnte auf französisch , italienisch , ungarisch fluchen , seinen Bart aber trug er ungarisch , er hatte ihn nämlich mit Pech so zusammengedreht , daß er wie zwei eiserne Stacheln auf beiden Seiten der Nase eine Spanne in die Luft hinausstarrte . » Canto cacramento ! « rief dieser große Mann mit einem dröhnenden Baß , » der kleine Wenzel ist mein ; drauf ! ich stech ihn mit dem Eichelkönig . « » Mein ist er , mit Verlaub « , rief sein Nebenmann , » und der König dazu ; da liegt die Eichelsau ! « » Mord de ma Vich , zagt der Franzoz ; Hauptmann Löffler , Ihr wollt Eurem Oberst diesen Stich abjagen ? Schämt Euch , schämt Euch ; daz ist ein Rebeller , der daz tut ; Gott straf mein Zeel , Ihr wollt mich vom Regiment absetzen ? « Der große Mann funkelte zu diesen Worten gräßlich mit den Augen , schob seinen großen Hut auf das Ohr , daß seine überhängenden Augenbrau ' n und eine mächtige rote Narbe auf der Stirne sichtbar wurden , die ihm ein ungemein kriegerisches Ansehen gaben . » Beim Spiel , Herr Oberst Peter , gilt keine Kriegsordnung « , antwortete der andere Spieler . » Ihr könnet uns Hauptleuten befehlen , ein Städtchen zu blockieren und zu brandschatzen , aber beim Spiel ist jeder Landsknecht so gut wie wir . « » Ihr zeid ein Meuter , ein Rebeller gegen die Obrigkeit , Gott straf mein Zeel , und wäre es nicht gegen meine Würde , ich wollt Euch in Kochstücke mazakerieren ; aber spielt weiter . « » Da liegt ein Daus « - » drauf der Quater « - » den stech ich mit dem Zinken « , - » Schellenwenzel , wer sticht den ? - « » Ich « , sprach der Große , » da liegt der Schellenkönig , Mordblei ! der Stich ist mein . « » Wie bringst du den Schellenkönig rauf ? « rief ein kleines , dürres Männchen mit spitzigem Gesicht und kleinen , giftigen Äuglein und heiserer Stimme , » hab ich nicht gesehen als du ausgabst , daß er unten liegt ? Er hat betrogen , der lange Peter hat schändlich betrogen . « » Muckerle , Hauptmann vom achten Fähnlein ! ich rat Euch , haltet Euer Maul « , sagte der Oberst , » Bassa manelka , ich versteh keinen Spaß ; die Mauz zoll den Löwen nicht erzürnen . « » Und ich sag ' s noch einmal ; wo hättest du sonst den König her ? Vor dem Papst und dem König von Frankreich will ich ' s beweisen ; du falscher Spieler ! « » Muckerle « , erwiderte der Oberst , und zog kaltblütig seinen Degen aus der Scheide , » bete noch ein Ave Maria und ein Gratias , denn ich schlage dich tot , zo wie daz Spiel auz ist « Die übrigen drei Männer wurden durch diese Streitigkeiten aus ihrer Ruhe aufgeschreckt . Sie erklärten sich für den kleinen Hauptmann , und gaben nicht undeutlich zu verstehen , daß man dem Obersten wohl dergleichen zutrauen könnte ; dieser aber vermaß sich hoch und teuer , er habe nicht betrogen . » Wenn der heilige Petruz , mein gnädiger Herr Patron , den ich auf dem Hut trage , sprechen könnte , der würde mir , zo wahr er ein christlicher Landsknecht war , bezeugen , daß ich nicht betrogen ! « » Er hat nicht betrogen « , sagte eine tiefe Stimme , die aus dem Baum zu kommen schien . Die Männer erschraken und schlugen Kreuze wie vor einem bösen Spuk , selbst der tapfere Oberst erbleichte und ließ die Karte fallen , aber hinter dem Baum hervor trat ein Bauersmann , der mit einem Dolch bewaffnet war , und eine Zither an einem ledernen Riemen auf der Schulter hängen hatte . Er sah die Männer mit unerschrockenen Blicken an und sagte : » Es ist wie ich sagte , dieser Herr da hat nicht betrogen , er bekam schon beim Ausgeben , Schellen und Eichelkönig , Fünfe und Vier von Laub und den Schippenunter in die Hand . « » Ha ! du bist ein wackerer Kerl « , rief der Oberst vergnügt , » zo wahr ich ein ehrlicher Landsknecht - will zagen Oberst bin , ez ist all wahr waz du gezagt hast . « » Was ist denn das ? « rief der kleine Hauptmann Muckerle mit giftigen Blicken , » wie hat sich der Bauer daher eingeschlichen , ohne daß unsere Wachen ihn meldeten ? Das ist ein Spion , man muß ihn hängen ! « » Zei nicht wunderlich , Muckerle ; daz ist kein Spioner ; komm , zez dich zu mir . Bist ein Spielmann , daß du die Cittarra umhängst , wie ein Spanier , wenn er zu zeinem Schätzerl geht ? « » Ja Herr ! ich bin ein armer Spielmann ; Eure Wachen haben mich nicht angehalten , als ich aus dem Wald kam . Ich sah Euch spielen , und wagte es den Herren zuzusehen . « Die Hauptleute dieses Freikorps waren nicht gewohnt so höflich mit sich sprechen zu hören , daher faßten sie Zuneigung zu dem Spielmann , und luden ihn sehr herablassend ein , sich zu ihnen zu setzen , denn sie hatten in fremden Kriegsdiensten gelernt , daß große Könige und Feldherren sehr vertraulich mit den Meistern des Gesanges umgehen . Der Oberste tat einen Trunk aus einer zinnernen Flasche , bot sie dem kleinen Hauptmann und sprach mit heiterer Miene : » Muckerle , daz zoll mein Tod zein , waz ich getrunken , wenn ich nicht allez vergesse ; Hader und Zank haben ein Ende ; wir wollen nicht weiterspielen , ihr Herren ; ich liebe Gezang und Lautenspiel , wie wäre ez , wenn wir uns aufspielen ließen ? « Die Männer willigten ein , und warfen die Karten zusammen ; der Spielmann stimmte seine Zither , und fragte was er singen solle ? » Sing ein Lied vom Spiel ! « rief einer ; » weil wir gerade dran sind . « Der Spielmann sann ein wenig nach und hub an : » Von dem Zinken , Quater und As Kommt mancher in des Teufels Gaß , Von Quater , Zinken und von Dreien Muß mancher Waffengo schreien , Von As , Seß und Daus Hat mancher gar ein ödes Haus , Von Quater Drei und Zinken Muß mancher lauter Wasser trinken . Von Zinken , Drei und Quater Weinen oft Mutter , Kind und Vater , Von Zinken , Quater und Seß Muß Jungfrau , Metz und Agnes , Oft gar lang unberaten bleiben Will er die Läng das Spiel betreiben . « 39 Der Oberst Peter und die Hauptleute lobten das Lied und reichten dem Spielmann zum Dank die Flasche ; » Gott gesegne es euch « , sagte dieser , indem er die Flasche zurückgab ; » viel Glück zu eurem Zuge ; ihr seid wohl Obersten und Hauptleute des Bundes und ziehet wieder zu Feld ? darf man fragen gegen wen ? « Die Männer sahen sich an und lächelten , der Oberst aber antwortete ihm : » Ganz unrecht habt Ihr nicht , wir haben früher dem Bund gedient , jetzt aber dienen wir niemand alz unz zelbst , und wer Leute braucht wie wir zind . « » Die Schweizer werden heuer ein gutes Jahr haben , man sagt ja , der Herzog wolle wieder ins Land ? « » Aller Hund Krümmen komme auf die Schweizer « , rief der Oberst ; » wie übel zind zie an ihm gefahren ; der gute Herzog hat all zeine Hoffnung auf zie gesetzt , und diavolo maledetto wie haben zie ihn im Stich gelassen bei Blaubeuren ! ! « » Sie haben ihn schändlich gelassen « , sagte der Hauptmann Muckerle mit heiserer Stimme ; » aber doch so man ' s beim Licht b ' sieht , so g ' schieht ihm wohl halb recht , dann er sollt sie je wohl kennt haben ; es leit doch am Tag , daß sie kein dick ' s Brittlein bohren . Der Tüfell hol sie all « » Ja , der Herzog hat halt nichts Besseres haben können « , entgegnete der Spielmann ; » freilich wenn er solche Herren gehabt hätte , wie ihr und eure tapfere Fähnlein , da wäre der Bund noch bei Ulm . « » Du hast da ein wahrez Wort gesprochen , guter Gezell ! Landsknecht ' hätte er zollen haben und keine Schwyzer . Und hält er zich jetzt wieder zu ihnen , zo weiß ich waz ich von ihm halte . Landsknecht ' hätt er zollen haben , ich zag ' s noch einmal . Nicht wahr , Magdeburger ? « » Dat well ich man och meenen « , antwortete der Magdeburger . » Landsknechte oder keener können den Heertog wieder eup den Stuhl setzen . Die Schweizer können man gar nichts als mit den Hellebarden in die Glieder stechen ; dat ist all ihre Kunst . Aber Ihr solltet man sehen , wie wir die Donnerbüchsen laden , uf die Gabel legen un mit dem Lunden drauf , dat dich dat Wetter ; dat Manäfer macht uns keener nich nach ; Gott straf mir keener . Sie brauchen ein halve Stunde , um ihre Kugeln loszuschießen , und wir Landsknecht eene halbe Vertelstund . « » Ja , alle Achtung vor den Herren Landsknechten « , sagte der Spielmann , und lüftete ehrerbietig die Mütze ; » freilich euch Herren sollt er haben . Aber der Bund wird euch so gut belohnt haben , daß ihr dem armen Herzog nicht zu Hülfe ziehen möget . « » Gelohnt , socht er ? « rief der fünfte Hauptmann und lachte ; » jo wenn er ' s Geld von Blech schlagen könnt . Der schwäbisch ' Hund ! bei denen gilt ' s Sprichwort : Dien wohl und fordre keinen Sold , So werden dir die Herren hold . Ich sog schlecht hot er uns bezohlt ; und wenn Seine Durchlaucht der Herr Herzog mi hoben will , i steh ' nem z ' Dienst wie jedem . « » Staberl , du hast recht « , sagte der Oberst , und wichste den ungarischen Bart. » Mordblei , die Kaz ist gern , wo man sie strählet ; wenn der Herr Ulerich gut zahlt , zo wird , Gott straf mein Zeel , unsere ganze Mannschaft mit ihm ziehen . « » Nun , das werdet Ihr bald sehen können « , entgegnete der Bauer listig lächelnd , » habt Ihr noch keine Antwort vom Herzog auf Eure Botschaft ? « Der Oberst Peter ward feuerrot bis in die Stirne . » Mordelement ! wer bist denn du , Menschenkind , daz du mein Geheimnuz weißt ? wer hat dir gezagt , daz ich zum Herzog schickte . « » Zum Herzog hob Er g ' schickt , Peter ? Wos hobt er denn für G ' heimnis mitenonder , doß wir ' s nit wissen dörften ? Sog es nur gleich ! « » Nun , ich hab gedacht , ich müsse wieder einmal für euch alle denken wie immer und hab einen Mann zum Herzog geschickt , ihm in unzerm Namen einen schönen Gruz entboten und fragen lassen , ob er unz brauchen könnt . Dez Monats für den Mann einen halben Dicktaler , uns Obersten und Hauptleut aber ein Goldgülden und täglich vier Maaz alten Wein . « » Dat is keen bitterer Vorschlach , der Teiwel ! eenen Goldgülden monatlich ? ich bin dabei und es wird keener wat dagegen haben . Hast du Antwort von den Heertog ? « » Bis jetzt noch keine ; aber Bassa manelka ! wie kamst du zu meinem Geheimnuz , Bauer ? Ich hau dir ein Ohr ab , Gott straf mein Zeel , zo tu ich , wie mein Patron der heilige Petruz , war auch ein Landsknecht , dem Malchuz , der war von den jüdischen Schwyzern , ein Hellebardierer . Zag schnell oder ich hau . « » Langer Peter ! « rief der kleine Hauptmann Muckerle , mit ängstlicher Stimme , » laß um Gotts willen den gehen ; der ist fest und kann hexen ; ich weiß noch wie heut , daß wir ihn in Ulm fangen sollten und in Herrn von Krafts des Ratschreibers Stall kamen , wo er sich aufhielt , denn er war ein Kundschafter , so machte er sich klein und immer kleiner , bis er ein Spatz wurde und über uns ' naus flog . « » Waz ? « schrie der tapfere Oberst und rückte von dem Spielmann hinweg , » der ist ' s ? Wo dann der Magistrat auzrufen ließ , man zolle alle Spatzen totschießen , weil zich ein württemberger Spioner in einen verwandelt habe ? Man heißt zie glaub ich , jetzt noch die Ulmer Spatzen ! « » Der ist ' s « ,